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«5. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag SO Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.
Verlag: Langgasse 27.
15,000 Abomreuten.
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Ä f“r die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingercichtcr Anzeigen zur
*■1O* ** c**1 v nächsterscheincnden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
Ito. 54V. Bezirks-Fernsprecher N». 52. Wt1tM0ch, dkN 24. Bezirks-Fernsprecher No. 52. 18V7.
Morgen-flusgabe.
Iüv Herr Monat Dezember: auf das „Wiesbadener Tagblatt" ju abonniren, findet sich Gelegenheit im Verlag Langgaffe 2?, bei den Ausgabestellen, den Zweig-Expeditionen in den Nachbar- rrten und säinnitlichen deutsche» Reichspostanstalten.
(Nachdruck verboten.)
Me größleFenersbrnnst in London sei11666.
Unser Londoner »-Korrespondent schreibt uns untcrm 21. ds. Dtts.r
Große verheerende Schadenfeuer flnb in der Niescnstadt London saft tägliche Ereignisse. Gar oftmals erblickt man am Abend in einer oder der anderen Richtung feurigen Schein am dunkeln Nachthimmel, aber Niemand außer Denen, die sich in nächster Nähe der betreffenden Vrandstätte befinden, pflegen davon besondere Notiz zu nehmen, und man sieht höchstens am folgenden Morgen in der Zeitniig nach, ob der Brand ein Ereigniß von Bedentung war oder nicht. „Hoch vom Thurm lcntet's Sturm", könnte hier kein Schiller schreiben, denn lediglich der Telegraph oder der Fernsprecher ruft die Feuerwehr herbei, deren Gefährte oft nur langsam durch die verkehrsreichen Straße» im Innern Londons gelangen, weil sie nicht mit Glocken oder sonstigen Signal- Vorrichtungen ansgestaltet sind, bei deren Ertönen jedes andere Fuhrwerk fchleiinigst Platz zu machen hätte. Die erste Spritze laugte daher auch am Freitag Mittag erst eine Viertelstunde nach der Meldung von dem Ausbruche eines Feuers in einem der großen Geschäftshäuser in der Hamsell- Straße, einer der vielen enge» Gasse» i» der City ein. Sie wäre vielleicht noch später gekommen, wenn der Feuerwehrkommaudant, der sich ans ihr befand, nicht Befehl gegeben hätte, da, wo lhunlich, aus dem Bürgersteige entlang zu fahren und so das Wagengewuhl der Fahrstraßen zu umgehen. Wen» man sich auch bewußt war, daß die Lokalität, in der das Feuer zuerst ausbrach, eine der gefährlichsten in Loudon, und zwar der engen Gassen und der riesigen, mit ungemein brennbaren Materialien, wie chinesischt Siroh- gcflechte japanische Lackwaaren, Spielzeug uud dergleichen angesüllten Lagerhäuser wegen war, so ließ sich doch wohl zu Anfang schwerlich Jemand träumen, welchen Umfang das Feuer annehmen lvürde. Sechsundneunzig massive, meist fünf und sechs Stockwerke hohe Häuser im Herzen der City sind thatsächlich verschwunden, denn es ist unmöglich, an der Brandstätte auch nur sestzustellen, wo sich die Straßen befunden haben, in denen sie standen, »nd noch viel weniger, welche Stelle» die tinzelnen Grundstücke einstmals iune hatten. Schaut man hente von einem der benachbarten Häuser auf die Braudstättc herab, fo erblickt man nichts als einen riesige» schwarzen Schntthause», aus dem hie und da noch einmal eine Flamme emporzüngelt, und von dem heiße Wasserdämpsc aussteigen. Wie eine Scene ans Dantes „Inferno" sieht es ans. Gcwaliige eiserne Träger, halb zerschmolzen, liegen da wie dünner Draht gewunden und gebogen, aber das Manerwerk scheint ganz zu Schutt und Staub zertrümmert zu fein. 8,000,000 Pfd.Sterl. (160,000,000 M k.), hieß es gestern, betrüge der Schaden, doch einer heute gemachten Schätzung zufolge scheint das zu hoch gegriffen gewesen zn sei», und fünf Millionen Pfund Sterling soll der Wahrheit näher kommen. Nur ein Theil dieses Betrages ist indeß durch Versicherung, uud zwar fast ausschließlich in amerikanischen Versichermigsgesellschasteii, gedeckt. Unter den Abgebrannten befinden sich zahlreiche deutsche Firmen, denn das betroffene Stadtviertel trägt einen durchaus internatioualeu Charakter. Glücklicher Weife waren bei der schrecklichen Katastrophe keine Verluste an Menschenleben zu beklagen, und selbst unter den Feuerwehrleuten, die ihre Pflicht in geradezu bewunderungswürdiger Weise erfüllten, kamen mir einige verhallnißmäßig leichtere Verletzungen vor. Fünfzig Dampsspritzen überschütteten die Brandstätte vierundzwanzig Stunden laug mit wahren Wafferströmen, ober das Feuer wüthele mit furchtbarer Gewalt überall da weiter, wo cs einmal begonnen hatte, uud die Löfchniannschaften mußten sich schließlich darauf beschränken, eine Grenze rund um dasselbe zu schaffen, die sie mit allen ihnen zu Gebote stehenden Kräften vertheidigte». So gelang es ihnen auch, des entseffelieu Elementes Herr zu werde», aber auch im Augenblick arbeiten die Spritzen noch immer, denn unter bett Trümmern lauern auch jetzt »och heittitückifche Flammen.
Aus §tndt uud Zand.
Wiesbaden, 24. November.
-o- Stadlverordnekenwahl. Nach der amtlichen Feststellung des Ergebnisses der gestrigen Wahl der 2. Klasse sind an Stelle der ausgeloosten Mitglieder die Herren Neittner Emil Hees mit 320, Nenlner G. Schupp mit 305, Geh. Sauitätsrath Dr. A. Pagenstecher mit 285 Stimmen wieder- und Herr Weinhändler H. Brötz mit 193 Stimmen neu- gewählt worden und zwar auf 6 Jahre. An Srelle der aus- geschiedeiien Mitglieder Stein und Willms sind Herr Kans- man» Karl Spitz mit 219 Stimmen ans 4 und Herr Apotheker Dr. Kurz mit 216 Stimmen aus 2 Jahre gewählt. Außerdem erhielten Stimme»: Herr H. Allman» 106, Herr L. Schwenck 97, Herr I. I. Maier 52 und Herr I. Ungeheuer 46. Bo» 721 Wahlberechtigten haben im Ganze» 320 abgestimutt. — Die Stichwahl für die dritte Klaffe zwischen den Herren A. Mollath und L. Sattler findet am 13. Dezember c., Vormittags von 9 bis 1 Uhr, statt.
— Kirchliches. Heute Mittwoch, Abends 6 Uhr, beginne» wieder die in jedem Witter durch Divistonspfarrer Runge gehaltenen wöchentlichen Bibelftuuden. Ans vielseitigen Wunsch find sie wieder, wie früher, in den Saal der Höheren Töchterschule, Lnifenstraße 26, verlegt worden.
-o- Schwurgericht. Die zweitägige Verhandlung gegen de» Jacob Männchen von Heppenheim, früher hier wohnhaft, mtb dessen Haushälterin Rosa Gros von Sondernan in Bayern Hing gestern Nachmittag um i Uhr zu Ende. Männchen wurde wegen
betrügerischen Bankerotts und fahrlässigen Meineids z»Al Jahr 6 Monaten Gesängniß, unter Anrechnung von 2 Monate» Unter« sttchuugshast, und 5 Jahren Ehrverlust und die Gros wegen Beihülfe zum betrügerischen Bankerott zu 2 Monate» Gesängniß vernrlheilt. Letztere wurde aus der Haft entlassen. — Heute, Mittwoch, Verhandlung gegen de» Büreangehnlscn Valentin Dickops von Langenschwalbach wegen AmtsverbrecheuS.
— Ei» Wort vom Kade». Zur Erhaltung uud Stärkung der Gesundheit des Menschen giebt cs wohl kaum ein besseres Mittel, als den fleißige» und regelmäßigen Gebrauch der BadcS. Derselbe ist übrigens so alt wie die Menschheit; für den Naturmenschen waren n»d sind heute noch Bäder ein Bedüifniß. Wie die Rothhaut des Westens nach den Streiszügen hcs Tages eine Ersrischiing in den kühlen Welle» des Urwaldstroines sucht, so liebten eS unsere Vor- sahren zu Christi Zeit, im Sommer Flußbäder, im Winter erwärmte Bäder zu nehmen, wie der Geschichtschreiber Tacitus von ihnen berichtet. Auch von dem hochentwickelten Kulturvolk der Römer wissen wir, daß Alt und Jung täglich in dein Tiber badete, und die alten Spartaner hielten besonders darauf, daß die Jugend, Kuabe» uud Mädchen, häufige Berührung mit den Finthen des Eurotas pflegte». Es ist schwer einznsehen, wodurch eS kam, daß bei uns in Deutschland im Mittelalter das Baden so gänzlich in Mißkredit gerieth, daß es ein so hervorragender Schulmann wie Valentin Trotzendors seinen Zöglingen rundweg verbieten konnte. Unser Jahrhundert hat in'dieser Beziehung wieder vernünftigere Ansichten aus den Schild erhoben, und doch giebt es anch jetzt ani Ende desselben noch breite Volksschichten, welche die wichtige Bedeutung des Bades nicht einsehen wollen. Es ist darum nolb- wendig geworden, wieder bei der Jugend zu beginneu uud ihr das Bad atizugewöhuen. Zu diesem Zweck wurden besonders in größeren Städte» die Schylbäder eingerichtet. Anch in unserer Stadt hat man damit einen schönen Anfang gemacht, indem die drei größten Volksschulen mit Ladeeinrichtungen versehen wurden. Schreiber dieser Zeilen hatte Gelegenheit bei der Besichtigung der Biücherschule auch die Voderäume in Augenschein zu uehmeii. Sie bilde» nicht die unbedeutendste Sehenswürdigkeit an diesem Schul- Neubau. Untergebracht wnrde» sie, wie das meist so geschieht, in dem Kellergeschoß, wo sie sich in zwei Sälen, je von der Größe eines Klaffeuzimmers, befinde». Der eine derselben, der Aus- und Ankleideraum, ist mit Kleiderhaken und Sitzgelegenheit für etwa sechzig Kinder reichlich verseheit. Das anstoßende eigentliche Badezimmer hat acht Brausen, die ihr Wasser so weit vertheilen, daß vier Knaben unter jeder Brause be- gnem stehen könne». Es können also vierundsechzig Kinder in zwei Abtheilunge» baden, was in einem Zeitraum von einer halben Stunde sehr wohl geschehen katiu. Das Baden ist mit den Turnstunden verbunden und die Tnrnhalle kann von den Bäder» ans erreicht werden, ohne daß das Kind ins Freie tritt. Das ganze Haus ist sammt beit Gängen und der Tnrnhalle gleichmäßig auf 18 bis 20"(Srab Celsius erwärmt ttnb eine Erkältung durch die Benutzung der Bäder also vollständig ausgeschlossen. Da sollte man denken, die Eltern der Schüler würden diese Eiurichtnug mit Freuden uud Dank begrüßen uud die Kinder zur Benutznng der Bäder mit Eifer enthalten. Au der Blüchetschule konnten bis jetzt keine Erfahrungen gesammelt werben, wohl aber au bett beiden älteren Anstalten. Unb diese Erfahrungen sind höchst klägliche und beweffen, daß entweder der Reinlichkeitssinn in weite» Schichten unseres Volkes sehr viel zn wünschen übrig läßt, oder daß breite Massen in einem tinberechtigte» Vorurlheil gegen die nette Einrichtung besangen sind. Es kam vor, namciitlich im Winter, daß von sechzig Schülern einer Klasse kaum ein halbes Dutzend an den Bädern theilnahtn. Ei» Zwang konnte von den Lehrern nicht ausgeubt werden, da dieselben dazu angeblich nicht antorifirt waren. Soll aber die gewiß nicht billige Anlage der Bäder den Segen stiften, de» matt von ihr erwartet, so muß unbedingt der Zwang hiitznkommeu. Es kann vor dem objeliiven Unheil garnicht fraglich erfdjeitten, daß es keinen unberechtigte» Eingriff in die Rechte der Familie bedeutet, wenn auch in dieser Sache Zwang angewandt wirb, erzwingt doch die Schule schon so manches Andere, das sie als gut und heilsam erkannt hat. ES sollte ketitem Kind gestattet fei», sich von der Benntzuug der Bäder auSzuschließen, das nicht durch ein ärztliches Zcugniß nachgewiesen hat, baß das Baden seiner Gesundheit nachtheilig werben könnte. Die Eltern aber sollten bas Vorurtheil gegen diese regel- ntäßige körperliche Reinigung! unb Erfrischung ihrer Kinder aufgeben unb bedenken, daß ihre Sprößlinge durch den fleißigen Gebrauch des Wassers ihre Gesundheit z» förberti uud zu stärken vermögen.
— Stelier die Karteubrleft berichtet die .Nat.Itg.": „Bei der demnächst zur Ausgabe kommeuben neuen Serie von Karten- briefen sollen die bei den jetzigen ffartenbriefen bemerkten Mängel beseitigt werben. Sie sollen besser gummirt, zwcckutäßiger durchlocht fein nitb auch in der Inschrift auf bet Rückseite ein befferes Deutsch aufweifen. Am besten würbe es aber doch sein. Wenn man in diesem Falle dem Beispiele Württembergs folgert ttnb gar keine Inschrift anbringen würde. Das Publikum muß sich selbst darum flimmern, in welcher W-ise und zu welcheui Portosotz Kartciibriese verwendet werden können. Ans den Postkarten findet sich doch atkklf'kcin Vermerk über die Verwendung nach dem ArtSland. Es ist das nun schon die dritte Serie von Kartenbriefen, die in der uächslen Zeit herauskommen wird. Die erste Serie hat Niemand aus dem Publikum zu Gesicht bekommen. Diese erstell finricubtiefe sahen itoar ganz schön aus, doch Tonnte man nicht darauf schreiben, da >ie Tinte sofort, wie auf einem Löschblatte, auslief. Man konnte »aber diese Kartenbriefe gar nicht in den Verkehr bringen. Daß ölche Mängel (auch das alberne Deutsch aus her Rückseite? D. N.) möglich waren, liegt fast ausschließlich an der Kürze der Zeit, in der die acht Millionen Kartenbriefe hergestcllt werden sollten."
— Zur Zteuerrutrichftmg sind von der Stadtkaffe auf- jeforbert für heute diejenigen Zahlungspflichtige», welche veranlagt mb in ben Straßen mit den Anfangsbuchstaben V unb W.
— „Alte Kunst" ist eine Serie von 20 Künstler-Postkarten betitelt, die das Autigtiariat Emil Hirsch, Karlstraße 6, soeben in den Handel bringt. So fittben mir 12 Nidinger — eine Freude für eben Jagbliebhaber —, 4 schöne Frang. Boucher unb ebenso viele reizende Moreau, sämmtlich in einer Ausführung, die in ihrer Feinheit lebhaft an Röthelzeichnnug erinnert.
— Eine außerordentlich merkwürdige Entdeckung auf dem Gebiet der Physik ist vor Kurzem von 81. Ed. Liesegang in Düffeldors gemacht worben. Derselbe ließ Gelatine in Wasser aufquellen unb tropfte darauf in einiger Entfernung voneinander verschiedene Salzlösungen. Letztere zogen sehr langsam in die Gelatine hinein unb dehnten sich im Innern berfelbeit seitlich aus. Sobald zwei solcher Salze sich innerhalb der Eelalitie treffen, treten chemische Vorgänge ein. Die hierbei entstehende» neue» Körper
lager» sich nun in eigenlhümlichen Linien ab. Es bilde» sich dabei oft Figuren, welche auffallend an dcn Batt lebender Wesen erinnern. Wahrscheinlich Wirb das geheimnißvolle Gebiet der Lebens-, erscheinunge» noch manche Ansklärung durch diese Untersuchungen erfahren. — Ein weiteres Resultat dieser Ilutersuchnng ist die Thai- fache, daß sich manche Chemikalien auf größere Entfernungen hi» anzuziehe» scheinen. In Flüssigkeiten ließen sich all' diese Er- scheinuugeii nicht beobachten, weil die Salze hier sofort durch- einanberflikßeii. Ju der halbfesten Gelatine bewegen sie sich dagegen nur sehr langsam unb die Hauptsache ist, daß die neuen Produkte genau an dem Punkt festgehalten werden, wo sie entstehen,
— Die Krthnsteig-Zchastner werden vom 1. April ab eine besondere llrrterbeamten-Kategorie bilden und ähnlich wie die Bahn- vortiers gekleidet gehen. Das Anfaugsgehalt beträgt 800 Mk. und steigt in 15 Jahren auf 1200 Mk. Die bisherige» Bahnsteigschaffner, die bei Eröffnung der Bahnsteigsperre aus bei» Zugpersonal und zwar von ben älteren Beamten entnommen worden, werben am 1. April wieder in das Zugpeisonal für Personen- und Güterzüge einrangirt. Sie hatten als Entschädigung für die früher als Zug- benmte erhaltenen Kilometergelder außer ihrem Gehalt jährlich 200 Mk. vergütet bekommen.
— Für den kranken Sprachlehrer siub ferner bei uns eingegangen: Von E. B. 3 Mk., Frau O. I. 2 Mk., Frau L. L, 2 SU., A. B. A. 25 Mk. Herzlichen Dank Namens des Bedachte».
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Uermisch-es.
* Ein Graft an der Landstraße. Ein Grab, wie es kaum ein zweites in Deutschland geben dürste, befindet sich int Groß- berzogthum Sachsen, unweit des Dorfes Ulin, eine Stunde von Weimar entfernt. In einem nahe der Landstraße und dem Staats- balmgeleife bdegenen. Birkeiuväldcheit trifft mau zwischen Hagedornbüschen auf eilte Stelle frisch gegrabener ttnb Wieder festgetretener Erde von etwa 2 Metern Umfang. I» der Mitte dieses Kreises ist ein Bündel Kleidungsstücke aufgeschichtet, Unterröcke, ein Kleid lind ein Wolltuch; auf ben Sachen steht ein Paar fast neuer Stiefeletten, über bie ein weiße« Taschentuch derart gebreitet ist, daß dem Herantretenden sofort bie Initialen II. II. in« Auge fallen. Atu Rande des Kreises liegt auf der einen Seite ein großer Feldstein, auf der anderen ein Häuflein Tauneuzweige. Das Ganze stellt sich dar al« die Grabstätte eines jungen Vanenimädchens aus Tiefeugruben, das am Sonntag vor vierzehn Tage» des Nachts vo» einem Schnellzuge überfahren und gelobtet worden ist. Es ist bisher nicht fcftgrftellt, ob bie Unglückliche eine» Selbst»,orb begangen hat ober auf dem Wege zu ihrer in einem anberen Dorfe bienenben Schwester in dem dichten Nebel, der an jenen Tagen herrschte, vom Wege abgeirrt, auf dos Geleise und unter den Schnellzug gerat he» ist. Sie wurde als Leiche, in drei Stücke zerschnitten, mit einer durch Fall ober Schlag verursachten Wunde am Kopf auf dem Geleise ausgesunde». Da die Eltern sich weigerten, die Kosten bei Beerdigung zu tragen, bie Anatomie in Jena wegen der Zerstückelung die Annahme der Leiche adlehnte unb ber Gemeindevorstand in Ulla, aut dessen Gebiet der üerftihinuelte Körper gefunden worden isst ebenfalls die Kosten für Üeberfiilirnng nach dem Friedhöfe scheute, so hat mau benLeichuam in dem Wäldchen verscharrt und die Stätte in der geschilderten Weise hcrgerichtet. Sollte man so etwas in Deutschland für möglich halten?
* Urftrrschwemmung iti Pelerofturg. Aus Petersburg, 19. November, wirb uns geschrieben: Unsere Stadt hat Wieder eilt« mal unter UeberschWetutnttngeu zu leiben gehabt, unb zwar unter so heftigen, wie sie seit langen Jahren nicht dageWesen. Ein orkanartiger Sturm Wehte dabei, der im Alexandergarten große Bäunte entwurzelte, die Newa stieg zusehends, trat über die Ufer, unb ihre Wellen ergossen sich über bie nichtiger gelegenen Sladttheile, den Alexanderpark, bie Baumschule :c. Sehr bald stauben alle Erdgeschosse unter Wasser, und bie Bewohner derselben sahen sich genöthigst zu flüchten, ohne etwas retten zu können, sodaß viele furchtbaren Schudeu erleiden. Wie groß derselbe isst läßt sich vorläufig noch gar nicht übersehe»; das Schreckliche dabei ist, daß hauptsächlich die arme Bevölkerttug bchoffen Worben und viele vollständig ruinirt sind. Auch die Tschoruaja Retlchka trat aus ihren Ufern und riß die Fnßgängerstege mit sich. Ans der Großeit Newka wurde» mehrere Boote losgeriffen, flogen mit rasender Geschwindigkeit den aufgewühlten Fluß hinunter uud zertrüuiinerten mehrere private Dampfer-Anlegestellen, sowie die Badeanstalt am Widorger Quai. Menschenleben sind glücklicher Weise der lieber schwenuunng nicht znin Opfer gefallen. Es waren rechtzeitig Vorkehrungen getroffen worben, alle öffentlichen unb Privaten Fuhrwerke, Lastwagen 2c. wurden reguirirt, um die Bewohner der gefährdeten Häuser tu Sicherheit zu bringen. Zahlreiche Schulkinder wurden auf ihrem Wege durch bie Finthen Überrascht ttnb standen nun ralhlos vor ben durch das Wasser versperrten Straßen, alle aber sind gerettet worden, unb ein Theil berfelben konnte später zu den Eltern zurück- gebracht Werben, für bie anberen stellte man in einem Asyl auf Wassili-Ostrotv Nachtquartier her, tvährenb die Erwachfene» im .Aquarium" Unterkunft fanden. Auch warme Mahlzeiten wurden ben Armen unentgeltlich verabreicht. Um 7 Uhr Morgens hatte» bie Ueberfchwemmuiigeu mit betn Austreten ber Kleinen Nelvka an» gefangen, unb erst am Nachmittag begann bas Wasser zn fallen, staub aberAbeubS um 10Uhr noch immer 5Fuß über bet» gewöhnlichen Niveau.
* Lnmoristischro. „Mit beut Eigensinn ber Frauen ist es eine wunderbare Sache. Sehen Sie z. B. meine Fran. Ich habe eine höllische Arbeit gehabt, sie zu Überreden, in die Dreißiger zu kotumen. Und jetzt (sollten Sie es für möglich halten?) will sie durchaus nicht mehr aus ihnen hinaus!"--Röjeli unb
Marell tljeilen einander mit, was sie zu Weihnachten erwarte». Röseli: „Mir bringt 's Christkindli e Babe, wo cha Pape und Mumme säge." Mareli: „Aber ich bstelle bim Christkindli es Bäbi, wo cha b’ Zäh use näh unb dntze wie mi Momme."--Die
Form ber Erbe. Ein hannoverscher Dorfprediger, der auch juglcid) die Schule im Orte hielt, erläuterte seinen Zöglingen bie Jorm der Erbe unb benutzte hierzu, ba ein Globus nicht vorhanben war, feine runde Schnupftabaksdose. Wenn er Sonntags predigte, hatte er eine viereckige Büchse in Gebrauch, was bie Herren Schul- ungens wohl gemerkt hatten. AIS nun eines Tages ber Super« ntendent bes Sprengel« Schulvisitation hielt, stellte er auch die Frage nach der Gestalt ber Erde. Zuerst allgemeines Stillschweigen, bann platzt ettblich ein ganz befoubers schlauer Knirps heraus: „Wochentags ist sie runb und Sonntags viereckig!"--„Glauben
Sie an den Einfluß btr Zahl 13?" — „Unb obl Wollen Sie einen Beweis? Neulich kaufe ich ein Dtttzenb Eier, unb ber Kaufmann gab mir ans Versehen 13." — „Nun?" — „Run, als ich nach Hanfe kam, fand ich, daß sie alle faul waren.*
