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ViksbckkM Sagblatt

4». Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

Q5,<MM> Adonnentrn.

Erscheint in zwei Ausgabe». Bczngs-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «o Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Anzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für totale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 7b Pfg.

lür die Abend - Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingerei'chtci Anzeigen zur uachsterschcinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, ledoch nach Möglichkeit Sorge getragen._______________ I * 3 4 * * * u 8

US. 581. Bezirks-Fernsprecher Ao. 62. Drkttstttg, bfl» 14. DeZkMÜer. BezirkS-Ferusprecher No. 52 1897.

Rflorgen-Ausflabe.

Die Gewinnung des Goldes.

Herr Dr. G rnnhiit, Docentam Freseuiusschen Laboratorium, hielt am Samstag iniVerein fürNaturkunde" eiiicu Vortrag über: Die Gewinnung des Goldes". Redner gab zunächst einen geschicht­lichen Ucberblick der Erschliehung der eiuzeliieii Goldfelder und wies nach, wie die Geschichte des Goldes in enger Beziehung zur Ge­schichte der geographischen Entdeckungen steht. Jedenfalls kannten schon die prähistorischen Menschen das Gold. Zn Begin» der historischen Zeit wurde es immer verbreiteter; schon Plinius schildert die Goldgewinnung in Spanien. In der ersten Zeit der Goldgeminnnng diente es wohl mir als Schmuckgegensland, rombt aber bald zum Tauschobjekt, zu in Werthniksscr, zur Müiize. Seil dieser Zeit suchte man es denn auch aus iiiiedleu Metallen herzu stellen, mib obwohl dies niemals gelingen konnte, io war dieser Forschung doch be­kanntlich die allmähliche Entwicklung der ersten Anfänge derCheniie zu.verdanken. Früher war die Goldgewinnung ans bergmännischem Wege ein reiner sogenaiiiilerRaubbau" und gestaltete sich erst in den legten Jahrzebuten zn eiiirm regelrechten, mit moderne» Hnlssiliitteln ansgestatlkten technischen Betrieb um. Rediier schilderte nun zuiiächst eine der ersten unter den bedeutende» Goldlagei statten in Nordamerika, in der Sierra Nevada, wo­selbst an einer kleinen Parallclkilte am Ostabhange der Victoria- kctle, sich 1848 Mormonen ansiedelten und nebst anderen Ansiedler» dedeulende Goldfelder entdeckte». Es wurde» Mutungen daselbst genommen, die später die günstigsten Resultate ergaben iiud z. B.. von 1860 bis 1892 an 600 Millionen Mark Gold lind 900 Millionen Mark Silber lieferten, sodaß in dieser Zeit an 500 Millionen Mark Dividenden zur Vertheilung kamen. Ziierst war dort ein Abenteurer Namens Co ui stock thätig, und nach ihm wird diese Erzlagerstätte Comstockgaiia genannt. Er gab die Thätigkeit dort bald wieder auf, ohne daher hervorragenden Nutze» gesunden hätte, und erst itach Jeinem Fortgang wurde geregelter bergmänitischcr Betrieb eingerichtet, iedner schilderte nun eingehender diesen Erzgang, der als Anssiilliiiig einer in geologischer Vorzeit aufgeiisseiien Spalte in einer Mächtigkeit von 20200 m an der Grenze zweier Eriiptivgesteine (Diorit und Diabas) sich hittzieht. Die Ausfüllung dieser Spalte bestand ans eigenartigem Quarz, fogenanntem Zuckerquarz, welcher Erze enthielt, und zwar gediegenes Gold, Silber unb Silberglanz. Die ersten Goldsucher gewannen nun das Gold, indem sie es auswiischen. Diese Goldtväscherei ist eine praktische Anwenbung des Prinzips, dah sich im Wasser die schwersten Körper zuerst abietzen. Goldköruer sind schwerer wie Ouarzsand, und letzterer konnte den'znsolge durch Abschlämmen entfernt werden. Al« 3iiftrnment benutzte ir dazu eine Pfanne, in welche der goldführende Saud mit Wasser gebracht wurde, worauf dann durch Schütteln die Trennnug erfolgte. Ein anderes Justrument war die sogeuainite Wiege, die aus ähnlichem Prinzip beruhte. Alle diese Verfahre» waren aber mit großen Verlusten an Gold verbunden, und es konnten nur etwa 50 pCt. gewonnen werden. Außerdem ging auch viel Silber, welches dort mit Gold zusammen vorkommt, verloren. Deshalb schritt man zur Vervollkommnung der Methoden. So wurde vor Allem jetzt auch der Abbau grüiidlicher dltrch regelrechten Bergbau betrieben. Naiuent- lich wurde aber das Verfahren der Goldgewinming ein gänzlich anderes. Gold und Silber wurden jetzt mit hinzngesngtem Quecksilber zu einemAinalgan" vereinigt. Zunächst toinbeii zu diesem Zweck die Erze mit Kochsalz zusammen geröstet. Hierbei spielten sich chemische Vorgänge ab, die alles Gold und Silber inGoldchlorit" undSilberchlorit" überführten. Die >o behandelten Erze wurden bann in rolirenbe Fässer gebracht und bann unter Zusatz von Wasser, Eisenkngeln und Quecksilber innal- |nmirt. Ans dem fertigen Amalgam, das von dem begleitenden iremben Material mit Leichtigkeit sich trennen läßt, wird da« Oncck- silber durch Glühen sortgetrieben, sodaß Gold und Silber znrück- bleiben. Redner schilderte dann diePfaiineu-Auialgalion", welche heute noch im Staate Nevada fast überall in Gebrauch ist und wobei die Erze ohne vorhergehende Röstung mit fein zertheilteni Eisen, Kochsalz und Quecksilber in der Wärme in Verbindung gebracht werden und dadurch wieder ein Amalgam erzeugt wird. Es setzt dies Verfahren voraus, daß die Erze erst inPochwerken" fein jerkleinert werden. (Ein sogenanntes kalifornisches Pochwerk dieser Art beschrieb Redner eingehender.) Die auf diese Weise gewonnene Masse wird mit Wasser angerübrt unb da? halb- flüssige Amalgam setzt sich bann zu Boden. Durch Zuführung von Wasser wirb dann der Quarz als leichterer Lestaudtheil ab-

geschwenimt unb das Amalgam in der bereits geschilderten Weise meiter behandelt. Die erhaltene Mischung von Gold und Silber kommt direkt in den Handel. Im Durchschnitt beträgt ihr Gold­gehalt, in Werihproceuten gemessen, 40 pCt. Heute ober ist die Edelmetallgewiilnung am Couistock-Gange nahezu vorüber, so fuhr Redner fort, denn die geschilderte» Goldstriche der Sierra Nevada sind jetzt ansgkbeiitet und bis zu 1000 Meter Tiefe völlig abgebaut. Trotzdem ist der Staat Nevada noch immer ein sehr wichtiger Gold- lieseraut,weil in beimdiborlen Distrikten neue Goldfelder entdeckt wurde». Aber aitch auf der Westseite des Gebirges, in Kalifornien, wurden sehr bedeutende Goldlager gesunde». Nedtter schilderte zunächst Lage und Bildung der einzelnen Gebirgrglieder itttd betonte, daß zwischen Sierra Nevada unb der parallel gerichteten ftüfteutCite ein großes Längsthai sich hittzieht, in dem die Flusse Sacrautento unb Rio Sa» Joaqnin herablotume». Scho» m aller Zeit sei burch diese Flüsse unb ihre Nebenflüsse viel GesteinStttaterial art« dem Gebirge herobgetragen tiud im Mittellauf al« Gerolle augeschwemmt worden. Diese Flüsse hätten soans uatürliche Weise unb im großartigste» Maß­stab das besorgt, was der Goldwäscher im Kleinen in seiner Pfanne aii«- zusübreii pflege. Diese Arbeit der Flüsse der letztvergangeneu geologischen Perioden setze nuti der ealisoruische Goldsucher einfach fort. Er treibe in da« Onarzgerölle seitwärts einen schrägen Tunnel ein unb wache von oben ein Bohrloch. Durch letzteres leitet er von oben einen starken Wasserstrahl ein. Dieser schwemmt bas ganze Gerölle herunter, führt es als einen Schlammstrom auf der Sohle de« Tunnel« mit sich fort, fließt daun durch Rinnen und setzt in diesen schließlich da« Gold ab. Die Goldgewinnting in Kalifornien geschieht also gänzlich auf hydrattlischeui Wege mib zwar auf gleiche Weise, wie sie nach den Schilderungen von Plinius schon von den alten Nötuern in Spanien ausgesührt iotirbe. Wegen des großen Wasserbedarss hänge auch die Goldgewinnung in Kalifornien gerabejit von ber Witterung ab, wie ein bekanntes Sprich­wort dorten sagt. Diese bedeutenden Goldfelder wurden 1848 entdeckt, und zugleich wurden damals and) die ausgiebigen Goldfelder in Australien gefunden. Redner schilderte bann ent­gehend die Ausbeute von alter Zeit an bis zum Iahte 1896, woran« hervorging, daß von 1492 bis 1850 jährlich durchschnittlich für 30 Millionen Mark Gold gewonnen mürbe, baß sich bann eben infolge jener Entdeckungen die Ausbeute mit einem Schwung auf mehr als 500 Millionen steigerte. Von 1855 bis 1880 erfolgte ein deutlicher Rückgang, nach ihm, aber namentlich von 1888 bis 1896, wieder ein bcbcuimber Aufschwung, sodaß z. B. 1896 für 874 Millionen Mark Gold gewannen wurde. Hietzii trägt Afrika in wesentlichem Maße bei, da« feit 1888 in die Reihe ber gold- reich e ir Erbtheile eintrat. Dort wurden in Transvaal, in ber Nähe der Stabt Johannesburg, am WitwaterSraubgebirge, Gold­felder entdeckt, die jetzt eine jährliche Ausbeute von 160 Millionen Mark an Gold liefern. Auch hierbei schilderte Ncdtter die Lage, die Schichtenbilduug, die Zusamtneufetzuitg ber Gesteiti«- bilbungen mib bie Methode zur Goldgewinnung in eingehender Weise. Es säuden sich dorten in 1000 Kilogramm der bergmäunifdj geförderten Erze etwa 25 Gramm Gold. Von diesem Goldgehalt würden zunächst 55 bis 60 pCt. durch ein AmalgautationSversahren ans bett gepochten Erzen abgeschieden. Die hierbei verbleibendeti Rückstände werden noch sorgsättig aufgearbeitet und namentlich feit 1892 nach dem Verfahren von Mae Arthur unb ben Gebrüdern Forrest behandelt. Diese Rückstände werden mit einer ganz dünnen Kl;att= kaUumlösnng ausgelaugt. Dabei löst sich bas Gold auf unb wirb bann au« dieser Lösung entweder durch Zink ober durch den elektrischen Strom onSgesällt. Hierauf besprach Redner die Gold- gewiiinnng tu Europa, wie sie am Ural, in Ungarn, Siebenbürgen unb am Monte Rosa hauptsächlich fiatlfinbet, unb ging bann auf Deutschland über, woselbst etwa jährlich für 9,4 Millionen Mark Gold gewonnen würde. Diese« Gold wird in Deutschland aus­schließlich aus Silber abgeschieden. Fast alle« hüttenmännisch gewonnene Silber enthalte geringe Menge» Gold. Diese Arbeit wird in besonderen Werken, den sogenannten Scheideaustalten, durch- gesührt. Auch an einigen deutschen Flüssen, namentlich am Rhein, hätten früher Goldwäschereien bestanden, die aber heute, als zn wenig lohnend, meistens eingegangen seien. Reicher Beifall lohnte den Redner für feinen sehr interessanten eiuftünbigeu Vortrag. G.

Aus Kindt nnd Land.

Wiesbaden, 14. Dezember.

ZHc Stadtverordneten sind aus Freitag, den 17. Dezember 1. I., Nachmittags 4 Uhr, in den Bürgersaal de« Nathhauses znr Sitzung eiugeladen. Tagesordnung: 1. Magistrats-

I Vorlagen, betreffend a) den Entwurf zn einem neuen Vertrag mit der Firma Gebrüder SieSmatjer wegen der gärtnerische» Unterhaltung der städtischen Anlagen; b) Bewilligung der Mittel zur Ausführung von Erdarbeiten für den Theil des Jdsteinerwegs zwischen dem Försterpfad und dem Distrikt Brücher", sowie zur Anlage eines Fahrweges zwischen dem Waldweg SpetzerSlach-Heemrkerck-Ruhe und dem Speyerskopf: c) anderweitige Regelung der Gehaltsbezüge eines Beamten ber Kurverwaltung; d) Neuwahl dreier Armenpfleger und eines Bezirks- Vorsteher-Stellvertreter«; c) Bezeichnung eines Vertreter« und eines Ersatzniaiines zur Genoffeuschasts - Versammlung der hessen- naffauischen laudwirthschastlichen Berussgeuoffeuschaft. 2. Bericht bes BauanSschusseS betreffend ben freihändige» Verkauf einer städtischen Grundfläche westlich ber Karlstraße an Herrn H. Oesterling. 3. Beiichterstattung bes Finauzaussckwffe«, betreffend a) Uebernahme desWiesbadener Babeblattes"; b)Einrichtmig von Schreber-Gärten im DistriktKaltenberg"; c) Einrichtung von Volks-Kindergärten für Rechnung der Stuberfdien unb Thunesfctren Legate. 4. Antrag des Wahlausschusses, betreffend die Wahl eilte» Mitgliedes ber Gebäudefteuer-Veraitlagnugskonttnifstou.

-o- Sladtvrrordnetrnwaht. Nach ber amtlichen Fest- ftellung be« Ergebuiffes bet gestrigen Stich wo hl sind für Herrn A. Mollath 647 unb für Herr» L. Sattler 576 Stimmen abgegeben worben.

Kunstsalon Langer (Taniinsftraße 6). Nett ansgestellti Kollektiv-AiiSstellnug Haus T h o tu a. Oelgetnälde:Meerwunder" Ztegenherde",Vergißnteinnichtbach",Zwischen den ©artcumnnern von Sorrent",Jüngling am Bach",Taunnsthal",Abeiidrölhe", -Bkann auf Fisch",Auf BergkShöhen". Feriter eine große Anzahl Ongmal-Stet drucke unb Algraphieen des Meisters.

Sie Genrralversanrinlnng de«Vereins fürNaffantfche AlteilhtitnSkuude und Gefchichtsforfchnng" findet Samstag, de» 18. Tczeinber, Abends 6 Uhr, int großen Saale des Museums, Wilbelmstraße 20, 1, statt. Gaste, auch Damen, sind willkommen. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des AerelnSfekietLr« Herrn Bibliothekar« Dr. Zedier. 2. Bericht de« Konservators Herrn Museumsvorstehers Dr. Pallat. 3. Vortrag de« Herrn Dr. Zebler über be» uasianischen Publizisteu Johauue« Weitzel. Hierauf kurze Pause zur Besichtigung ber ausgestellten neuen Erwerbungen. Als­dann, im Kreise der Veieinsinitglieder: a) Ergänzungswahl des Vorstandes und Neuwahl des Direktors, b) NechnungSablage, c) Bericht der Nechnnngs-Prüsnngskomntissioit, d) Verhaublung über Anträge unb Wünsche der Mitglieder. Abends 8 Uhr folgt gemeinschaftliches Essen im RestaurantTivoli", Luisettstraße 2.

Für die Sonderfahrt nach dem Grient mit dem von Karl Stangen« Reiie-Büteait, Berlin W., Mohreustraße 10, ztt diefeni Zweck eigen« gecharterten SchnelldampserBohetnia" vom Oesterreichischen Lloyd weiden sich, da die Seefahrt in Genua be« ginnt, die Theilnehmer in Oerfdjiebetien Heineren Gruppen bis zum Etnschisfungshaseu begeben. Karl StaugensSfireau ist i» ber Lage; jede gewünschte Art Billet für die Reise nach Genna und von Triest, wo bie Fahrt endet, zurück nach ber Heimath auszustellett. Da bie Fahrt bestimmt zur Ausführung fommt unb schon ein großer Theil ber Plätze besetzt ist, empfiehlt es sich für Reflektanten, von bett noch vorhaubenen guten Plätzen baldigst Auswahl zu treffen.

Mohltliiittge Sammlungen. Bei dem Verlag bei Wiesbadener Tagblatt" sind ferner eittgegangen: Für bie Stinber» nwahranflalt von C. B. 2 Mk., Fran L. Wittiitann 2 Mk., für bie Blindenaustalt von E. B. 2 Mk., Fran L. Wittmann 3 Mk., Ungenannt 2 Mk., Ernst 6 Mk., für bas VcrsorgungShaii« von E. B. 2 Mk., Frau L. Wittmann 3 Mk., Ungenannt 2 Mk., für die Augeiiheilanstalt von K. B. 2 Mk., Frau L. Witttnan»

3 Mk., für das Rettungshaus von Ungenannt 2 Mk., Frau L. Wittmann 2 Mk., für bie Herberge jur Heimath und da«

Pauliiicustift von Frau L. Wittmann je 2 Mk., für Kohlen für Arme von Ungenannt 1 Mk., für Frühstück für arme Kinder von

K. B. 2 Mk., Ernst 4 Mk., für die arme Wittwe mit drei Kinder»

von Ilngenanut 10 Mk., für ben eines künstlichen Beines bedürftigen Knaben von Uugenanut 6 Mk. Herzlichen Dank Namen« der Bedachten.

-0; Durchgedrannt ist gestern Früh ans einem hiesigen Tanz­lokal ein junger Kellner von hier mit ber ganzen Einnahme der Nacht, etwa 70 Mk.

. . Kleine Notizen. Das Pilsener Aktienbier, dal einzige deutsche Pilsener Bier (siehe Tagblatt vom 11. Dezember) wird in derWalhalla" verzapft. - lieber ben stenographischen Unterricht an bett Militärschule» spricht Herr Paul Mittwoch,

(Schluß anS Nr. 580.) (Nachbruck verboten.)

Zwei Weltbeherrscher.

Bon I. Pcderzani-Wcbcr.

Die erste Nachricht über die Post gießt außer dem griechischen Geschichtschreiber Herodot, der von denreitenden Boten" des Perserkönigs Cyrus, 600 vor Ehr. Geb., erzählt, wieder die heilige Schrift.König Assuerus von Persien sandte an alle Satrapen und Völker seiner Herrschaft mit seinem Ringe versiegelte Briefe, die von Schnellboten bestellt wurden". Buch Esther 8. Diese Voten trugen Dolche, Handschar genannt, und wurden Augarier geheißen, von denen jeder 3 bis 5 Meilen Parasangen durchreiten mußte. Die eigentlichen Schöpfer einer auf eigens für sie gebauten Kunststraßen verkehrenden Post waren Julius Eäsar und Kaiser Augustus, der in der Mitte Noms den vergoldeten Meilenstein anfstellen ließ, von dem aus alle Entfernungen ves Asien, Afrika und Europa umspannenden Römischen Weltreiches gezählt wurden. Neben diesen Eilboten gab es noch eine Anzahl Wagen mit flinken Rosien und Saum- thieren, veredarii, woraus das deutsche Pferd entstand, zur Beförderung von Reisenden und deren Gepäck. Die Veredarii verkehrten zwischen bestimmten, fünf römische Meilen (2*/2 Stunden) von einander entfernten Orten, stationes positae, einer Benennung, aus welcher der Volks­mund später das Wort Post bildete.

Mit dem Untergang des Römischen Reiches hörte auch die Staatspost auf und seit der Zeit der Völkerwanderung

bis znm Mittelalter gab es, mit Ausnahme der von Kaiser Karl dem Großen zwischen Aachen, seiner Residenz, und Spanien, Frankreich wie Rom hergestellten Botenverbindung, die nur kaiserliche Briefe befördern durfte, keine Post. Erst in jener Epoche, wo die Mönche über ganz Mitteleuropa und den Norden ein Netz von Klöstern spannen, und in den Tagen des Hansabundes, im zwölften Jahrhundert, tauchten wieder die mitGeleitsscheinen" ausgerüsteten reitenden Voten auf, die Briefschaften von Stadt zu Stadt trugen, aber niemals die Rcichsgrenze überschritten. Zu derselben Zeit errichteten die Studenten der Universität Paris ihre fliegenden Boten, messagers volants.bie gegen Sold die Briefe der aus Deutschland, Italien und Spanien stammenden Scholaren in deren Heimath beförderten. Die eigentliche Geschichte der Post beginnt erst mit dem 14. Jahrhundert.

Im Jahre 1380 gründete Winrich v. Kniprode, der Hochmeister derBrüder vom Deutschen Orden", in der Marienburg eine regelmäßige Reitpost, indem er befahl, daß Tag und Nacht die Botenjungen neben ihren gesattelten Nossen, den Schwallen, bereit stehen sollten, um die Brief­schaften der Gebietiger durch das Ordensland zu tragen und Jeder, Komtur oder Lehensherr, bei dem sie einkehrten, war verpflichtet. Tag und Stunde, wann der Brief abgeliefert, dem Boten zu bestätigen. Im Westen Deutschlands über­nahmen die Metzger, die wegen des Vieheinkanfes oftüber Land ritten", die Briefbeförderung gegen einen Sold und bliesen, wenn sie in eine Ortschaft kamen, ins Horn, um den Bewohnern ihre Anwesenheit zu verkündigen. Aus jener

Zeit stammt der Gebrauch des Posthorns, das heute nur mehr ein Schmuckstück der Postillone bildet.

Ein Jahrhundert später rief König Ludwig XI. von Frankreich die altrömische Personen- und Gepäckbeförderung durch die Post wieder ins Leben.

1440 legte ein Sprößling des aus Mailand stammenden Geschlechts der Della Torre, der nach der Burg Tasso in Burgund auch Taxis hieß, den Grundstein zur deutschen Neichspost, und im Jahre 1874 bildete sich der Weltpostverein, das sichtbare Band der Einheit aller Kulttiruationen.

Nach einer statistischen Berechnung entfallen von den jährlich in England beförderten Briefen auf einen Bewohner 52 Stück, in Deutschland 32 und in Frankreich 34 Stück, und es kommen, die Gesammlbevölkerung der ganzen Erde mit 1554 Millionen Menschen berechnet, von den täglich in Umlauf gesetzten 28 Va Millionen Briefen aus jeden Bewohner 7 Stück.

Keine menschliche Einrichtung hängt inniger mit den Interessen von Staat und Volk zusammen, keine ist in eminenterer Weise ein Kulturträger, ein Apostel für Handel, Verkehr, Kunst und Wissenschaft, wie die Post. Sie beherrscht heute die civilisirte Welt, Jeder beugt sich willig unter ihr Seepter, und ihreSendboten" sind immer willkommen, besonders Jedem, dem sie einePostanweisung" überbringen. Wie sinnig schimmert diese rosenfarbig, als das Symbol der rosigen Stimmung, in die ihn die klingende, auf ihren Machtspruch hin ausznliefernde Münze versetzen wird.