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Wtsbillttm Tagblaü

Verlag: Langgasse 27.

15,00® Avormruten

1897.

Samstag, de» Z7. Wooemüer

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

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Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Morgen»fl"jsgaiie

45. Jahrgattg.

Erscheint in zwei Ausgaben. BezngS-PrciS: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Vermischtes.

* Dir Dampfmaschine ver Zuliunfi? Aus dem Eebicle der Dampf-Motoren scheint die von dem schwedischen Ingenieur Laval koustruirte und neuerdiugs verbesserte Dampf-Turbine immer mehr Verbreitung zu finden. Mau hatte sich im Anfang danut begnügt, Dampf-Turbinen mit verhältiiissmäßig Heiner Leistung, etwa 5 bis 25 Pferdestärken, herzustclle», die zur vollsten Zufrieden­heit arbeiteten; jetzt ist man auch zu grösseren Ausführungen über» aegaugen, die ebenfalls tadellos fnnktionircm In einer elektrischen Central-Station ist kürzlich eine Damps-Tur'oiue zum Betriebe der Dhnaino-Malchine aufgcstcllt worden, die 300 Pferbekräfte liefert. Der Durchmesser des Flügelrades in der 300-Pfcrdekrast-Dampf- Turbiue beträgt nur 75 Ceutimetcr. Allerdings übertrifft die Um­drehungszahl der Turbine alle bei Dainpsniaschinen erreichbaren Zahlen: bei der 300-Pferdekraft-Tnrbine dreht das Flügelrad sich 9000mal in der Minute. Liesse man das Flügelrad aus deiu Boden laufen, so wurde es bei der angegebenen Umdrehungszahl eineuWcg Do» über 20 Kilometer in der Minute znrücklegcn.

* El» vrrfeliltes Leben. Aus Nizza wird geschrieben: Eine der bekanntesten Lebedamen von Nizza und Paris, die einst vielgefeierte Opereltendiva Lea d'Asco und jetzige Gräfin Lagrange, hat sich am Morgen des 17. November durch Morphium nud Kohleu- gas zu vergiften versucht. Sie schrieb aber zu lange an den Ab­schiedsbriesen und lebte noch, als Nachbarn um 7 Uhr früh den Gasgeruch verspürten und zu Hülfe kamen. Lea d'Asco, die mit ihrem nachmaligen Gatten Grafen Lagrange in Assen und Afrika nach Gold suchen gegangen war, hatte von dort eine große Menagerie mitgebracht, mit der ssc in Cimiez bei Nizza einen zoologischen Garten

Nttzelgett-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Rerlamen die Petitzeilc für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

verlangt daher, dass bei hygieinischer Einrichtung von Masscnwohuuugcn mindestens ebenso sehr Rücksicht auf die Sauber keitSbedingungen der Fussböden, wie auf die Versorgung mit gutem Trinkwasser genommen werde. Aus diesem Grunde empfiehlt Krisch warm das von der franzöfischen Militärverwaltung in einigen Kasernen eingrsiihrte Shstem des Threraustrichs der Fussböden. Laveran, mit den bakteriologischen und hygieinischeu Auffassungen von Kclsch ganz ein­verstanden, ist jedoch mit dem Thecranslrich der Fussböden nicht zu- srikden, da ein solcher Spalten und Löcher zwischen den Planken des Fussbodens entstehen lässt, iii welchen sich der Staub leicht an- sammelt und au» denen er nur schwer zu entfernen ist. Für Laveran kann der Fußboden nur daun Hhaicinischcu Anforderungen genüge», wenn er mit einem Arphaltüberzug versehen ist oder wenn Holz dabei überhaupt nicht in Anwendung gezogen wird.

für den Itrnulttn Zprachlchrer sind ferner bei uns eingegangen: Bon L. H. 1 Mk., H. M. 2 Mk., M. S. 1 Mk., I. H. 3 Mk. Herzlichen Dank Namens des Bedachten!

Sperre. Die Kleine Sch w albacherstraße wird zum Zweck der Herstellung einer Wasser- und Gasleitnug auf die Dauer der Arbeit für den Fährverkehr polizeilich gesperrt.

Stimmen ans dem Publikum.

(Für Veröffentlichungen unter dieser Überschrift übernimmt die NedaMou keinerlei Verantwortung.)

* Am Neubau des evangelischen Vereinshauses in der Steingasse wurde am Mittwoch Abend, gegen 6 Uhr, ein Pferd, da», er­schöpft vom Tagewerk, den schwere» Karren nicht mehr aus der Tiefe bringen konnte, mit Schipp en stielen und zwei Peitsch-n (da kein Fuhrwerk sonst am Platz war, scheint eine für diesen Zweck in Bereitschaft zu sein) über eine halbe Stunde erbarmungswürdig mißhandelt. Die Jugend dieser Gegend sah mit Behagen zu und ließ dann und wann den ermunternden ZurufUff enn" er­schallen. Wir empfehlen den Ort demThierschutz-Verciu" und bitten alle anständigen Passanten um Eiujchreileu gegen derartige Notzeiten.

* Griesheim, 25. November. Dem Turnverein zu Griesheim sind die Nechte einer juristischen Person verliehen wordcn.

6<?n Monat Dezember

auf das

adener Tagblatt"

abonnire», findet fich Gelegenheit im Verlag Langgasse 27,

den Ausgabestellen, den Zweig-Lxpcditionen in den Nachbar­orten und sämmtlichen deutsche» Reichsxostanstalten.

eiurichtete. Sie gründete nach dem Tode des Grasen auch eine elektrische Bahn und ein Kaffeehaus, doch alle Unlernehmuugen ver­schlangen mehr Geld, als sie hatte, und so sah die vielbeneidete Gräfin Lagrange das Elend in naher Zukunft. Eine Version, daß sie den Selbstmordversuch Weyen Spielverlnstes' in Monte-Carlo unternommen habe, scheint unrichtig zu sein.

* Ein höflicher Zauptmanu. Ein bei seiner Batterie sehr beliebter Hauptmann hatte es sich wie man derTägl.Nrnidsch." erzählt zur Aufgabe gemacht, niemals Schimpfworte zu gebrauchen, wenn er Veranlassung hatte, zu tadeln, vielmehr auch dann nur stets in wohlgesetzter Nedc sich auszudrücken. So beurtheilte er das Exercireu seiner eigenen despanuteu Batterie, die ihm der Premier- Lieutenant halte vorsühren müssen, folgendermaßen:Herr Lieutenant X.! Nähme ich eine L>chachtel Bleisoldaten und würfe sie in beliebiger Ordnung auf da« vor mir liegende Feld, so würde das also gewonnene Bild eher dem einer exercirenden Batterie, als die Batterie gleichen, als die Batterie, wie Sie, Herr Lieutenant, mir sie vorgeführt haben. Ich danke sehr!" Bei einem Sachen­appell erhielt er von einem Kanonier eine lbörichte Antwort, die er folgendermaßen rügte:Lieber Manu! Wenn ich Ihre geistigen Fähigkeiten mit der Größe eines Ttziercs vergleichen sollte, so würde ich zu Ihnen sagen:Oh, Sie Ncgeuwurm!" Wie es übrigens trotz aller wohlgesctzten und gezügelten Worte bei diesen Gelegen­heiten in ihm kochte, bewies folgende Kritik, die über einen Mann niederging, der ungeschickt über den Voltigirbock sprang:Da wälzt sich nun die geistig lobte Blaffe über den Voltigirbock hin­über", und dann nach kurzer Panse:Will Er zurück, olle Paddel" Hier wurde, wie wir uns ansdrückteu,der Hauptmann wieder einmal Mensch". Eines Morgens spazierte er au der Spitze seiner Batterie zu dem enge» FestnngSthor seiner kleinen Garnisonstadt hinaus. Vor ihm ritte» seine beiden Trompeter, von denen der eine mit dem Sattel nach links, der andere nach recht» hing, den» sie halten beide bis 4 Uhr Morgens Tanzmusik gemacht. Sie achteten deshalb auch auf das, was um sie her vorging, sehr wenig und übersahen selbst eine Semmelsrau, die mit ihrem Huudewagen das frische Gebäck auss Land fuhr und vou der Balterie gerade in dem zum Ausweichen zu schmale» Thalgaug eingeholt wurde. Der Hauptmann ritt deshalb, seinerstupide»" Trompeter, wie er sie nannte, nicht achtend, an die Fran heran und rief ihr zu:Liebe Fran, Sie müssen jetzt, sei es rechts, fei es links, der Ihnen nach­folgenden Balterie answeicheu, oder aber Sie müssen in be­schleunigter Gangart das Freie zu gewinnen suchen." Anstatt aber zu machen, daß sie fortkam, drehte sich die Frau nur um und fragte: Wat feggeu Sie?"

* gchta». Ein Irländer übernahm die Verpflichtung, einen Drnuneu zu graben. Als er 25 Fuß gegraben hatte, kam er eines Morgens zur Arbeit und sand, daß der Brunnen eiugesturzt und das Bohrloch bis zu dem Rande mit Erde gefüllt mar. Der Irländer schaut fich vorsichtig nm, nud als er bemerkt, daß Niemand in der Nähe, nimmt er feinen Nock und Hut und wirft diese Sachen zwischen die Erdschollen, verkriecht sich in» nahe Gebüsch und harrt der Dinge, die da kommen sollen. Nicht lange währt'S, und Vornveigehende entdecken, daß der Brunnen eingestiirzt ist; da sie die Kleider de» Iren sehen, vermuihe» sie, dieser sei verunglückt und liege aus dem Grunde des BrunuenS. Mehrere Stunden harter Arbeit entfernen die Erdschollen aus dem Brunnen, und man erreicht den Boden. Gerade als man feine Verwunderung darüber ausdrückte, daß der Körper des Iren nicht zu finden, näherte fich dieser seinen Netter» und dankt ihnen dafür, daß sie ihm die un­angenehme Arbeit abgenommen.

* Affe und Gano. Die Javaue» sind leidenschaftliche Lieb­haber von Thiergefechteu. Manche von ihnen, wie Gcsechte zwischen Büffel und Tiger, zwischen Hähnen 2C., werde» unsere liefet schon beschrieben gelesen haben, der Kampf zwischen einem Affen und einer GanS dürste dagegen etwas Neues fei». Gans und Affe werden mit einer Schnur au je einer Pfote aneinander gebunden; dann bringt man beide Tbiere in die Nähe eines Flusses ober Bache» und läßt sie lo». Die Gans, die vor bem Jlffc» Angst hat, sucht das Wasser

Aus Stadt und Zand.

I W i e» b a d e ii, 27. November.

! .o- 3I)V< Majestät die Kaiserin Friedrich, sowie Prinz

d und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen sind mit j Gefolge, von Numpenheim kommend, gestern Nachmittag mit einem S fahrplanmäßigen Zug der TaunuSbatzn hier eingetroffen, um ii I. Kgl. Hotz, der Frau Prinzessin Luise hier einen Besuch zu : machen. Gegen 5 Uhr sichren die hohen Herrschaften von dem

4 Palais der Frau Priuzessiu Luise aus in dasPark-Hotel", um

die dort wohnende Fran Großsiirstm Konstantin von Nuß- land zu besuchen. Sie verweilten daselbst bis kurz vor ihrer Ab­reise nach Numpenheim, die um 6 Uhr 38 Mi», erfolgte.

Kran Großfürstin Constantin von Rnffland, Kaiser­liche Hoheit, empfing gestern den Herrn Erzpriester Propst v.j Prosiopoposs m Audienz und überreichte demfelben ein i prächtiges! silbernes, vergoldetes Theefervice in Etuis. Die Fran ( Großfürstin reift nächsten Montag von hier nach Petersburg ab.

Naffanischer Kunftorreln. Ne» ausgestellte Bilder: 4 Von H. W. Mesdag ein Bild:Am Strande vou Scheveniugen". ,Ii; Von Fra» S. Mesdag van Hunten zwei Bilder:Frühstück" ' ' undStillleben". Von I. Israels ein Bild:Mater dolorosa, nk \ Alpen-Verein. Nachdem es gelungen ist, die Lokalfrage i Ui zu lösen, ist nunmehr die Abhaltung des Alpensestes auf de» ** 15. Januar 1898 festgesetzt worden. Nähere Mitlheiluugen werde» s. Zt. erfolgen.

1 | 1 Vortrag. Auf den heute Samstag, Abends 8 Uhr, im

ij Saale der Gewerbeschule itattfindeuden Vortrag des Herr» Zeichen- H sehrers Adolf Schmidt überantike uud moderne Keramik" sei gieunit nochmals aufmerksam gemacht.

1 y( Eissport. Bereits morgen, Sonntag, eröffnet die s II br. Lehrsche Kuranstalt im Nerothal ihre künstliche Eisbahn, die ii H auch dem Publikum außerhalb der Anstalt zur Verfügung steht.

I r Der Nsteinvaffcrstand ist derart zuriickgegangeu, daß jetzt auch der Ortsverkehr KölnBon» eingestellt werde» mußte. Damit ruht die Schiffahrt saft vollständig. Auch in de» Nuhrhäfe» stockt der Verkehr. Bei den, anhaltenden trockenen Weller ist eine , B "serung im Schiffahrtsverkehr nicht zu erwarten.

Die Gefahren des Lußbodenstanbeo. Wie die si eutsche Medizinische Wochenschrift" mittheilt. sprach in der October- SitzNug der Academie de medecine in Paris Krisch über die I pathogene Bedeutung des Staubes der Fußböden. Aus Grund

v seiner bakteriologische» Untersuchungen, die mit aus Kasernen uud

Lazarethen entnommenen Staubpartikeln augeftellt worden waren, > kommt er zu dem Schluß, daß mit Ausnahme vou Cholera und I Abdominaltyphus der Staub der Fußböden die Krankheitsursachen I i für die hauptsächlichsten Infektionen, wie die akute Exantheme, die Diphtherie, die Pneumonie und besonders die Tuberkulose, enthalte. Er

« für die Nbend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

-^>1111(11)111? nächstcrfcheiiienden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. _______________________________________________________

> ( Der Philologe zündete fich ein ihm von den Damen gern gestattetes Vergnüge» eine Cigarette a» uud sagte:

" 1Der Th« ist ursprünglich nicht chinesisch ..

9Sondern?"

I» Assam, einem gleichfalls in Asien liegenden Gebiet, ist ine eigentliche Heimath. Von dort aber kam der Thee wohl schon i hr früh zu de» Chinesen. Die ältesten uns bekannten persischen «J Schriften erwähnen seines schon al» chinesisches Produkt. Die hiiltsen und ebenso die Japaner, die gleichfalls feit alten Zeiten

die Tbeekultur betreiben, haben e» lange verstanden, die Euroväer über die Art und das Wesen der Pflanze im Unklaren zu lassen. Erst als nach Wiederausrichtimg der alten Kaiserdynastie Japan de» Fremden erschlossen wurde, ist es bc» europäischen Forschern gelungen, sich über dies mysteriöse Gewächs klare Gewissheit zu verschaffen. Bekanntlich ist bet Thee ein StrauchgewüchS, dessen seine, eben aufbreebeube Blätter zur Bereitung dieses angenehmen Getränkes verwendet werden."

Es giebt aber doch verschiedene Sorten," machte Fräulein Angela ihr Wisse» geltend,man hat schwarzen und grüne» Thee."

Allerdings," erwiderte der junge Philologe,aber die Farbe des Thees liegt weniger an der Verschiedenheit der Spielarten der Pflanze, sie wird vielmehr auf künstlichem Wege, durch die Behand­lung der frifd) gepflückten Blätter erzeugt. Zwar kultiviren einzelne Laudftriche Chinas mehr die Spielart Viridis und erzeuge» daran» hauptsächlich grünen Thee, während andere Gebiete, z. B. das für die Theeproduktion bedeutendste, die Provinz Fo-kion, fast nur die Bohea-Spielart baue», uns mein schwarzen Thee liefern. Doch ist man jetzt, wie ich bereits andeutete, darüber einig, daß beide Spiel­arten sowohl schwarzen, wie grünen Tb« ergeben.

Bevor ich aber weiter über die Behandlung des Dlätterthees spreche, möchte ich Jhueu, meine Damen, ein kleines Bild des chinesischen Theebaues geben. Es gehört die ganze nnermüdliche und sorgsame Ausdauer dieser Zopfträger dazu, um de» Thee au» dem Samenkorn bis in die mit Staniol sauber ausgefütterte Kiste zu bringen, in welcher sie der Importeur zu uns herübersührt. Schon im Octobet, nicht lauge nach der letzten Blällcrernte, sammelt man den vollreisen Samen de» übrigen» weiß-blühciiden TheesttauchS und sammelt ihn, mit feiner, trockener Erde unter­mischt, in verschlossene» Porzellangefäßen aus. Zwischen Ende März und Mai beginnt man mit der Aussaat. Die kleinen Pflanzen erfordern schon eine endlose Sorgfalt, müsse» gejätet und ausgepflauzt werden, mau begießt sie bei anhaltender Wärme mit Neiswaffer uud deckt sie bei kaltem Wasser mit Stroh und Matten. Sobald die Stämmchen eine gewisse Höhe erreicht habe», schneidet man die Spitze heraus, um sie buschiger zu machen. Im dritten Jahre erst schreitet man zur Ernte. Diese selbst ist hochiuteressaut. Sie wird fast mir von Mädchen und Frauen besorgt, deren feine, unglaublich behende Finger von Jugend auf in dieser Beschäftigung fich iibm »pissen. Man hat, da der Geschmack und das Schönheitsempfindeu der weißen Raffen ander» geartet sind, bei uns keine allzu hohe Meinnug von der Schönheit der chinesischen Frau. Und doch versichere ich Ihnen, meine Damen, daß ich aus meinen Reisen wenig so auziehenbe Bilder gesellen bade, wie da» der Theeernte in China. Unter dem blaugolbmcn Himmel die in regelmäßigen Abständen ausgepflauzte»

Theesträucher und zwilchen deren seinen, bald lichtgrüne», bald bc» tedieren Blätterbüschen die graziöse» Gestalte» der Pflückerittnen, bereu Teint von der Farbe reifenden Korne» bis zum tiefen Gelb- braiui bet Terra siena sich abstust. Kaum unter den obersten, rassereinen Kreise» unserer Gesellschaft habe ich an Frauen und Mädchen so schmiegsame, gleichsam melodische Bewegungen dcS Körpers wahr genommen, wie bei diese» armen, von keinem Kultur- Hauch augewehte» Töchtern deshiunulischeii Reiches".

Aber ich wollte »och etwas über die Blätterernte sagen. Die jungen Mädchen tragen dabei an einer Schnur ein Körbchen um den Hal», in das sie die gepflückten Blätter hiueinthun. Beim Pflücken ziehen sie mit der Linke» den Strauch an sich und zupsen mit der rechte» Hand vorsichtig uud doch schnell die Blätter am Stiele ab. Die Pflückerinnen dürfe» während der Ernte weder Fisch, noch irgendwelche stark gewürzte Speisen effen, sie tragen Handschuh bei der Arbeit und nehmen jeden Tag mindestens ein Bad alles Dies, nm das Aroma der Theeblälter nicht zu beeinträchtigen. Solche Ernte» ergiebt der Theestranch jährlich zwei ober drei und je älter die Pflanze wird, desto reichlicher ist der Ertrag. Allerdingswerden die Blätter nach einer gewissen Zeit qualitativ schlechter."

Nud die Behandlung der Blätter, Herr Doktor?" .

Eben wollt' ich davon sprechen, gnädige Frau. Die Prozedur der Bereitung des Blätterihees ist fo umständlich, daß ich sie Ihnen mir in grossen Zügen zeichnen tarnt. Die zu schwarzem Thee be- ftimmteu Blätter werde» vorerst an der Sonne getrocknet, daun über Kohleupfaunen leicht gedörrt und auf flachen Tischen mit der Hand gerollt, wodurch die Blättchen die spitze, steugelartige Form erhalten. Hernach röstet man sie in dünnen Eiseupfaunen, und hierbei muß der Röster sehr Acht geben, weil ein Anbretinen un­fehlbar das Aroma des Thees verderben toürbe. Die Blätter werden nun abgekuhlt und dem Nöstprozeß zum zweite» und dritte» Mak unterzogen, bis von dem anfänglich stark ausströnienden, klebrigen Saft nichts mehr zu spüre» ist. Vielfach parsümirt man den Thee, iitbcm man ihn mit frischen Blumen, wie Gardenie, Jarmtn:c., m''rt JDl), wie poetisch!" lachte Fräulein Natalie, aber der Doktor ließ sich nicht stören, er fuhr fort: . ,, , ,

Den grünen Thee erhält man durch em rascheres Rostverfahren und besonders dadurch, daß man die Blätter vor dem Trocknen Wafferdämpsen ankfetzt. Wer aber fing ist, folgt den Chinesen und . braudjt ungefärbten, b. h. den schwarzen Thee, den Sie, gnädige Frau, so vorzüglich bereiten, daß ich noch um eine Schale bitte!

Bravo, lieber Doktor! Das ist das Wenigste, was Sie für ihre liebenswürdige Plauderei verlangen dürfen. .

Danach sprach man von anderen, weniger exotischen Gegen» siäudcu... t.

F (Nachdruck verboten.)

! * * Keim Thee.

Von Hans Ludwig.

Der Thee war soeben herumgereicht worden und die dadurch i entstandene Unterbrechung hatte ein Gespräch Über das neueste s \ französische Gastspiel zu Ende gebracht.

Woher beziehen Sie diesen Thee, gnädige Fran?" fragte der junge Philologe, der einzige Mann tu dem kleinen Cirkel.

Aber, lieber Doktor, aus derselben Handlung, aus der ich ihn

seit Langem habe. Der Name fällt mir nicht ein, doch wenn Sie ' wünschen . . ." Die Dame des Hauses lächelt uiib greift nach dem

| elektrischen Telegraphen.

INein, nein, ich bitte sehr!" wehrt der junge Mann ab,der T Name ist ja eigentlich gleichgültig, und wenn ich. danach fragte, fo geschah ba», weil dieser Thee in der That ganz vorzüglich ist. Er hat jenen zarten, leicht prickelnden Geschmack, die schöne goldgelbe ! Farbe, welche der Renner an diesem Getränk so hochschätzt; und ! da» köstliche, ich möchte fast sagen, edle Aroma lässt auf echte»

L : Souchong schließen."

i Der junge Mann hob bei diesen Worten die Tasse nochmals 1 *' 'inpor und sog den bauchfein emporsteigendcn Dampf mit Wohl- * Phagen ein.

< Angela v. Hollebe», eine Freundin der Hausfrau, blickte auf» ßnerksani zn Dr. Birkholtz hinüber, dann neigte sie ihren stolzen f Kopf mit dem mattblonbe» Flechieukrauz ein wenig uud sagte mit (der gedämpften Stimme, die ihrem Geplauder stets den Reiz des f rvcheimuißvoUen lieh:

1 k IIch würde gern mehr darüber hören. Man sagt im» Frauen

-gewöhnlich nach, wir hätten für ernstere Dinge wenig Verständniß u i und faßte» in der Unterhaltung Alles mir oberflächlich. Ich will T ! garnicht untersuchen, ob das Urlheil gerechtfertigt ist ober nicht, von V ' mir weiß ich das Gegentheil, mir würde es Vergnügen machen, wen» i .iHis Herr Dr. Birkholtz Genaueres über de» Thee und seine Ent-