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Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige« 15 Pfg.. für auswärtige Anzeige» 25 Pfa. Reclamen die Petitzeilc für Wiesbaden 60 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

46. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. BezugS-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Poft 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

15,®®® Abonnenten.

ItttrtrtHt-llWithtlti* für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen»« fflkuCTIjWiy nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Uo. 45.

Fernsprecher No. 52.

Freitag, de» 28. Iaunar.

1898,

Fernsprecher No. 52.

Morgen-Ausgabe.

§tür Iebruar und Wävz auf das Wiesbadener Tagblatt" jii abonnire», findet fich Gelegenheit im Verlag Langoasse 27, lei den Ausgabestellen, de» Zweig-Expeditionen in den Nachbar­orten und fämmtlichen deutschen Rcichsxostanstalten.

(Nachdruck verboten.)

Frauen im Uostdirnst.

Von O. Stephan.

Die Absicht des neuen NeichspostleiterS v. Podbielski, Frauen in gröberem Maßstabe im Postdieust anzn stell en, ist nicht nur ge- eignet, in Kreisen, die den Frauenbestrebniigen gilullig sind, Ge- 11119tiniuitfl hervorz»rusen, sondern regt auch dazu an, den Blick dorthin zu lenken, wo Frauen bereits im Postdienst rhätig sind. Unter den europäischen Staaten nimmt England die erste Stelle ein. Hier sind Frauen in größerer Anzahl in den verschiedenen Zweigen der Postverwaltung eingefaßt, und zwar schon feit längerer Zeit, sodaß man hier im Stande war, Erfahrungen über ihre Ver­wendbarkeit lind Leistungsfähigkeit als Postbeamte zu sammeln.

Der englische Gelehrte Havelock Ellis hat bei feinen Unter­suchungen über die Veranlagung der Geschlechter auch an die eng» fische» Postämter Anfragen über die Brauchbarkeit von Frauen im Postdienst gerichtet, auf die ihm folgende interessanten Antworten zu Theil wurden. Der Chef eines der Hauptpostäniter berichtete vaß Frauen Besseres leiste» al« Männer in der Buchführung, iii der gleichzeitige» Erledigutig von Postoitweisnngr- rind Sparkaffen- gefdtäften, im Befördern und Anfnehmen von Depeschen nnd im Schalterverkehr mit ungebildeten Personen. Sie halte» ihr Inventar besser in Ordnung und gehen mit Geld sorgfältiger um, sie verständigen sich besser mit dem Publikum und sind geduldiger. Zn einem anderen Bezirk wird der ganze Telegraphen- bienft von Frauen ausgezeichnet besorgt. In einem großen Proviuzialdezitk hat sich ergeben, daß Telegraphistinnen ebenso inteOigent und genau arbeiten als ihre männliche» Kollege», daß aber die Handschrift nicht so gn. ;ft, und daß sie selten in der Weise Wie die Männer ei» Verlangen 1. ch dem technischen Vei ständniß der Telegraphie zeige». Klagen des Pnblikiims über Unaufmerksamkeit und Unhöflichkeit foinmen bei Postämter», welche Frauen ver­wenden, ftlteiier vor; Frauen halten ihreit Markenvorrath besser in Ordnung, verstoßen seltener gegen die Disziplin und gelten als weniger geneigt zu Unterschlagungen als Männer. In der Regel thun sie ihre Arbeit verständig, sorgfältig, und unter gewöhnlichen Uuiftäuben fast ebenso schnell als Manner, aber bei Aibeitsa»»fu»g könne» sie bei schwerere» Anf- gaben Infolge eine» Mangel» an nachhaltiger Arbeitskrast mit Männern nicht wetteifern. Einer der Berichte bezweifelt, daß Frauen befähigt find, die uminferbroditiic Arbeit an dem Schalter eines Hauptpostamtes zu leisten; gewöhnlich war dazu mäniiliche Hülfe nöthig. Ein anderer Postdirtktor giebt als allgemeine Siegel an, daß Telegraphistinnen im Schalterdienst Befriedigendes leiste», daß sie aber unter ungewöhnlich schwere» Uinständcu den Leistuttgen »muu- licher Beamten nicht gleichkonitnen, und daß sie im Ganzen mehr Fehler niache» al« Männer; auch können sie unter de» Telegraphenbote» nicht recht Ordnung und Dirciplin aufrecht halte». Beim Dienst im Apparatenstral leiste» sie nngefährdarselbe wie Männer und bedienen mäßig in Anspruch genommene Leitungen gut, an de» am stärksten benutzten Leitungen uiüffen jedoch männlich« Beamte verwendet werden. Die» gilt besonders für neu eröffnete Strecken, auch er­schwert die geringer« Kraft de» Handgelenks Telegraphistinnen das »forderliche schnelle Schreiben und die Aussertigittig der itöthige» Zahl von Abschriften. Für diese Art von Arbeit sind männliche Beamte auch deshalb oerluenbbarer, weil sie mehr in den TageSsragen bewandert sind, wa» beim Nachrichtendienst sehr in» Gewicht fällt. «Nach einem anderen Gutachten halten Fratten als Inspektionrbeaint« im Apparateiizinimer da»

ihnen obliegende, beständige Umhergehen nicht recht aus. Sobere Uriheile stimmen besonder» darin überein, daß Frauen ich!» zu belehren und leiten sind, daß sie aber andererseits häufiger wegen germgiügigerUnpäßlichkeiten den Dienst aursetzen und daß sie eniger Lust und Fähigkeit bezeugen, fich an»- rind forlziibilden. hterkwürdig ist, daß man in London allgemein di« Erfahrung ge= deM hat, daß weibliche Beamt« unhöflich gegen dasPliblikum sind. ictitf«11 f° Klagen in dieser Richtung ein, daß manche Vor- »^besivtgen Frauen nicht mehr verwenden wollen. Doch sei gum Z'rfd)tuiegen, daß, wie schon in den angeführten Urtbeilen er- UUt dtest, and) noch von anderweitigen Provinzialämtern da» gerade berichtet wird. Vielleicht spielt hierbei die Haltung de» vei|eiDct,8 ejItt ztolle.

it ^iicmeine» kamt man wohl sagen, daß »ach de» englischen y 4 in leichteren Dienstzweigen die Anstellung weiblicher gv.r je» Versuches Werth ist. Mag derselbe ansfallen wie er "-den Fall wird der neue Staatssekretär behaupten können, cottf i'ün e» auch nur bi« Beamtinnen, die Frauen auf feiner H'»l imii 'IJIII iiiiihmi --------------

M Ans Stad- nnd Land.

M Wiesbaden, 28. Januar.

Mfaisers Krbnrlstag. Alljährlich am hohen Geburt»- SrMaj. des Kaiser» und Königs versamnieln fich patriotisch« g-ji großer Zahl im Kurhaus« zu «in«m Fr st essen, um mfam ben Gefühlen der Treu« und Ergebenheit gegen da»

* le Herrscherhaus erneut Ausdruck zu verleihen. Auch Kot der 39. Wiederkehr des kaiserlichen Wiegenfestes, ist LttLkü fawese», eine sehr stattliche Tafelrunde war der Ein- Comitös gefolgt. Viele biftinguirte Persöulichkeiten Antsend, darunter die Spitzen der staatlichen, städtischen Dualitäten (cheu Behörde». Die Uniform erschien vorherrschend, pon Möbelnverichtet, brachte der König!. Bezirkskommandeltr IBrr.n.Mn.;/ üufenant v. Kropff den Kaisertcast au». Seine ^cyengeil. , p« ben Hörern ein warme» Echo, das schließliche allerhöchste Gebnrtstagrkind allgemeine begeisterte Er- F ©inbritei der schlichten, aber desto mehr ansprechenden sehr sympathischer und deshalb von nachhaltiger

Wirkung auf die herrschende Stimmung, zu deren hoher Entwickelung natürlich auch der rührige Kurhaus-Restaurateur Herr Ruthe bei­trug, dessen Küche und Keller wiederum uneingeschränktes Lob ver- bieneu. Die Meistersche Kapelle sorgte für die Tafelmusik. Der Saal war mit der Büste de» Kaisers, dem kaiserliche» Monogramm mit der Kaiserkrone i» mehrfarbiger elektrischer Beleuchtung, den deutschen LandeSwappe» »ud viele» Fahnen geschmackvoll verziert.

Vortrag. Auf ben heute, Freitag, den 28. d. M., Abends 8 Uhr, im Saale der Gewerbeschule stattsiudende» Vortrag des Herrn Oberrealschnldireklors Dr. Kaiser überDie geschichtliche Ent­wickelung de» bürgerlichen Rechnens" sei hiermit itochmals aiif- merksain gemacht. Der Vortrag wird besonders behandeln die Ver­breitung der iitdisch-arabischeii Sledienfunft im Abendlande, sowie die weitere Entwicklung, welche da» bürgerlich« Rechnen namentlich durch Adam Ries« in Deutschland gesunde» hat.

d. Zither-Konzert. Am kommende» Sonntag wird der von höchste» Herrschaften ausgezeichnete Zither-Virtuose Herr Musik­direktor August Huber ans Wien im Saale desSchntzenhofes" einen Vortragsabend verausialten. Herr Huber, der meisten« eigene Kompositionen zum Vortrag bringt, behandelt das beliebte In­strument, wie man sagt, mit vollendeter Meisterschaft. Jedenfalls dürste daher diesem eigenartigen Vortragsabend (Herr Hitber wird übrigens nod) von einigen Dame» unterstützt) ein reicher Besuch der hiesigen Zithersrennbe zil Theil werden.

Der Wiesbadener Unterstiitznngs-Knnd hält heut«, Freitag, Slbcnb, 8 Uhr, im kleine» Römersaal, Dotzheimerstraße 15, die erste ordentliche Hanp »versa mmInn g für 1898 ab. Besondere Punkte der Tagesordnung finb: Rechnungsablage des Rechner», Berichterstaltung des Schriftführers unb Eigänzungrwahl beS Vorstattde». Die Mitglieder feien auf die Versammlung hier­durch noch einmal aufmerksam gemacht, zahlreicher Besuch ist jeden­falls erwünscht.

d. £jrtii0 Zachs, brr Zweite. Ohne Ziveifel ist er ein besserer Patriot als Dichter, der Metzgergasse 33 wohnende Schnh- machermeister Philipp Stössel, der au» Anlaß de» Kaiser-GebnrtrtagS gesteru seine Geselle» beurlaubte, einen Ritt auf dem Fliigelrößleiit wagte unb bann in großen Buchstaben an seine Thür schrieb: Heute wird nicht geschustert, Hente wird nicht genäht; Heute ist Geburtstag Seiner Majestät!" EtlicheHoch" gaben dem Veislein einen der Sache würdigen Schluß. Das PubUkniu hat sich) au dem Poöm de» Schuhinachermeisters weidlick) ergötzt.

Ein neues Webstoff-Errengniß, welches in Belgien hergefallt wird, taucht jetzt auf dem bentschen Markte auf. Ein weitmaschiges Gewebe, wie Mousseliiie ober Tüll, wird mit Chrom­leim bestrichen, so daß die Maschen sich füllen, worauf das ganze dem Sonnenlicht ausgesetzt wird. Dadurck) wird der Chromleint wasserundurchlässig, woraus man da» Gewebe auf beiden Seiten mit einer Oelsarbe ober einem Firniß anstreicht und dies öfter wiederholt. Dann kann man das Ganze mit Farbe befanden. Da« so gewonnene, dem Linoleum nicht rniähuliche Erzeugniß ist biegsam, uudurd)sichtig und wassemnörirchlässig; man kann es also mit kaltem Wasser abioascheu unb e» für Souuentücher, Schirme, Portieren rc. verwenben.

d. Verkaufen hat sich vorgestern Nachnlittag bi« in der Kleine» Schwalbacherstraß« wohiienbe dreijährig« Franziska Schäfer. Alle Slachsoisdiungen der besorgten Angel'örigen nach dein, mit einem grauen Kleide, Knopfstieseln und weißer Kaputze bekleideten Kinde waren bi» jetzt erfolglos. Vielleicht führen diese Zeilen auf die Spur der armen Kleinen.

Kleine Notizen, In Mainz wurde vorgestern bei der Serenade großer Zapfenstreich zur Geburtstagsfeier Seiner Majestät de» Kaisers von sämmtlichen Mnsikrorps der Mainzer Garnison eine von nuferem Mitbürger Herrn Kapellmeister H. Hoffmann kowponirte Fest-Ouvertüre ausgeführt. Tie Komposition errang einen großartigen Erfolg. Die Direktion über sämmtliche Musikcorps hatte der Kgl. Musikdirig.nt Herr I. B-nl. Wi« es heißt, beabsichtigt bi« a11kath01 isch« Gemeinde, sich hier eine Kirche z» bauen, und hat sich zu diesem Zweck mit dem Magistrat in Verbindung gesetzt.

Vereins - Nachrichten.

»kurze sachliche Berichte werden bercitwilligst unter dieser Ueberschrist ausgenommen.

* DerKansmäuiiische Verein W ierbaden" hielt vor­gestern imKrokodil" unter dem Vorsitz des Herrn Franz Bossong eine Mitgliederversammlung ab, welche sich mit der neu geplanten Bahn WiesbadenKristelFrankfurt beschäftigte. Nach einem ein­gehenden Referat de» Vorsitzenden begann eine lebhafte Diskussion, welche damit endete, daß die Versammlung sich warm für diese» Projekt anssprach. Ferner wurde beschlösse», demnächst eine größere öffentliche Versammlung dieserhalb hier abzuhalteii.

* Die Kaiser-GebnrtrtagSseier desE v a 11 g e 1 i s ch e n M ä n n e r - und Jünglings-Vereiiis" war von Mitgliedern und Gästen stark besucht. Die Festrede hielt Herr Pfarrer Grein. Redner wie» u. A. auf die letzten Erfolge auf dem Gebiete deutscher Erwerbungen im »land hin und schloß mit einem lebhaft angenommenen Hoch o >en Kaiser. Herr Stabtmiifiouar Jagdstein führte der Ver- mhnig n. A. einige Charakterzüge aus dem Leben der Hoheii- zollern vor Augen. Zithervorträge unter Leitung de» Herrn Knuth, patriotische Deklamatioueii, sowie ein Festgespräch, welches die preußisch-deutsche Erhebung von 1813/15 behandelte, füllten den übrigen Theil des Abends aus.

Heule, Freitag, Abends 8/i Uhr, findet im Lokale Wellritz- straße 41 (Turn-Gesellschaft") eine Viertetjahrk-Verfainuiliiug des Westlichen Bezirksvereins" statt.

Der13. landwirtbfchaftliche Bezirks-Verein" hält auf Veranlassung feines stellvertretenden Vorsitzenden, Herr» W. Stritter-Biebrich, an nachstehenden Orten Versammlungen ab: In Flörsheim im Gasthaus zum Hirsch am Samstag, den 29. Januar, Abends 8 Ufa. Herr Kreie-LandwirthschaftS-Jnspektor Reifer wird überHebung der Viehzucht" sprechen; ferner gelangt zur BesprechungDie Vertilgnng der Raben und Krähen". Auch auf der am Sonntag, ben 30. Januar, Nachmittags 3'/, Ufa, in Sonnenberg im Gasihausgzur Krone ftatlfinbenben Versammlung wird Herr Seifer über das erwähnte Thema spreche», außerdem gelangt auf Verlangen mehrerer Soniienderger Vereinsmitglieder noch zur BesprechungWildschaden und da» Wildschadeugesetz". Alle Freunde der Landwirthschaft sind zur Theilnahme eingelaben.

Der Gesang-VereinNeue Concordia" hält die erste karnevalistische Damensitzung am Sonntag, den 30. Januar, im Vereinslokal ab. Hierauf folgt am Fafinacht-Moutag der immer gern und gut besuchte Maskenball imRömersaal" mit Preis- vertheiluug. Am Fastnacht-Dienstag finde» die zweite karnevalistische Dameufitzung mit Ordensverleihung, ebenfalls im Vereiuslokal. statt.

Den Abschluß der närrischen Saison bildet dann noch eine am 20. März imRömersaal" stattfindeiide humoristische Liedertafel mit Tanz.

* Di« von bet GesellschaftWild fang» auf Sonntag, ben 30. Januar, Abends 8 Ufa, in der Männer-Turnhalle, Plalter- straße, angesetzte große humoristische Abeiidunterhaftung nebst Ball verspricht in allen Theileu «ine recht großartige zu werden. Außer einigen Wilbsangs-Kapazitäten ist auch der hier so anbeliebte Humorist Herr I. Bietz gewonnen. Ganz besonders wird auch noch da» zarte Geschlecht bedacht fein, indem au sämmtliche Damen Gratis« Kreppeln vertheil» werden. Die glückliche Finderin einer darin ein« gebackenen Bohne erhält einen von der Gesellschaft gestifteten ersten Preis. Die gaiue Rosenkapelle (ehemalige Achtziger) wird dazn ihre munteren Weisen ertönen lassen, und da das Tänzchen von Anfang an beginnt, so steht den Besuchern ein recht genußreicher Abend bevor.

* DerKatholische Sängerchor" veranstaltet, wie bereits gemeldet, Samstag, de» 5. Februar, ÄbeudS 8 Ufa, im großen Saale des Katholischen Geselleuhanfes eine karnevalistische Abend« Unterhaltung mit Ball. Den getroffenen Vorbereitungen nad) zu schließen, wird das Fest einen glänzenden Verlaus nehmen. Zur Bequemlichkeit der Besucher hat der Vorstand bei nachstehenden Herren Verkaufsstellen der Eiutrittsprogramme eingerichtet: Hand­schuhmacher Fr. Strensch, Webergasse 40, Butter- und Eierhandlung Lorenz Welkamer, Häsnergasse 17, Cigarrenhändler I. Heim, Schwalbachcrstraße 17, Kaufmann M. Bentz, Neugasse 2, unb Friseur L. Loedig, Bleichstraße 9.

Stimmen <ro» dem Publikum.

(Sur Beröfientlichuagen unter dieser Ueberschrist fibetnimat die Kebatticu »einerlei ISetanltnottuiigJ

* Die Rheingaubahn städtisch? Jawohl die elektrische Bahn von Wiesbaden über Schierstein, nicht nur bis Eltville, sonder»» gleich) fertig »ach Rüderheim, sie soll und muß von ben dabei in ter« eifirten Gemeinde», in erster Liuie unter Mitwirkung und Führung der Stadt Wiesbaden, erbaut und betrieben werden. Warum? Nun weil eben Wiesbaden der Kopf de» Nheingaus ist und weil vom Kopf durch ben Körper ein Rückgrat hier eine wirkliche Stier« buibuug in Form einer elektrischen Bahn unentbehrlich ist. Ist die Wirbelsäule nicht in Ordnung, dann ist der Körper lahm, und wie lahm heute die Beziehungen zwischen dem Rheinga», beut natürlichen und prachtvollen Garten Wiesbaben», und der Stadt, sehr iiim beiderseitigen Schaden, sind, das wird man erst erkenne», wenn eine ordentliche Verbindung geschaffen ist. Eine ordentlich« Verbindttitg fehlt! Die Staatrbahn muß sich mit ihren meister Zügen iiad) dem Durchgangsverkehr richten. Der Schnellzug ist für Köln und Frankfurt da nicht für den Lokalverkehr. Der Lokalverkehr ist gar nicht eilizurichten, dafür sorgt die Rück­sicht ans den Durchgang»- unb Güterverkehr, wie auch die Schablone. Wie groß der Persoiienveikehr ungeachtet aller Erschwerungen ist, beweise» folgende Zahle» ans 1896: Personen« abfertigung im Bahnhof Schierstem 82,700, Wallus 68,300, Eltville 125,700, Erbach 36,800, Hattenheim 42,300, Oestrich 76,400, Geisenheim 68,600, RüdeSheim 182,300. Wie der Verkehr sich bebt, wenn eine bessere Verbindung hergestellt ist, beweist di« Verkehr»- zunahiu« zwischen Viebrid) unb Wiesbaben von, Augenblick an, in dem die Daiiipfftraßenbahn fuhr. Di« Verbindungen zwischen Stabt und Vorland müssen aber im Besitz der Gemeinden sei», sonst eiitflcbt die leidige Dividendenpolitik. Zwisckien Stadt und Vorort darf kein Dritter stehen; das aus den Verkehrs-Einnahm«» kommende Geld hat nur das Anlagekapital zu verzinsen und zu amortisireu; der lieber« fchuß muß zur Verbesserung, Erweiterung und Verbilligung bet VerkehrSbezichuugeu dienen; das kann mir die Sommunalbahn machen. Der Rheingauer muß billiger, bequemer, schöner, öfter nnd direkt von seiner Straße aus nach Wiesbaden fahren könne»; der Wiesbadener, Einheimische nnd Gast, umß das Rheingalt bequemet besuchen können unb ber Wiesbabener Kaufmann muß dein Rheiu- gauer Geschäftsfreund viel näher gerückt werden; oder hätten bie Wiesbabener Läden für weitere Kundschaft feinen Raum, hätte Wiesbaden vielleicht Hinterland genug und könnte auf das Rheinga» Verzicht geleistet werde»? Die Konzefsioit wird fce» bereinigten Gemeinden gewiß eher, al» einer fremden Eisenbahngesellschaft; die Geldbeschaffung ist leicht, denn mehr al» 3/i pCt. Zinse», vielleicht nicht so viel, brauchen nicht bezahlt zu werden; an der Deckung der Koste» ist ja garnicht zu zweifeln, und wa» diese betrifft, so kann ja die Kraft ans dem leicht vergrößerbaren städtischen ElektricitätSwerk geliefert werden, wodurch ein billiget Betrieb bei gleichzeitig vergrößertet Beschäftigung der städtischen elektrischen Anlage garautirt ist. Will man vom Regen der staatlichen ungenügenden Eisenbahn nicht in die Traufe der Dibideuben-Bahn, und will man endlich Haupt und Körper rationell durch ein feste» Rückgrat berbinden, so baue man bald auf Gemeiudekostei» die lang projektirte und iiötfage elektrische Nheingau« bah», ehe e» zu spät wird und ehe utifer schöne» Nheingau au» fremden Jntereffei, fich und uns zum ewigen Schadet» au Mainz angeschlossen wird. War schlechte Verbindungen bedeuten, hat Wies­baden erfahren, erfährt e» täglich wird man daran» lernen? Die Geschäftswelt hat jetzt das Wort! x

-r- ziicdernhanstn, 26. Januar. Herr Gutsbesitzer Müller dahier »st eben damit beschäftigt, auf betNanroder Höh", in un­mittelbarer Nähe des Walde», ein großes Kurhaus zu erbauen. Dasselbe >st unter Dach gebracht, enthält mehr al« 30 Zimmer und 'J?om 01,8 gesehen, einen stattlichen Eindruck. Den zah.reichei» Fremden, welche im Sommer hier wegen Mangels an Raum keinen Aufenthalt finden können, wird die Erbauung diese» neuen Kurhauses sehr angenehm feil». Aus dem hiesigen Bahn- ho»e sollen demnächst acht Lampen ausgestellt werden, welche mit Acethleiiga» gespeist werden sollen. Man wird bann sehen, welche tampen am besten und billigsten find, diejenigen, welche mit Spirltu», oder die, toeldje mit Acetylengas gespeist werden. Der Nebel, der sich nnlängft tagelang in der hiesigen Gegend lagerte und sich als Duft an den Bäumen ansetzte, hat, wie sich nun heransstellt, au den Bäumen de» Waldes unb in manche» Gemarkungen an den Ob st um en ganz bebentenben Schaden verursacht. E» giebt Gemarkungen, in denen an jedem zweiten Obstbanme die Beste abgebrochen finb. Bei ben Holz« Versteigerungen, welche in ber letzten Zeit in der hiesigen Gegend abgehaltei, wurden, wurden für Bauholz jeglicher Art sehr hohe Preise erzielt. Brennholz dagegen ist sehr billig. Bei einer Versteigerung, die unlängst in ben Höhenwaldungen, allerdings auf kehr weiter Abfahrt, abgehalteu wurde, sollen für ein Klafter (4 Raummeter) Äuchen-Scheitholz nur 10 bi» 15 Mk. erlöst toorbtit fein. Da» Hrnibert Buchen-Wellen kostet allgemein nur 6 bi» 7 M.

illniiu, 27.3auuar. Rheiupegel; Bormittag» m 13 cm gegen m 13 cm am gestrigen Vormittag.