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45. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. co Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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Uo. 532. Bezirks-Fernsprecher No. 52. Samstag, de» 13. Uovewder. Bezlrks-Ferusprecher No. 52. 1897.

Abend"Ausgabe.

Drrrtsches Reich.

* flof- und Vrrsonal-Uachrichten. DieBerl. Ncucst. Nschr." erfahren authentisch, daß die imgünstigen Gerüchte über das Befinden des Fürsten Bismarck nnbegründet seien. Zu de» Gesichtsschmerzeu, a» denen der Fürst neuerdings leidet, traten, wie das Blatt weiter meldet, in den letzten Tagen Erscheinungen von Podagra, die ihn schon vor einer Reihe von Jahren hcimgesucht haben. Wie wenig das Befinden des Fürsten trotzdem im Großen und Ganzen Besorgnis; erregend erscheint, erhellt aus dem Umstand, daß der Fürst regelmäßig au den Mahlzeileu Theil nimmt. Von einer Berufung der Familie nach FriedrichSrnh ist in keiner Weise die Rede. DieNordd. Allgcm. Zlg." bestätigt, daß Tewfik Pascha zum türkische» Botschaster am Berliner Hose a» Stelle Galib Beys ausersehcn ist.

* Neuer Untrrstiitzmtgssonds für Kramtemvittruen uud Maise». I» den Etat des Finanzministeriums für 1897/08 ist für Witwen und Waisen solcher Beamten, die vor den, I.April 1897 verstorben sind, einUnterstütznngSfondS von 500,000Mk. eingestellt worden. Nach einer Verfügung des Finanzministers sind hierbei folgende Grundsätze zu beachten: Der Kreis derzn bedenkenden Wittwcn und Waise» beschränkt sich nicht auf die unter das Rcliktci:- gesctz Boni 20. Mai 1882 fallenden Hinterbliebenen, da die Un­zulänglichkeit der bisherigen Versorgung sich gerade bei den an Wittwcnkassen Bctheiliglcn geltend macht. Andererseits können aus diesem Fonds nur solche Witlwen und Waisen bedacht lverden, welche an den Vortheilen des Reliktengesetzes theilgcnommen hätte», wenn ihre Ernährer den Zeitpunkt der Inkrafttretens dieses Gesetzes erlebt hätten. Es ist nicht beabsichtigt, die Bezüge aller durch die Novelle von: 1. Juli d. I. nicht betroffenen Hinterbliebenen nun­mehr nach Maßgabe der jetzigen Bestimmungen allgemein von Amts wegen zu erhöhen, sondern cs soll abgewartet werde», inwieweit diese mit bezüglichen Anträgen hcrvortreten. Die Bewilligung von Unterstützungen aus den neneingestcllten Fonds erfolgt ferner nur in Fällen von Hülfsbedürftigkeit, und eine solche soll nur daun anerkannt werden, wenn die Gesammtbeznge der Hinter­bliebenen einerlei, aus welchen Quellen sie stainmen hinter dem Betrag zuriickbleiben, der ihnen nach den Bestimmungen der Novelle vom 1. Juni d. I. zustchen würde. Demgemäß hat sich die Höhe der Zuwendungen je nach der Lag- des einzelnen Falles zu richten und es ist dabei zu beachten, daß über die nach allerhöchster Bestimmung für die einzelnen Beamtenkategoriecn festgesetzten Höchst- beträge, und zwar: 1. für Witlwen höherer Staatsbeamten von 628 Mk. jährlich; 2. für Witlwen etatSmäßiger Subalternbeamten von 612 Mk. jährlich nicht dinansgegangen wird. Jedenfalls aber ist als Höchstgrenze der Unterstützung im Allgemeinen der unter Voraussetzung der Anwendung des neuen Gesetzes zuständige Betrag derart zu Grunde zu legen, daß dieser Betrag unter Anrechnnng aller Bezüge der Hinterbliebenen, sei eS ans Mitteln des Reichs, der Bundesstaaten und einer unter öffenllicher Autorität errichteten Versorgungsanstalt oder aus Privatvermögen und sonstigen Ein­nahmen aller Art nicht überschritten wird. Die Vorschläge sind in Nachweisungen zusammengefaßt und mit den betreffenden Iluter- stützungSgesuchen dem Finanzminister einzureichcn. Die Prüfung und Weitergabe der UnterstützungSgesilchc an den zuständigen Minister erfolgt durch die Behörde, die die Vorgesetzte Behörde des verstorbenen Beamten gewesen ist.

* Große Empfindlichkeit. Der Verband zur Wahrung der Interessen der bayrischen Radfahrer hat an die Kammer eine Petition gerichtet mit der Bitte, es wolle das StaatSministerium des Innern ersucht werden, den Radfahrverkehr in Bayern einheit­lich zu regeln, Vorsorge für Verbesserung der Straßen zu treffen und die Anlage von Radfahrwegeu anznordnen. ES wird nun be­kannt, daß die Art und Weise, wie die kürzlich eingesandte Petition

abgefaßt sei, den einschlägigen Miliistericn mißfallen habe, und daß sogar an die zahlreichen Offiziercorps, die dem Verbände angehören, der Befehl erging, aus dem Verbände anszutrelen. DieMiinchn. 3t.,91. bemerken dazu:Nach einer Lesart soll die Wendung:es wolle das Ministerium ausgesordert werden" den Anstoß gegeben haben, da eine so hohe Stelle nichtaufgcfordert", sondern gebeten" werbt. Wir können nicht glauben, daß der Büreau- kratismus bei nns so in Saft geschossen ist, daß eine solche Ver­ordnung infolge eines, wie zugegeben werden soll, nicht ganz cin- geniessenc» Ausdruckes erlassen wird. Der Verfasser der Eingabe ist kein Meister des Knrialstde»; aber irgendwelche absichtliche Ver­letzungen enthält die Eingabe durchaus nicht. Es bleibt deshalb nur übrig, die Maßregel einer übergroßen Empfindlichkeit ziizu- schreibe». Ob, so meint dieTägl. R.", eine solche Verordnung dazu beiträgt, das im allgemeinen Interesse liegende gute Vcrhältniß zwischen Militär und Civil zu stärken, lassen wir dahingestellt." Der Verband steht unter dem Vorsitz de» Obersten z. D. Freiherr» v. Rotenha» nnd unter dem Protektorat des Prinzen Ludwig Ferdinand, wie ihm auch mehrere Mitglieder des königlichen Hauses, so Prinz Rupprecht und Alfons, als Ehrenmitglieder angehören. In Militär- wie nicht minder in Civilkreifen sieht mau der Ent­wickelung dieser Angelegenheit mit einiger Spannung entgegen.

* Anno 66. Einen Brief der Königs Georg V. von Hannover vom 27. Juli 1866 an den König Wilhelm von Preuße» veröffent­licht dieDeutsche Volksztg." in Hannover. Der Brief lautet: Lieber Wilhelm! Das Kriegsglück hat gegen mich entschieden. Aber vor Dir als Besiegter zu erscheinen, gereicht mir nicht zur lluehre. Darnnr reiche ich im Vertrauen aus Dein Gefühl für Recht und Billigkeit Dir die Hand zum Frieden, den Du selber willst. Von dem aufrichtigen Wunsche beseelt, daß fortan allen unseren Be- ziehnugen jede Trübung fern bleiben möge, umso mehr, da wir ja auch durch die Bande des Blutes einander so nahe stehen, bitte ich Dich, lieber Wilhelm, mir Deine Entschließung in Betreff des Friedens bald geneigtest kund thnn zu wollen. Ich bitte Dich ferner, den Ort z» bestimmen, wo die näheren Verhandlnngen gepflogen werden sollen, und werde dahin uieiueu Minister des Aeußer», den Grafen Platen-Hallerniuud, sogleich abseuden, desscii Person, wie ich weiß. Dir genehm nnd der von der Rothwendigkeit fester und dauernder Freniidschasts-Aeziehungeli zwischen nnS durchdrungen ist. Ich verbleibe, lieber Wilhelm, Dein treuer Beiter Georg, Rex. Wien, den 27. Juli 1866." Der Brief hatte nicht den gewünschte» Erfolg, die Politik von Blut und Eise» hatte anders bestimmt.

* Die Malfischbucht. In Kapstadt beschäftigt man sich jetzt viel mit Swakopnmud, als den Konkurrenzhasen von Walsischbai. DerCape Argus" schreibt:Die Zukunst von Wasischbai ist ein iveites Spekulationsield. Ilusere deutschen Nachbarn sind nun zu dem Entschlüsse gekommeu, die natürlichen Hinderuisse in Swakopmund durch Bau-AuSsührungkN zu überwinden; die sachverständigeii Gut­achten sind solche, daß mit den Hasenarbeiten schon im nächsten Jahre begonnen wird. Was wird aber nun mittlerweile aus Walfischbai? Bereits hat derNautilus" seine Fahrten ausgeben muffen zu Gunsten desLentwein", eines deutschen Dampfers, und der britische Bczirksbeamte Mr. Cleverly fitzt dort wie ein Pelikan in der Wildniß, in dem schrecklichen Zustande, daß er nicht weiß, wie er seine Zeit hinbringcii soll." Damit hat derCape Argus" in drastischer ober treffender Weise den jetzigen tobten Zustand von Walfischbai geschildert. Der Ort mit seinem immer mehr versandenden Hasen verödet vollkommeii. ES verlohnt sich gar nicht mehr, einen Beamten dort zu halten. Die englische Halsstarrigkeit, rod die um keinen Preis die werthlose nnd kostspielige Enklave der Walsischbai an das nnbedingt berechtigte Deutschland abtreten wollte, hat hier ihren richtigen Lohn gesunden. Nnnmehr ist das Walsischbaigebict auch für Jins werthlos geworden. Früher wäre es noch) ein in gewissem Sinne werthvolles Tauschobjekt für uns gewesen, jetzt nimmt es Niemand als Geschenk. Etwas spät hat man in Kapstadt die Sache einsehen gelernt.

* Rundschau itn Reiche. Tie Ausbreitung der Kur­pfuscherei in den ländlichen Gemeinden des Erfurter, sowie des angrenzeudeu Merseburger Regierungsbezirks ist eine recht erhebliche.

wie die auf einen Erlaß des Regierungspräsidenten in Erfurt vor« genommenen Erhebungen dargetha» habe». Unter Anderem wurde ermittelt, daß auch ein Geistlicher als Heilkünstler anstrat, und zwar als Spezialist im Klystiren. Ein anderer Medizinmann ver­schuldete den Tod eines Kindes, ein dritter brachte ein Dienstmädchen, nachdem er diesem 60 Mk. abnahm, fast an den Rand des Grabes. Verschiedene dieserFälle" dürste» noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Fuchsmühl fängt wieder an, durch die Presse zu gehen. Wie Münchener Blätter melden, soll dort zur Zeit auf Anordnung der Zollerschen Verwaltung so viel Holz geschlagen werden, daß dir Holzrechtler höchstens nod) vier Jahre ihr Holz bekouimen konnten. Die Fuchsmühler sollen |id) deshalb an die oberpsälzische KreiS- regieruug gewandt haben, aber ohne Erfolg. Bestätigung bleibt ab­zuwarten. _________________

Ausland.

* Gesterreich-Ungaru. In der gestrigen Sitzung des Ab­geordnetenhauses hielt Badeni eine längere Rede, in welcher et sich dagegen verwahrte, daß man immer von angeklagten Ministern spreche. Dieser Ausdruck sei ganz nnzutresfend, ebenso sei die Ansicht irrig, daß er oder die Regierung im Begriff ständen, zu verschwinde». Die Regierung werde alle auf die gesetzliche Regelung der Sprachcu- frage Bezug nehmendeu Anträge kräftig fördern, und lvenn fid) deren Erledigung hinausziehen sollte, aus eigener Initiative Alle« nitf« bieten, um einen modas vivendi herzustkllen. Die Regierung ver­kenne die Bedeutnng der deiitschcn Nationalität nicht, müsse aber and) allen nichtdeutschen Nationalitäten gerecht werde» Das Ab­geordnetenhaus hat schließlid; nad) endlose», gegen den Schluß hin wieder sehr stürmischen Debatten die Anträge des Minifleriutus wegen der Sprachen-Verordnungeu abgelkhut nnd den jnngtschechischen Antrag auf Ilebergang zur Tagesordnung mit 177 gegen 171 Stimmen angenommen.

* Frankreich. Nach den letzten auitliche» Ausweisen besitzt Frankreich jetzt 83,465 Volksschulen (wovon 15,909 freie) mit 144,893 Klassen und 151,563 Lehikrästcn. Unter diesen befinden sich auch die Zeichnen-, Turn- nnd Gesang - Lehrer. Bei 4,580,183 Schulkindern kamen nicht ganz 32 Kinder ans die Klasse, ein so günstiges Verhältuiß, als es in irgend einem Lande vor­handen. Deshalb zähle» 90 vom Hundert der Klassen über 50 Kinder; unter den übrige» giebt es Klaffen, die über 80zähle»; aber wohl and; mir deshalb, weil die Schulbehörden anderwärts, um den freien Schulen die Stange zu halte», die Klasse« unnöthig ver­mehre».^ Im letzten Jahr ist die Schuleizahl um 6584, von 1891 bis 1895 um 16,000 znrückgegange» eine Wirkung der Minderung der Eheschließungen nnd Geburten seit sünfzehu Jahren. Unter beit 1896 Ausgehobeiien besaßen 94,6 vom Hundert die nöthige» Schul- kenntnisse, gegen 94,2 im Vorjahr. Am besten steht es im Bezirk Belfort, wo 99,9 der Ausgehobenen lesen nnd schreiben tonnten, am schlechtesten in den Departemente» Morbihan und Finistöre, wo 80 vom Hundert sich in diesem Fall besanden. Indessen werden nur Kennlitisse im Französischen gebucht, während in den genannten beiden Departemente» bretonisch gesprochen wird. In dieser Sprache verstehe» fast alle, also auch die hier als Uebcschule hitigestellte» fehlenden 20 vom Hundert, zu lesen, obwohl in den Schulen nur französisch unterrichtet wird. Die Geistlichkeit lehrt die Kinder bretonisch lesen, oft and) schreiben, damit sie de» Katechismus, Gesang- und Gebetbücher verstehe». Unter bei» Kaiserreich war die Zahl der Schulkcnntniffe besitzenden Ausgehobenen ohne Schul­zwang auf 92 vom Hundert gestiegen.

* Griechenland. Recht bezeichnend für die Kopflosigkeit der griechischen Kriegsführung ist die Thatsache, daß oie griechische Torpedoflotte bei ihrer plötzlichen Abfahrt noch Kreta vergesse» hat, die Manöverköpse der Torpedos burd) Gesechtsköpse zu ersetze». Die Berliner Maschinenbau-Aktiengesellschaft vorm. L. Schwartzkopff veröffentlicht darüber zur Abwehr griechischer An- fchuldignngeii folgende Erklärung:Jeder Torpedo wird von der Fabrik mit zwei Kopsen zur Ablieferung gebracht: einem sogenannten Manöverkopf, der nur bei Schießübungen, zur Ausbildung des

Kmljaus-Kouxrrl.

Das Kur-Orchester unter Leitung des Herrn H. Jmrer begann den gestrige» Konzert-Abend mit einer Haydnfchen Sym­phonie. Man würde gewiß nie voneiner" Beethovenfchen Symphonie spreche», ohne hinzuziisetzen, welche gemeint fei. Bei Haydn kommt e8 darauf weniger an; fast allen seinen Syinphonieen cs sind bereit weit über hundert und so auch dieser vierten in D-dur ist das gleiche harnilose und gemüthvolle Wesen zu eigen und vor Allem der gleiche herzerquickende Humor; er wirkt auch heute noch in tingeschwächter Kraft, wennschon manches Zeitliche, rein Forma­listische der Komposition im Hellen elektrischen Licht der Gegenwart nicht mehr so recht Stand halte» will. Die Symphonie wurde, dis auf geringe Unebenheiten, mit gutem Gelingen und jedenfalls mit Lust und Liebe gespielt. Die Solistin der Abends, Frau Teresa Garrenno, hatte zurlllebcrraschung der Kouzertbesncher das ganze Programin mit genialer Geschwindigkeit ningcworsen nnd spielte (nachdem erst der draußenin Gedanken stehen gebliebene" Klavier- stuhl herbeigeschasst war) statt der angekündigten Konzertstücke eine Anzahl von kleineren Solosachen ein Tausch, mit dem das Publikum im Großen und Ganzen vielleicht nicht so uuziifrieden ge­wesen fein wird. Auch in diesen Werken feierte die phänomenale Kunst der Fran Carrenuo diehöchften Triumphe. Es geht von ihrem feurigen, wild lodernden Spiel eine zwingende Gewalt ans, die den Hörer gepackt nnd umklammert hält, bis er sich widerstandslos gefangen giebt. Ihre Meisterschaft beruht aber auch darin, daß sie bei all dem über- schäumenden, leidenschastlid;en Temperament doch Maß zu hallen weiß, wo es geboten ist, und daß daher die reine Schönheit des Tones kaum jemals altnirt wird: ihr forte ist von glänzender Fülle und eherner Kraft, ihr piano von traumhafter Zartheit; und daneben stehen ihr alle erdenllichen Abstufungen der Klangfarbe zwang­los zur Hand; ihr Vortrag ist allzeit strahlend, doch so, daß er nicht nur die Sinne blendet, sondern and) den Weg zum Herzen findet. Mit gewaltigen Griffen begann Frau Carrenuo die Bachsche Ü-moU-Phantasie und Fuge, die in der großartigen Liszischen Be­arbeitung und unter solchen .zarten Eisenfingern" erklang, als würde

sie auf einer Rieseiiorgel mit all' den verschiedenartigsten Registern und bei den Höhepunkten mitvollem Werk" gespielt; bewunderus- roerti; war in der Fuge die bestimmte und scharfe HerauSarbeitimg der einzelnen Stimmen. Beethovens Phantasie-Sonate Es-dur fant durch sorgliche Mäßigung der Ansdrucksmittel zu fein- poetischer Wirkung: jede subjektive Willkür schien gezügelt, das Schluß - Allegro schoß zwar pfeilschnell dahin, aber 8 blieb doch and; im Einzelnen noch klar und dcntlich. In die fcingeistige Sprache Chopins weiß Frau Carrenuo mit verwandtem Sinne einzudringen wie Wenige neben ihr. Das reiche Aurflröinen der Melodie im II-dur-Noclürne, die leicht beschwingte Grazie im As-dur=2BaIäer, der ritterliche Schwung in der großen As-dur= Polonaise: überall Fülle und Wärme der Auffassung bei einer Bravour, die jeder Schwierigkeit zu spotten scheint! Auch mit Schuberts Impromptu und der wild zerrissenen

Etüde von Mac Doivell zeigte sich Frau Carremioj als voll­endete Vortragsmeisterin, nnd wie ein Gewitter brauste noch

zuletzt der Schubert-Tausigsche Reitermarsch daher, dröhnend,

krachend und in: unaufhaltsamen Ansturm Alles mit sich fort» reißend. Das Publikum spendete der kühnen Stürmerin enthusiastischen Beifall und erzwang auch die unvermeidliche, liebenswürdig gewährte Zugabe: einen pikanten kleinen Walzer. Nichts hindert, auzuiiehmen, daß er von Teresa Carrenuo selbst herrührle.

Zwischen den Klavier-Sol! spielte das Kur-Orchester die effekt- volle Nhapsodie von Ed. Lal» und die Variationen über ein HayduscheS Thema von Brahms. Das letztere Werk fand nur leider schon ein ziemlich erschöpftes Publikum; und doch wollen diese Variationen in ihrer edle» KombiiiationSkunst mehr studirt als nur gehört sein, beim rein-melodischer Reiz und gefällige instnimentale Wirkung sind ihre geringsten Vorzüge. Am eindrucksvollsten ist wohl das Finale in seinem kunstreichen koiitra- punktischen Aufbau. Die Wiedergabe legte von der Tüchtigkeit und Zuverlässigkeit der Kur-Kapelle beredtes Zeuguiß ab.Die Herrschaften haben ihr Möglichstes gethau" pflegte Brahms in solchem Fall dem Orchester dankend zuzuraunen. O. D.

Ans Kunst und §cden.

Königliche Schauspiele. Zmn Vortheil der hiesigen Tbeater-Pcnsions-Anstalt gab man gestern Abend neu einstndirt denZigeuuerbaron". Die Wahl des Stückes hätte in An­betracht des Zwecks nicht besser fein können, denn das HanS war ausverkaust. Durch die im jetzigen Museutempel erfolgende Ein­rechnung der Benesiz-Vorsteltniigen in das Abonnement ist der früheren, oft befchämeuden Erscheinung, diese Aufführungen vor balbletren Bänken abspiclen zu sehen, ein glückliches Ende bereitet. Die hierzu berufene Feder wird über das liebenswürdige Straußfche Werk in feiner nnmuehrigen Besetzung bei einer Wiederholung kritisch sich äußern. Für heute sei mir kurz bemerkt, daß die Vor­stellung im Allgemeinen teil Beifall des Publikums sand, wennschon es an Vergleichen mit früher und jetzt nicht fehlte, so weit e8 sich uni die Inhaber hei vortretender Partieen handelte. Das Haupt­interesse kouzentrirte sich natürlich auf den Titelhelden früher sine Glanzleistung des hier unvergeßlichen Herrn Buffard, den jetzt Herr Lemissiano verkörpert, ihn aber leider noch nicht mit Oer gesanglichen nnb schauspielerischen Sicherheit auSznstatten ver- niochte wie sein Vorgänger. Letzieren darin zu erreichen, dürfte für Herrn Lemissiano sehr schwer fein, aber da offenbar recht eingehende Stndien mit ihm stattgesimdeu haben, wird c8 sich empfehlen, die­selben noch fortzusetzen. Neu waren nod; die Damen Kord, Schwarz und Nobiiison, sowie die Herren Patek und Basil. Von den übrigen Darstellern bewährten sich wieder besonders Fräulein Ulrich und Herr Rudolph.

* Königliche Schauspiele. (Wochen-Spielentwurf.) Sonntag, den 14. November, Abonnement C, 10. Vorstellung, neu einstndirt:Rigoletto". Anfang 7 Uhr. Montag, den 15., zum Besten der Wittwen- und Waisen-Pensious- und UnterstützungS- Anstalt der Mitglieder des Kgl. Theater-Orchesters: II. Symphonie- Konzert. Anfang 7 Uhr. Dienstag, den 16., Abonnement A, 11. Vorstellung, einmalige Gastdarstellung des Schlierfer'r Bauern­theaters, zu in ersten Male:Der Bergteufel". Anfang 7 Uhr. Mittwoch, den 17.: Geschloffen. Donnerstag, den 18., Abonnement L, 11. Vorstellung, neu einstndirt:Der Kriegsplan". Anfang 7 Uhr. Freitag, den 19., Abonnement C, 11. Vorstellung:Jugendliebe". Pension Schöllet". Anfang 7 Uhr. Samstag, den 20., Abonne­ment v, 11. Vorstellung, neu einftubirt:Don Juan". Anfang 7 Uhr. Sonntag, den 21., Abonnement A, 12. Vorstellung: Wallensteins Tod". Anfang 6 Uhr.

* Nassauischer Knufi-Uerrin. Seit Jahr und Tag hat sich der Verein bemüht gezeigt, nicht bloß die übliche ,Waarr", dir