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45. Jahrgang»

Erscheint in zwei Ausgaben. BczngS-Preis: durch dcn Verlag se Pfg. motiaflid), durch die Post 1 Mk. ®Ö Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

ÜTMGG Avomreuten.

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Us. 519.

BezirkS-Fernsprechcr No. 52.

Samstag, den 6. UovemKer.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

1897.

Morgen-Ausgabe.

Sitzung der Stadtverordneten

vom 5. November 1897.

Anwesend sind unter dem Vorsitz des Herrn Landesbank- direklors Reuich 38 Mitglieder des Kollegiums, Seitens des Magistrats die Herren Oberbürgermeister Dr. v. 3 b c II, Bürger­meister Heb, Beigeordneter Körner, Beigeordneter Ma ng old und die Herren Stadträtbe Bickel, Brück, Kalle und Wage- inaiin, ferner Herr Sekretär Noialewski als Protokollfübrer.

Vor Eintritt in die veröffentlichte Tagesorduung giebt der Herr Vorsitzende Kenntnis von a) der Einladung derMänncr-Tnrn- vereins" zum Schaulurnen am 14. d. M., Nachmittags 3 Uhr, b) einer Petition mit etwa 180 Unterschriften, welche die Erhaltung der Schwimmbäder imAugusta Victoria-Bad" be­zweckt. DerHerrOberbürgeimeifter knüpft daran die folgende» Mittheilungen: Der Magistrat habe in seiner vorvorigen Sitzung dem Antrag stattgegebe», doch noch tinmal mit der Verwaltung des Bades zu verhandeln, da doch allerseits anerkannt worden wäre, daH ein gewisses öffentliches Interesse für das Fortbestehen der Schwimnibäder bestehe. Die Verhandlungen zwischen dcn Vertretern der Stadt, Herren Stadtrath Weil, Stadtverordneten O. Oidlmann und Direktor Muchall, und der Verwaltung hätten zu einem Ab­kommen geführt. Danach verpflicht« sich die Verwaltung die Schwimmbäder tut Sommer und Winter im Betrieb zu erhalten und so oft neu zii füllen, dab für beide Bussins jährlich die Zahl 200 er,eicht würde. Der Picis des Einzelbadcs werde von 70 aus 50 Pf. herabgesetzt. Für das zur Füllung, ferner zu den zndcbörigcn Douchen und dcn ständigen Zulau' erforderliche Wasser werden im Ganzen bis z» 70,000 cbm geliefert, sei es aus derNöniergnelle" oder aus der Hauptleitung. Dafür bezahlt die Verwaltung 3000 Mk., bei monatlicher Verrechnung 250 Mk. Für alles übrige im Vadhaus verbrauchte Wasser kommt der übliche Preis von 25 Pf. zur Anrechnung. Das Abkommen ist widerruflich. Der Herr Oberbürgermeister siigt hinzu, daß da­durch einerseits der Verwaltung eulgegengekoinmen worden wäre, andererseits sei klargestellt worden, dab das Bad sonstige Ver- güttstignuge» nicht zu genießen und für die medizinischen Bäder 25 Pf. pro Cubikmeter zu zahlen habe. Der Magistrat ist dem Ab­kommen beigetrclen. Ter H:rr Oberbürgermeister empfiehlt, die Ver­sammlung möge das gleiche thnn. Herr v. Eck beantragt behufs Nachprüfung de« Ihatsächlichen Bedarss an Wasier die Angelegenheit dem Finanzausschuß zu überweisen. TerHerr Oberbürgermeister spricht sich für eine sofortige Erledigung der Angelegenheit aus, ebenso Herr v. Oidtmaun. Herr Holthaus beantragt eineweiter Bedingung in das Abkommen ansznnehmen, wonach die Verwaltung verpflichtet werde, die Schwimmbäder während einer gewissen Zeitdauer (nuhrcre Jahre) offen zu halten. Die Anträge v. Eck und Holthaus werden abgelchut, dagegen der M a g i st r a t S a n t r a g. dein Ab­kommen beizutreten, angenommen.

Die Magistratsvorlage, bctr. Neuwahl von Magistrats- Mitgliedern an Stelle der ausschcidenden Herren Brück, Kalle, Knauer, Valentiner und Wagcinann, wird dem Wahlausschuß zur Vorprüfung überwiesen.

In die veröffentlichte Tagesordnung eintrctend, gelangte zu dem ersten Punkte, bctr. die Versteigeriiug des alten Theaters, eine von Herrn Immobilien-Agenten I. Meier ein- gnrichte Abschrift einer Eingabe des Herrn Meier und des Herrn Architekten L. Euler an dcn Bczirksansschuß zur Verlesung. Die beiden Herren führen darin Beschwerde über das von den städtischen Körperschaften bei der Versteigerung des alte» Theaters bisher bcobachtcte Verfahren; sie bieten ein Nachgebot von l/< Million Mark an luib bitten ein öffentliches AuSgebot des ganzen Terrains zn ver- antaffcn. Der Herr Oberbürgermeister erklärt darauf,daß er die in dieser Eingabe erhodencu Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurückweisen rniiffe, und legt in längeren AnSsührnngen dar, daß das Verfahren der städtischen Verwaltung durchaus korrekt gewesen sei. Herr Meier habe, als das Nachgebot des Herrn Götz von 1,200,000 Mk. bekannt geworden wäre, 5000 Mk. mehr geboten; der Magistrat habe aber geglaubt, diesem Gebot nicht näher treten zu sollen. Herr Dr. Dreyer hebt hervor, daß der FinanzauSschub das Abkommen mit Herrn Götz einstimmig gntgebeißen habe, ins­besondere auch ans der Erwägung, daßder Eckplatz m solcher Hand auch mit einem entsprechend schönen Gebäude bebaut würde. Herr Bei­geordneter Köruer konftatirt, daß sich der Magistrat in dcn Vcr- stelgernugsbcdingungcu bezüglich der Genehmigung von Nachgebotcn srcw Hand behalten habe. Die Versammlung, welche ihre Zustimmung zu den Ausführungen des Herrn Oberbürgermeisters bekundete, gab der Eingabe des Herrn Meier keine Folge.

Da in der Stadtvcrorduelen-Versauimlung die Ansichten über die Auslichtung der Kn ran lagen auscinandergingcu, so wurde gelegentlich der llcberweisnng der bezüglichen MagillratSvorlage an «ine besondere Kommission anber dem Referenten, Herrn Heid«, rin Korreferent in der Person des Herrn Holthaus ernannt. Herr Heide geht in seinem anSsührlichkii Referat zunächst auf die Ent- w:ckelung der Frage ein. Die Anregung zu der Auslichtung erfolgte schon einmal vor mehrcreii Jahren, in jüngster Zeit wieder in 1806 durch Herr» Siesmayer, sowie dcn hicsigcnGartenbau-Verein". Eiii« öffentliche Kritik des lctztercn gab Herrn Sicsmayer Ver- au-aisting, die Sache bei den städtischen Behörden zur Er­örterung zu bringen. Zur Prüfung der Angelegenheit fand om 21. September d. I. unter Führung des Herrn

Gartenban-JngcnienrS Hirlinger eine eingehende Besichtigung der Kauze» Knranlagen statt, an der sich von der GrundstückSdcputation >i« Herren Bickel, Dietz und der Berichterstatter bctheiligtcn. Nahezu vei icdem der znm Fällen beflimmten und mit einem rochen Punkt versehenen Bäume wurde sachgemäß festgeftellt, daß die Beseitigung im d.chArsse der Anlage liege und daher eine Nothmendigkeit fei. Mit "nucksicht ans die große Zahl der zu fällenden Bäume und die da- ourch bedingte Wichtigkeit und Tragweite der Sache nahm die di undstncksdcpntation Veranlaffung, ein Gutachten von Herrn Garteu- mrektor Schrocder in Mainz eiuznholen. Dieser nahm zunächst in Gemeinschaft mit dcn Herren Siesmayer und Hirlinger eint ruigehende Besichtigung der ihm feit Jahren bekannten An- »agen vor und erkannte hierbei die Nothwendigkeit zur Ent- Ttrintng der gezeichneten Bäume au. Eine kurze Erörterung Sach« in der Sitzung der Stadtverordneten-Verfammlung h o.8-. io6el ll"b Veranlassung zu einer gemeinsamen Besichtigung » ®eitcuS der Grundstücks- und Kurdeputatiou. Die

«ksuhtigung war bezüglich des .Warmen Damms" eine sehr ein­

gehende. Hierbei wurde die Nothwendigkeit zur Nnslichtuug mit 12 gegen 2 Stimmen anerkannt und dein Magistrat ein Antrag auf Genehmigung der Auslichtung nach dem Vorschläge der Firma SieSmaycr unterbreitet. Der Magistrat erklärte sich damit einocr- staudeu. Zur Begründung dieses Antrags betonte Herr Heide, daß sich für 12 von 14 Mitglieder» der Grundstücks- und Kurdepntatioii folgender Thatbistand ergeben hätte: 1. In den Anlagen befinden sich eine grob« Auzahi älterer, kranker Bänme, die über kurz oder lang absterben und versetzt werden müssen. 2. Unter dem jungen Banm-Nachwnchs befinden sich eine grobe Anzahl Bäume, die verkrüppelt oder im WachSthnni unschön und znrückgeblieben sind und ebenfalls krank werden müssen, wenn ihnen nicht Licht und Lust verschafft wird. 3. Die Rasenflächen in unserem Kurpark befinden sich infolge zu dichten VaninwnchseS an einzelnen Stellen in einem verwahrlosten Zustande, der eines Parkes, d. h. einer Schnuickaulage, nicht entsprechend und einer Knrstadt nicht würdig ist. 4. Bei dem jetzigen dichten BanmwnchS muß das von der Bevölkerung allgemein einpfnudene Bednrsnib nach schönen An­blicken immer niehr zu kurz konnnen. 5. Abhülse ist noch möglich und dringend geboten. Bei Ermittelung der richtigen Wege zur Lösung der Frage müsse vor Allem die Zweckbestiinmnng der An­lagen berücksichtigt werden. Dieselben müßten von anderen GcsichtS- pnukten ans betrachtet werden wie ein Wald. Unser Kurpark sei nicht für einen Einzelnen bcstinimt, um dessen besonderen Neigungen Nechnnng zn tragen, sondern er sei dazu da, recht vielen Ansprüchen zn genügen, seien es Ansprüche von Be­wohnern unserer Stadt oder solche von Knrsreinden. Das Publikum verlange, daß die Anlagen sowohl in Bezug ans Vanmwuchs, wie in Bezug aus gut gepflegten Rascu das Auge erfreuten, daß die gesammte Anlage so häufig wie möglich wechselnde landschastlich schöne Bilder gewähre. Dabei verlange nm» noch angenehinen Schatten im Sommer, den tiefen Schatten des Waldes verlange das Publikum aber sicherlich nicht. Zur Befriedigung dieses Bedüisnisses fei Wald genug rund um unsere Stadt. Bei Beseitigung der Mängel kämen nur zwei Wege in Betracht: 1. allmähliche Beseitigung der kranken und nuniitzen Bänme unserer Anlage, damit das Publikum durch eine etwa stärkere Anrholzung nicht befremdet wird; 2. sofortige Beseitigung aller kranken und überflüssigen Bäume. Die Sach­verständigen SieSmaycr und Schrocder Haden fick) für dcn zweite» Weg entschieden. Sic befürchten von einer Verzögerung nur eine weitere Schädigung unserer Anlage. Das Gutachten des Herrn Negiernngs- und Forstraths Nemnich spricht sich ohne Rück­halt für eine Verjüngung unserer Anlagen ans technischen Gründen aus. Er empfiehlt, die Auslichtung des jüngeren TheileS der An­lagen, Wie desWarmen Dinmns", erst nach einigen Jahren ein- treteu zn lassen. Dieser geringe Unterschied in den Meinungen der Sachverständigen könne, so meint der Herr Rescrent, die Vcrsammlnng nicht hindern, das llebereinflimineiibe in deren Ansichten zn er­kennen und zn billigen, nämlich die Nothwendigkeit der sofortigen Entfernung aller kranken, verkrüppelten, kronenloscri und nuschöneii Bäume. Einen erheblichen Nachtheil befürchtet die Majorität der Depn- tatiouen von der Maßnahme nicht, möge auch an einzelnen Stellen der jetzige Baninschaticu etwas vermindert werden. Die Majorität leite nicht das angenblickliche Bedürsniß, sondern das Griindbedürsnib, die Anlage auch für die Zukunft lebensfähig uiib gesund zu erhalten. Da in den letzten 20 Jahren nicht Alles in nuferem Park so gehand­habt worden, wie es von diesem Gesichtspunkte aus hätte geschehen können, das zwinge die Verwaltung leider, jetzt stärkereAiiSlichtunge» vorzunehme». Der Referent beantragt schließlich, dem Beschlüsse der Grundstücks- und Kurdeputatiou bezw. des Magistrats bei­zutreten.

Das Korreferat des Herrn Holthaus gehl im Wesentlichen dahin: Sämmtliche Herren der Grundstücks- und Kurdeputatiou er­kannten die Nothwendigkeit der Entfernung einer Auzahi verkrüppelter, kranker und infolge zu dichten Zusannnensteheirs kahl gewordener Bäume an, mir über den Umfang der Lichtung und das Wie waren die Ansichten verschieden. Mehrere Herren waren dafür, die Vorschläge von SieSmaycr vollständig zn acccptircn und deren AuS- sührnng dem Magistrat bedingungslos zu empfehlen; andere ver­traten die Ansicht, daß die Entferntnig fämmilicher gezeichneter Bäitnie zu weit ginge, weil dadurch der Charakter der Anlagen zu sehr verändert und deren Bestimuning zn sehr beeinträchtigt Würde; diese sei in erster Linie: schattigen Aufenthalt an warmen, somiigen Tagen zn bieten. Deiuentsprechcud würbe der Vorschlag gemacht, einen Theil der Anlagen nach dem Siesnmyerscheu Plane zu lichten und nach dem sich daraus ergebenden Bilde zn beschlieben, ob mit dem übrige» Theil in gemässigter Weise fortzufahren sei. Referent führt weiter aus, er habe die gezcichuelen Bänme wiederholt be­sichtigt und sei zn der Ansicht gekommen, das; die Ansholznug, so wie von Siesmayer vorgeschlagen, für die Erhaltung des Charakters der Anlage zu stark und deshalb keinesfalls aus einmal vorzunehinen sei. Er machte den Vorschlag, die Arbeiten in drei Ter minen aurzusühi en, zuerst die kranke» und altersschwachen, sowie die kahlgcwordenen, jedenfalls aber nicht über 200 zu entfernen; dann solle im nächsten Jahre ein weiteres Drittel fallen, und wenn sich darnach zeige, dab der Charakter der Anlage eine weitere Lichtung vertrag«, der Nest im Herbst 1899 gefällt werde»; inzwischen sollten neue Pflanzungen gemacht und auf diese Weis« die Knranlagen in zwei Jahren verjüngt werden. Referent ist der Ansicht, daß die von dem Gartenbau-Direktor Schrocder in Mainz vorgeschlagcire Schmuckanlage mit große» Rasen­teppichen und kleinern Gehölze vom gärtnerischen Standpunkt ihr« Berechtigung Haden möge, aber der Beftirnniuiig, welche die Anlagen einer Kurstadt haben, kaum entsprechen dürfte. Eigene Wahmehmnngeii, sowie Aeuberungeu von Fremde» aus verschiedenen Ländern hätten ihn in der Ansicht bestärkt, datz die Anlagen in der jetzigen Gestalt dem entsprächen, was die i>ur Erholung oder Stur hier weilenden Fremden suchten, und daß deshalb der bestehende Charakter erhalten bleiben müsse. Unter Berücksichtigung dec vorliegenden Gutachten stellt Herr Holthaus folgendeu Antrag:Die Stadtverordneten-Versammlung wolle dem Magistrat «mpsehleu: die als nolhweudig erkannte Lichtung der Anlage» am Warme» Damm und hinter dem Kurhaus nach den Siesmayerscheu Vorschlägen derart vornehmen z» lassen, daß noch in diesem Jahre von den gezeichneten Säumen zunächst die kranken und zn allen Exemplare, sowie einzelne ans den dichteste» Gruppen, im Ganze» bis höchstens 200 Siück, geschlagen werden, von dem Rest soll die Hälfte im Herbst 1898 und die andere Hälfte in 1899 entfernt werden, aber nut dann, wenn sich im nächsten resp. Sommer 1899 gezeigt haben wird, daß die Lichtung keine zu starke und der Charakter der Anlagen nicht darunter leidet; in diesem Fall dürfte der Lichtnugsplau nicht ganz zur Durchführung komnieu, auch sollen die sellencn ausländischen Bäume, sowie Birke» und Tannen niöglichsi geschont, au einzelnen Stellen neue Pflanzungen gemacht und dem Rasen die größte Ansmerksamkeit gewidmet werden." Rach längerer Diskussion wird der Antrag Heide mit Stimmen» Mehrheit angenommen (21 Mitglieder stimmten dafür).

Den Bericht des Finanzansschnffes.betr. die Aufnahme einer Anleihe von 4,550,000 Mk., erstattet Herr Or. Dreyer. Die Stadtverordneten-Versammlung hat am 8. October 1897 dcn Antrag dcs Magistrats, eine über mehrere Jahre laufende größere Anleihe gegen Schuldschein anszimelmien, die Zustimmung versagt. Sie war der Ansicht, daß, so lange sich nicht der Geldmarkt andauernd und radikal ändere, Wiesbaden feine Anleihe auf längere Frist und zu einem höheren ZinSsuße als 3'/- pCt. ansnehmen solle, da 3'/»°/oige Jnhaberpapicre der Stadt Wiesbaden willige Käufer eniweder zum vollen Nenuwerfhe ober höchstens bei einem Abschläge von 1 pCt. finden würben. Es würbe deshalb dem Magistrat zur Erwägung anheimgegeben, ob es nicht vortheilhaster sei, für die benötmgtc» 2,203,100 Mk. und für alle diejenigen Beträge, welch« für bereite genehmigte Ausgaben in nächster Zeit gebraucht werben, 3'/r-proceutige Juhaberpapierc auszngebeu nnb hierzu das allerhöchst« Privilegium uachznsnchen, mit der Maßgabe, daß die Jnhaber- papicre jeweiligach Bedarf ausgegcben würben. Zu gleicher Zeit wäre dann auch bi« Genehmigung beS Bezirksausschusses zu einer zeitweiligen in 6 bis 12 Monate» rückzahlbaren Kapitalaufnahme gegen 3V- bis 4 pCt. verzinsliche Schuld scheine eiuzuholen für diejenige Summe, welche voraus­sichtlich gebraucht werden wird, nach bevor die längere Zeit in Anspruch nehmende Ausgabe der Jnhaberpapiere bewerkstelligt werden kann. Der Magistrat hat daraushiu am 14. Oktober die Angelegenheit seiner Finanzkommission zur Weiteren Preisung und Ausarbeitung definitiver Vorschläge überwiesen. Diese hat unter Hinzuziehung dcs Berichterstatters, Herrn Dr. Dreyer, die Sache in zwei Sitzungen berat heu und sich darüber geeinigt, daß: 1) das aller höchst« Privilegium zur Ausnahme einer voraussichtlich die Bedürf­nisse der nächsten 2 bis 3 Jahre deckenden Anleihe gegen Jnhaberpapiere iiachzusucheu sei, und 2) daß zn gleicher Zeit angefragt werden soll«, zn welchem Zinsfuß das zur Ausgabe der Jnhaberschcinc benölhigte Kapital ans 3- bis 6-monatIiche Kündigung von ihnen zu habe» fei. Tic Antwort auf die letzte Anfrage ist cingcgangeii, und di« Offert« der Kgl. General-Direktion der Seehandlnngs-Societät erwies sich als die unzweiselhast günstigste für die Stadl. Die Offerte wirb verlesen; die Finanzkommisfloit empfiehlt bann auch die Annahme dieser Offerte nnb stellt folgenden Antrag:

Der Bericht der Finanzkommission vom 1. November wirb verlese», und darauf hat der Magistrat in seiner Sitzung Dom 3. November beschlossen, den bei der Scehandlimgs - Socicrät anszunehmenben Betrag, den die Finanzkommissiou auf l/> Millionen beziffert, ans 2 Millionen zu erhöhen, im klebrige» die Vorschläge der Finanzkommission anzunehmen, und erbittet dazu die Genehmigung der Stadtverordnelen-Versanunlung. Der Finanz- ansschnß, welcher bei der Dringlichkeit der Sache sofort mit der Vorprüfung betraut wurde, hat die ganze Angelegen- Ijeit nochmals eingehend berathen und glaubt die Forderung dcs MagistratSautrags gettchmigcn zu sollen. Sein Schlttßanlrag geht dahin: Die Sladlverorbucün-Vcrsannnlnng wolle ihre Zustimmung geben 1. zu der Ausnahme einer durch Ausgabe von 3'/--procenligen Jnhaberpapiereu anszubriiigettdenAnleihe von 4,550,000 Mk, welche Anleihe von dem ans die Ansnahmc solgeudeu Rechnungsjahre mit 2'h pCt. jährlich zu aniortifiren fei; ebenso 2. zu der Ausnahme von zeiltveiligeii Anleihen bis zum Betrage von 2,000,000 Mk. gegen einfachen Schuldschein zn den von der Kgl. General-Direktion der Seehandlungs-Societät in deut Schreiben vorn 25. Oclober 1897 gestellten Bedingungen mit der Maßgabe, daß mit dem Betrage der etflgenannfeu Anleihe die zweitgenanntcn zeit­

weiligen Anleihen bezahlt werden müssen. Mit diesen An­leihen sollen gedeckt werden: 1. die bereits gegen 3V--Proc. Schuldscheine ausgenonnnene Anleihe von 1896/97 vom 3. Juni vorigen Jahres mit 326,400 Mk., 2. die Kosten der Um- und Neu- battten am Schlachthause mit 660,000 Mk, 3. die Kosten zur Weiter­führung der Neu-Kcwalisalion, für den Kanalbau bis zum Rhein, Ver­legung und Vergrößerung der Kläranlagen, Ban eines neuen Sammel« kanals und Erwerbung zweier Mühlgesälle mil rund l,500,000Mk, 4. di« Kosten für die Erbauung eines städtischen ElektricitätSiverkcS mit 1,400,000 Mk, 5. Restzahlungen für den Theater-Neubau mir 24,600 Mk, 6. die Kosten für Um» nnb Erweiterungsbauten an der Neroberg-Nestauration mit 182,200 Mk, 7. die Kosten für ben9kub.it eines Feuerwache-DieustgebäudeS und eines Lethhausgel'äudcS an bet Nengaff« mit 177,500 Mk., 8. die Kosten für die Unterkellerung bd Marktplatzes, veranschlagt zu 221,500 Mk, und 9. Conrsverlnfte, Stempel- und Drucksachcnkosten und zur Abrundung 57,800 Mk, zusammen 4,550,000 Mk Außer der3'/--procemigen Verzinsung wären als Tilgungsraten vorzusehen: a) für das EleklricitcitSwerk 3'/- pCt. von 1,400,000 Mk.mil 49,000 Mk, b)fürbieNeroberg-Nestauratiou,daS Feuerwache-Dienftgebäude und bas LeihhauSgcbänbe 6*/i pCt. von 359,700 Mk mit 23,380 Mk, c) für die übrigen AuleihungSzwecke pCt. von 2,790,300 Mk. mit 41,853 Mk, zusammen 114,233 Mk. oder von der ganzcu Anleihe im Durchschnitt 2/i pCt. = 113,750 Mk. Hiernach war die Ziistimutnng der Stadtverordneteu-Verfammlnug zn beantragen zur Ausnahme einer durch Ausgabe von Jnhaber- papicren ansznbringendcn Anleihe von 5,550,000 Mk, welche von dem auf die Anfnahute folgenden Rechtuingsjahre an mit 2*/z PCt. zn aniortifiren und mit 3V- PCt. zu verzinfeu wäre. Auch bei der Aufnahme der Anleihe wäre der Eingangs genannte Vorschuß au die 1896/97cr Anleihe wieder abzutrageu. Der Antrag des Finanz- anSschnffeS wird angenotnnten.

Die Magiftratsvorlage, betreffend zwei dem Kgk. Amtsgericht vorzus chlagende Personen zur Wahl eines Fekdgerichtsfchöffen, Wird dem Wahlausschuß überwiesen, ebenso wie die nicht auf der Tagesordnung stehende Wahl von Beisitzer» für die demnächst statt­findenden Stadtverordneten- Wah len.

Die Neuwahl eines ArmenpslegerS für das 8. Quartier des 2. Armeiibezirte fällt auf Herrn Kaufmann Karl ©toll, Fraiikenstraße 8, und die eines BezirkSvorstehcr-StellvertreterS> den 2. Armen bezirk auf Herrn Kaufmann August Külpp, Hcllmund- straße 33. (Schluß folgt.)

Aus Stadt und Kand^

Wiesbaden, 6. November.

Die Nolksvorlrfurrgen des hiesigenVolksbildungs- Vereins" werden, wie schon mitgetheilt, da der Wahlsaal des Naih- hanses sich für die große Zahl der Zuhörer als unzureichend er­wiesen hat, mit gütiger Erlaubniß der städtischen Behörden künftig in der Oberrealschule ftattfiuden. Jufolgedeffen nnißte auch ein anderer Wochentag gewählt Werden. Zunächst ist Samstag, für später Freitag bestimmt worden. Der zweite Vortrag über Elek- tricität von Professor Schmidt wird demnach heute, Samstag, beit 6. November, Abends 8*/« Uhr, in der Oberrealschule, Oranien- ftrafse 7, gehalten werben und zwar, solange der Samstag gewählt Werden muß, in der TMthalie, später im ©aal. -