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Wiesbadener Ta Matt

«5. Jahrgang-

Verlag: Langgasse 27.

Attonneuten.

Erscheint in zwei Ausgabe«. Bezugs-PreiS r durch den Verlag 60 Psg. monatlich, durch die Post 1 Mk. <i« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Anreigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzrile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reclamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfa., für Auswärts 75 Pfg.

die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Ausnahme später eingcrcichtcr Anzciaen *ur nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 5 0 8»r

Mo. 580

Montag, den 13. Dezember.

189T

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

flbend«Ausgabe.

Egidy über den Fall Ziethen.

Während sich ein großer Theil der deullche» Prefle mit einer wahren Wulh für die Unschuld des französischen Obersten DreysuS jus Zeng legte, hatten wir die beste Gelegenheit, vor unserer eigenen Thür zu kehren. Der Fall Ziethen, die angebliche Verurtheiliing eines Unschuldigen als Mörder und die vergeblichen Anstrengungen zur Nevifion feines Prozesses, erregt immer noch die Gemächer. Der Volksmann v. Egidy hat diese Sache zur seinigeu gemacht und dieser Tage, wie wir schon kurz berichteten, in Berlin eine neue Kund­gebung veranstaltet. DieBerl. Zig." vom 4. dS. schreibt u. 81. darüber: Zu einer gewaltigen Kundgebung für die Sache des uuschuldig vernrtheilten Albert Zielheu gestaltete sich die von uns bereits augcküudigte Volksversammlung. Eine mehrtausendköpsige Menge füllte Saal, Gallericen, Treppen und Gänge der geräumigen .Tonhalle". Es war eine Volksversaininluug in des Wortes bestem Sinne und abgesehen von einem starken Kontingent von Beamten der politischen Polizei waren nur Männer und Frauen aus dem Volke anwesend, welche die tiefere Antheilnahine au dem ominösen Fall Ziethen hingefiihrt. Auch der Bruder Ziethens war erschienen.

Pünktlich um */»9 Uhr bestieg Herr v. Egidy da« Podium. Aus der Bühne waren zwei große Transparente aufgestellt, von denen das eine den Weg Albert Ziethens in der Morduacht, das andere fein Haus in der Bachstraße zu Elberfeld veranschaulichte. Außerdem wurden am Saaleingauge Situationspläue gratis vcrtheilt.

In einer nahezu vierstündigen Rede entwickelte nun v. Egidy ein klares Bild der Thatsachcn bezüglich der Ermordung der Frau Ziethen, der be- und entlastenden Momente für Ziethen, der Ent­wickelung der Angelegenheit im Laufe der Jahre bi» zum gestrigen Tage. Die Ausführungen Egidy» waren kurz, gemessen, klar, sach­lich und von eminent packender Wirkung. Unter der Wucht dieser Anklagen muß nunmehr unsere Justizbehörde zu irgend einer That schreiten 1 Egidy schilderte, wie er mit dem Fall Ziethen bekannt geworden und wie seine anfänglichen Zweifel durch die Bekanntschaft mit einem Manne, welcher mit der Sache sehr eingehend zu thun hatte, sich in die felsenfeste Uederzeuguug von der Unschuld Ziethens wandelten. Der erste Theil des Vortrages war eine bis in das Kleinste hinein durchgearbeitetc Auszählung der geschichtlichen Ereignisse, die der Vortragende an der Hand des Thatsachen-Matenals entrollte. Interessant war besonders die Hervorhebung des Momentes, daß sich nach Verurtheiliing Ziethens der Schwiirgerichts-Präsident jener Berhandlung für eine Begnadigung Ziethens selbst verwendete. Obwohl der alte Kaiser seit den Attentaten alle Todesurtheile ohne Weiteres bestätigte, hat er das bei Ziethens Urtheil nicht gethan. Wohl immerhin ein Beweis, daß schon damals Zweifel ob der wahren Schuld Ziethen» vorgewaltet haben müssenl Sodann schilderte der Redner die Ansfindung de» Mörder» Wilhelm durch bot Bruder Ziethens und deffen Verhaftung am 9. Juni 1887. Ueber das damals von Wilhelm abgelegte Geständniß hat sich der bekannte Kriminal-Inspektor v. Meerscheidt-Hülleffem zu Herrii v.Egidy dahin ausgesprochen (ersterer hatte Wilhelm bekanntlich verhört), daß es da» WahrheitSgeniäßeste sei, welches er jemals ans dem Munde eines Verbrechers entgegengenomuien habe. Auch die Trans- potteure, welche den Wilhelm damals nach Elberfeld schafften, be­kundeten, daß Wilhelm auf sie den Eindruck eines schuldigen Menschen gemacht habe. Nur die StaatSaiiwaltschast glaubte nicht an eine solche Schuld und fetzte alle Hebel in Bewegung, die Aussagen des Wilhelm anzufechten. Wilhelm hat dann auch fchließlich mit den charaktcristischen Worten:Wenn ich'S eben nicht gewesen lein soll, warum sollte ich meinen Kopf auf denKlotz legen"! alle früheren Aussagen Widerrnsen. Da» Landgericht Elberfeld beschloß aber doch ein Wiederaufnahmeverfahren; hiergegen erhob nun der Staatsanwalt BefchWerde beim Oberlandesgericht. Der Erste Staatsanwalt habe übrigens auch damals zwei Audienzen in der Sache beim Justizminifier v. Friedberg gehabt. Schließlich gab da« Oberlandesgericht dem Drängen des Staatrauwalis Folge, und die Sache wurde niedergefchlagen. Während der Untersuchung weilte

im Auftrage des Jnstizniinisterinins des Innern ein Beamter (v. Tausch) in Elberfeld, um die Vorgänge zu überwachen. Auch dieser Beamte (allo Herr v. Tausch) sei zur Ueberzengnug gelangt, daß Ziethen nnschiildig ist. Er gab dieser Auschauung dem damaligen Juftizniinister v. Friedberg, welchem er Bericht erstattete, mit den charakteristischen Worten Ausdruck:An dem Morde der Frau Ziethen ist Ziethen genau so fchuldig, mieErcesteuz oder ich!" Nach­dem da« erste Wiederaufnahmeverfahren schließlich gescheitert war, ruhte die Sache bi» zu dem Zeitpunkte, als im Januar 1895 ein Aufruf in die Presse gelangte, worin neue Zeugen gesucht wurden. Damals habe man auch einen Brief erhalten, worin ein Mann, welcher jetzt in Berlin lebt, früher aber in Elberfeld als Casötier gewohnt hat. sich meldete, der folgende Angaben machte: Der Nachtwachtmeister Weinrich (derselbe hatte Ziethen zuerst in der Mordnacht de« Mordes beschuldigt und auch verhaftet) habe ihm, dem Casötier, gegenüber rückhaltlos erklärt, daß Ziethen nicht schuldig sei. (Große Bewegung im Saale, ein älterer Herr erhebt sich und ruft laut:Das bin ich!") Außerdem sei damals ein Brief eiiigetroffeu, allerdings ohne Unterschrift, worin die eine Tante Wilhelm», eine Fran Linden, beschuldigt wurde, genaue Kenntniß von der Schuld Wilhelms zu besitzen und ferner dessen jetzigen Aufenthalt zu wissen. Hieraus verbreitete sich der Vortragende über die Augelkgenheit Androck und betonte, daß es ein Verdienst der Berliner Zeitung" fei, gerade die Androcksche Sache wesentlich geklärt zu haben. Im Zufammeuhang mit der Sache wüste jedoch auch noch von zwei Männern gesptochen werden, welche sehr ein­gehend von Anfang an mit der Sache zu thun hatten. Der eine davon fei der Kreisphysikus, Dr. Berger aus Elberfeld, eine sympathische, respektvolle Erscheinung, ein Ehrenmann durch und durch. Der Genanute habe die feste Ueberzeugung von der Unschuld Ziethens von Anbeginn an gehabt, und da er als Erster Ziethen auf Blut- fpuren hin untersucht und vor Allein die bekanntenUebersührnngs- stücke" geprüft hatte, aber nicht das Geringste, was Ziethen belasten konnte, fand, habe er dieser Ueberzengung auch in der Verhandlung gegen Ziethen Ausdruck gegeben. Einer im Jahre 1890 von Berger an die Staatsanwaltschaft gerichteter Brief fei später 1895 auf bisher unerklärte Weise in die Presse gelangt und habe da» größte ' Anssehen erregt. UebrigenS fei Verger nicht der einzige Beamte, welcher bis zur Stunde darauf brenne,in Sachen Ziethen" vor Gericht entlastende Aussagen zu machen. Durch Beiger ist es auch bekannt geworden, daß der Vertheidiger dcs Wilhelm, der jetzige Jnstizrath Dahme», sich geäußert hat, fein Klient Wilhelm habe ihm schon vor der SchwurgerichtSverhaudlnug ein umfassendes Geständniß abgelegt. (Unruhe.) Der andere Mann, von dem noch gesprochen werden müsse, fei der jetzige Diftriltskomniistar Gottschalk, über dessen Gesainmlqnalität er, Redner, fein Wort verlieren wolle. Der Staatsanwalt habe gerade diesen Bearnlen gegenüber einem leichten Angriff Seitens der Verlheidiguirg in der Hauptverband- luny aufs Lebhafteste in Schntz genommen. Zn damaliger Zeit stand übrigens Gottschalk bei einigen Beamten Elberselds in hoher Knust, und zwar datirte da» von seiner Thätigkeit bei dem Niederwald- Attentat her, von dem man heute noch nicht recht Wisse, von wem es angestistet, wer seine Hände dabei im Spiele gehabt. Jedenfalls habe sich Gottschalk da» Verdienst erworben, dieses Attentat entdeckt zu haben. Der frühere Minister v. Pnttkamer hat einmal, als et hörte, daß Gottschalk auch den Mörder der Frau Ziethen entdeckt habe, die Hände über dem Kopfe zusainmengeschlageu und gesagt: Ter (Gottschalk) ist auch dabei gewesen!" Herr Gottschalk habe eine Verdienste um das Vaterland etwas höher eingeschätzt, näm­lich auf Grund derselben die Erziehrtug feiner Söhne im Kadetten- Ijanfe beantragt, die» fei ihm aber abgeschlagen worden. Ju- Dischen Würbe der Mann jedoch sehr rasch befördert und rekleidet jetzt die Stelle eines Distrikikommiffars au der polnischen Grenze.Mich," so sagte Egidy weiter,bat ein Vorgang tet» auf» Lebhafteste beschäftigt, nämlich der, wie sich die Sache mit dem Messer Ziethen» verhalten hat." Ich habe nun etwas unternommen. Was fein Mensch bisher wußte, ich habe nämlich im Jahre 1894, nnd zwar im März, an den Kommissar Gottschalk einen Brief geschrieben, der so gehalleu war, daß ich eine Antwort darauf bekommen mußte. Diese ist denn auch richtig ein* getroffen, aber sie hat mich doch ein wenig überrascht. DerSchreiber

erklärte nämlich im bekannten Ministerialftil, daßer auf meinen Brief hin weiter verfügt habe".Ich glaubte7 so bemerkt Egidydamals, daß Herr G. Wirklich nach oben hin verfügt hatte, denn nach unten hin hätte e» doch wohl wenig Zweck gehabt. Aus der Verfügung ist aber leider nichts geworden, scheinbar sind die oberen Kreise für G.s Versüßungen Weniger zugänglich."

Redner fragte bann, was jetzt zu thnn fei, um ein Wieder­aufnahmeverfahren zu ermöglichen. In den Zeitungen habe der Fall eingehendste Erörterung gefunden, und es sei bedauerlich, daß nur ein Blatt es gewagt habe (nämlich dieKrenzzeitung"), die uinthvoll vorangehendeBerliner Zeitung" in überaus häßlicher Weife an- zugreifeii. Was nach allen Erfahrungen der Wiederaufnahme de» Prozesses im Wege stehe, da» sei mir ein Hinderniß: nämlich das höhere StaatSiutereffe. Wo das onfange, da höre alles Andere auf. Die Träger diese» höheren Staatsinteresses seien die Diener deS Staates, maiichmal hohe, oft auch sehr niedere. Deshalb müfse volle Klarheit in der Oeffentlichkeit über den Fall Ziethen nnd da» ver­meintliche Staatsinteieffe geschaffen werben. Da» soll durch eine Broschüre geschehen, außerbem müßten Geldmittel gesammelt werben, was sicherlich von der Presse mit Freiiden eingeleitet werden würde.

Deutscher Reichstag.

O KerlI», 11. Dezember.

Am Buiidesralhsiifch Schatzsekretär v. Thielmann, Staats­sekretär Posadowsky. Da» Haus genehmigt zunächst debattelos einen fchlennigen Antiag Auer (Soz.) auf Einstellung eines gegen den Slbg. Horn fchivebeudeu Strafverfahrens. Sobanu wirb die erste Lesung bes Etat» fortgesetzt. Abg. Fritzen (Centrum) ist durchaus befriedigt von den gestrigen Erkläruugeu des Reichsschatz- fekretarS, betreffend die Frage der ZuckeranSsnhrpräinie und Zoll- anskuustsstellen. Auf die SchnlbentilguugSfrage eingehend, betont Neduer, es müsse feftgestcllt werden, daß s. Z., als das Centrnm die Finauzresorm - Vorlage abgelehut habe, bei derselben die Schuldeutilgiingssrage nur eine Nebenrolle gesvielt habe. DaS System der Matrikularuinlagen wolle das ©entrinn nicht beseitigt wissen, denn e» schütze vor Allem gegen neue Steuern bei vorübergehender Verschlechterung der Finanzlage. Die Matriknlar- umlagen seien das einzige Agens, Welche» die Finauzminister der Emzelstaateu zwinge, auch die Finauzwirthschaft im Reiche im Auge zu haben. Was die Marinevorlage anbelange, so wolle er nur sagen, daß seine Freunde eine Verständigung über dieselbe wünschten Bei den Kolouialsorderungen hält Redner eine sorgfältige Prüfung einzelner Posten für sehr geboten. Die Aeußerung des Grafen Liuibnrg-Stirum bei der Marinedebatte, wonach das Ansehen Deutschlands im Auslanbe gesunken sei, fei nicht wohl angebracht in einem Augenblick, wo für Deutschland in Ostasien große Interessen auf dem Spiele stände». Delitschlaiids Stiinine sei z.B. bei der griechischen Frage doch sehr ins Gewicht gefallen, und Deutschlands Verdienst fei es. Wenn eine internationale Schuldentilgunaskouinilssioii eingesetzt worben fei. (Beifall.) Weiter äußert Abg. Fritzen feine besondere Befriedigung über die Mehrsordernugen für Unterstützung der Hoch- eesttcherei, sowie über die Forderungen im Heeresetat für Warme Abendkost der Soldaten. Den Herrn Kriegsminister fragt er über den Erfolg, den die Kabinetlsordre, betreffend bas Duell, gehabt habe Var Allem verlangen seine Freunde, daß die Offiziere, bie, treu ihrem Glauben und Gewissen, das Duell ablehnteu, nicht aus der Armee ausgeschlossen Würben. Bei den Reformen des Postwesens müsse man auch naineutlich auf genügende Sonutagsrnhe der Beamten und auf eine Erhöhung der Gehälter der Unterbeamten bedacht fein. Der Erhöhung der Nepräfentatiousgelber des Reichskanzlers könne man zustiiumeii. Man wisse ja, daß die Fordeiung nicht für die Berfon, sondern für da» Amt de» Reichskanzler» gestellt Werde. Im Allgemeinen fei größtmögliche Sparsamkeit geboten. Kriegsminister v. Goßler erwidert, der allerhöchste Kriegsherr fei bestrebt, die Duelle im Heere so sehr als nur irgend möglich ver­ringert zu sehen. Niemand, der Offizier Wirb, werbe gefragt, wie er über das Duell denke. Darüber beständen ganz beftimmt sich äußernde Erlasse. Die Kabinettsordre, belnffenb da» Duellwesen, habe sehr gute Wirkungen gehabt. Es feien seitdem überhaupt nur

(Nachdruck verboten.)

Zwei Meltbeherrscher.

Von I. Peverzani-Weber.

Ein Blick auf die Erfindungen und Eittdeckiingen, die im neunzehnten Jahrhundert im Gebiete der Technik, Mechanik, Chemie, Landwirthschaft, Astronomie und der Gewerbe gemacht wurden, lehrt uns, daß die Prophezeiung der hl. Schrift:Erneuern wird sich der Erde Antlitz" theil- iveife in Erfüllung ging. Vor Allem fielen die Schranken von Zeit und Raum, welche bisher die fünf Welttheile trennten, und die Erde verwandelte sich mit Hülfe der Dampfkraft und des elektrischen Funken in eine riesige Wohnstätte der Menschheit, in der die Abkömmlinge der lveißen, gelben und schwarzen Rasse wie die Kinder einer großen Familie mit und unter einander verkehren. Die beflügelten Bolen, durch welche dieser Völkerverkehr von einem Pol znm andern stündlich geschieht, sind das Geld und die Post. Sie gehören heute ebenso, wie das Feuer und das Wasser im Naturleben, zu jenen un­entbehrlichen Elementen der Civilisation, von deren Wesen «nd Wohlthat nie genug geredet werden kann.

Der Gebrauch des Geldes stammt ans jener Epoche in »er Entwickelungsgeschichte der Menschheit, wo der erste Tauschhandel getrieben wurde, und das geschah erst nach vielen Jahrhunderten ihrer Entstehung ... Die ersten Völker lebten nämlich gesondert von ihren Nachbarn, mieden sie so ängstlich, daß das Ueberschreiten eines fremden Ge­bietes mit dem Tode bestraft wurde. Und diese Ab­sonderung hatte ihren Grund in der Möglichkeit für Familie und Stamm, sich alles zum Leben Nothweudige selbst ver­schaffen zu können, während heute jedes Individuum bei brr Herstellung dessen, was ihm zum Dasein unentbehrlich ist, Brod, Kleid re., auf die Hülfe seiner Mitmenschen an­gewiesen ist. Selbst der Trunk frischen Wassers, mit dem »eilte der Großstädter seinen Durst löschen will, muß ihm

durch Triebwerke, Leitungen re. zugeführt werden, was die Arbeit von Tausenden nothwendig macht.

Da es aber im Leben der Menschheit ebenso wenig wie in der Natur einen Stillstand gießt, so dauerte diese Ab­geschlossenheit der ersten Erdcubewohuer nur so lange, bis der Drang, ihre Jagdbeute oder Erzeugnisse mit Dingen, die ihnen mangelten, zu vertauschen, sie zum Verkehr mit den Nachbarstämmen trieb.

Die Zeit, wann der erste Tauschhandel geschah, wie auch jene, wann an Stelle der Waarcn die aus Gold und Silber, dem dauerhaftesten Metall, verfertigten Ringe als Tanschmittel gebraucht wurden, ist ebenso unbestimmbar wie die Epoche, wann die an eine Schnur gereihten, am Gürtel hängenden Ringe den Münzen weichen mußten. Den ersten, historisch verbürgten Gebrauch der letzteren erzählt das I.Buch Moses 23: Der Patriarch Abraham zahlte dem Hetiter Ephron für die Höhle Kambre, in der die Leiche der Sarah bestattet wurde,vierhundert Sekel Silber betvährter gang­barer Münze", ein Kaufschilling, der nach unserem Gelde ea. tausend Mark betrug. Das Volk Israel blieb nicht immer bei der Silberwährung, denn im 3. Buch der Könige 10 wird berichtet, daß zur Zeit des Königs Salomo, also 900 Jahre später, im Landeein Ueberfluß an Silber wie an Steinen war" (V. 27) unddaß das Silber für nichts geachtet wurde". (V. 21.) Der jährliche Tribut, den König Hiram von Tyros wie andere Lehensfürsteu dem Weisesten aller Könige" zahlten, bestand aus 666 Talenten Gold, was ea. 2'/o Millionen Mark bedeutete. Während Asien und Afrika die Goldwährung entführten, zu der die Minen von Ophir, der Hauptstadt des Südarabischen Gold- andes, und jene der Ostküste Aethiopiens das Material lieferten, gebrauchten die Bewohner von Europa nur Silber :ür ihre Münzen. Die reichste Quelle derselben floß in Spanien, bereit Ureinwohner ihre Geräthe, Waffen und Anker aus diesem Metall verfertigten, bis eines Tages

Phönizische Seefahrer an denSäulen des Herkules", dem heutigen Gibraltar, landeten nnd den Silberstrom nach ihrer Heimath, Asien leiteten.

Die Römer sollen die ersten gewesen sein, die Kupfer als Geld gebrauchten; es war dies das As, eine Münze im Gewicht eines Pfundes, 47 Mark tverth, die 300 vor Christi Geburt vom Denar, entern Silberling, verdrängt wurde, deren vierter Theil, Sesterzie genannt, bis zu den Zeiten des Kaisers Konstaittin die beliebteste Münze blieb. Die Er- inncrung an den altrömischen Denar ist uns in jenem Zeichen erhalten geblieben, das wir heute noch zur ab­gekürzten Bezeichnung eines Pfennigs gebrauchen. Eine andere historisch merkwürdige Münze war der Silbersolidus, 31/2 Mark werth, mit dem Kaiser Severus seine Krieger ablohnte, weshalb ein Empfänger der Münze Solidatus hieß, wovon das mittelalterlicheSöldner" und die heute noch bestehende Bezeichnung Soldat stammt.

Die in Deutschland beliebteste Münze, der Psennig, wurde bis zum zwölften Jahrhundert aus Silber, im Werth von 20 Markpfennigen, und seit 1494 nur aus Kupfer her­gestellt; neben ihm spielte der Groschen, eine silberne Scheide­münze, die wegen ihrer Dicke lateinisch grassus genannt wurde.

Bis zur Zeit, wo der Thaler auftauchte, herrschten in Deutschland der Gulden, eine Goldmünze, daher sein Name, die aus Florenz stammte, weshalb sie auch Floren hieß, und der Dukaten, nach dem Familiennamen Dukas Ser byzantinischen Kaiser Konstantin und Michael, die 1559 deutsche Reichsmünzen wurden; ähnlich dem italienischen Zechinen, von der Münzstätte Zeeca in Venedig, wo er zu­erst geprägt wurde, so benannt. Außer den Gold-, Silber- und Kupfermünzen, von deren letzteren die mit einem Kreuz bezeichneten Kreuzer hießen, gab es auch Blechmünzen, Brak- teaien, nur auf einer Seite geprägt, die zur Zeit des Reformationskrieges, wo das Geld rar war, stark in Umlauf kamen. Sie hatten, wie der nach der Stahl Hall genannte