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Abend vorher sei es der nöthigen Ordnung halber geschehe» gewesen Er selbst habe die Bürger anfgesoiberi, Wachen ans Zeughaus g» stellen, wo nun auch die Kanone» bewacht würden, er habe Gewehr« und Munition vcilheilt, mehr könne er nicht thun. Man solle nun von weiterer Forderung abstehen und seine Soldalenehrc nicht un­verdienter Weise frönten. Die geraden, schlichte» Worte des alten, tapferen Kämpfeis versehlteu ihre» Eindruck nicht; die Bürger ver» galten ihm mit eiueni lauten Lebehoch.

Kurz daraus wurden hinlereinander zlvei neue ossizielle Flug­blätter verthcilt. Das eine widersprach der falschen Nachricht, daß der Herzog in Frankfurt augekommeii sei, und versicherte, daß fein« Ankunft sofort bekannt gemacht werden solle. Zugleich wurde mit- gethcilt, daß die Landstände durch Verordnung — sie erschien noch am selben Tage im Verordnungsblatt abgedrnckt — sofort ein- berufen worden seien. Das andere Flugblatt gab bekannt, daß dem Herzog über Eisenach wie über Köln Kuriere entgegengesandt worden seien, nm ihn zu beuachrichligeu, damit er, »sobald es nur möglich, in der Mitte seiner getreuen Nassauer erscheinen könne".

So war die Aufregung wieder einigermaßen beschwichtigt. Das SicherheitScomitö halte sich uuterdeß auf dem Nathhan» völlig eingerichtet, den mißliebigen Stadlschultheißen Lauter­bach abgesetzt und die Adjunkten Coulin (spätet zweiter Bürgermeister) und Weychardt mit der Leitung der Ge­schäfte betraut. Die Erregung der Bürger gegen Lauterbach war groß, doch hielt niau von Gewaltmaßregeln gegen ihn zurück. Di« Bürgerwthr exercirte und patrouillirte fleißig und nahm nach wie vor die Visitation der den Tag über von draußen Hereinströmenden vor. Der 8. Zug hielt die Eingänge der Dotzheimer und Schier­steiner Chaussee, der 9. den Bahnhof (Taumisbahnhof, damals der einzige in Wiesbaden) und die Mündungen der Biebricher und Erbenheimer Chaussee, der 11. denjenigen der Sounenberger, der 12. jenen der Schwalbachcr Chaussee, der 13. und 14. dar Schulhau« (am Markte) und das Rathhaus besetzt; die Züge 15 bis 21 waren zur Ablösung, 22 bis 32 zum Nachtdienst bestimmt; 33 bi» 36 be­wachten abwechselnd die Munition (im Schützenhose) und die Kanonen (in der Artilleriekaserne).

Die vom Minister v. Dnngern bewilligte Preßfreiheit hat!« bereits am 3. März eine politische Zeitung entstehe» lasten. ES erschien nämlich an diesem Tage die erste Nummer der »Freien Zeitung", von welcher Diepeubrock »nd Dr. Möller die Redaktion übernahmen. Als Verleger zeichneten H. Fischer »nd C. Ritter (der Verleger de» heutigen „Rheinische» Kuriers"); gedruckt wurde da» Blatt i» der Ritterschen Offizin. Dir erste Nummer hatte vier

Wikslisdemr

Verlag: Langgasie 27.

S 5,000 Ahonneuten.

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N-. 104

1898

Donnerstag, den 3. Marx.

Fernsprecher No. 52.

Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

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preußische Provinzial-Landtag hatte die Aufhebung der Lotterie gefordert und besonders betont, daß, was in die Lotterie fließt, den Sparkassen entzogen werde. Die Antwort der Regierung lautete damals, daß „die Lage des Staats­haushalts mit Rücksicht auf die anderweit beabsichtigten Steuererleichterungen die Abschaffung der Lotterie noch nicht gestattet". Im vereinigten Landtag trat alsdann besonders der Abg. v. d. Heydt für die Aufhebung der Lotterie ein. Im Jahre 1867 wurde Herr v. d. Heydt Finanzminisier. Als er jetzt aufgcfordert wurde, die Regierung möge bei der Vorlage des nächsten Staatshaushalts auf Aushebung der Klassenlotterieen Bedacht nehmen, erklärte er: „Ich denke über das Institut der Lotterie heute noch gerade so wie damals, wo ich den Antrag bei dem vereinigten Landtag stellte." Aufgehoben aber wurde die Staatslotterie nicht. Unter Herrn v. Miquel endlich ist die Lotterie nicht nur nicht beseitigt, sondern die Anzahl der Loose ist ganz außer­ordentlich vermehrt worden.

Auch im Reichstag ist die Lotteriefrage wiederholt zur Erörterung gekommen. Am 5. Januar 1871 fragte der Abgeordnete Becker bei dem Finanzminisier Camphausen an, ob es nicht wünschenswerther sei, die Lotterieen cibzuschaffen, aber der Minister erklärte, daß er einstweilen die Einnahme aus der Lotterie als unentbehrlich für die Staatskasse er­achte. Gegen diesen Grund wird alle volkswirthschaftliche Erkenntniß, daß das Lotteriespiel nnwirthschaftlich ist und der Sparsamkeit entgegenwirkt, voraussichtlich noch auf lange Zeit vergeblich ankämpfen. In Conrads Handwörterbuch der Staatswisseuschaften führt Max von Heckel aus, das neunzehnte Jahrhundert habe über alle Arten von Lotterieen endgiltig den Stab gebrochen und allgemein ihre Nnverein- barkeit mit den ethischen und kulturellen Aufgaben des Staates anerkannt. Und noch derber hat Professor Wagner- erklärt, daß die Lotterie eine Steuer auf die Dummheit sei. Ein echter rechter Finanzminister aber mag es mit keiner Steuer verderben, und er denkt vom Gelde wie weiland der römische Kaiser Bespasian: Non ölet! (Es riecht nicht).

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in. Der 3. März.

- Morgen der 3. März wurde mit derVertheikung der Waffe»

(Nachdruck verboten.)

ihr. ’, Achtundvierziger Nassauer Chronik.

wiflentt Aufsatz für do» „Wiesbadener Tagblatt".) Von Dr. C. Spielmann.

4.

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den in Bezug auf die Lotterie. Vor der Klassenlottrrie Einigung Deutschlands Halt gemacht.

ie von dem Abg. Arendt erhobene Forderung einer esetzlichen Regelung des Lottcriewesens fand bei dem nzminister Herrn v. Miquel nicht allzu viel Gegenliebe, er erklärte die Ersetzung der Landeslotterieen durch eine lotterie für kaum durchführbar. Herr v. Miquel hat r von seinem volkswirthschaftliche» Standpunkt aus über - Berechtigung des Lotteriespiels sicl-erlich ganz anders cht als jetzt der Finanzminister v. Miquel, der am sten entrüstet ist, nicht etwa über die Spiel-Leiden- aft, sondern über die Konkurrenz, die der staatlichen durch privaten Lotterieen gemacht wird. Herr v. Miquel hat ern auch die preußische Lotterieverwaltung vertheidigt und rt, daß sie sich jeder Reklame enthalte. Das ist zü­nd, Herr v. Miquel vergißt aber, daß, was die Ver- üiung begreiflicher Weise nicht thut, von den amtlichen teric-Einnehmern desto eifriger ausgeübt wird. Daß auch e sich jeder Reklame enthalten, wird Herr v. Miquel behaupten wollen.

Am 15. October v. Z. oerhandelte dte vayrische Ab- nelenkammer über die Lotteriefrage, und der Finanz­er p. Riedel erklärte sich mit aller Entschiedenheit die Einführung einer Klassenlotterie, indem er u. A. chemerkenswerth scharfem Tadel ausführte: „Das Volk eben zur Spiellust erst erzogen werden, und ich meine, bester, wenn wir unsere Erziehungsknnst auf anderen ten versuchen...... Man kann die Giftpflanzen

ausrotten, aber man pflanzt sie auch nicht mit Absicht." in Preußen hat es an scharfer Verurtheiluiig des spicles niemals gefehlt, und auch die Regierung hat "Hut der Lotterie, ebenso wie jetzt der Finanzminister el, nur mit der Rücksicht auf die dem Staat daraus ende Einnahme vertheidigen können. Schon der

Aentscher Reichstag.

Seriiit, 2. März. I» der Budgetkommission des Reichstag« entstand bei der Berathnngder Flottenvorlage zunächst eine lebhafte Debalte über die Kosten der Vorlage. Im Anschlnß an den Antrag Müller-Fulda, die Marineveiwallniig solle weiteres Material über die Kosten unter Berücksichtigung der etwa noih- wendigen Kaseriien- und Dockbanten beibringen, wacht Staats­sekretär T i rp i tz eine nähere Darstellung der ganzen Koftenbriechnnng, und bemerkt u. A.: Kasernenbauten würden kaum erforderlich fein, weil das Pins an Personal zumeist an Bord gebraucht werde. Er­fühlte dann weiter an», daß bezüglich der Werst- und Hafenbauteu insofern eine andere Behandlnng eintreten würde, als die Privat- iiidustrie thnnlichst herangezogen tverden solle. In der darauf olgendeu Diskussion bestand Abg. Müller-Fulda ans Erfüllung einer Wünsche, ton» Staatssekretär Tirpitz nach Tdunlichkeit zn- agte.—Aus Antrag des Abg.Richter wurde schließlich die Kosten- rage bis zur Erörterung des § 7 ausgesetzt. Bei der Debatte über den § 1 handelt es sich zunächst um die Aufnahnie der Panzer- Kanonenboote. — Abg. Lieber erklärt diese Maßnahme für noth- wendig, um Nachsorderungen der Marineoerwaltung auüzuschließen, und bat um eine Erklärung darüber, daß auch bei Neubauten ans den Panzer-Kanoneubooteii keine Schlachtschiffe würden. — Staats­sekretär Tirpitz bemerkt, man werde auch ferner Panzer-Kanonenboote

tc zwar, aber doch immerhin eine Behörde; denn ein Ober- mußte sein. Durch eine Proklamation verkündete dar Comitö, » sich auf denr Rathhau» in Permanenz befinde und jederzeit * öffentliche Sicherheit und die Aufrechterhaltung der Ordnung - werde; es forderte auf, ihm zu vertrauen, d. h. feinen muirgen Folge zu leisten, und er hat seine Obliegenheiten in Iweren Zeit voll erfüllt, trotz der gegentheiligeu Behauptungen eaktionäre, die es nur bewitzelten. So folgte es u. A. dafür, mr gegen Bescheinigung Gewehre verabsolgt wurden, damit

alt Person eine Waffe in die Hand bekam.

ieber des Camitös, kenntlich durch eine weiße Schärpe, in der Reihenfolge, wie sie die Proklamation unterzeichnet » A. Hergenhahn, F. Bertram, F. W. Käiebier, R. Weil, -kaefe, Dr. Leisler, G. Krieger, Dr. Zais, G. Thon, H. Born, —tffner, H. Thon, W. Poths, G. Bücher, L. Krempel, PH. Schütz, sind alle verstorben bis auf den alten Herr» G. Thon.

^le Aufregung begann zu wachsen, auf allen Seiten. Die wbe schwebte in Angst vor der Revolution, da die herein- ^nden Masten, die alle zur Stadt führenden Landstraßen be- stündlich wuchsen. Die Bürger fürchteten, daß die Regierung Mw Militär von außen tomnien lasten werde. Unnütze Schreier da» Gerücht verbreitet, daß von Frankfurt her zwei Genter Bayern im Anmarfch seien, und schon war man ^Dewolirung der Eisenbahn und zum Bau von Barrikaden als der Telegraph das Gerücht widerlegte. Die Regierung ^kluger Weise den ferneren Blarmnachrichten auf an- gkne Art dadurch entgegen, daß sie offizielle Flugblätter, putsche Zeitung genannt, auSgeben ließ, um den wahren Sach- M der Dinge kund zu thun. Durch das erste, das um 10 Uhr *8* erschien, gab sie die beruhigende Versicherung, daß die

Wahren und gleichzeitig den herbeigeströmten Masten eine freund- M Aufnahme bereitet. Da die Bewegung immer mehr anschwoll »die Regierung macht-, rath- und thatloS war, so konstiluirte 1 «b? Bolksregieriing: das SicherheitScomitö, nach der Weise des Uafischkn Heilausschusses (comite de salut), eine revolutionäre

««. Jahrgang.

Wint in zwei Ausgaben. — BezugS-PreiS: den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch dir Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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nöthig haben und solche fordern. — Die Abgg. Bebel undRichter er­klärten sich gegen die Ausnahme, um den Reichstag nicht »och mehr zu binden, als die Regierung verlangt habe. — Staatssekretär Tirpitz sprach sich für die Fassung der Regierungsvorlage aus, obschon er feinen ernsten Einspruch gegen die Fassung des Abgeordneten Lieber erhob. Schließlich wurde von der Ausnahme der Panzer-Kanonenboote in das Gesetz abgesehen, und die Punkte 1 und 2 der Lieberschen An­träge zum § 1 mit 21 gegen 7 Stimmen angenommen. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten, Freisinnige», der Pole Iabzewski und der Süddeutsche Galler. — An Stelle seines früheren Antrag» zu 8 7, die Kosten betreffend, hat Abg. Dr. Lieber einen neuen Antrag eingebiacht, der dahin geht: während der nächsten sieben Jahre soll der Reichstag nicht verpflichtet fein, für sämmtliche einmaligen Ausgaben des Marine-Etats mehr als 471,300,000 Mk. und zwar für Schissrbauteu und Armirung nicht mehr al» 410,300,000 Mk. und für sonstige einmalige Ausgaben nicht mehr als 60,900,000 Mk., sowie für fortdauernde Ausgaben des Marine-Etats nicht mehr als di« durchschnittliche Steigerung von 4,200,000 Mk. jährlich bereitjiiftellen, Soweit sich in Geiitaßheit dieser Bestimmung da» Gesetz bis zuui Ablans des Jahres 1904 nicht durchführen läßt, ist die Ausführung bis über da» Jahr 1904 hinmiszuschieben. Weiterhin hat Dr. Lieber zur Deckung der den Betrag von 117,525,494 Mk. übersteigenden fortdauernden und eimn-Iiatii Ausgaben der Marineoerwaltung die Heranziehung der Matriknlarveiträge vorgeschlagen. In Vriirdesstaaten, welche eine allgemeine Einkommensteuer er­heben, soll die Deckung anstatt durch Mairikularbeiträge durch einen Zuschlag zur Einkommensteuer für Einkommen über 10,000 Mk. erfolgen. In der weiteren Dirkussio» handelt e» sich hanptfächlich um die Einfügung des Wortes „Thnnlichst" in § 1. Die Abgg. Bennigsen und H amma cher beanstandeii den Ausdruck. — Abg. Lieber erklärt, daß der Ausdruck nur eine Konsequenz der Limitirnng der Gesammikosten fei und bedeuten solle, daß die SluSführnng des Gesetzes nach Möglichkeit gefördert werde. — Staatssekretär Tirpitz erklärte das Wort „thnnlichst" im Sinne Liebers für acceptabel. — Der Abg. v. Arnim und Ander« erheben Einspruch rind schlagen vor, eine Fassung zu suchen, welch« den Zwck in weniger zweifelhafter Weise erfülle. Ehe man zu einer Abstimmung karri, trat die Mittagspause ein. — Die Budget­kommission nahm NachnrittagS den Absatz 3 des 8 1 der Lieberschen Anträge in folgender Fassung an: Die Bereitstellung der Mittel für die zur Erreichung des SollbestarrdeS erforderlicher! Rendanten unter­liegt der jährlichen Festietznng durch den Etat mit der Maßgabe, daß die Fertigstellung des Solld-standeS, soweit die in §8 dafür angegebenen Mittel ansreicheu, bis zum Avions de« Rechiinngsjahrer 1904 durch­geführt werden kann. Sodann wurde der ganze 8 1 der Lieberschen Anträge angenoiiinren. Die Konrniissioir nahm ferner mit großer Mehrheit den von Lieber ne» beantragten § 8 an, welcher besagt; Während der Rechnungsjahre 1898/1904 einschließlich ist der Reichs­tag nicht verpflrchiet, für fännntlidie einmaligen Marinean»gaben mehr als 471,200,000 Mk. und zwar für Schiffrbaiiten und Arniiruugen mehr als 410,300,000 Mk., für sonstige einmalige Aus­gaben mehr al» 60,900,000 Mk. sowie für fortdauernde Mariiie- ansgaben mehr al« eine durchschnittliche Steigerung von4,800,000Mk. jährlich bereitzrrstellen. Soweit hiernach das Gesetz bi« zum Abläufe des Jahres 1904 nicht durchführbar ist, wird die Aus­führung über das Jahr 1904 hinaus verschoben. Die Kommission nahm sodann § 2 der Liebei scheu Anträge i» der Fassung an, welch« besagt: Die Bereitstellung der Mittel für die erforderlichen Ersatz« ballten unterliegt der jährlichen Feststellnug durch den Etat. Di« Erfatzsrist für die Limenschiffe und Küste,rparrzer ist 25 Jahre, für die großen Kreuzer 20 Jahre und für die kleinen Kreuzer 15 Jahre. Abweichungen bedürfen der Zustimmung des BnudcSralhS und des Reichstags.

Kerli», 3. März. In der Budgelkvmmijlrori de- vkeichs» tags wurde gestern noch der erste Antrag Müller-Fulda, den Reichs­tag zu ersuchen, einen Nachweis über die voraussichtlich erforderlich werderiden einmaligen Ausgaben für die Flotte zu geben, mit 14 gegen 11 Stimmen abgelrhnt. Absatz 3 des 8 1 gelangte mit einem Zu'atz zur Annahme. Hierauf wurde § 1 im Ganze» angenommen. Ebenso wnrdeu die §§ 7 und 8 nach den Vorschlägen der Referenten und als­dann auch § 2 wegen Bereitstellung von Mitteln zu Ersatzbanten X. unverändert genehmigt. Die Aerathungen weiden heute fortgesetzt.

Die Giftpflanze.

Eu-. (Von unserem Berliner K-Korrespondenten.)

8«rHn, 1. März.

Ein bekanntes Wort pflegt die Börse als den Giftbamn zu bezeichnen. Ein minder bekanntes hat der bayrische Finanzminister v. Riedel am 15. Octobcr v. I. geprägt, als er die staatliche Lotterie als eine Giftpflanze bezeichnete. In der gestrigen Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses flnd über besagte Giftpflanze, die man jedoch weit entfernt ist ausrotten zu wollen, recht lebhafte und schmerzliche Klagen laut geworden. Der Abg. Arendt wies auf die zahlreichen Bestrafungen wegen Spielens in ausländischen Lotterieen hin. In der That ist es ein merkwürdiger Zu- "ilUld und rin wenig rühmlicher. Uebcrrest der früheren tlüustacttcrei, daß in Bezug auf die Lotterie der Begriff des Mdeutschen Auslandes stehen geblieben ist. Die verschiedenen n Bundesstaaten, zwischen denen fast alle Schranken en sind, die mit dem Beginn des neuen Jahrhunderts M gleiches bürgerliches Recht umfassen wird, sind Ausland

Mobilisirung des uaflauisLen Bundertruppen-Kontingents, die zum „Wohle DeuischlandS" beschloffen gewesen wäre, sistirt worden sei, damit „sich nicht da« falsche Gerücht verbreite, «IS sei diese Maß­regel gegen die gesetzliche Bewegung »»ter den treuen Bürgen, gerichtet". So erkannte mau also .regierungsseitig" die Gesetzmäßig­keit der Bewegung an, und mehr konnten die Bürger wohl nicht verlangen.

Doch ließ sich die Menge nicht so leicht beruhigen. Der Berdacht, daß der Herzog mit seiner Wiederkehr mir deshalb zögere, um an der Spitze einer größeren Trnppenmacht anrucken zu tönneu, erhielt sich. Mau fürchtete vor Allem die Kanonen. „Die Kanonen heraus I" ging der Ruf durch die Straße». General v. Pree» beschwichtigte die Ausgeregteu dadurch, daß er ihnen zwei Wagen mit Munition auslieserte, die aber nicht veriheilt, sonder» im Schiitzenhos verwahrt und von einem Bürgerwehrposten bewacht wurde». Die Besomienen hielten selbst die Vertheilung der Munition sür gefährlich. In Massen strömten daun die bewaffneten Bürger nach dem Kurhausplatz, wo die Organisation der Wehr vollendet wurde; man war stets in Aufregung darüber, daß der Herzog nicht kam.

Plötzlich, gegen 11 Uhr, erschien mit einigen Begleitern der Bruder des Herzog«, der junge, 16-jährige Prinz Nicolas, mitte» in der Menge. »Bürger." redete er die Umstehenden an, „ich kann nicht glauben, daß mein Bruder mit fremden Truppen hierher komnit; dazu ist er viel zu gut und edelmüthig. Sollte es aber doch möglich fein, so haben Andere ihn dazu verleitet. Seid aber ver­sichert, daß wir Alles ausbieien werden, damit die Trappen die Stadt nicht betreten. Er läßt aus seine Burger nicht schieße», glaubt mir, ich bleibe mitten unter Euch 1" — »Ja, ja — der Herzog ist gut, nur übel berathen!" riet man ihm entgegen, und: „Hoch, Prinz NicolasI" „Es lebe Nassau!" erschallte es ringsum. Der fürstliche Jüngling hatte es verstanden, das Vertrauen wieder herznstelleu; er dankte einem der Bürger durch einen warme» Händedruck. Allein trotzdem süchtete mau immer noch die Kanonen. Der Prinz erf*ien als die reckte Person, die Sache zu vermitteln. Man ver­langte dringend die Auslieferung. Aber hier blieb Prinz Nicola» fest. „Ich bin nicht Herzog, da» steht nicht in meiner Macht", sagte er. Er wurde aufgefordert, beit Minister v. Düngern von der Forderung in Kenntuiß zu setzen, was er versprach und woraus er sich entfernte.

Alsbald aber kam schon die Kunde, die Kanonen seien besetzt worden, und nicht lange darauf erschien General v. Preen selbst. Er erklärte es für eine Lüge, daß er die Truppen in den Kasernen konsignirt habe; die Bürger sähe» sie ja mitten unter sich. Nur am