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Ko. 337

Mittwoch, den 4. August.

1897.

Bezirks-Fernsprecher 9b. 52.

LezirkS-Fernsprecher No. 52.

Morgen-Ausgabe

Aus Knust und Zebrn.

Die Möglichkeit liegt außer Zweifel, allein die Wahrscheiulich- ,811 ist so gering, daß mau, ohne viel zu wagen, jede Wette da-

auf eine halbe Meile nähern. Und erst von einer Expedition mit lenkbarem Ballon wird es heißen:Sie hat den Pol erreicht!' Daß aber Andrse sehr werlhvolle wissenschaftliche Beobachtimgen in Bezug auf die meteoroiogischen Verhältnisse jener Zonen mitbringen kann, steht außer Frage."

* Nachklänge znm Proreß Koitschew. Der Vater der ermordeten Anna Simon, Peter Simon, ist mit seinem Enkellinde ans Pbilippopel nach Budapest zurückgekehrt und erzählt mtler Anderem, wie wir demPester LI." entnehmen. Folgendes: Der Fürst übergab bei einer Gelegenheit Boitschew fünshnndert Gold­stücke, mit dem Befehle, die Summe der Anna Simon ziikornmen zu lasse» und sie zu einer Erklärung zu bewegen, in der sie sich ver­pflichten sollte, Bulgarien für immer zu verlassen. Boitschew gab aber Anna keinen Kreuzer und verklapste das Geld in Gesell­schaft seiner Freunde. Als gegen Boitschew der Haftbefehl erlasien wurde, befand ersichgerade beimDinerim Palais. Der Delegirte der Behörde erschien im Palais und wies den Haftbefehl vor, worauf ein Adjutant den Polizeibeamten bat, Boitschew noch 24 Stunden in Freiheit zu belassen und bis dahin das Palais mit einem Militär- kordon zn umschließen. Der Adjutant erstattete dem Fürsten über die Angelegenheit sofort Meldung. Fürst Ferdinand ließ Boitschew seine Orden wegnehmen und verfügte, daß er seine Uniform mit Civilkleidern vertausche. Der Hof verließ dann die bulgarische . Hauptstadt binnen 24 Stunden. Jetzt erst wurde Boitschew ver­haftet. Als man der Mutter des Fürsten, der Herzogin Clementine, die Details der schrecklichen Blntthat erzählte, rief sie aus: »Diesem Schurken muß man die schärfste Strafe zumessen, welche das bulgarische Gesetz feststellt, ober aber ich über­schreite nie mehr die bulgarische Grenze." Simon erzählte auch über ein Attentat, das gegen das unglückliche Kind der Ermordeten geplant war. Als Peter Sinioit durch das Generalkonsulat in Sofia von dem geplanten Mordanschlag erfuhr, reifte er von Philippopel sofort nach Sofia ab und ließ mit Hülse der Behörde in der Nacht fein kleines Enkelkind von der Frau entführen, der e» zur Obhut übergeben war. Er brachte da» dritthalbjährige reizende Kind bei den Englischen Fräulein unter, von wo er er nach Budapest mit sich nahm. Was die für seine ermordete Tochter verlangte Geld- entschädigung, 60,000 Francs, anbelangt, so hofft er sie zu erhalten.

Deutschland und Rußland.

K. Das Geschwader, welches unseren Kaiser nach Rußland be­gleitet, hat am Montag früh feine Fahrt nach Kronstadt angetreten, und heute, Mittwoch, dampft dieHohenzollern"uiit dem Kaiserpaar an Bord ebenfalls dahin ab. Eine Reihe glänzender Festlichkeiten wird den hohen Gästen zu Ehren gegeben, großartige militärische Schauspiele werden veranstaltet werden, aber auch die leitenden Staatsmätttier, insbesondere Reichikanzler Fürst Hohenlohe und Herr v. Bülow, der Verweser des Auswärtigen Antts, gehen mit nach Rußland, um mit dem Grafen Mttrawjew sich ins Einvernehmen zu sitzen und weiter zu bauen an der Konsolidirtmg der Beziehungen zu einander. Es ist deshalb wohl angebracht, heute einmal einen Rückblick zu Wersen auf das Verhältuiß zwischen Deutschland und dem russischen Reiche in der neueren Zeit.

»Rußland und Deutschland sind durch traditionelle Freundschaft miteinander verbunden", so hieß es bis zu Anfang der achtziger W Jahre. Und in der Thai, seit den gemeinsam geführten Befreiungs­kriegen waren die Beziehungen beider Länder so intim, daß Niemand t auf den Gedanken gekommen wäre, es könnte einmal anders werden. Tie Interessen und Ziele Rußlands waren so verschieden von den unseren, daß sie sich niemals kreuzten, und der Hof in Petersburg war mit demjenigen von Berlin und anderen deutschen Residenzen so vielfach verschwägert und auch sonst so eng verknüpft, daß sich eine über allen Zweifel erhabene herzliche Freundschaft herausgebildet hatte. UeberdieS war der Czar mit dem deutschen und dem österreichischen Kaiser seit September 1872 durch ben Drei- kaisirbiind Hirt, welch letzterer dem edlen Zweck der Erhaltung des Frieden» dienen sollte. Es kam dann der russisch-türkische Krieg im Jahre 1877/78 mit dem Berliner Frieden. Viele Wünsche Rußlands blieben unerfüllt, was man in Petersburg hauptsächlich dem Ein­flüsse Deutschlands znschrieb und dort eine gewisse Bitterkeit gegen an» hervorrief, der wahrscheinlich auch die Auflösung des Drei- kaiserbundes zuzuschreibeu ist. Aber immerhin waren die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland zn Lebzeiten Alexanders II. «och ganz befriedigende.

L Dies wurde anders, als dieser Czar durch Mörderhand ge- sallen war uub fein Sohn Alexander III. ben Thron bestieg. Schon als Kronprinz hatte man ihm deutschfeindliche Gesinnungen t uachgesagt, die hauptsächlich durch seine Gemahlin, die dänische Prinzessin Dagmar, genährt worden fein fallen, welche das ^ahr 1804 und die LoSreißung Schleswig-Holsteins von Dänemark »och nicht vergessen konnte. Aber auch abgesehen davon neigte Alexander UI. mehr den panslavistischen Bestrebungen zu, errichtete feinen Blick weniger nach dem Westen Europas als nach dem Osten seines gewaltigen Reiche». Es trat eine merkliche Abkühlung der Frenndschaft der beiden Reiche ein, und wenn Alexander III.

L auch keine direkt feindselige Haltung gegen uns eimiahin, so ließ er doch bei jeher Gelegenheit durchblicken, daß er auf intime Beziehungen

1 sii uns keinen Werth lege. Seiulange»Zögeru,eheer den Besuch nuseres ikaisers erwiderte, und so manche andere, vielfach freilich nebensächlich erscheinende Punkte legen hiervon ein beredtes Zengniß ab. Daß ts nicht zn ernsteren Konflikten gekommen ist, hat man dem maßvollen, zurückhaltenden Auftreten der deutschen Negierung zu verdanken und der wirklich vorhandenen Friedensliebe des Czareu, fowie der klugen Vermittelung seines erste» Berathers, des Herrn v. Giers, der im Verein mit dem Finanzminister Witte auch die An- naheinng auf handelspolitischen! Gebiet durchgeführt hat. In die - Negsti ungszeit Alexanders III. fällt auch die Schließung der Freund- fchait Nnßlauds mit Frankreich, was wieder zu der Gründung des L,iclbnndes, der grö{jtenbiplomatifd)en Schöpfnug.der Neuzeit, führte. Seitdem Nikolaus II. auf dem Czarenthron sitzt, sind die Be- i ziehnngen zwischen seinem Reiche und un» wieder herzlicher geworden, was aus so maiiche» Kuiidgebnngeii des rnsstschen und unseres p Kaisers zu entnehmen war. Wenn auch die Freundschaft mit der irauzosiichen Republik noch immer anbauert, so wissen wir doch F ooß dieselbe.jemals dazu dienen wird, französische Sonder- Mgelnste fordern zu Helfen, und daß der Czar Nikolaus mit unserem &F111 tS.b.f? ^danken, alle Machtmittel auszubieteu, nm

Welt ben Frieden zu erhalten. Daß zur Erreichung diese» Zweckesauch die Reise Kaiser Wilhelms nach Rußland beitragen . möge, wünschen wir von ganzem Herzen.

gegen machen könnte. Ich scheue mich nicht, den Ausspruch zu thnu, daß nur ein lenkbarer Ballon den Pol treffen wird, und daß nur von einem solchen die sichere Nachricht darüber zn erwarten ist. Für Andröe aber besteht die Möglichkeit, daß, selbst, wenn er wirklich den Pol erreicht hat, ihm wegen Mangels günstiger Winde der Rückweg abgeschnitten wird. Wegen der gleichmäßigen Erwärmung der Luft und des Bodens von Seiten der Sonne viele Wochen hindurch ist es nämlich nahezu gewiß, daß in weiter Umgebung des Nordpols die Temperatur außerordentlich gleichmäßig vertheilt ist, und daß infolgedessen merk­liche Luftströmungen fanm Vorkommen. Namentlich ist es unwahr­scheinlich, daß ©trömungen existireu, welche direkt gegen den Pol gerichtet sind oder von ihm anslaufen. Es ist vielmehr anzniiehnien, daß schwache Strömtingen, wenn sie überhaupt vorhanden sind, in weitem Bogen den Pol umkreisen. Dann darf man auch nicht vergessen, daß der geographische Pol mit dem Kältepol nicht zusanimeusällt, und daß daher die eigentliche Polargegend absolut wärmer ist und daher höchstens Strömungen gegen den Pol von Seite» des Kältepols wahr­scheinlich sind. Ueberhaupt halte ich dafür, daß am Pol selbst nicht horizontale, sondern auffteigenbe Strömungen herrschen. Allein selbst in dem günstigsten Fall, daß Andrse den Pol wirklich über­fliegt, so wird cs für ihn doch sehr schwer fein, diese Thatsache festzustellen und zu beweisen. Da die Magnetnabel wegen ber un­bekannten magnetifdjen Abweichung und Neigung hier ihre Dienste versagt, so ist er ausschließlich auf beftänbige astronomische Be­obachtungen angewiesen. Er muß ohne Iliiterlaß die Höhen der Sonne Über dem Horizont messen, und erst bann, wenn einmal innerhalb 24 Stunden diese Höhe sich nur der täglichen Deklinations- abnahme entsprechend geändert hat und außerdem der Betrag dieser Höhe nach den Evherneriden (astronomische Jahrbücher Red.) des betreffenden Tages vom Nordpol entspricht, bann kann er sagen, daß er sich am Nordpol befindet. Dieser Fall wird aber niemals eintreten; denn die Erreichung dieses Punkte» ist mathematisch genau wohl kaum denkbar, so lange die Sache im unlenkbaren Luftballon nur deut Zufall überlassen bleibt. Man wird daher im günstigsten Fall zum Beispiel nur sagen können: Andrse ist dem Nordpol bis auf eine geographische Meile nahe gekommen. Später wird sich ihm vielleicht ein Anderer bis

vor dem Portal noch ein großes Tellnrium aufgestellt, das ebenfalls vom Hauptwerk ans regnlirt wird und den Lauf von Erde, Sonne und Mond zeigt. Ein ähnliches Werk hatte der Verfertiger der­selben vor mehreren Jahren hier ansgestellt; vor vier Jahren hat er es, nachdem es in fast allen größeren Städten Europas Be­wunderung erregt hatte, um den Preis oon 27,000 Mk. nachAmerika verkauft und seitdem dieses neue Werk gebaut, das sicherlich auch hier wieder zahlreiche Besucher anziehen wird.

BUoljltliätighcit. Für die arme Wittwe in Wallau sind im Tagblatt-Verlag ferner eingegangen 5 Mk. von Ungenannt Herzlichen Dank!

Klein» Notizen. Ihre Hoheit die Fürstin zu Schaum» burg-Lippe beehrten mit Gefolge die Gemälde-Ausstellung de» Herrn Ferdinand Küpper, Wsihelnistraße 24, mit längerem Besuche, bezeugten für die ausgestellten Bilder großes Interesse und erwarben verschiedene davon. Heute Vormittag, 11 Uhr, findet im »Promenade-Hotel", Wsihelmstraße24, Gemälde-Auktion statt. In dem amtlichen Berichte über die Preise für Naturalien und andere Lebensbedürfnisse zu Wiesbaden vom 25. Juli bis ein­schließlich 31. Juli 1897 muß der niedrigste Preis für Hafer per 100 Kilo 12 Mk. 70 Pf. statt 12 Mk. 80 Pf. heißen.

Vereins Nachrichten.

tturje sachliche Berichte werde» bereilwilligst unter dieser Ueberschrisl ausgenommen.

* Die vomRhein- und Taunus-Klub" projeklirte dies­jährige größere Tour in die Rhön und den Thüringer Wald wird von mehreren Mitgliedern des Klubs am Samstag, den 14. August, Morgens? Uhr 5 Min. ab Taunusbahnhof, angetreten werden, und ist folgendes Prograinm festgesetzt: 1. Tag: lieber Frankfurt nach Fulda, hier einige Stunden Aufenthalt zur Besichtigung der alten Bischossstadt, Nachmittags Fahrt bi» Station Milseburg, Be­steigung der Milseburg und Nachtquartier im Hotel Nüdling. 2. Tag: Fußwanderung über Teufelstein, Abterode nach der Waffcr- knppe, 980 m dem höchsten Berg der Rhön bi» Gersfeld. 3. Tag: Von Gersfeld auf den Kreuzberg und nach Bischossheim. Von da per Bahn nach Neustadt a. S., Besuch der Salzburg und per Bahn nach Kissingen. 4. Tag: Besichtigung der Kuraulagen, der Saline w. Nachmittags per Bahn nach Meiiiingen,baselbstNachtgnarlier. 5. Tag: Fahrt per Bahn nach Coburg, Besichtigung der Stadt und Veste und Nachmittags per Bahn nach Suhl, wo Nachtquartier. 6. Tag: Fußwanderung von Suhl über die Schmücke und Schnee­kopf (978 Meter) nach Oberhof, eüent. Tambach. 7. Tag: Von Tambach über Friedrichroda, Reinhardsbrnnn auf den Juselsberg (916 Meter), daselbst Nachtquartier. 8. Tag: Vom Juselsberg über Ärolterode nach Liebenstein Besichtigung ber Liebensteiner Hohle und Ruhla. 9. Tag: Von Ruhla über bie hohe Sonne, Annaihal nach ber Wartburg nnb Eisenach. 10. Tag: Heimreise. Die Tour wird demnach 10 Tage erfordern, es werden auf derselben die schönsten Punkte ber Rho» uub des Thüringer Waldes berührt, und die tägliche Marschleistung ist dabei eine mäßige, sodaß auch weniger passionirte Fußgänger mitkommen können. Wegen der voraus zu bestellenden Nachtquartiere wollen die Anmeldungen zu dieser Tour bei dem Vorsitzenden des »Rhein- und Tauiius-Klnd", Herrn Schwcnck, Mühlgasse 9, bis längstens Samstag, ben 7 l M» gemacht werden.

Stimmen aus dem Publi-tum.

(güt Veröffentlichungen unter dieser Neberschrist übernimmt die Redaktiou tiliiertet Verantwortung.)

* Die Schulferien bildeten in der letzten Zeit wiederholt den Gegenstand ber Erörterung imWiesbadener Tagblatt", und das mit vollem Recht. Nachdem eine, wie es schien, amtliche Mit- theilnng den Ferienterniin bekannt gegeben hat, da schweigenalle Flöten" und da» mit Unrecht. Gerade jetzt ist es au der Zeit, eine Aenderuug in der Ferienordnung kategorisch zu fordern, und dazu haben die Ellern der Kinder nicht nur ein Recht, sondern sogar die Pflicht. Was sollte nun gefordert werden? Diese Frage findet ans den OornuSgegangeiien Eingesandts die verschiedenste Be­antwortung. Allein maßgebend sollte die Ferienordunug der höherer. Schulen sein, selbst unter der Bedingung, daß ber Termin derselbe» nicht der günstigste wäre. Bekanntlich werden die Ferien ber höheren Schule» nicht von dem Direktor ber Anstalt, soubern von dem Proviuzial-Schnlkolleginm festgesetzt und zwar nach bestimmten An- weisunge» ans dem Ministerium. So kann beispielsweise hier mit« getheilt werbe», daß bie viekgewünschte»Juliferien io halb nicht be­willigt werben und zwar aus bem einfachen aber stichhaltigen Grunde, Wei! bis jetzt schon z» viel höhere Lehranstalten ihre Ferien im Juli

Aus Stadt und §and.

Wiesbaden, 4. August.

Kaifernranover. Einer besonderen Auszeichnung fann sich die Musik des Regiments v. Gersdorff (Hess.) Nr. 80 rühmen. Dieselbe ist nämlich dazu ausersehen worden, während der Anwesen­heit des Kaisers in Homburg v. d. H. im Kgl. Schlosse daselbst die Tischmusik auszuführen.

$leid)el)aUen-®l|»»t<r. Das Speziasitäten-Thealer an der Stiststraße hat nach sechswöchiger Pause am verflossenen Sonn­tag seine Pforten wieder geöffnet. Während der Ferienzeit ist der Theatersaal, wie schon erwähnt, vollständig neu hergerichtet worden und er macht nun in seinem Hellen, mit Malereien verzierten Gewände einen viel frenndlicheren Eindruck al» vorher. Das zur Eröffnung der neuen Saison gewählte Programm verzeichnet Namen, die in der Artistenwelt einen guten Klang haben. Herr Direktor Hebing er hat damit wieder gezeigt, daß er bestrebt ist, nur das Beste zu bieten. Von Spezialitäten finden sich darunter einige ganz hervorragende -Nummer»". Mr. Cauova prodnzirt sich als Schlangenmensch. Er versteht es, feinerKunst" ganz neue Seiten abzugewinnen und fein Auftreten interessant zu gestalten. Ebenso originell sind auch feine Produktionen alsAmerican Flying-Ring-Performer, zu deutsch Ringturner. Dasselbe kann auch von dem Kunst-Radfahrer Mr. E. Daßlo» gesagt werden. Die fünf Schwestern Franklin sind brillante Turnerinnen an den römischen Ringen. Ihre Einzel- übnngen wie Gruppirungeu zeugen von großer Kraft und Gewandtheit und entbehren nicht der Anmuth. In diese Reihe von Spezialitäten bringen sodann die fesche Soubrette Fräulein glora Fleurette, der als Originalhumorist bekannte Herr Louis chweigel und die Gesangs-Dneltistiuneii Schwestern Lenz die an- geuehiuste Abwechselung. Daß die Wiedereröffnung desReichshallen- Theaters" in dieser sonst so theaterlosen Zeit vielfach als eine große Annehmlichkeit empfunden wird, zeigte der sehr zahlreiche Besuch am Montag Abend recht deutlich. Das Publikum, unter dem sich viele Fremde befanden, schien von ben Darbietungen sehr befriedigt und spendete dafür lebhaften Beifall.

Die Sdjlußpriifunam für da» Schuljahr 1896/97, die eine Fortsetzung der zu Ostern abgehalteuen Hauplprüsnugen bilde», finde» im Freudenbergschen Konservatorium (Direktor: Albert Fuchs) kommenden Mittwoch, Donnerstag, Samstag und Montag im Saale des Instituts, Rheinstraße 54, statt. Der Ein­tritt ist frei gegen Vorzeigung der in den hiesigen Musikalien­handlungen und im Biireau des Justitns gratis erhältliche» Programme. (Nälteres im Jnserateutheil.)

-. Ein- MeNnhr, nach vierjähriger Arbeit von dem Mechancker August Noll in Villingen im Schwarzwald vollendet, wird eben im Tratibeukurlokole in der Alten Kolonnade gezeigt. Diese» sinnreiche Werk ist 4,5 m hoch und 4,2 m breit und macht in seiner Erscheinung den Eindruck, als wäre es da» Abbild einer im frühe» Renaissancestil erbauten Kirche mit Mittelbau und Kuppeldach, Hauptportal, Nebengebäuden, Seilenportalen rc. Ohne den Eindruck des Ueberlabenen zu machen, ist tiefer Van mit vielen beweglichen Figuren ausgestattet, welche, verbunden mit sinnreichen mechanischen Apparaten, hi Thätigkeit treten. Es ist Alles so berechnet, daß ohne jedes Abänderu das Werk auf 100 Jahre hinaus die Sekniideii, Minuten, Viertelstunden und Stunde», Tage, Wochen, Monate, Jahre, die beweglichen Fest- zeite», einzelne Woinente aus Tages- und Jahreszeiten und Ereignisse aii8 dem Leben Jes» :c. angiebt und vorsiihrt. Die einzelnen Figuren, besonders Christus, die Evangelisten, Apostel, Trompeter von Säklingeii und Jahreszeiten sind treffliche Gebilde ber Bild- schnitzerknust. Eine prächtige Scene ist'», wenn sich Morgens 9 Uhr bie zwei Psorten am Hauptportal öffnen und das Innere einer Kirche mit beweglichen Figuren sich zeigt uub feierlich »nd voll ein schöner Choral ertönt. Das große, im Innern angebrachte Musikwerk läßt bri den verschiedenen Anlässen im Ganzen 16 verschiedene Musikstücke ertönen. Anmuthend und wieder zu ernstem Nachsinnen anregend ist's, meine man an demSensenmann Tod" Kind, Jüngling, Man» und Greis vorüberziehen sieht und der Tod endlich, beim Greis, die Senfe hebt! Im Leben komml's oft anders vor! Im Frühling ruft der Kuckuck, Nachts tutet der Wächter, Morgens kräht der Hahn und de» zur Waldklause pilgernden Kapuzinern läutet ein Glöcklein und ruft ans der Ferne der Choral; Allen aber schlägt ein Engel die guten Stunde». Der Freund der Himmelskuiide findet neben all diesem

: * Uel-er die Reisekosten Kaiser Wilhelms wird der

k »dranff. Ztg."vom Main" geschrieben: Während in Bayern die steifen, die der Prinzregent mittels Hof-Sonderzügen aussührt, l fio^id) taxfrei sind, wird in Oesterreich und in Preußen bei Reisen : bes Kaisers und der Kaiserin die übliche Taxe berechnet. Die Be- - rcchnuug der Taxe für Reisen des dentschen Kaisers erfolgte I «^ln'ätnl >n der Weise, daß für eine Maschine pro Kilometer ^1 Mk. 20 Pf., für eine Vorspannmaschiue 80 Pf. pro Kilometer, für lebe Achse eines Salon- und Schlafwagens 40 Pf. und für jede Achse eines ® pack- oder Küchenwagens 20 Pf. pro Kilometer erhoben wurden.

I der ganze Kaiserzug bei offiziellen Reifen 12 bis 14 Wagen zählt, | Son denen drei je sechs Achsen, die übrigen aber alle vier Achsen I- ??den, somit zwei Maschinen immer nöthig und ca. 60 Achsen im e ouge sind, so betrugen bisher die Kosten für einen kaiserlichen fiof« | gfl etwa 24 Mk. pro Kilometer, demnach bei 100 Kilometern Bgw Mk.; meistens durchfährt aber der Kaiser viel größere Ent- - »rnungen, und man geht daher nicht fehl, wenn man die Kosten einer M Sahrt auf ca.5000Mk. bemißt, wobei natürlich Verpflegung, Trink- SP« an das Bahnpersonal -c. noch nicht inbegriffen find. In neuerer seit wurden nun auf den preußischen Staatsbahnen die Taxen ab« L Mindert und werden nunmehr in der Weise berechnet, daß für t l®en Salon- und Schlafwagen je 10 Fahrkarten 1. Klaffe bezahlt [ ®?r-en; für die neben ben Salon- und Schlafwagen im Hoszng Mausenden Küchen- und Gepäckwagen wird von nun an keine l «ebübr mehr erhoben. Hierdurch verringern sich die Koste» der Mrliche» Reisen ganz wesentlich; immerhin haben die preußischen Matsbahnen bei den viele» auf weite Strecken sich ausdehnenden ^M-n des Kaisers auch nach Eruiäßignng der Taxen davon eine sehr r beträchtliche, weit über 100,000 Mk. pro Jahr betragende Einnahme. I-. * Rudolf Falb über die Fahrt Andrees. Auf eine nfrage desBochumer Anz." hat sich der populäre Wetter- Mhrte wie folgt geäußert:Sie fragen mich um meine Meinung LfWlicf) der Lustballoufahrt Andröes. Ob es wohl überhaupt WhUch ist, daß der Ballon genau über den Nordpol getrieben

Verlag: Langgaffe 27.

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45. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Psg. monatlich, durch die Post 1 Mk. GO Psg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.