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Verlag: Langgasse 27.
14,5®® Abonnenten
1897
M-tttag, den 14. Innr
Bezirks-Fernsprecher 91». 52.
N-. 272
Bezirks-Fernsprecher R». 52.
Abend-Ausgabe
45. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgabe«. - Bezugs-Preis: SO Pfennig monatlich für beide Ausgaben lufanuntn. — Der Bezug kann jederzeit be- gonneu werden.
für das eigene Hauswesen sprachen, und als ich sah, wie hastig sich die meisten gebärdeten, verschwand mir dieser Eindruck. Die heilige Legende und die technische Novelle waren von der unerbittlichen Magenfrage abgelöst. Das Profane trat in sein Alltagsrecht.
Allen Heimgängern nach hinkte ein verwachsenes junges Mädchen mit feingeschnittenem Antlitz, das von der kräftigeren, aber etwas derberen Gestchtsbildung der Andern abstach. Auch das Hinken wurde gemildert durch den elastischen Schwung der gewaltsamen Bewegung. Unwillkürlich fragte ich mich: Warum geht die Arme so einsam und bleibt noch hinter dem zögernden Liebespaar zurück, das sich beim Fabrik- thor zusammrngefundcn? Was mag eigentlich die Arbeit der Glücksenterbtcn sein? Gäbe es noch die Handschriften der klösterlichen Zeit, dann hätte ich ihr die Fertigung der Evangelien-Miniaturen und Initialen zugetraut. Es war so etwas Künstlerisches in dem vergeistigten Ausdrucke.
Obwohl der Weg nach dem schlichten Gasthofe, in dem ich abgesiiegen, mir gut im Gedächtniß war, erkundigte ich mich bei dem Mädchen danach, als es mich eingcholt hatte. Die Hinkende sagte: „Sie können gleich mit mir gehen. Ich muß doch bei dem „Grünen Baum" vorüber."
Meinem Danke fügte ich hinzu: „Sie arbeiten wohl als Einlegerin oder Falzerin in der Fabrik?"
So weit komme ich nicht. Ich kann mich schlecht bücken. Einstweilen rühre ich den Kleister für die Buchbinder zusammen. Das trocknet den Mund aus, und alle halbe Stunden muß ich in einen Apfel hineinbeißen, um nicht ganz zu verdursten."
Da heißen Sie wohl Eva, schon wegen des Apfclbiffes?"
Sie lachte, und ich konnte ihre rothen Lippen und schönen Zähne bewundern. „O nein! Regi ruft man mich. Das heißt, im Kirchenbuch steht Regina Aphalter. Aber bei uns wird Alles kürzer gesprochen."
Ich mußte mich bemühen, mit dem Kleister-Alräunchen gleichen Schritt zu halten, so schnell schob es sich jetzt vor
wärts. Ich sprach meine Verwunderung aus: „Trotz des kurzen Beines sind Sie die reine Schnellläuferin."
Wieder lachte Regi. „Ich habe auch noch eine Stunde nach Hause." Sie deutete auf eine entfernte Waldhöhe hin und fuhr fort: „Dort in der grünen Ecke guckt das kleine Gärtchen her, das die Kausche (Hütte) verdeckt. Da bin ich einguartirt bei der alten Valentin, die schon ganz taub und fast blind ist. Da liege ich in der Bodenkammer. Früh koche ich mir und der Alten die Einbrennesuppe und sorge auch sonst ein wenig für sie. Das brave Weib ist schon gar zu schwach."
„Sie sind doch selbst hülfsbedürftig l"
„Ach, mir fehlt nichts. Ich bin immer gesund und frischauf. Und fünfundvierzig Kreuzer verdiene ich jeden Wochentag. Als ich vor drei Jahren herkam, waren es erst dreißig. Die Alte bat aber gar nichts, außer den paar Kraulstauden, Kartoffeln und Apfelbäumen. Und die Aepfel werden bei uns selten ganz reif."
„Lahmen Sie schon seit den Kinderjahren?"
„Ei beileibe! Ein bischen schief war ich immer, weil ich der Mutter bei der Geburt zu viel Nöthen gemacht habe. Das genirt nichts, höchstens sekiren sie Einen in der Schule deswegen. Aber die Füße waren grade und flink. Da höre ich an einem Abend ein Geschrei in der Moldau, wobei mein Heimathsdorf sich befindet. Ach, da baden die Kinder und geben nicht Acht! Sicher ein Unglück! Ich renne hin, und richtig, die Andern rufen mir zu: „Der Wastl ist an eine tiefe Stelle gekommen und ersauft." Ich bedenke mich nicht, spring' mit den Röcken ins Wasser • und erwische noch den Wasil beim Schopf. Ihn habe ich herausgezogen, aber beim Sprung war ich auf ein hartes Felsstück gestoßen, und da habe ich mir die Sehne zerrissen. Doktor giebt es bei uns keinen, und der Bader versteht nichts. Da bin ich krumm znsammengeheilt. Der Herr Pfarrer hat mich belobigt wegen meiner Nächstenliebe. Und weil ich zur Hosdirne nun verdorben wgr und auch nicht
Der ractischc Limes beginnt bei Lorch an der Rems und fetzt sich in vorwiegend östlicher Richtung in dem Gelände nördlich der Donau bi< oberhalb Kelheim fort, wo er den genannten Strom er- reieht. Er schneidet den oberen Lauf des Kocher und des Jagst, letzteren oberhalb Ellwangen, ferner die Wörnitz, die Altmühl, die Rezat unterhalb Weissenburg, dann nachmals die Altmühl in ihrem unteren Laufe und endet dann, wie schon erwähnt, an der Donau zwifchen Hienheim und Kelheim, von wo ab die Donau selbst die Greuzdeckung Rätiens gegen das freie Germanien übernahm. Dieser Theil des Limes bestand au« einer mit Thürmen versehenen Maner, deren Theile noch heute vielerorts vorhanden sind und im Volksmunde Teufelsmauer genannt werden.
Der römisch-deutsche Grenzwall ist da« älteste historische Bauwerk welche« Deutschland besitzt, und sowohl durch seine bedeutende Länge von 550 Kilometern al« auch dadurch von hervorragender Bedeutung, daß feine Erforschung un« eine eingehende Erkenutmß der römischen Grenzgebiete und der Art ihrer Vertheidigung gegen Angriffe der Germanen verschaffen kann; er hat dem Forscher brsher eine reiche Ausbeute geliefert. Zahlreich sind die Funde, die bei seiner Aufdeckung gemacht worden sind, und von großem Jntereffe die verschiedenen, militärischen Befestigungranlage», Thürme, Kastelle, Straßen re. an der ganzen Linie; auch find alte, einstmals von de»
Deutsches Reich.
* Hof- und Versonal-Nach- ridjte«. Die „Post" schreibt: Contrc- Admiral T i r p i tz hat nunmehr in der Hauptsache sein neue« Kommando als vorläufig stellvertretender Staatssekretär des Reichsmarineamts an- getrcten. In gut unterrichteten Kreisen nimmt man an, daß die Vertretung desselben von längerer Dauer sein wird. Admiral Hollmaun wird vorläufig auch weiter Staatssekretär de« ReichsmarineamtS bleiben; daß derselbe selbst noch einmal die Geschäfte im Reichsmarineamt übernehmen wird, darf allerdings als ausgeschlossen betrachtet werden. — Der langjährige Cbef des Militärkabinetts unter Kaiser Wilhelm I., Genera! der Kavallerie v. A l b e d y l l, ist gestern in Potsdam gestorben. —Liebknechts ältester Sohn wird, so meldet eine Korrespondenz, demnächst in Berlin sich als Rechtsanwalt niederlassen.
* Berlin, 14.Juni. DerVorstand des Vereins B erli ner Get rei d e- nnd Produktenhändler hielt Samstag Abend eine mehrstündige Sitzung ab, in der schließlich einstimmig der Beschluß gefaßt wurde, den Bereinsmitgliedern zu empfehlen, bi« auf Weiteres kein« andere Versammlung an Stelle der Feen-Palast-Bersammlung abzuhalten. Der Groß-Gctreidehandel wird hiernach dis auf Weiteres nur von Comptoir zü Comptoir betrieben werden.
Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet eine von der „Staatsbürger« zeitung" ausgesprochene Vermuthung, daß im Auswärtigen Amt Erhebungen über den M ajestätkb eleidigungs - Pr ozeß gegen Herrn v. Tausch augestellt wurden, als aus Erfindung beruhend.
Römern betriebene Blei- und Silberbergwerke (so im Emsthal) aus- gedeckt worden.
lieber die Geschichte der römisch-deutschen Grenzanlage ist kurz Folgendes mikzntheilen: Die Nordgrenze des römischen Reiches war unter Kaiser Augustus bis an den Rhein und die Donau vorgeschoben worden, das weitere Gebiet zwischen Rhein und Elbe wurde zwar erobert, aber nachher wieder aufgegeben; Kaiser (Mudms zog im Jahre 47 seine rechtsrheinischen Besatzungen definitiv aus jenen Gebieten zurück und in Niedergermanien (Germania inferior nur der Karte) blieb diese Rheingrenze dann bestehen. In Ober- germaiiien und an der Donau in Raetien blieb ein Theil jenseits vom Rhein und Donau dem römischen Reiche einverleibt und mit Besatzungen belegt. Bei dieser Gelegenheit wurde die Errichtung von „limites“, d. h. fortifikatorischen Anlagen ins Werk gesetzt, um die offenen Vrenzen gegen Germanien zu schützen, hier also eine „Landwehr" zu bilden.
Die Dauer der Erforschung des Limes romanus ist seiner Zeit auf im Ganzen 5 Jahre veraufchlagt worden, sie wird also im kommenden Jahre ihrer Vollendung entgeaengehen und hat bereits eine historisch werthvolle Litteratur gezeitigt, die Aufschluß über eine interessante, in vieler Hinsicht noch wenig erforschte Epoche deutscher Geschichte zu geben verspricht.
AnzcigcmPreiSr
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(Nachdruck verboten.)
Regina im KSHmerwalde.
Von Karl Pröll.
Ich hatte mich in den Werkräumen und Magazinen eines Gebetbuchfabrikanten im Böhmerwalde umgesehen und wgr überrascht von dieser mir bisher unbekannten Industrie, eKgunt angesichts der aufgestapelten Frömmigkeit. Bei den Leerstellen flirrte es mir vor den Augen und ich suchte zu berechnen, welche Erdfläche man mit dem Goldschnitt bedecken könnte, der mir entgegen leuchtete. Schon krönte hie westlichen Waldberge der goldige Saum des verbleichenden Abends, sodaß ich meinte, es läge ein ungeheures Gebetbuch auf dunklem Kissen. Die anfsteigenden Sterne werden darin fromme Erbauung finden, nur ich bin zu klein, um es aufzuschlagen. Ja, wer so in die Unendlichkeit hinein- wüchse und Ewiges mit zeitlosen Augen in sein Innerstes -bertrüge! , t
Ws dem Thale stiegen weißliche Nebel auf und das L««lische Gebetbuch war dem Träumer entrückt. Der silltnn nun Gedanken weiter über die Andacht der Völker tzi» Anbeginn bis heute, über ihre wechselnden Formen Und ihren sich verschiebenden Besitzstand. Etwas wie Gebet, die Herzensflehen zu einer höheren Macht, die aus Sünde, Äme und Buße Hinausföhren, wird sicher stets sich empor- r Mviugen, gleich den Nebeln, die offenen oder verborgenen / Wiesen und Wälder entstammen.
Der erklang der schrille Laut der Fabrikglocke und männ- 8che und weibliche Arbeiter strömten aus dem Gebäude: Stfctr, Former, Drucker, Buchbinder, Spangenmacher, Sstangenflhlä-er, Lehrlinge und Falzerinnen. Es schien, als db die verschiedenen Heiligen- und Passions-Bildchen, die ich beim Durchblättern der Verlagsartikel erschaut, bald schwarz, bald hellfarbig, leibhaftig an mir vorübergingen. Erst als ich hörte, wie die Einen sich zu einem Gang indas Wirths- S0B8 verabredeten. j>ie Anderen von nöthigen Besorgungen
(Nachdruck verboten.)
Der römische Grenzmall in Dentschlan-.
Seit mehreren Jahre» ist man im südwestlichen Deutschland mit her Erforschung jener Grenzscheide beschäftigt, die zur römischen Zeit den Nordoften des römischen Reichs gegen Germanien abschloß, und B Studium man werthvolle historische und geographische e erwartet. Das Deutsche s. Zt. ainb ansehnliche Mittel Ölt) zur Durchführung dieser »sckrbeit zur Verfügung neunter Oberleitung einer in
MM Heidelberg eingesetzten ReichSlimeS- ömmtffion in jährlichen Raten in 5 Jahren Verwendung finden. Ein : eigens zu dein Zweck heransgegebenes .Lönesblatt" unterrichtet die gebildete JR wett und die wissenschaftlichen Kreise über den Fortgang der Forschungsarbeiten.
M Die vorgenannte römisch-deutsche Grenzscheide diente zum Abschluß bezw. m Sicherung der römischen ProVinM Germania superior und te Raetia gegen das eigentliche, nicht- römische Germanien. Die erstgenannte Provinz wurde durch den Limes M transrhenanus an ihrer Ostgrenze, die k zweitgenannte durch ben Limes raeticus an ihrer Nordgrenze geschützt. Beide - Linien finden unsere Leser in dem i beistchenden, hier in Betracht kommeu- ben, Subwestdeutschland darstellenden - Kartenbild durch verschiedenartige 7 Signaturen bezeichnet.
Der Limes transrhenanus begann U unterhalb Neuwied bei Rheinbrohl am | Rhein, führte in einer Bogeiilinie süd- f östlich an Ems vorbei auf Mainz zu, die Lahn bei Ern« überfchreiteiid, bog nordwestlich von Mainz jedoch im g rechten Winkel östlich ab und führte bis in die Nähe von Homburg, ging von hier in nördlicher Ausbuchtung - bis südlich.von Gießen, um bann, -■ sich direkt südlich wendend, den Main oberhalb Hanau bei Groß-Krotzenburg zu erreichen. Nunmehr bildete der Main aufwärts eine Strecke lang die Fortsetzung des Limes, der als selbst- M ständiges Werk erst wieder bei Miltenberg begann und dann in vorwiegend x? Wucher, znm Theil schnurgerader Richtung afif Lorch an der oberen
' Rems zuführte. Diesseits der Limeslinie lagen eine große Anzahl von Kastellen, in unserer Zeichnung durch kleine Quadrate dargestellt, die Im Einzelnen erst zum Theil erforscht und ihrer Lage nach genauer bestimmt sind. Der hier genannte Theil des Limes ist 372 Kilometer Igng, er besteht aus einem Erddamm mit vorliegendem Graben. Eine toRittßimeSlinie läuft vorn Mairn ans südlich direkt nach dem Neckar, die MümUuglinie genannt, westlich des genannten Limes und nach Süden bis Csnstgtt herunter, in einzelnen Kastellen noch am oberen Neckar nachwewbar. Hier liegt jedoch kein zusammenhängender Wall, sondern nur eine Kette von einzelnen reihenartig sich folgenden Kastellen vor.
