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«O. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

15,000 Abonuruten.

Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. oo Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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titttcirtett-AmtnItML ^.T2SSormittag«, f“r die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittag». — Für die Aufnahme später riilgercichter Anzeigen zur nachsterschemenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. __________ ° "

82. genumfct «■. W.Dienstag, de» 1. Febrnar. W. 1888,

Abend-Ausgabe

inttermaterials, namentlich

Prenßischrr Landtag.

Kerli», 31. Januar. Abgeordnetenhans.

Zwei Künstlerinnen, die es „in sich haben", sind in Berlin zii kurzem Gastspiel erschienen: die Marie Geiftiiiger und Ivette Gmwert. Trotz eines Altersunterschiedes von etwa 30 Jahren — JWflrif iftr an die 70, Ivette an die 40 - rivalisiren Beide in heißem Koiiliirreujbemühcii um die Gunst de» Publi­kum» von Berlin. Man muh dies vielleicht so bezeichnen: Die Geistinger ist wieder einmal in Berlin — die Gnilbert ist zum ersten Mal in Berlin. Beide sind große Künstlerinnen; von der Geistinger, die in Berlin schon als lange Soubrette und dann als pikante Frau entre deux flges in der Schönen Helene, in der Großherzogin von Gerolstein, im Pfarrer von Kirchseld, in den Kreuzelschrcibern re. anfgetreten ist, weiß man da» aus eigener Au- schaiiung, von der Gnilbert weiß mau es durch ungezählte Zeitungs­artikel, die aus Paris hierher importirt wurden, und die Wunder- dinge von der „Sängerin des Elends" erzählten. Marie und Ivette

Beide treten gegenwärtig in den ersten Bariöte-Theatern Berlins auf, die Geilt,nger tut Wintergarten, die Gnilbert im Apollo-Theater.

"tj, diesen ganz cxceptionellen Gastspielen genauer znsieht, be­merkt allerlei Jiitercssatttes, was sich dem großen Publikum garnicht auf den ersten Blick offenbart oder überhaupt nicht offenbart. Der Wintergarten, so modern und großstädtisch er ist, ein Etabliffenient, welches der Fremde gesehen haben muß, hat aber doch noch mehr den Charakter der Spezialitäten-Bühne, d. h. einer Schaustätte, deren Bretter das „Brettl" bedeuten. Hier tritt Marie Geistinger auf, die Operctten-Diva von ehedem, die nur eine Theater-Vergangenheit hat und nie ihrer ureigensten Kunst untren geworden ist. Sie singt hier nur Lieder, Chanson», Jodler rc. und ist ganz lor- gelSS von dem Bühnenrahmen, von der Coujiffe, die sie ui« hat

Die Geistinger «nd die Gniibert.

Krrlln, 29. Januar.

Landwirlhschafts-Etat. — Ministergehalt. — Abg. Schroeder (Pole) sagt, zweifellos habe das Verbot des Terminhandels der Laudwirlhschaft genützt. Der Getreidepreir richte sich nun nach dem Angebot und der Nachfrage, unabhängig vom Berliner Markte. Die Landwirtbschastskammern müßten ihre Thäligkcit mehr nach unten bis auf die kleinste» Grundbesitze erstrecken, wenn sie den gehofften Nutzen schaffen sollten. Nedner bringt eine Reihe Wünsche zu Guusten der Landwiithschast vor. — Abg. Neimuitz (nat.-lib.) spricht für die Maßnahmen im Interesse der kleinen Landwirthe, wozu neben der Grenzsperre die möglichste Erleichterung der Beschaffung billigen FntteriiiaterialS, namentlich Mais, gehöre. — Abg. v. Schwerin-Löwitz (kons.) tritt für die Landwirthschaftskammern ein gegenüber Rickert und Schroeder. Redner bespricht sodann das Börsengesetz. Die ganze östliche Land- wirthschaft sei überzeugt, daß Caprivis Handelspolitik die Land- wirthschaft um den Arbeitsertrag brachte. Die frühere Parole des Freisinns lautete: „Die bösen Agrarier verthenern dem armen Manne das Brod!"; die jetzige laute: „Die bösen Agrarier verbilligen dem armen Bruder Bauer das Getreide!" — Abg. Piepcnhausen (kons.): Deulschlaiid marschire nicht, wie der Minister sagt, an der Spitze der Fürsorge für die Laudwirlhschaft, auch die Rückzahlung der Grundstciier-Enlschädignug werde nicht mit entsprechendem Wohlwollen ausgcführt. - Minister v. Hämmer­st ein: Letztere Frage wird Minister v. Miquel beantworten. — Abg. Engels mann (nat.-lib.) bittet nm Aushebung des VereinS- gesetzcs von 1892. — Regierungs-Kommissar Müller ciitgegnet, die Regierung erwäge bereits diese Angelegenheit. — Abg. Hahn bittet mit Beschränkung der Getreide-Einfuhr durch Quaräntaiuc. — Minister v. H am nie r st e in. Darüber werde ich mich bei Be­sprechung der angekiludigteu Interpellation über Viehseuchen aus- sprechcn. Schließlich wird das Ministergehalt bewilligt. — Bei dem Kapitel „General-Kommilsionen" erklärt auf Anfrage des Abg. Pappeuheim der Regiernngs-Kommissar Sachs, die gesetzliche Regelung der Fonds des Geiicral-Kommissionswesens sei schwierig. Nicht mir laudwirthschaftliche, sondern auch vielt juristische Fragen seien zu lösen. — Abg. v. Z e d l i tz (frei-kons.) stimmt dem nicht zu, zumal man ans anderen Gebieten durch die Zuziehung des Laien-EIementes gute Erfahrungr» gemacht habe. Das Zlvickmäßigste sei, die General- Kommisstoneu in eine reine Verwaltungsbehörde mit vielen laudwirth- schaftlichen Sachverständigen umzuwandcln und sie der richterlichen Funkiioncn zu entkleiden. — Regierungs-Kommissar Sachs hält das für unnutz. — Abg. v. Pappenheim stichtnachznweiseii, daß die jetzigen Bestimmniigen bei den General-Kommissioiien den heutigen Berhältiiissen nicht eiitspreche». — Negierungs-Kommissar Sachs führt die ungünstigen Casseler Verhältnisse aiif ungünstige lokale Einwirkungen zurück. — Nach einigen weiteren Bemerkungen wird der Titel General-Kommissionen bewilligt. — Weilerberathuiig niorgen 11 Uhr.

entbehren können. Ivette Gnilbert dagegen tritt im Apollo-Theater auf Es ist ein Spezialitätenhaus, aber «S ist ein Theater, kein Saal; es hat Logen und Fauteuils in theatermäßiger Anordnung, es hat einen Rang und dort wieder Logen, cs hat Foyers rc., es ist eben ein Theater. Und hier steht „La grande Yvetto“ auf der Bühne, die mir von „Brettl" hcrvorgegangcn ist, die noch heute in wenig an­spruchsvollen Mufeutempelu in Paris auftrilt. Die Ivette hat früher nur Lieder und Liedchen gesungen, jetzt spielt sie in einem Liede, in einer Ballade, in einer Idylle, in einem Straßeubild ein ganzes Leben, jetzt zeichnet sie ein grausiges Schicksal! Die Geistinger, die Schauspielerin von ehedem, ist zur Chantcuse, die Chauteuse von ehe­dem ist zur Schauspielerin geworden. Das gleichzeitige Auftreten von zwei so bedeutenden Künstlerinnen sieht wie ein heißer Rivalitäts­kampf au». Ich wette, Ivette kennt die 69-jährige Marie gar nicht und umgekehrt! Die Beiden haben sich vielleicht nie gesehen, und doch liegt zwischen der unteren und oberen Friedrichstadt — Marie singt in der oberen, Ivette in der unteren — eine böse Spannung. Man hört davon in den Cafös erzählen, in denen die Künstler und Artisten verkehren. Sie nennens Existenzkampf und meinen, daß die Direktoren der beiden Etabliffements den Kampf aus purem Selbsterhaltungstrieb kämpfen. Das kann idi nicht glauben, denn wie der Kampf gekämpft wird, kostet er riesia viel Geld. Schon ein Blick auf die Anschlagsäulen lehrt das, Rieseuplaka e von oben 618 unten für die Epigonen vom seligen Litfaß sich sehr thener bezahlen lasten. Für die AuStraamia dieses Zettelkampfes ist schließlich auf den Säulen gar kein Plötz mehr; Tag um Tag muß daher der eine dem anderen weichen. Lat die

Ä SÄS lm WintttLsrten bezikbt IM Mk. vro Ah«,d7 das ist auch ki»

Spaß! Bei der Ivette find die Preise um beinahe die Halste er» toht worden, und flugs kommen die Geistiugerifcheu und vcrküudeit 9'"/!". daß die Geschäfte im Wintergarten so brillant gehen, büß trotz der enormen Kosten, welche das Gastspiel ntnlhr^ ' Pre'se nicht erhöht werden. Ist es bei Alledem S>"ubl-ch, daß cs doch noch Leute giebt, die wider die Rvett! t>1e°rd)69'ii^n,r,l,tl=,U1Vfe!l/C" $Jei8 wollen. Die Einen traue» sinh.,.'.1. 8 Soubrette nicht und ihreni stü:wischen Erfolge, die

toic nla" Französin so zu« brave• ii*«“ sarmcht glauben, daß es unter de»

Deutschen solche Chauvinisten giebt! Aber ich bin hinter da» Der gekommen ES Ist nämlich gar nichts Politisches dabei.

T btul Kunstlei-Cafö, in welchem in Berlin alle Kh,«. ? Seilenden Begebenheiten besprochen worden, das Wort e' Ilsede nun von begeisterten Anhängern der Ivette gebeten, voch nur einmal die Künstlerin auzuhöreu, er werde dann anderer Mcinnng werden. „Nun gut", meinte er, „schaffen Sie mir ein Billet". »xsder, bitte. Sie bekommen doch früh an der Kasse sicher eine» Platz , war die Antwort. Der Anti-Ivetterianer zuckte, als ob man ihm etwa» recht Unangenehmes gesagt hätte, die Achsel und lächelte verächtlich. „Ich mir ein Billet kaufen?" ries er ganz entrüstet aus; „ich kaufe mir nie ein Billet, ich gehe überhaupt nur in» Theater, wenn ich ein Frcibillet erhalte." — „Ja, aber die giebt c» doch bei der „Ivette" nicht," meinte der Andere, „Abonnemente suspendus, Passepartout ungültig - also ..." — „Nun dan» werde ich eben die „Ivette" nicht hören", sprach'» und ließ seine« Ka«ee von einem Bekannten bezadlen. — Es war also ein Billest mardcr schlimmster Art, der diele Opposition machte, und ich fürchtt» daß er viele Anhänger bat, sodaß ein regulärer Streik der Freibilleü mardcr bei diesen kostspieligen Stardebut» zu verzeichnenift" ST? werden nichts ausrichten mit ihrem Streik!

Derttschrr Reichstag.

0 Lcrlin, 31. Januar.

Eingegangen ist die Postdampfernovelle. Das Han» fetzt die Beralhuiig des Etats bei dem Etat des Reichskanzlers lind der Rlichskanzlei fort. Die Budgetkommission beantragt die Erhöhung des Gehaltes des Reichskanzlers tiufdjlitßlid) der RepräsentationS- foffen nuf 100.000 Mk. - Abg. Singer (Soz.) erklärt sich gegen die Erhöhung, während die Abgg. Kardorff (Rcichsp.), Lieber (Centr.), Hammacher (nat.-lib.), Mafsow (kons.) dafür eintreten. Die Erhöhung wird schlietzlick) gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der beiden freisinnigen und süddeutschen Volkkpartci aiigenommen, und sodaim auch der Rest diese Spezialetate geiiehmigt. Es folgt die Fortsetzung der Bc- rathniig des Etat» des Reichsamts des Innern bei dem Titel Kaualamt. Referent Dr. Hammacher (nat.-lib.) bemängelt die un­genügende Rentabilität des Nord-Ostsee-Kanalr. — Schatzsekretär Pos ad o wSky erwidert, der neue höhere Tarif werde zu dem gesetzlich vorgesehenen Termin im Oktober 1899 eiiigesührt. VoraiiS- sichtlich würden dann die Einnahmen die Ausgaben decken. Nach weiterer uiiwesentlicher Debatte wird auch diese» Kapitel bewilligt. Im Extraordiiiarium de» Etats desNeichsamlsdkSJnncrnfii,dl00,000Mk. ausgeworfen zur weiteren Ausschmückung des Neichstagsgedäiides. Nach längerer Debatte wird dieser Titel gegen die Stimmen der Freisinnigen und Sozialdemokraten angeuomme»; ebenso eine Neso- lutron, wonach die Neichstagsbaukommission fortaii aus 7 Abgeord- neten und 3 BmideSralhSmitgliedern besteht, deren Besiignifse wesentlich erweitert werden. - Der nächste Titel, 800,000 Mk. für Sndsee-Erpedition, wird ebenfalls genehmigt. Damit ist der Rcichs- etat des Innern erledigt. Es folgt der Etat der Reichsji-stizverwaltung. — Abg. Bassermann (nat.-lib.) geht ans den dem BuudeS- rath vorliegenden Gesetzentwurf, betreffend Sicherung der Bau- handwerker, ein, dessen Regelung ein dringendes Bedürfniß sei. — Abg Rickert (freis. Ver.) regt die Frage von Deportationen von Strafgefangenen nach den Koloniee» au. — Staatssekretär Nieder diirgr Die ReichSregieruiig konnte nicht umhin, sich mit der Frage zu beschäftigen. Die Deportationen hätten finanzielle und moralische Vortheile. Die V-rwaltmig der Kolouiecn in Togo, Kamerun, Südwest- und Ostasrika hoben sich sämmtlich veruriiiend in dieser Frage ausgesprochen. An> eiitschiedeiisten sprachen ssth die Gouverneure der tropischen Kolonieen dagegen ans, hauptsadfiich aus klimatischen und gesundheitlichen Rücksichten, sodann im Hinblick auf die Autorität des weißen Elements. — Die Schwarzen find gewöhnt, in den Weißen ein überlegenes Kultur- Element zu erblicken. In Südafrika würden die Gründe am wenigsten znticffen, desto größer wäre hier der Widerstand der Ein- gefcssei en gegen eine solche Nenerung. Wie die Dinge liegen, dürste cs für unsere Kolonieen theil» zu spät, theilS zu früh sein, an Deportationen zu denken. - Abg. An er (Soz.) wünscht gesetzliche Regelung des Strasvollziigs. Er beklagt insbesondere die Behand­lung grsa geiier Schriftsteller und anderer nicht wegen gemeiner Ver­brechen Bestrafter, welche infolge schlechter und maugelhaster Kost da» Gesaiigmß körperlich oft gebrochen verlassen. Alles sei der Aufsichtsbehörde übcrlaffen. Sozialdemokratische Redakteure hätten Kaffeebohnen lesen und Werg zupfen müssen, feien gefesselt trans- portirt worden und hätten eine Kette nm den Leib gelegt erhalten. Dem Abg. Lutgenau sei die anfangs gegebene Erlanbuiß, sich mit )>kr polnifchen Sprache zu beschäftigen, entzogen worden. Redner bc- spricht die arge Behandlung eines Redakteurs der „StaatSbürger- Zeitung ui Moabit. Auf die Beschwerde eines akademisch gebildeten RcdakteurS.dernnt Sluhlflechteu beschäftigtworden sei, habe der Minister des Innern geantwortet, diese Beschäftigung fei mit Rücksicht auf feine Stellung gewählt worden, den» dieselbe fei reinlich, leicht zu erlernen und erfordere keinen großen Krastaufwaiid. (Heiterkeit.) — Staatssekretär Nieberding: Die gesetzliche Regelung des Straf­vollzugs ist unmöglich vor der Revision des Strafgesetzbuchs. Diele soll in nächster Zeit erfolgen. Eine einheitliche Regelung des Straf­vollzugs ist nothwendig. lieber einige Punkte hat sich der BundeS- raih bereits geeinigt; aber Ausnahmen zu machen für die Vertreter der Presse ist nicht angängig. Abweichungen von der Kost würden nur auf Anordnung des Arztes erfolgen. Daß bei Festungshaft größere Freiheiten gestattet sind, liegt in der Natur der Sache. Heber militärische Haft habe das Reichs-Jnstizaint überhaupt nicht Auskunft zu geben. Seien Sie gerecht und setzen Sie uns in den Stand, über die Fälle Erkundigungen vorher einzuziehen. Es ist ungerecht, eine einseitige Parteidarstellung in die Welt gehen zu (affen, ohne die Möglichkeit einer Vertheidignng. (Beifall.) Das Haus vertagt sich auf Dienstag, 2 Uhr. (Rest der heutigen Tagesordnung. Post-Etat.)

Deutsches Reich.

* Sof- und Urrsonal-Nachrlchtc». Während das „Berl. Tagebl." die Gerüchte von einem Duell zwischen dem Grafen Wilhelm Bismarck und dem Oberpräsidialrath Dr. Maulbach demcntirt, behauptet der „Lok.-Anz.", daß ei» Pistolendnell zwischen beiden Herren stattgesnndeu habe, bei welchem Dr. Maulbach verwundet worden sei. — Der„Nordd.Allg.Ztg."zufolge hat sich der Reichs- kanzler eine leichte Erkältung zngezogcn, infolge deren er geuöthigt ist, das Zimmer zn hüten.

* S<iliib 1. Februar. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, ist dem Bundesroth ein Gesetzentwurf zu gegangen, wodurch die in Aus­sicht gestellten Aeuderunge» der Bcstimmnngen über das Post- wesen im Gebiet des Deutschen Reiches eiugesührt werden sollen.

Die königlichen Regierungen sind vom Knltusministcrium auf- gefordert wordcu, so schnell wie möglich den Gefammtbetrag 6er von den Katholiken zu zahlenden Staats-Einkommensteuer seflzu- ’m-/-. —, ä3nnmt6fid) handelt ts sich um Material bei etwaigen Pantatsbeschwerden.

«n. D<i» Kainme^ericht hob in dem Beleidiguiigsprozeß

MV.®ipätt die Entscheidung der Vorinstanz insoweit auf al» Stocker der Vechulfe zur Beleidigung für nicht schuldig erklärt worden war, und verwies die Sache an die Strafkammer in Potsdam zurück.

Aus SBernnlaffmig de» preußischen Ministers der öffentlichen Arbeiten find im B-zirk der Eisenbahndirektioii zn Bromberg längere "'lE Spiritus-Glühlichtlampen gemacht worden. Das Ergebrnß dieser für die deutsche Landwirthschast sehr

bedentsamen Versuche war, daß wegen bet hohen Kosten und der den Lampen noch anhaftenden Mängel die Neuerung vorläufig nicht empfohlen werden könne.

* Zur Flottrnfrage. Die „Köln. Zig." bespricht die Frage der Auflösung des Reichstag», wenn das Floitengesetz fallen würde, und sagt, die Regierung befände sich in einer so starken Position der Opposition gegenüber, daß diese sich) wohl hüten werde, es zum Aeußersleu zn treiben; werde aber das Gesetz muthwilliger Weise zu Fall gebracht, so werde die Regierung durch die Auflösung einen schlechleren Reichstag als den heutigen nicht erhalten. Die Regierung müsse fest bleiben und nicht nachgeben, sowie darauf verharren, daß sic eint sichere Gewähr Dafür erhalte, in der angegebenen Frist eine» flotten Miudestbestand zu schaffen, den sie haben müßte.

_ * D«r jüngste Gbrrst der preußischen Armee ist der «chwager des Kaisers, Prinz Adolph zu Schaumburg-Lippe, der am Kaisers-Geburtstage außer der Reihenfolge den Charakter al» Oberst verliehen erhielt. Der Prinz ist erst 38 Jahre alt. Im Jahre 1876 trat er als Lieutenant ä Ja suite des Westfälischen Jäger-Bataillons Nr. 7 (Bückeburg) in die Armee ein. Da» Jahr 1884 brachte seine Beförderung zum Premierlieuteuaut; zwei Jahre später wurde er auch L la suite des Hufaren-RegimeutS König Wilhelm I. (l. Rheinisches) Nr. 7 (Bonn) gestellt. Am Tage nach seiner Verlobung mit der Schwester des Kaisers, Priuzefsin Victoria (17. Juni 1890) wurde er znm Rittmeister befördert. Im Jahre 1891 trat er als Escadronschef beim genannten Hnsaren- Regiment ein, in welchem er im Herbst 1893 Major und bald darauf etatsmäßiger Stabsosfizicr wurde. Als er int März 1895 dle Regentschaft des Fürstenthums Lippe übernahm, wurde er wieder a la suite des genannten Husaren-RegimentS gestellt und verblieb ui dieser Stellung auch, als die erwähnte Regentschaft im August v. I., während welcher er am 27. Januar 1896 znm Obeist- Iieutenmit anfgerückt war, infolge des bekannten Schiedsspruch» ihr Ende erreicht hatte.

* Dnmpfrrsnl'vrulko». Der dem Reichstag zugegangeue Gesetzentwurf, betreffend Erhöhung der Dampfersubvention bestimmt zur Erweiterung der offafialffdjen Postdampferdienstes durch Er­richtung einer vierzehittägigen Verbindung mit China, eine Er­höhung der bisherigen Subveniion um 1,500,000 Mk., sowie Ge­währung erhöhter Beihülfe auf 15 Jahre. Die Fahrgeschwindigkeit auf der chinesisch-japanischen Linie muß für altere Schiffe mindestens 13, für neu zu bauende 14, auf den Zweiglinien 12 Knoten betragen, die auf Verlangen de» Reichskanzler» zu erhöhen find, lieber die Ausgaben der Reichspostdainpser besagen die Erläuterungen, der Verkehr Deutschlands mit den betreffenden Absatzgebieten solle gesteigert, dadurch die deutsche Produktion belebt und der denlschen Rhederei Gelegen­heit zu regerer Betheiligung gegeben werden. Ferner sollte der deutsche Handel von der ausländischen Vermittelung unabhängiaer gemacht und vor Offenlegung der Geschäsirbeziehungen und Ver­nachlässigung feiner Aufträge zu Gunsten fremder Konkurrenten geschützt werden. Dem Reiseverkehr solle auf deutschen Schiffen imt deutschen Einrichtungen schleunige, hinter fremden Dampser- liuien nick;t ziirückstehende Beföiderungsgelegenheii geboten werden. Der Postverkehr, insbesondere der Korrespondeuzverkehr solle nicht ans die fremdländischen Hilssmiltel allein angewiesen bleiben. Die Erläuterungen weisen sodann auf die Hebnug de» Waaren- und PerfoueuverkehrS durch) die bisherigen Reichr-Post- dampferltrneu hin, sowie auf die Interessen der KrtegSmariue Bei dem Zettpunkt der Einrichtung des erweiterten Betriebs wird auf die Vereinbarung mit China über Kian-Tschau hingewiefen die einen verstärkten Grund bilde, die Nenregelung der Postdampfer- verbinduiigen nach Ostasien in kürzester Frist ins Leden treten zu lassen.

* Der Verband der deutschen Gewrrlivrreine (Hirsch- Dunckcr) hat nach dem soeben verLffeittlichien Jahresbericht Ende 1897 fast 8000 Mitglieder mehr als zu Beginn des Jahre». Die G-fammtzahl beträgt jetzt rund 80,000, wovon über 30,000 auf den. Gewerkverein der deutschen Maschinenbau- und Metallarbeiter (Sitz Berlin) und 15,000 auf den Gewerkvereiu der deutschen Fabrik« und Handarbeiter kSitz Burg b. M.) entfallen. Im Januar d I. m der achtzehnte Berufsgewerkvereiu, der der deutschen Kellner, ui den Verband ausgenommen worden, der sein Hauptaiigenmerk auf eine ausgiebige Stellenvermittelung richten wird. Die Verbandskaffc.die mit den Kaffen der einzelnen Gewerkvereine nicht in Verbindung steht, hatte im Jahre 1897 eine Einnahme von 26,220.84 Mk., wovon 4311.77 Mk. für Agitation verausgabt und 4070.30 Mk. zinstragend angelegt wurden. Die Organkasse (VcrbandSorgau ist „Der Gewerk- vereiu") vereinnahmte 29,587.38 Mk. Das Gesainmtvermögen de» Verbands beträgt 71,765 Mk., wovon 58.142.77 Mk. auf die Ver­bandskasse und 9009.39 Mk. auf die Orgauifalioiiskasse und der Rest auf Mobilien, Bibliothek rc. entfallen. Der diesjährige (17.) Vcrbandstag findet in der Pfingstwoche in Magdeburg statt.