16. September 1897. Seite 8,
N». 482 45. Jahrgang
Wiesbadener Tagblatt «Nbeud-Ausgabe». «erlag: Langgaffe 27
geborene Wolffohn, über-
neu
zu Ende
187.50, Italiener 93.30, Dresdener Bank
Berliner Handels-Gesellschaft
■, Jtal. Meridionanx —, 3-procentige Mexikaner
kam, gehängt.
Depescheubüreau Herold.
Die Kbeud-Ausgabe enthalt 1 Beilage
Darmstädter Italienische
sich auf bei Bok
Bank —.- Mittelmeer
Kerlin, 16. September. Mi! Bezugnahme auf die jüngst in Frankfurt n. M. abgchallene Konferenz von Vertretern der Eisen- uud Stahl-Berussgeiiosscnschafien, in welcher bekanntlich die Beschlüsse des Reichstags in Sachen der Unfallversicherungs- Novelle nicht die Billigung der Bciheiligtcu sanden, schreiben die „Berl. Pol. Nachr.": Bei einer solchen Sachlage, wo die Regierung sich über weittragende prinzipielle Fragen mit dem Reichstag nicht
23.95, 6-procentige Mexikaner 93.10. Tendenz: matt.
Wien, 16. September. Ocsterreichische Credit-Acticu 360.87, StaatSbabn-Actie» 342.20, Lombarden 86.—, Mark-Roten 58.75
Wilhelm wird beim Erzherzog Eugen im Ziruiär-Revier die Pirsche begeben. Kaiser Franz Josef landet dagegen und wird in der Nähe pirschen.
V.L.8. Uotis, 16. September. Nach den gestern
* Mainr, 15. September. Der Dachdeckermeister Wilhelm Zach!er siel heule Vormittag von einem Dache in der Aktienbierbrauerei aus dem Kästrich und zog sich schwere innere Verletzungen zu.
Mainz,16. September. Rbeinpegel: Vormittags 3 w 38 ow gegen 3 m 52 cm am gestrigen Vormittag.
dir Natur mehr und mehr. Die Graudrossel ist so selten geworden, daß ihr herzerquickender Gesang nur noch spärlich W Hain vernommen wird. Stundenweit ziehen^ sich die Dohnengänge hin, zu Tausenden sind die listigen Schlingen «weinandergereiht. Wehe dem Vogel, der nicht an ihnen Müberzieht. Ist erst einer in das Garn gegangen und Mngt sein Klagelaut hinaus in die Lüfte, so kommen auch die übrigen herbeigeflogen. Das Mitleid schickt sie; sie Dollen helfen und finden dabei selber den Tod. Dafür Storni die Raupenplage aber von Jahr zu Jahr zu; die ;Sonne verwüstet ganze Wälder, und unsere Obstkultur Mrumpft zusammen, weil allerhand widerliches Gethier Blatt M Blüthe zerstört. Selbstverständlich, denn man vernichtet ja ohne allen Bedacht diejenigen Vögel, die beharrlich Jagd auf solche vegetationsschädliche Lebewesen machten! Wenn solchem mörderischen Treiben nicht schnell Einhalt geschieht, Mrd man bald keine Vogelstimme mehr vernehmen.
Wie viele Qual in einem Worte lieg'?
Das könnte wohl der stille Wald Euch lehren, Ries' jedes Blatt am Baume: „Dohueiistieg!"
Unser Kaiser in Ungarn.
D.KH. Tokio, 15. September. Heute früh, 7 Uhr 15 Min„ fuhren beide Kaiser in das Mauöverfeld bei Koeruye, wo heute die Entscheidung und das Ende der Manöver erfolgte. Alsdann begaben sich beide Kaiser nach Mohacz. Kaiser Wilhelm hat sein Äcise- programm dahin geändert, daß er den Dampfer, welcher ihn zum Jagdschloß Bellye bringen soll, bereits bei Porkayfork verläßt. Kaiser
gegangenen Manövern begaben sich die beiden Kaiser nach Mohacz. Kaiser Wilhelm hat dem Erzherzog Josef ein preußisches Regiment verliehen. Außerdem erfolgten, wie üblich, zahlreiche Ordensverleihungen und Auszeichnungen durch beide Kaiser. — Die Kaisermanöver haben bei prachtvollem Wetter eine» glänzenden Verlauf genommen. Rach Schluß derselben sprach sich Kaiser Wilhelm zu mehreren Generalen auf das Günstigste über die Leistungen der österreichisch-ungarischen Armee aus. Ebenso hob der russische Generalstabschef Obrutschcff rühmend hervor, daß die Truppen nicht paradcmäßig vorbereitet gewesen, sondern daß Offiziere und Soldaten eine schwere kriegsmäßige Arbeit verrichtet hätten.
D.B.H. Mostar?, 16. September. Kaiser Franz Joses traf mittels Separatzug« unter nicht endenwollenden Eljeiirufe» eine Viertelstunde vor dem deutschen Kaiser hier ein und erwartete seinen hohen Verbündeten in dem prächtigen Pavillon in Anwesenheit der Vertreter des Komitats rind der Stadtbehördeii. Gegen Abend erfolgte die Abreise beider Monarchen nach dem Jagdschloß Bellye.
D.B.H. Kndaxrst, 16. September. Der Demonstrationsumzug, welchen die hiesigen Sozialdemokraten während des Aufenthalts Kaiser Wilhelms planten, wurde von der Polizei bewilligt. Nach dem Umzug wird im Stadtwäldchen eine Volksversammlung stattfiudeu.
* * *
Einem Berichte des „N.W. T." über die Vorgänge in Totis entnehmen wir folgende Miltheilungen: . . . Auch Kaiser Wilhelm bethätigte neuerdings seine mitHöflichkcit gepaarte Liebenswürdigkeit. So redete er die Schloßherriu Gräfin Franz Esterhazy gleich nach der Begrüßung mit folgenden verbindlichen Worten an: „Die Manöver haben Sie, Gräfin, auZ diesem Paradiese hinausgebracht. Ja, so ist's mit dem Krieg!" Wie wenig sich der deutsch)« Kaiser an programmatische Abmachungen hält, beweist sein unerwarteter Besuch bei dem grästicheu Ehepaar, mit welchem der Kaiser gcmllth- lich plauderte. Auf dem Rückweg donnerte dem Kutscher plötzlich ein kräftiges „Halt!" des Kaisers entgegen, der, überwältigt von dem Anblick der himmelhoch ragenden Ruinen des malerisch gelegenen Klosters, den Wagen halten ließ, um die Baufragmente in Augenschein zu nehmen. — Als gelegentlich des Galadiners der „Sang au Aegir" gespielt wurde, sagte Kaiser Wilhelm, sich selbst persiflirend, zum Grafen Paar: „Jetzt kommt meine großartige Komposition!" — Viel bemerkt wurde es in der Suite des deutschen Monarchen, daß Kaiser Franz Josef während des Diners dem General v. Hahuke in besonders warmen Worten seine Theilnahme ausdrückte ob des herben Verlustes, den dieser durch den tragischen Tod seines Sohnes erlitten hat.
lebhaft. Ein großer Kord, der die verschiedenartigsten« Blumen, hauptsächlich aber Chrysanthemen enthielt, ging durch die Reihen der Anwesenden, von denen Jeder sich vor dem Beginn der Feierlichkeit einen Strauß answählte. Gegen elf Uhr wurden die Pforten des in der großen, von einer Kuppel überwölbten Mittclrotuude errichteten SancluariumS geöffnet. Eine wahre Symphonie in Gelb strahlte den Eintretenden von dem Altäre und den beiden Kolonnaden im Hintergründe entgegen. Die Decken des Altars, der ans einem einfachen Rechteck bestand, waren safransarbig und enthielten keinen anderen Schmuck als 37 in einem siebeustufigeu Dreieck ausgestellte Leuchter, lieber dem Altäre hing ein in allen Farben des Regeiibogens erstrahlendes Banner, in das Blätter ohne Blumen und Blumen ohne Blätter ringewirkt waren. Beim Eintreten legten die Versammelten die empfangenen Blumen am Altäre nieder, wobei sie darauf achteten, daß dieselben sämmtlich in eine Linie mit den Stielen nach unten z» liegen kamen. Darauf erläuterte Herr Guimet, der Direktor des Museums, kurz und bündig den Ursprung und die philosophischen Doktrinen des Bnddhakultus. Der nach diesen Ausklärmigen eintretende „anagharika“ Dhorma- phalla ist ein hochgewachsener Mann zn Anfang der Dreißiger mit singhalesischem Typus und intelligenten Zügen, der in eine sehr einfache orangenfarbige Toga gehüllt war. Er kündigte in einem sehr korrekten Englisch, das von Herrn Guimet Satz für Satz den Auivescnden übersetzt wurde, an, daß er den Todestag des im Jahre 1837 verstorbenen Buruouf feiern wollte, der zuerst in Frankreich die Religion des Buddha bekannt machte. Daraus entwickelte er sehr eingehend die philosophischen Prinzipien dieser Religion. (? Moralphilosophie. D. R.) Nach seiner Rede stimmte er einen schleppenden, eintönigen Gesang an, in dem der Friede und da» allgemeine Glück der Menschheit angernfen wurden. Zum Schluß der Ceremonie rollte man ein langes Band au» gelber Seite aus, das Jeder der Anwesenden in die Hand nehmen mußte. Der erste war der Freidenker Georges Clemenceau, der dem Verlangen des buddhistischen Priesters mit sichtlicher Antheilnahme entsprach. Jeder schnitt einStückdiesesBandes ab,um es alsAndenken aufznbewahren.
* «*» fr*u v. Das neue Goethejahrbuch
verzeichnet eine Beobachtung, die Bischof F. Münter aus Kopenhagen im Jahre 1787 gemacht hat: „In dem ennlilc&en Garten, vulgo der Stern genannt. Hier traf ich Frau v. Stein wieder, ging em paar Stunden mit ihr spazierru. Ich habe es schon lauge bemerkt.
daß Eheleute, die sich lieben, oder vertraute Freunde selbst in ihren Gesichisbilduugen viel von einander amiehmeu und sah dies auch in Weimar. Frau v. Stein hat nicht allein in der Sprache, sondern auch in ihrer Phystoguomie erstauulich viel von Goethe. Ich machte Herder auch daraus ausmerksam, der mir Recht gab."
* Die nördlichste Kahn der Weit, die über den 64. Breite- grad hinaus in den nördlichen Polarkreis hineinreicht, befindet sich in Schweden und dient zum Transport von Eisenerzen von Gellivara aus südöstlich nach Lulea am Bothuischen Meerbusen. Ursprünglich isolirt, ist sie im Sommer 1894 mit einer schwedischen Haupt- liiiie, welche der Westküste des Bothnischen Busens nahezu parallel läuft, in Verbindung gesetzt worden, sodaß man jetzt mit der Bahn von Stockholm aus in den Polarkreis hiueinsadreu kann. Die Haupt- liuie soll jetzt bis zum nördlichen Ende des Bothnischen Meerbusens, der Grenze von Finnland bei Haparanda, verlängert werden. Wie die „Railroad Gazette" berichtet, soll auch eine finnische Eisenbahn an der Ostseitc des Busens nach Tornea, Haparanda gegenüber, geführt werden, wodurch eS möglich gemacht würde, von Stockholm ans um den Meerbusen herum mit der Eisenbahn bis nach Petersburg zu fahren.
* Verschiedene Mittstettnngrn. Treitschke hat seit den sechziger Jahren in jedem Wintersemester Vorlesungen über Politik gehalten. Er selbst hatte die Absicht, diese Vorlesungen auszuarbeiten und zu veröffentlichen, sobald seine „Deutsche Geschichte" bis zum Jahre 1848 gediehen war. Die Herausgabe der „Politik" kann jetzt nur auf Grund stenographischer Nachschriften erfolgen, die in den einzelnen Semestern stark vonküiauder abweichen. Die Familie hatte deshalb zuerst Bedenken gegen eine Veröffentlichung, hat sich aber jetzt dazu entschlossen, obgleich namhafte Geschichtsforscher sich noch immer dagegen ausgesprochen haben. Die Herausgabe ist, »ach der „Nordd. Allg. Ztg.", dem Dr. Max Cornicelius übertragen worden.
Im BürgerauSschuß in Mannheim stand das 1897/98« Budget des Groß. Hostheaters zur Tagesordnung. Von der Intendanz angefordert und vom Stadtrath befürwortet war ein außerordentlicher städtischer Zuschuß von 121,400 Mk. Die Opposition, bestellend auZ den Demokratrn, wollte nur einen Zuschuß von 104,000 Mk. bewilligen. Bei namentlicher Abstimmung wurde der stadtrathliche Antrag (121,000 Mk.) mit 47 gegen 46 Stimmen angenommen.
Verantwortlich für den politische» unb,ftuitlcton. Thtil: W. Schulte vom Brüht; für den übrigen Theil und dir Änzeigen: C. Röt Herdt; Beide in Wie-badeu. Druck und Verlag der L. Sch el lenberg'schen Hof-Buchdruckerei in WieSbade».
gang auf die verwittwete Bertha Marx, geboreneWolfsohn, Mgangcn ist. Die Firma ist demnächst mit dem Bemerken eingetragen worden, daß die verwittwete Frau Bertha Marx, Storcite Wolflohn, zu Wiesbaden Inhaberin derselben ist. — In
S GesellschaftSregister ist die hierselbst errichtete offene Handelsgesellschaft in Firma „Dr. Vieror u. Wertmann" mit dem Bemerken eingetragen worden, daß Gesellschafter derselben die Ingenieure vr. Alwin Victor zu Wiesbaden und Max Wertma nn zu Berlin sind, und daß die Gesellschaft am 1. September 1897 be-
ßehte Nachrichten.
Continental-Telegraphen-Co mvag nie.
Kerlin, 16. September. Der „Berl. Lok.-Auz." erfährt über die Ermord n n g des stellvertretenden Landeshanptmanns v. Hagen in Neuguinea: Der Mörder gehört derselben Bande an, welche den Weltreisenden Ehlers nmgebracht hat. Diese Verbrecher waren in Stesansort inhastirt, befreiten sich, entrissen den Wächtern die Gewehre »nd flohen in die Büsche. Bei der Verfolgung siel v. Hagen. — Das „Kleine Journal" meldet ans Brüssel: Maskirte Banditen überfielen Nachts in ihrer Wohnung die Gutsbesitzer Gebrüder Gelince, ermordeten den einen, verwundeten den anderen schwer und raubten 40,000 Francs Baargeld.
Madrid, 16. September. Nach amtlichen Meldungen an« Cuba haben die Ausständifcheu in den letzten Gefechten 73 Tobte verloren. 303 Mann haben sich unterworfeii.
N»u,-N»rlt, 16. September. Zwei der ausständigen Arbeiter, auf die von den Hnlsssheriffs bei Hazleion geschossen wurde, behaupten, deutsche Unterthauen zu sein. Ein Agent des österreichisch- ungarischen Konsulats ist damit beschäftigt, die Aussagen der Ausständigen über den Thatbestand aufzunehmen. — In Versailles (Indiana) wurden 5 Räuber, Mitglieder einer Baude, welche die in der Umgebung ansässigen Farmer von zumeist deutscher Abkunst lange Jahre in Schrecken gesetzt und Geld von ihnen erpreßt hatte, von einer Reiterschaar, welche in der vergangenen Nacht in die Stadt
Nolkswirthsch-rftttches.
Lruchlmarkt r« Wiesbaden vom 16. September. 100 Kilogramm Weizen — Mk. — Pf. bis — Mk. — Pf. 100 Kilogramm Roggen — Mk. — Pf. bis - - Mk. — Pf. 100 Kilogramm Gerste - Mk. - Pf. bis - Mk. - Pf. 100 Kilogramm Hafer 13 Mk. - Pf. bis 14 Mk. 60 Pf. 100 Kilogramm Nichtstroh 4 Mk. - Pf. bis 4 Mk. 60 Pf. ICO Kilogramm Heu 5 Mk. 20 Pf. bis 6 Mk. 60 Pf. — Ungefähren waren: 18 Wagen mit Frucht und 15 Wagen mit Heu und Stroh.
L« nchkntarl.t zu Limburg vom 15. September. Die Preise stellten sich: Rother Weizen, alter, pro Malter — Mk.— Pf., pro 100Silo - Mk. - Pf., neuer pro Malter 17 Mk. 12 Pf., pro 100 Kilo 21 Mk. 40 Pf., Weißer Weizen pro Malter — Mk. — Pf., pro 100 Kilo — Mk. — Pf., Korn, altes, pro Maller — Mk. — Pf., pro 100 Kilo - Mk. - Pf., Siern, neues, pro Malter 10 Mk.92 Pf., pro 100 Kilo 14 Mk. 56 Pf., Hafer, aller, pro Malter 7 Mk. 30 Pf., pro 100 Kilo 14 Mk. 60 Psi, Hafer, neuer, pro Malter 6 Mk. 51 Pf., pro 100 Kilo 13 Mk. 2 Pf., Gerste, alte, pro Malter 9 Mk. 60 Pf., pro 100 Kilo 14 Mk. 77 Pf.
Geldmarkt. Eoursbericht der Frankfurter Börse vom 16. September, Mittags 12V» Uhr. — Kredit - Actien 806.—, Disconto -Commaudit-Antheile 201.90, Staatsbahn-Actien 289.—, Lombarden 76'/«, Gotihardbahn-Aktien 152.50, Ceutralbahn 141.10, Nordostbahn 113.20, lluionbahn 81.80, Laurahütte-Actien 173.90, Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien 182.80, Bochumer 192.20, Harpener
hat verständigen können und wo die Zntereflenten selbst Gegner verschiedener vom Reichstag und der Regierung vorgeschkagenrr Neuerungen sind, gewinnt die Annahme immer mehr an Wahrscheinlichkeit, daß die UnfallversichcrungS-Novelle die nächste Tagung des Reichstags nicht wieder beschäftigen wird.
Kiel, 16. September. Prinz Friedrich Leopold hat gestern Nachmittag, 5'/» Uhr, an Bord der Kaiseryacht „Hohenzollcrn" die hiesige Rhede vcrlaffcn und sich als Vertreter des Kaisers zu den Jubiläums-Feierlichkeiten nach Stockholm begeben.
Zlendat, 16. September. Kurz vor dem hiesigen Bahnhofe stieß Nachts, 1 Uhr, ein Eikgüterzug auf einen Güterzug. Von letzterem entgleiste der Packwagen. Ein leerer und zwei volle Wagen wurden zertrümmert. Ein Bremser ist schwer verletzt. (Die Eisenbahnunglücke mehren sich in letzter Zeit in geradezu beängstigender Weise.)
Krüssel, 16. September. Die Congo-Regicruitg veröffentlicht eingehende Einzelheiten über den Sieg des Majors Paltiu über die Derwische. Es wurden 3 Kanonen, 3 Waffen-Magazine, 700 Gewehre und Revolver, sowie Munition und Lebensmittel erbeutet. — Auf dem vlämischeu National-Kongreß kündigten die Antwerpener Abgeordneten einen Jnitiativ-Antrag in der Kammer aui Theilung der belgischen Armee in vläin isch e und fra nzö sische Regiinenter an. Der Antrag erregt in militärischen Kreisen Aufsehen.
Karis, 16. September. Die Polizei verhaftete gestern Abend auf dem St. Lazaire- Bahnhof drei Engl^tder, welche mit 105,000 Francs gestohlener Werth Papiere nach England flüchten wollten. — Das Schloß Bechoudiere in der Nähe von Nantes ist seit Sonntag von Grubenarbeitern belagert. Dieselben fordern sofortige Auszahlung des ihnen seit drei Monaten rückständigen Lohnes. Mau erwartet das Einschreiten der Gendarmerie.
London, 16. September. In strengstern Jueognito soll Kaiser Wilhelm, nach einer Meldung der „Westminster Gazette", Anfang Oktober bei seiner Großmutter, der Königin Victoria, in Balmoral zum Besuch eintreffen. Dem genannten Blatt zufolge werde der Kaiser von Siel nach Aberdeen auf der „Hohenzollern" fahren und in gleicher Weise nach dem Besuch, dessen Lauer auf höchstens 48 Stunden bemessen fei, zuruckkehreu. — Die „Times" melden aus Athen, daß der Kronprinz, sowie fein Bruder Georg au Fieber heftig erkrankt seien. Beide Prinzen sollen sich diese Krankheit im letzten Krieg zngezogen haben.
Mom, 16. September. Zwei Züge der Dampfstraßenbahn Neapel—Aversa stießen bei Cutnguo zusammen. 17 Passagiere wurden verletzt, 4 davon schwer. Der Materialschaden ist bedeutend.
Madrid, 16. September. Die wiederholten Niederlagen auf Cuba haben die revolutionäre Agitation in den nördlichen Provinzen Spaniens derart gesteigert, daß die Regierung für die nächsten Tage bedenkliche Rnhestöriiugeii befürchtet. Die Regierung trat gestern zusammen, nm Maßregeln sowohl gegen die carlistische, als and) gegen die revolutionäre Bewegung zu treffen.
Washington, 16. September. Zwischen dem Minister de» Aenßern und dem euglischeit Botschafter ist die Errichtung eines permanenten Schiedsgerichts zwischen England und den Vereinigten Staaten vereinbart worden. — Die Negierung beschloß, taufend Tonnen Lebensmittel nach St. Michel in der Behringstraße abzusendcii, die nach Klondyke zur Verhütung der Hungersiioth befördert werden sollen.
Aus Kunst und Leben.
* Kuddha-Kultus in Karis. Man berichtet der Franks. |." vom 14. ds. aus Paris: Der Orientalisten-Kongreß wollte e Arbeiten in würdiger und origineller Weise enden und hielt halb die Abschlußfeierlichkeit in Form eines Buddha-GolteSdiensteS Mueee Guimetab. Der -anagharika“ (Hohepriester) Dharmapallci t eine Ceremonie für die Erhaltung des Friedens ab. Die zahl- hen Parffer, die sich dem Buddha-Kultus ergeben haben, inten dieser Feierlichkeit nebst den Kongreß - Mitgliedern 1 anderen bemerkenswerthen Persönlichkeiten bei, unter en die Prinzen Henri d'OrleanS und Roland Bonaparte, -rges Clemenceau, der Generalsekretär des Ministern«!» Schönen Künste, zu nennen find. Die Ceremonie intrresfirte
Wonnen hat.
— Preußische Nfandbrirs-Kank. Laut der im Iuseraten- theil befindlichen Bekanntmachung werden die am 1. Oktober a. er. fälligen Zinsscheine der verschiedenen Emissionspapiere bereits vom 15. September ab an der GesellschaftSkafse, sowie bei sämnttlichen Pfandbrief-Verkaufsstellen eiugelöst. Gleichzeitig bringt die Bank zur Aenntniß, daß bei denselben Baukfirmen der Umtausch der gekündigten 4-prozentigen Hypotheken-Antheil-Ceriisikaie in3'/--prozeutige bis 1908 unkündbare Pfandbriefe unter den früher bekanntgegebeuen Bc- dmguugen erfolgen kann.
r — Fetter brach gestern Abend nach 11 Uhr in dem Ladenlokal der Tuchhandlnug Franz Hohmann Nachf. in der Grabenstraße aus. Von Hausbewohnern rechtzeitig bemerkt, formte die Flamme, der ein Stück Fußboden und Ladentheke zum Opfer fielen, fast ganz gelöscht werden, noch ehe die alarmirte Feuerwehr zur Stelle war. Aus welche Ursache der Ausbruch des Braudes zurückzuführen ist, konnte bis jetzt noch nicht festgestellt werden.
— Unfall. In der Kirchhofgasfe kam heute Morgen das Pferd einer Bierrolle zu Fall, und es bedurfte, da auch die letztere auf die Seite gefallen war, großer Anstrengung, das Thier wieder auf die Beine zu bringen. Derartige Geschehnisse gehören übrigens in der engen, abschüssigen und zum Fährverkehr gänzlich ungeeigneten stirchhosgasse sozusagen zur Tagesordnung.
— Kesttzwechsel. Herr Restaurateur F. Hösuer hier hat die „Straßen-Mühle" bei Dotzheim, und Herr Johann R a t h g e b e r, Lutter» und Eierhändler hier, die „Kahle-Mühle" an der Schier- tzeiner Chaussee käuflich erworben.
— Kleine Notizen. In vergangener Nacht wurde im Gebüsch am Neuberg ein taubstummer Mensch von einem Schutzmann anfgefimben. Der Obdachlose erhielt eine andere Unterkunft durch Vermittelung des Beamten. — Wegen Mißhandlung des ihm «tvertrauteu Pferdes wurde ein Fuhrknecht zur Anzeige gebracht.
— Die Naraissrn-Ltste für Militär-Anwärter Po. 37 ist unentgeltlich in unserer Expedition einzusehen.
* Fangenschmalbach, 15. September. Heute feierte Herr i Rub. Kauth sein 25-jähriges Dienstjubiläum als Hauptmann der freiwilligen Feuerwehr. Am Vormittag begab sich eine Deputation des Magistrats in die Wohnung des Jubilars, die i Glückwünsche der Stadt barbringenb und demselben in Aueikenuuilg Siner Verdienste einen Schreibtisch übergebend. Ferner war eine bordnung der frei». Feuerwehr erschienen,' welche ihrem Kommau- bauten im Namen der Wehr eine goldene Uhr überreichte, wobei verschiedene Toaste ausgebracht wurden; auch Herr Oberstlieutenant v. Berge-Herrndorf war zur Beglückwünschung erschienen. Während dieser kleinen Feier trug der hiesige Musikverein verschiedene Stücke vor. — Herr Bürgermeister Höhn hat heute einen 14-tägigeu Urlaub ' angetreten. Wie der „Aarbote" hört, beabsichtigt derselbe, die Moor- ; dade-Einrichtuugen unserer Konkurreuzbäder zu studiren und für die Beschleunigung des Baues des neuen Moorbadehanfes Schritte zu ihuu. — Aus der Bahnst recke Wiesbaden—Schmalbach—Litn- durg, ebenso in umgekehrter Richtung, findet von jetzt ab die Beförderung von Arbeitern auf Arbeitersahrkarteu bei allen Personen- rügen statt.
f -r- Idstein, 15. September. Der Magistrat und die Stadtverordneten dahier haben die Gehälter der hiesigen Lehrer in jüngster Sitzung in folgender Weife festgefetzt: Das Grundgehalt beträgt für den Rektor 2250 Mk., für den Miltelschullehrer an der . Realschule 1500 Mk. und für die übrigen Volksschullehrer 1200 Mk. Die Altersznlagen betragen für alle Lehrer 150 Mk. und die Wohuungs- eiitschädigung beträgt für verheirathete Lehrer 250 Mk. und für ttnver- f hiirathete Lehrer 150 Mk. — Au Stelle des verstorbenen Hofapothekers Neuß in Wiesbaden ist Herr Apotheker Neuß in Ucrbingen als Mtpächtcr der Höhen jagden vom hiesigen Magistrat angenommen worden. — Die Grummeternte ist in der hiesigen Gegend fast Wgemein beendigt. Dieselbe lieferte einen reichen Ertrag. Doch konnte leider nicht alles Grummet infolge der ungünstigen Witterung gut nach Hanse gebracht werden. — Die Kartoffelernte hat in | der hiesigen Gegend auch schon begonnen, doch laßt sich über den | Ausfall derselben noch nichts Bestimmtes sagen.
i * Mdeshelm, 15. September. Der Fuhrmann und Tag- MEhner Andreas Weiß hier fiel gestern beim Birnenbrechen so uit» K glücklich vom Bannte, daß er hoffnungslos barniebetliegt.
absolut feststellt, hat es bis jetzt gefehlt. Nun hat der in Schiersteiu Höhnende Lehrer a.D. HerrPH.Eckhardt einenUniverfal-Feststeller für Fensterflügel, Thüren und Läden erfunden, der diesem Uebelsiand gbbilft Dieser Feststeller, bereits von dem Kaiferlichen Patentamte ' «schützt, ist sehr einfach und praktisch. Er besteht nur aus einem MreiS-Segment, welches mit Einstelllöchern versehen ist, und einem am Fensterflügel befestigten Stift, welcher beim Oeffnen des Fensters in die Löcher des Segmentes eingreift und dadurch ein Zufuhren des Fensters absolut unmöglich macht. Das Segment wird in den Ecken des Fensters an die Fensterrahmen angeschraubt.
— Kandelsregister. In das Firmenregister ist die Firma ; „Ch. Hemmer" ßu Wiesbaden und als deren Inhaber der Kaufmann Otw Stöhr ebenda eingetragen worden.— In dasFirmen- i regijter ist bei der hierorts bestehenden Firma „L. Marx" vermerkt niorbeu, baß bas Handelsgeschäft mit dem Firmenrecht durch Erb-
