Anlage Mm Wiesbadener Tagblatt
43. Jahrgang. lS9f*
Dienstag, den 28. September.
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No. 432. Abend-Ausgabe
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(Nachdruck verboten.)
(8. Fortsetzung.)
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Der Schul-Vorstand
Slcpfel, gcbr., cenrnerweisc z. I). Karlstraße 22, Laden. 12633
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Montag, den 4. Oetober
Abends 8 Uhr.
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hatten in diesem Augenblick dieselben Gedanken und Empfindungen, wenn auch vielleicht in verschiedener Deutlichkeit und Stärke. In uns beiden erwachte die bisher schlummernde, aber unstillbare Sehnsucht nach dem Meere mit Allgewalt, und zugleich drängte sich uns hier in überzeugender Anschaulichkeit die Macht eines weltumspannenden Handels aus.
„Sieh'/ tröstete ich, „so bleiben konnte es doch nicht; es hätte uns zu keinem Ziele geführt. Vielleicht hat Alles so kommen sollen! Ich bin jung; ich will hinaus, ich will das werden, was der beste von den Männern ist, die wir ans unserer Heimathinscl hoch halten. Und bin ich erst Kapitän und darf ein Schiff auf „großer Fahrt" führen, erwerbe ich mehr als wir brauchen, und Du sollst die erste Frau auf der Insel werden. Sie legte mir die Hand auf den Arm, als wollte 'sie meinen allzu kühnen Träumen Einhalt thnn. Und doch leuchtete eö in ihrem Auge, und ihre Brust hob sich, denn anch sie war ein Schifferkind und dem Meere vertraut. Der Mann, auf den sie stolz sein sollte, mußte das Weltmeer befahren haben auf einem Schiffe, das er selbst führte, und an dessen Fracht und Gewinn er auch betheiligt war.
So erhoben wir nns aus dem Schmerze der Gegenwart an dem Ziele der Zuknnft. Unsere Hände halten sich ineinander gefügt, aber zu zärtlichem Liebesgeflüster hatten wir weder Zeit noch Sinn. Die Kinder, die wir vorher vertrieben hatten, kamen wieder heran; sie störten uns nicht. Auf dem Wege, der sich vor unserem inneren Auge öffnete, sahen wir Entsagung, Mühe und Gefahren. Aber stolz und kühn schritten unsere Herzen darüber hin. Am Ende der Bahn erblickten wir uns selbst, wie jetzt, mit ineinander ruhenden Händen, in einem Bunde, den nichts auf der Welt mehr trennen sollte. —
Danach sahen wir uns noch einmal, ein letztes Mall
Mit dem Betreten des Schiffes durfte ich es nicht mehr verlassen. Aber ehe Merry die Stadt verließ, kam sie znm Abschied mit der Frau, in deren Begleitung ich sie zum ersten Mal gesehen, zu mir an Bord. „Ich werde ruhiger fein, nun ich das Fahrzeug kenne, dem ich mein Liebstes anvcrtrane," sagte sie. „Wenn der Sturm daherkommt über See und Heide und rüttelt an Fenster und Thor, daß man schlaflos liegen muß, will ich mich trösten mit dem Gedanken, es ist ein gutes Schiff, das Detlef trägt, und kann mi* Gottes Hülfe auch den Sturm bestehen."
Ein letztes Lebewohl; die Jolle, in der sie gekommen, stieß ab und steuerte durch die Straße im Hafen, die die großen Ostindienfahrer bildeten, dem offenen Wasser zu. Ich lehnte am Heek meines hochbordigen Fahrzeugs und blickte der sich entfernenden Jolle nach. Bald aber wurden mir die Umrisse der Gestalten unsicher, und einen Augenblick später verschwand das Boot auf der nebeligen Wasserfläche. Aber nun," schloß der Seemann seine Geschichte, „hab' ich sie wiedergesehen. Sie lebt, sie blieb mir erhalten! Ich wurde inzwischen umhergeworfen; was thut's, daß ich so lange ohne Nachricht blieb s Mein Herz weiß, sie gehört mir noch immer. Nichts, nichts kann uns mehr scheiden; bald sind wir verbunden, verbunden für die Ewigkeit!"
Es war inzwischen dämmerig geworden. Der Sprechende war anfgestanden; die letzten Worte hatte er ernst rtrtb feierlich gesprochen. Auch die Freunde hatten sich erhoben. Schweigend, ohne anzustoßen, neigten sie noch einmal die Gläser gegen ihn. Dann schüttelten sich die Männer stumm und bewegt die Hände, und während die Freunde ihren Rückweg nach dem Badeort antraten, schritt der Seemann durch die Straße des Heidedorfes von dannen.
Wie an jenem Tage, als die beiden aus dem gastlichen Hause der Friesin traten, gingen die Freunde wortkarg nebeneinander her. Mil keiner Frage hatten sie den Erzähler unterbrochen, und auch jetzt wagten sie keine Bemerkung in Bezug auf seine Mittheilungen. Es war, als fürchteten sie, mit dem Austausch ihrer Gedanken etivas Furchtbares zu wecken, das jetzt wenigstens noch schlief. Aber wie sich die Dämmerung immer tiefer über die Heide ausbrcitete, wurde anch ihr Empfindungsleben von immer dichterem Dunkel umhüllt.
(Fortsetzung folgt.)
Bekanntmachung.
Das Winterhalbjahr 1897/98 der
gewerblichen Fortbildungsschule
Beginnt am
(gesetz. gesch.).
Wilhelm Meffert
„der neuesten Ernte“
ist in reicher Auswahl eingetroffen. 11747
sum- und
irben,
20 Pf. Wk Ml. MM« 20 M.
groß« gesunde Frucht. 12458
J. Scliaab, ’SSk-
Mk. 1.— Vorzüglichen ächten Briekäse gz. 95 Pf.
daherkam, hätte ich auf sie zustürzcn und sie an mich reißen mögen; aber ich bezwang mich, und wir begrüßten uns wie sonst mit der gewohnten Zurückhaltung. Als sie nun aber so still, mit zu Boden gekehrtem Blick neben mir herging, während eS in mir siedete und kochte, brach ich das Schweigen und sagte ranh: „Weißt Du auch, daß das auf lange hinaus unsere letzten Stunden sind, die wir uns sehen und sprechen können?"
Sie sah mich scheu und fragend an, weil sie den Ton sonst nicht an mir gewohnt war; dann nickte sie mit einem kaum hörbaren Seufzer vor sich hin und setzte schweigend ihren Weg fort.
Ihre Wortlosigkeit reizte mich von Nenem; der wüste Wunsch envachte in mir, sie zu verletzen. „Nicht nur Du gehst von hier," rief ich barsch und heiser auf sie hinein, „sondern auch ich. Ich hab' es mir schon lange vorgenommen!"
Sie znckte leicht zusammen, antwortete aber nicht; nur ihr Blick bekam etwas Angstvolles, als hätte sie ein schreckhaftes Wort vernommen, über das sie sich noch tänschen wolle, und das sie durch eine Frage von Neuem zu wecken fürchtete.
Da riß mich die Wuth hin, und ich sagte ihr, was ich gethaii, und schloß mit den knirschend hervorgestoßeuen Worten: „Und Du, Du bist au Allem schuld!"
„Ich, ich?" rief sie und blieb rathlos und zitternd an einer der Bänke stehen, die oben auf der Anhöhe zum Sitzen einladcn. Dann ließ sie sich schwer nieder, als ob ihr die Kraft versagte weicerzugeheu. Sie legte die Hände in den Schooß und sah starr ins Weite, schien aber mich und Alles um sie her vergessen zu haben., Nun verkehrte sich mein Zorn in Besorgniß. Leise setzte ich mich zu ihr, hoffend, ihre Erstarrung würde sich lösen. Doch wie erschrak ich, als, ohne daß sie cs zu bemerken schien,, ihre Augen sich mit Thrän«« füllten. In schweren, heißen Tropfen fielen sie ans meine Hand, die ich auf die ihre gelegt hatte.
Aber nicht nur auf meiner Hand, auf meinem Herzen brannten diese Tropfen, denn ich erkannte, daß ich thöricht gewesen war, und daß sie weder Gleichgültigkeit noch Kälte halte schweigen lassen.
Kinder, die noch bisher an unserer Bank gespielt hatten, zogen sich scheu zurück, als sie die Frau weinen sahen, und setzten ihre Spiele am Fuße des Hügels fort. Wir waren allein. Bekümmert neigte ich mich zu ihr, sie zu trösten, und da sie noch in sich versunken blieb, legte ich unwillkürlich mein Haupt au das ihre. Sie duldete es nicht nur, sondern ich fühlte, wie sie eine Stütze bei mir suchte, und nun fing sie auch an zu reden.
Bewohner unserer Heimathinsel hatten uns in Hamburg zusammen gesehen, und so war die Nachricht davon auch an ihren Bruder gekommen. Brutal und stolz hatte er in einem Schreiben Merrys Verhalten gescholten und, da er noch andere Gründe geltend machen konnte und sich ihr Vcrhältniß in Hamburg löste, sie angewiesen, in sein Hans zurückzukehren. Ich merkte wohl, das Schreiben hatte sie deshalb so getroffen, weil sie es vor ihrem eigenen Bewußtsein als Schuld empfand, das Recht auf die alten Beziehungen zwischen uns, das ich geltend gemacht hatte, so ohne Weiteres anerkannt und von Neuem bcfestigl zu haben. „Und könnt' ich denn anders?" sagte sie zwischen Neue
Der falsche Ruhm gleicht den Ochsenblascn, durch die man etnen schweren Körper zum Schwimmen bringt. Sie tragen ihn längere oder kürzere Zeit: aber die Lust transsndirt aUmälig doch, und er sinkt.
Schopenhauer.
und Trotz. „Was sollt' ich denn machen? Hätt' ich mich gegen Dich verstellen und fremd thnn sollen?"
„Das war es also, was Dich bei unserem letzten Zusammensein so stumm gemacht und niedergedrückt halte?" fragte ich, nun völlig befreit. „Beschämung und Schmerz Über die bevorstehende Trennung. Ist es so?"
„Was sonst, Du Narr! Aber was fragst Du noch, und wozu soll uns das nützen?"
Beglückt zog ich sie an mich und wagte sie zu küssen.
Unter uns eilte die Elbe, kleine Werder umspülend, in Achtung gebietender Breite zum Meere. Die Schiffe im Hafen bildeten stellenweise einen dichtgedrängten, bnnt- bewimpelten Mastcnwald. Ein stattlicher Engländer glitt, von dem Strom und einem Theil der eigenen Segelkrast getrieben, langsam an uns vorüber. Wir bekamen mit einem Mal Sinn und Ange für das große, schöne Bild, das sich zu unseren Füßen ausbreitete. Ich weiß, wir
Sämmtliche Schulpflichtige haben sich hierzu auf Grund der statuarischen Bestimmungen pünktlich im Gewerbeschnl- gebäude, Wellritzstraße 34, einzufinden. F 363
Wiesbaden, den 25. September 1897.
Geschäfts-V erlegung.
Meiner werthen Kundschaft und Nachbarschaft zur Nachricht, dass ich mein seit einer langen Reihe von Jahren bestehendes Cigarren- und I»rechsler-<xescliiift von Langgasse 8 nach meinem Hause
A. H. Linnenkohl, Thee- u. Kaffee-Spezialgeschäft, 15. Ellenbogengasse 15.
Meer irnb Heide.
Eine Erzählung von den nordfricsischcn Juseln von Keorg Morman«.
Gut, trotzte eine andere Stimme, so war ihr die Klage nicht verwehrt, mit der sie sich ein letztes Mal an meine Brust hätte werfen dürfen. Aber kein Wort, keine Thräue darüber, daß das Glück unseres bisherigen Beisammenseins so jäh vernichtet wurde, daß auch sie Hoffnungen gehegt, die sie gern von mir belebt gesehen hätte.
Zum ersten Mal weckte mich ein Gefühl auch äußeren Unbehagens ans meinen dahinstürmcnden Gedanken. Es regnete; und als ich aufsah, befand ich mich am Alsterdamm. Drüben sah ich den Pavillon, wo ich einst so glücklich gewesen. Ich ging hinein und fand den Tisch, wo wir zusammen gesessen. Es war eine Art Lust in mir, Vergangenes und Gegenwärtiges aneinanderzurücken, Anfang und Ende dieser Zeit noch einmal durchzukosten und mir den Stachel noch tiefer in die Wunde zu drücken.
Was ich sah, begünstigte mich in diesem Bestreben. Es wurde Herbst; Himmel und Erde zeigten dasselbe öde Grau, wie an jenem Tage. Aber diesmal gab es keinen Sonnenstrahl, weder außen noch in mir, der diese Trostlosigkeit durchbrechen konnte.
Immer neue Gäste mit nassen Kleidern und nassen Schirmen traten ein, die im Abtropfen kleine Pfützen auf dem Fußboden bildeten. Das Hin und Her lenkte mich unwillkürlich ab; ich wurde ruhiger. Wenn ich doch nur Merrys innerste Gedanken gewußt hätte! Ich konnte nicht von ihr lassen; ich konnte nicht denken, daß Alles zwischen uns aus fein sollte. Der brennende Wunsch entstand in mir, ihr Alles sagen zu dürfen und zu erfahren, ob auch ihr Herz mir noch gehörte. Aber konnte ich schon so zu ihr sprechen, war meine Lage schon eine solche, ein entscheidendes Wort von ihr fordern zu dürfen?
Ja, ich durfte es, wenn ich den Gedanken ausführte, der plötzlich in mir wach wurde, und der mich nicht mehr losließ, weil er mich auf den einzig heilsamen Ausweg hinzuweisen schien, der sich in meiner gegenwärtigen Lage darbot.
Ich wollte mich für den Ostindienfahrer anwerben lassen. Daun konnte ich reden, weil ich gehandelt hatte. Ich wußte, ich würde den Muth haben, ihr Alles zu bekennen, da wir auf unberechenbare Zeit von einander scheiden mußten.
Ich sprang auf und ging hin, um zu fragen, ob die Stelle auf der „Hammoma" noch unbesetzt sei.
Sie war noch zu haben.
Sofort ließ ich mich zu dem Schiff hinuberführen, das mir als ein tüchtiges Fahrzeug bekannt war. Ich fand den Kapitän an Bord und wurde mit ihm schnell handelseins; denn das Schiff sollte auslaufen, er war in Noth, und er hatte noch immer auf mich gerechnet. Es war ein Donnerstag. Er gab mir noch den Rest der Woche, meine Angelegenheiten zu ordnen. Am Montag mußte ich meinen Dienst antreten. Am nächsten Tage in der Frühe fuhr ich nach Helgoland, um von meiner Mutter Abschied zu nehmen; am Sonnabend Abend war ich wieder in Hamburg.
Der Sonntag Vormittag verging mir in Sehnsucht und Pein. Zum letzten Mal würde ich Merry sehen, aber die wenigen Stunden unseres Beisammenseins sollten mir gehören; ich war fest entschlossen, nicht in die weite Welt hinauszufahren, ohne zu wissen, ob meine heiße Liebe erwidert wurde oder nicht.
In den Anlagen, die zur Elbhöhe führen, fanden wir uns. Es war ein ruhiger, warmer Herbsttag. Wie sie
feinstes Weizenblütbemnehl, unübertreffliches Confectmehl, in halb- griffiger, wie extra feinweicher Qualität, pfundiveise abgewogen ober in Säckchen von 5 und 10 Pfd. pro Pfd. 18 Pf.
WkizcmisW (feinte Meimhl)
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Diamantmchl bei sackweisem Bezug & 2 Mk. billiger.
Lebensmittel-Consumlokal der Firma C. F. W. Schwanke, Schtvalbacherstraße 49, gegenüber der Platterstraße.
Telephon-Anschluß, 414.
j Langgasse 33, vis-ä-vis dem Botel Adler,
w verlegt habe und bitte auch fernerhin um geneigtes Wohlwollen.
Hochachtungsvoll Carl Hassler.
