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1897
Freitag, den 11. Juni
Uo. 368.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
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Für die für jeden gebildeten Staatsbürger unerläßliche Kemit- der politischen Verhältnisse des Reiches nach den verschiedensten
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IsttbUSum. — Das Weltreich “Enwiscolia”. — Soziale «eklung der Büh»«n-A«gehörigen. — HSndelfest. —
Militärisches Tournier. — “Sons of thc Empire’1
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nicht einmal einen Landraths- postkii, wird nicht bestätigt, wenn ihn eine Stadtgemeindc zum
ist also mit Nichten der deutsche Benjamin, da? werden auch die AuShebuiigSlisten bezeugen, vielmehr hat Schaumburg-Lippe mit rund 42,000 Einwohnern — die gute Stadt Beuchen hat ihrer einige mehr — diesen Vorzug. Ein Blick auf da« Diagramm macht die Verschiebungen zwischen Flächcngehalt und Bevölkerung der deutschen Staaten deutlich, gießt aber auch weiteren interessanten Ausschluß
0. :d- 2C.
(Nachdruck verboten.)
Krrgleichende Große verdeutschen Staaten «ach Flächeninhalt und Kevölkerung.
(Nachdruck verboten.)
Londoner Srief.
(Von unserem eigenen Korrespondenten.)
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Kart Jentsch über die Lage im
In der Wiener Woche,achrist „Die Zeit" entwirft der bekannte sozialpolitische Schriftsteller Karl Zeutsch ein Bild von der „Lage im Deutschen Reich", das an Klarheit und scharfer Sicherheit in der Wiedergabe der Hauptmerkmale fast nichts zu jwiinschcn übrig läßt. Zunächst charakterisirt der Verfasser unsere „Aristokratie", und zwar mit folgenden Worten: „Die Aristokratie im Deutschen Reich will nur sich selber auf Kosten des Volkes bereichern, und sie umfaßt nicht einmal alle Standesgenoflen, indem sie die Katholiken, die Polen, die Elsaß- Lothringer, die liberal gesinnten Mitglieder derGeldaristokratie von den höheren Staatsämtern ausschließt. In England wechseln Konservative und Liberale in der Regierung ab, und auf dem Wege durchs Parlament kann ein Journalist, ja ein Fabrikarbeiter zu einem hohen Staatsamte gelangen. In Preußen bekonimt ein ausgesprochen liberaler Mann
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Sichtungen bin ist es absolut nolh- vcudig, daß er eine Menge von Dingen weiß, von denen unsere .Schulweisheit" sich im Allge- meiiten noch nichts träumen läßt,
Verlag: Langgasse 27.
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gar ordentlich stolz fühlen mit seinem fast fünfmal größeren Flächengehalt. Aber der gute Weser-Freistaat braucht nicht zu verzagen; wenn der Ton die Musik macht, so macht erst die Kopfzahl der Bevölkerung die Bedeutung des Staates ans, wenigsten» überall dort, wo es civilisirt zugeht, und da rückt denn Bremen mit einer Bevölkerungszahl von rund 198,000 Seelen von dem untersten Platz gleich um acht Plätze herauf, läßt Lippe-Detmold schon ein ordentliches Stück zurück und außer etlichen Fürstcnthümern sogar ein Herzog- thum, Sachsen-Altenburg, und das Großherzogthnm Mecklenburg- Strelitz, obgleich dies ihm an Fläche 12-mal „über" ist. Bremen
sr«rel-en-PrelSr
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Bürgermeister gewählt hat. Natürlich ist das ganze Volk von intensivstem Haß gegen eine so unpolitisch exllusive Klique erfüllt.
ES sind bekanntlich die altpreußischen Junker und die Größten von ben Großindustriellen, die Alles für sich allein haben wollen: den Grundbesitz, das Geldkapital, die hohen Staatsämter und den Lebensgenuß; die daher den Arbeitern da« Koalitionsrecht nach
London, 9. Juni.
t Jubilee! — Jubilee! — Jabileel Alles jubilirt schon W lange und so laut und so unaufhörlich, daß es Leute Mt, die der ganzen Sache bereits überdrüssig geworden, chr ur das Jubiläum einmal wirklich da ist. Ich will Mer heute einmal versuchen, auf Vorkommnisse hinzuweisen, M mit dem Jubiläum Ihrer allergnädigsten Majestät nicht W Berührung kommen — soweit dieses eine Menschen- Wglichkeit ist! Denn das Fest wirft ja seit Langem schon Ke Schatten — Verzeihung! seine Strahlen — auf ■es, was in England — ich meine Großbritannien und ike Kolonieen — vorgeht.
9 Da habe ich nun gleich einen Punkt berührt, der die Werthancn der Königin Victoria im Augenblick gar schmerz- M berührt. Sie haben nun das große Weltreich, in dem Sonne nie aufgeht — halt, da muß ich wieder um Mzeihung bitten! Das gilt ja nur von dem kleinen Jnsel- <Rbe, dem Mutterlande des Weltreichs, und auch hier will ß als gewissenhafter Chroniqueur mein Urtheil doch lieber in qualifiziren, daß ich die Sonne hier wenigstens nie habe igehen sehen. Indessen, da haben sie nun das große treich und haben keinen Namen dafür. England t ja stolz genug, eine Name, der bekanntlich von den Jahre 449 mit den Sachsen hier eingewanderten Angeln eiten und der ja auch heute noch recht bezeichnend ist, Msofern ihre Nachkommen das Angeln — und zwar nicht nach Fischen — stets mit großem Erfolg betrieben.
‘ÄMUrthtttt» für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur •v’’’* ■(jViHOlljm» nächstcrscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
«5. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
■ ohne die man aber bei der Lektüre vo» Zeitungen oder einschlägigen Werken Öfter auf Hindernisse stößt, velche das Verständniß erschweren.
Md. Statistik in erster Linie war -dazu berufen, hier klärend zu iviikeu, zumal dort, wo sie den trodfcnen To» der Gelehrsamkeit vermied, plaudernd, unterhaltend und anregend der großen Maste W» Publikum« eiitgegentrat und in ihren Diagrammen und Tafeln nach größtmöglicher Anschanlich- kei! strebte. In letzterem Sinne hat besonders Prof. A. L. Hickmann pH Wien außerordentlich fördernd durch seine in dem angesehenen Verlag von Frehtag u. Berndt in Wen erschienenen geographisch- striistischen Taschen-Allanten gc- luiitt, die sich schnell eine große Popularität errungen haben. Neuerdings hat er einen Tascheu- MlaZ des Deutschen Reichs in drei Theilen herausgegeben, und au; diesem empfehleuswerthen Buch entnehmen wir eine Reihe interessanter Diagramme, deren
; VervielfältigungSrecht von der i-VerlagShaudlung für unser Blatt erwerbend. Die Tafeln sind an sich schon sehr übersichtlich und dem Pe.stäudniß jedes Lesers naheliegend, doch geben wir zur weiteren Jnwrmatiou einer leben einen - gedrängten Text ans bewährter Feder hinzu und hoffen, daß diese ebenso belehrenden als unter« habenden Informationen über eine Menge interessanter Verhältnisse des Deutschen Reich« Anerkennimg finden werden. Wir lassen die $4fdn mit den Begleittexten in Mmigloser Folge erscheinen und beginnen heute zunächst mit einer Sergleichenden Uebersicht der deuffchen Staaten nach Flächen- ivhait und Bevölkerungszahl.
Preußen ist nicht mir der toeit« W» größte Staat de« Reich», es gfc-ead) bedeutend größer noch als Knmtliche übrigen 25 deutschen Staaten zusammen, von beiten sich einige ganz ltliputamsch aur- Wchmen. So steht an Flächengehalt die gute HauscistadtBremen zu 1 'Werft in der Reihe. Unter ihrem Banner mit dem bekannten i Müffel im rottjen Felde stehen 256 km; die weit unbedeutendere, *tt nichtsdestoweniger ebenso alte und interessante Hansagenostin Lübeck hat sogar über 40 km mehr, und Lippe-Detmold könnte sich
über die Religionsverhciltniste im Reich und ben Hauptstaaten, wie nicht minbtr über die Nationalitätenfrage. Es zeigt sich, daß Preußen und die Reichslande die einzigen deutschen Staaten find, welche fremde Völkertheile in sich aufnahmen. So haben die Reichslande 32 pCt. Franzosen, Preußen 0,3 pCt. französisch redende Bevölkerung, aber 6 pCt. Polen, Tschechen und Wenden, überdies ‘/»pCt. Dänen, Littaner rc. Etwas mehr als der dritte Theil der deutschen Bevölkerung ist katholisch, mehr als 64 pCt. sind evangelische Christen- und 1,2 pCt. Israeliten. Das Diagramm giebt Aufschluß, wie sich die Neligionsbekenntnisse numerisch in den Hauptstaaten ver- theilen. Bayern, Baden und die Reichslande haben überwiegend katholische Bevölkerung.
Bon Jntereffe ist noch das Flächen- und Bevölkerungszahl- Verhältniß Deutschlands zu feinen Schutzgebieten. Die entsprechenden Bemerkung«! auf der Flächentafel- Hälfte des Diagramms ergeben, daß die Fläche des Reichs fast 5-mal in der der Schutzgebiete aufgeben kann, während der Be- völkeruugskrets den Bayerns übertrifft. Wir haben, influfibe de» Dr. Sigl, rund 5,820,000 Baju- varen, aber fast 7‘/i Millionen schwarze und braune Reichsmit- brüber in Afrika und Polynesien. Wir gestehen aber, daß un» die bajnvarische Minderzahl trotzdem Dr. Sigl bedeutend lieber ist.
land. Und das wäre doch gewiß die geeignetste Bezeichnung. Whiskey ist der allverehrte Nationaltrank, soweit die englische Zunge klingt, ja, und darüber hinaus noch. Whiskeyland würde also nicht nur alle gegenwärtigen „Enwis- colianer" umfassen, sondern man würde doch damit auch den nationalen Angelgelüsten nicht ohne Weiteres Schloß und Riegel vorlegcn.
Es hat sich in der Victoriaschen Aera gewiß auf keinem Gebiet des öffentlichen Lebens ein größerer Umschwung vollzogen, als in der sozialen Stellung der Bühnen- Angehörigen und insonderheit in ihrem Verhältniß zu der Kirche. Zur Zeit der Thronbesteigung der Königin waren die Thüren „anständiger Häuser" für diejenigen geschlossen, die auch nur ein „Spielhaus" besuchten, früher wurden die Schauspieler als Kovacs andVagabonds betrachtet und behandelt, heute haben sie selbst die Curates — die jungen Hülfsprediger — im gesellschaftlichen Leben ganz und gar in den Hintergrund gedrängt und gelten wie kaum ein anderer Stand für die Lieblinge der Gesellschaft. Aber auch die Geistlichkeit selbst, die vordem zu ihren erklärtesten Widersachern gehörte, hat heute längst den Werth eines guten Stücks und einer guten Darstellung in Bezug auf die moralische Beeinflussung der Massen erkannt und demgemäß ihre Stellungnahme den Bühnen-Angehörigen gegenüber ganz und gar verändert. Aber der sprechendste Beweis des
stattgehabten Umschwungs wurde jedenfalls jüngst in Canter
bury geliefert, dem Sitz des Primas von England. Hier wur der alte bischöfliche Palast erneuert, und zur Einweihung desselben hatten die hohen Prälaten den vor zwei Jahren in den Adelsstand versetzten Schauspieler Sir Henry Irving
eingeladen, in Gegenwart des Prinzen und der Prinzessin von Wales und anderer vornehmster Persönli'' ’ten des
Landes Tennysons Drama “Decket” vorzuleien, dessen
Aber in den Namen sind die Schotten, streng genommen, nicht eingeschlossen. Sie bereiten gerade im Augenblick eine große Petition an die Königin vor, daß künftig in allen offiziellen Dokumenten statt England stets der Name Großbritannien gebraucht werden soll. Das klingt doch wohl groß genug, aber es schließt ja Irland nicht einmal ein. Und wenn man deshalb den Namen Vereinigtes Königreich gebraucht, so klingt das eigentlich wie bitterer Hohn, da gerade Irland mit der Schwesterinsel durchaus nicht vereinigt sein will; und überdies schließt diese Bezeichnung ja auch Indien und die Kolonieen noch nicht ein.
Da find nun alle möglichen anderen Bezeichnungen für den gesammten Länderbesitz der Königin Victoria in Vorschlag gebracht, darunter auch nach ihrem Namen dir Bezeichnung „Victorialand". Aber abgesehen von anderen Einwendungen, die sich dagegen erheben lassen, ist doch nicht zu übersehen, daß es bereits eine Kolonie dieses Namens giebt, was zu neuen Schwierigkeiten führen würde. Großen Beifall findet der seltsam klingende Namen “Enwiscolia", der aus den Anfangsbuchstaben und Anfangssilben der einzelnen Theile des Reichs zusammengesetzt ist: En für England, W. I. 8. für Wales, Irland und Schottland, Col für die Kolonieen, und I—A könnte man leicht für einen bezeichnenden, unwillkürlich angefügten Naturlaut dessen halten, der den Namen ausgesonnen, aber so ist es nicht gemeint.
I und A sind Anfangs- und Endbuchstabe von India. So bekommen wir “Enwiscolia”. Ein anderer Vorschlag ist, nach
den Initialen von Wales, Irland, Schottland und England das Ganze “Wiseland” zu nennen, also das „weise Land". Aber wo bleiben dann die Kolonieen ? Sollte nicht für diese wenigstens
ein C oder ein K eingefügt werden? Wir erhielten dann
was ebenso ausgesprochen würde wie Wbiskeu
Wiskeland ,
Vergleichende Größe der Deutschen Staaten
d. nach ihrer BeTSlkerungszahi
I. nach ihrem Flächeninhalte in Quadrat-Kilometern,
unter einander, «um ganzen Reiche und zu den Kolonial- und Schutzgebieten,
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