Einzelbild herunterladen
 

fcbdtifiitr TagM

45. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27J

15,000 Ahorrnettterr

Uo. 568

Montag, den 6. Dezember

BezirkS-Fernsprecher No. 52.

1897

Bezirks Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

in Allem: ein recht fideler Theaterabend.

Sch. v. B.

Paris, 4.Dezember. Auf das Verlangen Esterhazys, vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden, hat General Sausficr seine Vceweisiing vor die Erste Adtheilung des Kriegsgerichts verfügt.

h. Paria, 6. Dezember. Senator Schenrer beschuldigt Meline, in der Kammer die Unwahrheit gesagt zu haben, indem er be­hauptete, Senator Schenrer habe der Negierung sein Aktcnmaterial nicht vorgelegt. Schenrer versichert, daß er 4Vi Stunden im Bürcau des Kriegsministers zugebracht und ihm Stück für Stück vorgclegt habe. Wegen dieser Unwahrheit wird morgen Scheurer im Senat Meline zur Rede stellen. Man erwartet eine stürmische Senalssitzung. Die Studentenschaft plant morgen wahrend der ScuatSsitzung Deuionstrationcn gegen Schcurer-Kestner vor dem Wohnhause Zollas und vor der Redaktion desFigaro".

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «ö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammeu.

-Anttltbme sür die Slbeud-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später einaercichtei A,»einen

- nachsterschemenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. ^ui'myme ,purer eingcrcichter Anzeigen zur

Sonntag, den 5. Dezember:Don Juan». Oper in zwei Akten von W. A. Mozart.

Die Neu-Eiiistndiriing dieses Werke» es hat seit dem Sommer 1895 nicht auf dem Repertoire gestanden wird von allen Kunstfreunden freudig begrüßt worden sein. Die damals er­probten Einrichtungen lagen in der Hauptsache auch der jetzigen Jnscenirnng zu Grunde, welche Herr Dornewaß leitete. Die Ausstattung ist geschmackvoll und ihre Pracht drängt sich nirgend» unwillkommen vor; die Verwandlungen sind, ohne der Folgerichtig­keit der Handlung Gewalt anzutbun, auf ein Mindestmaß be­schränkt; störend war nur wieder die überlange Pause, welche da» erste Finale nach dem Markenterzett mitten durchschneidet, während in der Partitur nicht einmal -ine Fermate vorgezeichnrt ist. Ob hier

Königliche Schauspiele.

Samstag, den 4. Dezember. Zum ersten Male:Anns Schwank in 3 Akten von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Regie: Herr Köchy.

Die Thcatcrleituug ist in weiser Erkcnntniß der Geschmacks­richtung des Publikums zeitweilig ein bischen von ihrem hohen Roß herabgcsticgcn. VomBurggrafen" durch diePension Schöller" zuHans Huckcbein", das ist ein ordenllichcr Abstieg, aber ein lohnender, und er gewinnt dadurch noch an Bedeutung, daß man sich vorgestern ehrlich bemüht zeigte, den tollen Schwank, dessen Erwerb auf der eigensten Initiative de« Chefs der hiesigen König!. Schauspiele beruht, nicht im Tragödienlempo, sondern mehr im Lustspieltakt zu spielen. Run, unseren Respekt vor hohen Zielen, wenn es wirklich unanfechtbare hohe Ziele sind, unsere Sympathie aber auch dem Bestreben, dem auf Audreas- markt-Plaisirlichkeiten so erpichten Publikum mal ein kleines Bene zu thu», selbst wenn darin die außerehelichen Abenteuer eines ehe­lichen Berliners den Stoff zu der Ergötzlichkeit hergeben müssen. . Weshalb dieser reiche Berliner von den Dichtern alsHans Huckebein" bezeichnet wird, ist nicht recht verständlich. Wahrscheinlich haben die Herren Blumenthal und Kadelburg, die Väter dieses Stücks, sich den Genuß entgehen lassen, Wilhelm BuschsHans Huckebein, der Unglücks­rabe" zu genießen. Dieser nämlich zeichnet sich dadurch aus, daßermeistal» ' llnglücksstiftcr in erbaulichen Situationen auftritt, während hier Martin Hallerstädt, der hinter dem Rücken seiner jungen Frau in Liebe und Kneipereien macht, immer erwischt wird und den Gc- r. pritschten spielt. So der Titelirrthum. Er verschlägt aber wenig, auch vergißt uian sehr schnell, daß der erste Akt, trotz gelungener Situation, absolut »ichtsRcues bringt: der,neben'naur"geheude Schwiegersohn, der ihn mit seiner gestrengen Gattin in Berlin besuchende, ebenso gernneben- 'naus" gehende Schwiegerpapa, über welch beiden ständig dar Damokles­schwert des Entdecklwerdens schwebt. Wie aber Martin Hallerstädt »ach verschiedenen Plänkeleien schließlich gründlich hereinfällt.

lltegie, hübsche Ausstattung und treffliches Spiel gingen Hand in Hand, um den Schwankvätern gerecht zu werden. Besonders gut war Herr Neumann, dem der dickliche junge Ehegatte in Nöthen fast auf den Leib geschrieben zu sein schien; ebenso Herr Faber als Russe Boris Menrky. Er spielte recht flott und mit liebens­würdigem Humor. Recht drastisch wirkte auch das Spiel des Herrn NosS al» Kraftmensch, freilich trotz Brust- und Bauchplastron ein etwas unansehnlicher Kraftmensch. Auf dem Gebiet der niedersten Komik, wo auch seinWeaner Daitsch" weniger störend ins Ohr fällt, scheint er etwa» loszuhaben. Fräulein Scholz sah als Hildegard so gut aus, daß es nicht recht erfindlich war, weshalb ihr Martin zwei Tage solo in Ostende Station niachen mußte. Sie führte die Rolle sehr angemeffen durch, ebenso Fräulein Lüttgens die der Martha Wendel. Herr Gros (dessen Rolle übrigens vorlheilhafter durch Herrn Neumann besetzt worden wäre, wenn dessen Martin etwa Herr Radius übernommen hätte) und Fräulein Ulrich gaben da» schwiegerelterliche Paar leidlich gut, und auch di« kleineren Röllchen waren gut besetzt. Alle»

lausig liegt weder zu optimistischen noch pessimistischen Erwartungen ein Anlaß vor. Jedenfalls ist angesichts der von der ReichSregieruiia ergnffenen Maßregeln nicht daran zu dcuken, als werde sich Deutsch­land nut einem sogenannten faulen Frieden begnügen. Bisher wird ungklhciltanderErwaitungfestgehalten.dabcrder dentscheu Diplomatie gklingkn werde, durch Verhandlungen mit den im Osten von Asien mterefsirten Machten die betreffende Angelegenheit ohne jeden [t0If",cnm^lul,d,c"fan ru6'9 SU Ende zu führen. Wie dasselbe Blatt mitt heilt, ist cs nicht zutreffend, daß im inneren Hafeiibecken von Kian Tschau Geschwader von fremden europäischen Machten eiiigelaufensiud, um die Maßiiahmeu und Bewegungen unsererMarinemannschafte,, zu beobachten,daViceadmiral v.Diederichs gegen eiueKontrolleseinergetroffcue» Dispositionen auf das Energischste protcstiren wurde so lange er auf Kian Tschau zum Pfände die Hand gelegt bat und die chinesische Regierung den gestellten Forderungen über die in Frage kommende Entschädigung nicht uachgekommen ist.

Wegen d-n geplanten postrritniigotarif. Samstag Mittag fand im Lokale des Berliiier Schriststcllerklubs eine allge­meine Versammlung der Zeitungsbesitzer statt, nm gegen die Er- hohung des deulfchen PostzeitungStariss Protest zu erheben. Eine Anzahl Verleger aus Berlin und andcreii Städten des Deutschen Reiches hatten sich eingefunden. In der Diskussion wurde allgemein die Ansicht ausgedruckt, daß die unparteiische Lektüre dem Volke nicht vcrtheuert werdei, dürfe, da sonst sowohl

die Verleger wie anch die Postbehörde den Schaden

haben wurden. Die Gkschäftskominission deutscher ZeitUiigSverleaer wurde deshalb autorisirt, für die Aufrechterhaliung des jetzt be­stehenden Postzeitmigstarifs einzutreteii. Man will jedoch einige Erganzuiigcn etwa im Sinuc eines Minimalposttarifs zulussen ES soll eine Denkfchrist dem Uiiterstaatssekretär im Reichspostamt, dem ^uueru und anderen Behörden überreicht werden.

Etwa 1:00 Verleger werden in diesem Sinne ihre Unterschrift geben

Ausland.

* GeF^relch-Ungarn. Der Komma ndaotderMarine »bnural Freiherr v. Stern eck ist gestern Mittag an Herzlähmung gestorben. Aus Wien, 5. Dezember, wird berichtet: Von den »o Arrfonen, welche aiilaßlich der Kuiidgebnngen vom 26. bis -V. November angeklagt waren, wurden 17 freigefprochen, ein An- r... o r...o '1____... bit ädrigen zu 81 neft»

strafen von 24 bezw. 48 Stunden verurtheilt. Die iiinerpolitische Situation bat sich infolge der Erklärung des böhmischen Feudal- adels, rede Konzession in der SprachenverordnungSfrage ablehnen zu muffe», bedeutend verschlechtert. Die Aussichten aus Wiederaufnahme der parlamentarischen Tbätigkeit sind vollständig geschwunden. -infolge von alarmirenden Nachrichten aus der Provinz ist, so wird aus Prag gemeldet, die baldige Aufhebung des Standrechts wieder fraglich geworden. Dasselbe dürfte noch auf weitere Städte aus- get ehnt werden. Alle wirthfchastlichen Verträge zwischen Oesterreich und Ungarn, welche mit Ende dieses Jahres ablanfen, werden heute auf Grund des Status quo für die Deiner eines Jahres verlängert werden, wenn der letzle Versuch des Ministerpräsidenten, ein Ein- vernchmeii zwischen den Parteien herzustellen, mißglücken sollte. Aus Budapest, 5. Dezember, wird gemeldet: Die Lektüre von Lessing Nathan der Weise", ist für di- Schulen vom Unterrichtsminister verboten worden.

* Italirn. Der König empfing gestern Nachmittag, 2'/, Uhr, den deuttchcn Botschafter Freiherr» Sanrma v. d. Jellsch in feier­licher Audienz zur Eutgegennahmc des Beglaubigungsschreibens oesjkwen.

. s ^mukretd;. Gestern fand zwischen den Abgeordneten Reinach und Millerand wegen vorgestern in der Kammer von Millerand gemachter Auspiclungen auf die Familie Reinach ein PistolendneU statt, welches nach zweimaligem Kugelwechsel, wie üblich, unblutig verlief.

* R.nmänkrn. In den runiäiiischen Dörfern Adola, Solino und Simse nn Epirus ist ein A u fstan d g eg en di e G r i ech en ausgebrochett. Es haben bereits Kämpfe stattgefnuden, bei welchen es ans beiden Seiten Todte gab. Die Rumäiien werden von den Türken unterstützt.

Die Deeyfus-Angelegenheit tu der französischen Deprrlirtenlrammer.

w. Pari», 4. Dejkinber.

Castclin befragt den Ministerpräsidenten Msline über die DreyfuS-Angelcgenhcit und bittet ihn, die öffentliche Mciiiung und die Armee beruhigen zu wollen. Meline erklärt: In diesem Augen­blick gicbt es keine Dreyfus-Angelegenhcit und kann es keine gebe». (Beifall im Centrum.) Ein Offizier ist des Verraths bcschiildigt worden. Die Voruntersuchnug ist abgeschlossen und das einleitende Verfahren eröffnet worden. Diese Entscheidung präjiidizire dem endgültigen Urtheil nicht. Da die Angelegenheit in den Händen der Militärgerichtsbarkeit liege, komme es weder der Regierung noch der Kammer zu, sich damit zu beschästigen. Bis zur Entscheidung haben alle Bürger die Aiitorität einer Res iudicata zu achten. Ich glaube, man will aus dem Zwischenfall eine politische Affaire niachen. (Widerspruch auf d-r äußersten Linken, Beifall im Centrum.) Castelin bemerkt, er nehme Akt von der Erklärung des Ministerpräsidenten Meline, daß kein Zusammenhang zwischen der Angelegeii- heit Dreyfus und derjenigen des Majors Esterhazy bestehe. Sembat verlangt, die Anfrage in eine Jnierpellaiion umzuandern. Meline nimmt dieses Verlangen an und erklärt habe seinen früheren Ausführungen nichts hinznzufügcn. de Mun bedauert, daß der Kriegsministcr Billot nicht anwesend fei, um die Armee zu verthcidigeu, deren Geueralstabschef inan an- gegriffen habe. (Lauganhaltender Beifall.) Die Sitzung wird hieraus uiiterbrochen, um die Ankunft des Kriegsministers abzuwarten. Derselbe flieht, soweit sic die Dre yfus-A n gelegen h eit betrifft, wörtlich folgende Erklärung ab: Der Ministerpräsident hat Ihnen schon gesagt, daß es unter den gegenwärtigen Umständen eine DrcysuS- Angelegenheit nicht flieht. Vor einem Jahre hatte infolge der Interpellation de» ehreuwerthen Ahgeorduetcn Castelin der Kriegsmiiiister Gelegenheit zu erklären, daß Dreyfus ordnungs­mäßig gerichtet und von sieben seiner Kameraden auf die Zengen- auSsagen von 27 Offizieren hin einstimmig verurtheilt worden Ware. (Beifall.) Vor wenigen Tagen von Neuem befragt, erklärte die Regierung durch den Kiicgsminister, sie erachte die Angelegenheit Dreyfus für ordnungsmäßig und zu Recht abgenrthcilt. (Beifall.) Was mich persönlich betrifft, so halte ich nach meiner gewissen­haften Ueberzeugung als Soldat und als Chef der Arm * e du? Urtheil für rechtmäßig ergangen und Dreyfus für schuldig. (Beifall.) Jin weiteren Verlaufe der Sitzung werden sicbcn Tagesordnungen eiugebracht, von denen der Ministerpräsident diejenige des Deputirten Lavertujon annimmt. Dieselbe lautet folgendermaßen:Die Kammer, welche die Autorität der Res iudicata achtet und sich der Huldigung anschließt, di- der Kriegsmluister der Armee erwiesen hat, geht zur Tagesordnung Uber. Der erste Thcil der Tagesordnung wird mit 490 gegen 18, her zweite mit 523 gegen 18 Stimmen angenommen. Der Tepulirte Humlart beantragt, in die Tagesordnung die Worte aufzunehuien, daß die Kammer die Erklärungen des Kriegs- v''nisters billige. Dieser Zusatz wird mit 325 gegen

153 Stimmen genehmigt. Der Tepntirte Richard bean­tragt, der Tagesordnung die Worte noch hinzuzusügeu, daß die Kammer die Führer der widerwärtigen Cam- ?2-fln Dranbmattf. Bei der Abstimmung war die beschluß- sahige Anzahl von Deputirten nicht vorhanden. Die Sitzung wurde deshalb auf 5 Minuten unterbrochen. Nach der Wiederausnahme wurde der Zusotzautrag Richard mit 354 gegen 77 Stimme» an- genommen und schließlich die gesamiiiteTagerorduung in ihrer nun­mehrigen Gestalt mit 313 gegen 65 Stimmen und darauf die Sitzung geschloffen.

i . Di- Blätter besprechen die Erklärung dcz Kriegsmiuisters und lagen, dieselbe habe eine wahre Erleichterung des öffentlichen Ge­wissen» herbeigesührt. Die Ehre de» Heeres stehe unberührt da und sei erhaben über jede Diskussion.

Anzeigett-PrelSr

Di- einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reclame» die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg,

Deutsches Kelch.

* Aof- und Personal-Nachrichten. Ter Kaiser empfing gestern Vormittag dar Präsidinui des Reichstag«.

* Berlin, 6. Dezember. DerGermania" zufolge wird der Abgeordnete vr. Lieber bei der ersten Berathung der Mar nie - vorlage den Standpunkt des Cenlrums zu derselben bnliegen A>ie Vorlage wird zweifelsohne der Budgetkommiffion zur Aor- beiathung überwiesen. Weiiigsten« wird das Centrum einen Antrag auf kommissarische Berathung der Maiinevorlnge stellen.

Die Centrumsfraktioii der Reichstags iiahm in einer am Freitag abgehalteneu Sitzung Stellung zu der Marineforderung. In der mehr einen informatorischen Charakter tragenden Debatte trat sehr stark die Neigung hervor, der Vorlage namentlich in Bezug auf die Festlegung der finanziellen Forderung für 7 Jahre erheb» Hajen Widerspiuch entgegenziisetzkii. Besonders imirbe von süd­deutscher Seite gefordert, die Fraktion auf Opposition sestzulegen Es wurde jedoch diesem Vorschläge entgegengetreten uiid die Politik der freien Hand empfohlen. Man beschloß, sich nicht zu binden, sondern dic Angelegenheit von Fall zu Fall zu erledige».

* Marine. Zur Verstärkung der Landerabtheilnng des Kreuzeigcschwaders werden Lemnächst ein Bataillon Marine­infanterie und eine Compagnie Matrolen-Aitillerie nach Ostasien abgchen Dar Bataillon Marine-Jnfauteric wird, wie dicNoidd. Allg. Ztg. erfährt, zu vier Coiupagiiiecn formirt uiid erhält eine Starke von 23 Offizieren, Acrztcn und Zahlmeistern imb 1200 Unter« ofsizieren und Mannschafte». Die Compagnie Matrosen-Arlillerie wird 4 Offiziere und Aerzte und 200 Ilnierosfiziere und Maniischaslcn stark sein. Dem Transport wird eine Anzahl Pferde, Geschütze und Maschinengewehre beigegeben werden.

* W Kaiti-Angriegenheit. DiePost" schreibt, daß die tu ausländischen Blättern enthalien gewesene Mitiheilnng, Deutsch- lnnd beabsichtige, Haiti zu anneftireu, aus Unwahrheit beruhe. Weiter schreibt das anscheinend offiziös iiispirirtc Blatt, über die Absichten der deutsche» Negicruiig sei den andere» Großmächte» volle Klarheit gegeben worden. Tie von Haiti zu verlangend- Entschädigung dürfe an Umfang nur den Kosten der maritimen Expedition Deutichlands gleidjfomincn. Sollte die Regierung Haitis dem deutfchen Verlangen trotzen, so würden scharfe Maßregeln auf dem Fuße folgen, und zwar in der Weise, daß zunächst die Küsten nnb bei weiterer Renitenz die Stadt mit den Regierungsgcbäuden be­schossen wird. Anscheinend ist aber begründete Hoffnung auf schnelle Unterwerfung Haitis unter den Willen Deutschlands vor Amveuduna der stärksten Mittel vorhanden.

* U-ber den heutigen Stand der d-ntfch-chknestfche» Angelegenheit idjreibt diePoft" anscheinend offiziös: In den letzteii Tage» schwirren wieder zahlrrichcGerüchte über die Kiau Tschau- Angelegenheit umher, die von aurländifcheii Korrespondenten meist mit der Absicht in die Presse laucirt sind, die Stellung Deutschlands in der öffentlichen Meinuiig zu diskrcditiren. Ncuerdiiigs heißt es sopar, daß Rußland Widerspruch gegen das Vorgehen unseres Reiches in der Besetzung der Bai erhoben habe. Alle diese Nachrichten eiitbehren feder tljatfädjIidKn Unterlage. Zunächst geht die diplomatische Arbeit Deutichlands in dieser Angelegenheit rüstig fort. Gänzlid, salich und verkehrt würde es fein, wenn namentlich die beutidje llreffe, mie eS in letzter Zeit öfters geschehen, die Arbeiten burch den Abdruck aus der Luft gegriffener Meldungen stören wollte. Vor- das ist mehr als komisch und überdies so modern wie möglich. Auf einer angeblichen Geschäftsreise nach England hat et sich pour passer le temps zwei Tage in Ostende aufgehaltcn und dort am Strande auf einer Bank mit einer pikanten Schönen ein zärtliches Rendezvous gehabt. Nun erscheint ein Kiiiematograph in Berlin, und bas Abenteuer des stadtbekannten Kaufmanns wird bet Stadt äiim Gaudium in lebenden Bildern mit allen Chicaueu bargeboteii. Frau Hallerstädt und ihre Mutter, die arglos mit d-m ebenso arglosen Martin die Vorstellnug besuchen, kehren davon heim mehr tobt als lebendig, und Marti» fühlt sich mehr Hans Huckebein als je. Nun kommt noch dazu, daß Tobias Krack, -in berühmter Kraftmensch, die Ostender Schöne geheiratet hat und er ist eifersüchtiger wie Othello erfährt, daß man seine Frau auf dem verfänglichen lebenden Bild erkannt habe. Et drohte, bet Sache ans ben Grund gehen zu wollen. Dem geängstigteii Martin gelingt cs mit schwerem Gcldopfcr, den Kinematogtaphen- unterncljmtr zu bestimmen, jene fortlaufenden Momentaufnahmen sortzulafs-n und ein andere» Bild von bet Strandpromeiiad- ein« zuschieben, aber, o Schreck, dies zeigt dieselbe Dame mit einem anderen, im Badekostüm befindlichen Herrn, und dieser Herr ist Martins Freund, ein reicher Russe, bet sich eben mit einer Verwandten Martins, der in dessen Hause lebenden Martha Wendel, verlobt hat. Neue Wirren, neuer Schreck der Schwetenöther. Und wiederum naht der ge­fürchtete Kraftmensch Tobias Krack, doch diesmal, um die Situation zu klären. Seine Gattin hat ihn aufgehärt. Sic war damals, als jene Dinge in Ostende vorgingen und als sie noch ledig war, von der Kinematographen-Gefellschaft engagirt, Herren in verfängliche, komische Situationen zu bringen, wobei daun die Gruppen von einem Helfershelfer in den verschiedenen Stadien ihrer Bewegungen photo- graphirt wurden. Entlastung der geknickten Seelen, Heiterkeit, Ver­söhnung und volle Befriedigung de» diesmal nicht sonderlich stark vertretenen Publikums, welche» sich während des Abend» geradezu köstlich" zu amüsireu schien, und da» mit einem gewissen Recht. Gute