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Slnzeigen-PreiSr

1898,

Mittwoch, den 26 Jamme.

Fernsprecher No. 52.

U-. 42.

Fernsprecher No. 52.

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Psg. Reclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Psg.

40. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Ml. go Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

115,000 Abormenteu.

q» . für die Abenv-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. ,

Afoend°AMsgabe»

Die chinesische Frage.

Der Charakter der chinesischen Frage hat sich in kurzer Zeit erheblich verändert. Deutschland ist, soweit sich der Thatbestand übersehen läßt, aus der chinesischen Frage, so­fern sie sich aktiv bethätigt, ausgcschieden, und diese scheint sich in ihrem Fortgang im Wesentlichen auf dem Gegensatz der englisch-russischen Interessen aufzubauen. Die Besetzung der Kiau-Tschau-Bucht ist von allen Mächten, die an der chinesischen Frage interessirt sind, als eine vollendete. That- sache hingenommen worden, umso mehr, da man weiß, daß Deutschland nicht beabsichtigt, irgend einer Macht diesen Hafen und seine ungehinderte Benutzung zu verschließen. In China gießt es zur Zeit einen ernsthaften Gegensatz nur zwischen England und Rußland. Aus englischer Quelle werden mit Eifer Nachrichten verbreitet, daß Rußland im Begriff sei, seine Schiffe aus Port Arthur zurückzuziehen. Es gehört eine starke Verkennung der russischen Politik dazu, zu glauben, daß Rußland seinen Vorstoß nach Port Arthur nur als eine Episode betrachten wolle. Thatsächlich hat Rußland die Zahl seiner in Port Arthur stationirten Schiffe stark vermehrt, und es ist offenbar im Begriff, sich dort häuslich einzurichten.

Was Rußland durch Waffengewalt zu erreichen bestrebt ist, will England durch die sanftere Macht des Geldes er­reichen. Die von England in Aussicht genommene chinesische Anleihe hat ganz offenkundige politische Zwecke. Wenn Du nehmen willst, so gieß, sagt der Dichter, und dem Grund­satz huldigen in diesem Falle die praktischen Engländer. China ist ein der Kultur noch nicht erschlossenes Land, und der Staat, der ihm die HülfLmittel gewährt, die reichen Schätze, die in dem Lande schlummern, nach Mög­lichkeit zu heßen, ist naturgemäß der nächste dazu, wenn es sich um die Vertheilung der chinesischen Beute handelt. Den Engländern, so hat Fürst Bismarck schon vor 13 Jahren einmal gesagt, mögen Sie vorwerfen, was Sie wollen, aber dumm in Handelssachen sind sie nicht; man läuft Gefahr, selbst dem Vorwurf zu verfallen, wenn man ihn den Eng­ländern macht.

England hat sich, so viel bis jetzt feststeht, die Eröffnung dreier Vertragshäfen, darunter Talienwan, und der Pro­vinzen Hunan und Nanking ausbedungen, und endlich das Recht, die birmanischen Eisenbahnen durch die Provinz Junnan zu führen. Talienwan wird von Rußland als seine Interessensphäre betrachtet, und in der That wäre der Be­sitz Port Arthurs ohne den gleichzeitigen Besitz Talienwans für Rußland von sehr zweifelhaftem strategischen Werth. Da ferner Nanking Tonking nahe liegt und die Fortführung der birmanischen Eisenbahnen dnrch Junnan die Jntereffen Frankreichs ernsthaft berührt, welches das Hinterland von Tonking als seine Interessensphäre betrachtet, so dürften Rußland und Frankreich diesen Plänen Englands einen ganz entschiedenen Widerstand bereiten.

Sehr wesentlich wird es hierbei darauf ankommen, welche Stellung Japan zu den Ereignissen in China einnimmt.

Es ist bekannt, daß Japan seine Flotte im Gelben Meer erheblich verstärkt; aber allem Anschein nach denkt die japanische Diplomatie nicht daran, in China eine aggressive Politik zu treiben. Daß dies England beabsichtigt, wird man fürs Erste schwerlich zu glauben sich entschließen wollen, trotz der entschiedenen Sprache, die zur Zeit in England geführt wird. Hat doch selbst der englische Schatzkanzler erklärt, daß China ein offenes Thor für den Handel der Welt bleibe und daß England entschlossen sei, dafür zu sorgen, wenn nöthig sogar auf die Gefahr eines Krieges, daß dieses Thor den Engländern nicht verschlossen werde. Man hat sich aber daran gewöhnt, englische Kriegsdrohungen nicht gar zu ernst zu nehmen, denn im entscheidenden Fall ist England vor Rußland noch immer muthig zurückgewichen. Auch haben die englischen Blätter, und das klingt schon erheblich friedfertiger, erklärt, eine Kriegsgefahr werde erst eintreten, wenn nach etwaigem Scheitern des englischen Anleihevorschlags China mit Rußland ein Uebereiufmnmen treffe, das dem britischen Handel die Thore schließe. Eine derartige Absicht verfolgt Rußland schwerlich, und dem­entsprechend wird man in nächster Zeit kaum entscheidende Ereignisse erwarten dürfen. Rußland und Japan sind erst in der Rüstung für spätere Ereignisse begriffen; Frankreich ist durch den Dreysushandel so sehr in Anspruch genommen, daß es für die äußere Politik wenig Zeit übrig behält, England aber ist in allen Theilen der Welt derartig engagirt, daß es nach kriegerischen.Unternehmungen schwerlich Ver­langen trägt. So wird man, wie ernst sich auch die Er­eignisse in Ostasien anlassen, doch sich der Ueberzeugnng hin­geben dürfen, daß sie einem friedlichen, kompromißlichen Ausgleich entgegengehen.

Trojans Uernrlheilung wegen Wnfestäts- bcleidignng.

ArrNn, 25. Januar. Vor der 9. Strafkammer des Land­gerichts I wurde heute der MajestötsbeleidigniigS-Pr ozetz des verantwortlicheu NedaklenrS MKladderadatsch", Trojan, verhandelt. Di: Majkstätsbeleidjgimg wurde betaunllich in einem Bilde gesunden, welches derKladderadatsch" am 28. November v.J. veröffentlichte. Wegen dieses Bildes ist damals das Blatt mit. Beschlag belegt worden. Nach fünfstündiger Verhandlung beantcagte der Staatsanwalt zwei Monate Festung und Konfiskation der betr. Nummer. Der Gerichtshof erkannte nach dem Antrag des Staats­anwalts. Jir der Begründung des Urtheils wird hervvrgehobcn, daß Bild und Text geeignet seien, die Siede des Kaisers lächerlich zu machen, daher sei der Thatbestand der WajestätSbeleidiguiig vorhanden. Dem Angeklagten wurden mildernde lluiftänbe bewilligt, weil es bekannt ist, daß er ein patriotischer und königStreuer Manu ist.

* * *

Die Derur theilungTrojan«, des NebaktenrS desKladderadatsch", wirkt überraschend; denn er hat Niemand, der das angeklagte Bild imKladderadatsch" gesehen hat, eine Verurtheilung für möglich gehalten, mrd auch in Jnristeiikreisen glaubte man nicht recht, daß der Staatsanwalt Glück haben werde. Im Vorsitz der Straf- kanimer, vor der die Sache verhandelt tourbe, ist in letzter Zeit eine Aeuderung eingetreten. Unter Anklage stand die Nummer des Kladderadatsch" vom 28. November vorigen Jahres wegen einer satirischen Zeichnung und eines dazu gehörigen erläuternden Textes, sowie wegen eines im Beiblatt der gleichen Nummer euthalleiie» Artikels mit der UeberschristBrave Christen, brave Soldaten". Das Bild trägt die Ueberschrist:Aus dem Lager der himmlischen Heerschaaren" und zeigt im Vordergründe den Teufel, der sich einen Knoten in den Schwanz gemacht hat, ein Zeituugs-

blatt in der Hand hält und grinsend auf eine Anzahl von Feld­herren hinblickt, die ans himmlischer Höhe lächelnd auf das Blatt schauen, das der Teufel in der Hand hat. Den Mittelpunkt dieser Gruppe der himmlischen Heerschaaren bildet die Figur Friedrich- des Großen, um ibn stehen die Figuren von Leouida», Alexander dem Großen und Napoleon I. Ferner sieht man eine Schaar von Engeln mit Bäffchen auf dem Bilde. Der Teufel sagt in dem hinzugefügten Text etwa Folgender:Endlich weiß im was der Knoten bedeutet, den ich in den Schwanz gemacht habe ich wollte ja den allen Fritz holen, beimwer kein braver Christ ist, ist auch kein braver Soldat". Vielleicht halte ich da oben dem­nächst noch eine Superrevision ab." Der Artikel im Beiblatt führt einen Heerführer der Schiiten vor, der in einer Rede auseinander­fetzt, daß die Sunniten keine braven Soldaten fein können, daß jene sich vielleicht auf ihre Tüchtigkeit verlasfen, die Schiiten dagegen aus den Koran

Der Augeklagle Trojan behauptet, so wird derFranks. o.g." telegraphirt, daß eine Majestätsbeleidigung mit dem Bilde nicht beabsichtigt worden sei. Es fei ein satirisches Bild, dessen SpiÄ nicht gegen die Worte des Kaisers gerichtet sei, sondern gegen bie orthodoxen Zeloten, die au» den Worten de» Kaisers eini Konsequenz ziehen, die der Kaiser selbst nicht ziehen wolle, gegen jene Heißsporne, die wieder die Worte des Kaisers miß­brauchen wollen zur. Verketzerung Andersgläubiger. Die Engejl mit Bäffchen sollten diese zelolüchen Geistlichen darslelleu. Des­halb stehe im Mittelpunkt Friedrich der Große, der bell äeloten unter den Geistlichen besonders ein Dorn im Auge fef. iesem lächele Voltaire zu. Friedrich der Große wende sich einer Gruppe unsterblicher Helden. Diese drei berühmten Heerführer lächeln, aber nicht höhnisch, sondern leiclp und fein, sie lächeln keines­wegs über die Worte des Kaisers, sondern über da«, was in ge­wissen Zeitungen über die Worte des Kaisers stehe. Einhöhnisches" Lächeln wäre im Gefilde der Seligen eine Geschmack- und Sinnlosig­keit. Leonidas und Alexander haben ja doch auch die Religion ihrer Zeit gehabt, und das Bild solle auch gerade daran erinnern, wie im Lause der Jahrhunderte eine Religion der anderen gefolgt ist und jede einzelne sich als die einzig wahre betrachtet hat. Der gleieK- salls lächelnde Teufel stehe in direkter Beziehting zu den orthodoxe» Zeloten, die von dem Gottseibeiuns oft noch mehr halten, als vom lieben Gott selbst.

Staatsanwalt vr. Eger beantragt, den Angeklagten der MajestätS- beleidignng für schuldig zu erachten. Die Auffassung der Anklage sei dnrch die Erläuterungen des Angeklagten nicht erschüttert worden. Solche Scherze über Aeußerungeu de« Kaisers seien Wasser für die Mühle Derjenigen, die der Monarchie Abbruch thun wollen. Für den Angeklagten lägen persönlich zwar mancherlei MilderungSgründe vor: seine ganz zweifelsfreie Gesinnung, fein Alter und daß schon die Thaisache einerVeiuttheilung überhaupt ihn schwer treffen werde. Au» allen diesen Gründen und weil der Angeklagte auf ein Beben zurnckblicke, das ihm in weitesten Kreisen Ehre und Achtung ein­gebracht habe, beantrage er daS mindeste Strafmaß: zwei Monate Festungshaft und llnbrauchbarinachnng der betreffenden Nummer.

Verlh. Jnstizrath Dr. v. Gordon flieht ohne Weiteres zu, daß in dem Bilde sowohl, als auch in dem Artikel selbstverständlich auch eine gewiffe Kritik des KaiferworteS zum Ausdruck gebracht werden sollte, behauptet aber, daß diese Kritik keinerlei MajestätS- beleidignug enthalte. In längerer juristischer AnSeinanbersetzung sucht der Vertheidiger den Nachweis zu führen, daß weder der Be­griff der Majestätsbeleidignug hier zrttreffe,noch die thatlSchlichen Vor­aussetzungen einer solchen erfüllt seien. WaS daS Kaiserwort selbst be­trifft, so habe der Kaiser denn doch wohl, wie im Gegensatz zn de» Auschaunugen des Staatsanwalt« gesagt werden müsse, den Nach­druck weniger auf das Wortbrav" al« auf das WortChrist" gelegt. Diese« in solcher Allgemeinheit «»«gesprochene Kaiser­wort habe doch in den weitesten Kreisen Aufsehen erregt. DerKladderadatsch" habe eine Argumentation gezogen, wie sie täglich o. rfoturne, in dem Bewußtsein, baß bei Kaiser selbst eine solche Konsequenz nie ziehen werbe, wie sie baS Bilb anbeute; aber auch in dem Bewußtsein, daß eine solche Folgerung ans bem Kaiser- Worte nicht unlogisch wäre, habe er zeigen wollen, baß ber Satz wesentlich eingeschränkt werden ober baß man anerkennen müßte, baß bie wahre Sittlichkeit unabhängig sei von christlichen Anschauungen. Wem, man mit Hülse einer solchen geistigen Operation zu Konsequenzen komme, bie

(Nachbruck verboten.)

Der Kaffee.

Von Theodor Hundhansen.

Der Kaffee ist hente ein Getränk, bas auf dein flattjen ©rbbaa getrunken wird, hier mehr, dort weniger. Für viele Millionen Menschen ist er ein treuer Freund geworden, ber sie des Morgens erfreut, in Stunden ber Ermattung erfrischt und zu gemuthlichem Plaudern zufammenführt. E« steckt ein Stuck kultureller Ent­wickelung in ber Verbreitung be6 KaffetrinkeuS. Noch vor vier- hnudert Jahren in Europa gänzlich unbekannt, ist heute ber Kaffee- baum eine tropische Kulturpflanze ersten NaugeS, bie im Welthandel eine ^^Bedeutm ^bjjc!]el Mann, ber Mufti Gemal-Eddin an« Abe», soll ber Entdecker des Kaffee« für die Menschheit gewesen fern. Er brachte ihn von seiner Wanderung au« Aethiopien, der Henuath de« Kaffeebauiue«, nach Arabien, um mit bem braunen Trank den Derwischen bie Abhaltung der Gebetstundeii angenehmer zu machen. Seitdem begann der Kaffee feinen Erobernngrzng. Was half es den Großen der Welt, daß sie sich ihm entgegenstellten, er fand seinen Weg über die ganze Erde. Schon 1511 erklärte ber arabische Statt- holterKhair-Bei bem Kaffeetrinken den Krieg, verbot den Kaffeehanbel und zerstörte die Kaffeeniederlagen, allein bes StattbaltersNachfolger schloß wieder Friede mit der äthiopischen Frucht. Unter dem Sultan Solimanu H trauten die Leute 1534 in Konstantinopel eifrig Kaffee, und die Poeten ergriffen in Spott- und Streitgedichten für und wider den neuen Trank Partei.

Doch es verging noch fast ein halbe« Jahrhundert eße das christliche Abendland erfuhr, welch köstliche Pflanze im Reiche des Halbmonde« ivnch«. Im Jahre 1582 beschrieb Rauwolf tu einem »u Frankfurt a. M. erschienenen Werke zum ersten Mal den Kaffee- baum, den et in Aleppo kennen gelernt hatte, und neun ^ahre später veröffentlichte Prosper Alpinn» eine Zeichnung ber Pflanze. Zn ber ersten Hälfte bes folflenben Jahrhundert« faßte der Kaffee, von venetianischeu Kaufleuten eingesührt, in Unter» und Mtttel- Aftalien Fuß und wurde um 1645 in Sud-Italien bereit« allgemein getrunken. - Im Jahre 1652 ^^ften d,e Eng­länder den ersten Kaffee. Zn Frankreich brachte Soliman Aaa ber Gesandte de« Sultans Mohamed IV., da» Kaffeetrinken dadurch auf, daß er bie höchsten Personen am Hose Ludwig« XIV. «it Raffte beschenkte. 1670 hatte der Raffet die deutsche Grenze

Überschritte» und e« begannen bie Kaffeehäuser aller Orten ihre Thüren zu öffnen. 1671 wurde das erste Kaffeehaus in Marseille geöffnet, 1672 folgte Pari», 1683 Wien, 1686 Nürnberg und Regens­burg, 1687 Hamburg, 1712 Stuttgart und 1721 Berlin. In Preußen führte Friedrich der Große, besangen in volkswirthschaftlichen Vor- nrtheilen, Krieg gegen das Kaffeetrinken. Er wollte nicht, daß sich da« Volk an das Kaffeetrinken gewöhnte, damit nicht fo viel Geld außer Landes ginge. Deshalb machte er das Kaffeebrennen znin Staatsmonopol und verlieh nur dem Adel und ber hoben Geistlichkeit Brennscheine. Das Volk aber mußte bas Raffecbreniicn in de» Staatsbrennereien sechsmal thenrer be­zahlen, als es sich den Kaffee hätte selbst brennen können. Nur langsam bürgerte sich der Kaffee in Dentschland ein. Lange Zeit mar ein Täßchen Kaffee eine Delikatesse, bie man sich an den Höfen und höchstens noch in den besseren Bürgerkreisen leisten kounie, und in dem böten Hungerjahre 1817 war der Kaffee in manchen länd­lichen Gegenden ein unbekannte« Getränk. Seitdem und vor Allem feit der Schaffung der modernen Verkehrsmittel hat der Kaffee­verbranch enorm zugenommeu. Deutschland allein führt jährlich in letzter Zeit für 200 Millionen Mark und mehr rohen Kaffee ein. Am höchsten ist ber Kaffeekoiisum auf den Kops ber Bevölkerung in ben Niederlanden, Belgien, den Vereinigten Staaten von Nord­amerika, den drei nordischen Reiche» Europa» und in D-iitschland, während bie Italiener, Briten, Spanier unb vor Allein die Russe« schlechte Kaffcetrinker sind. m ,

In gleicher Weise wie ber Bedarf an Kaffee ist auch Anbau unb Produktion gewachsen. Die Produktion hat sich in den letzten sechzig Jahren um da« Siebenfache vermehrt und beträgt etwa» mehr al« 7 Millionen Kilocentner im Jahre. Seit 1650 begannen die Holländer auf Java Kaffeeplantagen anzulegen, doch abforbirtc der Bedarf der orientalischen Welt zunächst bie ostiubische Produktion, unb erst 1720 kam der erste ostinbische Kaffee nach Europa. In­zwischen hatte 1710 ein holländischer Schiffahrer ein Kciffeebanm- pflänzchen nach bem Amsterdamer botanischen Garten gebracht, wo es ge­dieh. Einen Ableger dieser Pflanze erhielt Ludwig XIV. von Frankreich zum Geschenk unb liefe einen Schößling davon auf ber französischen Insel Martinique einpfianzen. Dieser Schöfeliug mürbe der Ahnherr aller amerikanischen Kaffeepflanzen. Rasch verbreitete sich ber Kaffee­bau über bie französischen Kolonieen in Westindien. Der Neger- ausstanb ans Haiti liefe die Raffcebaum=Rullur auf den nicht srau- Shen Antillen, in Central- und Südamerika ausblühen. Um

begann Brasilien mit der Anlage von Raffeevlantagen, doch

gewann ber brasilianische Kaffee erst seit 1808 Bedeutung für ben Welthandel. Gegenwärtig ist Brasilien der größte Kaffeeprobuzent der Erde. » »

Der Kaffeebaum, arabischer Kaffeebauni (Coffea Arabien; ge­nannt zum Unterschied vom etwas größeren westasrikanischen Kaffee­baum (Coffea Liborica), ber an ber Liberiaküste heimisch und von geringerem Werthe ist, wird in etwa 25 Arten knltivirt, und gedeiht am besten ans einem feuchten halbschattigen Standort bei einer mittleren Jahrestemperatur von 20 bi« 27 Grad Celsius. Der etwas über 5 m hohe, schlanke Sanni, dessen Stamm an ben der Sauerkirschbäume erinnert, trägt längliche zngespttzt« Blätter. Die weißen Blüthen setzen ovale Früchte von grüner, dann rotber und endlich violettdnnkler Farbe ab. Im widerlich süßlich schmeckeuden Fruchtfleisch liegen, von einer zarten blafebräun« liehen Haut umgeben, bie beiden Raffeefameuterne. Die Pflanzen, bereit Flüchte nur einen Sameukeru ausbilden, liefern den so- geiiainiten Perl-Kaffee. Die Fruchtbarkeit ber Stauden, die mit dem dritten Jahr zu tragen beginnen, nimmt allmählich z», erlischt ober spätesten« mit bem zwauzigsten Jahr. In biefer Zeit ist auch ber Ackerboden vollständig süx, bie Kasseeknltnr erschöpft und muß mit auberen Pflanzen bebaut werben, ehe er roieber zum Anbau von Kafseepflaiizeil geeignet ist. Da bie Früchte nicht zu gleicher Zeit reifen, werben sie in brei Jahreseinten gepflückt, getrocknet und bie Kerne mit Maschinell vom Fleische und ber Haut getrennt. Der Banmertrag schwankt im Jahre zwischen 7« bi» 7» kg auf Java, 2 bi« 2l/i kg auf Cuba unb 3 kg unb mehr in Arabien.

Der Handel unterfdjeibet die Kaffeesorten nach ihrer Heimath, doch kommen verwandte Sorten au» verschiedenen Gegenden oft unter gemeinsamen Namen in Verkehr. Afrika spielt zur Zeit feine Rolle im Kaffeehandel, trotzdem die Produkte ber Gallaländer vott schöner Qualität sind. Auch Deutschostasrika, wo ber Kaffeebaum nörblich vom Rovumda geheißt, liefert guten Kaffee, wenn auch bi« jetzt in kaum nennenswerlher Menge. Ohne Bebentung für Europa ist auch ber arabische Kaffee, besten eirunde, kleine, grünlichgelbe Bohnen, nach ber Hafenstadt Moeha genannt,al« Mokka gebanbelt werden.Wichitg sind dagegen die ostindischen Kaffees orten, der gelb, braun, grünlich ober bläulich fatbene Javakaffee, ber hellgelbe bs dunkelgelbe oder blafegrünliche Celebeskaffee, ber blafegrüne Manillakaffee von ben Philippinen unb die indischen Kaffee« vom Nilgirigebiet, von Madras unb von Ceylon. Die Kaffeekultur Cevlon», wo man den feineren Plantagenkaffee vom gröberen, durch Eingeborene gezogknen Raffte