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45. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs Preis: durch den Verlag 5« Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. «<» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgassc 27.

Ü Z,OGO Avounerrte».

Slnzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für lvcale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeige« 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

-SLittlrthtitß kür die Abend -SluSgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingcrcichtcr Anzeigen zur nachsterscheinendcn Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, zedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

borgen --Ksisgsds.

Wegen des Kntz- mrd Zettages rescheini die «Schste Ansgnde Donuerstag Nachmittag.

(Nachdruck veiboten.)

Die Allgegenwart der KaKterien.

Von Denariuö.

Es sind Wohl meistens keine angeuehmeu Vorstellungen, die das WortBakterien" beim Laie» hervorruft; man denkt da gleich an Cholera, DiphtheritiS und ähnliche Dinge. Und vielleicht würden sich ängstliche Gemüther stark beunrubigen, wen» sic die nngcheiiren Schaaren von Spaltpilze» sehen könnten, die allerorten in der Lust, im Wasser, an der Oberfläche und in der Tiefe des Erdbodens, ja selbst auf und in feste» Gesteinen Vorhände» sind. So nimmt z. B. ein Anwohner des Platzes St. Gervais in Paris mit seiner Athcni- lufttäglichKO,000 Bakterien und 18,000 Schimmelpilzsporen auf, voraus­gesetzt, dabdicLuftfeincrWohnräuntenichtmehrPilze eulhält als die Luft vor seinen Fenster»; und wen» auch die Anzahl der schädlichen Bakleriettarten tit der Last nur sehr gering ist, wenn auch Nase und Lnftröhren Schiltzapparate haben, wenn auch die Lunge und die übrigen Gewebe des gesunden Körpers sich gegen diese winzigen Feinde vertheidigen können, so geht doch aus diesen Zahlen hervor, wie nothwendig es ist, für eine möglichst staub- und keiinfreie Athemluft zu sorgen. Sehen wir uns nun einmal die Verbreitung dieser kleinsten Lebewesen etwas naher an. P. Miguel in Paris fand im zehnjährige» Durchschnitt im Kubikmeter Stadt­luft 5445 Bakterie», während die Luft tut Park von Mout- sonris außerhalb der Stadt nur 300 enthielt; hierzu kommen noch 1680 (und 205) Schimmelpilze. Die Stadtluft ist also vierzchnmal so reich an Mikroorganismen als die Landlust. In der warmen Jahreszeit ist die Zahl der Keime viel größer, als in der kalten (August 8256, Januar 3074). Negenperioden bewirken eine bedeuteudr SBerminberiing der Bakterien, während die Schimmel­pilze durch sie vermehrt werden. In der Zeit von 2-3 Uhr Morgens und 23 Uhr Nachmittags ist die Zahl durchschnittlich kleiner, als von 78 Uhr Morgens und gegen 8 Uhr Abends eine ganz räthselhafte Erscheinung, denn es läßt sich nachweisen, daß die Verschiedenheit weder durch WitterungSeinfliissc, noch durch lokale Verhältnisse hcrvorgerusen wird. Von außerordentlicher Reinheit zeigte sich die Meeres- und Bcrglust; auf der See wurden 100 km von der Küste nur 0,6 Keim in cbm gefunden, in den Alpen bei 20004000m Höhe ein Keim. Durch besonders häufiges Vor­kommen zeichneten sich ans der Heubazillns, der überall ans Pflanzen vorkommt und dessen Sporen selbst Siedehitze eine Zeit lang er­tragen können, ferner der Vlntwnndcrpilz, der aus Brod, Fleisch u. bergt zuweilen eine blntrothe Färbung hervorrrist. Häufig ist auch der Bazillu« der Buttersäuregärung, der beim Neisen des Sauer­krautes und der sauren Gurken eine Nolle spielt, während der EssiabazilluS und der Bazillus der Milchsäuregärung seltener sind. Auch Hcfepilze, z. B. die gewöhnliche Bierhefe, finden sich überall, wenn auch spärlich. Im Wasser sind die Bakterien gleichfalls sehr verbreitet. Da« im Park vo» MontsouriS

aufgesangene Negcuwasicr enthielt 300- 20,000 Keime int

Liter und führt iiiSgesammt jährlich jedem Ouadratutetcr Erd- dode« über 4*/s Millionen Organismen zu. Auch int Schnee, im klaren Ei», ja selbst in den Hagelkörnern finden sich zahlreiche Bakterien, und e» ist darauf hiugewiesen worden, daß infeftiöfe Erkrankungen, Wie sie zuweilen nach heftigen Dlirchnässungen be­obachtet werden, recht wohl den zum Theil krankheiterregenden Bakterien de« Regcnwasser» ihre Entstehung verdanken köiinen. Zwei Bassin« der Pariser Wasserleitung enthielten im Liter 1,24 Millionen und 2,9 Millionen Pilze. Noch höher ist der Bakteriengehalt in den Flüssen, namentlich unter­halb großer Städte. Die Seine enthielt bei Jvry ober­halb von Paris im Liter über 56 Millionen, i» Paris

73,5 Millionen, unterhalb von Pari« 177,6 Millionen Pilze. Meik- würdiger Weise ist die Menge während der kalten Jahreszeit größer als un Sommer, also gerade umgekehrt wie bei de» Lustbaktericii. In Kloaken- und Kothwässcr» steigt der Bakteriengehalt ins Un­geheure, bi« auf 20 Milliarden und mehr pro Liter. Was nun den Erdboden anbetrifft, so haben die neuen Forschungen gezeigt, daß er bis zu einer beträchtlichen Tiefe mit ungeheuren Schaaren von Bakterien erfüllt ist. Da flieht es Bakterien, die die Zer­setzung der tobten organischen Stoffe bewirken und den Pflanzen Nahrung zuführen; da siebt es solche, die da« bei der Zer- hfcung entstehende Ammoniak, da« von den Pflanze» nicht ver- werthet werden kann, in die leicht aufiiehmbare Salpetersäure verwandeln, und solche, die die Salpetersäure zerstören lind freien Stickstoffs entwickeln, den die meisten Pflanzen nicht anf- zunebmen im Stande sind. Andere wiederum Helsen den freien Stickstoff der Bodenluft in assimilirbarc Substanz üdersüdren; es sind die« gewiffe Arte», die in die Wurzel» der Leguminosen (Erbsen, Bohnen, Klee rc.) eindriugen, an diesen Knöllchen erzeugen und nach ihrem Tode ihren WirthSpflanzeu zur Nahrung dienen. An der Vcrwittenmg der Gesteine, die nach der älteren An- fchauniig mir durch das Wasser und die Luft bewirkt werden sollte, find Bakterien betheiligt, die bi« zu ziemlicher Tiefe eindringen, auf Kosten des kohlensanren Kalkes leben, die Oberfläche »ach und nach mürbe lind bröckelig machen und die Bildung fruchtbarer Erde einleiten. Man fand sie auf Schiefern, Graniten, Kalken und anderen Felkarlen, am St. Gotthardt, am Montblanc, in den Vogesen und anderwärts; das Faulhorn im Berner Oberland ist durch solche felsoerzehrende Pilze wirklich zu einemfaulen" Horn geworden. Auch Krankheitserreger kommen im Erdboden vor; so ist e« bekannt, daß der Eholerabazillus sich in der Erde entwickeln kann, namentlich bei niedrigem Stand des Grundwaffers. In der Gartenerde lebt der Dazillns einer bösartigen Geschwulst (des malignen OedemS), der Starrkrampfbazillus wird gleichfalls nicht selten im Boden angetroffen. Wa« die Menge der Vodeubakterien anbetrifft, so zählte man in 1 g Erde bis zu 900,000 Pilze. Die oberen Schichten sind am reichsten, nach unten hin nimmt die An­zahl ab und die liefere» Schichten (meist bis 2 m) enthalten wenig oder gar keine Bakterien.

Die in den letzten Jahrzehnten so außerordentlich geförderte Kenntniß der Natur und Verbreitung der Bakterien hat in der Wigenschast, nicht minder auch aus den verschiedensten praktisch- techuischen Gebieten, ganz neue Aufgaben gestellt; aber auch für die Zwecke des täglichen Ledens ergeben sich eine Anzahl von beachtens- »erthen, allerdings zum Theil nicht neuen Gesichtspunkten. Solche

Uo. 837.

Mittwoch, de» 17. Dovemlrer

1897.

Vezirks-Fernsprechcr No. 52.

< Bezirks-Fernsprecher No. 52.

sind: 1. die sorgfältige Reinigung aller, auch der kleinsten Wunde», durch die krankheitserregende Bakterie» (Starrkrampsbazillns, giftige Eiterpilze unb bergt) in den Körper eindringen könne» (A»s- spüle» mit Karbolsäure, 1 "/»o Sublimatlösung); 2. die Beschaffung keimfreien Trink- und Branchwaffers (Abkochung, Kohlensilter); 3. Sorge für staubfreie Athemluft.

Kus Stadt uno Land.

Wiesbaden, 17. November

-o- Personal - Nachrichten. Herr Landgerichts-Präsident Stumpfs zu Greifswald wird die Präsidialgeschäfte am hiesige» Landgericht am 1. März 1898 übernehmen.

Irr Tagblatt Kalender für 1898 geht unseren ständige» Beziehern mit der vorliegende» Ausgabe zu. Diese all­beliebte unentgeltliche S o nderbeil a ge hat diesmal ei» neues künstlerisches Gewand erhalten, welche« de» alljährlich wieder­kehrenden Gast hoffentlich nicht unwillkommener erscheinen läßt als bisher, wo er sich stets freundlichster Aiifuahine erfreute. Wir begleiten de»Wiesbadener Tagblatt-Kaleuder für 1898" mit dem Wunsche, daß unsere Abonueuteu nur Angenehmes darin zu ver­zeichnen habe» möchten.

. -o- Schwurgericht. Die gestrige Verhandlung gegen die ledige Dienstmagd Anna Maria Walther von Geisenheim wegen AnSsetznug ihres Kindes mit Todeserfolg ging erst um 4*/a Uhr Nachmittag« zu Ende. Die Angeklagte, die ihr neugeborenes Kind in einer Scheune in einem Neisighaufen versteckt hatte, wo es bald daraus tobt aufgefunden wurde, ist vo» den Geschivorenen der fahrlässigenTöbtung schuldig gesprochen und dem­gemäß zu einem Jahr Gefäilgniß verurtheilt worden. Die An­geklagte besnnd sich seither ans freiem Fuße, sie wurde aber, da mit Rücksicht auf die Höhe der Strafe Fluchtverdacht vorliegt, sofort in Hast genommen. Morgen, Donnerstag, 19. November c., Ver­handlung gegen die ledige Näherin Wilhelmine Schmidt von Griesheim wegen Mordversuch».

Zur Kleneretttrtchtuug sind von der Stadlkasse auf« gefordert für morgen diejenigen Zahlungspflichtigen, welche veranlagt find tu den Straßen mit dem Anfangsbuchstabe» R.

Postalisches. Die Verwendung der ans gestempelte» JTartenbriefen ausgeschnittenen Frankostempel zur Frankirung von Postsendungen ist nicht zulässig. Die in Händen des Publtkums »n- brauchbar gewordene» Kartenbricse können, wie aitch Postkaiten, gegen Freimarken umgetauscht werden, obschon die Postverwaltung dazu nicht verpflichtet ist. Der Abschnitt V Abth. 1 der Allgemeuieu Dienstanwerfnug für Poft unb Telegraphie besagt über den Umtausch verdorbener Postwerthzeiche» Folgendes: Der Umtausch in de» Händen des Publikums unbrauchbar gewordener Postwerthzeichen (Freimarken, gestempelter Postanmeisniigssorinisiare, Postkarten und Karteubriefe) ist nicht gestattet. Anträge aus Umtausch verdorbener Freiniarken könne» im Allgemeinen nur berücksichtigt werden, wenn der Verlust ein verhälinißmäßig bebeutenber ist; bis zu einem Gesammtwerth von 10 Mk. können die Oberpostdirektioneli den Umtausch verdorbener Freimarken anordiien, bei höheren Beträgen ist die Genehuiigung des Reichspostamts nachzusuchen. Zmu Umtausch unbrauchbar gewordener gestempelter Postkarten uud Karteubriesegege» gleichwerthige Freimarken (nicht auch gegen andere Postkarte» unb Kartenbriefe) rind gestempelter Postanweisungssormrilare gegen neue gestempelte PostaiiweisnugSformulare ober gegen Freimarken sind die Postanstalten selbständig ermächtigt, und zwar kann der Umtausch von Hand zu Hand am Schalter bewirkt werden. Bei Postkarten muß stets die ganze Postkarte vorgelegt werden. In Fällen muth- williger Beschädigung des Werthzeichens ober sonstige» offenbaren Mißbrauch« ist der Umtausch abzulehnen.

Gerichtstermin geht vor Kontroll-Versammlung, so hat da« Gewerbegericht in Iserlohn jüngst entschieden, al» ein beklagter Schriftsetzer sei» Fernbleiben mit der Theilnahme an der Kontroll- Versammlimg entschuldigen wollte. Der BeNagte habe vielmehr de» Termin wahrzlinehme» und sich bei der Kontroll-Versammlung zu elitschuldigen bezw. die Befreiung vo» derselbe» nachsucheir müffen. Der Angeklagte wurde zu dem Schadenersatz, wegen dessen er von einer Firma belangt war, verurtheilt.

»Uietlieuerträee und bürgerliches Gesetzbuch. Bei Abschluß von Miethrverträgeu auf längere Zeit ist schon jetzt Rück­sicht auf das im Jahre 1900 in Kraft tretende bürgerliche Gesetz­buch zu nehmen. Nach demselben haftet nämlich nur der Miether mit seinem Mobiliar für die Miethssorderung, nicht aber die Ehe­frau mit dem ihrigen. Um den sich hieran« ergebenden Gefahren de« MiethSverlnstes zu entgehen, namentlich in den Fällen, wo die sämmtlichen WirthschastSsache» der Frau gehören, schließen die Ber- miether in großen Städten den Vertrag mit den Eheleuten und lassen ihn auch von beiden Ehegalleii unterschreiben.

Ei» für Radfahrer wichtiges Urtheil fällte kürzlich das Landgericht II in Berlin. Auf einer Radtour wurde der in Charlottenlmrg wohnhafte Kaufmann F. zwischen Griinan und Schmöckwitz von einem Huube angefalleii, der nicht weichen wollte; er zog einen Taschetirevolver und töbtetc da« Thier. Der Besitzer verlangte Schadenersatz unb klagte, da F. hierzu sich nicht verstehen wollte, eine» Betrag von 150 Mk. ein. Da« Amtsgericht zu Charlotteubnrg verurtheilte F. zur Zahlung. Die hiergegen beim Landgericht II. i» Berlin eingelegte Berufung hatte Erfolg; das Gericht ndhm an, daß F. nur in der Nothwehr gehandelt habe, und wies den durch die Klage erhobenen Anspruch zurück.

Die Verwendung von Strumpfbändern, besonder» Gitliimibändern, sollte bei Kindern nie Vorkommen, weil sie geradezu gefuiidheitsschädlich sind. Da« elastische Band verursacht, wie der Praktische Wegweiser", Würzburg, schreibt, eine Abschnürung des­jenigen Theiles der Extremität von dem allgemcitteu Blutkreislauf, welcher unterhalb des gelegten Bandes liegt. Es tritt eine Blut­stauung ein, die nicht allein kalte Füße verursacht, sondern auch de» Grund zur Entwickelung von Krampfadern in späteren Jahren flieht. Ader auch die Ernährttug der sich bildeuden Knochen und Muskelti wird gehemmt. Kurz gesagt, das Anlegen von Strnmpsbänbern ist die unpaffettdste Befestigungsart der Strümpfe, die man sich dettkett kann. Zweckmäßiger ist die Befestigung durch Anbringung eines seitlichen Tragbandes an die Außenseite de» Strumpfe«. Wenn man dasselbe mit Schlesien an den beiden Enden versieht und am Bündchens de« Höschen« und der Außenseite am Ende des Strninpfes Knöpfe annüht, läßt sich das Befestigen durch einfaches Einknöpfen am schnellsten und sichersten bewerkstelligen. Die Länge des Gummibandes muß man selbstverständlich zuvor durch Admeffen bestimmen.

Das Korgfqftem in unseren Detail-Geschäften, schreibt bteD. Ztg.", hat sich mehr und mehr zu einer Landplage ent» wickelt, gegen die nicht scharf genug angekämpft werden kann, und wieder wird die Frage ansgeworsen: Wie kann dem langen ffrebitirc» der Detail-Geschäfte an die Kntidschaft abgeholfen werden? Die nieistkn Detaillenre haben im Verhältniß zu ihrem Betriebs­kapital viel zu große Ausstäiide und tonnen daher, selbst wenn fit von der besten Absicht beseelt sind, nicht so reguliren, wie es sich gehört. Die Rücksicht, die sie ihre» finnbeu gegenüber beobachten, verlangen sie ihrerseits von den Sieferaiilen, und diese find ge- zwuugeii, wenn sie nicht auf einen großen Theil ihre« Absatzes ver­zichten wolle», das weitestgehende Entgegeukomute» zu zeigen. Es ist richtig, daß die Detaillenre, wen» sie keinen Kredit mehr ge­währe» wollten, hier niid da etwa« weniger berfnnfe» würden, da« wäre aber durchaus kein Unglück, beim der Nutze» an den gegen Baar verkaufte» Waaren und das Anfhören der Verluste an vielen un­einbringlichen Forderungen würden den vermeintlichen Verlust über­aus reichlich belohnen. Zwar läßt sich vielleicht nicht überall, be­sonders nicht an kleineren Plätzen, wo man mit den meisten Kunden bekannt sist, direkt der Verkauf gegen Baar ein« führet!, aber man sollte diesen wemgsteu« einznsnhreu suchen und auf schnelleren Eingang der Ausstände bedacht sein. Es ist dies in sehr vielen Fällen möglich. Wenn man in den Detail» geschästen einsühren würde, (eine Waareit ohne Rechnung aus dem Hause zu geben, so würde mindcstens die Hälfte nach ganz kurzer Zeit bezahlt werden Denjenigen Kunden, welche bann nicht zahlen, müßte man nach spätestens drei Monaten eine zweite Rechnung zu- schicken, und so fort. Die Angst, der Knude könnte es übel nehmen, Wenn mau ihm eine Rechnung ertheilt, ist unbegiündet, unb weiß die Kundschaft einmal, daß Jedem die Rechming zngeht, worauf mair durch einen entsprechenden gedruckten Vermerk auf den Notar aufmerksam machen kann, so wird es al« selbstverständlich angesehen werden, daß der Waare eine Rechnung beiliegt. In der Regel find es gerade die besser filuirten Kuudeu, welche von den Detasi- flefchäften übermäßig langen Kredit in Anspruch nehme», aber oft mir deshalb, weil man sich scheut, ihnen eine Rechmnig zu schicken, unb häufig ihnen den Kredit ausnöthigt. Hat man erst einmal das große Publikum an schnelleres Zahle» gewöhnt, so wird ein schnellerer Umschlag des Geldes sich in allen Geschästskreisen voll­ziehen zum Nutzen Aller, die beim Verschleiß der Waare» inter» ejfirt sind.

Zn«, Schutz der Weisende,, gegen Belästigungk» und Beleibigungeu durch Mitreisende hat die Eisetibahnverwaltiing folgende Verfügung erlassen: Es ist vorgekommeu, daß sowohl Z»g- Wie Stationsbeamte, welche Seitens der Reifenden aufgeforbert wurde», sie gegen Belästiguiigeu und Beleidigungen durch Mit­reisende zu schütze», ihre Mitwirkung hierbei versagt und sich nicht ennnal bequemt haben, die Namen der betreffenden Persönlichkeiten festzustellen. Ei» derartiges Verhalten muß ernstlich gerügt werden. Geben die Beschuldigten den an sie gerichteten Mahnungen kein Gehör, so find die Streitenden durch Anweisung anderer Plätze zu trennen. Wen» dies nicht geschehen kann oder nichts fruchtet, so tst von dem § 20 der VerkehrSorduung jedoch erst nach nochmaliger Androhung Gebrauch zu tnachen und Ausschluß von der Weiter­reise anzuorduen, und die Beamten sind verpsiichtet, stets sofort mit allem Nachdruck einzuschreiteu, wenn Reisende ihren Schutz gegen Mitreisende anrnfeu.

Ulaüats Suppenwürze hatte der Drognist Heinrich L. von Barmen im Mai d. I. dadurch verfälscht, daß er sie mit einer wässerigen Lösung beschädigter Bouillonkapselit vermischte. Diese» Gemisch hatte er dann noch al« bessere Dualität zu erhöhten Preisen verkauft. Dafür wurde er am 30. Juli zu 30 Mk. Geldbuße ver» urtheilt. Dieser Tage staub er wegen desselben Vergehen» abermals vor der Strafkammer. Die Polizei hatte einige Zeit nach der Be­schlagnahmung der Brühe nochmals eine Flasche Maggis Würze von ihm hole» laffen, unb bie chemische Untersuchung hatte ergeben, daß auch diese mit 30 pCt. Wasser unb Kochsalzzusatz gefälscht war. L. meinte, es müsse da« noch ein Rest von der frühere» Mischung sein, der irrthümlich unter bie guten Würzen gekommen sei. Da« Gericht hielt diesen Einwanb für nicht widerlegt und verurtheilte ihn daher nur wegen fahrlässigen Verkaufs der gefälschten Würze, diesmal aber zu 50 Mk. Geldbuße ober 10 Tagen Hast.

Als Verschwenderin rrltliirt wurde vom Amtsgericht Kreuznach das früher dort, jetzt in Köln wohnhafte Freifräulein Hubert» v. Schütz-Bechtolsheim; sie wurde unter Vormundschaft gestellt unb ihr Vater, Frhr. Moritz v. Schütz-Bechtolsheim zu Hohenburg in Bayern, zu ihrem Vormunde bestellt. Ueber die Vorgeschichte dieser Entuiüudiguug erfährt man daß da« Freifräulein an ihrem Dienstmädchen, wie man so zu sagen pflegt, förmlich de» Narre» gefressen hatte, es mit neuer, eleganter Garde­robe ansstattete unb mit hohem Gehalte als Gesellschafterin engagirte. Mit vollen Händen streute sie bas Gelb für ihren Liebling aus; feine Ausgabe war ihr zu hoch, wenn es galt, einen Wunsch der Gesellschafterin zu erfüllen. AIS sich letztere mit einem Musiker verlobte, übertrug Fräulein v. Schütz diese starke Zuneigung auch aus den Bräutigam, den sie u. A. mit einem prachtvollen Piaisino beschenkte. Für die Hochzeitsreise des junge» Paares hatte sie bereits Italien als Reiseziel bestimmt unb bie Kosten derselben aus ihrer Tasche bestreiten zu wollen erklärt. Da legte sich die Familie be« Fräuleins ins Mittel und beantragte bie Entmündigung, die sie auch durchgesetzt hat.

Krammetovogelfang. Nufer Anthell a» dem Ver- nichtnugrkrieg der Süblättber gegen bie Vogelwelt beschränkt sich leider nicht auf den Konsum der aus Italien und Südtirol ein» geführte» Vögel und auch nicht auf die Tödtimg von Vögel» zu Sport- unb M»bezwecken. Der Massenvogelmord, wie er bei tut« betrieben wirb, ist sogar noch grausamer, al« die in: Süden ge­bräuchliche Fangart mittels ber Roccolt. Nachsteheuber Bericht eines Sachverständigen, R. Becker-Hilchenbach, giebt ein wahrheits­getreues Bild vo» dein sogenanntenKramnietsvogelfang", wie er vom 21. September dis 31. Dezember im Deutschen Reich unter gesetzlicher» Schutz betriebe» wird:Der Srammetebogclfang in Dohnen ist eine gesetzlich erlaubte Erlegung dieser Vögel, wozu bekanntlich olle Drosselarten gerechnet werden. Bücher ließen sich über diese Faiigart schreibe», doch hier in Kürze Folgende«: E« isi die be­quemste Weise, die Thiere auf eine der heimtückifchsten Arten zu er­drosseln. Wenn sich alle Vögel direkt um den Hals fingen unh freischwebend in der Lust hingen, so würde durch die Angst unb bie Unruhe, welche beut ErftickuugStode immer vorausgeht unb durch bie Anstreirgungen, wieder frei zu werden, bie Schlinge sich schnell zuzieheu uttb so der Vogel rasch verenden. Aber bei Sturmwind bleiben die Haarschlingen nicht in der Lage, die für den Halssang nothwendig tst, sondern man trifft oft Vögel an Beinen, Zehe» oder Flügeln in den Dohnen hängend, ja sogar die Schlinge durch den geöffneten Schnabel und hinter dem Kopfe zugezogen. Bei de»