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«s. Äaliraana. m.n.

Verlag: Langgasse 27.

fl5,000 Abo»»r«ir»

No. 536,

Dienstag, den 16. Uovember.

BezlrkS-Fernfprecher Wo. 52.

VczirkS-Feriifprechcr No. 52.

1897.

A..ahl M-Wach schon emMißvcrhäl^.i^bestch., fceffe^ «S jMS

recht beherzigte, welche noch in der Lage sind, einen anderen

Deutsches Deich.

Während in den ersten Jahren des gegenwärtigen Jcihr- zehnts der Andrang zum juristischen Studium nicht un- »riiöhl t/'h .ia/iaJa C -i ....t t _ - _ , <_

bare dürfte dies kaum einen Einfluß ausnben, es ist der be- kannte Tropfen auf den heißen Stein. Nicht anders verhält cs sm) aocr mit der Nesignation von alten Rechtsanwälten, deren Stellen hierdurch für den Nachwuchs frei würden; auch die Zahl der Anwälte, welche unter dem neuen Gesetzbuch nicht mehr ihren Beruf ausnben wollen, ist eilte sehr bescheidene, ^ebenfalls eine viel bescheidenere, als von Denjenigen an- genommen wird, bei welchen der Wunsch der Vater des Glaubens ist. Somit ist die Rechnung auf den Einfluß des bürgerlichen Gesetzbuches eine gänzlich verfehlte, und es wäre

erfreuen werden. Im llcbrigen ist die Rechtsanwaltschaft so überfüllt, sowohl in den großen wie auch in bett mittleren Städten, daß zwischen dem Bedürfniß und der vorhandenen

»-.......' -U-» jvgt, wo es noch Zeit

ist, zurucktretcn von einem Studium, das ihnen für Jahre hinaus so gut wie keine Aussichten bietet. Die mit dem thatsächlicheu Bedürfniß nicht in Einklang befindliche Ver­mehrung der Juristen muß wohl oder übel zu der Ans- btldung eines juristischen Proletariats führen, dessen Schädlichkeit und Gefährlichkeit sich von selbst ergiebt. Die Hyperproduktion von Intelligenz ist ein Krebsschaden in Deutschland, die Hyperproduktion juristischer Intelligenz ist vielleicht der größte.

«s. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. BezngS-Preis: durch den Verlag so Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. öo Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

(Nachdruck verboten.)

Ueberfüüung des juristischen Berufs.

Von Mylitts.

Nnzeigcn-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeigen lo Pfg., für auswärtige Anzeige» 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg. für Auswärts 75 Pfg.

?!6rJ£n Provinzial-SchulrSthen waren auch einzelne Parlamentarier

Ul h!e 111 n{be flehenden Fragen besonders iiilereffirctt und Lehrer höherer Unlerrlchtsaustalteu zngezogen. Der ebenfalls einaeladeiie Ge ......V .. cutiipiua

Sri) hoffe, mich so klar auSgedrückt zu haben, daß Jeder mich verstanden hat. Sollte dies wider Erwarten nicht der Fall sein, so bitte ich, sich freundlichst zu melden ich bttt dann gern bereit, die obige Erklärung nochmals zu wiederholen.

_ Das Gelände bei jeder Garnison bleibt sich stets voll­ständig gleich die Wiese bleibt immer dieselbe, einerlei ob es schönes oder schlechtes Wetter ist, ob Frühling' Sommer, Herbst oder Winter, einerlei, ob eine Kuh oder mehrere Kühe auf ihr weiden, einerlei, ob diese Wiederkäuer von einem jungen Jungen oder von einer alten Alten be­hütet und bewacht werden.

lind wie cs der Wiese geht, so geht es dem Wald, den Wegen, den Brücken, den Wasserflächen und all den anderen Dingen, die das Gelände bilden. Sie sind streng konser­vativ, sie kümmern sich nicht um das, was in der Welt vorgeht, und wenn dem Gelände das Treiben der Welt einmal gar zu bunt wird, dann schüttelt cs die auf seinem Kopfe stehende Eiche und schickt seinen Voten, den kleinen Waldbach, aus. Der läuft denn hurtig von einem znm andern, von der Wiese znm Wald, vom Wald bis zur Eisenbahnbrücke, und überall wo er hinkommt, sagt er: Ich soll Euch vielmals grüßen und wir blieben die Alten.""

Das ist znm Verzagen besonders für die Truppen, die in dem Gelände Hebungen abhalten müssen, und der Herr Oberst hat viele schlaflose Nächte, um eine neue Idee anszudenken und er bittet und fleht, daß doch endlich ein­mal ein Erdbeben kommen möge, auf daß das Gelände etwas durcheinander gewürfelt würde, damit die Wiese dahin käme, wo jetzt der Wald ist, damit der Bach sich umdrehte und in der entgegengesetzten Richtung flösse, damit die Eiche die die Uebersicht behindert, endlich einmal zwanzig Meter mehr nach rechts käme.

Aber kein Erdbeben kommt und Alles bleibt wie es ist.

Ich hatte einmal Besuch von estiem lieben Vemandlen^

nuitg als schreiend nicht übertrieben ist. Wenn man nun in ben Kreisen bet jüngeren Juristen große Hossnuugcn auf bie Veränderungen setzt, welche durch das Jitkrafttrcten des bürgerlichen Gesetzbuchs hervorgerufen werden, so giebt man

s» 1®F.I?ssEkSä amtlicher Seite ergehen, um die stitdirciide Jugeild von der Ergreifung des juristischen Berufs abztihalteit. Gewiß ist auch der medizinische Beruf zur Zeit sehr überfüllt und cs ist ja nicht unbekannt, daß die Anfänge eines ärztlichen Proletariats da und dort bereits vorlMiden sind, aber für Denjenigen welcher das Studium lediglich unter dem Gesichtspunkte des ^°.°."werbs betrachtet, für den sogenannten Brodstndenten,

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mit 2000 bis 3000 Einwohnern giebt, in beiten fein Arzt wohnt, ist immerhin für junge Aerzte bie Möglichkeit vor­handen, sofort nach der Erlangung der Approbation ein, wenn auch recht bescheidenes unb knappes Einkommen zu erlangen; außerbem ist ber Arzt nicht au Dcutschlanb gc- vitnben, bentsche Acrzte finb int Auslanb unb insbesonbere tnH6erfeelfd5£n Gebieten sehr geschätzt unb ein tüchtiger Arzt, ber

u ^0kt feinen Wohnsitz aufznschlagen, erringt sich

mit Leichtigkeit eine Stellung, wie sie ihm in ber Heimath schwerlich in gleicher Frist würde zu Theil geworben sein. Ganz anders ist bte Lage bes Juristen; einer Niederlassung im Auslande stehen die größten Hindernisse entgegen und im Jnlande ist der Bedarf auf Jahrzehnte hinaus gedeckt. Die Rechtsanwaltschaft bietet auch kein Gebiet für bie Be­schäftigung ber überzähligen Elemente, die in der Magistratur ni^t ankommen können, und wenn schon es immer noch eine kleinere Anzahl von Plätzen giebt, welche Sitze eines Amts- genchts find, aber nicht den Wohnsitz eines Rechtsanwalts j "".de«, so ist es doch nur eine Frage von wenigen Jahren, daß auch sie, soweit die vorhandenen Verhältnisse geeignet sind, einem Anwalt Aussicht auf ein ausreichendes Ein­kommen zu gewähren, ebenfalls sich eines Rechtsanwalts I

Unwohlsein am Erscheinen bcihiudertDie MllAi "derber Konferenz und einige anbere Herren, n. A. der z. Z. hier weitende Bischof vr' Bösst a"8 ®^na' waren gestern Abend Gäste des Ministers

DerNeichsanzeiger" vnostenilicht die Erucmiung des bisherigen ersten Sekretärs bei der Botschaft m London Prinzen zu H obeul o he-Oehringen zum General-Konsul in Budapest. DerNordd. 8Ulg. ^tg." 8tifo(ge bestätigt es sich, daß für das Oberpräsidium der Provinz Sachsen, welches durch de» Rücktritt des Geh. Raths v. Poniiner- gcitcniuien *^ft ' &tr Staatsminister Br. v. Bötticher in Aussicht

(Nachdruck verboten.)

Das Gelände.

Humoristische Plauderei von Freiherr v. Schlicht.

.-War für die Erde des Himmels Blan, .Was für die Blumen des Himmels Thau, «Das ist für die Menschen die Liebe."

Das stimmt aber es stimmt doch nicht.

: Stimmen thut die Wahrheit dieses schönen Verses, den

ich leider nicht gedichtet habe, weil er schon gedichtet war, als ich geboren wurde, nur dann, wenn der Mensch poetisch e veranlagt ist für prosaische Leute stimmt er nicht.

Unb wo auf ber Welt giebt cs prosaischere, wenn auch >ncht ßerabe nüchternere Naturen, als in ben Kasernen, wo so viel Soldaten schlummern, wo ber Posten schildern thut. Es giebt feinen Soldaten, der feine Liebe hat, unb wegen ber Liebe thut ber Posten schildern, damit Keiner auf vcr- » botenen Wegen bie Kaserne verläßt unb zu ber Auserwählten seines Herzens kriecht eine Liebe hat Jeber, Mancher deren sogar mehrere: eine für Wochentags, eine für Sonn­tags unb eine für bie hohen Fest- unb Feiertage, eine Liebe hat Jcber, aber verliebt ist Keiner. I, wo wirb sich ber Soldat beim mit so etwas aufhaltcn, dazu hat er gar feine | Zeit. Er geht mit ihr unb sie geht mit ihm, unb wenn

K fie weit genug gegangen sind, dann sagen sie sich Adieu

Lk und suchen sich Jemand Anderes, ber sie auf ihren Spazier­gängen begleitet.

k Ohne Liebe kann der Soldat ganz gut leben, wenn auch a>cht ohne Liebste was für bie Erde des Himmels Blan, was für bte Blumen des Himmels Than, das ist für den Soldaten: Kommißbrod, dicke Erbsen mit Speck unb das

" Gelände.

Nicht nur bie Küche, sondern auch ber Soldat hat einen guten Magen und kann Verschiedenes vertragen. Ich ; "innere mich aus meiner Dienstzeit, daß bei einer Be-

Amcige».Annahme - s, taat,lllW -

I CT-, 11 e 8 ra 16 wird in den nächsten Wochen keine

I hnrn. ar^.r i* ^^^"Ebuug des Etats widmeii und zu diesem Zweck I bkgfnl "l<hnrtU<lfi h nh>[l61infie« '".ber Woche abhalten. "Wie I ,, hort, sind bisher noch Nicht alle Spezialetats beim

Buudesrath cmgegangen. Es fehlen vor Alle.» noch w?j Etats I die ui manchen Punkten anders als bisher gestaltet fein dürften'

Postamtes btr Moriuevenvallmig u»b be?l«ä bS

trat * ltt.»rd;ug, der in Berlin zufammen-

I *!n*< sich in seiner gestrigen Sitzung über die Grundsätze

I fl"rr s?"^iwtätik. Es wurde allgemein aiieikaniit daß als

weseiitlichste Grundlage, für die Vorberathung neuer Ha»de"s-

I,er.rrr®C 6fl""lbst eine möglichst Iimsasseudc Prodnktionsstatistik anf- ! ^chS Fachkommissionen wurden gebildet. Abends

I fand beim Grafen Posadoivsky ein Diner statt, bei welchem sich der I ifl""",si"t>e Mitglieder des Ausschusses vorstelleu ließ. Im

I t>er Unterhaltung kam das Gespräch auch wieder auf "den

I ^' ^""uuseses Kanalsystems, siir welchen der Kaiser lebhaft ein« I Pnarrt) beabsichtigt, eiuzelucu wichtigen Sitziinge» der

I beiznwohnen. An den, Diner nahmen auch Fürst

I Hohenlohe, mehrere Minister, Staatssekretäre und Gesandte Theil.

K""r«r-Ziviston in Gstastei, hat den

W . ff V" i>er Schantung-Küst- in der Nähe des Ortes wo die Erniordiing der deut chen Missionare staitaefunden bat «Bie di^Notionnl-Ztg.» von zuoettäfsigcr Selle erfA I hat sich die Kreuzer-Division nach der Bucht von Kiantschaii als ^s!' iur d>e Durchsetzung einer unverzüglichen Geuugthunng am h,,r h ,.Ö Vf'! H«"'. begeben. Jedenfalls dürfte angenommen weiden, daß diese Genugthuung m ausreichender Weise erfolgen wird.

* Entschädigung unschuldig Beibnfteter ist int h,?111 Deutschen Reiche anläßlich des Zwischenfalls in Hoil> den tl ich anerkannt worden. Dort erklärte unser Gesandter

Schwerin, dem Präsidenten der Republik:Herr Präsident!

I 3^ erscheiiie im Name» des deutschen Kaisers und Königs von Pienhen, nm die ^nfreiheitsetzling des Herrn Emil Luders eines ^ilcrthaneii, zu ersuchen, der sich in dem Gcsäugui^ dieser ^"bt befllidet. Zugleich stelle ich im Namen meines Souveräns »b'j.og?°Fordcrung zu Gmiften des Herrn Lüders von %tr(r.leb£" b" Verhaftung lind von 5000 Dollars, 5?" "'oigeu Mittag angefangen, für jeden Tag der Verzögerung." Schade, daß unsere in Deutschland unschuldig Verhafteten sich auf die schnkidige Rede des Grafen Schiverin nicht berufen können Bei

Westerfeld, ein Gesetzentwurf zur Regelung der Thron!lgefrage vorgclegt worden. Gegen diesen Entwurf hat der Fürst Georg zu Schaiiiiiburg-Lippe einen Buckeburg, de» 12.November 1897 batnten dfo'esi beim LaudMg eingelegt, dessen Wortlaut dieD.Jur.-Zta " t'Ä%t- .D" Protest geht davon aus, daß der bekannte, unter bem Vorsitz des Königs von Sachsen gefällte.Schiedsspruch die Throiifolgederechtignng des Grafen Ernst zur Lippe-Biesterfeld nur für seine Person anerkenne. Der Throufolgesähigklit der Sohne d-S Grasen stehe der Umftanb entgegen daß tbre Mutter, geboreiie Gräfin Karoline v. Wartensleben, eine Dame aiiS liiedereiil Adel ist, die mütterlicherseits der bürgerlichen Faulllle Halbach aus Ameri5i entstammt." Die Devise:Recht muß Recht bleiben , gelte auch für die Rechte der Agnaten. &s dürfe nicht zn- gelasseu werden,, daß gegen deren Widerspruch Familienmitglieder ausgenommen wurden,die auch nicht den geringsten herkömmlichen

I 1? ^^eniber. Im Knltusministeriiim trat gestern

I Voimittag unter dem Vorsitz des Ministers Ör. Bosse eine llouftrcng I inlamnien, um einige Maßnahmen zu besprechen, die auf dem Gebiet des höheren Uiiterrichtsweseus in Anregung gekommen I m"-t Insbesondere handelte es sich u. 81. um Aeudernugen in der I Prüfungsordnung für das Lehramt an höheren Schulen. Außer

sichtigmig ein Rckrut von bem General gefragt würbe: Nun, mein Sohn, essen Sie beim auch orbentlich? Schmcckt's beim Kommiß? Haben Sic guten Appetit?"

Zn Befehl, General."

Nun, wie lange kommen Sie denn mit Ihrem Ksmmiß- brob ausZ"

Einen halben Tag, Herr General."

Allgemciiics Eulfctzcn unb bann kam es an bas Tages­licht, baß ber Rekrut sich jeben Tag von feinem eigenen Gelb zwei Kommißbrobe zukanftc und verzehrte, fobaß ber Mairn jeden Tag drei, sage unb schreibe drei Kommißbrobe, jebcs zu vier Pfunb,. Das ist keine llebertreibung, sondern eine Thatsache, die ich zu beschwören bereit bin.

Außerdem ber Jüngling noch eine Waschschüssel voll Erbsen mit Speck.

llnb ber Mensch ist nicht einmal tobt geblieben.

Ganz, soviel wie beschriebener Kommißbrobmaun essen ja nun nicht Alle unb bie Steuerzahler können barüber nur hock) erfreut sein. . Viel aber essen sie Alle uub wer viel ij3t, muß sich auch viel Bewegung machen, bamit er immer eine schlanke Taille behält.

Uub biete Bewegung, deren ber Solbat so nothwendig gebraucht, findet er im Gelände.

3ch bitte um Erlanbniß, einen Augenblick die Fcdcr ans der Hand legen zu dürfen, ich möchte mir gerne meinen Minder holen, mir denselben aufsctzcn unb ihn voller Hoch­achtung vor bem WortGelände" abnehmeit.

Ich habe es gcthan, zugleich aber auch einen heimlichen, aber liefen Schluck aus der Cognacflasche genommen, denn mir wurde schwach bei dem Gedanken an die im Gelände verlebtenfrohen" Stunden.

UnterGelände versteht der Soldat, was der Civilist unter Natur" versteht, nur daß die schönste Natur das schlechteste Gelände unb das beste Gelände die häßlichste Natur ist.