Wiesbadener @apatt
Verlag: Langgasse 27.
15,4M>O AKonneuten
1898,
Samstag, den 2. April
Ko. 156
Fernsprecher N». 52.
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
Adthei Reichs
Serliner Theater-Monats-Krlef.
Sonst war der Monat März in künstlerischer Hinsicht eigentlich mehr ein April; seine Physiognomie zeigte sich äußerst wechselnd und wetterwendisch.
Theils hatte er einen durchaus litterarischen Zug: Er war der Fest- und Feiennonat Henrik Ibsens, dem die Berliner Bühnen ihre Huldigung brachten. Interessante Neubelebungen wurden da versucht. Und gerade die kleineren Theater, fern dem großen Centrum, thaten sich rühmlich hervor. DaS „Belle-Miance-Theater" wagte sich mit dem Uebermuth der Jugend an das Riesenwerk: „Kaiser und Galiläer", das en miniature aufgeführt wurde, ä la Erlkönig im Telegrammstil; daS „Schiller-Theater" holte aus Ibsens faustischer Frühzeit sich den „Brand". Auf dem „Deutschen Theater" erschien verführerisch und verderblich „Hedda Gabler", und im „Neuen Theater" gab man, einerseits um Ibsen zu ehren, anderseits um Herrn Direktor Lautenburg sich einmal wieder in der Rolle des MluM aMeben zu lassen. die .gßüktute"-
(Eigener Aufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt".) Kerli«, Anfang April.
Die Berliner Königlichen Thealer fangen jetzt, da die gefürchteten bitterbösen Modernen die Hinterhausrealitüten und die Armeleutwalerei überwunden haben, vorsichtig ° temperirt an, sie näher auf sich zukommen zu lassen. Sie v machen in der Schätzung der Modernen aber noch tief- / einschneidende Unterschiede. Mich dünkt, nicht nach künstlerischen Grundsätzen, sondern mehr nach dem Gesichtspunkt der Bedenklichkeit oder vielmehr der Unbedenklichkeit. Am ungefährlichsten erscheinen ihnen die einst so gefürchteten Umstürzler, wenn sie, dem mit Recht so beliebten Zug der L Zeit folgend, sich auf holden Märchenpfaden ergehen.
Auf Märchenschwingen schlüpfte Otto Julius Bierbaum, dessen „Studcntenbeichten" von einst so gar nicht hoftheater- lich waren, mit seinem „Lobetanz" ins Opernhaus, und | gleichfalls auf Märchenschwingen huschte Frau Elsa Bernstein (Ernst Rosmer genannt) ins Schauspiel. Der Erstling k dieser Dichterin, der sehr, sehr viel versprach, das Schauspiel | „Dämmerung", war vormals allen öffentlichen Bühnen, nicht nur den königlichen, viel zu heikel. Er ward von der „Freien p Bühne" aufgeführt. Jetzt, welch ein Umschwung, ist Ernst Rosmer ' hoftheaterfähig geworden. Freilich hatte sie eine angemessene i Begleitung. Sie erschien.mit „Königskinder".
Die „Königskiirder", das dramatische Märchen, reicht in Gestaltung und Charakteristik nicht an die ersten Werke L der Dichterin. Es hat auch nicht die Spielmannsfrische des 7 Bierbaumschen Märchens. Viel gewollt und viel gefühlt, I über nur andeutungsvolle Ausführung. Der Frau Rosmer
AuslairS.
* Großbritannien. Die Arbeiter von nahezu 40 Kohlengruben in Süd-Wales haben die Arbeit niedergelegt aus Unzufriedenheit über das Arrangement, betreffend die gleitende Lohu- flala. Bis jetzt wird in etwa 50 Gruben noch gearbeitet; doch befürchtet man, daß der Ausstand einen beträchtlich größeren Umfang aunehnien wird. Im ganzen Bezirk herrscht große Erregung. Die Zahl der Ausständigen beläuft sich bereits auf viele Taufend.
kreiste allerlei durch den Kopf, sie pickte und naschte von den Ideen der Zeit, vom lieber- und Adelsmenschenthum, von romantischer Sehnsucht und Phantasicdnrsten.
Daraus entstanden und erwuchsen Elemente und Personen ihrer Dichtung: der landfahrende Königssohn, den sein hohes Wollen nicht in der satten Pracht des väterlichen Palastes duldet, und der Muth und Kraft in der wilden Ferne erproben will; die schöne, goldhaarige Gänsemagd, das Henkerskind, keine Magd, sondern eine Maid mit aller Dornröschen- und Schneewittchensüße. Dem Paar gegenüber, das sich in Liebe findet, die enge Philistrofität eines Spießbürgerstädlchcns, das die Beiden aus ihren Mauern treibt, in die Kälte, in Hunger und Tod. Die „Königskindcr" — sie sind verdorben, gestorben. Aber noch im Tode behalten sie Recht. Die Kinderschaar der kargen, hartherzigen Hellastadt bekränzt ihre bleichen Körper mit Blumen; der Spielmann singt ihnen «inen rauschenden Hymnus von ewiger Liebe nach, und ihr Grab wird gebettet in wilder, hoheitsstolzer Berges- einsamkcit. Noch im Tode behalten sie Recht: das Gefühl, die Schönheitsscligkeit, die Poesie gegen die Nüchternheit, die Enge, die dürre Prosa. So ungefähr mag sich Frau Rosmer das Leitmotiv ihrer Dichtung gedacht haben, aber den vollen lyrischen Klang hat sie nicht ganz erreicht. Sie wird wohl selbst die Unzulänglichkeit gefühlt haben, denn sie sann auf Unterstützung. Musik sollte den weichen Grund ihren Versen geben. Ihr musikalischer Bundesgenosse war Engelbert Humperdinck. Er hatte für die musikalische Belebung des Werkes eine alte Form neu geschaffen. Er machte aus der Dichtung keine Oper; er begleitete einfach den Text orchestral. So entstand eine Art Melodrama. Ein Mejo-
b. * Der neue Kolonialdiresttor. Zum Direktor der Kolonial- Adtheiluiig des Auswärtigen Amtes ist, wie schon gemeldet, der Reichstags-Abgeordnete pr. v. Buchka ernannt worden. Gerhard v. Buchka ist am 22. Dqenibcr 1851 zu Neu-Stieiitz geboren. Bei Beginn des Feldzuges 1870 trat er als Avantagenr tu das 1. Grob- herzoglich Mecklenburgische Dragoner-Regiment Nr. 17 ein, in welchem er während des Krieges Offizier wurde. Im Jahre 1873 im mecklenburgischen Jnstizdienst angestellt, wurde er 1879 Landgerichtsrath in Schwerin, 1884 Landgerichtsdirektor in Güstrow, «eit 1886 ist er Ober-LandeSgerichlSrath in Rostock. Im Reichstag, in welchen Herr v. Buchka 1893 gewählt wurde, gehört er der konservativen Partei an, die er oft als Redner vertreten hat. Insbesondere war er bei der Berathnng des bürgerlichen Gesetzbuches Mitglied der Kommission. Auf Wunsch seiner Fraktion schied er aus dieser Kommission ans, da er über die obligatorische Civilehe einen von der Mehrheit der Fraktion abweichenden Standpunkt ein- natzm, von dem ans er auch im Plenum die Anträge auf Einführung der fakultativen Civilehe bekämpfte.
««. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs PreiS: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 6Ö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Anzelgen-PreiSr
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drama freilich mit hochgespannten idealen Forderungen. Humperdinck verlangt nicht nur eine rhythmische, ganz genaue Anpassung des Sprechers an die Musik, er führt auch ein penibel angelegtes System von VortragSzeichen durch. Für dies System fand er jedoch nicht die nöthige Gegenliebe bei den Schauspielern, die sich in diese Gebundenheit nicht hineiupassen konnten. Die Musik selbst ist von großem Reiz. Sie bringt die lyrischen Seiten des Werkes zart und fein und verfügt auch über kräftig dramatische Charakteristik. In ihren glänzend aufgebauten Steigerungen ist sie von größter Wirkung.
* Rundschau im Reiche. Der „Hamb. Korresp." meldet, daß durch kaiserliches Handschreiben General-Oberst Graf Waldersee an Stelle des in den Ruhestand tretenden Feld- ■ Marschalls Grafen Blumenthal zum Inspektor der dritten Armee- Inspektion ernannt worden fei. — Die „Hamburger Nachrichten" melden aus Friedrichsruhe Fürst Bismarck erhielt vom Kaiser einen Krückstock mit schwerem Goldgriff und eiugravirtem kaiserlichen Namenszug. Der Geburtstag de» Fürsten wurde im engsten Familienkreise gefeiert — Ans Friedrichsruh, 1. April, wird gemeldet: Der Oder-Stewart Kapelle von dem soeben ans Kiautschou zurückgekehrten Lloyddampser „Darmstadt" überbrachte vom Prinzen Alexander Afar im Auftrage der Graals-Misfion au» dem Hailam- TempelinSingaporezweiGraals-Taubeu. —AnsHambur g Meldet die „Volkkztg.": Fürst Bismarck hat fich an feinem gestrigen 83. Geburtsfest entschlossen, dem Oberförster Lange die von demselben beanspruchte Penfioiiszulage in Berücksichtigung der treuen Dienste, welche ihm Lange während einer langen Reihe von Jahren geleistet habe — in vollem Umfang zu bewilligen. — Freiherr v. Stumm erklärt sich in einem Dankschreiben an de» Vorsitzenden der Bertraucneniänner=53erfanimlung zn Neunkirchen bereit, die Kandidatur für den Reichstag wieder anzunehmen. Daß es mit der früher auSposaunteii ReichstagSmüdigkeit des Herrn v. Stumm »ichtS fei, war vorauszusehen.
Aus Kunst und Leben.
* gSnißlidie Schauspiele. (Wochen-Spielentwiirf.) Sonntag, den 3. April, Avomiement C, 43. Vorstellung: „Faust" (Oper). Anfang 6V- llbr. Montag, den 4., Abonnement D, 43. Vorstellung: „Torquato Tasso". Ailsang 7 Uhr. Dienstag, den 5., Abonnement A, 44. Vorstellung: „Die versunkene Glocke". Ansang 7 Uhr. Mittwoch, den 6., Abonnement 13, 44. Vorstellung, neu enistudirt: „Joseph und seine Brüder". Anfang 7 Uhr. Doiitierstag, den 7.: Geschloffen. Freitag, den 8.: Geschlossen. Samstag, den 9., zum Besten der Wittiven- und Waisen-Pensions- und Unterstützungs-Anstalt der Mitglieder des Königs. Tbeater- Orchcsters: VI. und letzte« Symphonie-Konzert. Anfang 7 Uhr. Sonntag, den 10., Abonnement C, 44. Vorstellung: „Aida". Anfang 61/« Uhr. Montag, den 11., Abonnement D, 44. Vorstellung: „Theodora". Anfang 7 Uhr. Dienstag, den 12., Abonnement A, 45. Vorstellung: „Martha". Anfang 7 Uhr.
* In» Residenz - Theater wurde gestern in fast vollständiger Neubesetzung Sehonthau« „Das letzte Wort" zum ersten Mal in dieser Saison gegeben und erzielte wieder einen starken @rfo!g. Herrn Direktor R auch» treffliche, sein charakterisirte Darstellung des Geheimrath Mantius ist bekannt, ebenso der Johannes des Herrn Schwartze. Der Alexander Jordan wurde wieder durch Herrn Bartak mit einem liebenswürdigen Leichtsinn ans- gestattet >ind der Kanzleirath Gerlach durch Herrn Stieme gut verkörpert. Neu besetzt war die Nolle des Bernhard Mantius durch Herrn Manussi, der dieselbe mit so viel HerzenSwärme und so viel sympathischen Nüancen anSstattete, daß man seine helle Freude daran haben konnte. Wie wunderbar wußte er die Scene wieder- iugebe», wo er das Herz de« Bruder» rührt, und wie fein „grob" kam er dem Neidhammel G'rlach, als er ihm die Meinung tagtet Von den Damen ist in erster Linie Fräulein Tiinlrng zu nennen, die als Baronin Leajaleff durch ein elegantes Aenßeres auffiel und im Spiel eine charmante Leistung bot; es wurde ihr nicht allzu schwer, de» „Bären" Johannes zu bekehren. Sehr viel Temperament und wahre Herzensiäue wußte Fräulein Euler als Gertrud zu entwickeln. Fräulein Borchard (Elly) als Partnerin des flatterhaften, aber im Herzen doch guten Jordan führte ihre Rolle mit der ihr eigenen feinen Schelmerei durch. Auch alle übrigen Mitwirkenden thaten ihr Beste», die Darstellung zn einer in jeder Hinsicht Wohlgelungenen zu machen.
* CSrUlrn-Vrrein. In dem bevorstehenden Konzerte des „Cäeilien-Vereins" — Montag, den 4. April — werden die Solo- partieen von Fräulein Emma Dienstbach au« Frankfurt a. M. und den Herren Wilhelm Geis und Otto Süsse vertreten werden. Fräulein Dienstbach ist un» schon wiederholt in den Konzerten des Vereins begegnet, als „Jungfrau" in Paradies und Peri und zuletzt in „Inda« Maccabäns" von Händel, in welchem Oratorium sie die schwierige Sopranpartie mit großem Erfolg fang. Ihre geläufige Koloraturfertigkeit und ihr frischer, glockenheller und sympathischer Sopran wurden von der Kritik übereinstimmend gelobt. Herr Wilhelm Gei« ist dem hiesigen Pnblikuin wohlbekannt. Herr Süsse, Mitglied de» „Cäcilien-Vereins", hat schon wiederholt in Wiesbaden in kleineren Konzerten mit Erfolg gelungen und ist so dem hiesigen Publikum auch kein Fremder. Die Pforten des anspruchsvollen Kurhauses dagegen werden sich ihm zum ersten Male erschließen, und wir zweifeln nicht, daß ihm der Erfolg auch an dieser Stätte treu bleiben wird. Da« überaus schöne, tief und zart empfundene Barytonsolo im Deutschen Reguiem von BrahmS ist für seine weiche, quellende Barytonftimme wie geschaffen.
— Das Wen»» de» Gala-Dinero auf dem Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große", dem größten Schiffe auf dem Weltmeer, gelegentlich der denkwürdigen Kaiserfahrt am Freitag, den 25. März, hat in weiten Streifen Interesse erregt und soll auch
Ä ‘ÄtHtnltMti» für die Abend-Ausgabe bi» 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Deutsches Deich.
• fiof- und Personal-Nachrichten. Wie die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" erfährt, ist zum Direktor der Kolonial- Ablheilung de» Auswärtigen Amte« der Reichstags-Abgeordnete Dr. v. Buchka ernannt worden. — Der Amtsrichter Dr. Gelpcke in Hamburg wurde znm Richter in Kialiifchou ernannt. Vor feiner Abreife ist er auf 6 Monate znm Reichsmarineamt beordert. — Zum kommandirenden General des 9. Armeecorps an Stelle des Grafen Waldersee ist Geiieral-Lieuteiiant v. Mafsow, bisher Kommandeur der 30. Division in Straßburg, ernannt worden.
Kerli», 2. April. In der Sitzung, zu welcher gestern die Reichsschnlden-Kommission im Reichs-Justizamt zusammentrat, »anbclle es sich, wie die „Post" meldet, nur um eine Vorbesprechung der Frage, ob au« Anlaß de« Falle» Grünenthal eine Slenberung der bestehenden Kontroll-Borschristen am Platze sei. Da vollständige Klarheit darüber, was Grüilenlhal verbrochen hat, noch nicht besteht und der Gang der Untersuchung nicht gestört ist, kann that- sächlich erst nach Abschluß der letzteren Weiteres in die Wege geleitet werden.
fc In der Angelegenheit Grünenthal meldet der Berliner „Lokal-Anzeiger", daß die Mutter der in Hast genommenen Elli @01} nach ihrer Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter wieder entlassen wurde. Weiter wird berichtet, daß es der Polizei gelungen ist, mehrere Hundertniark-Scheiile, die von Grünenthal in Verkehr gebracht worden sind, zu erlangen. Dieselben unterscheiden sich aber durch nichts von anderen. Mit bloßem Auge ist eine Abweichung im Druck der Nummern oder des Stempels nicht bemerkbar. Auch ob Doppelnummern Dorliegen, läßt sich bi« jetzt noch nicht feststellen.
hier deshalb roiebergegeben werden. Ueberhanpt erwies fich die doi« Norddeutschen Lloyd er. Majestät Kaiser Wilhelm II. und besser illnstren Gefolge gebotene Bewirthnng als über jede« Lob erhübe», und iiamenllid) ward es auf» Nene kund, daß überhaupt bt schwimmenden Rieseu-Gasthöse des Lloyds mehr als die ersten uni feinsten Hotels der Welt den Passagiere» an Komfort und Genüssen bieten. Und nun gar der „Kaiser Wilhelm der Große" l Wundervoll präfeiuirte sich der in reichem Schmuck frischer Blumeit prangende, künstlerisch vornehme und bereit« berühmt gewordene große Speisesaal des Dampfer». Von Künstlerhand aber war da» Menu hergestellt: auf dem Titelblatt die Victoria mit der Quadriga und darüber das Medaillondild des Heldenkaisers Wilhelm 1, durch einen Kranz von Lorbeeren und Kornblumen umrahmt, die Kaiserkrone über dem Haupte schwebend — am Fuße das Konterfei des Niefenfchiffes. Die „Speisenfolge" de« Gala-Diners — für Feinschmecker besonders bemerkenswerth — war diese: Hühnersuppe — Lloydsekt. — Florida Pompano — 1893er Bock- flehier. — Rinderbraten nach Malteser Art mit jungen Erbsen — 1878er Chätean Lafite. — Sauls von Reh mit Trüffeln — 1893;r Oberemmeirr Ranler. — Frische Austern — 1868er Ranen» tbaler Berg (Auslese) von A.Wilhelmj. — Amerikanische Wachteln, Canvas - back - Enten, Kompott, Salat — 1874er Chüteau Dnlnc. — Mandarinen-Speise, Eis — Veuve Clicquot. — Butter — Käse. — Früchte — Cosa. — Au» der „Musik- folge" heben wir nachstehende Orch-flerstücke hervor: Armeemarsch Nr. 9: „Herzog von Braunschweig", Ouvertüre zu „Martha" von Flotow, „Kaiser Wilhelm« Gruß an sein Volk" von Eilenberg, Pilgerchor ans „Tannhäuser" von Wagner, „TranS- skriptiou übet „Das Kornblumeulied" von Thiele, Pariser EiuzugS- marsch :c. Bemerkenswerth vom kulinarischen Standpunkte aus erscheint e«, daß, entgegen der bisherigen Gewohnheit, die Austern erst zwischen dem Relevö und dem Braten gegeben wurden, wie wir hören, eine in England neuerdings aufgekommene Sitte (?). — Der zu den Austern gereichte 1868er. Ranenthaler Berg war jene edelste Auslese des berühmten Rheinweinjahre«, von welcher nach der Schlacht bei Gravelolte bekanntlich der Proknrator A. Wilhelms dem „Hüter de« Rheine«", dein Heldenkönige, eine huldvoll angenommene Widmung machte, und die seitdem zur Erinnerung den Ehrennamen „König Wilhelm" trägt. Der Kaiser nahm hier, wie bei jeder Gelegenheit, Veranlassung, seine Allerhöchste Befriedigung und Anerkennung aurznsprechen. (Bekanntlich liefert das hiesige Weinbau» A. Wilhelmj die Rheinweine für die Schiffe des Lloyd.)
* Der Münchener Kritiker Proretz. Prozeß SchelS geyen Vauernsretind. DaS geltet» früh gegen 2 Uhr gefällte Urtheil spricht gegen Bauernfreund eine Geldstrafe von 150 Mk. au«. In der Begründung ist aurgesührt, da« Gericht erkenne an, daß Banern- freunb seine Anklage gegen Schel« im guten Glauben an die Richtigkeit des ihm Erzählten geschrieben habe, daß SchelS von dem verstorbenen Kausniann Bö«l Geld, weil» auch nicht in der direkt ausgesprochenen Absicht der Einwirkung auf SchelS zu Glinsteu der Hostheater-Jnleiidauz erhalten habe und daß Hostheater-Jntendaiit Possart ihn im Interesse der Intendanz, um einen modus vivendi zwischen Intendanz, und Kritiker zu schaffen (hübsch zart ankgedrückll D. R.), honorirt habe. (!! D. R.) Die beiten letzterwähnten Momente ließen SchelS als Kritiker nicht einwandsrei erscheinen, wenn sie auch zur Beur- tljeilnug der Klage nicht ausschlaggebend feien. Alle übrigen Anschuldigungen seien nicht erwiesen. Mit Rücksicht auf den guten Glauben de« Banermreund und mit Rücksicht darauf, daß in den Kreisen der Bühnendarsteller das Gerede von der Bestechlichkeit des SchelS allgemein ausgegangen fei, habe da» Gericht von einer Haftstrafe des Beklagten abgesehen.
* Verschiedene Wittsteilung«>». An« Paris wird berichtet: Der Schiffr-Lieutenaiit Julian Viaud, in der Litleratnr Pierre Loti, soll jetzt endlich entschlossen fein, feine Stellung in der Marine aufingeben und sich ganz den Musen zu widmen. Er erwartet mir noch seine Ernennung zum Fregatteu-Kapitän ab, die sehr bald bevorstehen dürste, da er al« sechster ans der Besörderungs» liste verzeichnet ist, um sein Rücktriltrgesnch eiuzureichen.
Gerhart Hamptnianii, der Dichter der „Weber", hat, wie eine Lokalkorrespoudenz jum 1. April berichtet, ein Zweirad erfunden, da» fick) mittelst einiger Handgriffe schnell in ein Dreirad verwandeln läßt; da« dritte Rad wird, sobald der Fahrer den Mechanismus berührt, in Thätigkeit gesetzt. Bei Ausflügen, wo der Radfahrer in möglichst ruhigem Tempo fahren will, um die land-
