1. November 1897» Veite Si
WteSdaVener Tagvlat» < AbenS-AuSciabe». «erlag: Üonü6«ffe87
No. 510 45. Jahrgang.
K otttv«»irLhsch asiUchrs
Geschäftliches.
Serantwortlld; für 6en m» LH». »- §»»«« °LA.W«n
füt den übrigen Xbeil unb bie Hnitigtn: «. «dlh-rbt, Selbe in Biebbaber Stad unb IJttlaa brr & 66 tllcnbfii 14t» tzbf'Buchbmckkni m t8U«ba»en.
GeeichrssnaZ.
— Wiesbaden, 30. Cclober. (Strafkammrr.) Tie heutige Brrhandlung gegen ben Proscffor Sbitnrb D. S3a mberg enbde Abends um 9 Uhr mit der Fr ei sprechu ng dc» Angeklagten.
und einen seltenen Wohlgeschmack auszcichneken und babet selbst in den kleineren, billigeren Marken durch hervorragende Gute ausfielen. Dieser stark- Erfolg unserer heimischen Produkte durfte als neue, wirksame Propaganda in Berlin dienen im Wettkampf gegen die französischen Weine, namentlich die im Norde» unseres Vaterlandes noch so gewaltige Herrschast der Bordeaux-Weine.
— Postalisches, lieber die Beschränkung der Annahme von Posteleven theilt die „D. VerkehiS-Ztg." noch mit, daß im Jahre 1898 mit diejenigen Bewerber angenommen werden dürfen, denen bereits früher bestimmte Zusicherung auf Annahme gemacht worben ist. Die Ober-Postbireklioneu dürfen jedoch die bisher zn- gelassene Zahl der selbstständig anziinehmendtn Eleven nicht überschreiten und auch für die im lausenden ober im nächsten Jahre etwa anSscheibenbeu Posteleven neue Posteleven nicht anuehmcu. Für bie nächsten Jahre sollen Zusagen aus Annahme von Eleven nicht mehr gemacht werben.
— Gino für das r eisendc ’hibliluim sehr Willkommene Einrichtung ist kürzlich ins Lebe» gerusen worden. Es ist dies eine Bereinigung von mehreren hundert ersten Speditiousstrinen im In- und Anslande unter beni Namen „Internationaler Verband für Beförderung von Reisegepäck". Die Mitglieder dieses Ber- baiidcs sind nur solche Spediteure, welche sich mit Gepäckbeförderung speziell befassen. Da der Verband Listen der sämmtlichen Mitglieder nnentgeltlich dem Publikum verabreicht, so ist demselben die Möglichkeit geboten, sich stets au die richtige Schmiede zu wenden, beim nicht alle Spediteure befassen sich mit Gepäckbeförderung. Tie Mitglirder de« Jnternntionalen B-rbandes für Besörderung von Reisegepäck lassen es sich speziell angelegen fein, dem Reisenden durch Ileberuahnie der Spedition seines Reisegepäcks bedentcn.se Frachtvorlheile, sowie namhaste Annehmlichlcitcn zu gewähren. Die immer mehr zum Gebrauch gelangenden RnndieisebillkttS gestatten dem Reisenden kein Freigepäck, und in den meiste» Fällen wirb der billigere Fahrpreis durch Zahlung der immeiifeu Eepack- sracht illusorisch. Durch Benutzung des GepäckverkchrS per Eilgut ober — wenn bie Zeit langt — Per Frachtant spart bet Reisende die bisher übliche hohe Eepäcksracht unb bezahlt nur die bedeutend billigeren Eilgut- rcsp. Frachtgutsa^c. Die Gepäckstücke werden sofort nach Erhalt weiter gesandt, und Eilgüter treffen saft in derselben Zeit tuie per Gepäck expedirte Koffer am Bestimmnngsorte ein. Auf jeden Fall ist der Zeitunterschted ein verschwindend geringer, und der Dienst des Internationalen Veibandes für Beförderung von Reisegepäck durste sich in Bezug ans Promptheit bald daS Vertrauen des Publikums verschaffen. Infolge der Verbindungen in sämmtlichen größeren Städten und Bad,Plätzen Europas bietet der Verband den Reisende» schließlich noch ganz besondere Annehmlichkeiten. Durch Ileberweiinng seines Gepäcks an eines der Mitglieder des Internationalen Verbandes ist der Reisende der gänzlichen Fürsorge über dasselbe enthoben. Er händigt seine Koffer einsach an das ihm nachst- gelegene Verbandsmitglieb aus und nimmt diesklben bei besten Korrespondenten am Bestiinmnngsort in Empsang resp. erhält solche in seine Wohnung zngestellt. Hierdurch vermeidet er außer der hohe» Pnssagiergntsracht der Bahn: 1. den bisherigen, meist kostspieligen und umständlichen Transport zum Abfahrts- resp.Aukuusts- bahnhos; 2. bie vielfachen und lästigen Zollrevisionen au den Grenzen; 3. alle mit diesen Manipulationen verbundenen Trinkgelder. Die Zollrevisionen werden von dein eigenen, geschulten Personale unter Wahrung der Interessen der Empsänger vorgenommen und überwacht. Zur Erthcilnug einer jeden Auskunft ist bie Girina L. Retteiimayer, Rheinstraße 21, welche für Wiesbaden die Vertretnug dieses neuen, sehr zeitgemäßen VerbaiideL hat, gern bereit.
— Dir 17s. ©vttnifnifit ill es, bie Karl Stangen» Reise-Büreau, Berlin W., Mohienstraße 10, um 8. sanuar antritt. Diese Reise dauert 100 Tage und führt bie Theiluehmer »ach allen wichtigen Punkten de? Orients; in Eghpten weit über bic Nu bische Grenze bis zum zweiten Niikutarakt, in Palästina zu allen bekannteii biblischen Stätten, dann nach Kleiiiasien, Griechenland und der europäischen Türkei. Diese Reise sowohl, als auch die von demselben Vüieau veranstaltete Sonderfahrt nach dem Orient am 1. Februar kommenden JalncS mit dem eigen« für biefeii Zweck gemieiheten Schnelldampfer „Bohewia" vom Lesterreichifchen Llohd finden bestimmt ftmt Da bei der Sonderfahrt die ganze Seefahrt auf demselben Dampfer znrückaelegt wird, hat Karl Stangens Bureau für größte Beguemlirhkeit Vorsorge getroffen. Der Dumpser enthält' 161 Belten, doch werden davon nur 120 bi« 125 untere Betten belegt. Kabinen, deren Fenster nach der Innenseite des Schiffes gelegen sind, enthält bei Dampfer gar nicht. Alle Mit- reiienben erhalten Verpflegung erster Klasse. Die obere Leitung der Reise übernimmt Herr Louis Stangen, Sohn von Karl Stangen, der nicht nur den Orient vieluial«, soubern alle Kulturstaateii der Erde wiederholt bereist unb sich große Praxis und Äennttuffe im Reiscwesen erworben hat. Die siebente Karl Stangenfche GesellschastS- reife um bie Erde wird am 12. November angktrcteu.
— K.audelvrrgistsf. In das Eesellfchaflsregister ist bei der Firma „Gersou Blumenthal u. Co." eingetragen worden, baß nie ikauflmte Joseph Blu ment dal zu Wiesbaden und Joseph Blumenthal zu Holzhauscu als Liquidatoren ausgeschieben siud.
— Klrine llatiim. Heute Abend, 8V- Uhr, findet im Damensaal des „Nonnenhofs" ein Vortrag d-S VereinSvorsitzenden des „Freidenker-Vereins" über „Nietzsches Anti-Christ" statt. Gäste willkommen. Zutritt frei.
— Zestlrwechsei. DaS Haus Röderallee 24, „Villa Elisa" (Fremdenpension), giiig durch Kans für die Summe von 70,000 Pik. aus dem Besitze der Frau Bertha L i n cke Wiltwe in denjenigen der Geschwister Haberkoru von Rochlitzeuberg bei Rochlitz über. Das Geschäft wurde vermiltelt tmb abgeschlossen durch bie Jmmobilieu-Ageulur von Z. Ehr. Glücklich hier.
— LreurLcu-Verlrrhr. Zugang in der verfloflenen Woche nach der täglichen Liste des „Bade-Blatt" 821 Personen.
frudltmarlit ;u Mlaink vom 29. October 1897. Der heutige Markt war sowohl für Weizen als auch Korn recht fest zu etwas erhöhten Preisen. Gerste und Haser unverändert. Zu uotireu ist: 100 Kilo Weizen (Nassauischer und Pfalzer) 19 Mk. 25 Pf. bis 20 Ml. - Pf., 100 Kilo Korn 14 Mk. 50 Pf. bis 15 Mk. — Pf., 100 Kilo Gerste 17 Mk. 50 Pf. bis 19 Mk. — Pf., Prima amerikanischer Ned- Winler-Weizen 20 Mk. 75 Pf. bis 21 Mk. 50 Pf., Unter« geordii. norddeutsche Sorten — Mk. — Pfi biS 'Mk. Pfi, La-Plata-Weizen — Lttk. - Pf. bis - Mk. — Pf-, Russischer mrciicl| 20 Mk — Pf. bis 21 Mk. 75 Pf., Amerkau. Roggen — Mk. - U bis - Mk. - Pf-, Russischer Roggen 14 Mb 75 Pfi bis 15 Mk. 50 Pfi, Haser, inländischer neuer, 14 Mk. — Pr. bi» 15 Mk. — Ps„ Hafer, russischer, alter, — Mk. — Pf. bis — Mk. — Pt-
Geldmarkt. Eoursderiche der Frankfurter »önt Dom 1. November, Mittags 12'/» llhr. Eredst - Actien 301'/«, Dirconto-Commaudil-Anlheile 201.60, Staatsbahn-Aclien 28ö /», Lombarden 73'7», Gstthardbahu-Aktien 149.90, Ceutralbahu 141.—, Rordostbahu 113.50, ilnionbahii79, Lanrahütte-Aciien 174.90-1 <3.80, Gelfeulircheuer Bergweiks-Akiien 184.50, Lochumer 196.—, Harvener 186.50, Italiener 92.30, Dresdener Bank —, Darmstadter Bank —.— Berliner Handels - Gesellschaft 170.80, Italienische Mittelmeer —, Jtal. Meridionaux —, 3-procentige Mexikaner —.—, 6-proc. Mexikaner —.—. Tendenz: schwacher; Eisenwerthe stark angebvten. _____ _______
zwangen im Vortrag zu einschneidenderen Accenten, ebenso wie die Darstellung von dem vergeblichen Hoffe» der armen, ocrlüfieneii Annie und von der zart verhalkeneu Liebe ihres Freundes, der nach lange» Jahren treuen Ausharrens sie, die vermeinttiche Willwe, zum Altar führt. Eine noch gesteigerte Beredsaiukeit tvidmete Herr Poffart dem zweiten Theil der Dichtung, welche in so farbenreichem Wechsel den Untergang des Schiffes, die Rettung des Helden, sein Leben auf dem weltverlorenen Eiland, seine Befreiung aus der verzweiselleu Lage und die Rückkehr zur Heimattz schildert. Mit einer erschülleruben Tragik des Ausdrucks behandelte der Redner endlich den Schluß der Dichtting: Enoch Ardens Eiublick in seine Häuslichkeit, da denn der Unglückliche das Glück seiner Lieben erschaut und als ein Ausgeschlossener niedergeschmrttert dahiuwelkt und stirbt.
Wenn diese Rccilation in ihrer Kraft und Eigenart das Gefühl des Hörers in fehlen tiefsten Tiefen anfrühren mußte, so ist das aber auch'in fast gleichem Maße der feingeftimmten Musik von Richard Strauß zu bauten: sie folgt der Dichtung mit liebevoller Treue und Anschmiegsamkeit. Zn anSgesührteren Musikstücken — dazu bet Komponist durch seine bekannte dekorativ-musikalische Begabung so leicht verführt werden konnte — hat sich Strauß löblicher Weise nicht verleiten kaffen: als Einleitung in das .Seestück" einige wenige charakteristische Wellensiguren, bann hie und ba eine weichfließende Cautilene, ein kurzes melodisches Verweilen, einige bedeutungsvolle recilativische Accor de: mit de» einsachsten Mitteln erreicht Strauß gleichwohl die stärksten Wirkungen. Wie nun der Redner hier den Ton des Spielers, der Spieler das Wort des Redners zu treffen wußte, wie Wort und Ton sich innig zu einander neigten, gegenseitig durchdrangen und in Eins verfchmolzer, — das war von meisterhastem Geliugetr begleitet und zwang dar Publckum, welche» den Victoriasaal bis aufs letzte Plätzchen füllte, zu enthusiastischen Beisalls-Kundgebuuüen.
Dom Rßrin, 31. October. Die neue Rheinschiff» s a br t S'P ol i zei Verordnung tritt von morgen an in Kraft und ist für den ganzen preußischen Rhein gültig. Gleichzeitig tritt die im Jahre 1888 erlassene Polizeiverordnung für die Schiffahrt und Flößerei auf dem Rhein außer Kraft. Unter Anderem regelt die neue Polizeiverordnung auch die Lichterfiihrung, übereinstimmend mit den für die Seeschiffahrt bestehenden Lorschristen, welche seither schon in Holland ans den größeren Wasserstraßen geltend waren. Die festgesetzten Pcgelböhen der Hochwassermarken sind am Pegel zu Biebrich für Marke I 3,55 m, II 4,30 in, III 5,55 m.
-cli. Drllr-uheim, 31. October. Das Opfer eines seltsamen Iluglii ckss alls wurde am Freitag Abend der 69-jährige Fetd- schntze Johann Philipp Euler von hier. Als er an hem betreffenden Abend über seine Gewohnheit lang ausblieb, begaben sich feine besorgten Angehörigen aus die Suche nach ihm und fanden den alten Mann gegen lllljr Nachts etwa lOMinnien unterhalb des Dorfes in dem Wickerbach tobt liegend. Die Fuße des Vernnglücktcn steckten im Schlamin, der Oberkörper jedoch war ganz außerhalb des flachen Bachs. Wie der noch rüstige Mann, der schon uni 6 Uhr Abends vom .WanderLmann" bei Wallan ans sich auf den Heimweg begab, in den Bach gerieth und in demselben, trotz dessen durchaus ungefährlicher Tiefe, ums Leben kam, ist »och nicht aufgeklärt.
§ Aonigstetn, 31. October. Die im vorigen Herbst hier errichtete lcindwtrthschaftliche Winterschule wird Montag, den 8. November, ihren zweiten Kursus eröffnen. — Da die Zahl der fchnlpflichtigcn Kinder hier stetig wächst, so ist von der Königl. Regierung die Errichtung einer weiteren Lehrerstelle verfügt worden. — Die Lehrergehälter wurden dieser Tage hier von der Stadtverordnetenversammlung mit Zustimmung de« Magistrat» in der Weise geregelt, daß als Grundgehalt 1200Mk., alsAIterSznlage 180 Mk. festgesetzt tumben. — Als gestern Nachmittag Herr Dr. Amelmtg hier feine beiden Pferde zu einer Ausfahrt anspannen ließ, scheute eines derselben und ging durch. Herr Dr. Amelnug wollte das Thier halten, wurde dabei aber umgerissen und eine Strecke fortgeschleist, wobei er sich verschiedene Hautabschürfungen, jedoch keine ernsthaste Verletzung znzog. Der Wagen, ein neuer Landauer, welcher ebenfalls umstiirzte, wurde mehrfach beschädigt.
△ Mainz, 1. November. N heiupegel: Vormittag» 0 m 86 cm gegen 0 m 84 cm am gestrigen Vormittag.
Wetter zu erwarten sei; doch bleibe dasselbe auch von Schneefällen nicht verschont. Die zwei kritischen Tage des November fallen auf den 24. (erster Ordnung) und 9. (dritter Ordnung). Falb kann Recht haben; kalt ist es schott, unb Schnee — uo, der Hitnmel sieht ganz darnach aus.
G. Sch. R»side»k-Tßrat<r. In der am Dienstag zur Erstaufführung gelaugenden melodieenreichen komischen Vaudeville -Spottvögel" sind in erster Reihe in den weiblichen Hauptrollen die Damen Seltner und Wilhelma beschäftigt, denen sich Fräulein Borchard und Fräulein Krause anschließen. Die Herren Mannffi, Schultze, Heckmann, Bartak werden für das weitere komische Element sorgen unb ist somit ein höchst origineller amüfanter Abeub zu erhoffen.
— §tabt»rrorbnet<nwal)l. Die Termine für bie Sladl- verordueteuwahl sind wie folgt festgesetzt: für die 3. Klasse ans Montag, den 22. November, Vormittags 9 bis Abends 6 Uhr; für die 2. Klasse auf den 23. November, Vormittags 9bis 1 Uhr,und für die 1.Klaffe auf den 24. November, Vormittags 10 bis 12 Uhr.
— Der Lawn-Tennio Mch in der neuen Anlage wird von heute — Montag, den 1. November — ab geschlossen. Da sich daselbst noch den Spielern gehörende Garderobestucke und sonstige Utenfilieii befinden, so macht die Klirverwaltnng auf deren baldige Abholung aufmcrffani.
— Bie nächste Zchuitzcljaod findet morgen, Dienstag, statt. Rendezvous an der Wiesbadener Kalk- und Gemeni=(ynbrif an der Mainzerstraße. Zeit: 11 Uhr 30 Mitt. Auslaus: Wiese westlich Erbeuheim.
- Vortragsabend. Der am Samstag Abend in der „Loge Plato" von Herrn Konzertmeister Michaelis mit fernen Schulern veranstaltete Vortragsabend legte ein glänzendes 3 .^mß für die vortreffliche Lehrmetbode unb den künstlerischen Ernst, mit welchem Herr Michaelis feine Aufgabe erfüllt, ab. Schon das mit einer stattlichen Zahl Geigern besetzte Orchester führte sich durch bie nut Präzision und Schwung ausgesührte Wiedergabe der Jphigcnie- Onverture von Gluck vortrefflich ein. Die hieraus folgenden Solo- Vortrage waren von echt künstlerischem Strebe» beseelt, unb rissen das äußerst zahlreich eijchieueue Publiknin zu wahren Beifallsstürmen hin. Besondere Anerkennung ceibienten die Wiedergabe der Beethovenscheu Ronianze unb d-r Gesangsscene von Spohr, welche letztere in gerabezn vollendeter Weise zu Gehör kam. Eine angenehme Abwechslung boten bie Streich- und Violm-Quartett- Sötze von Haydn und Spohr, sowie das von dem Sohn des Veranstalters, einem Schüler des Herrn Kammervirtuosen Brückner, in lobenswerther Weise ausgesührte Cello-Konzert von Goltennann. Herr Konzertmeister Michaelis, der bekanntlich ein „Neues Mustk- Zustitut (Wiesbadener Geigeuschule)" nach der Methode seines vortrefflichen Lehrmeisters Joachim hier ins Leben zu rufen gedenkt, bewies durch diese Veranstaltnng, mit welchen, Ernst und p,leist er sich die Ansbildung seiner Schüler angelegen sein läßt und stellte dadurch feinem neuen Unternehmen da» günstigste Prognostikou. .
— Nördlicher Kezirkvvereln. Am 25. d. M. fand eine Vorstandssitzung des Nördlichen Bezirksvereins im „Hotel Hahn" statt. Nach einem Bericht des Vorsitzenden über die bisherigen Verhandlungen, betreffend den Durchbruch von der TaniiuSstraße nach dem oberen Theil der Eeisbergstraße einerseits und der Nößler- straße andererseits, wurde beschlossen die ordentliche Generalversammlung am 8. November d. I. im Saal des „Hotel Hahn" abzuhalten. Bis dahin gelöste Mitgliedskarteu berechtigen zur Theilnahme. Der Verein zählt jetzt 105 Mitglieder. Eine vertrauliche Besprechung der bevorsteheuden Gemeindewahleu ergab völlige Hebereinftimmung über die vorzunehmenden Schritte.
— Zchwnrarrich». Von dem G e f ch wore nen d ienst e in der bevorstehetiden Schwurgerichtstagnng sind die Herren Karl Kramer zn Geisenheim, Privatier Theodor Schäfer hier, Oberst- Uentenaut a. D. Paul Som bart hier, Kanfinann Max Wiesner hier, Apotheker Karl Lawaczck zu Gomberg, Kaufmann Karl Goitl. Alb. Meißner zu Höchst a. M., Verwalter Friedrich Schlitt zu Nied, Landmann Ph. Hinterwaller II. zu Miehlen und Reutiier Rudolf Liß zu Niederlohiistein entbunden und an deren Stelle die Herren Techniker Eduard Krug zu Königstein, Rentner Josef Brentano zn Geisenheim, Kanfmauu Heinrich Esau zu Caub, Kaufmann Franz Wenz zu Gomberg, Rentner Adolf Otto hier, Laiidmani, Wilh. Anton Reber zii Eschbach, Komponist Johannes Wendel hier, Bauunteruehiner Heinrich Schneider zu Lorsbach und Baumeister Joh. Stieme zu Erbach ausgeloost wordeir — Zur Verhandlung gelangt ferner am 19. November er. bie Anklage gegen den Posthülfsbcten Peter Milch von Wallau wegen llrknnben- fälschnng und Unterschlaginig im Amte. Die Verteidigung fuhrt Herr Rechtsanwalt Bojauow Ski.
— (Elite Ausstellung deutscher Plakate eröffnet der Lokal-Gewerbevereiu morgen, Dienstag, den 2. November, Vormittags 9 Uhr, im Saale der Gewerbeschule. Es ist dies die bedeutende Sammlung des Herrn Professor Max Schmid-Aachen. Dieselbe umfaßt über 200 Nummern, darunter sehr felteue Sujet» aus den 60er Jahren, die im Hunde! nicht mehr vorkommen. Die Ausstellung ist bis einschließlich 6. November täglich von 9 bis 12 Vormittag» und von 2 dis 6 Uhr Nachmittag» geöffnet.
— Ariszeichuung. Die hiesige Firma A. Wilhelms hat für ihre hervorragenden Rheiugauer Gewächse in der ReichShaupt- stadt gestern eine neue Auszeichnung empfangen. Wie uns aus Berlin gemeldet wird, wurde bei der Vertheilnug der Ehren- pre ise in der Nahrungsmittel-Ausstellun.g der Firma A.Wilhelmi einstimmig die große goldene Medaille znerkanut, ein Erfolg der Wilhelmj-Weine, der umfo bedeutender ist, al» die Jury nicht etwa besondere Proben, sondern die dem großen Publikum überhaupt angebotenen Gewächse untersuchte. Das über die Prüfung auf« genommene Protokoll koiistatirt, daß sämmtliche Wilhelmj-Weine sich durch absolute Naturreinheit, feine Gäre, originale Raffe
Echte UachrichtZA.
Co ul ineutat ^Telegraphen-Compagnie.
Krmislmttrl, 1. Noveinber. Amtlich wird bekannt gemacht: Die Eisenbahnbliicke bei Taterpa hl wurde durch den Dampfer „Octa" am Sonntag Vormittag angeranut und durch die hydrau tischen Bewegnugsvorrichtnugen beschädigt. Der Schiffsverkehr ist unbehindert, mir dauert das Drehen der Drucke, weil c» durch Menschenkraft erfolgt, etwas länger als sonst.
Petersburg, 1.November. Das Kaiserpaar nebst Kinderr ist gestern Abend hier eingetrosseu.
Madrid, 1. November. Nach Telegrammen aus Key West fand in Havana zu Ehren WeylerS, der sich vor der Ankunft des Generals Bianco eiiischisfte, eine fluiibgebnng statt. Weyler erklärte den Veranstaltern der Kundgebung gegenüber, seine Ersetzung fei erfolgt ans Gehorsam gegenüber den Wünschen der Aufständischen und den Forderungen der Vereinigten Staaten. Er allein hätte den Krieg beendigen können.
Attzrir, 1. November. Ein Dampfer mit unbekannter Flagge ohne Besatzung ist an der Küste der kleinen Insel Theraiia in der Nähe von Santorin gescheitert.— Etwa 45,000 Flüchtlinge mit 40,600 Stück Vieh find bereits nach Thessalien zurückgekehrt.
Depeschenbureau Herold.
Köln, 1. November. Die Ehefrau des Posthiilfsboten Maul in der Barnterstraße hat gestern sich und ihr 7 Monate altes Kind mittels Karbollösnng vergiftet. Bei der Fran waren Wiederbelebungsversuche vergeblich. Das Kind wurde noch lebend ins Krarikenhaus gebracht und hofft man es am Leben zu erhalten. Die Eheleute Maul lebten feit 5 Jahre» in glücklichster Ehe. Die junge Frau dürfte den bedanersiswerlheu Schritt inGeisteSverwtrrung getbnn haben.
L-avcrrbnrg, 1. November. Wegen fortgesetzter banben» mäßiger Diebstähle wurde der Sohn einer achtbaren Familie int Augenblick der Ausführung verhaftet. Der Fall erregt große» ^“^yii’ett, 1. November. Gestern verstarb hier der Tiroler Dichter und Reichsrathsabgeordnete Professor Dr. Ambros M ayr.
Budapest, 1. November. Bei der Station Sndek sand ein 8 ufa mm en ft oft zwischen einem Personenzug und einem Lastzug statt Fünf Waggons wurden zertrümmert. Ein Bediensteter, sowie ein Passagier sind schwer verletzt, 22 Personen leicht.
Nnrlo, 1. November. Die Akten Scheurer-Küstner in der Dreysussache nmsasseu 60 Seiten. Außer Scheurer besitzen der Senator Ranc und mehrere andere Parlamentarier überzeugende Beweise (?) von der llnschrild Dreysus'. Die Unterredung Scheurer» mit dem Kriegsminister dauerte 2 Stunden. Obwohl hierüber strengstes Stillschweigen beobachtet wird, bezeichnet luauinRcgreruugS- kreisen die Prozeßrevision als sicher.
StrnußVossart-Abend.
Die durch Zartheit unb Tiefe der Empfindung gleich ausgezeichnete Dichtung „Enoch Arden" von Alfred Tennyson ist auch in Deutschland, hauptsächlich durch bie feinfühligen Uebersetzungeu von Hesse! unb von Strodtman», längst heimisch und manchem Herzur innig vertraut geworden. Zu Vorlesungen, Schauspiclen und Operntexten hat sie ost genug herhalten müssen. In melodramatischer Gewaudung erscheint sie jetzt zum ersten Mal. So führte sie un» gestern im »Verein der Künstler unb 9uiiftfreuit.be* der Münchener Hostheater-Intendaut Professor Ernst Poffart vor, während Herr Hoskapcllmeister Rich. Strauß die dazugehörige, von ihm komponirte Musik selbst am Flügel zu Gehör brachte. Herr Poffart bietet viel mehr als eine Deklamation im gewöhnlichen Sinne: dies ist keine bloße Wiedergabe mehr — e» ist eine förmliche Wiedergeburt im Geiste. Was Herr Poffart an technischen Vorzügen dazu niübringt: ein volles, modulationsrcichc» Organ, die scharf abgcfttlle Aussprache, ein untrügliche» Gedachtniß, einige ausdrucksvolle Gesten —, das theilt er am Ende mit manchen andern Schauspielern und Redcpult- Virtuosen. Aber die geistige Durchdringung des Stoffes, diese eigentlich milschöpferische Thätigkeit des Virtuosen, traft bereu er in ber Seele des Hörer» dieselben starken, innerlich tief greitenben Eindrücke erweckt, wie sie die Phantasie dc» Dichter» nur irgend erträumte — diese Kunst übt Poffart in höchster Vollendung. Die Slecitation baute sich in feiiiberechueter Steigerung auf. Schlich, kund einfach gab Herr Poffart die mehr beschreibende Einleitung des Gedichts, aber immer gewaltiger schwoll fein Ton an, in dem Maße, als sich bie Lebensschicksale de» Helden verwickelten unb »uspitzten. Der aussichtslose Kampf Enoch Ardens gegen ein widriges Geschick, die schmerzliche Trennung von Weib und Kind
Ambrssia-Grahambrsd
wird von allen ärztlichen Autoritäten al» da» einzige, wirklich bekömmliche Grahambrod von dem köstlichen Geschmack empfohlen. Die hiesigen Verkaufsstellen sind bei S. «. Hoth «aehf., 4. Große Bnrgstraße 4, Carl Mert», Aug. Engel« 14353
Dir Abrnd-Ansgabk enthalt Ä Keilagen.
