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Verlag: Langgasse 27,

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Donnerstag, den 15. Julr

Uo. 323

Vezirks-Fernsprecher No. 52.

Vezirks-Fernsprecher No. 52.

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Eine reitgemäffe Warnung erliefe die Polizeiverwaltung üilfit; sie Inuttt:ES ist Seilens Der Vierverkänser wiederholt

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nur in den geringsten Lagen haben die Nachzügler noch damit zu tinin. Die Blüthezeit der Neben betrug Heuer 16 Tage. Hinsichtlich der Kürze wird dieselbe, wenn mau die letzten 30 Jahre in Betracht zieht, nur von dem Jahre 1889, in welchem die Blüthe- zeit der Neben nur 12 Tage währte, überholt. Wäre in diesem Jahre nicht das naßkalte Wetter vom 17. bis 21. v. M. zwischen die Blülhezeit getreten, so hätten wir die kürzeste Blüthe seit 30 Jahren zu verzeichnen. Diejenigen Gescheine, welche an den genannten kritischen Tagen iu Blüthe standen, haben ohne Bc- srnchtnng verblüht, und wenn man jetzt eines dieser Gescheine, welche eine dunklere Farbe zeigen wie die Übrigen, mit dem Finger belnpst,indem man die hohle Hand unterhält, so fallen die unbefruchteten Becichenab. Die Verlustziffer wird mit 10 pCt. nicht zu hoch gegriffen fein. Die kurze Blüthezeit ist der Qualität güiistig. Die Trniibcheu wachsen bei dem schwülen, sonnigen Wetter, bei genügender Bodensenchtigkeit rasch voran. Der Ansatz ist für nahezu so viel SBciu, wie im Vor­jahr, vorhanden; die Güte hängt hauptsächlich vom September- lind Octoberweiter ab.

Die sorinlpolitische Bedeulnng des Fahrendes wird in den neiieften Berichten der preuhischen Gewerbe-Aufsichtsbeamten gewürdigt. Der Gewerberath für den Regierungsbezirk Liegnitz erklärt es als für die Hebung der wirthschaftlichen und sittlichen Verhältnisse der Arbeiter beachlenswerlh, daß das Zweirad all­mählich auch bei der Arbeiterschaft Eingang findet, um den Weg zu und von der Arbeit zu beschleunigen. Besonders ivird diese Gelegenheit von solchen Arbeitern beniitzt, die in der Nähe größerer Städte ei» Häuschen und Gartenland ihr eigen nennen. Dank den Fahrrädern ist es ihnen ermöglicht, nach der Arbeit iu den Fabriksälen noch eine wohlthätige Beschäftigung iu Land und Feld zu verrichten und die Last der Bewirthschaflnng, die sonst auf den Schultern der Frauen allein ruht, diesen zu erleichtern. Der Gewerberath für den Regierungsbezirk Hildesheim und Lüne­burg hebt besonders hervor, wie eine Göttinger Firma durch Be- fchaffllng von Fahrrädern versucht war, den Arbeitern bistiges und gesundes Wohnen zu erleichtern. Ten Arbeitern wurden Fahr­räder zu einem ausnahmsweise billigen Preis geliefert, die Firma hat es sich jedoch aiiSbediingen, die Räder zu demselberi Preis wieder ziiriickkanfeii zu können, wenn die Arbeiter sie nicht mehr be- tlutzeti wolle».

45. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, durch die Post 1 Mk. 60 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben ziifammen.

in

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Kleine Chronik.

In Coblcnz erschoß sich der Sekondelieiitenant Brixseld vom Feld-Arlillerie-Regiment Nr. 23 in seiner Wohnung.

In Erzhausen (Hessen) wurden dem etwa 20 Jahre alten Sohn des Stalioiirbeamten Knör ein Arm und ein Bein ab­gefahren, außerdem wurde er am Unterleib schwer verletzt. Der Verunglückte war aus dem Sängerfest in Egelsbach und benutzte als Heiniweg den Bahndamm. Hierbei wurde er nm bieJIfiitter» Nachtstunde von dem Güterzug Heidelberg-Frankfurt überfahren. Die Amputation soll einen günstigen Verlauf nehmen.

Ein ergötzlicher Streik ist in dem Dorfe Nohra bei Erfurt aiisgebrocheii: ein Gänsehirtenstreik. Die Hirten verlangen einen höheren Lohn. Vier Gänfetiirlen kamen und gingen schleunigst wieder. Nun lausen die 200 Nohraer Gänse zumeist un­beaufsichtigt umher und richten aus Feldern und in Gärten mehr Schaden an, als eine höhere Lohnbewilligniig ansmachen würde.

Einem Berliner Komiker ist der letzte Vers des harmloS- scherzhaflen Couplets mit dem Refrain:Kinder, Kinder, wie soll das noch enden?" von der Censur gestrichen worden. Es beißt daselbst nach einer witzig fein sollenden Schilderung der Wirkens der drei ersten Reichskaiizler:Bald wird man uns den vierten Kanzler senden, fliuber, Siiiber, wie soll baS noch enben?" Das Coiiplet wurde mitsammt der verpönten Strophe lange Zeit anstandslos iu allen Spczialitäten-Lokale» vorgetragen und hat offenbar erst, feit er durch die jüngste Regieriingskrisis aktuell ge» worden, da« Mißfallen der Behörde erregt.

Weil er ein von der Post adgeholte« Packet verloren, hat sich in Berlin der 14-jährige Lauf bursche Arthur G. in einem Arbeitrraume seines Prinzipals, eines Uhreiifabrikaiilen, mit Chankali vergiftet. Er fand auf der Stelle den Tob.

Dr. Bruno Wille aus Berlin wurde aus der Haft in Graz entlassen, nachdem Konstantin Reher eine Kaution von 2000 st. für ihn erlegt hatte. Die Vertheldigung übernahm ein Grazer Advokat.

An der Mittheilnng über die Verhaftung russischer Stiibeiiten in Charlottenburg soll nach der .Cbailoiieii- bnrger Zeitirng" nur soviel Wahres fein, daß in der That ein russischer Sliidireuder der Techiiischen Hochschule verhaftet ist, der in Berlin seinen Wohnsitz hatte.

Eine prähistorische Grabstätte wurde dieser Tage unweit Aschaffenburg von Herrn Hauptmann a.D. Haxthausen ausgesunden. Die mit wisseuschastlicher Sorgfalt gesammelten Fundslücke sollen eine sehr bemerkenswerthe Bereicherung des prähistorischen Materials bilden und für bas Mainthal unb ben Spessartranb von besonderer Bedeiitung fein.

In dem bekannten Prozeß des Sänger» Alvary wegen des Unfälle auf der Mannheimer Bühne hob das Obeilandes- gericht das freifprecheiide Urlheil auf. Demzufolge sind die Stadt Maniiheim unb der Intendant Prafch für beu entstandenen Schaden Herrn Alvary haftbar.

Ein Comitö in Nürnberg, bestehend au» den Herren S. Brunner-Furth, Maler Jean Bungartz-Lecheiiich unb J.Zrenner» Niirnberg, theilt mit, baß es in München währenb beS Oetober- festes znm ersten Mal inDeritschlanbeiuegroßeJnter uatio nale Katzen au sstellting veranstalten werbe.

DiePsälz. Pr." meldet: Die Strafkammer in KaiferS- lautern verurtheilte nach sechsstündiger Verhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit slattsand, den Pfarrer unb Schnl- inspektor Kappesser in Alsenborn wegen fortgesetzter Verbrechen wider bie Sittlichkeit zu 2 Jahren Zuchthaus unb 5 Jahre» Ehrverlust.

Ein souberbares Brautpaar wurde dieser Tage in Kandern (Baden) getraut: der Bräutigam ist 30 Jahre, die Braut 80 Jahre alt.

Aus 111 m meldet dasDeutsche Volksblall": Gestern wurde iu der Feldartillerie-Kaserne ein Ulmer Bürgersohn mit einem Franzosen verhaftet, bie sich ber Spionage schuldig gemacht Haden sollen.

Al« während einer Verhandlung wegen Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt vor dem Schöffengericht in Posen ein Schöffe nieste, rief ein im Znschanerraum befindlicher Arbeiter:Profil!" Wegen Uugebnhr>or Gericht verhängte hierauf derVorfitzende Über beu vorlauten Rufer eine dreitägige Haft» ft r a f e, zu deren Verbüßung derselbe sofort abgesührt wurde.

Einen recht-dummen Spaß Hai sich unlängst ein Tropf gemacht, der einen polnischen Arbeiter, der nicht lesen noch schreibeit kann,an Stelle eines richtigen Antrages, folgende Eselei im Polizeibüreau zu Prenzlau übergeben ließ:Ein tiefgebeugter Pollack bittet unierthäuigst um eine kleine körperliche Züchtigung oder um freie Wohnung hinter Schloß und Riegel. Meine Rosa mochte auch gern getnißhaiibelt haben, bitte bestellen Sie dieselbe. Wir bitten tüchtig anzn drücken."

In der Nahe von Pisa überfuhr ein Eisenbahnziig ein Gefährt mit vier Jnsaffen, von denen zwei sofort lobt blieben unb bie übrigen schwer verwundet wurden. Die Bevölkerung des nächstgelegenen Orts Riglioni griff darauf den Zug mit einem Steinhagel an und zwang das Ziigperfotial zur Flucht. Die herbei- eilende Gendarmerie mußte mehrere Schüsse auf die Dorfbevölkerung abgeben, ehe ber Zug befreit werden konnte.

Nach derN. Fr. Pr." ist der vom Gstatterboden ab gestürzte Schweizer Gude urcht tobt, wohl aber schwer verletzt. Der atibert Tourist, Keitel aus Wien, ist nur leicht verletzt unb wurde bereits heute Abend nach Wien befördert. Nach dem genannten Blatte soll übrigens auch Gude ein Wiener fein.

Der Steiierkommissio» von Altstätten (St. Gallen) ist letzt­hin eine seltene lleberrafdjuiig zu Theilgeworden. Saßen da bie Steuerherreu bei einander, prüften unb wogen bie Steuerzahler ab, schraubten die einen nach oben, begünstigten die anderen mit Nachlaß. Als nun Soll und Haben genau erhoben waren, zeigte es sich, daß das Steuerkapital der Gemeinde Altstätten um 4»,000 F res. zu kurz war gegenüber dem Vorjahre. In dieser Noth trat ei» Bürger vor und erklärte, bie fehlende Summe als Mehrbesteiieruiig für sich zu übernehmen. Alle Achtung!

Der Hochherzige, ber für die Lütticher Weltausstellung 200,000 Francs zeichnete, ist ber Präsident Marquet des Namtlrer Spielkltibs, ber auch das Geld zur AnSlöhuung der ein­gegangenen Lauboiixfchen Glasfabrik Jumet vorstreckte. Belgische Spielreklame!

81118 Fiume wirb vom 12. b. M. berichtet: Gestern Abend wurde in Söiiccari bei Fiume ein fünf Meter langer, 200 Kilo­gram m schwerer Fahnen fisch gefangen. Das Pracht­exemplar wirb heute nach Triest geianbt.

Bei ben letzten Wahlen in Galizien sind nach den Berichten polnischer Blätter 8 Personen getöbtet, 29 verwunbet worben. 804 Mann würben verhaftet und davon 143 zu inSgesammt 65 Jahren 8'/« Monat verurtheilt.

Klage darüber gefühlt worden, daß die von ihnen ausgeliehenen gefüllten Flaschen in einer großen Anzahl von Fällen nach Ent­leerung nicht wieder zurückgegeben, sondern von den betreffenben Inhabern zum persönliche» Gebrauche, insbesondere zur Auf­bewahrung von Stoffen verwendet werden, welche geeignet sind, das eventuell später wieder in die Flasche gestillte Bier zu verderben oder seine Güte zu verringern. Wir waruen vor einer derartigen Benutzung ber fremden Flaschen, die eventuell als rechtswidrige Zueignung angesehen werden unb eine Strafverfolgung aus § 246 des Neichs-Strasgesetzbnche» nach sich ziehen könnte, unb richten an bas Publikum, insbesoubere au bie Inhaber offener Geschäfte, iu denen derartige Flaschen zur Empfangnahme von Flüssigkeiten hiu- gegeben werden, das Ansuchen, im eigenen Interesse diesem Unwesen enlgegeuiutrelen."

Gingegangen find bei dem Verlag desWiesbadener Tagblatt" ferner für die Hinterbliebenen des verstorbenen Veteranen in Niederfeelbach von Fran M. R. 2 Mk., I. F. K. 2 Mk., von Jörg, dem Minnesänger, durch die Post 4 Mk., durch Vermittelung des Herrn Kausman» Louis Schild,Langgasse 3, von Ungenannt 1 Mk. 50 Pf.; für die vom Unwetter heim- gefuchten Württemberger von A. M. 3 Mk., Ungenannt 5 Pik. Herzlichen Dank!

Uer eins - Zlachrlchten.

Kurze sachliche Berichte werden bereitwilligst unter dieser Ueberschrist ausgenommen.

* Das am verstoffenen Sonntag von berFeuerwehr- Abtheilnng des Turn-VereiitS" veranstaltete Sommerfest aus dem Turnplatz (Atzelberg") nahm, begünstigt vom ichönsten Wetter, einen guten Verlaus. Das Fest hat bewiesen, daß bie Feuerwehr neben ihrer ernsten Arbeit es auch versteht, ihren An­gehörigen unb Freunden heitere Stunden zu bereiten. Hauptsächlich wurde den Kindern Rechnung getragen, inbem Volksspiele, Wett­laufen 2C. abgehalten wurden. Die größte Freude machte jedoch ben Kleine» bie große Fahnenpolonaise, an welcher ca. 250 Kinder Theil nahmen. Hierauf folgte die Lerloofnng zweier Schäfchen. Die unter der vortreffliche» Leitung des Herrn C. Schauß stehende (Sefangriege desTurn-VereuiS" verherrlichte das Fest durch Vor­trag mehrerer Chöre. Auch das unvermeidliche Tänzchen fehlte nicht. Man trennte sich erst in fehr vorgerückter Stunde mit dem Wunsche, bald wieder ein so schönes Fest im Kreise ber Feuerwehr verlebe» zu können.

Stimmen ans dem Publikum.

(Für lSereffentlichunge« unter dieser Ueberschrist üOetuiuimt die Setatlioii keinerlei Beminworiuug.)

* Geehrte Redaktion! Sie würden mich zu Dank verpflichten, wenn Sie bie Frage aiiregcn wollten, ob es gesetzlich zulässig ist, daß in ber jüngsten Vorschulklasse zur Oberrealschttle (Oraiiienstraße) 62 Schüler von einer einzigen Lehrkraft unterrichtet werden So viel ich weiß, ist das gesetzlich nicht fiatlhaft, unb vom pädagogische» Standpunkt aus muß es erst recht mißbilligt werde». Ist es aber gesetzlich unzulässig, so bitte ich mir weiter bie Frage zu beant­worten, wer für biefen unhaltbaren Znstaub verant­wortlich zu mache» ist. Die Tüchtigkeit des betreffenben Lehrers wirb ganz und gar nicht bestritten, aber es ist ganz unmöglich, baß ber tüchtigste Lehrer im Sianbe ist, 64 Knaben, die meist ohne jede Vorbildung unb mit geringem Ernst aurgestaitet eiiitraten, genügend zu überwachen, geschweige genügend zu unter­richten. Tie Folgen sind leicht erkennbar: schlechte Körperhaltung, unzweckmäßige Arm- unb Handhaltnug beim Schreiben, sehr lang­same Fortschritte im Schönschreiben, im fielen :c. (manchmal kommt ein Kind iu ber Woche nur zweimal zum Vorlesen),und dies Alles würde sich noch in viel schlimmerer Weise zeige», wenn bie Eltern burch energisches Nachüben zu Hause nicht bemüht sinb, bie Ver- sänmuiß ber Schule möglichst anszugleiche». Ich frage aber: Haben die Behörde ober bie Schule ein Recht bie« zu fordern, ober haben die Eltern das Recht zu fordern, daß ihre Kinder gerade bei bei» überaus wichtigen Anfangsunterricht ausreichend unterwiese» unb geleitet werbe»? Ich will nicht berechnen, welche Ausgabe eine Elementarlehrkraft bei zwei- bis höchstens breiftünbigem Unterricht am Tage beansprucht; daß aber bieie Ausgaben, selbst wenn bie Klaffe getheilt wird, in keinem Verhältuiß zu beu Einnahmen burch biete Klaffe flehen, bas wirb Jedem klar, der 64 mit 96 Mk. multiplizirt. Hoffentlich findet ber besprochene Hebel staub recht halb eine Abstellung burch bie betreffende Behörde! LI. W.

' Die Zersplitterung des Grundbesitzes.

An die Besprechung eines Werkes über Erbrecht und Erbsilten im Oberlandesgerichts-Vezirk Frankfurt a. M. wurde in berTägl. Rnnbsch." ber Vorschlag geknüpft, bie kleinen Grunbstücke zwecks " Schaffung eines kern hasten Bauernstandes zusammenzulegen. Wenn auch bie Schilderung ber großen Mängel, welche einer Zersplitterung ' des Grundbesitzes anhaften, als zutreffend zu bezeichnen ist unb bie Loriheile von Verkopplungen (bezw. Feldbereinigungeii) nicht zu verkennen sind, so ist, so wirb von fachmännischer Seite erwidert, doch von dem obigen Vorschlag entschieden abzurathen, da die Zer- üücklnng des Grundeigenthums außer ben Mängeln auch Vortheile k ausweist, Vortheile, welche die Mängel bei Weitem an Wichtigkeit k ' überrage». Was würde durch Verwirklichung des Vorschlags er­reicht werden? Zunächst würde offenbar die Anzahl der ländlichen Grnndbesitzer ganz erheblich verringert werde». Daß es beu neu- geschasfenen Bauer» in dem mit Ausnahme ber Wiesengründe wenig fruchtbaren unb sehr schwierig zu bearbeitenden, und doch oft recht lljeuren GebirgSgelände des Taunus und WesterwaldeS besser ergeben sollte, als anderswo, erscheint äußerst fraglich. Mag es aber immerhin angenommen werden. Wo bleiben aber bie anberen Land­bewohner, welche bie Mehrzahl hüben? Nachdem ihnen ihr Grniid- : rigetilhinn genommen und ber Erwerb eines anderen verschlossen ist, V haben sie keine Veranlassung, auf dem Lande wohnen zu bleiben. Sie werden vielmehr an bie Stätte ihrer Arbeit, in die Stadt, lieben. Hier wird sich bann im Großen unb Ganze» dasselbe Elend wiederholen, das in ben östlichen Städten Deutschlands häufig herrscht und für das Allgemeinwohl eine so schwere Arbeit I bildet. Wohnt ber Stadtarbeiter auf dem Lande, wie dies im weiten Umkreis von Frankfurt a. M. fast ausnahmslos ber K , Fall ist, so ist er, ba er sozusagen auf zwei Beinen steht, vor der größten Noth geborgen. Findet er nicht genfigenb Arbeit, braucht feine Familie nicht gleich betteln zu gehen, bas kleine Auwefeu sie iiothdnrstig ernährt und die WahuungSforge ansschließt. Tritt dagegen eine Mißernte ein, fo verfügt der Arbeiter noch über Mittel aus seinem Stadtverdienst. Der auf dem Lande wohnende i Arbeiter ist daher besser gestellt, alB ber in ber Stadt wohnende, ; Und besser als berfianbmanit, welchen eine Mißernte ruiniien kann, i. Aus diesem Grunde suchen bie noch in ber Stabt wohnenden | Arbeiter möglichst anss Land hinauszuziehen und bie fiaubdewohuer in ber Stadt Arbeit zu erhalte». Liegt ber Wohnort nahe ber s Stabt, kehrt der Arbeiter täglich heim, bei weiterer Entfernung '' (bis zu zehn Meilen Eisenbahufahrt) wenigstens über Sonntag, unb nur bei ganz entlegener Wohnstätte ober, wenn es das Geschäft verlangt, bleibt der Arbeiter über beu Sommer aus. Es flieht wohl noch einzelne Besitzer, in beu von Bahnen noch wenig durchzogenen Gebieten auch ganze Dörfer, welche ausschließlich von der Landwirthschaft (Viehzucht) leben. Es ist aber unzweifel­haft, daß bie oben geschilderten Verhältnisse sich innerhalb ber nächsten Jahrzehnte auf alle Ortschaften ausgedehnt haben werben, ba dieser Entwickelungsgang naturgemäß unb durchaus gesund ist. Au eine Sachsengängerei darf man hierbei übrigens nicht denken. Die Leute arbeiten nur feiten als finnbarbeiter (welche ans der Rhön kommen), meist alsBnuhanbwerker, Bergleute, Fabrikarbeiter, Kellner, Hausirer und dergleichen. Dabei hat es sich herauS- geblldet, daß in der Regel das ganze Dors ein Geschäft betreibt. So liefert z. B. der Flecken Laufenselden im Taunus bie Kellner unb Kellnerinnen für bie Badeorte, die Stabt Elz im Westerwald die Seil- - länger, überhaupt Jahrmarktsleute für den ganzen Nordwesteu Deutsch­lands. Ganze Gegenden sinb von Maurern, andere von Hausirern be­wohnt. Daß diese Leute in den Städten auch mancher Gefahr ausgesetzt : sind, soll nicht bestritten werde». Wird diese Gefahr aber ver- | mindert, wenn die Arbeiter bnnernb, auch in ber arbeitslosen Zeit, t in ber Stadt leben? Jedenfalls haben bie Arbeiter, welche nach p- Frankfurt a. M. unb ben benachbarten Städten zur Arbeit fahren, f fid) große Strebsamkeit und Nüchternheit bewahrt. Sehr zu be- | dauern wäre eS, wenn diese durchaus gesunden Verhältnisse durch I- das Bestreben, leistnugssähige Landwirthe zu schaffen, geändert | würden. Betrachte mau doch diese kleinen Besitzer nicht als fiatib- f leute, sondern als Handwerker und Arbeiter, unb man wird sich 1= freuen, baß hier zum größten Theil schon erreicht ist, was man l anderwärts mühsam anstrebt: bie Arbeiter seßhaft zu machen.

Anzeigen-Pe-tsr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. iKedanien bie Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Aus Stadt mrd Land.

Wiesbaden, 15. Juli.

5tv Alterlhnms-perei» veranstaltet am kommenden Samstag, den 17. Juli, einen Ausflug nach Eberbach. Die Abfahrt findet um 2 Uhr 38 Minuten vom Rbeiubahnhof ans statt. Von Hattenheim aus gebt es zu Fuß oder per Wagen (Anmeldungen für letzteren sind int Alterthumsmuseum zu machen) nach dem Eud- : ziel. Auch Tarnen und Gäste können sich dem Ausflug aiifchließen.

Ein interessanter Prozeß. Vor etwa Jahresfrist flieg t in einem Gasthofe der Rheinstraße iu Mainz ber Reifende einer tzHabrik bei Cassel ab, verweilte mehrere Tage und erklärte bei ber Abreise, feine auf etwa 65 Mk. angewachsene Rechnung nicht be- Ulüleichkii zu können. Auf freiwilliges Änstehen ließ er seinen Mnster- V koffer als Pfand zurück mit dem Bemerken, solchen in den nächsten lagen ei »lösen zu wollen. Statt dessen erhielt jedoch ber Gastwirth nach einigen Tagen von ber Finna, für welche ber Mann gereist E-satte, die Aufforderung, ben Koffer birekt an sie einzusenben, unb als fr'wr Wirth bnrauf erwiderte, er werbe ben Koffer mir gegen Bezahlung | feiner Rechnung herausgeben, kam bie Drohung mit Klage auf Schaden­ersatz, welche bald daraus auch eingeleitet wurde. Die erste Instanz wies > die klägerische Firma mit ihrer Klage ab unb verurtheilte sie in bie »osten. Das Oberlanbesgericht iu Darmstadt fällte jedoch ein Wrtheil dahin, daß die Fabrik, ba sie durch den Nichtbefitz ihrer i Aueste» Muster, welche sich iu dem Koffer befanden, in ihrem Geschäftsbetrieb geschädigt fei, bie Berechtigung habe, vom Wirthe f |-e Entschädigungssumme von 5000 Mk. nebst ben entstanbeneu ^Prozeßkosten zu Bedangen. Nunmehr »ahm der internationale t Hotelier-Verband und bet Verband deutscher Gastwirthe die An« LMeaenheit in bie Hand und appellirte, um einen Präjudizsall zu Mjbdffe», an bas Reichsgericht, auf dessen Spruch mau i» ben be- l wfftnben Kreisen lehr gespannt ist.

lieber Die Beendigung der Nebenbluthe im Rtzein- 6«tt veröffentlicht Herr Weingutsbesitzer W. Rasch in Oestrich im ß--Rhg. Dgfr." folgcnbe Beobachtungen: In ben besten bis mittleren Wagen kann bie allgemeine Blüthe als bcenbigt angesehen werde»;

für die Abend-Stnsgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr 'übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

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