Beilage M Wiesbadener Tagmatt
43. Jahrgang. 189V.
Freitag, den 1. Oktober.
Uo. 438. Abend-Ausgabe
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(Nachdruck verboten.)
(11. Fortsetzung.)
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den Feldern hinzog.
So hasteten die beiden lautlos neben einander her, jedes nur sein Ziel tut Auge, als dem Mann, der mit Unebenheiten des Bodens zu kämpfen hatte, die Verfolgte plötzlich entschwunden war. Dort aber war die Mauer der Kirche, an der der Weg weiterführte. Eine ganze Weile hielt er sich noch still und spähte; endlich schlich er vorsichtig gegen die Kirche. Nichts war zu sehen, nichts rührte sich. Er kam zu der hohen Gitterpforte; sie war verschlossen. Nun wandte er sich wieder zurück, und, in den Schatten der Seitenmauer gedrückt, eilte er von Neuem vorwärts.
An dem Wörtchen, das Merry und Detlef vor einiger Zeit ausgenommen hatte, eilte der Erregte blindlings vorbei. Als er aber an die Hinterseite des Kirchhofes kam, machte ihn eine auffällige Entdeckung stutzen. Dicht an der Mauer stand ein einspänniges, leichtes Wägelchen ohne Führer. Wer hat um diese Zeit hier etwas zu suchen? — Er überlegte, ob er sich in der Nähe des Fuhrwerks verbergen oder sich weiter umthun sollte. Nachdem er sich eine Weile stillgehalten, siegte die Ungeduld. Er umschlich die ganze Mauer, bald lauschend, bald von seinem hohen Standpunkt nach allen Seiten über die Heide spähend, ob sich in der Nähe oder Ferne irgend etwas regte, was ihm, bei dem milden Schimmer, der über der Erde lag, nicht hätte entgehen köitnen. Nirgends eine Bewegung, nirgends ein Geräusch; und so kam er auf seinem Wege wieder zu der Seitenpforte, bei der er zuerst vorbeigestürmt war.
Weil er jetzt nichts unbeachtet ließ, drückte er sich in die Nische und legte die Hand auf die Klinke. Sie gab unerwartet nach, und die Thür öffnete sich geräuschlos; er stand innerhalb des Friedhofes. Er erschrak selbst und ließ sich im Schutz des nächsten Grabmals zur Erde gleiten.
Da bewegte sich etwas auf einem Hügel mehr der Kirche zu. Des Knieenden Augen traten ans den Höhlen; alle seine Sinne spannten sich. Jetzt war cs ihm auch, als ob der Wind das Geflüster von Menschenstimmen zu ihm trug. Er kroch und schob sich von Hügel zu Hügel, der Esche, die die Wiedervereinten in ihrem Schatten zu bergen suchte, immer näher und näher, und plötzlich, mit dem Wuthschrei eines ThiercS, stürzte er aus seinem Verstecke hervor.
Die zum Tode erschrockene Frau war aufgesprungen und zurückgewichen, während Detlef, wie zu ihrer Vcr- theidigung, vor sie hintrat. Jetzt erkannten sie ihren Gegner, und das entsetzte Weib trat unwillkürlich noch ein paar Schritte hinter ihren Schützer. Gerade diese Bewegung
Meer und Heide.
Eine Erzählung von den nordsriesischen Inseln von Heorg Bormann.
Der'Eifer, zu entdecken, wohin sein Weib mitten in Nacht ginge, ließ ihn sich beherrschen nnd keine Vorsichtsmaßregeln außer Acht lassen, obgleich sie der Verfolgten gegenüber überflüssig waren, da sie weder rück- noch seitwärts sah. Er folgte ihr nicht in gerader Linie, sondern ging erst ein gutes Stück die Straße hinunter, um nun die flüchtige Gestalt mehr von der Seite zu beobachten, indem er eine Zeitlang einen Graben benutzte, der sich zwischen
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Wiesbaden, den 28. September 1897.
Der gMW gellte CMMmMer.
Schleier auf sie herabsenkten, immer tiefer, immer tiefer, bis sie ganz darin versank und erstickte. Vergangenheit und Gegenwart standen gegen sie auf, um sie zu richten und zn vernichten. Sie zerbrach innerlich und äußerlich an ihrem Schuldbewußtscin. Für sich hoffte, für sich fürchtete sie nichts mehr; sie warf sich bei Seite. Aber wie konnte sie gut machen, was sie an dem gethan, der, das Herz von Hoffnung und Sehnsucht erfüllt, wiedergekehrt war in die Hcimath, bauend auf ihre Treue, und der sie gefunden als das Weib eines Anderen; dem sie beim ersten Betreten der hcimathlichen Scholle nichts gegeben hatte als Grimm, Verwirrung und Verzweiflung, und den sie jetzt aus Angst nnd Vcsorgniß um seine Sicherheit hatte fortschicken müssen!
Der Leidende machte eine Bewegung; sie erinnerte sich an ihre Pflichten. Der alte einheimische Arzt, an den sie zunächst dachte, wohnte zu entfernt; sie suchte nach einem Zettelchen nnd fand es. ES enthielt die Adresse Dr. Arnolds und Ulrich Bodens. Sie zog den Vorhang zurück; draußen war es schon Tag. In den großen Hotels des Badeviertels waren die Bediensteten jetzt schon früh auf. Eine halbe Stunde später klopfte der Hausdiener den noch Schlafenden wach und verständigte ihn durch die Thür. Als Dr. Arnold heraustrat, fand er eine alte Frau, die ihm tu der klaren, verständigen Weise der Inselbewohner von einem Unfall ihres Herrn berichtete und die Bitte Merrys hinznfügte, ihr beistehen zu wollen.
Der junge Arzt erinnerte sich sofort nnd versprach der Davoiieilenben auf dem Fuße zn folgen.
Als Dr. Arnold bald darauf an dem Beite des Verletzten stand und mit geschickter Hand den alten Verband gelöst hatte, mußte er, der als Arzt gewohnt war gefährlicher aussehende Wunden zu scheu, sich zusammennchmen, um sein Erschrecken zu verbergen. Auch eine nähere Untersuchung Bleik Jürgensens, der noch immer nichts von sich wnßte, zeigte die bedenklichsten Shmptome.
Indem sich der Arzt mehrmals hinabbengen mußte, hatte er einen widerwärtigen Alkoholgernch wahrgenommen. Wie ihn aber vorher der Anblick der Wunde entsetzt hatte, weil ihn feine Phantasie mit einem furchtbaren Bilde geängstigt, indem er Detlef Bork in einen nur zu richtigen Zusammen Hang mit diesem Ereigniß brachte, so verscheuchte jetzt miede» diese Wahruehmung den entsetzlichen Gedanken, und ei konnte seine nächsten Anordnungen mit vollkommener Ruhe geben.
„Ich bin leider genöthigt, mich auf einen Tag von der Insel zu entfernen," schloß er. „Es darf aber nichts versäumt werden; ganz klar sehe ich selbst noch nicht. Wenn nun inzwischen eine Verschlimmerung eiutreten würde" —
Die Frau stand mit einem traurigen, aber unbewegten Ausdruck in den wohlgebildeten Zügen vor ihm. „Dann würde ich mich an einen hiesigen Arzt wenden," erwiderte sie ruhig.
Der junge Mann athmete auf. In ihrer ganzen Haltung lag für ihn etwas unendlich Befreiendes. Er nannte ihr noch den Namen eines angesessenen ArzteS, der ihm von einem früheren Besuche der Insel bekannt und den er in diesem Falle besonders empfehlen zu können glaubte, reichte ihr in ernster Theilnahme die Hand und schied mit den Worten: „Morgen gegen Abend hoffe ich zurück zu sein. Ich komme sofort her, und wir werden ja dann sehen, wo ich Ihnen noch etwas nützen kann." Die Frau brachte ihn bis zur Schwelle, dankte ihm und versprach, nichts zu versäumen.
(Fortsetzung folgt.)
Vesser ein Hund in Frieden, als eilt Mensch in i| Gesetzlosigkeit. Chinesisch.
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mußte den Alten reizen, denn, sinnlos vor eifersüchtigem Zorn, stürzte er sich mit hochgcschwnngenem schweren Stocke nicht auf den jungen Mann, sondern auf die wehrlose Frau. Detlef, der bisher abwartend nnd gelassen gestanden hatte, wurde cs roth vor den Augen, als er Merry so bedroht sah, und schwer warf er sich dem Angreisenden entgegen. Dieser, so unerwartet zurückgeschlendert, taumelte, drehte sich um sich selbst und schlug mit der Stirn hart und wuchtig auf einen Grabstein.
Die beiden so jäh Ucberfallencn kamen erst jetzt zum Bewußtsein ihrer Lage. Nach dem kurzen furchtbaren Kampfe trat Todtenstille ein, nur, zuweilen unterbrochen von einem dumpfen Stöhnen des Gefallenen.
Detlef beugte sich zu ihm nieder. „Er blutet!" sagte er erschreckt. Merry versuchte mit ihrem Tuch vergebens das Blut zu stillen; endlich gelang es ihnen mit den noth- dürftigen Hülfsmitteln, die sie hatten, eine Art Verband hcrzustclleu. Der, um den sie sich mühten, schien aller von einer tiefen Ohnmacht befallen, denn er lag mit geschlossenen Augen wie ein Todter; er gab auch bald kein Zeichen des Schmerzes mehr, nur die athmende Brust zeugte noch von Leben.
„Wir können nicht warten, bis er wieder zu sich kommt. Das beste ist, wir führcn ihn auf dem Wagen nach Hause, daß er sobald wie möglich einen ordentlichen Verband erhält und Ruhe findet. Bei Gott, mein Wille war cs nicht, daß er so bös zu Falle kam."
Mit unsäglicher Mühe brachten beide den Bewußtlosen auf den Wagen, und Detlef leitete so schonend wie möglich die traurige Fahrt. Es herrschte noch nächtliches Dunkel, als sie endlich am Ziele waren. Merry nahm all ihre Ueberlegung zusammen.
„Warte, bis ich den Hund ins HanS genommen habe!" sprach sie zu Detlef. Dann überführten sie bett noch immer Besinnungslosen in das Hans und betteten ihn auf sein Lager.
Jetzt erst, nachdem das unmittelbar Nothwendige geschehen war und Detlef sich anschickte, der um den Leidenden Beschäftigten noch weiter zur Hand zu sein, unterbrach die blasse Frau ihre Thätigkeit und, energisch seiner Hülfcleistnng wehrend, sprach sie in aiigstvollem, drängendem Tone: „Nichts rührst Du mehr an. Ich bitte Dich, geh' für jetzt; Du kannst hier nichts mehr nützen."
„Ich will den Arzt holen," entgegnete er.
„Ich flehe Dich an, um Deinct-, um meinetwillen!" fügte sie inniger hinzu, „geh' jetzt, und schweige, schweige von Allem, was in dieser Nacht geschehen. Versprich mir, daß Du es thnst!"
„Ich verspreche es."
„Und jetzt eile, Dich aus der Nähe des Hauses zu entfernen, ehe der Tag dämmert."
„Werd' ich Dich Wiedersehen?" fragte er, nach ihrer Hand tastend.
Sie schwieg, bedrückt von der Last der Stunde, und wandte sich gepeinigt ab.
„Werd' ich Dich Wiedersehen?" fragte er drängender und wilder, indem er sie an beiden Händen fcsthielt.
Sie sah hülfeflehetid nach oben. „Ja, ja, aber lueitn Du mich liebst, so geh' jetzt." —
Als Detlef fort war, sank die Frau, überwältigt von den auf sie eiustürmenden Empfindlingen, auf einen Stuhl nieder. Warum konnte sie nicht schlafen draußen auf dem Friedhöfe neben der Jugendgefährtiu und von nichts wissen, von nichts wissen! — Immer schwerer drückte ihr das Bewußtsein das Haupt nieder. Es war, als ob sich dunkle
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