eeite S. 14. October 1897. Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag r «anggafse 27.4S. Jahrgang. Ro. 480.
Franzosen Guichard in Sistovo stopfte sich ein Soldat tn I Gegenwart des Generals Velickovskij, zweier Oberste und des militärischen Staatsanwalts die Taschen mit verschiedenem dort feilgebotenen Kram voll und ohrfeigte noch dazu den Wirth, der es wagte, Protest zu erheben.
Erst als sich die Militärverwaltung recht schlecht fühlte, nahm man Zuflucht zur Civilverwaltung, die, dank den I vom Fürsten Cerkaskij rechtzeitig getroffenen Maßregeln, m Perpflegungssachen bedeutende Dienste leistete, besonders während der Winterzeit, auf die man garnicht gefaßt war.
Der Plan Cerkaskijs, mit der alten Organisation der eben befreiten türkischen Provinzen nicht zu brechen, sondern sie als Grundlage und Ausgangspunkt zu benutzen, hat sich ebenso glänzend bewährt, wie sein kluges System der allmählichen Heranziehung von bulgarischen intelligenten Kräften zum Staatsdienst. ,
Ein Mann von echtem Schrot und Korn, nut all seinen Schwächen und Porurtheilen, ragt er durch seinen unbeugsamen Charakter und seine unerschütterliche Unbestechlichkeit hoch über die Andern empor. Er verstand es aber nicht, die Gunst der Machthaber, mit denen er auch während seiner Thätigkeit in Polen auf stetem Kriegsfüße stand, zu gewinnen. Alexander II., der sich immer mit edlen, talentirten Naihgebern zu umgeben wußte, schenkte ihm sein volles Vertrauen, aber dem Bruder des Czaren, dem Haupt- kommandirenden, sowie desseii Nathgcberu war dieser Vertreter der Civilverwaltung ein Dorn im Buge, und fo rapportirte der Großfürst am Ende des Krieges an seinen regierenden Bruder, „er sei mit der trügen, ganz verfehlten Thätigkeit des Fürsten Cerkaskij ganz unzufrieden". Als aber Anucin bald nach Cerkaskijs Tode dem Großfürsten die großen Erfolge der rastlosen Thätigkeit der Civil- verwaltung schilderte, mußte er gestehen, daß er ohne nähere Sachkenntnisse über Cerkaskij sein strenges Urtheil gefällt habe. Aber der durch Gram und Ungerechtigkeit gebrochene Fürst lag schon im Grabe. Am Tage, wo der Friede von St. Stephans unterschrieben wurde, einige Stunden nachdem er dem Großfürsten zwei ausführliche Denkschriften über die bevorstehende Organisation des Fürstenthums überreicht, schied er jählings von den Lebenden. Und zur rechten Zeit, denn die größte Schmach wurde ihm dadurch erspart: für die weitere Organisation des Fürstenthums hat man schon längst, ohne sein 'Vorwissen, auf das Andrängen des Großfürsten nicht ihn, sondern einen Militär auserkoren.
Die ausführlichen, inhaltsreichen Aufzeichnungen des Generals Anucin, von dessen Aufrichtigkeit und Wahrheitssinn wir nur eine Probe gezeigt haben, werden unter den in der letzten Zeit erschienenen russischen Memoiren wohl um so mehr einen der Ehrenplätze einnehmen, als sich einer der höchsten Würdenträger, ein General, unterfangen hat, unter den gegebenen CensurverhäUnissen der historischen Wahrheit unumwunden das Wort zu geben.
des Monats October gleichzeitig in Wien und Bertm mr AtU, führung gelangen. Es ist dies die Ouvertüre,u Verdis ErKnigS werk „Oberto, Conte di Bonifacio“, mit dem er vor 58 Mno' vor die Oeffeutlichkrit trat. Den Bitten einiger Freunde ist e» gelungen, den greifen Komponisten zu bestimmen, daß er da» Werk der Oeffentlichkcit übergab.
William Papes Bild: „Ein Reich, ein Volk, ein Gott", «eicht- der Kaiser de» Wiesbadener Kunstsülen auf einige Tage zur Verfügung stellte, wird von Freitag an zur Ausstellung gelangen und zwar in Gemeinschaft mit einer ganz neuen intereffanten Kollektun, von der wir Namen wie v. Defregger, v. Lenbach, Fnedr. Aug. v. Kaulbach, Werner, Schuch, Gregor v. Bochmaun, Eichstaedt, Brann, Hans Petersen, Oswald Achenbach, Konrad Kiesel erwähnen. Die Leitung der Kunstsäle hat für die Zeit der Aurftellinig des Papeschen Bildes bedeutende Enirs-Erniäßigungen vorgesehen.
Auf das am Freitag, den 15. d. Mts., im hiesigen Kastnosazl staitsindeude Konzert des 12-jährigen Klaviervirtuosen Raoul v. Koczalski, der schon vor drei Jahren dahier uvei Konzerte mit großem Erfolg gegeben hat, sei nochmals hingewiesen.
Zum 70. Geburtstag Arnold Böcklin» begießt sich eine Abordnung des Baseler Kuustvereius nach Florenz, um dem Künstler die Glückwünsche seiner Vaterstadt zu überbringen. Gleichzeitig werden ihm ein Exemplar der von Hans Sandreuser modellirten Medaille, ausgeführt in reinem Golde, sowie ein prächtiger Becher "^Jii^Lo ndon ist John Gilbert, der Präsident der EM- chaft der Aquarellmaler, im Alter von 80 Jahren gestorben. Sem Hauptwerk war der große illustrirte Shakespeare.
Nach einer Meldung der „Jllustraied London News" sind für den diesjährigen Winterkiirfiis der Schol of Medicine for Womea 170 Damen a ls Studirende eingetragen worden.
Deutsches Kelch.
* Kof- und Perf-nal-Ziachrrchtti,. Die „Voff. Zeitung" schreibt: Ueberraschend kommt die Meldung, daß der komman- dirende Admiral v. Knorr einen längeren Urlaub angctreten hat, obgleich er erst während des Hochsommers einen Erholungsurlaub hatte und noch bei Gelegenheit seiner silbernen Hochzeit im September während der Hanptstottenmanöver gemeldet wurde, daß er die Feier in rüstiger Gesundheit im Kreise seiner Familie begangen habe. Mit seiner Vertretung ist der Chef der Ostsee- Station, Admiral Köster, beauftragt worden. Der letztere trifft dieser Tage in Berlin ein, um fein neues Kommando zur Vertretung des kommandirenden Admirals zu übernehme».
* Kerlin, 14. October. Zu der am Sonntag Vormittag in Gegenwart des Kaisers stattfindenden Nagelung und Weihe der vom Kaiser den sämmtlichen Bataillonen der am 1. April d. I. uenerrichteten Jnfauterie-Negimenter verliehenen Fahnen sind der kommandirende General und von jedem der neuen Regimenter eine Abordnung, bestehend aus dem Regiments-Kommandeur, einem Offizier und einem Unteroffizier, nach Berlin besohlen worden.
Auch die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die von verschiedenen Blättern gebrachte Meldung über die Termine für die Einberufung des Reichstags und preußischen Landtags als gänzlich unzutrefsend. Ein Beschluß in dieser Beziehung liege bisher nicht vor.
Die nationalliberale Fraktion bereitet für die nächste LandtagS- fession einen Antrag auf Aufhebung der preußischen Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhl vor und zwar, wie die „Rh. Wests. Pol. Nachr." mittheilen, als Antwort auf die Ausstreuungen in der Canisius-Eucyklica gegen das evangelische Bekennt- niß. Die „Köln. Ztg." meint, der Antrag habe mir den Werth einer Demonstration und Warnung.
Angeblich von zuverlässiger Seite will die „Deulsche^Warte" erfahren haben, daß die Entscheidung über die Militär-Straf- prozeß-Neforin recht bald, wahrscheinlich schon vor dem Zusammentritt des Reichstags, fallen wird. Jedenfalls gilt, so schreibt das Blatt weiter, jetzt als sicher, daß fie nicht bis nach den Neuwahlen zum Reichstag verschoben wird.
Der „Nat.-Ztg." wird bestätigt, daß dem Bnndesrath vom Reichsjustizamt die Vorlage bezüglich der Entschädigung unschuldig Leriirtheilter zugegangen sei. Im Ganzen hält sich der neue Entwurf, wie die „Nat.-Ztg." weiter meldet, im Nahmen der in der vorigen NeichstagSsession mit der Strasprozeß- reform-Vorlage gemachten Vorschläge. Besonders bleibt es dabei, daß nur im Wiederaufnahme-Verfahren wirklich unschuldig Befundene enfichädigt werden sollen. Dieses Verfahren soll jedoch nicht der Beschränkung unterliegen, welche der vorige Entwurf vorsah. Die Bürgschaft, welche diese Beschränkung des Wiederaufnahme-Verfahrens nach dem vorigen Entwurf für die Unschuld des vorher Verurtheilten leisten sollte, hat nach der neuen Vorlage allein der Gang des Wiederaufnahme-Verfahrens zu erbringen.
Wie die Abendblätter melden, wird der WirthschaftS- ausschnß, welcher zur Vorbereitung der Handelsverträge eingesetzt werden soll, noch im October einberufen werden. Bis jetzt hat von ben drei Jureiessen-Verbänden nur der deutsche Landwirthschastsrath seine Delegirten ernannt. , .
Die ordentliche Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvercins für den 4. Berliner Reichstagswahlkreis wurde vorgestern Abend polizeilich aufgelöst. Nachdem die Gegenstände der Tagesordnung erledigt waren, kam es zu einer Debatte, in deren Verlauf der überwachende Beamte durch die Auslassungen eines Redners sich veranlaßt fand, die Versammlung wegen NeligionS- schmähung anfzulösen. ... .
Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: Die schon erwähnte Konferenz der Ober-Postdirektoren wird im ReichSpost- amt heute ihre» Anfang nehmen. Die Berathung wird sich ausschließlich auf dem Gebiet der Porto-Taris-Frage bewegen, für welche Seitens des Publikum», insbesondere aus Kreisen des Handels und der Industrie, in der letzten Zeit Anregungen und Vorschläge erfolgt sind. Falls diese Vorschläge zur Annahme gelangen, wurde es sich darum handeln, die dementsprechenden Aenderungen in den bisherigen Bestimmungen zu formuliren, tim die erforderliche Vorlage an den Bundesrath und an den Reichstag vorzubereiten. Zw Anschluß a» dir Arbeiten der
Aus Stadt und Land.
Wiesbaden, 14. October.
— ®rFd)ld)tsH»Unl>er. 14. October. 1066. Sieg Wilhelm» des Eroberers bei Hastings. 1536. Garcilajo de la Vega, span. Dichter, t Nizza. 1644. W. Penn, Quäker, * London. 1758. Niederlage Friedrich beS Großen bei Hochkirch. 1797. Ida Pfeiffer, Reisende, * Wien. 1806. Niederlagen der Preußen bei Jena und Auerstädt. 1808. Schluß des Kongresses zu Erfurt (seit 27./9A 1809. Friede zwischen Frankreich tutb Oesterreich zu Wien. .1829. Freiherr v. Holtzendorsf, Rechtslehrer, * VietmannSdorf. 1829. E. Lasker, Politiker, * Jaroschin. 1840. Paul Güßseld, Forschung- reisender, * Berlin. 1840. Frdr. Kohlransch, Physiker, * Rinteln. 1846. Graf Kasimir Bade ui, öftere. Staatsmann, *. 1867. W. Oertel (W. O. v. Horn), Volksschriftsteller, f Wiesbaden. 1872. Prinz Albrecht, Vater, f.
— Persounl-Unchrichten. Dem Landrath a. D., Geheiinen Regierung»rath Hammer zu Wiesbaden, bisher zu Meschede, wurde der Rothe Adler-Orden dritter Masse mit der Schleife verliehen. — Den nachbenannten Personen wurde die Erlanbniß zur Anlegung der ihnen verliehenen »ichtpieußischen Insignien ertheilt, und zwar: des Ritterkreuzes zweiter Klaffe des Großherzoglich hessischen Verdienst-Ordens Philipps des Großmnthigen: dem Regisseur am Kgl. Theater zu Wiesbaden Wdax Köchy; des silbernen Berdienft- kreuzea des Herzoglich sachsen-ernestinffchen HanS-OrdenS: dem HauS» Polizei-Inspektor bei demselben Theater Georg Reh uns; der demselben Orden asfilürteu Verdienst-Medaille in Silber: dem Lozen- Portier des genannten Theaters Eduard Rehn.
— Kurhaus. Morgen, Freitag, findet Beethoven- Abend der Knrkapelle statt. Besonderes Eiutritisgeld wird nicht erhoben, doch sind alle Karten beim Eintritt vorzuzeigen. — Der Sängerchor des „Wiesbadener Lehrer-Vereins" hat nunmehr der städtischen Kurverwaltnng seine bestimmte Zusage gegeben, in dem großen Festkonzerte, welches dieselbe nächsten Montag, als am Tage der Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals, veranstaltet, mitzuwirkeu. Das Programm der Männerchöre und der Orchefter-Vorträge wird ein der Bedeutung des Tages entsprechendes sein. Wir kommen noch näher daraus zurück.
G. Sch. Aestdrnr-Theater. Auf das am Freitag statt- finbende Gastspiel des Elite-Ballet-EnsembleS „Excelsior" wollen wir nochmals Hinweisen und zugleich bemerken, baß baSselde im Abonnement statt findet. Die beide» Einakter „Mamas Augen" und „Ans Liebe zur Kunst" werden eine angenehme Beigabe bilden und somit Ist ein amüsanter Abend gesichert.
^Zalscr Friedrlch-Deukuml. Zuber Enthüllung»- feierVnn Montag, den 18. d. M., sind von dem Denkmal-ComiiS auf Veranlassung des Oberhofmarschallamts eingeladen worden und habe» ihr Erscheinen zngesagt: Ihre Köngl. Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Heinrich von Preußen, Se. Hoheit der Prinz und Ihre Königl. Holtest die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Se. Durchlaucht der Prinz und Ihre Königl. Hoheit die Prinzessin Adolf von Schanmbnrg-Lippe, Ihre Durchlaucht die Prinzessin von Schaumburg-Lippe, Se. Hoheit Prinz Bernhard von Sachsen- Weimar Herzog zu Sachsen, Generalseldmarschall Graf v. Blumenthal bringt statt seines Adjutanten seinen Sohn, Generalmajor und Kommandeur der 7. Kavallerie-Brigade Grasen v. Blumenthal, mit Graf zu Eulenburg, Oberhof- und Hausmarschall, Rittmeister a. D. v. Gustedt, General der Infanterie v. Hahnke, Generalmajor v. Reffel, Oberhof- und Hausmarschall z. D. v. Liebenan, Geiieral- lieuteuant z. D. v. Lenke, Hausmarschall Freiherr v.Lyncker, General der Infanterie v. Mischke, Generallieutenant v. Pfnhlstein. Oberst Freiherr v. Bietinghoff, gen. Scheel, General der Infanterie v. Wittich, Geheimer Ober-Regiernugsrath Dr. Hinzpeter, Hofmarschall Freiherr v. Reischach, Hofmarschall Freiherr v. Seckendorff, Profeffor Ludwig Pietsch, Botschafter Fürst Radolin, Botschafter Graf zu Eulenburg. Außerdem werben auf Einladung des Comitös folgende Persönlich- keiteu erscheinen: Oberpräsident Magdeburg in Cassel, Provinzialdirektor Geheimrath Rothe in Mainz, General der Jnsanterie v. Holleben-Mainz, Generalmajor Volk, Kommandant von Mainz, Oberbürgermeister Dr. Gaßner-Mainz, Oberbürgermeistervr. Adickes- Fiankfurt, Generallieutenantv. Stülpnagel-Frankfurt, Generalmajor v. Maffow-Fraukfurt, Generalmajor v. Bülow-Frankfurt, Polizeipräsident Freiherr v. Müffling-Frankfnrt. — Wegen Raummangel» können die Offiziere pp. des Beurlaubtenstandes am 18. d. M. nur in beschränkter Zahl am alten Theater Aufstellung findep^Lluch hier muß Alles spätestens 11'/» Uhr zur Stelle sein.
^Auf Befehl §r. Majestät des Kaisers wird ein Bataillon des 81. Jnfanteric-RegiinentS aus Frankfurt a. M. an der Feier der Enthüllung des Kaiser Friedrich- Denkmals theilnehmen. Die von dem „Nassauischen Krieger-Verband" geplante Aufstellung am Denkmal hat die allerhöchste Genehmigung erhalten. Die Ausstellung erfolgt in der Weife, daß die Fahnen - Deputationen vor der Tribüne um bas Denkmal herum stehen unb sich baran die Wilhelinstraße abwärts die Vereine anschließen. Obwohl die Einladungen erst dieser Tage verschickt worden sind, Haden doch schon eine größere Anzahl Verbandsvereine circa 800 Mitglieder angemeldet. Voraussichtlich werden mehrere Tausend Krieger und ehemalige Soldaten von dem „Raff. Krieger-Verband" der Feier beiwohnen. Dieselben werden in der oberen Rheinstraße und dem Kaiser Friedrich-Ring sich zu einem Zuge ordnen und unter Vorantritt einer Militärkapelle nach dem Denkmalsplatz marschiren.
/=- Nom Festausschuß für die Enthüllungsfeier des Kaiser Friedrich-Denkmals werden wir um nachstehende Veröffentlichung ersucht: „Wir machen darauf aufmerksam, daß die ausgegebenen rothen Karten nur zum Zutritt zu dem Empsangszelt (A und L) und zwar nur für Herren bestimmt sind; Damen können auf diese Karten weder zum EmpfongSzelt, noch zu den Tribünen zu- gelaffen werden. Dagegen ist auf die weißen (Tribünen-) Karten auch Damen der Zutritt zu den Tribünen (B. bis K.) gestattet. Für ba» Empfangszelt ist als Anzug Frack unb weiße Binbe, dezw. Gala-Uniform vorgeschrieden, für die Tribünen ist derselbe Anzug erwünfcht. Aus sämmtlichen Plötzen ist das Rauchen, auch vor Beginn der Feier, untersagt. Da» Mitbringen von Sitz- geräthen (Klappstühlen rc.), sowie von Stabern unter 10 Jahren erscheint mit Rücksicht auf die Anlage der Tribunen nicht angängig."
Ausland.
* I kältere. Einer Mailänder Depesche des „Piccolo" in Triest zufolge versuchte der Römische Korrespondent der Mailänder „Italia bet Popolo", Mosconi, einen Erpressungsversuch an dem Commodore Perrone. Letzterer, welcher von der „Italia de! Popolo" kürzlich heftig angegriffen wnrde, übergab Mosconi 50,000 Lire, ließ denselben aber beim Verlassen seiner Villa verhaften.
* Spanien. Ans Madrid, 12. October, wird uns geschrieben: Wieder einmal ist der Beweis erbracht, wie absolni nmuöglich es ist, irgend welchen Erklärnngen unserer Machthaber Glauben zu schenken, und es gilt dies eigentlich bereits als so selbstverständlich, baß Niemand ber Sache mehr Aufmerksamkeit widmet. Mit welcher Beharrlichkeit wurde es abgdeugnet, daß die Regierung der Vereinigten Staaten ein Ultimatum stellte, einen Zeitpunkt für bte Beendigung des Krieges in Cuba bestimmte, und nun geht aus der Antwortnote, die der Minister des Aenßern rebigirt hat, klar hervor, baß dieses der Fall war. In derselben heißt es nämlich, die spanische Regierung könne ein genaues Datum dafür nicht augeben, hege aber die Zuversicht, daß dasselbe nicht fern sei. Ob diese Zuversicht, die sie wohl auch nur auf dem Papier hat, sich bestätigt, erscheint sehr fraglich. Um die Aufrichtigkeit betreffs der Autonomie in Cuba zu beweisen, hat ber Kolouiakminister an den Chef der dortigen auto- nomistischen Partei, Montero, ein Telegramm geschickt, in dem er ihn bittet, geeignete Persönlichkeiten für die BerwaltungSposten zn bezeichnen. Leiber scheint das Schicksal ber Insel aber weniger von ben Antonomisten, als den Separatisten abzuhängen, die wohl trotz Allem bie Oberhand behalten dürften.
* Türkei. Der Kommandant der albanefischen Wache im Mdiz Kiosk, Arif Effendi, hat sich erschossen.
* Amerika. Die einzige bis dahin noch bestehende Abtheilung Jndianersoldaten ber Bundes-Armee in Fort Sill wurde kürzlich, wie wir vor einiger Zeit erwähnten, aufgelöst und damit der kostspielige und aussichtslose Versuch, ans den Indianern tüchtige Soldaten zu machen, für immer nufgegeben. Jener letzte Rest von Rothhant-Militär war „Troop L" des 7. Kavallerie-Regiments. Allerdings werden an einigen Armeeposten noch indianische Späher, die aus Zweckmäßigkeitsgründen die Förmlichkeiten einer Aufnahme in das Bundesheer durchgemacht haben, auch fernerhin beibehalten werden; gleichwohl aber wird der indiauische Soldat als Bestand- theil des stehenden Heeres thatsächlich mit ber Ausmusterung obiger Truppe vollstänbig verschwunden fein. — Die drei Aankee-Journalisten in Havana, welche Fräulein Cisneros befreiten, hatten sich, so heißt es, als Frauenzimmer verkleidet und polizeiwidrig benommen, um in bas Frauengefängniß gesperrt zu werden. Fräulein Sisneros befinde sich schon mit ihren Rettern auf ber Reise nach New-Uork; ihre Auslieferung könne nicht erfolgen, weil sie sich eines politischen Vergehens schuldig gemacht hat. — Mc. Kinletzist befriedigt, daß Spanien das Recht ber amerikanischen Einmischung in bie 6 uba frage anerkannte. Im Uebrigen wird jedoch das Ausbleiben ber Antwort auf Woodfords Note als ein neuer Beweis ber spanischen Verschleppungspolitik angesehen. (Wie wir gestern mittheilten, soll die Antwort auf Woodfords Note im nächsten spanischen Ministerrath festgestellt werden. Red.) — Fräulein Evangelina CiSneroS ist in New-Iork eingetroffen. — Die Deutschen in Mexico haben zur Linderung der Nothlage der Ueberschwemmten in Deutschland bis jetzt gegen 5000 Pesos aufgebracht, bie nach Berlin abgeführt wurden.
Ober-Poftdirektion werden im Laufe ber nächsten Woche Vertreter ber Handels- unb ber LaudwirthschaftSkammern im Reichspostamt zu einer Konferenz zusammentreten, um gutachtsich über postalische Angelegenheiten und Wünsche gehört zu werden. Personal-Reformen, bie naturgemäß erst ben Schlußstein bilden können, bleibe» eventuell einer späteren Zeit Vorbehalten.
* 3» vr» Mnuöverdetruchtnuaen. Sn Bezug auf bie Angriffe, welche bie Kaifermanöver im dayrifchen Landtag erfahren, sendet ein Leser der „Tägl.Rundsch." folgende bemerkenswerthe Ansicht über bie großen Reiterangriffe: „In Manoverzeiten werden bisweilen Neiterangriffe ausgesührt, die keinen durchaus kriegsmäßigen Eindruck machen, die aber dabei völlig berechtigt sind denn der Kavallerie muß im Manöver bie Gelegenheit, auf unbekanntem Gelände cmznreiten, möglichst oft geboten werden; zu anderer Zeit wird ihr ja die Moglichktt nur selten gegeben. — Das Attackireu in großen Verbanden ist selten Möglich; die beste Gelegenheit dazu bieten bie Kaisenuanover. Es kann uns nur mit gerechtem Stolz erfüllen, wenn unser kaiserlicher Herr in solchen Fällen sich selbst an bie spitze der Kavallene- massen setzt. Ob er den Angriff in jedem einzelnen Fall für kriegS- gnnäß hält ober ob er nur die Gelegenheit ergreift, nm die Unterführer mit den Schwierigkeiten, bie mit bem Zusammenwirken ber großen Massen verbunden sind, bekannt zu machen, diese Frage darf dem obersten Führer Nieinand vorlegeu; der Kundige wird sie den Uinständen gemäß beantworten können."
* Marine. Man schreibt der „Tägl. Rundschau" aus Wilhelmshaven: Die großen transaklantischen Schnelldampfer Des Norddeutschen Lloyd unb der Hamburg-Amerikanischen-Packet- fahrt-Akiiengefellschaft sind betaiiiithd) von ber Marineverwaltung als AuSlandkrenzer vorgesehen nm» werden im Mobilmachungssalle nach bestimmten Prinzipien armirt unb bemannt. Abgesehen hiervon nehmen auch die koloffalen und sicher gehenden Maschinen dieser Oceanrenner das Interesse der Marine in Anspruch, sodaß bas Reichsniarineanit bie Einrichtung getroffen hat, höhere Mariiietechniker und Schiffsmaschinen - Ingenieure zur Information an Bord der Schnelldampfer zu kommaudiren. Neuerdings hat ber Maschinen-Oberingenteur Hempel von ber Matrosen'station wieder den Auftrag erhalten, sich an Bord des größten und schnellsten Passagierdampfers ber Welt, „Kaiser Wilhelm der Große", für eine Reise nach New-Fork einznschmen. I Die auf solchen Informationsreisen im Maschinenbetrieb gemachten I Beobachtungen liefern manchen werthvollen Wink für den Maschineu- I dienst in ber ReichSmariue und werden dem Reichsmamieamt in I »Nlführlichen Berichten von den jeweilig Komiuaudirteu mitgetheilt. | • Lm,»schau im Kelche. In einer zahlreich besuchten
I öffentlichen Versammlung der Bewohner des durch die letzten Brande I heiinsesuchteu StadttheilS Kölu-Riel wnrde beschloffen, eine Eingabe an die Stabt, bie Polizeibehörde sowie bie Negierung zu I richten, in welcher um wirksameren Schutz ber ungemein geängstigten I Bewohner gegen Brandstiftunxn sowie Einbrüche gebeten »erben I soll. Das gesammte Gebiet, dessen Flächeninhalt dem der Altstadt I gleich kommt, wird jetzt von nur zwei Polizeibeamten bewacht. — I Auf die Hebung des Torpedoboots 8 26 ist mit Rücksicht I auf die entgegeiistehenden Schwierigkeiten unb die unverhältnismäßig hohen Kosten verzichtet worden. Jedoch soll nochmals der I Versuch gemacht werden, bie Stiebe des OderheizerS Hampel zu bergen. I — Laut einer Mittheilung des „StaatSanzeigerS" wird auch die I toürttembergifcbe Postverwaltnng die sogenannten I Kartenbriefe vom 1. November ab in den Verkehr bringen. Der „Staatsanzeiger" knüpft au diese Mittheilnng bie Bemerkung, I daß ber Ministerpräsident v. Mittnacht schon im Jahre 1887 die | Anregung gegeben habe, Kartenbriefe einzuführen. Diese An- I regmig fei damals von ber Reichspostverwaltung.unb von der I bayrischen Postverwaltung znrückgewiesen worden.
Aus Kunst und Keben.
* Verhakt Hauptmanns Kunst hat, wie die „Welt am Montag" erzählt, von einem feiner engeren Landsleute eine merkwürdige Einschätzung erfahren. In einer Aufführung der Versunkenen Glocke" traf ein Berliner Schriftsteller einen ihm bekannten alten Herrn, ber Jahre lang ber Familie Hauptmann m Warmbruun benachbart war, wo ber Vater besDichters das Hotel „ZurKrone besaß. „Na, was sagen Sie denn zu Hauptmann seinem Gerhart? Der Alte wiegt bedächtig den Kopf. „Wenn der alte Hauptmann mit dem Hotel besser gewirthschaftet hatte, nachher brauchte ber Gerhart sich fei Kupp nid) asu zu zerplagen.
* Verschiedene Wtktheilunven. Ein interessantes Werk Verdis wirb zur Feier seines 84. Geburtstages tm Laufe
