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MeMmer TsgMÜ

Verlag: Langgasse 27,

15,000 Abonnenten

Mittwoch, den 29. Dezember.

U-. 606

1897,

Bezirks-Fernsprecher No. 62.

Bezirks-Fernsprecher 91 t>. 52.

Abend-Ausgabe

rung Chinas angenommenen Sühne- und sonstigen Bedingungen unbedingt noch» wendig sind. Der Nachdruck, den die Regierung durch die Absendung der Ver­stärkung von 1400 Mann und einer Anzahl Feld- und Maschinellgeschütze dieser Sicherung verleiht, sowie die Entsendung des Prinzen Heinrich und die Worte des Kaisers deuten unzweifelhaft darauf hin, daß es sich um eine dauernde Festsetzung in der Bai handelt.

Wenn anfänglich verlautete, daß die Absendung der Verstärkungen auf die Ablösung der gelandeten 600 Mann der Schiffsbcsatzungen im Wacht- und Sicher­heitsdienst am Lande abzicle, die aus dienstlichen Rücksichten nicht längere Zeit von ihren Schiffen entfernt werden könnten, und daß durch eine stärkere Macht- entwickeluug des Reiches auf die Be-

>8 war, >ie Ber-

Küsienbefestigungen an der Hafeneinfahrt geschehen. Für die Fortbefestigung der Stadt und ihre Vcrtheidiger ist dabei von Wichtigkeit, daß sie eine gesicherte Verbindung mit dem Hafen von Kjan-tshou beim Dorfe Ta-pu-tur her- stcllt und int Verein mit dem Geschwader diesen Hafen völlig beherrscht. Kjan-tshou liegt 14 km vom Hafen Ta-pu-tur entfernt, sodaß vielleicht einige besondere vor der Hand provisorische Werke für die Sicherung des Hafens erforderlich werden können.

Von der Ausdehnung, in welcher die angeblich 8 m tiefe, 1 deutsche Meile lange Fahrrinne, welche zum Hafen beim Dorfe Ta-pu-tur führt, diese Tiefe in der Thal be­sitzt, wird cs abhängen, wie nahe die KreuzerPrinzeß

Wilhelm",Irene",Arcona" undCormoran" von 6, 9, 5,6 und 4,6 m Tiefgang sich erforderlichen Falls zur Unterstützung der bei Kjan - tshou gelandeten Mannschaft und der von ihnen besetzten oder künftig anzulegcnden Befestigungell an Land zu legen ver­mögen. Der PanzerkreuzerKaiser" aber ist bei seinem Tiefgang von 7,7 m genöthigt, die l3/< deutsche Meilen von Ta-pu-tur abliegende 5 Faden Tiefenlinie im Innern der Bucht inne zu halten. Vermöchten unsere Kriegsschiffe nahe genug an Land zu legen, was wir allerdings vorderhand bezweifeln müssen, da v. Nichthofen in seinem Werke über China die heutige Versandung des nördlichen Theils der Bai ausdrücklich hervorhebt und bemerkt,ihre Tiefe war einst hinreichend, um den großen Dschunken des südlichen China Zugang zu gewähren", so würde die Festsetzung im Hafen von Ta-pu-tur und in der Nähe von Kjau-lshou dadurch wesentlich erleichtert.

Von besonderer Wichtigkeit sowohl für die Beherrschung der Einfahrt der Bai, wie deren Ankergründe ist die etwa 2 km lange und/* km breite Insel Tschi-po-san im west­lichen Theil der Einfahrt. Sie ist ihrer Lage und Be­schaffenheit nach sowohl zur Anlage der erforderlichen Be­festigungen, wie auch zu denjenigen Einrichtungen für das Geschwader und den maritimen Verkehr überhaupt geeignet, die man einer Bedrohnng vom Lande aus völlig entziehen will. Zwar läuft der westlich der Insel gelegene ca. 1 km breite Meeresarm zur Zeit der Ebbe trocken, jedoch ist er leicht durch Battericen von der Insel aus, sowie durch die Geschütze in seiner Nähe ankernder Schiffe nebst der ihm anliegenden Küste unter beherrschendes Feuer zu nehmen, und die 10 und 20 m Tiefenlinie berührt den Ostrand der Insel unmittelbar. Von der weiteren Entwickelung der Verhältnisse und sorgfältigsten Rckognoszirung der Oert- lichkeiten wird es abhängen, ob und welche maritimen Verkehrsanlagen beim Hafen von Kjan-tshou selbst oder auf der Insel Tsch-po-san getroffen werden, und ob man dazu den Hauptaccent auf jenen oder diese legt. Der erstere bietet namentlich bei gehöriger Baggerung seiner Einfahrt den Vortheil des nur riumaliaen Verladens der Kohlen-

(Rachdruck verboten.)

Zur militärischen Situation in der Kjan-tshoN'Zncht.

Von Oberstlieutenant a. D. Rogalla v. Bieberstein,

Mit der Besetzung Kjan-tshous durch 200 Marine- mannschaftcn und 2 Feldgeschütze, sowie der Bestimmung des Vicekotisul Stübel zum Organisator der Verwaltung i der 200,000 Einwohner zählenden Stadt ist ein wichtiger neuer Schritt zur Sicherung der Garanticen erfolgt, die für : die Durchführung unserer von der Regie-

Deutsches Deich.

* gof- nnd Versonal-Uachrichten. Das Requiem für die titiTlorbeite Fürstin Hohenlohe fand gestern Vormittag nm 11 11 br in der Hcdwigskirche in feierlicher Weife statt. Der Kaiser ließ sich dabei dnrch den Prinzen Friedrich Leopold vertrete», welchem sich seine Gemablin angeschloflen Patte. Sämmtlichc fremde Fürstlich­keiten waren offiziell vertreten. Von der Familie erfchienen nur der

ÄÄitttrtltmi* stir die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme spitter eingereichter Anzeigm zur nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Erbprinz und die Erbprinzessin. Das diplomatische Corp! soweit es in Berlin anwesend, vollzählig zur Stelle, ebenso bi____

treter der Reichsämter nnd zahlreiche Offiziere. Aus Münster i.W.

Der neue franzoWje Helm.

Bekanntlich hat man sich in Frankreich nachlangen Erwägungen zur Einführung des Helmes als Kopfbedeckung für die Infanterie entschlossen, eine Thalsache, die zu Gunsten der viclgeschmähten deutschen Kopfbedeckung spricht. Allerdings hat man sich jenseits der Vogesen nicht zu der einfachen, glatte» deutschen Form gewendet, sondern eine mehr verzierte, dnrch den oberen Beschlag an den ehe­maligen bayrischen Ranpenhelm tt.itW.Vibe gewählt.

In unserer bcistehenden Zectragenen V/.a wir nun unseren Lesern eine Zusammenstellung b bei den französischen

Armeen in Benutzung gewesenen Helme bezw. KaSkettS und Käppi«. Die beigkschriebencn Jahreszahlen erleichtern die Orientirnng, und zur Rechten im Bilde ist ein französtscher Infanterist in feldmarsch­mäßiger Ausrüstung, auf dem Kopfe den neuen Helm, der in der Form an alles Andere, als au unserePickelhaube" erinnert. Das Gegentheil wäre ja auch zu schrecklich gewesen.

27. Dezember, wird gemeldet: Gestern Abend brach der General­major z. D. I a g e m a n n, al« er sich in Begleitung eines Freundes aus dem Heimwege befand, infolge eines Schlaganfalls plötzlich tobt zusammen. In Brussel hält man die Meldung derTimes", wonach Prinz Rupprecht von Bayern um die Hand der Erzherzogin Elisabeth, der Tochter der Kronprinzessin Stephanie von Oesterreich, angehaltcn habe, für verfrüht.

* Die Besetzung vo» Kiau-Tscha«. Eine Wiener Times"-Meldung besagt, zwischen Berlin und Wien sei ein Meinungsaustausch über die Besetzung Kiau-Tschaur gepfiogen worden. Dem Vernehmen nach war das Ergebnitz, datz jede Sienderung der bisher von Oesterreich im fernen Osten verfolgten »nrückhaUentzen und beobachtend«! Politik unnöthig erachtet werde.

' schleuniguug der Entschließungen Chinas - ein Druck ausgeübt werden solle, so mußte man sich überdies gegenüber einer angeb- ' lichen starken Truppeiizusamnicnziehung Chinas auf der Halbinsel Shantung, un­geachtet der sattsam bekannten Gcriug- werthigkeit dieser Truppen, auf alle Fälle gefaßt und bereit machen.

Da heute jedoch die Stadt Kjan-tshou I fast widerstandslos von uns besetzt ist, China auch in die deutschen Vorschläge willigte und überdies unsere gelandete Mannschaft auch die dortigen Forts und Lager inne hat, von denen anzunehmen ist, daß sie die Stadt beherrschen, so kann - es sich nunmehr weder vor noch nach dem Eintreffen der Verstärkung noch darum handeln, wie eventuell jener Truppen- zusammenziehuttg gegenüber nur die ; wichtige, die Einfahrt zur Bai beherrschende Insel Tsi-po-san i für die Besetzlhaltung ins Auge zu fassen, sondern wir haben militärisch die Hand auf Stadt und Bucht gelegt und sind damit im Besitz dieses wichtigen Faustpfandes für die Durchführung unsererForderungen. Dasselbe bildet zugleich deuVereinigungs- punkt der Hauptstraßen und des Wasserweges des Hinter­landes der Bai und den gegebenen Ausgangspunkt einer Eisenbahn nach dem Innern Shantungs und ist daher für die künftige Erschließung der Kohlenfelder dieser Provinz von besonderer Bedeutung.

Was die militärische Situation bei Kjan-tshou im Be­sonderen betrifft, so hat sich das kleine Marine-Detachement mit Recht auf die Besetzung der Thore und Mauern der sehr bedeutenden Stadt beschränkt. Dieselben sind in China in der Regel mich zur Vertheidigung gegen das Innere ein­gerichtet und mit breiten oberen Wallgängen und doppeltem oberen Mauerring versehen. Voraussichtlich dürste sich dem Eintreffen der Verstärkung eine Besetzung der wichtigsten Gebäude der Stadt und der das Innere beherrschenden Punkte anschlicßeii. Von der speziellen Beschaffenheit der vor ihr gelegenen, von unseren Mannschaften besetzten Forts und Lager muß cs abhängen, inwieweit sie zur Beherrschung der Stadt mit beizutragen vermögen.

Wenn auch von etwa fanatiflrteu chinesischen Volkshaufen noch weniger wie von chinesischen Truppen für unsere Expeditionscorps zu besorgen ist, so muß die Occupation eines fremden, über 3000 Meilen entfernten Platzes doch mit allen den Vorsichtsmaßregeln erfolgen, welche die militärische Umsicht gebietet, und dies ganz besonders bann, wenn eine lange ober dauernde Besetzung an gestrebt wird. Für diesen Fall ist aber nicht nur mit der Sicherung der Hascil-Bai, sondern auch mit eventnellen Landungs- i Unternehmungen eines uns in Ostasien unter Umständen ersteheuderr Gegners zu rechnen, und müssen dagegen für Stadt und Bai Vorkehrungen getroffen werden. Es kann dies einerseits durch die beabsichtigte Anlage eines befestiglen Lagers oder entsprechende Ausgestaltung der vorhandenen Forts ober Anlage neuer bei der Stadt, sowie andererseits durch Errichtuna non, auch gegen die Laudseite aefchützten

«5. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 60 Pfg. mouailich, burch die Post 1 Mk. ab Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

und sonstigen Vorräthe und Fracht für Kriegs- und Handels­schiffe, die letztere den der völligsten Sicherung gegen jeden Angriff vom Lande her.

Die heutige nur vorläufige Phase der Besetzung muß sich naturgemäß wesentlich von der ihr voraussichtlich folgen­den dauernden sowohl nach Wahl der zu besetzenden Punkte, wie nach Art ihrer Besetzung unterscheiden. Will man da­bei die Stabt Kjan-tshou als politisches Faustpfanb bauernd beherrschen, so muß man mit bem bei ihr zu errichtenben be­festigten Lager auf Geschützbereich an biefelbe Herangehen, ohne aus naheliegenben Rücksichten auf eine ausgebehntere unmittel­bare Besetzung bes großen volkreichen Platzes bas Hauptgewicht zu legen. Für die spätere bauernde Sicherung der Einfahrt zur Bai, sowie des Ankergrundes deS Geschwaders und des anzulegenden Kohlen­depots ist die entsprechende Besetzung, Be­festigung und Vertheidigungs-Einrichtung der Insel Tschi-po-san, sowie der Bay Rock Insel, von Kap Evelyn und der Landzunge von Aumir-san durch Forts, Batterieen oder Panzerthürme erforderlich. Vermöge ihrer würde, ergänzt burch eine Torpedosperre, sowohl die Einfahrt zur Bucht, wie der von den umgebenden Bergen geschützte Theil der inneren Bai völlig gesichert werden können. Was die Lebensmittel- und Kohlevzusuhr für das Expebitionscorps betrifft, so ist sie vor der Hand von Tschisu, Tschaiighai oder Nagasaki jederzeit gesichert, da die Ein­fahrt und das Innere der Bai nie zufrieren, während das Zufrieren des nördlichen Theiles der Bucht die Kommunikation mit der Stadt Kjan-tshou zu erschweren vermag. Ueberdks liegen zahlreiche Dörfer an der Küste der Bai, sodaß es dem Geschwader, falls man sich nicht auf die mitgeführten Proviantvorräthe beschränken will, an frischem Fleisch und Gemüse nicht fehlen kann. Die Lage des Expeditions- corps erscheint baher in jeder Hinsicht als eine völlig gesicherte. Die politische Situation läßt überdies von keiner Seite einen Einspruch besorgen.

Bis jetzt läßt sich daher die Besetzung der Bai in jeder militärischen und poli­tischen Hinsichl günstig an; allein es ist nicht zu verkennen, daß sie, namentlich wenn die Bai nicht nur zur Kohlenstation und einem gesicherten Ankerplatz, sondern zu einer Flottenstation mit allen dazu erforderlichen maritimen Etablissements und Befestigungen ausgestaltet werden

soll, nicht nnbeträchtliche Mittelaufweudungen erfordern wird, die sich jedoch mit der Zeit voraussichtlich reich bezahlt machen würden.

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