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1897

Dienstag, den 14. September

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

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Bezirks-Fernsprecher No. 52.

IHorfien^AusgabQ;

Hesi.Piou.-Bai. Nr.ll versetzt; Diehm, Gat. 11, in das Train-Bat. Nr. 16 ver-

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rlnzetgen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfa. fficclomeM die Pctitzrile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Kleine Chronik.

DieDeutsche Mebizinal-Zeitmig" berichtet über eine Erfindung von Dr. F. Bloedanin in Köln, die einen bedeutenden Fortschritt in der chirurgischen Anwendung der Galvanokaustik bedeutet. Er ist dies die ga lvanokaust ische Glühnadel, eine wesentliche V-rvollkonuuttung der bisher zur Beseitigung lästiger Haare, also besonders der Danienbürte, vorzugsweise angewandten elektrolytischen Nadel.

Der ans der Drüscwitz-Asfaire in Aachen bekannte Kriminalkommissar Grams ist nach Hannover versetzt worden.

Zn erfreulicher Weise breitet sich der schon in dem Städtchen Römhild anfgcnomuicue Kampf Thüringer Frauen gegen den Vogelmassenmord zu Modezwecketi ans: in der Fabrikstadt Post neck haben sich ebenfalls 225 Frauen und Mädchen in edler Regung ver­pflichtet, fortan ke i n e n Schm n ck a uS V ogelbä > gen zu tragen.

Einen gewiß seltenen Antrag stellte jüngst der wiederholt vorbestrafte Arbeiter W. in Schönlanke bei der Polizeiverwaltung Er verlangte nämlich, auf dieSäiifcrliste" gestellt zu werden und begründete seinen Antrag damit, daß er täglich 1,50 Mk. verdiene, wovon er regelmäßig 1 Mk. vertrinke. Würden die Gastwirthe ihm nicht mehr Getränke verabfolgen, dann würde er mit seiner Frau nicht zn hungern brauchen. Tbatsächlich ist nun W.auf seinen Antrag" auf die Trunkenbold-Liste gebracht worden.

Eugen Richter »nd der Oeltalg. Aus Apenrade, 7. September, meldet dieDeutsche Tagesztg.": Das Vorstands­mitglied des hiesigen freisinnigen Vereins, Herr Johann N. Jebsen, läßt hier Plakate anschlagen, die mit den Worten beginnen:Wenn Engen Richter deutscher Reichskanzler würde, freuten ich und viele Andere sich. Größer aber und ungetheilter noch ist die Freude, daß ich trotz der Steigerung in den Margarinepreisen noch immer zu den alten Preisen verkaufe" k.

In der Nähe von Oschersleben versuchte ein junger Ehemann seine Frau in der Bode zu ertränken. Er stieß sie ins Wasser, sie aber hielt sich bis früh um 8 Uhr an einem Baum­stumpf fest, dann gelang es ihr, an ihrem Wache haltenden Mann vorbei, zu entwifchen.

In Nie dis heim (Elsaß) stürzte bei einem Kirchenbau ein schwerer Stein, der in die Höhe gezogen wurde, auf ein Gerüst, auf dem mehrere Maurer arbeiteten. Die Maurer stürzten zur Erde herab. Einer blieb tobt, zwei wurden schwer, einige andere leicht verletzt?

Beim Ningturnen in der Schulturnhalle in Zwickau rissen die Ringe ab. Der Prokurist Mende stürzte herab und brach das Genick.

Das Ehepaar Krause, das verdächtig ist, den Juwelen­dieb stahl bei Dobrowsky in Karlsbad verübt zu haben, wurde heute in Leipzig verhaftet.

Der LloyddampferKaiser Wilhelm der Große" ist flott geworden und mit Hülfe von drei Eisbrechern, drei Bergungs- dawpfern und drei Schleppdampfern im Hafen von Swinemünde eingetroffen.

In Wien erhängte sich ein 53 Jahre alter, kranker Schuh» machergehülfe. Um sich zn leuchten, hatte er unter sich ein Licht gestellt; durch dieses geriethen seine Kleider und dir ganze Stube in Braud.

Der Senator Rignon, Bürgermeister von Turin, ist von einem betrogene» Ehemann wegen Ehebruchs denunzirt worden.

* Emo, 11. September. Ans sicherer Quelle erfährt dieEmf. Ztg.", daß die GrubeF ried richssegcn", die seither ein Aktien-Uuteruehmen und im Besitz einer französischen Gesellschaft war, durch Kauf in die Hände der Familie Heberle (Herr Heberte war seither Generaldirektor dieses Werks) übergegangcn ist. Das Thonwerk ist iu den Kauf nicht mit einbegriffen.

Lorchhausen, 13. September. Neuerdings hat sich auch dahier ein Winzerverein gebildet, der sich dem nassauischen Naiffeisenvcrbande angeschlosseu hat. Zu dem Winzerverein wurde auch noch eine Naisfeiscnsche Spar- und Darlehenskasse eingerichtet.

«5. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bczugs-PreiS: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 00 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

dorff (Hess.) Nr. 80; versetzt ist: der Sck.-Lt. v. Zander vom 2. Hannov. Jnf.-Regt. Nr. 77, unter Entbindung von dem Kom­mando als Erzieher bei dem Kadettenhanse in Oranienstein, in das Hess. Jägcr-Bat. Nr. 11; v. Worgitzky, Hauptmann vomKönigS- Jnf.-Negt. Nr. 145, unter Belassung in dem Kommando als Ad;u- taut bei der Grobherzog!. Hess. (25.) Sil), und unter Versetzung in das Füs.-Negt. v. GerSdorff (Hesi.) Nr. 80, zum überzähl. Major befördert; ein Patent seiner Charge verliehen dem Major V.Vallet des Barres, aggreg. dem Füs.-Negt. v. Gersdorff (Heff.)Nr.80; Wilhelmi, Sek.-Lt. vom 2. Hannov. Feldart.-Regt. Nr. 26, in das Nass. Feldart.-Ncgt. Nr. 27 versetzt; Buchholtz, Pr.-Lt. von der 2.Jug.-Jnsp., in das Hesi.Pion.-Bat.Nr.il versetzt; Diehm, Sek.-Lt. vom Hess. Train-Bat. 11, in das Train-Bat. Nr. 16 ver­setzt; Roos, Pr.-Lt. vom Hesi. Train-Bat. Nr. 11, dessen Kom­mando bei der Gestütververwaltnng um sechs Monate verlängert; Löwe, Pr.-Lt. von der Jus. 2. Aufgebots des Landw.-BezirkS Fulda, früher int Flls.-Regt. v. Gersdorff (Heff.) Nr. 80, von der Landw. alisgeschieden und als Pr.-Lt. mit seinem Patent in der 10. Gend.-Brigade eingestellt; v. Roon, Gcn.-Lt. z. D zuletzt Koinniaudenr der 21. Div. (von der Jus.) der Charakter als General verliehen; Mertens, Oberst z. D., zuletzt Konnuandeur des Raff. Feldart.-Rgts. Nr. 27, der Charakter als Gen.-Major verliehen.

die genanuten Herren miltheilen, hat bereits Herr Burger vor 14 Jahren iu derBerl. Hin. Wochenschr." (Nr. 1, 1883) denselben Krankheits-Erreger beschrieben.

gev Gabelsberger Strnographen-Nerelir Deutsche Einheits-Stenographie nach Gabelsberger wird, wie alljährlich, auch in diesem Winter wieder einen Unterrichts-Kursus im Vereins­lokale (Gewerbeschule) abhalten. Der Kursus wird am 2. October seinen Anfang nehmen, Mittwochs und Samstags Abends von 8V- bis 9/» Uhr stattfinden mib ca. 25 Unterrichtsstunden umfassen. Das Wesen und die Vortheile der Stenographie tonnen in intet» essirten Kreisen als hinreichend bekannt vorausgesetzt werden. Die Wahl eines Systems dürfte dem einigermaßen Orieulirten nicht schwer fallen, da dieDeutsche Einheits-Stenographie" nach Gabels­berger durch ihre auf die Logik der Sprache begründete Satzknrrung unerreicht dasteht. Die Deutsche Einheits-Stenographie besitzt statistisch nachweisbar eine weitaus größere Anhängerzahl, als die bekaiinteren deutschen Systeme zusamuieitgenotunien. Auch am hiesigen Platze arbeiten die größten kaufuiänuischeii Etablissemeuts nur mit Gabels­berger Stenographen. Den Tbeilnehmern am Kursus ist späterhin hinreichend Gelegenheit geboten, sich durch freien Besuch der Fort­bildungs-Abende int Verein zu tüchtigen Geschäfts-Stenographen heranzubilden. Auch steht denselben wie überhaupt jedem Mit­glied des Vereins eine ca. 400 Bände utusasiende Bibliothek zur Verfügung.

Unter der BezeichnungMannheimer Mus" wird von Mannheimer Fabrikanten ein Produkt in den Handel gebracht, welches einen Ersatz für das tljeueretürkische Pflaumenmus" bieten soll und aus einem Gemisch von Pflautnenmus, Stärkemehl, Melasse und einer Abkochung von Apselschalen besteht. Der Polizeipräsident von Berlitt hat Veranlasinng genommen, darauf hiuznweiseu, daß dies Gentisch nicht alsPflanntcitmns" verkauft werden darf. Es geschieht dies dennoch Seilens vieler Kolonialwaarenhäudler, gegen welche, nachdem ein solcher Fall sestgeslellt worden ist, Anklage wegen Vergehens gegen das NahrnngSmiltelgefetz erhoben wurde. Der Gerichtschemiker Dr. Bischof fleht aus dem Standpunkt, daß das Publikum getäuscht wird, wenn ihm das Gemisch alsPflaumen­mus" verkauft und dabei nicht gesagt wird, daß es thalsächlich nur einen gewissen Prozentsatz Pflaumenmus enthält. Wenn auch bereits einige Freisprechungen erfolgt sind, so werden doch stets wieder neue Anklagen erhoben, und dürfte es deshalb den Kolonialwaaren- händlern auzuratheu sein, bei der Abgabe dieses Artikels den Känser besonders daraus hinzuweisen, daß er nicht Pflaumenmus, sonder» Mannheimer Pitts" erhält.

Mao ist Hausmannskost? Die Frage, welcher Begriff diesem Worte beizulegen sei, wird, wie wir höre», gegenwärtig in zahlreichen Fraueukreiseu erörtert. Sie istbretttteub" geworden infolge des Umstandes, baß die von der Liebigs Fleisch-Extrakt- Cotupaguie ausgeschriebene Preiskonkurrenz für Kochrezepte mit ausgesetzten Prämien von 20 bis 250 Mk., zu in Gesannnt- betragc von 4000 Mk. in Baar, wesentlich ausHanSittauus- kost" Gewicht legt. Die Damen, die sich die näheren Bedingungen der Preiskonkurrenz haben verabfolgen lassen, bürfteu bereits orientirt sein: Hausutattiiskost,bie einfache Küche des bürgerlichen Mittelstandes", kommt in erster Linie in Betracht, sie ist in aus­drücklichen Gegensatz zu der feineren Küche gebracht, und die Rezepte sind auf je 5 Personen (kleine Familie) zu berechnen. Schon dieser Umstand weist daraus hin, daß es sich um nahrhafte und wohl­schmeckende Gerichte handelt, die um mäßigen Preis zu beschaffen sind. Diese drei Anforderuitgen sind süglich att Hausmannskost zn stellen. Mögen ihnen recht viele Einsendungen entsprechen, das darf schon im Jntereffe unzähliger Hausfratten erhofft werden I

Die Durchschnittspreise der witljtionrn Lebens­mittel im Monat August 1897 betrugen nach der Zniauimen- stellung des Statistischen Büreaus im Vergleich zu den iu Klammern beigefügten Preisen des Monats Juli für 1000 Kilogramm Weizen 170 (155) Mk., Roggen 128 (117) Mk., Gerste 129 (123) Mk., Hafer 137 (135) Mk., Kochcrbsen 208(204) Mk., Speisebohneu 265 (264)Mk., Linsen 408 (401) Mk., Eßkartoffeln 51 (59,6) Mk., Nichtstroh 39,2 (42,3) Mk., Heu 50,3 (50,2) Mk., Rind­fleisch im Großhandel 1059 (1051) Mk.; für ein Kilogramm Niird- flei ch im Kleinhandel von der Keule 1,35 (1,34) Mk., vom BauÄ 1,14 (1,14) Mk., Schweinefleisch 1,36 (1,32) Mk., Kalbfleisch 1,27 (1,24) Mk., Hauimelfleisch 1,27 (1,26) Mk., geräucherter inländischer Speck 1,49 (1,47) Mk., Eßbutter 2,21 (2,12) Mk., inl. Schweine­schmalz 1,51 (1,49) Mk., Weizenmehl 0,81 (0,29) Mk., Roggen­mehl 0,25 (0,23) Mk.; für ein Schock Eier 3,21 (3,04) Mk.

Zwei Gutachten. In dem Kampfe um das Zeichnen nach Gips, so lesen wir in der FrankfurterUmschau", sind kürzlich Aeußeriiugen zweier Meister bekannt geworden, die jede Partei als Autorität anerkennt. DieGegenwart" hatte ein Cirkular an be­rühmte Meister gerichtet mit der Frage, ob sie das Zeichnen nach Gips für ein Studium nach der Natur und ob sie es für nützlich halten. Daraus antwortete Menzel:NB. Alles Zeichnen ist nütz­lich und Alles zeichnen auch" und Böcklin:Einem intelligenten, begabten Menschen kann jede Hebung im Zeichnen znm Nutzen ge­reichen. Einem Schasskopf ist Alles schädlich."

Einen «»«en Fernsprechapparat bringt die Ober- Postdirektion zu Berlin jetzt zur Einführung. Der neue Apparat nimmt die Sprache leichter auf und vermittelt die Uebertragung der Sprache in klarer und deutlicher Weise. Die Schallmuschel ist aus Messing mit Hartgummimiindstück gefertigt, ragt etwa 10 cm über die Schallplatte empor und ist trichterförmig gebaut. Die Schallplatte ist nach außen durch ein Drahtgitter geschützt, um zu verhindern, daß nervöse Personen, bie beim Anrufen bes Amtes un- gebuldig werden, mit den Fingern gegen die Schallplatte schlagen und diese beschädigen.

Vereins - Nachrichten.

«kurze sachliche Berichte werden bereitwmigft unter dieier Ueberschrsst ausgenommen.

Der Krieger- und Militär-Kameradschaft.Ka if er 23?i I beintH." ist die Führung einer Fahne von behördlicher Seite genehmigt und die Anfertigung derselben der Vietorschen Kuiistaiistalt bierseldst übertragen. Es ist beabsichtigt, noch in diesem Herbst das Fest der Fahnenweihe zu begehen und die Fahne bei der Enthülluugsfeier des Kaiser Friedrich-Denkmals am 18. Oktober zum ersten Male zu entfalten. _________

Wiesbaden, 12. September. DasMilitär-Wochenblatt" meldet: Kutscha, Pr.-Lt. vom 1. Nasi. Jnf.-Regt. Nr. 87, unter Beförderung zum Hauptm. und Comp.-Chef mit einem Patent vom 17. April 1897, in das Jiff.-Regt. Herzog von Holstein (Holstein.) Nr. 85 versetzt; zu überzähligen Hauptleuten sind befördert die Pr.-Lt».: v. Beyer vom Füs.-Negt. v. Gersdorff (Hesi.) Nr. 80; Turner vom 1. Nasi. Jnf.-Rgt. Nr. 87; zu Pr.-Lt». find befördert die Sek.-LtS.: Frhr.v. Gersdorff, Bunsen vomFüs.-Negt v.Gers-

I Die dagegen erhobene Klage wird abgewiesen, da das Hüten von Wild nicht als zu de» im Gesetze erwähnten steuerfreien Gewerbe­betrieben gehöre und die Stadt da» Möglichste gethan habe. Herr Franz Daniel hier beansprucht ebenfalls Steuerfreiheit ; für einen Hund, weil er denselben zur Bewachung seines Wirthschaftsiuveutars 2C. in feinem Platterstraße 21, m he dem L Walde, belesenen Grundstücke unbedingt nothwendig habe. Die Klage gegen die auf 30 Mk. lautende Steuerveranlagung wird ab- E gewiesen, da das Haus des Klägers nicht als einzeln stehendes ff Gehöfte angesehen werden könne und eine Bewachung von - Waarenvorräthcn nicht stattzufinden habe. Die Klage des Herrn

Adolf Beiderlinden zu RüdeSheim wegen Heranziehung zur - Hundesteuer wird ebcusall» abgewiesen. Die Herren Daniel Benz =- und Georg Steiger haben seiner Zeit bei dem Stadtansschuß i- um die Konzession znm GastwirthschaftSbetriebe in ihrem Hause Ecke bet Marklstraße unb Manergasse nachgesncht. Sie wollten einen l Weinausschaiik in bem großen jetzt als Laben benutzten Parterrelokal unb Logirzimmer einrichten. Der Stabiankschuß hat da» Gesuch ab» gelehnt mib ber Bezirksausschuß hat die dagegen erhobene Berufung iurückgewiesen, indem er sich im Wesentlichen den Gründen de» ersten ff Unheils anschloß und die Bedürfnißfrage verneinte. Der von

7" ff, " ll unb Herrn Karl Morell zu Höchst a. SJt. gegen bie Abänberung bes Bebauungsplans für das Gelände zwischen der Homburger unb König­steiner Straße, süblich ber ©ebener Bahn, zn Höchst a. M. erhobene Einspruch wird als unbegründet zurückgewiesen. Der Be­zirksausschuß hat mit feinem Sachverständigen angenommen, baß ^wesentliche öffentliche Interessen für bie geplante Abänderung vor- > lägen und dagegen die Privatinteresien des M. znrücktreteii müßten.

Der Krnchhustrn-Sazillns. Nachdem alle bisher ver- offentlichien Angaben über die Erreget de» Keuchhusten» vor einer strengen Kritik nicht Stand halten tonnten unb auch die bestimmten Angaben bes Berliner Forschers Dr. Ritter sich keiner allgemeinen : Anerkennung zu erfreuen hatten, sinb die Herten Czaplawski und vensel in Königsberg endlich zu anscheinend greifbaren Ergebnissen gelangt. Angeregt wurden sie, nach einer vorläufigen Mittheilung ui der soeben abgegebenen Nummer 37 berDeutschen Mebizinischen E Wochenschrift", allerdings durch Ritter» Behauptungen, daß es sich beim Keuchhusten um einen sogenannten Diplokokkus als Krankheitsursache handle. Das ist nun allerdings nicht ber Fall, vielmehr ist bas bei bem untersuchten Kenchhusteuauswurf ge- funbene Kleinlebewesen ein sehr kleines kurzes Stäbchen mit Wrmig abgerundeten Enden, das in manchen feiner biologischen feSfltnfdjaften an den Influenza-Bazillus erinnert, dagegen von Mem sich durch fein Wachsthum auf gewöhnlichem Nährboden - Unterscheidet. Die kleinsten Formen des Keuchhusten-Erregers er» Mienen wie Kokken, die in Theilung begriffenen wie Doppelkokken.

Keuchhusten-Erreger ist unbeweglich, sehr wenig widerstandsfähig Und besitzt demgemäß keine sogenannte Dauerformen. Die Bakterien «gen meist frei unb nur selten in Zellen eingeschloflen. Mit dem Svrtschreiten der Erkrankung wächst ihre Zahl ansehnlich, lieber» Kagnngsvcrsuche aus Thiete find bis jetzt ergebnislos geblieben. Wie

<* . « für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

-(flttHnljUlC nächsterscheirrenden Ausgabe wird keine Gewähr uberirommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 14. September.

| Bezirksausschuß. Sitzung vom 13. September. (Schluß)

E Herr Geinüsehäubler Hch. Röll zu Griesheim ist von dem = Bürgermeister daselbst mit einer Strafe von 3 Mk. belegt worden, veil er einer Vorladung behufs Vernehmung in einer Gcwerbe- steuersachc nicht Folge geleistet hat. Die Klage mit dem Anträge auf Aufhebung dieser Verfügung ist von dem Kreis- ansschuß abgewieseii worden; ber Bezirksausschuß bezeichnet sie I auch als unbegründet und erkennt auf Verwerfung der Berufung gegen das llrtheil des Bezirksausschusses. Der Kgl. Domäueu- ff Fiskus ist von bem Gemeiuberath zu Nieberseltcrs für baS Etatsjahr 1896/97 mit 8100 Mk. zur Gemeiude-Eiukomuieu- fteuer herangezogen worben. Das Steuerobjekt ist ber Ertrag aus ber Verpachtung des MiueralbrMneus zu Niederselters mit 275,555 Mk., abzüglich 2427 Mk. Verwaltuugrkosten. Der Betrag von 8100 Mk. entspricht einem Zuschläge von 75 pCt. zur Staats­steuer. Der Fiskus, vertreten bnrch bie Kgl. {Regierung, Abtheilung für Domänen unb Forsten, hier, hat gegen tiefe Veranlagung Klage erhoben; er beansprucht Steuerfreiheit, weil er nach § 33 bes Einkommensteuergesetzes nur aus ben von ihm betriebenen, nicht aber ans beit von ihm nicht selbst betriebenen ober verpachteten Unternehmungen besteuert werden könne. Der KreiSansschuß hat der Klage ftattgegeben unb ber Bezirksausschuß erkennt auf Ver­werfung ber Berufung des Gemeinberaths, iubem er bavvn aus- | geht, daß bie Veranlagung in tiefer Form nicht gerecht­fertigt erscheine. DieAllgemeine Ortskrankenkasse" zn Frank­furt a. M. hat bem Bezirksausschuß ein neues Statut zur Ge­nehmigung vorgelegt. Der Bezirksausschuß hat verschiedene Be- . stiinniungen beaustanbet, inabefoubere das Wahlverfahren unb die Vorschrift übet bie Publikationen ber Kasse. Die übrigen Anstänbe sind mehr redaktioneller Natur. Das im § 47 bestimmte Pro- portioiial-Wahlsystem hat der Bezirksausschuß als viel zu nmständlich und die einzelnen ffaffeumitglieber beeinträchtigend beanstandet. Die im § 62 neben dem städtischen Anzeiger als Publikationsorgan vorgeschriebeneFrankfurter VolkSstimnie" ist gestrichen worben, weil biefelbe ein sozialdemokratisches Blatt ist. In ber heutigen mündlichen Verhandlung hierüber wird dieOrtslrankeukasse durch ihrenVorsitzeuben, Berni I. Gräf, und ben Schriftführer, Herrn Scoralick, vertreten.

rfterer fuhrt aus, daß bas Proportional-Wahlsystem jeher einzelnen Gruppe ober Partei bie Möglichkeit gebe, ihre Vertreter E zu wählen. Nur auf tiefem Wege werbe ihr Gelegenheit gegeben, ihre Vertretung in bet Versammlung zu haben, währeub »ach bisherigen Verfahren bie eine ober andere Gruppe überstimmt worben sei. Was bieVolksstimme" aiilange, so habe bei Be- zirkSansschnh früher deren Wahl als Publikationsorgan ge­stattet. Sie werde nut gewählt, weil bie meisten General- versaniuiluugS - Vertreter Abonnenten des Blattes feien. Da­gegen liegen auch keine gesetzlichen Bedenken vor. Der Bezirks- ansschnß beschloß, daß bie erfolgten Beanstandungen bezüglich der f §§ 47 und 62 zurückziizieheu, die Verfügung im klebrigen aber r aufrecht zu erhalten sei. Herr Wilbhifter Heinrich A11 e n b ö r f e r zu Clarenthal ist für fünf Hnnbe mit 90 Mk. zur Haaoestener veranlagt worben. Er hat um Freistellung von ber ganzen Steuer gebeten. So weit ist der Magistrat jedoch nicht gegangen; er hat für einen über 50 cm hohen Hund Steuerfreiheit gewährt, für einen Hund bie Steuer nach der für Clarenthal geltenden Bestimmung auf 5 Mk. und für jeden weiteren Hund auf 20 Mk. festgesetzt.

Aermlschte».

* Tqrolrr Dfarridqiir. In dem Orte Pill bei Schwaz haust ein junger Pfarrer Namens Jungblut, der ganz das Zeug zu einem Dalai-Lauia oder zu einem Großinquisitor in sich zu haben scheint, nur daß er seine Talente iu dem kleinen Alpendorfe nicht entsprechend entfalten kann. Aber er bemüht sich redlich, seine Schäflein auf ba« Himmelreich vorznbereiten. Am Frauentagebounerte er von der Kanzel herab, er müsse sich geniren, vor fremben Leuten zu sagen, er sei Pfarrer iu Pill. Richt genug an biefer Schmeichelei, verkündet er, es fei Luxus, auf die Gräber Blumen zu pflanzen! Thatsächlich läßt der hochwürdigr Eiferer, in dessen Augen wahrscheinlich das Betrachten einer Blume als sündhafte AnMulnst erscheint, die Blumen auf dem Friedhöfe aurroden. Aber sei» Kampf gegen die Lockungen des Satans geht noch weiter. Er stellt an den Gemeindevorsteher bie Ziimuthung, bie Kinber nicht zur Impfung zu schicken, weil e» gegen bie Sittlichkeit verstoße, wenn Knaben und Mädchen ihre Arme entblößen! Und so macht es ber junge Herr in so und so vielen Sachen; er will überall herrschen, unb wer sich ihm nicht beugt, ber wirb verbammt!

* Knmoristischeo. Devot. Fürst:Nun, Herr Förster, ist das Wild schon in Sicht?" Förster:Uuterthäuigst aufzuwarten, Durchlaucht, es macht sich eben schußfertig." (Hubertus.)