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Verlag: Langgasse 27.

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189Z

Mittwoch, den 22. Dezember.

D-. 595.

LczlrkS-Fernsprecher No. 62.

vczirkS-Fcrnfprecher No. 52.

daß die Gesellschaft ihre Besitz- u von 140,000 Thalern (420,000

stift«

sie begehen, selbst nicht zu dicke kein Glied rühren

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Morgen »Ausgabe.

eiuführte.

Als die Zeit der Konzession für die GaSbelciichliingSgescllschast o.blief, oder vielmehr schon eine Ncihe von Jahren vorher, begann die Stadtverwaltung den Plan der Uebernahme des Gaswerks zu erwägen. Nach langen Unterhandlungen kam am 30. Mai 1870 zwischen der Stadt Wiesbaden und dem Übertreter des Verwallungs- raths, Negiernngsrath v. Neichenan, ein Vertrag dahin zu Stande, daß die Gesellschaft ihre Besitz- und anderen Rechte für eine Summe

von 140,000 Thalern (420,000 Mk.) an die Stadt abtrat. Bon dieser Summe waren 50,000 Thaler für die Ueberlassung der Jminobilien berechnet; die Nöhrenleitungcn, Kandelaber und Laternen, Gasmesser, Fabrik-, Geschäft«- und andere Utensilien, einschließlich JnstallalionStverlzenge, 2C wurden ebenfalls auf 50.000 Thaler taxirt; der Verzicht auf andere Rechte wurde mit 40,000 Thalern abgekauft. Der Gesellschaft blieb der Forlbctrieb des Werkes bis pim 1. April 1873 unter gewissen Bedingungen gestattet. Gleich­zeitig trat die Stadt in die Verträge ein, die die Gesellschaft mit der Rhein- (Staats-) und der Taniuisbahnverwaltnng abgeschlossen hatte; antzcrdein wurden die Beamten des Werkes von ihr iwer-

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ielbt't- tschäf- haare abrik- kunst- öaare. 14700

nommen.

Zum festgesetzten Zeilpuirkte trat die Stadtgemeindc ihre Rechte an; zum Direktor des Gaswerks wurde der Regierungsbanmeister Winter (unser heutiger Stadtbaudirck'or) ernannt, der sich um den günstigen Abschluß des UebergangsgeschäslrS besonders verdient ge­macht hatte. Die Gassabrik halte sich damals bereits auf 19Oesen mit 108 Retorten entwickelt. Schwegler blieb Verwalter bis zu seinem Tode, der 1887 erfolgte, sodaß der rührige und tüchtige Mann gerade vierzig Jahre seinem.Amte vorgestandeii ha». Die Anlage wurde bereits 1877 vergrößert durch Ankans benachbarter Grundstücke; 1883 wurde eine neue Werkstatt im Hofe dcS alten RathhauseS an der Ellenbogengassc erbaut.

Die Räume, welche die Gaswerkverwaltung, die mit derjenigen des Wasserwerks verbunden worden war, im alten Rathhause (DeNischen Gebäude) innchalte, erwiesen sich bald als nnznreichcnd. Als daher das neue Rathhaus erbaut worden war, wurde 1888 das alte Rathhaus beiden Verwaltungen überlassen. Ein Jahr später, 1889, trat, insolge Ernennung des Direktors zum obersten Leiter des Bauwesens der Stadt, der bisherige Betriebs-Ingenieur Muchall an dessen Stelle. Unterdeß war auch das dringende Vedürfniß der Anlage einer zweiten Fabrik hervorgetretcn, deren Bau 1891 begonnen und seitdem weiter ausgestaltet wurde. So entwickelte sich das Gas­werk mehr und mehr, trotz der nahen und drohenden Konkurrenz der elektrischen Beleuchtung. Ju 1892 wurde noch einmal eine all­gemeine Verbcsseiung bewirkt durch Einführung der Aucrschcn Brenner (GaSglühlicht), die größere Lenchlkrast bei geringerem Gasverbrauch erzielen.

lieber das 24. Geschäftsjahr, 1896'97, kann die Direktion be­richte», daß die GaSabgabe iii dieser Zeit 4,290,970 cbm betrug, 4781 Gasmesser aufgestellt waren und 1820 Laternen snugirten (davon 1681 Gasglühlichtbrenner). Die Summe der bis 1897 auf» gewendeten Ausgaben für das Gaswerk(Grundstücke, Fabriken, Rohr­netz, Privatleilungen, Beleuchtungseinrichtiingen, Weikstätteu und Gasmesser) betrug 2,487,158 Mk. Davon waren abgcschrieben 1.308,264 Mk., sodaß als Luchwerth 1,173,894 Mk. verblieben. Die Verwaltung bat im letztgenannten Jahre mit einem Rettoüberschnß von 247,236 Mk. (gegen 196,709 Mk. in 1895,96 lind 168,987 Mk. in 1894,95) abgeschlossen.

Wenn mm am 22. Dezember 1897 sünszigJahre vcrstosie» sind, daß die Gasvelenchtnug in Wiesbaden eingesührt wurde, bezw. die Privatgesellschaft ►aß städtische BeleuchtungSpersonal zc. in ihren Dienst nahm, .. ,<n ferner am 1. April 1898 es fünfundzwanzig Jahre her fein werden, daß die Stadtgemeindc da« Gaswerk üder- nahm, dann, denke ich, können diese Hnlbsäkular- und Vierttlsäkular- feiern mit Genugthuung begangen werden. Eigenthümlich tritt gerade mit dem Zcitpnnktc dieser Jubiläen die elektrische Beleuchtung au di- Stelle der Gasbeleuchtung. Was man vor einem halben Jahrhundert für neu und vorzüglich erklärt hatte, ist heute alt und übertroffen. Vor den blendenden Strahlen der Bogenlampen ver­blaßt die Garflainnie, wie feiner Zeit vor ihr das trübe Oellämpcheu verblaßte. Noch eine kurze Zeit werden Gasflamme und Glnhdraht mitciuauder in Konkurrenz ringen, aber des Kampfes Ausgang wird nicht fraglich fein. Allzeit und auf allen Lcbcnsgebieten, materiellen wie ideellen, hat das stärkere Licht das schwächere überleuchtct.

Aber wenn dereinst das Wiesbadener Gaswerk aus, wie es heißen wird. Gründen zn geringer Belhciligung die Hähne feiner Kessel und Retorten schließen wird, dann kann es das gewiß in dem Bewußtsein thun, seiner Bestimmung treulichst gerecht geworden zu sein. ______________________ ______

45. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezngs-PreiS: durch den Verlag 50 Psg. monatlich, durch die Post 1 Mk. ®ö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

§?ür öcrs 1. Hucrvtak 1898 auf das Wiesbadener Tagblatt" jtt abonniren, findet sich Gelegenheit im Verlag kanggaffe 27, bei den Ausgabestelle», den Zwcig-Lxxedilionen in den Nachbar­orten und fSmintlichen deutschen Reichspostanstalten.

der Wiffcnschast, die blind genug sind, um da« Verbrechen, welches tu erkennen, fesseln lebende Thiere, sodaß __________ ________...... Hünen, und gehen ihnen dann mit Messer und Säge, mit scharfen Chemikalien und Giften zu Leibe. Der Leib wird ihnen anfgefchnitten, Magen, Lunge und Herz werden bloßgelegt, selbst das Gehirn wird nicht verschont, es wird durch Ab­sagen der Gehirnschale sreigelegt und ganz ober thcilweise herauS- gcnommen, in das Blut werden ihnen allerhand Gifte eiugefiößt, künstlich weiden sie krank gemacht. Das arme Kaninchen, das possirliche Meerschweinchen und namentlich der treue Freund des Menschen, der Hund, dienen alsMaterial". Und wozu? Weil diese Männer die Natur in aller ihrer Einfach- heit nicht zu erfaffen vermögen, glauben sie, damit hinter dal Gehennniß von Tod und Leben zu kommen. Die Thiere sollen und müssen angeblich aus so grausame Weise gequält werden, damit der Menschheit Qualen erspart werden. Welch' fühlender Mensch aber wollte die Qualen, die ihm auferlegt werden und die er sich doch nur durch unrichtige Lebensweise, also durch eigene Schuld zugezogen hat einem anderen Menschen auferlegen? Verdient aber das wehrlose unschuldige Thier nicht die gleiche Rücksicht? ganz ab­gesehen davon, daß es durchaus nicht erwiesen ist (viele hochgelehrte Mediziner Haden es bestritten und andere bestreiten «S heute noch), daß man von dem Organismus des Thieres ohne Weiteres auf denjenigen des Menschen znrückfchließen darf! Alles macht aber auf jene fanatischen Männer der Wiffenschaft keinen Eindruck; seit Jahrzehnte» üben sie ihr blutiges Gewerbe aus.

regelt, daß die Gesellschaft oder auch die Anwohner die Anlage der Röhren und die Aufstellung der Laternen besorgten, während die Gemeinde die Beleuchtnngrkosteii trug. So wurden Laternen auf- gestellt: 1852 im Nerothal, 1853 am unteren Bürstadter Weg, 1857 an der Bierstadter Ehaussee, 1858 am Faulwcidenbornweg (heutige Vleichstraße), 1859 an der verlängerten Kirchgasse (heutige Moritzstraße), 1860 am Mühlweg (int Salzbachlhal) und an der Parkstraße, 1862 an der neuen Adolf- und Ädelbeidstraße, 1863 an der Bierstadter Straße bis zum Felfevkeller, 1865 an der ver­längerten Sonuenberger Straße, 1868 auf dem CansteinSberg, au der Garteiistraße, am Grünweg und Hainerweg, 1869 au der Pläster­st raße bis zum Friedhof, 1870 an der Blnineustraße, der oberen Geisdergstraße und auf dem Leberberg, 2c.

Die Art und Weife der Beleuchtung war aber in den ersten zehn Jahren nicht einwandfrei. Ein ganzer Fascikel mit Klagen ist darüber im Stadtarchiv vorhanden. Allerdings war die Gejeilschaft nicht immer schuld daran, und sic hat sich Mühe gegeben, ihren Pflichten nachrnkommen. Ersichtlich ist dies nach dem Jahre 1858 der Fall gewesen. Denn mit diesem Jahre hören die Klagen über imregel- mäßigeS, trübes oder gar Nicht-Brennen der 2alernen auf.

Gleichzeitig mit der Konzession zur öffentlichen Beleuchtung wurde auch die zur Einrichtung von Privatbelenchtungeu ertheilt. Die Be­wohner machten zahlreich von dem neuen Beleuchtungsanttel Gebrauch, aber auch hier liefen mancherlei Klagen über llnrichtiggehen der Gas­uhren ein, bis 1860 ein Apparat znm Aicheu der letzteren eingesührt wurde. Bemerkt sei, daß die KurhanS-Aktien-Gesellschast die GaS- beleiichtmig baldigst für bett fitfammten Umfang des Etablissements

Truppen sammelten sich auf der Schiersteinerstraße, marfchirten über be i Kaiser Friedrich-Ring still vor das Trauerhaus Nheinstraße 88 und nahmen vor demselben auf dem Reitweg Aufstellung, zuerst bie beiden Bataillone Infanterie mit den enthüllten Fahnen, daneben die Artillerie. Die Truppen hatten die Mäntel angezogen und, Wik zur Parade üblich, die Hosen in den Stieseln, und die Infanterie mit Gepäck. Im Trauerhause hatte sich mit den nächsten An­gehörigen eine große Zahl Leidtragender, darunter viele der hier lebenden inaktiven Generale, eingeftniden. An dem aufgebahrten, mit reichen Blumenspenden, darunter eine solche I. Köuigk. Hoheit der Frau Prinzeffin Luise, über und über bedeckten Sarge hielt Herr Divisionspfarrer Runge die Trauer­rede, bie, von den BibelwoilenSvr. 4, Vers 18" undSpr. 14, Vers 32 b* ausgehend, ein Bild von dem Leben und Wirken des Heimgegangenen gab und herzliche Trostesworie an dieFamilie enthielt. Wie sehr sich der Heimgegangene der Anerkennung seiner Könige und Kaiser zu eifteuen gehabt hatte, das fei, so betonte Redner, zuletzt auch daraus hervorgegangen, daß Seine Majestät Kaiser Wilhelm II. beu Hinterbliebenen ein herzliches Beileids­telegramm gesanbt tmb sich darin als derdankbare Schuler des edlen Mannes bezeichnet habe, dessen Andenken er nie vergessen werde".bDas Bergsche Quartett (Mitglieder des Herren­chors des Kgl. Theaters), das die Trauerseier mit dem Choral Befiehl Du Deine Wege" eröffnet hatte, schloß dieselbe mit dem ChoralWas Gott thnt, das ist wohlgethau". Der Sarg, mit dem Generalsbelin und dein Säbel des Verstorbenen, sowie mit Blumen geschmückt, wurde von acht llnierosfizieren »ach dem Leichenwagen getragen. AIS er vor dem Hause sichtbar wurde, nahmen die Truppen Gewehr über und präsentirte», di« Trommler schlugen dazu den gewöhnlichen Präsentirumrsch, jedoch mit gedämpften Trommeln und ohne Pfeifen, und die Musik bei Regiments v. Gersdorff, sowie das Trompetercorps der Artillerie bliesen Choräle. Der imposante Kondukt, der auf den Straßen, die er passirte (Rhein-, Schwalbacher- und Platterstraße), große Mengen Publikum angelcckt hatte, ordnete sich dann wie folgt: Der Wogen mit dem Geistlichen fuhr voraus, ihm folgten mit der Regimentsinnfik und den Spiellenten au der Spitze zunächst das 1. Bataillon, bann mit feinen Spielleuten das 2. Bataillon und an dieses reihte sich bie Artillerie mit ihrer Musik an. Vor dem Leichenwagen schritten vier Offiziere, bie abwechselnd auf zwei Sammetkissen bie zahlreichen Orden des Ver­storbenen Generals trugen. Der Leiche zunächst folgten bie beiden Söhne, sowie sonstige nahe Verwandte und das übrige Trauer- gefolge, darunter als Deputation des Kadettencorps der Kommaubeur des KadetlenhauseS zn Orauienstein und zwei Offiziere von da, ferner eine Deputation desNassauischen Kiieger- VerbandeS" mit dessen Ehrenvorsitzendem Sr. Excellenz Herrn Vice-Admiral Meusing und Vorsitzendem Herrn Premier- Lieutenant d. L.-A. Rechtsanwalt DojanowSki an der Spitze. Auf dem Wege nach dein neuen Friedhof schlugen die Trommler den Todtenmaisch und die MnsikcorpS spielten Choräle. Vor beut Friedhof uahiuen die Truppen aus der Platterstraße wieder Parade- aufftcUinig und prüfen litten, während bie Leiche vorüberfuhr. Als der Leichenwagen in den Friedhof eingesahren war, nahmen die Truppen außerhalb desselben, bie Infanterie auf der Straße nach derLeichtwcishöhle", die Artillerie auf der Platter- Chanssce, Ausstellung und gaben, nachdem der Geistliche die Leiche eingeseguct hatte, drei Salven ab, wobei auf die Geschütze je drei Schöffe kamen. Ein Choral, von bet Musik des Regiments v. Gersdorf am Grabe gespielt, be­schloß die Trauerseier, in deren Verlaus Herr Admiral Mensing Namens desNass. Krieger-VerbandeS" einen Kranz mit Schleifen in den deutschen Farben am Grabe niedergelegt hatte. Die Truppen marfchirten mit klingendem Spiel in bie Kasernen zurück.

d. Kirchliche». Die größere Vertretung der evangelischen Gesammt-Kirchengeineinbe war gestern Nachmittag, 4 Uhr, im Wahl­saal des Nathhauses zn einer Sitzung zufammetigetreten. Anwesend waren 75 Mitglieder. Auf der Tagesordnung stand die Genehmigung zweier Kausverträge. Es handelt sich dabei um den Verkauf eine« 6 ar 22 qm großen Bauplatzes neben dem Pfarrhaufe der Riugkirche an die Herren Architekt Philipp Mäurer und Maurermeister Nofsel und eines 22 qm großen Bauplatze» ebendort an beu Photographen Herrn Hugo Schröder. Für beide Bauplätze ist der Preis auf 5600 Mk. pro ar festgesetzt. Tie Verträge werden, so wie sie zur Verlesung gelangen, genehmigt; nur wird bei dem ersten Vertrag noch der Zusatz gemacht, daß bie Ein­friedigung gegen bas Pfarrhaus zu, sowohl vor al» hinter dem Pfarr­haus, auf gemeinschaftlichem Boden und zu ßemciufdjaftlidjeu Kosten errichtet und daß bie Verpflichtung des Käufers, mindesten» drei Meter mit der Einrichtung von Fenstern in etwa auf dem erworbenen Grundstücke zu errichtenden Gebäuden von dem künftigen neuen Pfarrhaufe entfernt zu bleiben, durch Servitut in das Steckbuch eingetragen wirb.

Elektrische Sahir. Wegen Geleirumbaus in der Walk- mühlstraße wird der Betrieb der elektrischen Straßenbahn vom 22. bis incl. 24. b. M. von der Lahnstraße bis Walkmühle eingestellt.

Zur Sesettigmig der Vivisektion. Wir werden nm Aufnahme des folgeubeu Aufrufs gebeten:Seit Jahrzehnten wird mit bet Thierwelt ein unerhörter Mißbrauch getrieben. Männer

(Nachdruck verboten.)

Das Wiesbadener Gaswerk.*)

Ein Jubiläumsblatt zum 22. Dezember.

Von Dr. C. Spielman».

AI» unsere Voreltern noch Menuett tanzten, Wursttrawatteu irugen und halbhock) gingen, dort nämlich bie Herren unb hier bie Frauen, ba war'» bekanntlich auch in auberen Dingen ganz ander» wie heut'. So auch, was die Beleuchtung angeht, die Straßen- beleuchlung vornehmlich. Noch bie Großväter liniere» heute er­wachsenen Geschlechte», b. h. der vor mehr al» breißig Jahren Gc- tzorenen, hingen AdenbS ihr Oellateruchen vor» Fenster, bas, wenn ihm der Wind Ruhe ließ und der Docht keinen Streid) spielte, die Umgebung in einer Weise erleuchtete, daß man eine Katze von einem Slrohhute einigermaßen unterscheiden konnte. Anfangs der zwanziger Fahre kam dann die Straßenbeleuchtung von Stadt wegen auf, wobei die Laternen an quer über bie Straßen gespannten Ketten, in der Mitte, hingen unb von den Laternenanzündern beim An flammen rrrrrrt! auf die Seite und rrrrrrtl wieder in die Mitte gezogen wurden. Dieses Rrrrrrt! klingt noch manchem unserer Väter in den Ohren.

Auch die gute Stadt Wiesbaden halte diese Straßeubelenchtung bis vor nun fünfzig Jahren. Anno 1834 schrieb der Gemeinderath 18 Ohm Brennöl (seines! Riiböl) zur Speisung der Laternen auf Submission au», da» dann die drei Kaufleute Ruß, Schirmer unb Schmoelder zu gleichen Theilen für 1470 Gulden (2450 Mk. man muß es umrechnen, denn die jüngere Generation kennt die Gnlden- unb Kreuzerwährnng kaum vom Hörensagen) lieferten. Dieses Brcuuöl würbe in einem besonderen Magazin, da» der Polizeisergeant (nachher Wachtnieister) Höhn verwaltete, sorglich ver­wahrt. Ein Jahrzehnt später war bie Geschichte bedeutend tbenrer; denn anno 1844 lieferte für 205 Laternen (eine ganz anständige Zahl in einer Stadt von 13,000 Einwohnern) der Mühlenbesitzer Voltz von der Steinmühle 48 Ohm Oel, Sie Ohm zn 60 Gulden. Die' Laternenanzünder (Griffel, Hahn, Hofsiuger, Kühn, Todt, Volckmar, Weil) scheinen bie damalige» thenren Zeiten and) em» pfunbcii zu haben, unb der Gemeinderath ernannte die Berechtigung ihrer Wünsche auf Unterstützung an, indem er ihnen,obwohl sie tu gewöhnlichen Jahren hinlänglich belohnt wären", eiue TheuerungS- Gralifikation von je zehn Gulden und neue baumwollene Kittel bewährte.

Allein dicOelbeleuchtung kam immer tbenrer und genügte trotz­dem den Ansprüchen der Zeit nicht mehr. Da wagte man beim den kühnen Schritt; man beschloß, gleich den größeren Städten, die Gas­beleuchtung einzusiihren. Die städtischen Mittel waren damals fdnoad); auf eigene Rechnung konnte man das Risiko nicht über­nehmen. Untcrm 26. Februar 1847 wurde daher mit einer Stutt­garter Privatgesellschaft, bestehend ans den Herren S. Benedikt, H. Flad; unb G. Dollsu», ein Vertrag abgeschloffen, der am 4. Januar 1850 erneuert wurde. Danach übernahm bie Gesellschaft bie Beleuchtung der Straßen unb öffentlichen Plätze WieSbaben», die Errichtung, Unterhaltung und Erweiterung der Gebäude, Apparate, Röhrenleitnngen, Gasmeffer, Laternen 2c., ferner den Be­trieb auf 25 Jahre, mit einem Kapitalfonds von 160,000 Gulden (272,0002)1 f.), auf 800 9t ft i en zu gleichen Theilen vertheilt, ausschließlich des WertheS des Jmmobilien-Eigenthnms, des Materials und der Vor- räthe. Ein VerwaltungSrath von 5 Mitgliedern wurde ernannt, der den Direktor des Unternehmen» wählte. Als solcher fungirte erst H. Flach, bann 81. Flach. Zum Verwalter wurde ff. Schwegler ernannt. Die Unternehmer verpflichteten sich, anständige Gebäude auszusühren, gute Eisenröhren zur Leitung, gußeiserne Kandelaber, bezw. in engen Straßen Laternenarme zu verweuben und für alle 280 Laternen Flebermansbrenner einzuführe», bie in ber Stunbc fünf Knbiksnß Gas konsnmirten unb eine Lichtstärke von sieben Wachrkerzen zu je einem Viertelpfund Gewicht hatten. Für jede während der Brennzeit eine Stunde hindurch nicht brennende Laterne waren zwölf Kreuzer, für längere Zeit ber Nichtfunktion war da» Doppelte als Konventionalstrafe zu zahlen. Als Gas- kommifsioit ernannte bie Stadt Kreisbanmeister Hoffmann, Direktor Thomä unb Professor Caffelmann; an Stelle der beiden ersteren traten nachher die Professoren Fresenius und Greiß.

Am 22. Dezember 1847 trat bie Gesellschaft in Thätigkeit, itttb um diese Zeit waren nicht nur, wie kontraktlich vereinbart, die Marktstraße (incl. Bahuhosstraße) von der Rheiiistraße bis zur Lang­gasse, diese Straße bis zur TaunnSstraße und alle Straßen unb Plätze östlich davon in Anschluß an bie Centrale im Distrikt Kohl­korb (heutige schwarze Ecke an der Nicolasstraße, damals weit außer­halb) gebracht, sondern e» war bi» zu Anfang von 1848 schon da» E ganze Weichbild mit Gasbeleuchtung versehen. Der BeleuchtnugS» ulender, geführt von Bauauffehcr Martin, beginnt mit dem M 1. Januar 1848.

Es brannten 300 Laternen, davon waren (im Januar von k 1848) 250 sechs Stunden (5 bi» 11 Uhr) unb 50 bie ganze Nacht E Jinburcb, ohne Rücksicht auf Mondbeleuchtung, in Thätigkeit. Die E- Zahl ber Brennstunben aller Laternen zusammen bewegte sich zwischen - 2150 unb 1950, betrug also (im Januar) durchschnittlid) 2000 pro I Abend unb Nacht. Bereits 1850 war jeboch schon eine Aenderuug ««getreten. Von ben 300 Laternen brannten jetzt 22 Tage hindurch I (im Januar) alle, bie übrigen Tage dagegen nur 80, bezw. bei Voll- ff woiid Abend»; Nacht» brannten 17 Tage hindurch 80, die übrigen £ 14 Tage 9 Laternen mit durchschnittlich 1500 Brennstunden pro l Abend und Nacht. In den folgenden Jahren gestaltete sich nach i Ausweis der Beleuchtungskalenber die Sache noch weniger günstig; i bei Vollmond wurde, gleichviel ob er schien oder nicht, fast gar nicht Mbeleuchtet.

M Doch fing man unterdeß allmählich an, auch bie au» dem Weich- k bilde führenbett Straßen mit Gasbeleuchtung zu versehen, stet» auf UIrsuchen ber betreffenden Anwohner. Die Sache wurde derart ge- I > *) Nach den Alten im Stadtarchiv.

Slnzelgcn-PrelSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Psg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Pfg.

für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittag», für bie Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur Anzergen-^nnmjme nächsterscheiuendeu Ausgabe wird keine Gewähr übcrirommen, jedoch nad; Möglichkeit Sorge getragen.

Aus Stadl und Land.

Wiesbaden, 22. Dezember.

-o- Ale Lelchenpara-e zu Ehren de» verstorbenen Generals der Infanterie z. D. ä la suite des Kadettencorps Julius v. Ballet des Barre« wurde von ber hiesigen Garnison, bem 1. unb 2. Bataillon des Füsilier-Regiments v. Gersdorff (Heff.) Nr. 80 und der 2. Abtheilung de» Nasi. Felbartillerie-Regimeuts Nr.27, gebildet und von bem Kommanbenr beS Regiments v.Gersborff, Herrn Obersten Lölhöffel v. Löweujpruiig,kommandirt. ®ie beteiligten