SLtttMrt -51 ttHrtltmi» für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingercichter Anzeigen zur e*M?*,»**t nächsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
1897
Po. 269
Samstag, den 12. Inm
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Bezirks-Ferusprechcr N». 52.
Morgeo«fiusgabe
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«iagislrats d we-sier Heß
großer Ausopserung und ausgezeichnetem Erfolge feine Dilettanten» schaar in verhältrrißuiäßig kurzer Zeil zu Schauspielern „gedrillt* und, unterstützt von Fräulein Balbo, die Lilder meisterhaft arrangirt hatte.
feite Werk scheint von rahm« infpirirt zu feilt. Das Hauplverdienst um das fo gute Gelingen des Festabends gebührt dem Kgl. Schauspiel-Regisseur Herrn M. Kö ch v, der mit
L Anwesend find unter dem Vorsitz der Herrn LandcSbank- Mreltors Re«sch 33 Mitglieder des Kollegiums, Seilens des ^liagiftrats die Herren Oberbürgermeister Dr. v. Jbell, Bürger- a-- Hrß, Beigeordneter Mangold (Beigeordneter Körner m beurlaubt) sowie die Stadträthe B eckel, Ba rtl in g, Ka Ile, Etein, Valentiner, Wagemann und 2Beil, ferner Herr
Eeefretär Rosalewski als Protokollführer.
finden, das Amt eine» Vorsitzenden zu übernehmen, und mit welcher Gewifienhaftigkeit er die dadurch übernommenen Verpflichtungen erfüllte, wissen Sie Alle. Mil der Spannkraft eines Jünglings hat et sich in die verwickelten Verhältniffe der städtischen Verwaltung hineiugelebt. Lebendig schwebt das Bild des rüstigen Greises vor unseren Augen.Wer erinnert sich dabei uicht der wohlmollenden Eindrucks, den die ganze Erscheinung gemacht hat! Mit welcher Leichtigkeit wußte er die im Kollegium auftauchenden Differenzen auSzugleichen und eine einstimmige Abstimmung herbeiznführen! Sein Andenken wird uns heilig fein. Leider kann ich die heutige Sitzung nicht sofort aufheben, weil zwei eilige Sachen der Erledigung harren. Dann aber wollen wir uns den Gefühlen der Trauer überlnffen und die Sitzung abbrechen. Bevor ich zur Erledigung der eiligen Sachen schreite, bitte ich Sie, sich zur Ehre des Andenkens des großen Ver- storbenen zu erheben."
Nachdem dies geschehen, ergreift Herr Oberbürgermeister Dr. v. Jbell das Wort zu etwa folgender Ansprache:
„Namens des Magistrats habe ich der aufrichtigen, tiefen Trauer Ausdruck zu geben, die wir empfinden über den Verlust, den Ihr Kollegium und die Stadt, den die persönlich erlitten haben, denen der Verewigte als ein stets wohlwollender Frennd zur Seite stand Die Verdienste, die sich Herr Geheimer Hofrath Pros. Dr. Fresenius um die Stadt erworben hat, da? Ansehen, das die Stadt genoß durch seine wissenschaftliche Autorität, feine Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiete, und der hohe Nus, welcher fein Institut weltbekannt machte, dessen bö-jähriges Bestehen er im Herbste d. I. freudig zu begehen hoffte, werden allezeit dankbar anerkannt werden. Ebenso müssen wir dafür danken, wie er sich um die städtische Verwaltung speziell verdient machte. Seme Vorzüge und Tugenden als Vorsitzender dieser Versammlung sind schon hervorgehoben worden; es bleibt mir nur übrig zu erklären, daß der Magistrat in allen Theilen sich dieser Auffassung anschließen kann. Wir sind uns bewußt, daß sein klarer, weitschanender Blick dazu beigetragen hat, die Geschäfte zu fördern, neue und richtige Gesichtspunkte zu gewinnen. Vor Allem hat seine milde versöhnliche Persönlichkeit dazu beigetragen, das gute Verhältniß der Stadtverordnetenversammlung zum Magistrat zu fördern, zum Segen beider Kollegien. Wir sind ihm auch in dieser Richtung zu lebhaftem Dank verpflichtet. Es drängt mich, der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß dieses Verhältniß sorlbestehen und iu seinem Geiste weitergearbeitet werden möchte. Ich kann Ihnen versichern, daß wir Ihrem dahiugeschiedeiien Präsidenten, dem Ehrenbürger unserer Stadt, ein treues und dankbares Andenken bewahren werden."
Herr Holthaus schlägt vor, eine gemeinschaftliche Bluiueu- speude an dem Sarge des Heimgegangenen niederlegen zu lassen. Mit dem Vorschläge des Herrn Vorsitzenden, die Herren o. Oidt- manu, Schupp und v. Eck zu beauftragen, diese Sache, sowie die sonstigen Angelegenheiten in die Hand zu nehmen, erklärt sich das Kollegium einverstanden.
Nachdem in geheimer Verhandlung die Ankäufe von: a) eine« Ackergrnndstückes auf der „Schönen Aussicht" von Herrn Phil. Hahn und b) zwei Ackergrnndstücken rechts der Biebricherstraße (hinter der Ostermannfchen Besitzung) und rechts der oberen Frankfurterstrabe von Ehr. Schlichters Erben genehmigt waren, wurde die Sitzung aufgehoben.
Sihimg der Stadtverordneten
vom 11. Juni 1897.
Kleine Chronik.
Die Zahl der Theilnehmer a» der Echternacher Spring. Prozess ion am Dienstag wird aus 20,000 geschätzt.
In Essen bestieg nur der Kruppschen Gußstahlfabrik ein Maurerpolier behufs Befestigung eines Blitzableiters einen hoben Sabriffdiornftein. Als er fast oben augekommen war, löste sich ein Sleighaken, und er stürzte, sich mehrmals überschlagend, zur Erde, wo er zerschmettert ausgefnuden wurde.
Die 18-jährige Tochter des Kammerjägers Asmuth in Soest gerietst mit ihrem Vater in Wortwechsel, wobei sie sich derart auf» regle, daß sie in die Kammer lief, wo der Vater das Gift auf» bewahrte. Dort nahm sie eine Dost» Strychnin und verstarb infolge deffen nach ganz kurzer Zeit.
Die 35 Jahre alte Sattlersfrau Schaar in Berlin war seit neun Jahren verheirathet und hatte einen achtjährigen Sohn Robert, eine sechsjährige Tochter Wanda und ein erst acht Monate altes Mädchen Elisabeth. Die Ehe war sehr unglücklich, weil der Mann den Verdienst zum größten Theil vertrank und der Frau nur wenig abgab. Am Pfingstabend nun stürzte sich die Unglückliche mit ihren beiden Töchtern in den Kanal, wo alle Drei den Tod sanden.
In einer Berliner Frauenwochenschrist findet sich folgende Anzeige: „Fräulein mit fchöner Handschrift, das im Stande ist, selbständig zu korrefpoudiren, für ein größeres Büreau gesucht. Aufangsgehalt 45 Mar k." — Kommentar überflüssigl
Auf eine eigeuthiimliche Weise starb in Berlin der Buchhalter Maaß. Am Schreibpulte sitzend, wurde er von epileptischen Krämpfen befallen, taumelte gegen ein Fenster und fiel mit dem Kopf gegen die Scheibe, deren Scherben ihm die Schlagadern des Halse» durchschnitten. Trotz sofort zugezogener ärztlicher Hülse trat alsbald der Tod ein.
Einen unheimlichen Besuch erhielt der in Weißensee, Lehderstr. 120, wohnende Bäcker Friedrich. Als die Familie sich im Wohnzimmer znm Mittagsttsch Bereinigt hatte, kroch plötzlich eine Schlange, anscheinend eine Kreuzotter, durch die Stube. Dem Bäcker gelang e», das Reptil, welche» eine Länge von 80 o*
Fest-Ouvertüre (über den Choral „Lobe den Herrn" und zwei Soldatenlieder) war von dem Verfasser des Stückes, Herrn Th. Rehbauni, kompouirt. Das von einem höheren Standpunkt aus, als dem hier direkt geforderten, geschasst .......
der akademischen Fest-Ouvertüre von Brahuo
— ®ratibrnblütheit werden jetzt schon, wie uns mitgetheilt wird, in dem gesegneten Rheingau und auch in minder berühmten Weingegenden gesundem Ein von Herrn Gastwirlh Wilh.Höhu in Dotzheim übersandtes Rebenzweiglein beweist es. Ist dies auch gerade kein Ereiguiß, das zu ganz besonderer Bewunderung Anlaß geben könnte, so kann mau doch daraus ersehen, daß der Juni die besten Absichten bei seinem starken Einheizen in der letzten und vorletzten Woche verfolgte.
— Thenr» Kirschen! Aus verschiedenen für den Kirschenmarkt hauptsächlich in Betracht kommenden Gegenden wird über einen geringen Ertrag der diesjährigen Kirschenernte geklagt, und zwar soll die Ursache dieses für unsere Jugend, welche ja die süße Erstlingssrucht am besten zu würdigen versteht, besonders betrüblichen Umstandes merkwürdiger Weise in dem Raupenfraße zu suchen sein. Man sollte denken, bei dem äußerst ungemüthlichen Wetter, wie wir eS im heurigen Mai hatten, hätte sich das Ungeziefer gar nicht entwickeln können. Von anderer Seite wird uns dagegen mitgetheilt, daß nicht die Raupen die Schuld an dem schlechten Ausfall der Kirscheuernte trügen, sondern das ungünstige Maiwetter, das die Früchte in ihrer Entwickelung behindert hätte. Bis jetzt allerdings find die Kirschen noch ein ziemlich theurer Artikel und unter 25 Pf. dürfte das Pfund schwerlich zu haben fein. An Güte sollen sie ebenfalls zu wünschen übrig lasse».
— Klein» Notizen. Herr Hofphotograph Karl Schipper, Rheinstraße, hat vor Kurzem noch eine photographische Aufnahme des gestern verstorbenen Geh. Hofraths Proseffors R. F reseniu» gemacht, die als äußerst gelungen bezeichnet werden muß. Die treffliche Photographie, die letzte, die von unserem Ehrenbürger genommen wurde, ist in allen Formatgrößeu vorräthig. Ein Bud in Lebensgröße dieser Ausnahme ist in der Buchhandlung von Feller u. Gecks ausgestellt.
* Mainz, 10. Juni. Gestern sand zur Feier de» 200 Jahr» Jubiläums des 3. Hessischen Infanterie-Regiments (Leib-Regiment) Nr. 117 im Stadttheater zu Mainz eine Fest» Vorstellung statt, der Se. Kgl. Hoheit der Großherzog von Hessen und ein geladenes Publikum beiwohnten. Das Haus war festlich erleuchtet und bot durch die reichen Toiletten der Damen und die farbigen Uniformen dem Ange ein glänzendes Bild. Mit Ausnahme der. mitwirkenden Damen Willig und Santen vom Wiesbadener HöMeater betheiligte» sich an den Dar» bietungen: lebenden Bildern, Tänzen und einem Theaterstück, nur Herren und Damen des Jubilar-Negiineuls, sowie Mann» schäften desselben. Den erklärenden Text zur Feier und zu den Bildern sprachen als Herold und als Mars die Herren Lieutenants Föl sche und Schenck und als Ceres und Hassia dir Damen Willig und Santen. Die vier lebenden Bilder zeigten Scene» aus der Geschichte des Regiments feit feinem Bestehe»; die Tanz-Scene war als ein Friedensbild, eine ländliche Hochzeit im Odenwald gedacht, die durch die Nachricht von der Kriegserklärung (1870) raub unterbrochen wird. Die Tänze wurden von ben_ Regiments-Herren und -Damen ganz vorzüglich aus» geführt hatte doch die Kgl. Balletmeisterin Fräulein Balbo ans Wiesbaden dieselben mit der gewohnten Gewandtheit eiuftubirt. Auch das von dein Kgl. Musikdirektor Th. Nehdaum in Wiesbaden verfaßte militänfche GelegenheitSstück „Aus Vorposten bei Dampierre", welches, mehr Dichtung als Wahrheit, eine Episode aus den letzten Tagen des Krieges 1871 behandelt, in welchem aber auch der Humor nicht leer ansging, wurde ganz vortrefflich gespielt und schien dem Publikum recht gut zu gefallen. Leider mußte den Darsteller» der laute Beifall vorenthalten bleiben, da die Anwesen» heil des GroßherzogS jedes Beifallszeichen — dem herrschenden Gebrauch entsprechend — zurückhielt. Und die« war zu bedauern. Zum Schluß vereinigte eine glä uzend wirkende „Apotheose" alle Mitwirkende. Auch als Komponist (der Bauerntäize) eifdiiett ein Offizier des Regimetits, Lieutenant Quiuckardt, mit Glück aus dem Plan. Die einletteube
Ans Stadt urid §a»d.
Wiesbaden, 12. Juni.
l'htrn Fehenostnnden des Geheimen £ofc raths Pros. Dr. R. Freseuiiis ersahrt man Folgendes: Raebdem der greise Gelehrte noch vor wenigen Tagen mit seiner Familie in Jugenheim geweilt und von dort in bestem Wohlseirr hierher zuriick- gekehrt war, war in de» letzten Tagen [ein Befinden — nach der eigenen Meinung des Verstorbenen - nicht ganz fo günstig, wie es der Gelehrte sonst von sich gewohnt war; dessen ungeachtet nahm Geheimrath Fresenius an alle» Vorgärigen der Oeffentlich- feit fortgesetzt lebhaftesten Antheil. Am Dottnerstag Abend hatte er in Gesellschaft feiner Familie im Garten seines Wohnhauses, Kapellenstratze 11, das Abendessen eingenommen bei welchem eine sehr lebhafte Unterhaltung geführt wurde Gegen 10 Uhr suchte der Geheimrath fein Zimmer auf, um sich zur Ruhe zu begeben. Kurze Zeit später — der Verstorbene mag sich erst int Halbschlummer befunden haben — erwachte er, mit der feiner Gemahlin «»gerufenen Bemerkung: „Mir ist fo sehr warm." Anfangs glaubte er, infolge zu warmen Zndeckeus in Schweiß gerathen zu fein, wurde jedoch bald der Ueberzeirgung, daß die eiugetreteue Körperhitze auf andere Ursachen zurück,uführeu fei, und ließ infolge dessen feinen Hausarzt, Herrn Sanitätsrath Dr. Franz Hoffmann und feine Kinder zu sich bitten. Im weiteren Verlauf des Unwohlseins äußerte der Gelehrte mehrfach den Mitgliedern seiner Familie gegenüber, daß ihm fo schlecht, wie momentan, noch nie gewesen sei Der Arzt erschien und verordnete ein Stärkungsmittel, das iridetz nicht mehr zur Anwendung kommen konnte, ba der Erkrankte gegen '/-I Uhr bereits verschieden war. Derselbe hatte eben noch einmal feiner Verwunderung über das plötzliche Unwohlfem Ausdruck gegeben, als er, seinen Kopf nach links neigend, ohne jeden Todeskampf feinen Geist aufgab.
— Cirktrs xorlq-Atthofk. Heute, Samstag, findet eine „Gala-Elite-Vorstellutrg mit nou pius ultra-Programm" statt. Unter Anderem zum ersten Male: Große Massenvorführung von 50 Pferden durch den Direktor Pierre Althoff. Diese Pferde sind in Freiheit dressirt und werden zusammen auf einmal Borge führt. Ferner wird Herr Althoff znm ersten Male den nach einer ganz neuen Methode drefsirteu braunen ungarischen Hengst „Passe- Partout" vorführen. Außerdem folgen: Potpourri von80Clowns, männlichen und weiblichen, das Blumenpferd „Flieder", vorgeführt von Fran Direktor Althoff, und Herr Mans mit dem breffirten Fnchsheiiast (Schnlpferd) „Schnsterbub", der urkomische Universal- Clown Ghezzi, die besten Luftküustler der Gegenwart. „The Meteore“, 2C. — Morgen, Sonntag, finden zwei Vorstellungen: Nachmittags 4 Uhr zu halben greifen auf allen Plätzen für Erwachsene und Kinder und Abends 8 Uhr zu vollen Preisen, statt.
> Vor Aufuahme aller Geschäfte richtet der stellvertretende Vor- Mtzende, Herr Landesbankdirektor Reusch, folgende Ansprache an i sie VersainuUnng:
t «Ich eröffne die Sitzung durchdrungen von dem Gefühle der Trauer. Ein großer Verlust hat unser Kollegium und die ganze s^Etabt betroffen. Unser allverehrter Vorsitzender, Herr Geheimer Mofrath Professor Dr. R.Frefeniu», ist uns in der vergangenen .Nacht durch den Tod entrissen worden. Wir Alle siud ihm zu großem -.Danke verpflichtet. Trotz seine« hohen Alters ließ er sich bereit
f . Dieser „große" Mann selbst beuurnhigt ja die Bevölkerung nicht mehr, aber Andere widmen sich, wenn auch mit weniger Eklat, dem nänilichett ehrlichen Berns, und wenn diese schöne Insel "so wenig prosperirt, fo ist dies znm großen Theil dem Baubitntthum und der Vendetta zuznschrciben. Ich sage dem Banditeuthrrm und der Vendetta, beim ersteres steht durchaus nicht immer zu letzterer in Beziehung ober ist eine Folge berfelbeii, wie dies poetischer Weise stets heißt, man wollte beim jeden Mord, ans welchen Motiven er auch entspringt, als eine Vendetta bezeichnen. Denn Morde find es gewöhnlich, die die Korsen in die Makis treiben, i aber die Leidenschaften, die diese Hervorrufen, verdienen nur feiten die Bezeichnung edler, sondern sind oft allerniedrigster Natur. So wurde kürzlick) in Bastia einer dieser sagenumwobenen Banditen bingeridjtet, der einen Mann gelobtet, weil dieser sich unterstanden hatte, vor Gericht gegen ihn zn zeugen. Der Aermste bennnzirte ihn nicht etwa. Vorgefordert, sagte er unter seinem Eide ans, was er wußte, widerstrebend, durch das Gesetz gezwungen; es ist denn doch etwas schwierig, die Math eines Verbrechers darüber als großmüthige, edle Indignation anzufehem In einem anderen Falle warf der Kläger dem Beklagten feinen Dolch in de» Rücken, als er sand, daß der Spruch letzterem günstig lautete. Es standen hier nur Geldmteresseu im Spiele, es l handelte fick, um die Bezahlung einer geringfügigen Pacht. Der .Held" dieses Dramas war ein Greis von über 80 Jahren, dessen Hand wohl schon etwas schwach fein mochte, beim bei Getroffene kam mit dem Leben bavou. Angesichts seines hohen Alters wollte der Richter bem Messerhelden eine mildere Strafe erwirken und fragte ihn, ob et feine Thai wenigstens bereue. Hier zeigte sich aber die „Größe" des Manne«, der des gemeinsten Geldiuteresses wegen da« Leben seines Nächsten nehmen wollte, er lehnte es entschieden lb, irgend welches Bedauern zu empfiuden.
Aber selbst wenn er sich um eine richtige Vendetta handelt, ist « in den meisten Fälle» lächerlich, von nobleren Empfindungen ober auch nur leicht entflammter Leidenschaft zu sprechen. Das Eigene der Vendetta ist es ja gerade, daß sie eine Rache bedeutet, die oft erst nach langen Jahren geübt wird, von den Nachkommen : Derer, gegen die die angebliche Schuld begangen worden, also in Ruhe und mit besonnenem Blute. Häufig wird unter diesem Vor- Wanbe auch nur Jemand an« bem Wege geräumt, der sich in irgend einer Weife als ein Hiuderniß erweist; ein Grund, daß Vendetta geübt werden mußte, ist bau» schon herauszufinden. 6eit Jahrhunderten leidet Korsika unter diesem Fluch, der die Insel entvölkert. AnS offiziellen Dokumenten gebt hervor, daß zwischen 1683 und 1715, also iu einem Zeitraum von 32 Jahren, die Zahl der Morde die enorme Zahl von 28,715 erreichte, b. h. 900 burchschnittlich im Jahr bei einer Bevölkerung von wohl kaum r, 150,000 Seelen. So schlimm ist es heut nicht mehr, aber auch jetzt Werden in Korsika im Verhältniß zur Einwohnerzahl noch ftebeimial fo viel Verbrechen begangen als im ganzen übrigen Frankreich.
Um gegen dieses liebel anzukärupfen, hat sich nun eine Gesell- Kiaft gebildet, die fchon zahlreiche Anhänger zählt. Durch öffeut- nche Vorlesungen und Flugschriften sucht dieselbe zu wirken, dem «olle begreiflich zu machen, daß an ein Gedeihen des Laubes nicht «t denken fei, solange ein Vergehen gegen das Gesetz al« eine Art ^eldeuthat betrachtet, in den Hütern der Ordnnirg die zu bekämpseuven einbe gesehen werden. Die Begründer der Gesellschaft ver- che» sehr wohl, baß hier durch Vorschriften und Verbote lurnig sei, baß vor Allem gegen das Vorurtheil migekämpst Werden muß, das die Vendetta als erwas Edles und als eine Natur- gjotbiBenbigteit hiustellt und den Bandiien mit einem Nimbus nm- «lebt. Wenn es gelänge, Korsika von dieser» zu befreien, bann i Würde die schöne Insel auch sicher das Ziel vieler Reisenden werden, die jetzt diese Romantik doch lieber an« der Ferne bewundern, und pamit der Wohlstand an die Stelle des zeitigen Elends trete».
(Nachdruck verboten.)
Klukache und Kanditen.
A Ajarrio, 5. Juni 1897.
Mehr wohl noch, als weil sie das Geburtsland des großen - Napoleon ist, mugiebt die Insel Korsika ein besonderer Zauber als die Heimath der Vendetta. Wer sich in feinen Ideen mit dem - Eiland beschäftigt, dem steigen vor das geistige Auge gewöhnlich Gestalten auf im romantischen Kostüm, den kostbaren Dolch im Gürtel, Männer von besonderer Gewandtheit und einer gewissen Eleganz, mit schönen, ausdrucksvollen Köpfe» und kühn blickenden Augen. Der korsifche Bandit ist nicht ein gewöhnlicher Miffethäter, der ‘ mit der Justiz in Konflikt gerathen und sich vor biefer verborgen . hält, ein edle« Motiv hat ihm ben Dolch zur blutigen ° Thai in die Hand gedrückt, er rächt die Ehre ober den Tod eines Angehörigen, ober wenigstens ist es doch Liebesleideufchast geivese», - die feilt heißes Blut verführte, de» Rivalen ober vielleicht selbst die Angebetete zu morden, und damit verfiel er nun selbst der Vendetta. Besonders französische Dichter, Edmond Abont und Merimöe, habe» einen Nimbus um das Haupt korsischer Banditen gewoben, sodaß auch noch in heutiger Zeit ein Bellacoseia als eine Art Held gilt, der sozusagen einen ehrlichen Kampf gegen die Soldaten unb Geubarmeu führte, bie ihn an der Ausübung feines row unscheu Gewerbes hindern wollten.
ksbdilfiicr Sagblatt
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