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1898
Freitag» den 1. April
Fernsprecher No. 52.
Uo. 154
Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
KrenMHer Kaudtag
gedichteten Ludwigsliedcs. Auch die Handschrift einer Art poetischer Weltbeschreibnng, die gegen das Jahr 1100 dem phanlasiebegabten Kopfe eines Mönches des Klosters St. Gallen entsprungen war, entdeckte er und gab sie unter dem Titel „Merigarw", d. h. meernmgcbencr Garten oder Erde, heraus.
gögerung. Die katholischen Pfarrer, weil unverheirathet, könnten Schwankungen desPiründen-Systems aushalten,die evangelischen aber nicht, weil sie für ihre Familie sorgen mühten. — Abg. v. Köller (kons.) tritt ebenfalls für nochmalige Verweisung an die Generalsynoden ein.— Abg. Jrmer (kons.) wendet sich gegen Slöcker und schildert die Arbeiten der Synode. Der Grund Stöckers sei unbegreiflich, da die Pfründe sa erhalten bleibe. Von Konfiskation sei überhaupt keine Siebt. Die Pfründe sollte von der Gemeinde verwaltet werden, aber den Nießbrauch habe die Genieiiide nicht. Nach kurzer weiterer Debatte und persönlichen Bemerkungen zwischen Stöcker und Inner wird die Vorlage einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Morgen, 11 Uhr: Petitionen.
Außer der schon erwähnten Reise nach Nordfrankceich bereiste er auch Oesterreich, Dänemark, Holland und Belgien, nachdem er schon vorher die Rheinlande und Holland zur Erweiterung der Volksdichtung durchreist und eine Zeitlang in Berlin gelebt hatte. Im Jahre 1823 erhielt er eine Anstellung als Kustos an der Universitätsbibliothek zu Breslau und wurde im Jahre 1830 als außerordentlicher
(Nachdruck verboten.)
Hoffmann von Fallersleben.
r (Ein Gedenkblatt zu seinem hundertjährigen Geburtstage am 2. April.) Von Erich v. Wussow.
In diese Zeit, in der wir das Andenken des »tollen t Jahres" 48 wachgerufen haben, fällt die hundertjährige " Wiederkehr des Geburtstages eines Dichters, der durch seine S Lieder jene Bewegung schüren half und der doch von glühender : Vaterlandsliebe beseelt war. Der revolutionäre Geist, der, t bevor die Bombe zuni Platzen kam, die deutsche Volksseele F beherrschte, beeinflußte naturgemäß auch die Poesie und I erhielt umgekehrt von dieser wieder neue Nahrung. Man hat sich daher daran gewöhnt, von einer „revolutionären ff' Poesie der vierziger Jahre" zu sprechen.
Einer der Hauptträger dieser Poesie ist Hoffmann D Mit Fallersleben, der am 2. April 1798 in Fallersleben, I einem Marktflecken der jetzigen Provinz Hannover, geboren Mwürde, nach welchem er sich später als Dichter Hoffmann ff von Fallersleben nannte. Er besuchte die Gymnasien zu =■ Braunschweig und Helmstedt und studirte seit 1816 in k Göttingen, seit 1819 in Bonn erst Theologie, dann aber L ausschließlich Germanistik. Diesem Studium verdanken L wir litterar-historische Werke des eminent begabten und | thätigen Forschers von dauerndem Werthe. Als solche sind > hauptsächlich seine „Geschichte des deutschen Kirchenliedes bis auf Luther" und das bibliographische Werk „Die M deutsche Philologie im Grundriß" zu nennen. Hoffmann von Fallersleben ist es auch, der durch glückliche Funde die wissenschaftliche Behandlung der deutschen Sprache und ff Litteratur ganz bedeutend förderte. So fand er im Jahre | 1837 auf einer Studienreise durch Nordfrankreich in der r pMothek zu Valruciennes die Handschrift des im Jahre 831
ermöglichten. Seit 1880 sind für 38 Milliarden Eeldwerthzeichen in der Neichsdnickerei gedruckt worden und er ist nichts pasfirt. Es scheine sich um höchstens (!) eine Viertelmillion Mark zu handeln. Der Vorfall sei durch die Presse ausgebanscht worden. Die aus dem Diebstahl herrührenden Noten würden eingelöst. Grünenlhals Vermögen sei gröber als die entwendete Summe, also erwachse auch dem Staate kein Schade». Seit 1. Januar sei ein neuer Kurator der Reichsdruckerei ernannt — Abg. Müller- Sagan (freis. Volksp.) hält eine gründliche Revision der Kontroll-Einrichtungen für nölhig. Daraus wird der Etat angeuominen, ebenso der Etat des Eisenbahn- uitb des Bankwesens, sowie die kleineren Etats. Angenommen wird sodann das Etatsgesetz, sowie in Gesammt-Abstiminnng der Etat gegen die glimmen der Sozialdemokraten. In dritier Verathnng wird der Gesetzentwurf wegen Verwendung der lleberschüsse ans Reichs-Einnahmen ans dem Rechnungsjahre 1898 zur Schuldentilgung ohne Debatte genehmigt, ebenso das Anleihegesetz.— Nächste Sitzung 26.April, 1 Uhr: Gesetzentwurf über elektrische Maßeinheiten, Berathnng der lox Heintze, Wahlpriisungen. — Präsident v. B nol wünscht den Abgeordneten gute Erholung und glückliche Reise.
und 1835 als ordentlicher Professor der deutschen Sprache und Litteratur mi die dortige Universität berufen. Während dieser Zeit entstanden außer den schon genannten Arbeiten ganz bedeutende wissenschaftliche Werke, die Hoffmann von Fallersleben in den „Spenden zur deutschen Litteratnr- geschichte" gesammelt erscheinen ließ.
Das ist, hi kurzen Umrissen skizzirt, Hoffmann von Fallersleben als Gelehrter und Germanist. Bekannter und gefeierter aber ist er als Volksdichter. Er war in der That ein Dichter, der zum Herzen des Volkes sprach, und dessen Lieder noch lange Zeit im Munde des Volkes fortleben werden. In den Jahren 1840 und 1841 erschienen seine „Unpolitischen Lieder". Es klingt wie Ironie, daß die „Unpolitischeii Lieder" politisch so anstößig befunden wurden, daß der Dichter infolge eines königlichen Dekrets seiner Professur ohne Pension enthoben wurde. Von diesem Zeitpunkte an begann für Hoffmann von Fallersleben ein un- stätcs Wanderleben. Von Ort zu Ort ziehend, sang er, ganz gleich ob in der Dorfschänke beim Bier oder im vornehmen städtischen Gasthause beim perlenden Champagner, feine politischen Lieder. Die damals herrschende Partei, der Klerus und der Adel, kamen nicht gerade gut darin weg. Doch gerade deshalb fand der Dichter bei dem größten Theil seiner Zuhörer lebhafte Zustimmung und Anerkennung. Diese kleinen, im Volkston gehaltenen Lieder, sie packten und zündeten, und jubelnd stimmten die Hörer in den Refrain ein. Zwar hatte er dieserhalb auch viel Ungemach zu erleiden, und öfter als einmal ist es ihm passtrt, daß er gemaßregelt oder ansgewiesen wurde. Doch an anderen Orten wurde er dafür wieder mit Fackelzügen und Festessen gefeiert. Tirfflich schildert sein Freund Ferdinand pemitoen um> feuuitton/iseu. Hoffmann von FgllE^ km GMt«
40. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. OO Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Die einspaltige Petitzeile für loeale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pst für Auswärts 75 Pfg.
Lerlin, 31. März.
Abgeordnetenhaus.
Berathnng der Vorlage, betreffend Gehälter der Geistlichen beider Kousefstouen. — Abg. Dittrich (Centr.) tritt der Behauptung Sattlers entgegen, die katholifche Kirche werde bevorzugt. Dieser Vorwurf fei schon auf der Generalsynode durch die Regierung widerlegt worden. Die ParitatSbeschwerden aus diesem Gebiete würden allerdings nunmehr anshören, dabei bleibe aber die Ungleichheit bestehen, daß die katholische Kirche durch Säkularisationen weit mehr geschädigt worden, als die evangelische Kirche. Die Kommission müsse scharfe Kautelen gegen eine Neubelastnng der Gemeinden treffen. (Beifall.) — Abg. Haacke (nat.-lib.) macht seine Zustimmung davon abhängig, daß erstens die Gemeiiiden nicht weiter belastet werden, zweitens das Grundgehalt erhöht werde, und drittens, daß dieses Gesetz bereits vor beut April 1899 in Kraft trete. Redner begrüubet diese Forderungen eingehend itub beantragt schließlich Ueberweifung an eine Kommission von 21 Mitgliedern. — Minister Miguel führt ans, die früheren Unzuträglichkeiten erforderten eine gesetzliche Regelung dringend. Der Staat wolle nur den leistungsunsähigen Geuieiuden Zuschüsse geben. Der Vorwurs der fortschreitenden Centralisation sei somit hinfällig. Es sei unmöglich, das Gesetz vor April 1899 in Kraft treten zu lassen. Da» Grundgehalt sei nicht zu niedrig, die Gymnasiallehrer hätten beispielsweise ein geringeres Grundgehalt. Gegenüber den Gemeinden würde mit Wohlwollen und Milde verfahren werde». Er bitte deshalb, das Gesetz nicht z» verzögern. — Minister Bosse dankt den Abgeordneten v. Heydebrand und Sallier für ihre gestrigen Ausführungen und bezeichnet die Behauptung v. Köllers, das Gesetz werde zur Konfiskation der Pfarrvermögen führen, als hinsällig. Der Uebergang der Psründen-Verwaltiing auf die Gemeinden fei der sehnlichste Wunsch der Geistlichen selber. Trotzdem wolle der Staat in das Psrünbeu- System nur so weit eingreisen, als es sich als unbedingt nölhig herausstelle. — Abg. Hornig (kons.) erklärt Namens eines Theils der Konservativen, dieselben würden sich einer KonimiksiouSberathnng nicht widersetzen, in der Hoffnung, daß die hauptsächlichsten Bedenken gegen die Ueberlassnng der Gemeinden dort beseitigt würden. — Abg. v. Plettenberg (Centr.) tritt mit der Mehrheit der Konservativen beit gestrigen Ausführungen v. Heydebrand» bei und stimmt dem Antrag Haacke zu. —Abg. Schall (kons.) schließt sich dem Vorredner an und dankt der Regierung Namens der evangelischen Geistlichkeit.—Abg. Stöcker (ehristl.-saz.) tritt für nochmalige Verweisung der Vorlage au die Synoden ein, da sich jetzt erst gezeigt habe, daß die Verbindung de» Psründeuweseus mit derStnfensolge der Gehälter für die Katholiken beibebalte» werde, während dies in der evangelischen Generalsynode als unmöglich bezeichnet wurde. Redner regt die Schaffung einer Nnterstützungskasse für die Landpfarrer an. Das Grundgehalt sei viel zu niedrig. — Minister Bosse entgegnet, im Interesse einer möglichst schleunigen Erledigung der Vorlage fei der vorgeschlagene Weg der unpraktischste. Der Versuch, alle Synoden unter eine» Hut zu bringe», wäre doch inindestens eine große Ver-
» . für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 8 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur
uächsterscheinenbeu Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Deutscher Reichstag.
Q Lerlin, 31. März.
Vor Eintritt in die Tagesordiinng erklärt Abg.Lieberma tut ff o. Sonnenberg (Sintis.) gegenüber der ihn betreffenden vorgestrigen Aenßerung de» Abg. Ahlwardt, daß er niemals in irgend- welchem AbhängigkeilS-Verhältniß zu den Konservativen gestanden habe. Ahlwardt habe sich ferner gestern bezüglich der Jubenflinten auf eine Notiz in den Deutsch-sozialen Blättern bernseti. Er selbst erkläre, daß fein Schriftleiter diese Notiz aufgeuonnnen habe, er würde dies nicht getha» haben. Was die Jubenflintensrage anlange, so bemerke er, daß jedenfalls die Form des Ablwardtschen Vorgehen» den vaterländischen Interessen widersprochen habe. Tagerordnutig: Dritte Lesung deSElatS, EtatdesReichsjustizamtS. Abg. Lieber (Centr.) erklärt, er habe in der zweiten Lesung daraus Bezug genommen, daß Erzbischof Melcher» seiner Zeit mit Strohflechlen beschäftigt worden fei. Nach den inzwischen angestelllen Ermittelungen ziehe er diese Angabe al« irrthümlich zurück. — Staatssekretär Nie der ding ist dem Abg. Lieber für seine Berichtigung dankbar. — Abg. Schmidt - Frankfurt a. M. rügt, daß in Frankfurt einer Strafgefangenen, die einen Säugling zu nähren hatte, nicht Strafaufschub gewährt worden sei. — Staatssekretär Nieber- ding lehnt ein näheres Eingehen hieraus ab, da letztere ■ nicht den Beschwerdeweg genügend erschöpft habe. — Abg. Stadthagen (Soz.) kommt auf de» Fall Melchers zurück. Die Selbstbeschäftigung in Gefängnissen sei nicht eine Regel, sondern nur eine Ausnahme. Die Instruktionen für die preußischen Gesängnisse stehen im Widerspruch zum Strafgesetzbuch. E» bebürfte da eines Einschreitens durch die Laudesbehörden. Was den Fall in Frank- ' furt a. M. »»lange, so gebe es ja doch kein Recht, einen Säugling mit in» Gesängniß hineinznbringe», und dieserhalb sei jener Fall ein solcher, um den man sich hier im Reichstage zu kümmern habe. Nach weiterer kurzer Debatte wird der Justiz- Etat genehmigt. — Beim Etat des Reichs-Schatzamtes liegt der Antrag Lieber (Centr.) vor, in Korrektur des Beschlusses zweiter Lesung nunmehr auch das Gehalt des Schatzsekretärs nur in Höhe von 24,000 Mk. statt 30,000 Mk. zu bewilligen. Der Antrag wird genehmigt, desgleichen der Etat des Reichs-Schatzamtes und Cer Etat der Zölle lind Verbrauchssteuer». — Beim Posl-Etal bestreitet Staatssekretär Podbielski, daß in einem bei der zweiten Lesung ' vom Abg. Wurm angeführte» älteren Falle noch unter dem Staatssekretär v. Stephan von Gerichtswegen die behördliche Verletzung des Briefgeheimnisse» anerkannt worden sei. — Abg. M ü 11 e r- Sagan (freis. Volksp.) fragt an, ob es richtig fei, daß einstweilen Post-Assistenten und -Gehülsen nicht mehr angenommen werden sollen. — Staatssekretär Podbielski entgegnet, zur Zeit sei für Poftgehülsen fein Bedarf. — Auf Anregung des Abg. Rickert (freis. Ver.) empfiehlt das Hau», alle Petitionen und Resolutionen ° heute abzusetzen und in einer späteren Sitzung darüber zu berathen. > — Die Abgg. Bebel und Singer (Soz.) versichern auf Grund ; eigener Erfahrungen, daß ihnen Postsendungen theils verletzt, theils garnidjt »»gegangen feien. — Abg. Singer bemerkt weiter, der 6 Staatssekretär habe neulich erklärt, et wolle feine Märtyrer - schaffen, wie harmonire damit das Vorgehen gegen eine I Unterbeamten - Versammlung in Hamburg? — Staatssekretär Podbielski entgegnet, er halte jede direkte ober indirekte Betheiligung von Unterbeamten an sozialistischen Bestrebungen für ' unvereinbar mit den Pflichten der Beamten. Er werde gegen irden Beamten einschreilen, der sich dagegen vergehe. (Bravo rechts.) Redner verheißt sodann noch eine nmsaffende Ausdehnung des Fernsprechwesens auf dem platten Laude. — Beim Etat der Reichsdruckerei -r kommt Abg. Harn machet auf den Fall Grünenthal zurück. Es fei ein Erforderuiß, daß die Druckerei fortan nicht mehr druckt, als von der Reichsbank gefordert werde.—Staatssekretär Podbielski entgegnet, vollgültige Noten würden überhaupt nur nach Bedarf hergestellt. Auch die entwendeten Noten feien nicht vollgültig gewesen, e» fehlten mehrfache Ausdrücke. Ani 14. Januar sei eine ? Summe von Zufälligkeiten znsauimengekommen, welche den Diebstahl
Deutsches Deich.
* Kof- und Uersonal-Uachrlchten. Der „Post" ziisolge Übersandte der Kaiser gestern dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe zu dessen Geburtstag in kostbarem Rahmen seine Photographie ip Mariueunisorm.
* Serif«, 1. April. Die neue Kommission des Reichstags, welche nach Auflösung der früheren Baukommission die sernereAnS- schmückiiug des Gebäudes mit Bildern und Kunstwerken besorgt, wird aus sieben Mitgliedern de» RnchStagS und zwei vom Bundesrath gewählten Vertretern bestehe». Die Kommission wirb sofort »ach ben Osterferien zur Berathnng zusammeutreten.
Es ist nicht richtig, daß die PetitioiiSkommission de» Abgeordnetenhauses formell beschlossen hat, dieAuSweifung der Loua Barrison zu verlangen, aber auf bas Eingreisen dieser Kommission ist es wohl zurückzusühren, daß da» vom Polizeipräsidirnn gestattete Anslreten nunmehr aus höhere Weisung, b. h. beS Ministeriums, unterlagt worben ist. Das geht au» einer Mittheilnug der Barrisou an hiesige Blätter hervor. Die JBoft. Ztg." bemerkt dazu: „Angesichts dieser Millheilnngen ist die Frage geboten, auf welche Gründe und Gutachten sich die Versiigung des Ministers des Innern stützt. Hal Herr v. d. Recke selbst eine Prüfung vorgenommen ober durch Personen vornehmen lasse», die zu einem anderen Ergebuitz als die Polizeibeamten gekommen sind? Oder hat er sich auf daS Uriheil der Mitglieder des Abgeordnetenhauses verlassen?
* llebtv die Reise de» Kaiser» »ach Jerusalem find, der „Schief. Ztg." zufolge, zwar noch keine abschließeuben Be- ftimmiingen getroffen, doch wirb eS als sicher bezeichnet, daß sie in der zweiten Halste beS Octobers ftallfiubet. Die Verzögerung der Feststellung des Reiseplanes ist auf mehrere Gründe zurückzusühren, anscheinend haben auch die ostasiatischeu Ereignisse mit darauf ein- gcwirkt. In Palästina selbst werben jetzt, beut Vernehmen nach, Untersuchungen über die Beschaffenheit bet Wege an gestellt. Dies geschieht mit Rücksicht baraiif, baß bie Kaiserin den Wunsch hegt, Jernsaleni und aubere heilige Stätten dort zu besuchen. Der Kaiserin' ist bas Reiten untersagt; fahrbare Wege giebt es bort beinahe gar nicht, barum ist cs auch heute noch nicht wahrscheinlich, daß die Kaiserin bie Reise mitmachen wird.
* Ztapcllaus. Ans der Germania-Werst in Kiel sand gestern Mittag, 12 Uhr, der Stapellans des Kreuzers 4. Klaffe „G" statt. Prinzessin Heinrich vollzog die Taufe, und zwar auf den Namen „Gazelle". Vorher hielt Staatsminister Ttrpitz folgende Ansprache: „Unter günstigen Zeichen vollzieht sich der Stapellauf dieses Schiffes, nachdem der Ausbau und bie Fortentwickelung der berttschen Flotte durch Gesetzeskrast gesichert worden ist. Durch bie Gnade Sr. Majestät des Kaisers ist es uns vergönnt, bie Taufe des Schiffes durch ihre Königliche Hoheit die Prinzessin Heinrich von Preußen vollziehen zn fehen, zu einer Zeit, wo ihr hoher Gemahl im fernen Osten weilt und für bie Ehre de» Vaterlandes cintritt. Möge Gottes Gnade übet diesem Schiffe walten, damit es jenseits des Meeres Zeugniß ablege von deutscher Art und deutschem Fleiß. Mil tiefem Dank erfüllt es UNS, daß Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich geruht hat, ihre Antheilnahme am Blühen und Gedeihen der deutschen Flotte durch ihre Anwesenheit zu bekunden." Staatssekretär Tirpitz schloß mit einem dreifache» Hoch auf den Kaiser. Der Taufakt vollzog sich bei günstigem Wetter. Außer bet Kaiserin Friedrich und der Prinzessin Heinrich waren biejaeiammü Slbmiralität, bie Spitzen ber Behörden und zahlreiches Publikum anwesend. Das Schiff lief schnell und glatt vom Stapel.
