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No. 324. 45. Jahrgang.

Wiesbadener Tagblatt <Abend-AnSgabe). Verlag: Langgaffe 27.

15. Juli 1897. Geil- 3,

H40 Silben pro Minute) wurden 42, in der 2. (160 Silben) 21, uub in der 3. (180 Silben) 16 Arbeiten abgeliefert. lieber das Er» grbnig wird bekannt, daß im Ganzen 12 Arbeiten durch Geldpreis« und Diplome ausgezeichnet worden sind, wovon 9 nach dem System Babelsberger und 3 nach dem System Stolze geliefert worden waren. An Gabelsbergerianer fielen in der 1. Abtheilung der erste, zweite und dritte Preis, in der 2. Abtheilung der erste, zweite, dritte und fünfte Preis, in der 3. Abthriluug (180 Silben) ein erster und ein zweiter Preis. Die Stolzeaner mutzten sich mit dem vierten und fünften Preis in der 1. Abtheilmig und mit dem vierten Preis in der 2. Abtheilung begnügen. Alle anderen Systeme gingen vollständig s«r aus. Ties Ergcünitz ist ein füi die GabclSbcrgersche Schule hocherfrculiches.

yro eins Ueberschreitmrg der hächstrn Zahl von Bdjiikrn in einer Klasse zu verhüten, haben die prentzifchen roviuzialschnlkollegien die Direktoren sämmtlicher höheren Lehr- kcitflalkn angewiesen, grundsätzlich jede llcbcrschreitung derWaximal- ^-zahlen (50 in VI. und V., 40 in IV. und III., 30 in II. und I.) zu verhüten, tiameutlich aber alle Nenausnahmen zu unterlassen, sobald durch diese die Höchstzahl einer Klasse überschritten würde.

. Warme Kader im Kommer. Mit dem Beginn der warmen Witterung erfahren die warmen Bäder im Allgemeinen von Seiten der Menschen eine gewisse Vernachlässigung, welche zumeist der Erfrischung, die uns ein kaltes Bad gewährt, zugeschrieben werden darf. Indessen sollten warme Bäder auch während der Sommerzeit nicht ganz aufgcgebcn werden. Nach Brann erfrischt das warme Bad durch die Erleichterung der Funktionen de» Körpers, das kalte Bad durch Anregung derselben und beider bedürfen wir im Sommer ebenso dringend, wie im Winter. Gerade während der heitzen Jahreszeit geräth die Haut, der natürliche Wärme- regulator des Mcnscl)en, leicht in Gefahr, durch den sich auf den Sekreten der Talg- nnb Schweißdrüsen festsetzenden Staub mit einer Kruste überzogen zu werden, welche eine Störung in der Wärmeregnlirmta des ganzen Organismus herbeisührt. Dieser llebelstand wird durch ein warmes Bad beseitigt, welches gleichzeitig die inneren Organe von Blut entlastet und eine gleichmäßige Ler- theilnug desselben bewirkt. Nach anstrengender Arbeit oder weiten Märschen ist ein warmes Bad von stinkender Wirkung, es vermag dar Gefühl der Ermüdung sofort zu bannen und dem Körper neue Spannkraft zu verleihen.

Kandrlorrglster. In unser Gefellschaftsregister ist die hierfelbst errichtete offene Handelsgesellschaft in FirmaA. Statt- m a n n u. Co." mit dem Bemerken eingetragen wordeir, daß Gesell­schafter derselben 1. der Kaufmann Ferdinand Stnttmann von EnsiSheim im Elsaß und 2. Ingenieur Alexander Stnttmann in Nüsselsheim a. M. sind und daß die Gesellschaft am 1. Juni d. I. begonnen hat.

Wlkvikl Krone» braucht man zur Herstellung der Kaiser Wilhelms-Erinnerungsmedaille und wieviel Meter von dem apfelsinengelben Baude, fragt dieNat.-Ztg." und macht folgende Nechnung aus: Nach dem Etat für 1897/98 zählte das deutsche Heer 594,894 Köpfe, die Kriegsmarine 21,834 Köpfe, also beide zusammen 616,728 Köpfe. Nun wiegt eine Medaille mit Ning 35 Gramm, 616,728 Medaillen haben also die Kleinigkeit von 431 Ceutner 64 Pfund Bronce. An Band benöthigte man für jede Medaille nach Vorschrift 20 (Zentimeter, für 616,728 also , 123,345,60 Meter oder rund 123,5 Kilometer.

,>Gi» Dienstmädchen fln de siede. DieLinzer Tagespost" erzählt unter diesem Titel folgende Geschichte: Ort der Handlung: Linz. Personen: Eine Frau, die einen Dienstboten sucht, ein Dienstbote, der eine Frau sucht, ein Dienstmann. Es läutet in der Wohnung der Fran; ein Dieiistmanu überbringt einen Koffer, eine Schachtel und ein Bicycle.Die Sach'n vom ueuch'n Mad'l bring i ..." Frau:Koffer und Schachtel?" Dienst- manu: . . und Bicycle." Fran:Und Bicycle? Kann doch nicht möglich sein. Sie irren?" Tieustmanu: ,,s' g'hört »' Fränl'n, frag'ns selbst, kommt eh' schon daher . . ." Dienst­mädchen mit wallendem Federhnt, Glacehandschuhen, Gazeschleier vor dem robusten Gesicht:Küßt d' Hand, guä' Frau, da wär ich!" Frau (rasch, nach kurzer Erwiderung):Sie, wem gehört das Bicycle, das der Dienstmann dahergeschleppt hat?" Dienst­bote (selbstbewußt):Gehört mir!" Frau:Um Gottes willen, zu was denn?" Dienstbote:In meinen freien Stunden fahre ich Nad!" Frau (nachdem sie sich vom Schreck erholt, znm neu ansgenonimenen Dienstboten):Klavier haben'S feine mit« gebracht? . . ." Wie weiter diese Dienstboteuposse, die vollkommen wahr ist und dieser Tage in Li uz zur Aufführung kam, endete, tveiß dieLinzer Tagespost" nicht genau, doch soll diese Magd baldigst den Nadpaß" erhaltm haben. Zu diesem Bericht macht dasWiener Extrablatt" folgende zutreffende Bemerkungen:In derLinzer Tagespost" findet sich eineköstliche" Geschichte. Nicht nur, daß sie kraft des ihr innewohnendeit Humors die widerstandsfähigsten Zwerchfelle erschüttert, sie ist auch riesig moralisch und legtZeugniß dafür ab, was für Umsturzbestrebungcn sich in den weitesten Dieustmädchenkreisen vorbereiten und wie dringend nothwendig es ist, llmstürzlerinnen zuzerschmettern". Mau denke nur: ein Dienstmädchen, das bei einer neuen Herrschaft eintreten will uudidcm ein Kommissionär mit dem Koffer ein Bicycle nach- schleppt! Die entrüstete Ueberraschuug der Hausfrau und die freche Unbefangenheit des radsahreiiden Dienstmädchens wird in saftigster Dialogsorm geschildert, und die Geschichte, die den geradezu selbst­verständlichen Titel:Ein Dienstmädchen fin de siede" führt, schließt i mit dem herzerquickenden Scherz:Die Magd soll baldigst den ; Nadpaß erhallen haben." Nachdem wir uns über die Sache /entsprechend ausgelacht und zu Ende entrüstet hatten, siel uns etwas ganz Merkwürdiges ein. Waruni soll eigentlich ein Dienstmädchen nicht Bicycle fahren? Ist das Zwei­rad wirklich ein unveräußerliches Menschenrecht der Hausfrancn und Dienstgeberinilcii? Und verdient eine Köchin, die auf den Raschmarkt radelt, deswegen denNadpaß"? Freilich köuncii solche Dinge nur am Ende des 19. Jahrhunderts Vorkommen. Denn beim vorigenEin do siäcle haben auch die Fraiien anderer Stände das Bicycle nicht gekannt. Wir finden es so riesig merkwürdig, wenn wir von denKlciderordnuugen" der deutschen Städte des Mittelalters lesen, in denen genau vorgeschrieben war, wie viel Ellen Seide, Sammet oder Taffet eine Nittersfrau und daun wieder eine Bürgerssrau tragen dürfe. Und nun will mau uns Bicycle-Ordnungen auszwingen, die das Dienstmädchen bei sonstigem Acht und Bann für radunfähig erklären! Nicht mit Unrecht hat man das Zweirad das richtige Beförderungsmittel einer demokratischen Zeit genannt, in der will­kürliche Standesniiterschiede und eingebildcte Schranken zu Fall kommen. Bor dem Bicycle sind alle Menschen gleich, und darum ist 'S modern im schönste» Sinne des Wortes. Leider sogar zu moder», denn unmoderne Mensche» darüber urtheilenl"

Gin eemrßnttr Sinbrnchsdiebstahl wurde heute Rächt in dem Geschäflslokal des Eiseuwaarenhäudlers Herrn H. A. Weygandt, Ecke der Weber- und Saalgaffe, verübt. Die Diebe nach Lage des Falle» scheinen es mehrere gewesen zu fein gelangten auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise.wahrfcheinlich mittels Nachschlüssels, durch das Thor in das Innere des Hauses und öffneten hier mittels Nachschlüssels nnb eines Stemmeisens die Bekleidung k>» Thür ist nämlich einige Hand breit fast vollständig weggestemmt die in de» Laden führende Thür. Hier öffneten sie, ebciifalls mittels Nachschlüssels und einer aus dem eigentlichen Verkaufsraum klerbeigeholten Spitzhacke, sog.Pickels", den Kasseuschrank »nd raubten die in demselben stehende Kassette vollständig ans. Ebenso plünderten sie die Ladenkasse, in der sich W Theil der Tageseinnahme befand. Es sielen ihnen etloa 1300 Mk. g*®beEs und Wechseln und ungefähr 800 Mk. in Baar in die Hände. Een Raub packten sie in die Schurze eines Ladeulehrliugs. Von gefährlichen Einbrechern, die offenbar mit den örtlichen Verhält- ^ffeu sehr vertraut wäre«, hat man bis jetzt noch nicht die geringste ®bur entdeckt.

Dao Märmr-Ausstrahinngvoermögeu der großen Ztädt». DieMeteorol. Zeitschrift" erzählt folgende Beobachtung aus Olmiitz in Mähren: Dort machte man in den heißen Tagen des verflossenen Juni die merkwürdige Wahrnehmung, daß von nördlicher nach südwestlicher Richtung Wolken, die sich über den waldbedcckten Hödenziigen des Gesenkes gebildet hatten, sich der Stadt wohl näherten, aber über ihr sich auflöste» und in unsichtbare Dnnsttheilchen zergingen. Kaum waren sie in ihrem trägen Laufe über der grell belenchteten und stark erhitzten Häusermasse angelangt, als sie auch schon deutliche Spuren ihrer Vergänglichkeit zeigten. Die früher scharf begrenzten Ränder nahmen ein verwaschenes Aus­sehen an, die grell-weiße Farbe ging in ein sanfteres Grau über, und später bekamen die ganzen Wolken Risse und spalteten sich in mehrere Theile und wurden danach infolge ihrer vollkommenen Auf­lösung ganz nusichtbar. So spielte sich der Vorgang bei jeder Wolke ab und dauerte je nach ihrer Größe 4 bis 6 Minuten. Als Ursache dieser auffälligen Erscheinnug kann nur die in Straßen, Plätzen und Häusern der Stadt anfgespeicherte und nach oben ent­weichende Sonnenwärme angesehen werden, welche die sesten Wolken- massen leichter verdunstcte, als es die Sonne selbst mit ihren Strahlen thun konnte.

Kleins harmlos» Merkverse nach nenester Polkamelodie veröffentlicht A. Moszkowski in denLustigen Blättern": Dreihundert Millionen, Erklärt Herr Tirpitz keck. Die muß ich nächstens haben Für meinen Flottenzwcck; Für diese Bagatelle Giebt's manchen schönen Kahn, Hier ist die Schiffs-Tabelle Und hier der Fl otten- plan; So'n kleiner Flottcuplan, So'» kleiner Flottenplan, So'» ganzer, ganzer, ganzer, ganzer, Kleiner Flottenplan. Herr Bülow kommt von Süden, Jetzt ist er wirklich da, Ihm ist das Amt bc- schicden. Das Marschall jüngst versah; Nach einer kurzen Pause Fühlt er sich heimisch bald. Und im Ministerhanse Nimmt er den Aufenthalt; So'n Heinen Aufenthalt, So'» kleinen Aufenthalt, So'n ganzen, ganze», ganzen, ganze». Kleinen Aufenthalt. Herr Stnin m denkt sich u» Stillen: Es wär sehr angenehm. Wenn eines schönen Tages Ein flotter Staatsstreich kam'; Man kann die Parlamente Wohl sprengen ohne Müh', Was rasch besorgen könnte Eine eiuz'ge Compagnie; Eine kleine Compagnie, Eine kleine Compagnie, So'ne ganze, ganze, ganze, ganze. Kleine Compagnie.

©efäiißlid) ei»ß<liefttt wurde ein Kellner, der in einem hiesigen größeren Restaurant bedienstet war und nach Unterschlagung von 62 Mk. von hier verschwunden ist. Seine Festnahme erfolgte in Köln, woselbst er sich in selbstmörderischer Absicht die Pulsadern zu durchschnciden versuchte.

Submission. Für die Herstellung einer 59,4 Meter langen Kanaltheilstrecke in der B o rkst r a ß e fordern Herr W. Becker 474 Mk. 84 Pf. nnb Herr G. HaSbach hier 456 Mk. 28. Pf.

Krstiimechscl. Herr Gutsbesitzer nnb Weinhäiidler Jakob Stuber hat 8 ar 21,75 qm Bauplatz am Kaiser Friedrich-Ring für 46,952 Mk., inklusive StraßeusreilegungSkosten, an Herr» Amts­anwalt W. Lemp hier verkauft.

Kleins Notizen. Gestern Vormittag gerieth ein nicht genügend gehemmter Handlvagen, welcher im Hirfchgraben aiif- g-stellt war, ins Rollen nnd fuhr gegen die Erkerscheibe eines MetzgerladenS aus dem Römerberg, sodaß diese zertrümmert wurde. Der eutstandene Schaden beträgt etwa 100 Mk.

Die Noranzen-Liste fiu* Militär-Anwärter Ao. 28 ist unentgeltlich in unserer Expedition einziisehen.

(?) Vorn Lande, 14. Juli. Einen schönen Erfolg hat die Spezial-AnSsteUnug Nassaus, der Vogelsberger Niudvieh- schlag, aus der elfte» Wanderausstellung der deulschen Land- wirthschaftsgesellschast zu Hamburg erzielt. Neun Preise nnb drei Anerkennungen wurden dem Vogelsberger Rind zuerkannt und zivar sind es vorzugsweise" die sogenannten Herdbuchsgenossenschasten, welche diese Preise errungen habe». Diese Erfolge sind für die Viehzüchter eiueStbeilS ein Sporn, sich mehr, wie bis jetzt geschehen, der Anzucht und Pflege des Vogelsberger Rindviehschlags zuzuwenden, aber auch ein Beweis dafür, daß rationelle und erfolgreiche Vieh­zucht nicht den zersplitterten Kräften, wohl ober der organisirten Gemeinschaft gelingt. Wenn die Erkenntniß dieser Wahrheit immer mehr in die landwirthschastlichen Kreise eingedrungen sein wird, durfte es auch mit der Viehzucht in Nassau (ausgenommen natürlich die­jenigen Bezirke Ivie z. B. das sogeuannteblaue Ländchen", deren natürlichen Verhältnisse eine umfang- und erfolgreiche Viehzucht einmal nicht zulassen) besser werden.

* Kangrnschmalbach, 14. Juli. Ihre Kgl. Hoheit Frau Herzogin von Parma hat heute Vormittag nach 5-wöchent- lichkm Kurgebrauche unsere Stadt wieder verlassen.

* SönißRtht, 14. Juli. Nächsten Samstag Nachmittag wird der Herr Bischof Dr. Klein aus Limburg I. K. H. der Frau Großherzogin von Luxemburg ans hiesigem Schloß einen Besuch abstatten und am Diner theiluchnie», zu welchem auch der hiesige katholische Pfarrer, Herr Dr. Elsenheimer, mit einer Einladung beehrt wurde. (T. Z.)

* Danbor», 13. Jnli. Einen tödtlichen Unfall erlitt heute der hiesige Polizeidiener Stantz. Derselbe wurde von einer wildgeworbenen, durchgehenden Kuh so heftig uuißerannt und durch den Stoß verletzt, daß er 3 Stunden später verstarb. Stantz, welcher gerade mit dem AuSjchellen beschäftigt war, hatte sich der Kuh, um sie aufzuhalten, in den Weg gestellt.

b. Main?, 14. Juli. Die gegenwärtig im westlichen Rayon unserer Festung ftatifinbeuben BelagerungSübnugeu ziehe» ein zahl­reiches Publikum an. Die Belagerer wurde» gestern bis in die Gegend von Gan-AlgeSheim Ober-Ingelheim z»rückgeworfeu. Znm ersten Mal kommen auch die Schnellfeuergeschütze zur Ver­wendung. Das Fußai tillerie-Negiment Nr. 3 ist von Mainz dis in die Gegend von Obeiingelheim ausgerückt, wo es Nachts biwakirie. Die Hebung hat auch den Zweck, zu untersuchen, ob sich die Verwendung der fdaueren Geschütze auch im Gelände bewährt. Die Besördernng der FcstnngSgeschutze geschieht durch besondere von Straßburg und Darmstadt herangezogene Trainabtheilungen.

A Mal!,?. 15. Juli. Nhelnpegel: Vormittags 1 m 83 cm gegen 1 m 88 cm am gestrigen Vormittag.

Handel.

Lebenvoerstcherunos-Gesellschaft rn Leipzig, »nf Gegen­seitigkeit gegr. 1830 (alte Leipziger). ES sind vom 1. Januar bis Ende Jnni 1897 3201 Versicherungen über 25,514,800 Mk. beantragt worden, 629,050 Mk. mehr als im gleiche» Zeitraum des Vorjahres. Als gestorben wurden in derselben Zeit angemeldet 422 Mitglieder, die mit 3,028,250 Mk. versichert waren. Der VersicherungSbestand stellte sich Ende Juni 1897 auf 67,900 Personen mit 497 Millionen Mark Versicherungssumme, bas Vermögen auf 152 Millionen Mark. Für fällig gewordene Versicherungssummen sind bis jetzt auSgezahIt 103 Millionen Mark, als Dividenden an die Ver­sicherten gewährt 51 Millionen Mark; Divibendeureserveu in Höhe von 24 Millionen Mark liege» zur weiteren Vertheilnng an die Versicherten bereit. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegeisseitigkeitsanstalt ist, fließen alle lleberschiine den Ver- sicherteii wieder zu. Die Dividende der letzteren beträgt für die länger als 5 Jahre bestehenden Versicherungen int laufenden Jahre 42 pCt. der ordentlichen Jahresprämie und bei abgekürzten Ver­sicherungen außerdem 1 */» pCt. der Summe der gezahlten Zusatz- prämicn.

Türkei rind Griechenland.

D.B.n. Konstantinopel, 14. Juli. Nachdem der Minister deS Aenßern, Teivsik Pascha, beu Botschaftern erklärt hat, daß die Türkei unbedingt an Thessalien sesthalte» müsse und es eher auf eine Fortsetzung des Krieges aukominen lasse, beschlossen, wie ver­lautet, die Botschafter in ihrer letzten Konferenz, falls die Pforte nicht unverweilt einlenke, an diese ein Ultimatum zu richten, in welchem sie aufgefordert wird, binnen wenigen Stunden ein be­stimmtes Datum aitjngcben, an welchem sie Thessalien räumen

würde, lieber eventuelle Zwangsinaßregelu gegen die Türkei soll erst nach dem Eintreffen der Antwort Beschluß gefaßt werden.

D.B.H. London, 14. Juli. DenTimes" wird aus Athen telegraphirt: Offiziell wird gemeldet, bei Candia habe ein heftiger Kampf zwischen englischen Truppen und Baschiboznks stattgefunden. 16 englische Soldaten sind gefallen. Die Anzahl der getöbteten Baschiboznks ist sehr bedeutend. Die Admirale habe» 5 Kriegsschiffe nach Candia zur Unterdrückung der Unruhen gesandt.

D.B.H. Athen, 15. Juli. Meldungen ans Volo zufolge haben die Türken seit einigen Tage» ihr Verhalten gegenüber den Christen geändert. NizamS nnd Baschibozuks begehen täglich alle uiöglicheu Uebergriffe. Die Bürger dürfen die Stadt nur verlasse», wenn sie einen Bürgen dafür stellen, daß sie iuiierhalb 10 Tagen zurück fein werden. Ein früherer Bürgermeister toiirbe auf dem Schiff, auf dem et abreisen wollte, verhaftet. Man befürchtet noch weitere Verhaftungen von Notabein.

C.T.C. London, 15. Juli. Nach einer Meldung derTimes" aus Athen vom gestrigen Tage bestätigt sich die Nachricht nicht, daß englische Soldaten bei Kanbia in einem Kampfe mit Baschi- Bozuks gefallen seien.

D.B.H. London, 15. Juli. DerStandard" erfährt, Edhem Pascha habe Ordre erhalten, sofort wieder »ach Domokos zu geben. Alle beurlaubten türkischen Offiziere sind wieder zur Fahne gerufen. Moritiug Post meldet aus Konstantinopel: Im gestrigen Ministerrath fei beschlossen worden, den Mächten so viel wie möglich iiachzugeben, bie Vorschläge wegen der Grenzrcgulirung jedoch ab» zulehnen.

Letzte Nachrichten.

6onUnen tat$ tligiaeDm - a owtiagnte.

Keslin, 15. Juli. Die Morgenblätter melden ans Altona: Der FifchdampferAltona" brachte gestern die Besatzung des französische» Fischerfahrzeuges230 G" ein, bestehend aus dem Kapitän und 6 Man», welche er an der Südspitze der Dogger-Bank aus höchster Lebensgefahr Dom sinkenden Schiff gerettet halte. Die Schiffbrüchigen wurden vorläufig im SeemanuShansk untergebracht. DerLokal-Anzeiger" meldet ans Warschau: Bei- der Einfahrt in den Bahnhof Chehn der Bahnlinie WarschauRodnofuhr ein Personenzug infolge falschcrWeicheit- stellnng auf einige int Slangire» begriffene KobleulowrieS. Zahlreiche Personen erlitten Verletzungen. Zwei Passagiere mürben gelobtet, einige anbere schrecklich verstümmelt. Die Morgenblätter berichten aus Hamburg: Die Unter» b o u b l n u g e n wegen Fortsührnng des Cirkus Renz burch eine Aktiengesellschaft bezw. wegen Verkaufs des Unteritebmcns sind noch nicht abgeschlossen. Gegenwärtig weilt hier der Besitzer des CirkuS Salamonsky ans Moskau, um mit dem KommifsionSrath Renz wegen eventueller Uebernabme feines CirknS zn unterhandeln. Salamonsky will, wie verlautet, auch den Cirkus Carr« in Amster- bam, welcher am 1. September d. I. eingehen soll, übernehmen.

Washington, 15. Jnli. (Reutermeldung.) Der Senats- Ausschuß für bie auswärtigen Angelegenheiten genehmigte ben Bericht über ben Befchlnßaiitrag, welcher bie Ratifikation des Ver­trags, betr. bie Annexion Hawaiis, empfiehlt. Die Delegirteu des Senats nnb Repräsentantenhauses für die gemeinsame Veraihung der Tarifbill sind weiter denn je von einer Einigung entfernt. Der Hanptstreitpunkt ist die Frage des Zuckertarifs.

Dew-Uork, 15. Juli. Infolge von Negensällen barst das Wasserreservoir in Matteawan (StaatRew-Uork). Mehrere von Arbeitern bewohnte Kosthäuser wurde» zerstört, 7 Personen gelobtet.

Deveschenbüreau Herold.

Berlin, 15. Juli. Zur Feier des französisch euNatioual» festes hat gestern in den Nepräsentationsrcinmen der französischen Botschaft, von bereu Dach bie Trikolore wehte, ein Empfang für die zur Zeit in Berlin weilenden französischen Staatsbürger ftatt» gefunden. Etwa 70 Personen, darunter einige Damen, halten der Einladung des Botschafters Marquis de Noel Folge gegeben. Wie aus Berge» gemeldet wird, ist der Kaiser au Bord der Hohenzollern" bei prächtigen! Weller gestern Abend, 8*/« Uhr, dort eingetroffen. DieHohenzollern" kehrt am Sonnabend nach Kiel zurück. Der Kaiser, der das verletzte Singe verbunden trägt, sonst Ober wohl ist, blieb an Bord.

Krüssel, 15. Juli. Gutem Vernehmen nach finden Verhanb- lungen zwischen bem Kougoslaal, England und Abessynieii wegen Theilnng des Sudans stall. König Menelik soll sich bereit erklärt haben, die Operationen des Kongostaates ttnb Englands gegen die Derwische zu unterstützen.

Paris, 15. Juli. Das Nationalfest verlief ohne jeden störenden Zwischenfall bei schönstem Wetter. In alle Theilen der Stadt fanden Volksbelnstignngen statt. Man tanzte auf dem Opernplatz, auf den Wegen von Montmartre, Börsenplatz und auf allen sonst geeigneten Plätzen. Die Musterung der Truppen in LongchampS, welche der Kriegsminister Billot und der Stabt« fouuuaiibant, General Saurier, leiteten, hatte mehr als 100,000 Menschen hinaus gelockt. Der Präsident der Republik und sämmtliche Minister waren anwesend. Dem Präsidenten wurden lebhafte Ovationen batgebrachl. In Havre kam es zu einem schweren Unfall. Ein Luftballon mit drei Insassen wurde in einer Höhe von 500 Metern von einem starken Wind in die See getrieben. Ein Dampfer fuhr sofort aus, um die Luftschiffen zu retten.

London, 15. Juli. Auf der Siidtveftbahii in der Nähe von Aeoryl sand eilt Zusammenstoß zweier Züge statt. lOPaffagiere sind schwer verwundet. Cornelius Herz empfing gestern die von der Panama-UiitersiichungS-Kommifsiou eutfanbleii zwei Delegirten. Daily Cyronicle" meldet aus Wien, in dortige» gut unter­richteten Streifen werde versichert, in Berlin oder Wien solle dem­nächst eine Konferenz wegen der nmerifaniidjen Tarifdill statlsinben.

VolkswMhschaMches.

Lrnchtmarkt ?n Wiesbaden vom 15. Juli. 100 Kilo­gramm Weizen Mk. Pf. bis Mk. Pf. 100 Kilogramm Roggen Mk. Pf. bis Mk. Pf. 100 Kilogramm Gerste Mk. Pf. bis Mk. Pf. 100 Kilogramm Hafer 12 Mk. Pf. bis 14 Mk. Pf. 100 Kilogramm Richtstroh 4 Mk. 10 Pf. bis 5 Mk. 60 Pf. ICO Kilogramm Heu 3 Mk. 20 Pf. bis 6 Mk. Pf. Angefahren waren: 10 Wagen mit Frucht und 16 Wagen mit Heu und Stroh.

Frnchlmaritt zn Limburg vom 14. Juli. Die Preise stellten sich: Rother Weizen, aller, pro Malter 14Mk.5 Pf., pro 100 Kilo 17 Mk. 50 Pf., neuer pro Malter - Mk. - Pf., pro 100 Kilo Mk. Pfl, Weißer Weizen pro Malier Mk. Ps., pro 100 Kilo Mk. Pf., Korn, alles, pro Malter 9 Mk. 7 Pf., pro 100 Kilo 12 Mk. 9 Pf., Gerste, alte, pro Maller-Mk.-Pf., pro 100 Kilo 10 Mk. Pf., Hafer, aller, pro Malter 6 Mk. 32 Pf., pro 100 Kilo 12 Mk. 64 Pf Saathafer, pro Maller Mk. Pf., pro 100 Kilo - Mk. Pf., Kartoffel» a 50 Kilo Mk. Pf.. Butter ä Kilo Mk. - Pf., Eier a Stück - Pf.

Geldmarkt. Coursb ericht der Frankfurter B ö rfe vom 15. Jnli, Mittags 12'/» Uhr. Credit-Actien 3133/s, Disconto -Commanbit-Anth. 206.50, Staalsb.-Actien 2983/», Lonidardeu 77/b, Gollhardbahn - Aclien 155.50, Ceutralbahn 140.10, Nordostbahn 115.20, Unionbahn 83.80, Lanrahütte-Actie» 159.25, Gelsenkirchener Bergwerks-Aktien 177., Bochumer 165.75, Harpeuer 184.25, Jtal. 94.30, DreSd. Bank 162.20, Darmstädter Bank, Berliner Handels-Gesellschaft 167.80-168.50, Italienische Mittelmeer., Italienische Meridionaux, 3-procentige Mexikaner, 6-procenl. Mexikaner 97.20. Tendenz: fest.

Wien, 15. Juli. Oesterreichische Credit-Actien 368.37, StciatS- babn-Aclien 351.20, Lombarde» 85.50, Mark-Roten 58.71.

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