NikMener Tagblaü
Anzelgen-PEr
Verlag: Langgasse 27.
115,000 Abonnenten
1898
Dienstag, de» 18. Januar.
Uo. 27.
Fernsprecher No. 52.
Fernsprecher No. 52.
bis 8u einem Jahre gestorbenen Kinder sind ans lOO Lebendgeborene,
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1. Lcbendgeboreiie......
2. Todtgeborene.......
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a) im Ganzen......
b) im Alter bis zu 1 Jahre. . .
c) im Alter von 1 Jahr und darüber 131,3
diejenigen der Todtgeborene« auf 1000 inSgesammt Geborene, alle übrigen Zahlen auf 10,000 Einwohner berechnet.)^
Behauptung, daß ein Geständniß abgelegt wurde. Cavaignac antwortet, daß die diesbezügliche Erklärung des Hauptmanns Lebrun-Renaud im Kriegsministerium niedergelegt fei. Kommandant Torrinetti bestreitet dies und bringt eine entgegengesetzte Behauptung derselben Hauptmanns vor. Und das geht so in Infinitum. Die moralische Bedeutung der neuerstandenen DrcifuS-Affaire liegt jedoch nicht so sehr in den litterarischen Produktionen, die sie zu Tage fördert, als in ihrer völlig veränderten strategischen Lage. Dreifus ist weit in den Hintergrund getreten, Esterhazy verschwunden, da» eigentliche Kampfodjckt bildet jetzt die Gerechtigkeit; die Haupthelden nnd Märtyrer sind Zola und Picqriard, das „böse Prinzip" die Regierung; und die öffentliche Meinung, insofern sie von der Presse vertreten wird, macht jetzt fast ausnahmslos Front gegen die Negierung und ihren „huis cloa“. Sogar der offizielle „TcmpS" fleht die liberale Ordnung und die individuelle Freiheit von der liebcrmacht der Mililärdisziplin bedroht nnd fordert eine Rückkehr zu dem alten römischen Grundsatz: „Salus populi lex csto!“ Und auch die Sozialisten trete» endlich aus ihrer bisherigen Reserve; ihr Hanptvertreter JaiiröS zögert nicht, an die Adresse der gegen die Ungesetzlichkeiten Protest!renden die Worte zu richten: „Ich bin fast versucht, Sie kür unser Schwanken um Verzeihung zu bitten; Sie thun Ihre Pflicht als Bürger, wir werden auf unserem Kriegsposten Ihr Beispiel befolgen."
— Für den Dichter Kranz Misbacher, dessen trauriger durch langwierige Krankheit hervorgerufenen Lage wir in unserer letzten Samstag-Abend-Numnier gedachten, sind erfreulicher Weife bis jetzt bereit» 43 Mk. und 50 Pf. eiugegangen, und zwar von H. B. 1 Mk., Geschwister W. 5 Mk., L. 5 Mk., X. Y. 3 Mk., von einem Leidensgenossen 20 Mk., K. M. 2 Mk., Ungenannt 6 Mk-, G. B. 1 Wit. 50 Pf. — Herzlichen Dank Namen» des Bedachten. Weitere Zuwendungen nehmen wir gern entgegen.
— Eissport. Mittwoch Nachmittag von 3 bis 5 Uhr findet am Sportplätze de» „Wiesbadener Eisklub" Konzert statt.
— Immobilien-Versteigerungen. Bei dem Aurgebot der Grundstücke des Herrn Adolf Walther von hier, als: 6 ar 89,50 qm Acker „Am Todtenhof" 5r Gew. und 10 ar 36,25 qm Acker „Am Todtenhof" 5r Gew., erfolgte kein Gebot. — Auf das Hans der Erben der Frau Konrad Birk Wwe., Maiuzerstrabe 48 hier, taxirt zu 54,000 Mk., blieben die Geschwister Elile, Johanna, Konrad und Dr. Rudols Birk mit 51,000 Mk. Letzibietende. — Bei der Versteigerung von Grundstücken der Frau Christian Birk Wittwe und Miteigenihümer blieben Letzlbietende auf ein zweistöckiges Wohnhaus mit 36 ar 38,75 qm Hofraum und Gebändefläche, belegen au der Walkmühlstrabe, taxirt zu85,000 Mk., Frau Christian Birk mit der Taxe, 12 ar 78,50 qm Acker „Vordem tzaingraben", 8r Gew., taxirt zu 20,450 Mk., Herren F. Escheubrenner und C. Otto hier mit 21,000 Mk., 4 ar 45,25 qm Acker an der Lessingstraße, taxirt 7120 Mk., dieselben mit der Taxe, 17 ar 88,50 qm Acker an der Victoriastraße, taxirt 42,920 Mk., dieselben mit 43,100 Mk., 11 ar 46 qm Acker „Vorm Haiugrabcn", 8r Gew., taxirt zu 22,920 Mk., dieselben mit der Taxe", 15 ar 66 qm Acker „Vorm Haingraben", 8r Gew., taxirt zu 25,060 Mk., dieselben mit 25,200 Mk.
für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittag». — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur uächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
46. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Aus Knust nnd Krben.
I. Frankfurter Schauspielhaus» 16. Januar. Gestern gab man zum ersten Male den aus Frankreich importulen dreiaktigen Schwank: „Die Einberufung" („Le sursis“), der die Herren Auch« Sylvane nnd Jean Gascogne zu Verfassern hat. Wurde diese derbe Posse nickst schon in Wiesbaden gegeben, so sielst die Aufführung am Nesidenz-Theater wohl noch bevor; wenn aber nicht, nun, so trösten Sie sich, Sie versäumen nicht viel! Denn mir der Genügsame und derjenige, der recht ge- pseffcrte Späße liebt, siadet hier für einige Stunden seine Befriedigung. Dies war nun allerdings gester» bei unserem Publikum der Fall, das sich höchlichst amüsirte und jede Derbheit dankbar acceptirte. Gespielt wurde mit starker Hülfe des Souffleurs; eigentlich war es nur Herr Bolz, welcher in Erscheinung und Spiel wirklichen höhere» Ansprüchen auf Humor und Komik voll genügte.
* Frankfurter Stadttheater. (Wochen-Spiele ntwn rf.) Opernhaus. Dienstag, den 18.Januar, Abends 7Uhr:„Rienzi". Mittwoch, den 19., Nachmittag» 37» Uhr: „König Löwe". Abends 77, Uhr: „Die schöne Helena". „Paris": Herr von dem Bruch als Gast. Donnerstag, den 20.: „Die beiden Schützen". Freitag, den 21.: Geschlossen. Samstag, den 22.: „Der arme Jonathan". „Vaudergold": Herr von dem Bruch al» Gast. Sonntag, den 23., Nachmittags 37-Uhr: „König Löwe". Abends 7 Uhr: „Lohengrin". Montag, den 24.: Geschloffen. Dienstag, den 25.: _A Basso Porto“. Hierauf: „Sie Nürnberger Puppe". — .Schauspielhaus. Dienstag, den 18.Januar: „Emilia Galotti". sNittwoch, den 19.: „Die Einberufung". Donnerstag, den 20.: s, Jugendfreunde". Freitag, den 21.: „Ewige Liebe". Samstag, oen 22., zum ersten Male: „Bartel Turaser, Drama in 3 Akten "t von Ph. Langmann. Sonntag, den 23., Nachmittag» 37» Uhr, zu Lessings Geburtstag: „Nathan der Weise". Abends 7 Uhr: „Bartel Turaser". Montag, den 24.: „Die Einberufung".
* nette Knrgtheater-Direktor. Wie schon gemeldet, übernimmt Dr. Schlenther-Berlin mit dem 1. Februar die Direktion des VurgtheaterS in Wien vorläufig auf 4 Monate, sodann definitiv. Dr. Schlenther war nicht mir einer der Führer, sondern auch der typischste Vertreter jener jungen Litteraturbewegung, die von Berlin ihren einst so scharf beanstandeten Busgang nahm und jetzt ihre offizielle Anerktlinung «IS litterarische Großmacht
Die neue Campagne.
Unser Pariser v-Korrespoudent schreibt uns unterm 15. d. M.: Schneller und mächtiger, als irgend Jemand es voraussetzte, ist an» der Asche dc» Dieyfns-Piozesfes der neue Vogel Phönix erstanden. Mächtiger, denn seine Ricseuflugel umspannen jetzt die weitesten BevölkernugSschichten, sein lärmender Flügelschlag erfüllt die ganze Atmosphäre. In den Wandelgängen der Kammer und des Senats, in dem Pas-perdus-Soal des Justizpalastes, in den Zeitung»-Bureaus, den Klubs, Salons, Wirth»- und Kaffeehäusern, auf der Straße und den öffentlichen Plätzen, überall vollzieht sich die Gärung entgegengesetzter und zum Aeußersten getriebener Elemente. Der Zank und Hader ist umso heftiger, als ie Meinung der Eine» durchaus keinen Grund hat, sich derjenigen der Anderen zu unterwerfen. E» wird alles Mögliche behauptet, weil nichts kontrollirbar ist; die eigentlichen Thatsachen sind ungewiß und werden mit gleicher Bestimmtheit bald bestätigt, bald geleugnet. Jeder bleibt auf seinem Standpunkt, nnd unter solchen Bedingnngen kann sich der Krieg ins Unendliche flehen. Schon die erste» Tage der neuen Campagne find überreich an wichtigen Ereignissen: Der befreite Kommandant verlangt seinen Abschied von der Armee, scheint sich daher trotz der llmarmnngen seine» Generals nnd UntersuchnngSrichters und der Vivatrufe seiner Säbelgenossen in der Uniform etwas unbehaglich zu suhlen. Der Oberstlieulenant Picqnard wird verhaftet und nach der Festung Mout-Valorien abgesührt — wegen eines Disziplinsehlers sagen die Einen, für nicht« Geringeres — behaupte» die Anderen, als den Versuch, mittels gefälschter Schriftstücke die Verdammung eine» Unschuldigen und — die Befreiung eine» Schuldigen zu verursache». Emile Zola beschuldigt den Krlegsminister, den Chef und Unterches de» Generalstabs, das Kriegsgericht, die Untersuchungsrichter der ärgsten Verbrechen und beschwört den Präsidenten der Republik, der am wenigsten hier etwa» vermag, in die Angelegenheit einzugreifen. In der Kammer interpellirt Gckf Mun, der selbsternannte Wächter der HeereSehre, er bedrängt die Minister nnd drückt sie an die Wand; da sie sich mit dem Vertreter der Hälfte ihrer Kammermehrheit nickst überwerfen wollen, müssen sie — den Tod im Herzen und große Worte aus de» Lippen — den von ihm vorgezeichneten Weg betreten. Premierminister Möline verkündigt mit saurer Miene die gerichtliche Verfolgung Zolas und erfüllt damit den sehnlichen Wunsch dieses Schriftstellers. General Billot wiederholt zum vierten Wale seit drei Monaten feine Phrasen über die Ehre der Armee, der Sozialist Janrös eifert gegen den „huisclos“ und schreit, daß man in: Begriffe sei, die Republik den Generalen ausznliefern. Der gewesene Krieg«- mtukster Cavaignac endlich macht der Regierung den Vorwurf, daß sie nicht durch Veröffentlichung des angeblich von Dreifus niedergelegten Geständnisses dem Lärm rechlzestig ein Ende gemacht habe.
Weniger parlamentarisch, aber handgreiflicher als die Wort- kämpfe in der Kammer sind die gleichzeitig stattfiudende» Straßen- kämvse zwischen der Polizei und der akademischen Jugend, welche sichln derErsüllnng ihrer edlen und hochpatriotischen Aufgabe, Zola anznspeien, nicht störe» lassen will und mit den Rufen: „Nieder Zola 1” .Meder Scheurer-Kestner l" seit 3 Tagen das Quartier Latin beunruhigt. Wurde bei diesen Kämpfe» auch keiu Blut vergossen, so mußten dagegen Ströme von Tinte fließen, um all' die Briefe und Proteste zu Papier Mi bringen, mit denen man un» täglich überschüttet. General Pellieux schreibt au Esterhazy und erklärt einen der von Me. Bonlaney übergebenen Briefe als falsch; Frau Bonlaney fühlt sich beleidigt, schreibt einen Brief an General Pellieux und reicht eine Klage gegen ihn ein. Eine Anzahl von Professoren, Schriststellern, Studenten, Advokaten und Beamten schreibt einen Protest gegen die Vergewaltigung der Rechtsformen im Prozesse 1894 und verlangt eine Revision de» Prozesse«. Sie Association -önörals" der Studentenschaft richtet einen Brief au Zola, in welchem 0 ihm ihr „schmerzliches Staunen" über feilt Vorgehen attsdrückt. Zola antwortet dem „betrübten" Studeuten-Verein und wehklagt über ihr Vorgehen. Aus der Straße werde» iinfläthige Flug- schristen feilgeboten, in denen ein obskures Individuum Zola im Namen „aller Franzose»" beschuldigt, ein deutscher Spion zu sein. Frau DreyiuS schreibt an Cavaignac und protestirt gegen dessen
Korrektheit des Gesuches zu prüfen hat. Hernach findet ein neuer Meinungsaustausch zwischen! dem Teufelsanwalt und denAnwalteil dec Kandidatin statt. Erst dann wird die eigentliche Frage, ob die Ansprüche ein Recht auf Heiligsprechung begründen, von Theologen, die mit der Congregatio rituum verknüpft sind, geprüft. Bejahen sie die Frage, dann kommt der Fall vor die Kardinäle, die Mitglieder dieser Kongregation sind. Und die endgültige Entscheidung verkündigt der Papst in allgemeiner Kongregation.
* Verschieden» Mittheilnnge«. In Brüssel ist der Botaniker Jean Stuben gestorben. Er hat eine große Anzahl bi« dahin unbekannter Pflanzen, darunter die Cattleya, nach Europa gebracht.
Die Zahl der in der Schweiz praktizirenden 81 ergtinnen beträgt zur Zeit im Ganzen 24. Davon sind die meisten, nämlich 10, in Zürich; Gens zählt 4, Lausanne 2, Basel ebenfalls 2 Aerztiunen; in Bern, St. Gallen, Winterthur, Baden, Schinznach und Santaden domizilirt je eine Slerjtin.
In Rom ist Giovanni Rombaldo, der Nestor der italienischen „Sitzredakteure", gestorben. Et zeichnete seit 51 Jahren al» verantwortlicher Redakteur der „Opinione".
Eine Nachricht von Andräe? Einer in Stockholm ein» gelaufenen Nachricht zufolge ist vor längerer Zeit in Britisch- Kolumbien von mehreren glaubwürdigen Personen ein Ballon beobachtet worden. Man wird anch diese Nachricht mit Vorsicht auf« nehmen müssen und sich dabei erinnern, daß schon einige Male, bald nach Andree« Ausstieg, gerade au« Britisch-Nordamenka Nachrichten über angeblich gesehene Ballon« gebracht wurden. Sonderbar wäre in diesem Falle, daß der Ballon so weit landemwart« getrieben fein sollte, ohne daß es de» Lustschiffern gelungen Ware, eine Landung zu bewerkstelligen. Der QueSnelle-see, in beffen Nähe der Ballon beobachtet worden sein soll, liegt an einem gleichnamigen Zufluß des Fraseufluffes, der, vom Felstngebirge kommend, bei der bekamiten Hafenstadt Vancouver mündet.>Vom Große» Ocean liegt der See etwa so weit rote Frankfurt a. M. von der Nords«, vom nördlichen Eismeer fünfmal so weit entfernt
Auf dem Oberboden bei Brünigeu(BernerOberland)wurde eine Tanne gefällt, die einen Kubikinhalt von 730 Kubiksuß, also über 20 Festmeter, hatte. Dieselbe erreichte ein Alter von über 200 Jahren und eine Länge von 140 Fuß. Der Stamm war durchweg kerngesund,
Vereins - Nachrichten.
«kurze sachliche Berichte «erde» b-ceitwimgst unter dieser Ueberschein aufetnommen.
* Eine am Samstag Abend von dem „Südlichen und Westlichen Bezirksverein" abgehalieiie gemeinsame VorftaudS- sitznng befaßte sich mit der geplanten Verlegung der Schwalbacher Bah». Nach dem auch von der hiesigen Handelskammer lebhaft befürworteten Vorschlag soll da» Geleise mit einem kleinen Umwege gegen das bisherige in einer länglichen Schleife die Biebricher Chaussee etwa im Anfang der Biebricher Sandgruben schneiden und dann vor der Villa Grimberghe den Todtenhof schneidend auf die Schiersteiner Chaussee münden, entweder da, wo die jetzige Linie die Chaussee schneidet, ober am Exercirplatz entlang gehend. Dann würde eilte Güterverladrstelle entweder in der Verlängerung der Adelheidstraße oder zwischen Schiersteitter Chausse und Exerzirplatz zu liegen kommen, »Iw e» könnte gleichzeitig dort eilte Haltestelle für beu Personenverkehr eingerichtet werden. In der Debatte wurden die etiuaigeu Vor- imb Nachtheile sehr eingehend beleuchtet und schließlich beschloffen, daß am nächsten Mittwoch jeder Verein für sich nochmals eine Vorstandrsitzmig Malten und daß dann am nächsten Freitag eine gemeinfamc Versammlung der beiden Vereine endgültige Beschlüsse wegen einer etwaigen Eingabe fassen soll.
Stimmen ans dem Publikum.
(Für Veröffentlichungen unter dieser Ueberschrist übernimmt die RedaMo» (einerlei iBerantoortuna.)
• Ans der kurzen Notizlüder die letzte Stadtverordneten-Sihnng ist zu ersehe», daß von Herr» Simon Heß der Vorschlag gemacht wird, da» neue Kurhaus nicht aus die Stelle de» alten, toubern weiter zurück zu erbauen, unb daß von ihm außer auf die finanzielle Frage auch auf den Ausfall für die Jtnriubuftrie hingewiefen wird, welchen ein Provisorium, wie es bisher geplant ist, zur Folge haben würde. Ich will mich über die erstere Frage, bevor die in Aussicht gestellte Begründung vorliegt, nicht weiter verbreiten, fühle mich jedoch
findet, indem Schlenther al» ihr Botschafter am Wiener Hofe empfangen wird. Dr. Paul Schlenther, einen Monat jünger al» fein Vorgänger Burckhard, ist am 20. August 1854 zu Insterburg geboren. Seine Bücher befassen sich alle mit Theatersragen oder mit der Bühne nahestehenden Persöulichkeiten. „Baron v. Hülfen und feine Leute". „Fran Gottsched ur.b die bürgerliche Komödie", „Genesis der Freien Bühne", „Der Frattenbernf im Theater" lauten ihre Titel. Seine letzten Arbeiten galten Gerhart Hauptmann.
♦ Eine antiseptische Mahnung bat sich kürzlich bet Bakteriologe Dr. van der Heyden in Jokohama bauen lassen. Die Wände dieses eigenartigen Hauses bestehen aus großen Blöcken und Platten von Glas, in Metall gefaßt und luftdicht geschlossen. Nahe der Decke des oberen Stockwerk« befindet sich eine kleine Oeffnung, durch welche die Luft ans den Wohnräumen nach außen gelangen kann, nicht aber von außen herein. Der Eintritt wird der Außen- luft ausschließlich durch eine Röhre gestattet, die sich bis aus einige Entsernnug vom Hanse erstreckt und die Lust diesem erst zufiihrt, nachdem sie durch Watte fillrirt und durch Glycerin stenlisirt ist. Ob der vorsichtige Mann nun wohl in diesem batterienreinen Hause länger leben wird al« andere Menschen? —
♦ Ui, man ein Seiliger wir». Nach dem Tod ein Heiliger zu werden, scheint beinahe ebenso schwierig, als während des Lebens ein Heiliger zu fein, meinen die „Daily New» - Sie begründen diesen Ausspruch mit dem Fall „Jungfrau von Orleans ; die katholische Kirche hat Johanna bekanntlich al» Ketzerin verbrannt und will sie nun heilig sprechen. Ihr Anspruch auf Heilig- fprechiiug wurde Rom zum ersten Mal im Jahre 1855 unterbreitet. In dem Gesuch fanden sich aber verschiedene technische Fehler, und die Sache blieb vorderhand liegen. 1894 wurde das Gesuch erneuert und die Jungfrau »ach einer vorläufigen Untersuchung für „Vcnerabilis“ erklärt. Das war aber nur da» erste Stadium. Der Fall wurde nun nach Orleans zurückverwiesen, und der Bischof veranstaltete eine erschöpfende Untersuchung ihrer Ansprüche. Diese Untersuchung machte 133SiSunge» des damit beauftragten Ausschusses nöthig. Dann wurde das gesammelte Beweikmalerial nach Rom übermittelt, und seine „zweitausend" Seiten werden nun „beurkundet". Ist die» geschehen. Dann wird der sogenannte Advocatus Diaboli (TeufelS- anronlt) seine Einwände formuliren, und ein Vertreter deS Bischofs wird auf sie antworten, worauf die Einwände und Antworten gedruckt und einem Tribunal unterbreitet werden, das die technische
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Aus Stadt und §aud.
Wiesbaden, 18. Januar.
-0- Kerirkoauof'chnß. In der gestrigen Sitzung gelangte 11. A. 11 cd) die Klage des Magistrat« zu Ufingen gegen die Wegepolizei- behörde daselbst zur Verhandlung. Ans Anweisung des Herrn Regierungspräsidenten hat der Bürgermeister zu Usingen al« Vertreter der Wegepolizeibehörde an den Magistrat eine Verfügung erlassen, den fogtiiannten Stockheimer Weg zu verbessern. Der Magistrat hat dagegen Klage erhoben, welcher der Kreirausschuß flattgab in der Annahme, daß eine Verpflichtung der Gemeinde nicht bestehe. Die Berufung der Wegepolizei gegen diese» Unheil wird zurückgewiesen. Der Bczirksausschuß bat sich den Enlfcheibmigrgründen dc» ersten Richter« voll angeschlosseu und noch weiter in Erwägung gezogen, daß die Unterhaltung deS Weges vcilragSweise einem Gntspächter auferlegt worden ist.
— Malhalla-Masltenball. Trotz der viele» Veranstaltungen, welche am vergangenen Samstag überall angezeigt toaren, war der von den Besitzern des Walhalla-Theaters arraiigirte Maskenball außerordentlich gut besucht. Zuerst lunrben von dem Künstler-Personal des Theater» sehr schöne und exakte Darstellungen den Besuchern des Balles vorgesührt und die Mehrzahl der Dorgetragencn Nummern lebhaft applaudirt. Nach diesen DarfteSmigen begann der eigentliche Maskenball, welcher gegen 12 Uhr fämmtlicbe Räume füllte. Die Stimmung war eine äußerst animirte, nnd die zahreiche» Lokalitäten der Walhalla boten den Ball besuchen! reichliche Abmechfeluug. Jung und Alt bewegte sich in zwangloser Weise und huldigte der Muse Terpsichore nach Kräften. Auch Künstler anderer hiesiger Kunftaiistalten waren in reicher Zahl erschienen, um sich in der Walhalla einmal gründlich zu amüfiren. Neben dem Frack waren sehr schöne, charakteristische und geschmackvolle Masken in Menge z» sehen, unb das Ganze bot dem Ange ein recht abwechselndes Bild. Die fröhliche Stimmung erhielt sich denn auch bis zum frühen Morgen auf ihrer Höhe, und die Walhalla- Kapelle wurde tüchtig in Anspruch genommen, indem dieselbe immer noch „Einen" ziigeden mußte. Zn erwähnen sind noch die herrliche und geschmackvolle Dekoration, ebenso Küche und Keller der Walhalla. Die Vorzüge der letzteren trugen ganz besonders dazu bei, für das leidliche Wohl der Besucher genügend und gut zu sorgen, unb bie Besucher werbe» noch oft unb lange an die fröhlichen in der Walhalla beim ersten Maskenball verlebten Stmideii znrück- beufen. _ .. ...
— PerhaltnWaklen der §evolker»ngo vor gange in Kiesiger Ztadt für das Jahr 1896. Einer im Kaiserlichen Gesuudheitsamte z» Berlin ueiterbing« anfgefteüten Nachweisung über bie Bevölkerungsvorgänge in den deutschen Städten mit 15,000 unb mehr Einwohnern für bas Jahr 1896 entnehmen wir für unsere Stabt bie nachfolgenden Verhältmßzahlen, verglichen mit den Durchschnittsergebnissen der Jahre 1886/95. (Die Zahlen der im Aller
