17. AugustL8S7. Seite»,
SvieSSa-ener Tagblatt tAbend-AuSgabe). Verlag: Langgaffe 37,
von 9io[en durch Insekten. Der Bettefsen.de hatte am Ende eines Gewächshauses zwei Rosen von der Varietät Maria van Hutten Lehen, die voll mit Knospen und Dlüthcn besetzt waren. Eines Tages beobachtete der Besitzer, daß sich ein Wespenschwarin mit diesen beiden Rosenstöcken eifrig zu schaffen uiachtc. Anfangs glaubte er, daß sie vielleicht in den Knospen und Blüthcn der Pflanzen nach Insekten suchten, überzeugte sich aber bald, daß ihre Absichten weit bedenklicher waren, indem sie sich über die Knospen und die schon geöffneten Blüthen selbst hermachten. Man versuchte, die Wespen dickch einige Douchcn _gu vertreiben, sie kamen jedoch immer wieder und gaben ihre Angriffe aus die Rosen nicht eher auf, als bis sie deren gesanimteu Blüthenstaub durchaus zerstört hatten. Und dieses thaten sie nicht ctlva zu dem Zweck, nm ihren Jungen Nahrung znzittragcn, sondern lediglich für sich selbst, um sich an Ort und Stelle den Leib vollzuschlagcn; sie nähme» nichts von den Blüthcn unverzehrt mit sich fort, außer diesem oder jenem Blütheu- blüttchen, das sie gelegentlich adbrachcn und hinwegtrngeii, wahrscheinlich aber nicht, um es weiter gut Nahrung zu verwenden, sondern um es beim Bau ihrer Nester als Material zu benutzen. Der Unistand, daß ein solches Vorgehen der Wespen bisher unbekannt gewesen zu sein scheint, läßt die tröstliche Erwartung zu, daß derartige Falle nicht zu den häufigsten zähle».
No. SSV. 45, Jahrgang
Klomr Ghromlr.
Biirgermcister Hartmann im Dorfe Rödgen bei Bad Nauheim, der Nachts einen Arbeiter wegen gefährlicher Körperverletzung verhaften wollte, wurde durch einen Messerstich tödtlich verletzt Der Thäter ist flüchtig.
Der in A a ch e n zur Kur iveilende fianfmaim Roth aus Elberfeld hat sich in einem Bade-Hotel erschossen.
In Hittfeld bei Aachen stürzte ein Dachdecker von der Krone des Kamins einer Danlpfziegclei, den er repariren wollte, und war sofort tobt.
_ Ende Mai dieses Jahres war der Bildhancr Karl Struntz von Düsseldorf aus einer Reise, die er zn einem Verwandten in Westfalen machte, spurlos verschwunden. Nunmehr bat der letztere selbst von New-Gork aus seinen Anverwandten Nachricht gegeben und ihnen mitgelheilt, daß er wegen unverschuldeter Ee- schäftSverluste sich nach Amerika begeben habe und demnächst wieder in seine Heimath zurückznkehreu gedenke.
In Mittweida hat der Schleifer Otto Zimmer seine beiden Töchter und dann sich selbst umgebracht. Das Verbrechen wird auf eine Liebschaft des vcrheiratheteu Mannes zurückgcfiihrt.
In der Nähe des Schützenplatzes in Greiz wurde der 25-jähr. Sohn eines Fleischers aus Wellsdorf ermordet und beraubt.
Dem „Straßb. Tagbl." zufolge wurde dir Schwiegermutter des Försters König von Nieder-Betfchdorf beim Pafsireu eines Straßenbahnübcrganges südöstlich von Betschdorf von der Maschine des Zuges 564 erfaßt und auf der Stelle getöd tct.
Auf Intervention des deutschen Generalkonsuls wird in Budapest demnächst die Leiche der Tochter des Kaufmanns Heinrich Lahr in Kaiserslautern cxhumirt. ES ist dies die 17-jährige Erzieherin, die in Arad mir dem Kaplan der dortigen Pfarrei ein Liebcsvcrhältuiß unterhalten hotte. Es wurde erwiesen, daß das Mädchen aus vcrbrechcrifche Weife ums Leben gebracht wurde. t
In Crimmitschau erschlug der soeben aus der Strafanstalt entlassene Kupferschmied Jahn mit einem Hammer seine Mutter und 20-jährig« Schwester.
Im Gouvernement Lublin richtete ein furchtbarer Orkan einen kolossalen Schaden an. I» Ostrow sind viele Häuser eingestürzt, Menschen und Vieh wurden getödtet. Die Telcgraphen- verbiuruiig zwischen Warschau und Odessa ist zerstört.
H — Line Schwindlerin sucht hiesige Dienstmädchen in rassiuirtrr
r Weise zu betrügen, und ist ihr dies auch bereits gelungen. Dieselbe ; sucht sich ihre Opfer aus der Straße oder in den Wohnungen der | Herrschaften. Zunächst macht sie dem Mädchen die Mittheilung, ° daß sie ans den Linien der Hand die Schicksale der Menschen F heraus lesen könne, was nur 1 Mk. kostet. Daß das Mädchen auch ff Glück io der Lotterie, namentlich der Hamburger, habe, ist selbst-
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Ermordung des spanischen Premiers/
C.T.C. Madrid, 17. August. Hebet die öffentliche Verhandlung vor dem Kriegsgericht in Vcrgara gegen Augiolillo wird noch Folgendes gemeldet: Nach Verlesung der llutersuchungsverhandlungtztt und nach dem Verhör der Augenzeugen des Verbrechens wurde eine schriftliche Erklärung des Angeklagten verleim. Nach dieser Erklärung faßte Augiolillo den Plan zu seinem Verbrechen nach den Hinrichtungen auf dem Montejuich und zwar ohne Vorberäthung mit Anderen und wählte zur Ausführung seines Verbrechens den Revolver, weil er mit Sprengstoffen nicht umzngehen wußte. Der Staatsanwalt beantragte darauf die Todesstrafe wegen vorbedachten Mordes unter Ausschluß mildernder Umstände. Der Vertheidiger plaidirte auf Geistesschwäche, appellirte an die Milde der Richter und schloß sein Plaidoyer mit einer Lobrede Canovas'. In seinem Schlußworte sührte Augiolillo aus, er habe keine Mik- schuldigen und habe nie einer geheimen Versammlung beigewohnt. Augiolillo sprach dann über politische Parteien und über die Kriege auf Cuba und den Philippinen, wurde aber von dem Präsidenten', als er noch andere, auf den Prozeß nicht bezügliche Angelegenheiten berichten wollte, am weiteren Sprechen verhindert. Nach Verlesung des bereits gemeldeten Urtheils wurde der Angeklagte gefesselt in die Zelle zinückgesuhrt, wo er sich ruhig niederlegte. Der Verhandlung hatten nur ungefähr 200 Personen beigewohnt.
LeraiuworlNch für bcn Politischen und fruilleton. Theil r I. B-: L,RStheedt; für den übrigen Theil unt> die Anzeigen: C. Rötherdt in Wiesbaden. Druck und Verlag der L. Schetliadera'fchen Hof-LuchdritLrei ia’ESüiWa.
verständlich, da ja die Glücksnummern in seiner Hand zu lesen find. Die Hellseherin erbietet sich gleich, die Glücksnummern zn besorgen, läßt sich den Betrag im Voraus bezahlen und verschwindet damit, um dann den plumpen Schwindel anderswo fortzusetzen. Auch ^Zukünftiges" vermag die Wahrsagerin anzugebeu. Bei der Einen ist es ein höherer Beamter, bei der Anderen ein reicher Kaufmann re., wodurch die Glückliche sich veranlaßt sieht, zunächst für eine standesgemäße Garderobe zu sorgen und womöglich ihre gute Stelle zu kündigen.
— Gestohlen wurden ein Wagenplan, welcher die Firma des Lieferanten: LI. Moll u. Co., Decken- und Zelte-Fabnk Lennep" und den Namen des EigenthümerS „Wilhelm Hleß-WieSbaden" trägt, ferner in der Albrechtstraße aus einem Geldschrauk 300 Mk. und von einer Rolle ein Pallen Tuch.
— Urbrrfahrrrr wurde gestern Nachmittag in der Dotzhcimer- straße von einem Radfahrer eilt Kind, das sich mit einem Puppenwagen auf dem Fahrdamm befand. Das Kind erlitt anscheinend nur leichte Verletzungen. Den Nadler soll keine Schuld an dem Unfall treffen, da er geschellt hatte, sich aber so viele Kinder auf der Straße befanden, daß er nicht mehr auszuweichen vermochte.
— yerljnftet wurde in Mainz der früher hier, dann in Italien nud zuletzt in Mainz wohnhaft gewesene Naturheilarzt Otterson wegen angeblicher Betrügereien. Die Festnahme erfolgte auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Vaden, wohin O. auch abgeführt wurde.'
— Kleine Notizen. Man schreibt uns: Es ist übersehen worden, den Namen Sr. Durchlaucht des Prinzen von Natibor, Kgl. Polizeipräsidenten, in die Namen der Couiiiö-Mitglieder unter dem Aufruf für die Wasscrbeschädi gten einzureihen. Wir berichtigen dieses Versehen hiermit. — Gestern Abend verursachte ein Blumenhändler auf dem Kranzplatz einen solchen Skandal, daß seine Sistirnng nach dem Polizeirevier erfolgen mußte, um dem Unfug zu steuern. Eine große Menschenmenge hatte sich an- gesammelt. _____________
* Kiedrich, 15. August. Eine gut besuchte Versammlung der Wahlmänner und Vertrauensmänner der freisinnigen Volks Part ei stellte als Kandidaten für die auf den 4. Oktober augesetzte Ersatzwahl zum Landtag einstimmig Herrn Land- toirtb Wilhelm Stritter in Biebrich auf.
(?) Ans dem Hatte» Ländchen, 16. August. Wie uns von zuverlässiger Seite mitgethcilt wird, ist der Land b rief träger Milch von Wallau flüchtig gegangen. Veruntreuungen im Amte sollen die Ursache zur Flucht fein.
(?) Flörsheim a. M., 16. August. Die Pläne zum Schulhaus- Neubau sind endlich eingetroffen. Die Arbeiten sollen Im Snbmissions- wege vergeben werden, es sollen jedoch nur hiesige Handwerker, insoweit die Gewerbe am hiesigen Platze vertreten sind, Berücksichtigung finden. Der Voranschlag für die gesammteu Arbeiten beziffert sich auf 21x500 Mk. Der Gemeindebehörde ist die Auflage gemacht, dafür Sorge zu tragen, daß der Schulbau bis zum 1. November unter Dach ist.— Die hiesigen Metzger sind mit dem Schweinefleisch von 70 auf 80 Pf. pro Pfund aufgeschlagen, ein Preis, der noch nie bezahlt worden ist. Auch andere Lebensmittel, wie Kartoffeln, Butter, Eier ec. haben eine nicht unwesentliche Preissteigerung erfahren. — Nachdem dieser Tage eine Vorbesichtigung unserer Weinberge und auch der Haustraubenstöcke durch den Lokal-Beobachter, Herrn Lorenz Kopp II in W cker stattgefuuden hat, wird der 8t e blau s-S achv er st an d ige, Herr Rektor Stritter, ans Biebrich, unter Assistenz des Erstgenannten nächsten Samstag verschiedene verdächtige Weinstöcke in de» Weinbergen, in den Hausgärten und die Weinspaliere an den Häusern untersuchen.
-r- Eppstein, 15. August. Die nahe Gemeinde Bremthal hat früher schon ans Steinbrüchcn und Sandgrube» große Einnahmen gehabt. In der jüngsten Zeit ist nun in der Bremthaler Gemarkung wieder ein Steinbruch aufgeschlossen worden, der für die jährliche Pachtsumme von 300 Mk. au einen Herrn aus Diez a. d. Lahn unter der Bedingung verpachtet wurde, daß derselbe nur 100Waggons Steine jährlich versendet. Sendet er aber mehr als 100 Waggons fort, fo muß er für jeden Waggon noch 3 Mk. Grundzins bezahlen. Wie wir hören, werden die versandten Steine in eine Fabrik gesandt, in der aus denselben Porzellan gefertigt wird. — Von wohlunterrichteter Seite erfahren wir, daß im nächsten Jahre bereits mit dem Legen des 2. Geleises auf den Strecken der Hessischen Bahn zwischen Frankfurt—Limburg und Niedernhausen—Wiesbaden begonnen wird.
* Enmbevg, 16. August. Der Finanzniinister und Viee- präsident des Ministerrathes v. Mianel kam heute Mittag, 1 Uhr 19 Min., von Wiesbaden aus hier an und verweilte als Gast bei dem Reichstagsabgeordneten Dr. Lieber.
* Ems, 16. August. Im Schlensengraben der Lahn hat sich der Landwirth Heinrich E. von hier ertränkt. Er dürste die That in einem Anfall geistiger Störung begangen Haden.
* Gastel, 16. August. Der Kaiser stattete heute dem Prof. Knacks riß einen lV--stütidigen Besuch ab. Er soll ihm zu einem Bilde gesessen haben.
A Mainz, 17. August. Rheinpegel: Vormittags 1 m 45 cm gegen 1 m 43 cm am gestrigen Vormittag.
* singen, 16. August. Das bisher gute Fahrwasser des Rheins hat sich seit einigen Tagen erheblich verschlechtert. Oberhalb Kempten, an der sogenannten „Jnngau", zeigen sich feit einigen Tagen angeschwemmte Sandbänke, die die Passage der Schleppzüge sehr erschweren. Mehrere Fahrzenge Haden Leckage erlitten, andere gerielhen auf den Grund und fuhren sich feit. Zur Beseitigung der Hindernisse ist heute ein Dampsbagger augekommen und hat seine Arbeit sofort begonnen.
pnd stößt an die Scharnhorststraße. Auf dem zwischen dem Hause unb der Blücherstraße belegenen Theile des Hofes wird ein SLul- | garten für Unterrichtszwecke hergerichtet. Der Blücherplatz wird mit gärtnerischen Anlagen versehen, inmitten deren zwei getrennte -. Kinderspielplätze mit Spieltischen eingerichtet werden. Zwischen den Bosgnets und Bäumen werden 14 Ruhebänke zur Ausstellung kommen. Unmittelbar vor der Hauptfassade des Schulhauses sind ebenfalls Gartenanlagen vorgesehen. Das ganze Projekt läßt keinen Zweifel daran, daß der Blücherplatz, wenn erst die Anlagen etwas gediehen fein werden, eine hervorragende Zierde nicht nur des | Dellritzvierlels, sondern der ganzen Stadt bilden wird.
— Das Rochnskest, welches auch von Wiesbaden aus stets lebhaft besucht zu werden pflegt, findet am nächsten Sonntag auf dem Rochnsberg bei Bingen statt.
— Zte«kfzahlrr, welche in den Straßen mit den Anfangsbuchstaben P und Q wohnen, haben morgen die fällige Rate zu entrichten.
— Dis 4000. Jlabfnljr-Jhnnnur ist heute von der Kgl. Polizeidirektion hier ausgegeben worden, geiviß ein deutlicher Beweis für die rasche Ausbreitung des Radsports in unserer Stadt und Umgebung.
— Gins wirltlirt) praktische Erfindung ist seit Kurzem in der allgemeinen Verwerthnng begriffen. Es ist ein verstellbares Wäsche-Trockengestell, das an jedein Fenster ohne alle HülfSmittel im Augenblick leicht zu befestigen ist und fein Benageln der Wände oder Fenster, kein Beschädigen des Hauses nöthig macht. Man setzt die beiden Preßbacken auf der Außenseite der Fensterbank fest unb sicher auf, stellt die beiden Anne rechts und links in schräger Richtung nach oben und zieht dieselben mit dem int Apparat befindlichen Schraubenschlüssel fest zttsammcn, drückt hierauf die beiden Arme nach unten und zieht den Schlüssel nochmals fest an. Zur Sicherung schlägt man Keilchen leicht ein. Alsdann schiebt man die Arme des Wäschehaliers ein und der Apparat ist fertig. Beim Entfernen des Apparats nimmt mau den Wäschehalter erst heraus und dreht den Schlüssel dann etwas los. Auf diese Weise kann der Apparat leicht und bequem an- und abgesetzt, sowie vor allen Witterungseinflüssen geschützt werden. Der Preis per Stück ist 5 Mk. mit 4 Latten ü 1,60 m lang. Der Apparat ist L erhältlich in allen besseren Haushaltnugsgeschäflen. Die alleinige Fabrikation hat die Firma Will). Gail Wwe. in Biebrich a. Rh., Parkettfabril und Dampfschreinerei, übernommen.
— Die Droschkenkutscher verlangen Sonutagsrutze. Einen dahinzielenden „Aufruf an sämmtliche Droschkeitkutscher Deutschlands" erläßt die Sonntagsrnhe-Koinuiission der Berliner Droschkenkutscher. In allen größeren Städten sollen in nächster Zeit öffentliche Kutscherversammlungen einbernfen werden, um gegen die Ausnahmestellung des Verkehregewerbes in Bezug aus die Sonntagsruhe Protest zu erheben. Man beabsichtigt durch Massenpetitionen an die gesetzgebenden Körperschaften wie an die Polizeibehörden, wo nicht die Einführung der Sonntagsruhe im Droschkenfuhrbetriebe, so doch einen Ersatz dafür durch Freigabe eines Tages in jeder Woche (der mindestens einmal im Monat ein Sonntag sein muß) zu erwirken. Alle Kompromisse, besonders der Hinweis auf eine freie Vereinbarung mit den Fnhrherren, sollen auf das Entschiedenste zunick- gewiesen werden.
8. Dir Entstehung vrs Donnerrollens. Die Erklärung des Donnerrollens hat den Physikern lange Zeit hindurch große Schwierigkeiten bereitet. Dachte man doch sogar an eine Echowirkung, wobei das Echo durch den Widerhall des Donners an den Wolken hervorgernseir werden sollte. Daß die Erscheinung de? Donnerrollens nicht ausschließlich als eine Echowirkung ausgefaßi werden kann, geht schon daraus hervor, daß dos Rollen nicht von ‘ feinem Anfänge bis zu seinem Ende als ein gleichförmiges, abnehmendes Geräusch gehört wird, sondern daß es vielmehr als ein s- Wechselspiel zwischen Änfchwellen unb Almehineu der Tonstärke i wahrgenommen wird. Die Entstehung des Donnerrollens hängt in Wirklichkeit von der Bahn des Blitzes ab. Setzen wir zur Erleichterung des Verständnisses den Fall, daß ein Blitz in der Luft f einen wagerechten Weg von 200 m znriicklrgt. Genau unter dem - Mittelpunkt dieses Weges steht der Beobachter. Es ist nun klar, daß der Beobachter zuerst diejenigen Schallwellen vernimmt, deren Ursprungsstelle seinem Standpunkt am nächsten liegt. Das ist aber der Mittelpunkt der Blitzbahn. Je nach der Entsermiiig der einzelnen Theile der Blitzbahn von dem Beobachter werden nun die Übrigen Schallwellen das Ohr desselben srüher ober später treffen. Ereignet es sich, daß, um es so anszubrücken, zwei von verschiedenen Punkten ausgehende Schallwellen gleichzeitig an das Ohr des Beobachters gelangen, so wirb der Donner anschwelleu, während er abnimmt, wenn nur eine einzige Schallwelle fein Ohr erreicht. Aus der verschiedenen Anzahl der eintreffenden Schallwellen, die man als beständig wechselnd au- feheii kann, wird also die Wahrnehniung eines verstärkten oder verminderten Geräusches hervorgehen, d. h. die Erscheinung des Donnerrollens. Thatsächlich legt nun aber der Blitz nicht einen wagerechten ». Weg zurück, sondern, wie wir aus den Blitzphotographieen wissen, eine sehr ungleichförmige Bahn, von der sich verschiedentlich - Nebenstrahlen abzweigen. Die einzelnen UrsprungSstellen der Schallwellen sind also sehr verschieden weit von dem Beobachter entfernt, und umso verschiedener wird die Grlippiruug sein, in - der sie znin Ohr desselben gelangten. Es ist aber noch ein zweiter g Umstand zu berücksichtigen. Bei der bedeutenden Länge des Blitzstrahles durcheilt er ohne Zweifel in der Atmosphäre Luftschichten, deren Dichte sehr wechselt. Er wird daher auch verschieden starke Widerstände zu überwinden haben, und je nach der Höhe dieser ; Widerstände wird auch die Schauintensität sich steigern oder verringern. ES erwächst also auch hieraus eine Uugleichsörmigkeit der Schallwellen, die dann ihren Theil zu dem Anschwellen und Ab- ichwellen des Donnerrollens beiträgt.
ZehLe Nachrichten.
Continciital-Telegrliphen-Compagnie.
Kerkin, 17. August. Ein Privattelegramm der „Vossischen Zeitung" aus Hammerfest meldet: Ans der Adveutbay meldet man vom 11. d. M.: Gleichzeitig mit dem Touristen-Dampfer „König Harald" läuft der kleine Dampfer „Expreß" mit Lerners Polar-Expedition ein. Lerner erzählt: Am 20. oder 21. Juli trafen wir auf 80° 47' die Hamnierfester Seehundyacht „Alken". Die Besatzung derselben thrilie mit, daß sie zwischen dem Nordkap und den Siebeninselii eine iö r ieftaubc geschossen habe, welche eine geschlossene Depesche an da? Stockholmer Blatt „Aftonbladet" getragen habe. Die Depesche lautete: „820 passirt. Gute Fahrt nordwärts. Andrve." Das Datum der Depesche war nicht sest- znstellen. — Das „Kleine Journal" meldet ans Hamburg: Der französische Dampfer „Ville de Malaga" ist bei Alderney auf Felsen gerannt und gesunken. Vier Mann wurden gerettet. Der Kapitän und 20 Mann werden vermißt.
Nelrrsburg, 17. August. Gestern Nachmittag find der Chef des französischen Generalstabes, General Voisdeffre, der frühere Militärattache bei der hiesigen französischen Botschaft, General Scrmet, sowie der Kanzleichef im französischen Kriegsministerium, Oberstlieutenant Thevenet, hier cingetroffeii. Abends sand zu Ehren der französischen Offiziere beim französischen Botschafter, Grafen Montebello, ein Diner statt.
Madrid, 17. August. Nach einer amtlichen Depesche wurden bei den letzten Zusammenstößen aus Cuba 202 Aufständische getödtet, während sich 700 unterwarsen. Die Spanier hatten 20 Tobte und 150 Verwundete.
Depelchenbiireau Herold.
Aerli», 16. August. Zur Untersuchung des bei Celle vor- gekommeneu Eifenbahnunsalls hat sich der Vortragende Rath im Rcichseisenbahuaint, Geh. NegierungSrM) v. Mvsaui, an Ort und Stelle begeben. Nach den letzten Nachrichten au? Celle sind bei dem vorgekomnicneii Eisenbahnunglück 3 Personen getödtet, 7 schwer verwnndet. Die Ursache der Katastrophe ist vermuthlich ein Radbruch. — Dem „Lok.-Anz." wird aus Rom telegrophirt: Der Papst hat zwei Ohnmachts-Anfälle gehabt. Die Aerzte halten eine Wiederholung derselben für bedenklich.
gtrliir, 17. August, lieber die Ergebnisse der Miuister- reife in die schlesischen lieberschwemmnugSgebiete schreiben die „Berl. Pol. Nachr.": Die Minister haben sich davon überzeugt, daß einzelne Orlschasicn sehr schwer getroffen sind. Einigen Gemeindeli lvnrden bereits namhafte Geldbeträge zur Linderung der augenblicklichen Roth überwiesen. Das Staats« minifleriuni wird in den nächsten Tagen eine Sitzung abhalten, um wegen weiterer Unterstützungen Beschlüsse zu fassen. Dem Landtag wird bei seinem nächsten Zusammentritt eine Vorlage zur Lösung der Frage der Verhütung bet Hochwasser-Schäden in Schlesien zn- gehen. — Herr v. Daiisch hat auf seinen Antrag einen Nachurlaub erhalten. Das erneuerte Urlaubsgesuch ist mit seinem schwankenden Gesundheitszustand begründet.
fietaburo, 17. August. Der Friedenskongreß wurde gestern geschlossen. Der nächste Kongreß findet 1898 statt. Zeil- und Ortsbestimmung bleiben dem Berner SBüreau Überlassen. Einladungen liegen aus Turin und Lissabon vor.
Gldenburg, 17. August. Die Taufe des Sohnes des Erbprinzen von Oldenburg findet Ende d. Mts. unter Anwesenheit des Kaisers als Taufpatben statt.
Dresden, 17. August. Bei dem vorgestrigen Dampfer» Unglück sind im Ganzen 8 Personen, meist Kinder, ertrunken. Die übrigen Vermißten haben sich wieder emgesnnden. Der Führer des Dampfers, auf welchem das Unglück geschah, wurde verhaftet.
Wie», 17. August. Nach einer Meldung der „Reichswehr" befinden sich im hiesigen allgemeinen Krankenhanse zwei an Lepra erkrankte Patienten.
Vari», 17. August. Tie Zahl der Schiffe, welche von Petersburg nach Kronstadt dem Präsidenten der Republik zur Begrüßung entgegenfahren, beläuft sich ans 120. Zahlreiche neue Handelsartikel, welche von den Petersburger Geschäftehäusern feilgeboten werden, sind auf den Namen Felix Faure getauft. In einem Garten auf der Newa-Insel wird ein großer franco-rnssischer Ball stattfinden, zu welchem die Theilnehmer ein russisches oder französisches National- kostüni tragen müssen.
Rom, 17. August. Bei der Rückkehr des Graf en von Turin erreichte ihn in Modane folgendes Telegramm des Königs. „Ich will der Erste sein, der Dir ein Willkommen eutgegeiibriugt. Ich bin mit Dir glücklich über Deinen Muth und Deine Tapferkeit und erwarte Dich in Cogne. Umberto." Kaum in Turin äuge» kommen, erhielt der Gras auch ein warmes Sympathie-Telegramm von der Königin. Die Nachricht von seiner Disziplinarstrafe wird bementirt. Bei seiner Ankunft in Turin umringte eine jubelnde Menge seinen Wagen.
Athen, 17. August. Der russische Gesandte versprach dem König, Rußland werde die Großmächte zu einer möglichst rücksichtsvollen Dehairdlnng Griechenlands zu bestimmen suchen.
Kolkswirthschaftliches.
Geldmarkt« Coursbericht der Frankfurter B3 rfe vom 17. August, Mittags 12'/, Uhr. — Eredit - Actien 310'/,, DiSeouto-Connuaudit-Anth. 206.—, Staatrbahn-Aetien 296'/,, Lombarden 77*/«, Gotthardbahn-Aetien 154.60, Cnitralbahu 138.—, Nordostbahn 113.20, Univnbahn —.—, Laurahüttt - Actien 175.25, Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien 188.50, Bochumer 195.30, Harpeieer 193.50, Italiener 94.40, DreSd. Bank —, Darmstädter Bank —.—, Berliner Handels-Gesellschaft —, Italienische Mittelmeer —, Jtal. Meridionanx —, 3-proceutige Mexikaner 24.60, 6-procentige Mexikaner 94.10. Tendenz: fest.
W i e n, 17. August. Oesterreichiiche Eredit-Aetien 366.75, Staats« balm-Actieu 349.—, Lombarden 86.20. Mark-Note» 58.85.
Die Abrr»d-A«»gave enthSit 1 Seitagc.
— Wespen als Dosrnfelnde. Es giebt wenige Insekten, die sich beim Menschen derart in Mißkredit gesetzt haben, wie die Wespen. Wenn der Mensch auch ihre Angriffe nicht gerade für sich selbst besonders zu fürchten hat, fo thun diese Insekten doch genug Schaden, besonders in den Obstgärten, wo ihre Liebhaberei für reife Früchte: Aprikosen, Pflaumen, Birnen, auch Weintrauben, den ^eSorn vieler eifriger Gärtner und Weingutsbesitzer rege erhält. Die Thatsache, daß die Wespen gelegentlich ziemlich eifrige Jnseklen- ' Vertilger sind, kann in nnsereii Augen diese Verbrechen nicht rntschllldigeu. Eine bisher unbekannte und ganz besondere Nieder- s tracht dieser Thiere stellt ein Mitarbeiter der englischen Zeitschrift .Gardener'S Chronicle" an den Pranger, nämlich die Vertilgung
