46. Jahrgang.
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Uo. 33»
Freitag, den 21. Januar.
Fernsprecher No. 52.
1898
Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe.
Mn nebelhaftes Meeting.
Unser Pariser rv-Korrespoudeut schreibt uns unterm IS. Januar über die schon gemeldeten Unruhe» in Tivoli-Vaux-Hall:
Man müßte um einige Jahre, zu den schönsten Tagen des BoulaiigismttS, zuruckgreifeu, um ein Bild für die lärmenden und blutigen Eceuen des Meetings in Tivoli-Vaux-Hall zu finde», welches eine großartige Kundgebung gegen die Dreyfuststcn — alias Israeliten — zu sein beabsichtigte und zu einem momentanen Sieg der Anarchisten wurde. Glücklicher Weise halte Gott Janus die hltmoristische Seite seines Doppel-Antlitzes diesem Kampf der Antisemiten mit den Anarchisten zugekehrt,und so gewann die Sache, trotz des Blutes, das dabei geflofien, eine mehr kouiischc als tragische Bedeutung. Charakteristisch war überdies für dicies Meeting das nebelhaft Verschwommene: Wie draußen im dichten Straßennebel die Grtippen der Ruhestörer und die Polizei-Agenten verschwanden und mau Freund von Feind nickt zu unterscheiden vermochte, so undeutlich und verschwommen erschienen auch drinncu in dem wüsten Toben und unter den widersprechendsten Nusen die eigeiitlichcn Absichten der Knndgebenden. Nur aus den Straßenplakaten halte man erfahren, daß ein autiseiuilischcs Gönnte mit Herrn Guörin an der Spitze alle vaterlandliebcnden Franzosen einlade, „gegen das Syndikat der Verräthcr zu protestire» und die Beleidiger der Armee zu brandniarken". Den zwei Vorkämpfern des Anlisemitisnius, Rochefort und Drumont, wurde die Ehrenprästdentschaft eingeräumt. Biele bekannte Persönlichkeiten, wie Clavis HugueS, Jourde und Castelin, waren als Redner angekündigt und andere figurirten als Comits - Mitglieder auf den Plakaten. Die vornehmsten darunter protestirten nachträglich gegen den Mißbrauch ihrer Namen, doch all' Dies hatte nur eine theoretische Bedeutung, denn in Wirklichkeit kam kein Redner dazu, auch nur einen Satz zu sormuliren. lieber 6000 Personen waren der Einladung gefolgt; daß jedoch nicht alle vom Geist des Comitös beseelt waren, das sollte sich nur allzubald zeigen. Kaum hatte Gusrin das Wort „Bürger!" ausgesprochen, als sich dicht unter der Tribüne der Ruf „Vive Zola!“ erhob. „Rieder mit den Juden!" war die von der Logik der Massen diktirte Antwort darauf, und Jude ober Nichtjude, mußte der Zola-Bewunderer seine Keckheit theuer bezahlen: unter Stock- und Faustschlägen wurde er rasch von Hand zu Haud und zur Thür hinaus befördert. Nicht so leicht konnte mau dem zweiten Ruhestörer beikommeu, der den witzigen Einfall hatte, eine der hohen Säulen zu erklettern, und, sein grinsendes Satyr-Antlitz unter dem dreifarbigen Fahnenschmuck der Säule hervorfchiebend, mit Steutorstimme seine Hochrufe aus Zola unb die Anarchie in den Saal hineinbonnerte. Um bicse Säule kouzeu- trirte sich nun der Kamps, und hier fiel auch das erste Opfer, der tapfere Studentenhäupiling Dnboe, wohl nicht als Cäsar mit Dolch- spitzen in der Brust, aber doch blutüberströmt. Während man ihn und einen zweiten Verwundeten in die nahe Apotbeke brachte, tobte der Kampf in dem Saale weiter. Unter betäubendem Lärmen und Pfeifen umstürmte man die Tribüne, entriß sich gegenseitig die dreifarbigen Fahnen und drapirte sich mit den Fetzen derselben. Auch an Scklacht- gesängen fehlte es nicht, die erhabenen Klänge der Marseillaise vermischten sich mit dem aufrührerischen Gesang der Carmognole zu einem disharmonischen Geheul. Eine von Thiebaud vorgelesene Tagesordnung wird von Niemand angehört, aber doch durch Aufheben der Hände angenommen. Der Stockregen wird immer dichter, und schon sieht man im Lichte der elektrischen Lampen Messerklingen blitzen, als es der Auarchistengruppe gelingt, sich der Onflamme, des alterthiimlicheu französischen Hauptbanners, zu bemächtigen. Während nun dieser Siegkder Minderheit einen moralischen Schluß bedeutet uitb der Vorsitzende — richtiger Vorschreiende — ®uerin die Versammlung offiziell für geschloffen erklärt, macht ihr der Eigenthümer des Saales ein thalsächliches Ende, indem er die paar noch nicht zerbrochenen Lampen auslöjcht. Die Handlung wurde nun auf die Straße verlegt, wo sie noch zwei Stunden, von 10—12 Uhr Nacht», fortbauerte und sich in dem dichten Nebel zu einem wahren Fang- und Versteckspiel zwischen den Demonstranten, demPudlikum und der zahlreichen, vomPolizeipräsekteu befehligten Wache gestaltete. Als endlich nach Mitternacht Millevoye, der Redakteur der „Patrie", seinen Getreuen das Zeichen zum Abzug cr- theilte, zerstreute sich die Menge nach allen Richtungen. „Und dies soll eine Revolution sein!" rief mit verächtlichem Achselzucken ein Küchenjunge, der etwa» verspätet auf dem leeren Schlachtfelde erschien. Und er wußte gayucht, daß er einen tiefen Gedanken ausgesprochen. Ohne Volk keine Revolution, und das Volk, das sich bisher vielleicht instinktiv der ganzen Sache ferngehalteu, wird in dem heute von den Sozialisten an das Proletariat gerichtete» Manifest aufgefordert, feine bisherige Stellung in der Drcysus-Affaire zum Prinzip zn erhebe». DieDreyfus-Affaireistn»r ei» Vorwand—heißt e» — hinter dem sich der Kamps mit die Macht— ein wahrer Bürgerkrieg zwischen Opportunisten und Klerikalen verbirgt. Aber beide Parteien werben sich vereinigen, meint es gelten wird, das Proletariat zn bekämpfen. Unb als Dritter im Bunde gegen das Volk tritt die Einzelherrschaft einiger großer Militär-Oberhäupter hinzu. „Darum, Proletarier, zwischen Reinach »nd be Mnn behaltet Eure volle Freiheit! Nicht für und nicht gegen DreysnS! Gegen Kapital, Dogma und Säbel vereinigt Euch und kämpft iu voller Klarheit für die soziale Republik!" —
daß dortselbst Jedermann die beste Gelegenheit geboten ist, sich in der Kunst des Zitherspiels ausznbilben, resp. dieselbe vollständig zu erlernen. Die Anschaffung einer Zither bedingt keine besonderen Kosten und das Studium des Zitherspiels gewährt großes Vergnügen, hat auch das Eigenthnwliche, daß es nicht bloß dem Schönen dient, sondern durch da» Schöne auch zum Guten führt. Der Präsident des Vereins, Herr Wilh. Frohn, Kirchhofsgasse 9, nimmt jederzeit Anmeldungen entgegen.
— Deutsche Nationalfeste. Wie man von gut unterrichteter Seite mittheilt, ist die Wahl RüdeSheimS als Festort für die „Olympischen Spiele" nach den in Berlin stattgehabten Verhand- Inugeu so gut wie gesichert zu betrachten. Das Comits traf gestern Nachmittag zur Einleitung weiterer Schritte in der Angelegenheit in Wiesbaden zusammen.
— Die Einkommensteuer des preußischen Staates ergiebt für das Jahr 1897/98 ein großes Plus gegen das Vorjahr von 7,874,232 Mk. Zu diesem Pins tragen die physischen Personen 6,595,381 Mk., die juristische» Personen den Restbetrag bei. Das veranlagte Einkommen der physischen Personen ist um 289 Millionen gestiegen. Von diesem Mehr an Einkommen entfallen 227 Millionen anf die Städte und 62 Millionen aus das platte Land. Infolge dessen habe» die Städte 5*/a Millionen Mark, das platte Land l‘/s Millionen Maik mehr an Einkommensteuer zu zahlen. In den Städten ist die Einkommensteuer gestiegen im Verhäliniß von 100 zu 106,03, anf dem platten Lande int Verhältniß von 100 zu 103,88. — Die Einkommenguellen können bekanntlich aus bett Deklarationen mir festgestellt werden in Bezug auf die Censiten mit mehr als 3000 Mk. Einkommen. Bei diesen Klassen für sich allein ist das Gesammteinkomme» um 191 Millionen gegen das Vorjahr gewachsen. Daraus ergiebt sich, daß da« Einkommen der Personen unter3000Mk., vou900Mk. (unter 900Mk. ist das Einkommen steuerfrei) bis 3000Mk. um 98 Millionen gewachsen ist. Was die Einkommeu über 3000 Mk. em betrifft, so haben dieselben in den Städten zu- genommen um 159 Millionen, auf dem Lande um 32 Millionen. Da« Einkommen ans Kapitalvermögen hat zitgenomtnen in den Städten um 24 Millionen, auf dem Lande um 6 Millionen, das Eiukommen ans Grnnbverniögeu in den Städten um 22 Millionen, anf dem Land um ?*/< Millionen, das Einkommen ans Handel, Gewerbe und Bergbau in den Städten um 76 Millionen, auf dem Laude um 11 Millionen, das Einkommen aus ’geivinn=. bringender Beschäftigung in den Städten um 36 Millionen, auf dem Lande um 8 Millionen. Der Abzug an Schuldenzinsen und Lasten beträgt in den Städten mehr 19 Millionen, aus dem Laude i3/* Millionen. Vorstehende Statistik beweist, daß auch ans dem platten Lande das Einkoiumen gewachsen ist. Zm Vergleich zu dem ersten Jahr der Einkotitiuensteuer-Vcranlagitng von 1892/93 ist das veranlagte Einkommen der physischen Personen bis 1897/98 in den Städten gewachsen von 3873 ans 4410 Millionen, anf dem platten Lande von 1851 aus 1965 Millionen.
d. Aussehen erregte gestern Nachmittag ein raschen Schrittes durch die Bleichstraße gehender Mann und zwar dadurch, daß er mit der mit zahlreichen Kalkspritzen versehenen Arbeitsschurze nicht, wie es sonst wohl im Allgemeinen üblich ist, feine vordere, sondern feine Hintere Seite bedeckte. Aus dem Gejohle zahlreicher Jnuge», die ben Mann verfolgten, war zu eutnehme», baß die Englifch- Lederne» des Unglückliche» an einer Stelle, die man anstandshalber gewöhnlich mit Stillschweigen zu übergehen pflegt, bedenkliche Havarie erlitten hatten. Gut ist's aber doch, wenn man sich auch in solchen mißlichen Fällen zu Helsen weiß.
— Mohlthiitige Kainmlungen. Für ben kranken Dichter Wisbacher sind uns seiner zugegangen: Von A. E. L. 2 Mk., M. H. 3 Mk., E. D. v. M. 2 Mk., H. B. I Mk, Dr. W. K. 3 Mk., E. H. 1 M., E. v. K. 20 Mk, S. G. 1 Mk., Ungenannt 1 Mk., Ungenannt 2 Mk., R. P. 10 Mk.; zusammen sind für Wisbacher 216 Mk. bei uns ein gegangen unb bereits an denselben bezw. den Verleger Dieter in Salzburg abgeliesert worden. Da die Lage des trauten Dichters vorläufig wesentlich gemildert ist (es sind demselben auch von privater und anderen Seiten nennenswerthe Unterstntznngen zu Theil geworden), so schließe» wir nunmehr diese Sammlung mit dem besten Dank für die freundlichen Geber!
— Ein gemeines Kubenstiirlt ist am Mittwoch Abend zwischen 10 »nd 11 Uhr in der Thorfahrt des Hauses Moritz- straße 44 verübt worden. Dieselbe sollte vom Dekorationsmaler neu hergerichtet werden unb war nahezu fertig. Da geht irgend eilt Schurke her und besudelt die Wände mit einer rothe» Flüssigkeit, wahrscheinlich Tinte. Gestern wurde den ganze» Tag über daran gearbeitet, die Flecken zu beseitigen, was glücklicher Weise auch zum Theil gelang. Der Polizei ist von dem abscheulichen Vorgang Anzeige gemacht unb Verdachtkgriinbe wurden derselben ebenfalls mitgetheilt.
— Kleine zioiire». Der Buchhalter eines hiesigen größeren Geschäfts verlor vor einigen Tagen in einem Spezereigeschäft am Römerberg seine Brieftasche mit beinahe 70 Mk. Inhalt. Nach ungefähr einer Stunde erhielt er sein werthvolles Eigeuthum tiu» verfehrt auf derselben Stelle zurück.
Ans Stadt und Land.
Wiesbaden, 21. Januar.
— Königliche Schauspiele. Heute kommt im hiesigen König!. Theater Rossinis Oper: „Der Barbier von Sevilla" in der ihr gelegentlich der Maifestspiele v. IS. zu Theil gewordenen Neu- Jnscenirung wieder zum ersten Male zur Aufführung. Die drei Hauptrolle» werden durch Gäste vertrete» fein. Zur Darstellung der Rosine hat die Kgl. Intendantur eine der hervorragendsten Vertreterinnen des Koloratur-Gesanges. Fräulein Mary Howe ans Leipzig, berufen. Den Graf Almaviva hat, wie bereite mitgetheilt, Herr Kgl. Kammersänger Buff- Gießen von der k. k. Hofoper in Wien unb ben Figaro Herr Max Garrison von Wien übernommen. Letzterer tritt als Bewerber um bas Fach des lyrischen unb Spiel-BarytonS am hiesigen Kgl. Theater auf. Die Vorstellung findet bei mittleren Preisen im Abonnement B statt unb beginnt um 7 Uhr.
— Zitherspiel. Wir mache» alle Intereffeuten auf die vor Jahren gegründete und bis jetzt von bestem Erfolg begleitete Vorschule des „Zither-Vereins" aufmerksam, mit dem Bemerken,
Vereins - Nachrichten.
Ikurje sachliche Berichte werden b-reltwilligli unter vieler NcbcrlchrM aufgenommen
* Die karnevalistische Damensitzuug des „Klub Edelweiß", welche am verflossenen Sonntag in der auf das Prächtigstedekorirte» Turnhalle Wellritzstraße 41 ftattfanb, verlief auf das Glänzendste. Der auch diesmal überaus zahlreiche Besuch bewies, welche Anziehung die Veraustaltmigen des Klubs besitzen. Nachdem das Comitö mit großem Pomp feinen Einzug gehalten hatte, begrüßte der närrifdie Präsident Herr Jean Weber die Anwesende» in humoristischer, schwungvoller Rede. Dau» folgte das von dem närrischen Sekretär Herr» K. Weder verfaßte Protokoll, dem der sehr gelungene Kassenbericht des Herr» E. Schmidt sich anschloß. Es wechselten nun Lieder, Couplets, Terzette n. dergl. mit Tanz in schönster Weise miteinander ab. Die Humoristen des Klubs verstanden es auch diesnml, die Lachuinskeln der Anwesenden in steter Bewegung zu halten. Besonders waren es die lustigen Zwei, die fidele» Schornsteinfeger, die liedeglühende Jungfer, Leipziger Thor- fchreiber u. A. in., welche nicht endeuwollenden Beifall erzielten. Raufchender Beifall lohnte die Darsteller, Herren Gebrüder Weber, K. Schulze, E. Schmidt und G. Leonhardt für ihre schönen Leistungen. Die zweite und letzte Sitzung findet am 30. Januar in derselben Halle statt, und der Maskenball des Klubs, Wie alljährlich, am Fastnachtsamstag in der .Männerturnhalle".
* Die „Turngesellschaft" hat morgen, Samstag, Abends 9 Ubr, in ihrer Turnhalle (Wellritzstraße 41) humoristische Adend- unterhaltung mit Tanz. Die Lergnügungskommission ist in voller Thätigkeit, um den Abend zu einem recht genußreichen zu gestalten. Gemeinschaftliche Lieder werden mit Aufführungen jeder Art ad-
wechfel», von welch letzteren wir nur verrathen wollen, daß ein Turner von unserem Nachdar-Pkaneten „Mars" fein Erscheinen zu- gesagl und sich in der dortigen Art unb Weise produziren wirb. Die Veranstaltung, zu welcher nur Mitglieder und Gäste des Verein» Zutritt Haden, wird sich den schon vorhergegangeue» würdig anreiheu.
— Wiesbaden, 20. Januar. Nach ben unterm 12. b. M. heransgegedrnen Veröffentlichungen des Kaiserlichen Gesundheit»- amtes zu Berlin über die Gesammtsterblichkeit in den 260 deutschen Städten mib Orten mit 15,000 unb mehr Eiuwohmrt während des Monats November 1897 hat dieselbe —ans je 1000 Einwohner auf den Zeitraum eines Jahre» berechnet — betragen r a) weniger als 15,0 in 75; b) zwischen 15,0 unb 20,0 in 110; c) zwischen 20,1 und 25,0 in 60; d) zwischen 25,1 und 30,0 in 10 und e) mehr als 30,0 in 5 Orten. Die geringste Sterblichkeit hatte in dem gedachten Monat der Ort Langendreer in der Provinz Westphalen mit 6,8 und die größte Sterblichkeit die Stadt Amberg im Königreich Bayern mit 32,8 zu verzeichnen. In den Städten und Orten der Provinz Hessen-Nassan mit 15,000 und mehr Einwohner» hat die Sterblichkeit während des Berichtsmonats — gleichfalls wie oben auf je 1000 Einwohner auf ben Zeitraum eines Jahres berechnet — betragen: In Cassel 13,3, Wiesbaden 13,9, Frankfurt a. M. 14,4 (ohne Ortsfremde 13,5), Oberhausen 15,1, Hanau 16,4 (ohne Ortsfremde 13,5) unb in Marburg 21,8 (ohne Ortsfremde 11,6). — Die Säuglingssterblichkeit war im Monat November 1897 eine beträchtliche, d. h. höher als ein Drittel deickLebeudgeborene», in 2 Orten; dieselbe blieb unter einem Zehntel derselben in 48 Orten. Als Todesursachen der während des gedachten Moitaks in unserer Stadt vorgekommenen 90 Sterbefälle — darunter 19 von Kindern im Alter bis zu einem Jahre — sind angegeben: Masern und Röthelii —, Scharlach —, Diphtherie unb Croup —, Unterleibstyphus 1, Kindbettsieber 2, Lungenschwindsucht 8, akute Erkrankungen der Athmungsorgane 9, afiite Darmkrankheiten —, Brechdurchfall 2, — Kinder im Alter bis zu einem Jahre —, alle übrigen Krankheiten 67 unb gewaltsamer Tod 1. Im Ganzen scheint sich der Gefundheitszustanb der Säuglinge gegenüber dem Monat October v. I. noch besser gestaltet zu haben, der- jenige der übrigen Altersklaffen ziemlich unverändert geblieben zu fein. Die Zahl der in hiesiger Stadt während des Monat» November 1897 vorgekommenen Geburten hat — ausschließlich der 6 Todtgeburten — 159 betragen; dieselbe hat mithin die her Steibefälle (90) um 69 überfliegen.
-o- Langenschwalbach, 20. Januar. Bei bet Neuwahl zur Handelskammer Wiesbaden wurden Herr August Bester von hier wieder- und die Herren Heinrich Kappus zu Idstein und Färbereibefitzer Fritz Born zu Ufingen neugewählt.
-r- Niedernhausen, 19. Januar, Eine elegant gekleidete Dame, die sich für eine barmherzige Schwester oder Diakonissin ausgab und als solche milde Gaben für eine WohlthätigkeitSanstalt heute Mittag hier fanmielte, aber keine Legitimation hatte, wurde von dem hier ftationirhn Gendarmen verhaftet und nach Wiesbaden in llnterfnchnngshaft gebracht. Die von der Dame gesammelte» Beträge, welche in ein Buch, wie bei Kollekten Üblich, eingetragen worden waren, wurden ans der hiesigen Bürgermeisterei hinterlegt.
(?) Wicker, 19. Januar. Der Streckenarbeiter Peter Bolz von hier ist bei seiner Arbeit in der Nähe der Station Hochheim uon einem fdjiueren Unfall betroffen worbe». Beim Abladen von Eiseubahiffchieuen fchnellte eine derselben zurück und fuhr dem Arbeiter mit Wucht gegen die Beine. Der Verletzte wurde i» Wagen nach seinem Heimathsort gebracht.
c? Zaltenhelm n. BH., 20. Januar. Gestern Abend gegen 8 Uhr brach im Hanse des Herrn Hch. D. hier Feuer au», welches in kurzer Zeit das Wohnhaus einäscherte. Dem tapferen Eingreifen der freiwillige» Feuerwehr ist es zu verdanken, daß da» Feuer sich bei den der Brandstätte enganschließenden Häusern nicht auf diese weiterpflanzte.
♦ Frankfurt a. M», 20. Januar. Der Magistrat von Frankfurt beantragte bei der Stadtverordneteu-Versammlung, anläßlich des 50-jährigen Gedenktages der Parlaments- Eröffnung am 18. Mai 1848 auf dem Paulsplatz ein Denkmal znm Andenken an die Vorkämpfer der EinheitSbestrebiingen von 1815 bis 1864 zu errichten, ferner an der Paulskirche Bronzetafeln zur Erinuernug an das Parfament aitzudringen und schließlich den neue» Römersaal mit Bilder» aus der deutschen bezw. Frankfurter Geschichte dieses Jahrhunderts zu schmücken.
* Darmstadt, 20. Januar. Der Erdgraf von SolmS» Lau dach hat sich mit der Prinzessin Emma zu Isenburg-Büdingen verlobt. — Das nach einer Münchener Meldung der „Frankfurter Zeitung" durch Selbstmord geendete Paar war der LehramtSaceessist Minck von: hiesige» alten Gymnasium und die Frau des Verlagsbuchhändlers Roth in Gieße». Da» Paar war mit einer größeren Geldsumme vor einiger Zeit verschwunden.
* Zinsen, 19. Januar. Ende Juli 1899 findet hier ein große» Schützenfest statt. Als Festplatz ist die sogenannte Insel gegenüber Sarmsheim- Münster in Aussicht genommen, ein Platz, der nach Unheil von Sachverständigen in jeder Beziehung praktisch und schön gelegen ist.
Dermlschtr*.
* Gewebte Zplnnrsiiden. In Frankreich beschäftigt man sich ernsthaft damit, schreibt das „Oesterreichische Landwirtschaftliche Wochenblatt", das Gespinnst einer auf Madagaskar einheimischen Spiuneiiart zu feinen Geweben zu verarbeiten und, um größere Mengen des Spinnfadens zu erhalten, da» Thier selbst zu züchten. Scho» Reaumur legte der Pariser Akademie ei» Paar Halbhandschuhe vor, die ans den Fäden der madagassischen Spinne angefertigt waren, und die Bewohner der Insel Mauritius haben der Raiferm Eugenie ein Paar Handschuhe aus gleichem Stoffe verehrt. Die madagassische Spinne spinnt in einer Stunde 100 bis 150 m, und genaue Festigkeitsmeffnugen ergaben, daß dieser Faden ebenso widerstandsfähig ist wie derjenige der mit Maulbeerblättern gefütterten Seidenraupe. Man hat jetzt Spindeln konstmirt, die den Spinnfaden direkt von der Spinne weg ausspulen unb von 22 Spinnen i» zwei Stunden einen Faden von 6000 m Länge lieferten. Das zu beut Unternehmen nöthige Kapital ist aufgebracht, und so können beim die jetzt nur in Feenmärchen vorkommenben Spinnengewänber zur Wahrheit werben.
* Eine Kopfrvaschmtg. Am 26. September 1759 ließ da» Stuttgarter Konsistorinm folgenden Erlaß hinausgehen: „An den Pfarrer — in Leonrodt. Nun kommt er auch einmal wieder vor bas herzogliche Konsistorium, heilloser Tropf, liederlicher Gesell
