Verlag: Langgasse 27,
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Doitnerstag, den 24. Februar,
Fernsprecher No. 52.
1898
Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabei
zu vermeiden.
Navigation Co.” mit einem Kapital von einer Million Dollar» gegrünbct worden, welche sich mit der Besörderung von Passagieren, Postpacketcn und Gütern mittels lenkbarer Luftschiffe zwischen San Francisko und New - Aork beschäftigen wird und die Ucbcrfahrt in dreißig Stunde» zu vollbringen gedenkt. Der Erfinder dieses neuen Post-Luftschiffes, vr.E.A. Smith in Son Francisko, ist der Präsident der gegründeten Post» Lustschiffahrt-Gesellschaft. ES heißt,seine neue mvgmaschine habe * ^öven koustruirt.
Anzeigen-A>,«al»ne m. w„. w».< ...
Iüv den Monat Mävz ans das „Wiesbadener Tagblatt" Zu abontiiren, findet sich Gelegenheit im Verlag kanggaffe 27, bei den Ausgabestellen, de» Zweig-Expeditionen in den Nachbar- ° orten und sämintlichen deutschen Reichsxostanstalten.
aufgeregten Monat, ich sehe Unruhe; man will sich verschwören. Ein Skandal wird auSbrechen, der allrS Gewesene übertrifft; die Inden fetzen sich in Bewegung, und er, Zola, wird nicht bleiben können. Wenn er abgezogen, wird er gegen »ns Alle Vorgehen. Jbr habt ihm zu sehr geschmeichelt; ihr werdet die Schande davon haben. Also schon im August wußte der Engel Alles. Frl.Cousdon hat soeben hinzugefügt, ba& Zola sich mit einem Anderen — der nicht genannt wird — verbünden und gegen Frankreich sich verschwören werde. Dann blühen natürlich neue Unruhen, bei denen eine Stadt, in der es Juden giebt, verbräunt wird. — Das kann nun freilich auf jede Stadt zutreffen.
* Atebrr die Todtenstarre machte bei Beaumont (und später auch bei Sedan) ein deutscher Arzt, Dr. Roßbach, wie wir einem kürzlich veröffentlichten Buche „Der sächsischen Armee und der Sachsen Thrilnahnik ani deutsch-französischen Kriege der Jahre 1870/71" (von B. E. König und Hauptmann a. D. Egb. Bollborn, Leipzig, Verlag von Theophil Weber) entnehmen, merkwürdige Beobachtungen. Ein deutscher Soldat lag auf der Anhöhe von Beaumont tobt ans dem Rücken, seine beiden Arme gen Himmel gestreckt. Er batte vermuthlich, als er noch stand, seine Arme wir zur Abwehr vor sich hingehalteu und war tobt umgcfallcn, ohne die Haltung zu verändern. Bei Sedan lag ein Pferd, dem eine Granate die HalSwirbelsänle in dem Arrgcnblick sortgcrissen hatte, als es einen Satz machte. Während die Beine aller andere» Pferde rechtwinkelig vom Rumpfe, steif und ohne Biegung aue- gestreckt lagen, zeigte diescs volle Sprnngfiellung, gckrümmte Border- und Hinterfüße. Auf der Anhöhe von Beaumont sah Dr. Roßbach eine Gruppe von sechs durch eine Granate getödteten Franzosen. Eine der Leichen zeigte ein lustig lachendes Gesicht, zu welchem nur der von einem Granatsplitter wcggeriffene Schädel fehlte. Neben diesem Lachenden saß ein Anderer, welcher eine zinnerne Taffe, sie zierlich zwischen Daumen und Zeigefinger haltend, an die Lippe« geführt hatte; der Rand der Taffe berührte gerade die Unterlippe, als ihm der ganze Schädel und das Gesicht mit Ausnahme des Unterkiefers weggeriflen wurde. Er konnte nicht Umfallen, da die Soldateu eng nebeneinander in einer Vertiefung geseffen hatten, und so fand man ih» noch nach 24 Stunden in halb fitzender, halb liegender Haltung, wie er die Tasse frei mit erhobener Hand an den kinulosc» Unterkiefer hielt. Herzerschütternd war auch der Anblick eines durch die Brust geschossenen Deutschen, der, als er sei» Ende heraunahen
anstalten seit dem 1. Januar 1891 festgesetzten Renten entspricht überschläglich ein Dccknngskapital von rund 311.8 Millionen Mark, und mit Einschluß der an den Reservesond» abznführenden Beträge in Höhe von rund 62.4 Millionen Mark ein Kapital von rund 374.2 Millionen. Die Einnahme a»S Beiträgen belief sich für die Versicherungsanstalten nach Abzug der gesammten Verwaltungskosten im Jahr 1891 auf rund 85.2 Millionen Mark, 1892 84 Millionen Mark, 1893 85.2 Millionen Mark, 189487.8 Millionen Mark, 1895 89.8 Millionen Mark, 1896 95.4 Millionen Mark, 1897 98 Mill. Mark.
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fühlte, das Bild seiner Braut oder Frau noch einmal sehen wollte. Er lag halb auf der Seite auf seinem Tornister und hielt in der vor die Augen erhobenen todtenstarren Hand noch das Photogramm. Diese letztere Stellung war so graziös und deutete so wenig auf irgend eine Anstrengung, aus Todeskamps und Zuckungen hin, daß durch sie der Beweis hergestcllt wird, wie zwischen dem letzten Augenblick de- Lebens und dem ersten des Todes blitzschnell eine Todtenstarre ein» getreten sein muß, welche den Körper besähigte, seine letzte Lebensstellung beizubehalteu. Diese plötzliche Todtenstarre ist jedoch ein« Ausnahme; Todtenstarre tritt sonst erst nach einiger Zeit auf und wird durch eine chemische Umwandlung erklärt. Die Ursache btt plötzlichen Tobtenstarre ist iudesse» von den Aetztc» bisher noch nicht erklärt worben.
* NoSInftschlffe l„ Amerika. Schneller, als mau glaubte, soll der Gedanke, das Lnstsctufs als regelrechtes Verkehrsmittel zu benutzen, in Amerika zur Wirklichkeit werden. Dort ist eine Gesellschaft unter dem Namen "The Atlante and Pacific Aerial
ihr von Frankreich hingeworfencn Fehdehandschuh aufzunehmcii. Die Elklärnug der von der Royal Niger Company in Besitz genommenen Länder zur Kronkolonie war der erste Schritt, der zweite Schritt ist die Entsendung von NeichStrnppeu in die Hinterländer, da die Truppen der Royal Niger Company de» sranzösischen Truppen in keiner Weise gewachsen sind.
Das Vorrücken der srauzösischeu Expeditionen gegen Sokoto, das von der französischen Regierung zwar, ob mit Recht, bleibt ab- zulvarten, geleugnet wird, und die offen ausgesprochene Absicht des Gkiieralageiiteii der Rigercompagnie, dem Sultan von Sokoto mit Waffengewalt beiz»stehen, ferner der angebliche französische Vorstoß nach Agunga zeigen jedensalls, daß die Lage sehr ernst ist und daß es eines sehr ruhige» und niaßvollc» Verhaltens beider Theile bedürfen wird, um einen ernsthaften Konflikt zu vermeiden. Die englische Presse schlägt einen nngewohut kriegerischen Tou au und erklärt, daß das Kabinett Salisbury ent- schloffen sei, Frankreich keine weiteren Zugeständniffe zu machen. I» Frankreich scheint man ganz im Gegensatz hierzu die Sache sür» Erste recht kühl aufzuuehmen und an de» Ernst der kriegerischen Haltung Englands nicht zu glauben, indem man das englische Säbelrasseln mehr als ein Mittel, die Entschließungen der Nigerkonleieuz z» beeinflusset!, ansieht. Auch wir glauben nicht, daß dem Rasseln mit den Säbeln so bald da» Ziehen derselben folgen wird. Bisher haben England und Fraiikreich im Nigergebiet zwar immer mit gleichem stürmischen Eifer die gleichen Ziele erwählt, aber im entscheidenden Moment wußten sie sich doch aus dem Wege zu gehen inib ernsthafte Zusammenstöße zu vermeiden. Sind wir somit von einer friedlichen Beilegung des Nigcrkonflikte« überzeugt, so ist dieser doch ein charakteristisches und hochbedeulsame» Moment des überall in der Welt hervortretende» englisch - französische» Gegensatzes.
Die Vorgänge im Uigergrbiet.
- Die Vorgänge im Nigergebiet, diesem Zankapfel des dunklen Erdtheils, nehmen einen recht bedrohliche» Charakter an, und wenn man die kriegerische Sprache, welche die englische Presse zur Zeit führt, als maßgebend ansehen wollte, was man kluger Weise nicht thuu wird, dann könnte man wohl zu der Meinung verleitet werden, daß England und Frankreich dicht vor dem Ansbrnch eines kriege- ' rischen Konfliktes stehen. Während die anscheinend permanent gewordene Nigerkonferenz in Paris noch immer ihr erfolgloses Dasein fristet, da» den Zweck verfolgt, die englischen nnd französischen Interessensphären im Nigergebiet endgültig abzngreuzen, ist e» in diesem Gebiet selbst bereit» zu Auseinandersetzungen ganz anderer Natur gekommen, die aus dem diplomatischen in da» militärische Gebiet hinübersühren.
Die französische Kolonialpolitik hat sich hier der englischen ganz bedeutend überlegen gezeigt. Das letzte Ziel dieser Politik bildet der Tschadsee. Seit langer Zeit sind die Franzosen mit stillem, aber unanshaltsamem Eifer bemüht, vom Senegal und von der Skkavenküste ausgehend, da» ganze Hinterland am oberen Niger und Benue bi» zum französische» Congo durch Bündnisse oder Schutzstaaten in bett Bereich der sranzösischen Zitteressen zu ziehen. Diese Bemühungen sind von außerordentlichem Erfolg gekrönt worden, und jetzt verschließt man sich anch in England nicht mehr der Thatsache, daß Frankreich im Innern Afrikas ein Kolonial- k reich begründet hat, das sich vom Congo nördlich bis »um Tschadsee, von Dahomey im Westen bis zum blauen Nil im Osten, bi» an Abessinien» Grenzen erstreckt. I» der Thai scheint die Zeit nicht mehr fern zu fein, wo die französische Ubanghi-Kolonie sich bis zum Tschadsee erstreckt und sich durch die Sahara mit Tuni» und Algier in Verbindung setzen kann, denn wie unermeßlich auch die Entfernungen sind, welche die Endpunkte dieser Linien trennen, vor dem Erfindungrgeist des modernen Menschen schwinden sie in ein Nicht» zusammen.
In England, das sich in fast allen Theilcn der Welt eugagirt ; sieht und dessen koloniale Schwierigkeiten und Schmerzen im gleichen Verhältniß zu der Ausdehming de» englischen Riesenkörpers wachsen, hat man sich lange Zeit der Erkenntniß verschlossen, daß das planmäßige Vorgehen der Franzosen in West-Afrika eine bedenkliche Gefährd»«« der englische» Herrschaft bedeutet. Die letzten Vorgänge im Nigergebiet aber haben die Engländer recht unsanft ans ihrer Sorglosigkeit aufgerüttelt und die Erkenntniß in ihnen wach- gerufen, daß die französische Eroberungspolitik nicht nur die politischen Pläne Englands durchkreuzt, sondern daß die Angliedernngen Frankreichs in den Hinterländern der britischen Besitzungen auch dem westafrikanischen Handel Englands eine schwerwiegende und folgenreiche Schlappe beiziibriuge» im Begriff ist.
Die bewaffneten Zusammenstöße im Nigergebiet haben den Engländern gezeigt, daß ihr Vertrauen aus die Ergebnisse der Nigerkonferenz ein blindes war und daß Frankreich anscheinend wenig Neigung hat, die Ergebniffe dieser endlosen Konferenz abzuwarte», vielmehr im Begriff ist, vor ihrem Abschluß ein fait accompli zu schaffen. In drei Punkten West-Afrikas stehen sich bereits Franzoien und Engländer drohend gegenüber, im Reiche des Sultans von Sokoto, in Borca im Hinterland von Lagos und in Adae int ?)interlonb der Goldküste. Die englische Regierung hat sich jetzt, pät genug, entschlossen, sich in das Unvermeidliche zu fügen und den
er nach langer Brobachtniig des Fluges der ____ _____________
Durch einen Gas- ober Elektromotor werden eine vertikale, rückwärtige Schraube und ein Paar Flügel bewegt. Der Körper de» Luftschiffes, welcher der Form «ach cylindrisch oben konisch fein soll, wird aus Aluminium angefertigt und durch Hydrogen schwebesähig gemacht. Der Erfinder behauptet, die Fahrgeschwindigkeit betreiben dürste 100 englische Meilen in der Stunde und 40 Meilen bei windigem Wetter erreichen. Das Luftschiff wird auf festem Bode» verankert; infolge feiner Leichtigkeit steigt e« sofort beim LoSmachea in die Lust. E» sinkt nicht infolge seines Gewichte», sondern durch die Bewegung der Schraube. Außerdem wird das Luftschiff tnu einem Steuer versehen fein. Sei» Gcsammtaewicht soll 4000 Kilogramm erreichen, während die Tragkraft 8000 Kilogramm betragen dürfte. Der Bau diese» Luftschiffes soll sofort in die Hand genommen werden. Die Sache klingt nun allerdings ekwa» — amkükallffchl
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 24. Februar.
— Knrhans-jtenbnu. Die von dem Magistrat und der Stablperordneteu-Versammlung eingesetzte Kominissiou zur Vor- berathiing der KurhanS-Neubansrage hat gestern Nachmittag unter dem Vorsitz des Herr» Oberbürgermeisters vr. v. Jbell ihre Arbeiten von Neuem ausgenommen. Im Prinzip war die Deputation sofort einig, daß da» Kurhaus zurückzuschieden sei, und es wurde eine Sub- kommissiou gewählt, welche diese Angelegenheit weiter zu bearbeiten hat. Die Subkommisflon besteht aus den Herren Sanitätsrath Heyman, Lang, Willett, Kaustnann, Stadtbaumeister Genzmer unter Vorsitz de« Herrn Oberbürgermeisters Dr. v. Jbell. Die Sub- kommissioit soll Terrain-Aufnahmen in vollem Unuange vornehmen und die Herstellung von Modelle» veranlassen, an Hand derer bann nach eingehenden Erörterungen der Hauptkoinmission Vorschläge zu machen sein wurden.
— Lieber dir Ergebniffe der sozialen Versicherung iin Jahre 1897 wird mitgetheilt: Bei der U n sa llv e r si ch e r n u g wird die Zahl der versicherten Personen ans iusgesammt 18 Millionen angegeben. Die Zahl der angeiueldetcn Unfälle betrug nach der vorläufigen Ermittelung 381,865, die der entschädigten Uusälle92,512. Die verausgabten Etttschäbt;>ttngett(Nentctt ec.) betrugen 64,085,317 $)if. gegen 57,154,398 Mk. im Jahre 1896, Entschädigungen (Renten ec.) wurden int Jahre 1896 gezahlt oder angewiesen au380.958Verletzte, 36,715Wittwen (Setöbteter,65,742fliuber Getödteter,2317 Ascendentcu Getödtcter; baneben erhielten ferner 9323 Ehefrauen, 20,077 Kinder und 199 Asccnbentcn als Angehörige von Verletzten, welche in Krankenhäusern nntergedracht waren, die gesetzlichen llitterstntznugen, sobaß im Berichtsjahre ztisainmen 515,331 Personen gegen 452,953 im Jahre 1896 ber Unfallversicherung theilhaftig geworden sind, lieber die In validitä ts- und Altersversicherung ist Folgendes zu berichten: Vom 1. Januar 1891 bis Ende 1897 wurden im Ganzen 614,861 Reuten, und zwar 296,452 Jnvaliden- unb 318,409 Altersrenten anerkannt. Davon entkallen auf bie 31 Versicherungsanstalten 277,382 Invaliden- und 312,215 Altersrenten, auf bie 9 Kaffeneinrichtnugen 19,070 Invaliden- und 6194 Altersrenten. Im Jahre 1897 bezogen riitib 231,000Personen Invalidenrente und 222,000 Personen Altersrente, also rund 453,000 Personen überhaupt Rente. Nach Anrechnung der Ihn«
Wandlung ber Altersrenten in Invalidenrenten stellt sich bie wirkliche Zahl der Neutenempsaiiger de« Jahre» 1897 auf rund 452,300 Personen, an welche iusgesammt 54,4 Millionen Mark, inib zwar an Alterkreuten rund 27.6 Millionen Mark, an Invalidenrenten 28.8 Millionen Mark gezahlt sind. Den von den Versicherung»»
Aus Kunst und Lebe».
♦ Noch einmal Mors - Imperator nennt Hermine v. Preuschen, Konrad Tclmanns Witlwe, eine Sammlung von Gedichten (Dresden, Karl Reisner), die ein Requiem für den vor . Jahresfrist so plötzlich verstorbenen bedeutenderi Dichter und frei- geistige» edlen Denker darktellen. Den ganze» Schmerz über de» Tod de» ihr kongenialen Manne» weint bie eigenartige, schaffenS- starke Frau in diesen Gebichten an8, bie, zunt großen Theil nur kurze, in vier Zeilen auSgedrückte, oft excentrifche Gedanken, doch sämiullich Zeuguiß ablegen für bie innige Seelen- unb künstlerische Gemeinschaft, welche diese beiben Menschen miteinaiiber verband. Die Gedichte find nicht gleichwerthig. Ost fällt nn» bei ihnen eine Sucht »ach realistischem Sehen auf, so wenn sie von de» durch de» - Tob blau gefärbte» Nägeln ber Gatten spricht, ober dieSchweiueberCirce auf ihrem Bilde tu einem solchen Todtengedicht erwähnt, oder gar ihr todwundes Herz mit einem von tausend Schwären bedeckten, in Todesqualen doch nicht verreckenden Hunde vergleicht. Dann ■ auch sind diese Reime, plötzliche Gedanken einkleibend, zu impulsiv entstände», al» daß auf bie Form großes Gewicht gelegt worden wäre, und besonders in dieser Hinsicht stehe» fie zurück gegen bie wundervollen Gedichte aus dem Nachlaß Telmamts, über die mir unlängst berichteten. Aber sie enthalten neben dem Seltsamen des Schönen doch so viel, daß man bie mit außerordentlicher Papier- vcrschwenditng höchst splendid gedruckte und originell ausgestattete Sammlung bett Verehrern der hochbegabten, geprüften Frau wohl empfehlen kann. Nachfolgend eine kleine Probe — vielleicht die chönste, des Inhalts: ein Gedicht an das Töchterchen der Dichterin:
An Helga.
Nein — « erzählt Dir keine Märchen mehr, Züm Märchen selber ward uns alles Glück, Und in der Seele wogt von Leid ein Meer, Er kehrt Dir nimmer — nimmermehr zurück.
Nein — er erzählt Dir kein Märchen mehr.
* Solu nn» »er Engel Gabriel. Wenn wir uns viel bie Köpfe darüber zerbrechen, ob Zola verurtheilt ober freigesprochen w-rdeu würde, so stellt sich nachträglich heraus, daß wir uns vergebliche Muhe gemacht; der Engel Gabriel hat bett Verlauf de» Prozesses etwa im August durch den Mund de» Fräulein Couödon m Vgiis Dorousgefagt Der Engel bemerkte damals: Ich sehe einen
-o- Der Dtostassistent Keddrich, der bekanntlich einen Werthbries mit 10,000 Mk. stahl, bald barattf in Untersuchungshaft genommen und während derselben zur Beobachtung seines Geisteszustandes in der Irrenanstalt Eichberg nntergebracht wurde, ist jetzt wieder in das hiesige Landgerichisgesängniß eingeliefert worden. Bei der ärztlichen Beobachtung sollen sich Zweisel an feiner Zu» rechnuiigssähigkeit nicht ergeben haben. Die gegen ihn wegen de» Poftdicbstahl? eihobeueAnklage gelangt deshalb in der bevorstehenden Schwurgerichtstaguitg zur Verhandlung.
-o- Todt anfgefttitdett. lieber den unter dieser Spitzmarke in dem gestrigen Abendblatt erwähnten Vorsall erfahren wir, daß der Verstorbene Sauerivei» heißt, 25 Jahre alt, lebig unb von Nastätten ist. Er soll in ber Lau,mässe einen Zusammenstoß mit Masken gehabt haben. Ob, wie angenommen wird, ber Tod durch einen ihm dabei zugesügten Stoß ober Schlag gegen ben Unterleib ober aus anderer Ursache ein trat, muß erst durch bie bevorstehende Oeffunng ber Leiche festgestellt werben. Sauerweit! konnte nach ber Rauferei allein nach seiner Wohnung gehen.
Vereins - Nachrichten.
eturj? fofitidte Berich! werben bereitwillig- unter Meter Ue!>ertbci|i ausgenommen.
* Der große Maskenball de» Gesangvereins „Wiesbadener Männer-Klub", welcher am verfloffenen Sonntag int „Römer» {aal" stattfand, hatte sich eine» solch außerordentlich starken Besuche- zu erfreuen, daß bie sämintlichen mächtigen Räume bis aus den letzte» Platz gefüllt roaren. Bald hatte sich ein buntes, fröhliches Treiben entfaltet, das in ungetrübter Weife bis znm Hellen Morgen anhielt. Wiederum war es die Damenwelt, die sich durch ihre Masken besonders hervortbat, während man die» von den Herren weniger sagen kann, sodaß das PreiSrichternmt denselben nur zwei Preise zuerkennen konnte. Die acht sehr werthvollen Dantenpreise wurden vertheilt in folgender Weise: Den 1. Preis erhielt eine „Spanierin", den 2. „Regenbogen", den 3. „Rosendame", ben 4. „Deutschland", ben 5. „Stollwcrk", den 6. „Gold a. b. SchönheilSrcich", ben 7. „Herzdame" und um den 8. looften „Mond" unb „Mausefalle". Den 1. Herrenpreis erhielt Prof. Röntgen mit feinen X-Strahlen, ben 2. ein „Orgelmann", ber seine herrlichen Klänge in überaus komischer Weise zu Gehör brachte. Der „Wicsbabeiter Männer-Klub" kann auf dieses wohlgelntigene Maskeufest stolz sein; er hatte dasselbe aber and) in mustergültiger Weise arrangirt nnd somit feinen guten alten Rus auf das Glänzendste bewährt.
* Wie alle fBerauflallungen des Wiesbadener Karneval-Verein» „Narr Hal la" nahm anch dessen großer Volls-Maskenball mit Preisvertheilnug, welcher Sonntag, den 20. Februar, in bett Sälen de» Tnrnerheims Hellututibstraße stattfand, bei überaus zahlreicher Belheiligung den schöttsteit unb nnhuirtefteu Verlaus. Die karnevalistische Schlußscier am Sontttag, ben 27. Februar, Nachmittag» 4 lUjr beginnend, in ber iienerbauteti Turnhalle zn Biebrich a. Rh. durste einen würdigen Abschluß des Karneval» bilden. Außer der Hardegscheu Kapelle wirkt der rühmlichst 6<» kannte Biedricher Gesangverein „Eintracht" unter Leitutig de» Herrn Lehrers Schauß mit. Beiträge gesanglicher, musikalisch» humoristischer unb erttster Nalnr sind überaus zahlreiä; von ben be» toäbrleften Kräften atigemeldet. Von ber Direktion bet Straßen» bahn werben zur Hin- und Rückfahrt um 3 Uhr unb 10','- Uhr Extrazüge ab Luisenplatz unb Rathhaus-Biebrich gestellt.
* Wie immer, so hatte and) biesmal ber vom „Ev. Männerund JünglingS-Vereiu" am Fastnacht-Dienstag veranstaltete
