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No. 148

Dienstag, den 29. Marx.

Fernsprecher 9?o. 52.

1898

Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

Die chinesische Keule

Aber nicht nur England, auch Japan sicht sich durch das Vorgehen Rußlands in seinen wichtigsten Interessen bedroht, denn die russische Machtsphäre dehnt sich jetzt bereits bis an die Provinz Shantung aus, in deren Norden Wei- hai-wei liegt. Mit Port Arthur bildet Wei-hai-wei den wichtigsten Zugang zur Hauptstadt Chinas. Wei-hai-wei ist im Besitz der Japaner, denen es als Pfand für die chinesische Kricgskostenenischädigung überlassen worden ist. China wird diese schwerlich in absehbarer Zeit zahlen, aber selbst, wenn es geschähe, würde Japan kaum Neigung haben, Wei-hai-wei aufzugebcn, nachdem sich Rußland Port Arthurs bemächtigt. China hat in der That nur die Wahl, Wei-hai-wei mit oder ohne Zahlung der Kriegsschuld in den Händen Japans zu lassen, denn wo Alles liebt, kann Karl allein nicht hassen. Wo Jeder sich seinen Antheil an der chinesischen Beute sichert, wird Japan nicht zurückstehen wollen, und cs wird sich schwerlich mit dem Hafen Wei-hai-wei begnügen.

Japan tröstet sich also mit Hülfe derselben Methode, durch die auch England Trost im Leid gefunden. An einen Widerstand gegen das Vorgehen Rußlands aber denkt Japan, wenn es auch auf eine spätere Auseinandersetzung mit Rußland gefaßt sein mag, zur Zeit schwerlich. Derartige Pläne wird Japan, wenn es sie auch gehegt haben sollte, schon deshalb znrückstellen, weil cs an der Seite Rußlands das mit diesem verbündete Frankreich sicht, das ähnliche Pläne wie Rußland verfolgt und auf Grund der Allianz zu dessen thatkrästiger Unterstützung bereit ist. Die Politik, die zur Zeit England und Japan im Gegensatz zu Rußland, Frankreich aber in Uebcreinstiuimnng mit diesen in Rußland verfolgen, läßt sich in freier Umänderung eines bekannten Sprüchleins mit den Worten kennzeichnen:

Was Du nicht willst, das Rußland ihn'. Das füge China selber zu!

(Nachdruck verboten.)

Achlnndvlerzkger Unstarrer Chronik Bon vr, C. Spielman».

§iür öas 2. gmarfaC 1898 auf das Wiesbadener Tagblatt" zu abonniren, findet sich Gelegenheit im Verlag kanggaffe 27, bei den Ausgabestellen, den Zweig-Lzpeditionen in den Nachbar­orten und fämmtlichen deutschen Reichsxostanstalten.

Wehrmänner; die Eiiuiahmcn aus den Geldstrasen flostcn in die Genieindckasse.

Noch bevor dieses Edikt erschien, halte, am 9. März, der provi­sorische Ches der Natioualgarde, wie er sich nannte, G. Böhning, sein Amt niedergelegt, indem er zugleich eine Proklamation an die Bürger richtete, die ihrer Originalität halber hier mitgetheilt werden soll. Sic lautete: «Geliebte Brüder! Nach den Rechten freier Bürger, die wir begeistert für die gerechte Sache durch geistige und materielle Kraft, sowie durch den ritterlichen Sinn und die unbegrenzte Liebe des Herzogs zu Naffaus kräftigem, bieder- treuem Völkcrstamme ohne die geringste ungesetzliche Handlung, ohne Blutvergießen geworden sind, habt Ihr da« Recht, Eure Führer zu wählen. Ich wurde am ersten Tage der erningenen Freiheit durch Euer Vertrauen provisorisch zum Ches der Nationalgarde erwählt, trete jedoch mit dem innigsten Dank für die mir erwiesene Liebe in Eure Reihen zurück. Doch rus' ich Euch vorher noch zu: Seid behutsam in Eurer Wahl! Lenkt den Sinn ans entschiedene Männer, denen Ihr in ernsten Momenten vertrauen könnt, die nicht gleich dem Chamäleon bei jeder Gelegenheit die Farbe wechseln. Ent­schiedenheit, Rechtlichkeit und Liebe seien die Grinidbedingungen, nicht durchaus erforderliche militärische Kenntuisie; diese erlernen sich umso schneller, wo Eifer zur Sache ist; ich kenne dies aus eigener Erfahrung zu Zeiten der Fremdherrschast, wo ich als schlichter Bürger zum Offizier der Reserve ernannt wurde und später im griechischen FreiheitSkampfe gegen den Erbfeind des ChristentdumS. Nicht Stand, nicht Religion, nicht Jude darf eine Klippe für Euch sein; wir sind in einem freie» Lande, von einem hochherzigen Fürsten regiert, alle, alle Bruder. ES lebe die Bürgergarde! Es lebt unser Herzog!"

Man kam nun einigermaßen in Verlegenheit, wen man zum Oberhaupte der bewaffneten Macht erwählen sollte. Al» ein Beweis, w>e sehr die Meinungen aureinandergingen, mag die Mittheilung gelten, daß von einer Seite alle» Ernster Prokurator Hergenhabn °8 Obrrkommandant vorgeschlagen wurde, von der entgegengesetzten, ebenfalls allen Ernstes, Prinz Moritz von Nassau, der Bruder des Herzogs, der damals 28 Jahre alt war und als schneidiger Husaren» vtlttmeister in österreichischem Dienst stand. Der Eine hätte aller­dings die wenig nöthige militärische Kenntniß, wie Böhning, meinte, der Andere wohl das wenig entsprechende revolutionäre Verständniß mitgebracht. Man ließ sich denn auch nicht zur Thorhcit verleiten, sondern wählte den Oberst Wilhelm Gordecke, der am 20. März an die Wchrniänner einen Ausruf erließ, in welchem er nach aus­gesprochenem Danke für den ihm gewordenen ehrenvollen Auftrag versprach,alle Kräfte der Erfüllung seiner hohen Aufgabe zu widmen", und aufforderte, Alle» daranzusetzen, daß die Zeit der Gefahr und de» Handelns die Bürgerwehr gerüstet und zu jeder Kraitentwickelung fähig fiiM daß der hohe Beruf, ein Müstrr d«

Deutscher Reichstag.

0 Berlin, 28. März.

_ TageSvtdnuug: Dritte Lesung der Vorlage, betreffend Ent­schädigung unschuldig Verurlhcilter. In der General-Debatte krilisirt Adg. Stadthagen (Soz.) den Widerstand der Regierung gegen das Verlangen nach Entschädigung auch der unschuldig Verhafteten.

Abg. v. Buchka (kons.) erklärt, seine Partei nehme die Vorlage an, tote sie jetzt sei. Dem Verlangen des Abg. Stadthagen könne er nicht entsprechen, weil sonst die Vorlage scheitern wüide. - Aba. B e ck h ffreis. Volks» )prote stirtgegendas Gesetz in seinerjetzigen Fassung. Dasselbe wird definitiv angeuonunen. Er folgt die dritte Lesiing der Vorlage, betreffend andcrweite Festsetznng de» Gesammt- Kontingents der Brennereien. Das Gesetz wird ohne Debatte definitiv angenommen. Zur dritten Lesung steht alsdann das ^lotteugesetz. Abg. Enneccerus (nat.-lib.) bemerkt in der General- Debatte, er wolle die Ansmerksainkeit des Hauses nur hinlenkeu auf die Bedeutung der Flottenvermehruug für die Wissenschaft. Schon letzt . sei Seitens unserer Flotte viel geschehen für Er­forschung^ der Gewässer: Tiefe, Meeresströiiiung zc. Staats­sekretär Tirpitz dankt dem Vorredner, daß er diese wissenschaftliche ©eite der yrage zur Sprache gebracht habe. Er hoffe, daß denlscher- seits auf diesem Gebiete noch Manches werde nachgeholt werden. Abg Lieb er m ann (Amis.) erklärt die Flottenvermehrung für eine Nolhlveudigkett, bestreitet aber, daß die Stimmung im Lande zu der Vorlage so günstig fei, wie mehrfach behauptet werde. Nicht einmal

Klaffen können als freiwillige Zuge der Natioualgarde beitreten. 10. jebe Compagnie wählt ihre Instruktoren zur möglichst raschen Eiilubiing im Gebrauch der Waffen."

Bereits vier Tage später (11. März) erließ der Herzog,in Erwägung, daß mit ein wehrhafte» Volk seine theiieisten Interessen gegen innere und äußere Feinde zu verlheidigen und den zur Wieder­geburt der Nation getroffenen Waßregeln einer volksihnmlichen Regierung Kratt zu verleihen im Stande ist, sowie daß Gesetzlichkeit und Ordnung die Grundbedingung der Wirksamkeit der bewaffneten Macht sind , mit Vorbehalt der Zustimmung des neuen Landtags em landesherrliches Edikt über die Grundlagen der Volkrwehr das Gültigkeit uu ganzen Lande haben sollte. Es baflrte im Großen und Ganzen auf den Grnudsätzen, die das Wiesbadener Sicherheitscomitö ausgesprochen halte. Die Bürgerwehr war zur Erhaltung der inneren Ordnung und zur Sicherheit" der Person und des Eigenthnms, sowie in nolhwendigen Fällen zur Landesvertheidigniig" bestimmt. Sie hatte auf Ersuchen der Be­hörden und der SicherheitseomitsS bewaffnete Hülse zu leisten. Für Beschädigungen im Dienste wurde ans der Staatskaffe Ent­schädigung gewährt; ebensolche sollten die Relikten gefallener Bürger- wehrlente empfangen. Obwohl bet Wehrdiei,st Ehrendienst war, wurde doch, da die Bürget nicht alle das Opfer ihrer Zeit umsonst bringen konnten, de» weniger Bemittelten ein täglicher Sold von dreißig Kreuzern pro Kops aus der Gemeindekaffe bezahlt. Die Ver­bindlichkeit dcs Wehrdienstes wurde für alle Gesunden ohne Stell­vertretung vom 16. bis zum 51. Jahre festgesetzt. Befreit waren nur die oberen Staats- und Hafbeamlen, aktive Militärs, Geistliche, Lehrer an Volksschulen, unentbehrliche mittlere Beamte und Diener. Ausgeschloffen blieben Leute mit schlechtem Leumund. Die Ein- theilung blieb dieselbe, wie sie im provisorischen Entwürfe des Sicher- heitscomitss angegeben war; vier Compagnieen bildeten ein Bataillon; an Orten, wo die Zahl der Wehrmann,chaft fünfzig nicht erreichte, wurde nur ein Hauptmann erwählt. Die Wehrmänner jedes Ortes führte eine Fahne, ans welcher der Name des Ortes stand; bet Fahiieuträger wurde erwählt. Für die Wahlen wurde ein Ausschuß eingesetzt, lind die Art und Weise bet Abstimmung geregelt. Die Ausrüstung blieb wie vom ComilS angegeben. Gewehre mit Bajonett unb Jagdflinten, in Ermangelung solcher Piken, dilbeten bie Waffen der Mannschaft, bie sic sich aus eigenem Vermögen zu stellen hatte; Unbemittelten sollten die Waffen aus öffentlichen Mitteln besorgt werben. Sammelplätze waren bestimmt, wo die Versammlungen auf Signal zu erfolgen hatten; bet gewöhnliche Dienst geschah in ber Reihenfolge. Dienst- und Dirziplinarvorschristen sollten von den Offizieren erlaffen werden. Die Strafen bestanden in einfachem und öffentlichem Verweis, Geldbußen bis zu 5 Gulden und Freiheits­entziehung bis zu drei Tagen, sowie Ausstoßung au» der Reihe der

«6. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs Preis: durch den Verlag 60 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

die Mehrheit der Bauern stehe hinter dem Flottenges-tz. Redner wendet sich jetzt gegen die Abgeordneten Richter unb Bebel unb kritistrt ui längerer Rebe ihre ablehnende Haltung zum Flottengesetz. - Abg. Fürst R a dzi w i ll (Pole) entgegnet aus die Aenßerungen des Staats­sekretärs Posabowsky bei ber zweiten Lesung, ber Staatssekretär habe bie Polen bei der Debatte aufgesordert, die Angelegenheiten des Reiches unb bet Einzelstaaten voneluander zu trennen. Das sei aber nicht möglich, wenn bie Polen in einem Einzelstaate solchen Beschränkungen unterworfen würden, wie das in Preußen geschehe. Es seien Seiten« der preußischen Regierung auch wiederholt Vorwürfe gegen die Polen in ganz frivoler und unbegründeter Weise gerichtet worbe». (Unruhe.) Präsident Frhr. v. Buol erklärt, diese Aeußerung gegen tue preußische Regierung mißbilligen und tadeln zu müssen. - Staats- sckietar Posabowsky weist die Aeußerung gleichfalls entschieden zuiuck und betont, daß niindestens das Verhalten eines Theiles der Polen Anlaß zu den Maßnahinen der preußischen Regieiung gegeben habe. So lange von den Polen keine Aeußeruiigeu voiliegen, daß sie sich untrennbar verbunden fühlen mit ber preußischen Monarchie, so lange bürflen solche Uebergriffe gegen bie preußische Regierung

gerichtet werben. Sobalb bie Negierung bie Ueberzeiignug gewinne, baß bie Polen ihre Zukunft allem in der Entwickelung unb der Zukunft Preußen» erblicken, werbe auch biePolitik berpreußischen Regierung gegenüber den Polen eine anbere werben. Abg v. Hobeuberg (Welfe) erklärt, seine Freliube könnten der Vindiing mit Floltengesetz unter keinen Uinstänbeii zustimmen. Abg. Rickert (treff. Ser.) verwahrt sich gegen bie Behauptung beS Abgeorbneten Richter bei ber zweiten Lesung, bie Oppositionsparteien provozitt zu haben. Er habe lediglich aus die Aenßerungen de» Abgeordneten Goller geantwortet. Nachdem Redner noch bas Milizwesen, wie Bebel vorgeschlagen, bekämpft, betont er, daß er bem jetzt vor­liegenden Eiiltonrf aus voller Ueberzeugung zustiunne. Aba Bindewald (Aulis.) spricht Namens der Mehrheit ber Aiiti- feniiten gegen das Gesetz. - Abg. Richter (frei?. VolkSp.) wendet sich gegen den Abgeordneteli Liebermann. De» Weiteren geht er auf bie Rede beS Abgeordneten Rickert ein, dabei Aenßerungen desselben ans dem Jahre 1889 eitirend. Er kommt dabei zu dem Schluß, daß zwischen ihm unb bem Abg. Rickert ber Hauptuuterschied darin bestehe, daß Herr Rickert inilitäifronim und maiinefromm geworben sei. (Rufe: Seht wahr!) Wenn biefer alle Militär- unb ' Marine-Forderungen bewillige, bann muffe er auch in Steuerfragen nachgeben. Redner wendet sich schließlich nochmals gegen bas zur Diskussion stehende Gesetz, das er rundweg ablehut. - Abgeordneter Bennigsen (nat.-lib.) betont, in England hätten die Führer der Opposition niemals solche nationale Frage» zum Gcgen- stanb der Opposition gemacht und zur Begründung von An­griffen gegen ein Ministerium brnutzt, um dieses zu stürzen. Abg. BedeI (Soz.) legt nochmals die ablehueude Haltung feiner Partei gegen die Vorlage dar. Abg. Liebermann (Antif.) polemisirt gegen den Abgcorbnetkii Richter. Dieser sitze doch zu sehr im Glashanfe und sollte sich hüten, auch an den Zwiespalt bet antisemitische» Fraktion zu erinnern. In der ehemals fo starken Fortschrittspartei sehe es jetzt so ans, daß, wenn man Richter einmal einen Denkstein setze, bie Inschrift desselben lauten könnte:Die deutsche Fortschrittspartei ihrem Engen Zngriiiibe-Richler." (Lebhafter Beifall und Heiterkeit, Ahlwardt klatscht Beifall.) Abg. Richtet (kreis. VolkSp.) meint, bie beste Kritik dieser Aeußernng fei, daß Herr Ahlwardt ihr Beifall klatschte. Ein Schlnßaittrag wird jetzt aiigenommeii. Es folgen persönliche Bemerkungen zwischen den Abgeorbneten Richtet, Ahlwardt unb Liebermann, worauf bie Vor­lage in nicht uamentlicher Abstimniung definitiv angenommen wird. ES wird nun ber von allen Parteien mit Ausnahme ber Sozialbemokraten unterzeichnete Antrag v. Levetzotv (fouf.), betreffenb Errichtung eines Denkmals für Kaffer Friedrich auf Kosten des Reichs, berathen. Abgeordneter Singer (Soz) erklärt, den Grundsätzen feiner Partei widerspreche es, monarchischen Ovationen zuzusttnimen. Er wolle aber darauf Hin­weisen, wie die Sozialdemokraten während ber 99 Tage gezwungen gewesen seien, ben Rüpeleien ber konservativen Preffe entgegenzutreten. (Lebhafte Unruhe rechts.) Präsident v. Buol ruft de» Redner

Anzeigen-PreiS:

^ic»e,in^a,t*8e Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Rertamen bie Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., , für Auswärts 75 Pfg.

Bis vor nicht langer Zeit hat das chinesische Reich mit der Türkei das angenehme Schicksal gelhcilt, von der Eifer­sucht der Gegner zu profitiren. Trotz der außerordentlichen Schwache und Ohnmacht des chinesischen Reiches kam diesem doch der Uuistand zu gute, daß die verschiedenen Mächte, denen es nach der chinesischen Beute gelüstete, sich gegen­seitig die Bente nicht gönnten. Diese Eifersucht, der China bis vor einiger Zeit seinen nngeschmälertcn Bestand ver­dunkle, hat jetzt einen ganz anderen Charakter erhalten und ist den Chinesen zum Verderben ansgeschlagen. Außer Stande, dem Gegner seine Beute abzujagen, hat sich die Eifersucht der betheiligten Staaten darauf geworfen, ein möglichst ebenso großes oder größeres Stück der Bente zu erhaschen als der Nachbar. Diese den Bestand Chinas bedrohende Eifersucht hat zu einem förmlichen Wettlauf zwischen Rußland, England und H Japan um eine möglichst große Betheiligung an der chine­sischen Erbschaft geführt, wobei die entgegengesetzten Jntcr- MMen zu einer Art Kartell zwischen England und Japan k geführt haben, dem wiederum die im Zweibund vereinigten %. Staaten Frankreich und Rußland gegenüberstehen, während Deutschland offenbar fürs Erste aus der aktiven Vetheiligung r ün den ostasiatischen Angelegenheiten ansgeschieden ist. Den I Löwenantheil an der chinesischen Bente ist Rußland im Bc- griff einzuheimsen. Wenn Rußland die vor Kurzem ein- Ufzeleitcte Aktion gegen Korea einigermaßen plötzlich unter- L Kochen hat, so ist das sicherlich einerseits ein diplomatischer Schachzug, um die Dinge auf Korea noch mehr für das geplante Eingreifen heranreifen zu lassen. Es ist aber L andererseits zweifellos ein Kennzeichen dafür, daß Rußland £ alle seine Machtmittel zunächst auf seine chinesische Politik konzcntriren will. Das Rußland sich dauernd in Port E Arthur und Talienwan festsetzt, mit dieser nun durch den k Vertrag mit China festbegründeten Thatsache wird man sich Din England, wo man naturgemäß am schmerzlichsten davon berührt wird, wohl oder übel abfinden müssen. England Hai zuerst Mine gemacht, dem russischen Vordringen Halt zu Dßchieten. Aber cs blicb, was Niemand verwundern konnte, bei den, drohenden Gebärden, und statt gegen Rußlands Occupationsgelüste Einspruch zu erheben, that England, was \ b w seinem Falle das Gescheiteste war: es schickte sich gleich­falls an zu oecupiren.

A")°>s'»-A»»->i)mk ..............

Verlag: Langgasse 27.

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x- Sie Drganiftrung ber Wiesbadener Bürgerwehr. E Bereits am 3. März hatte sich, wie wir wiffen, die wehrfähige ?^"vfchaft unserer Stadt zusammengeschaart und sich darauf unter .."» Kommando Georg Böhning», eines geborenen und mit mili- 'artfebtt Erfahrung begabten Wiesbadener», gestellt. Wir werden " u? 0011 'bw hören. Die nächsten Tage vergingen mit fleißigen «toungen und Wachebieusten. Nachdem bann die Errichtung der I 2?ur8trtoe6r oder Nationalgarde vom Herzoge genehmigt worden X ®QJ- erließ das Sicherheitkeornite behufs bereit Organisation bie |WOlgenbeuprovisorischen Bestimmungen":

L »1- Ein jeder naffauifdjer, in Wiesbaden ansässiger Staatsbürger s vorn 20. bi» zum 54. Lebensjahre ist verpflichtet, in die National- | färbe eiuzutreten. Eine Stellvertretung findet unter keiner Bedingung natt. Befreit bleiben Diejenigen, welche wegen Gebrechen ober «rankheit zum Dienste ertoiesenermaßen nicht verwenbet werben i rannen. Ausgeschloffen sind Diejenigen, die einen schlechten «mnunb haben, worüber die Garde zu entscheiden hat. E ? Nationalgarde trägt zur Auszeichnung an der Kopfbedeckung e olc brutsche Nationalkok.irde (schwarz-roth-gold) mit Schleife der - conbesfarbeii (blau-orange). In der Mitte der Kokarde ist bie I ber betreffenben Compagnie. Jeder SBebrmann ist mit

§ 2"!® Obergewehr unb einem Bajonett, desgleichen Patrontasche be=

wweit solche^ nach unb nach beschafft werden können. Die L yit*i,ere tragen Schärpen unb Säbel. 3. Es sollen Compagnieen gilbet werben, jebe Compagnie zu 100 Mann, in vier Züge | Milt, nut einem ersten unb zweiten Hauptmann unb vier Zg- E ^Vrm. 4. Die Compagnieen werden gebildet nach Altersklassen in r?.1 Aufgeboten, und zwar das erste Aufgebot von 20bis30 Jahre», l8 »Werte Aufgebot von 31 bis 45 Jahren, das dritte Aufgebot I fc1 46 bis 54 Jahren. Die Aufgebote werden nach dem Loos in HWagnieen abgetheilt. 5. Jede Compagnie wählt ihren ersten FrUtonVttn Hauptmann sowie die Zugführer an« ihrer Mitte. Lte Natioualgarde zu Wiesbaden soll au» zwei Bataillonen be- 2?.^ Jeder Zugführer sammelt die Stimmen seine» Zuges zur Wahl » dataillonsanführersuud eines Obersten der ganzen Nationalgarde ®Bie»baben. 7. Die Offiziere ber Nationalgarde entwerfen bie Sienft= Aichriften unter Mitwirkung eines von ber ganzen Garbe dazu LUtrn Aurfchuffe», welcher aus zwei Mitgliebern jeber Compagnie »et wird. 8. Die bereit» bestehende Schützengarde wirb vor- A der Nationalgarde einverleibt, jeboch mit ben der letzteren zu lldr liegenden Eintheilungeu. 9. Die Ghmnafiasten der oberen