Wiksbckkmr TagM
«5. Jahrgang.
Verlag: Langgasse 27.
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Uo. 261
Sonntag, den 6. Ium
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
1897<
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
WF“ Megrrr des Pfingstfestes erscheint die nächste Ausgabe am Dienstag Nachmittag.
Aus Stadl und Kund.
Wi esbaden, 6. Juni.
Erscheint in zwei Ausgaben. — BezuaS-PreiS: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
— Kurhaus. An der am Donnerstag stattgefundeiun ersten Rhnnfahrt der Kurdirektion betheiligten sich über 250 Personen Der Ausflug verlief in animirtester Weise; kein Mißton störte die m allen Theilen tadellos vorbereitete Veranstaltung. Das Trom- Peter-Corps de« 27. Artillerie-Regiments unter seinem trefflichen Leiter, Herrn Kgl. Mufikdirigenten I. Beul, war während der ganzen Tour unermüdlich thätig, spielte durch den Biebricher Schloß- Park. auf dem Salonboote, in dem anmuthigen Vorgarten des Hotel« .Zur Krone" in AßmannMusen — dessen trefflicher Wirth Herr A. Hufnagel in gewohnter Weste sein Bestes bot, um die zahlreichen Gaste zufrieden zu stellen —, gu dem vorzüglichen Mittags mahle auf der schattigen Terrasse des Jagdschloffer Niederwald (Inhaber: Herr A. Jung), zum Tanze nach dem Diner, am National-Denkmal und schließlich auch zu dem Schiffsball bei der Heimfahrt. Raketen und bengalische Beleuchtung begrüßten Abends in Biebrich das guriick- kehrcnde fröhliche Völkchen, das über das wohlgrlungene Arrangement nur eine Stimme des Lobe« hatte. Der erste Kursekrelär, Herr Ferd. Mäurer, führte den Ausflug.
— Dtr girtinische Madonna in Aride. Wir machen Kunstfreunde nochmals auf die Ausstellung der von Fräulein Ripberger aus Dresden in Seidenstickerei kopirten berühmtesten Raphaelschen Madonna aufmerksam. Verschiedene kritische Stimmen von auswärts veröffentlichten wir bereits über dieses Riesenwerk deutschen Frauenfleißes und werden selber dieser Tage auf die ebenso eigenartige, als interessante und schöne Arbeit zurückkommen. Die Ausstellung findet in der alten Kolonnade statt.
— Di« Detailreisende» bedürfen bekanntlich nach der Gewerbenovelle mir dann eines Hansirscheines nicht, wenn sie „nach vorgängiger ausdrücklicher Aufforderung" Bestellungen aufsucheu. In der württembergischen Kammer der Abgeordneten ist nunmehr infolge einer Petition die Frage zur Entscheidung gekommen, ob diese vorherige Aufforderung eine schriftliche sein muß oder eine mündliche sein kann. Das württembergische Ministerium hat erklärt, daß eS in dieser Frage eine Entscheidung nicht treffen könne, da die für die Auslegung des Begriffs maßgebenden ReichSlagSverhand- lungen eine verschiedene Deutung derselben zulassen. Die volks- wirthschaftlichc Kommission der württembergischen Kammer hat einstimmig dieselbe Ansicht geäußert. Eine vorgängige schriftliche Aufforderung sei nicht erforderlich. In der Begründung des Gesetzcutwnrfr seien die Worte „ohne vorgängige ausdrückliche Aufforderung" überhaupt nicht enthalten gewesen. Die ReichSlagS- abgeordneten, von welchen die Abänderung des Entwurfs auS- gegaugcn ist, haben sich über die vorliegende Frage nicht bestimmt ausgesprochen. Der Abgeordnete Dr. Hitze hat zwar bei der dritten Lesung als Beispiel einer vorgängigen Aufforderung angeführt, daß der Reisende den Kunden eine gedruckte Erklärung unterzeichnen laßt, in welcher der Reisende anfgcfordert wird, regelmäßig auch ihn zu besuchen. Andererseits hat aber der Abgeordnete Richter geltend gemacht, eine ausdrückliche Aufforderung könne nicht bloß durch eine Postkarte erfolgen, auch eine mündliche Aufforderung sei nicht ausgeschlossen. Ein Beschluß wurde über diesen besonderen Punkt nicht gefaßt.
— In peinlicher Lage befanden sich gestern Nachmittag ein Brautpaar und dessen Zeugen. Die Pferde der Droschke, in welcher die erwähnten Personen nach dem Standesamt führe», scheuten in der Nähe des Rathhauses, weil sich ein Sielscheit losgelöst hatte und dem einen Pferde gegen die Hinterbeine schlug. Sie rasten die Markt- und Bahnhofstraße entlang, bis an der Ecke der Liiisenstraße sich ein des Weges kommender Manu dem einen Pferde muthig in die Zügel warf und die Durchgänger znm Stehen brachte. Zwei der Männer (die Zeiigen) waren während der tollen Fahrt aiis dem Wagen gesprungen. Alle kamen mit einem ordentlichen Schrecken davon und daß trotz des regen Fnhrwcrksverkehrs in den genannten Straßen nichts weiter paffirte, dar können diegeängsiigsteu Brautleute, die nachher direkt zum Standesamt fuhren, noch als ein gutes Zeichen betrachten.
„ — M'iur Notizen. Im Panorama Photoplastik, Lanagassr25, komnien diese Woche zur Ausstclluug: Linz, Semmering, Steiermark, Triest, Abbazia. - Am 9. d. M. feiern die Hermaikn- straße 3 wohnende» Eheleute Möbeltransporteur Heinrich Maybach und Frau die silberne Hochzeit.
Pfingsten.
„Pfingsten!" jubelt'S durch die Gaffen, „Pfingsten!" jauchzt e» durch den Wald; Ach, mit Worten zu umfassen, Was au» tausend Kehlen schallt!.
Menschen können'» nicht verschweigen, Vögel singen's von den Zweige», Daß eS tönend widerhallt.
Fest des Frühlings, Fest des Geiste», Wer soll würdig Dir schalmei'n?
Schon im Evangelium heißt eg; Feuerznngen müssen'» fein!
Lippen, die nicht träge säume». Nein, frohlockend üderschäumen, Trunken, wie von süßem Wein! Heil'ger Geist, steig' zu uns nieder, Frühling, mach' uns stark und jungl Gieb dem Munde helle Lieder Und der Seele Kraft und Schwung!
Daß, wenn Winterstürme sausen, Ohr und Herz wie PfingsteSbrausen Noch durchklingt: Erinnerung.
Kurze sachliche Berichte wewen bereMuiMgst'mNer^^m'uebcrfchrist aufflenommen.
* Kürzlich hielt der „Erste Schwimm-Verein BiebriäK. Wiesbaden" seinen ersten gesellige» Ausflug, von dem die Zöglinge und Mitglieder der Jugendabtheilung ausgeschloffeii waren, ab der durch zahlreiche Betheiligung des Frankfurter Schwester- klubs verschönert wurde und dadurch die schöne Harmonie geigK bie zwischen beide» Vereinen besteht. Auf dem in liebenswürdig Weise von Herr» Ezelius zur Verfügung gestellten und beflaggten Dampfer „Sokrates", der die Theilnehmer nach herrlicher Fahrt in Frei-Weinheim landete, war während derselben durch die Fürsorge Herrn WiithS aufs Beste dem ErfrischuiigSbedlirfniß Rechnung getragen. Nach fröhlich verlebtem Nachmittag, Rede» und <A- widerungen des 1. Vorsitzenden des Frankfurter und de« 2. Vorsitzenden de» Biebrich-Wiesbadener Vereins erfolgte die Rückfahrt. Das fröhliche Fest endete mit einer kleinen Nachfeier auf der schöne» Veranda der Taunusbraiierei in Biebrich.
* Der Männergesang-Verein „Union" unternimmt heute, Sonntag, einen Familieiiaiisflng nach Biebrich in die dortige neue Turnhalle, einen der größten und schönsten Säle der Umgegend. Da, wie bekannt, der Verein über ansgezeichuetes Material, Solisten wie Komiker, verfügt, so dürften einige recht vergnügte Stunden den Besuchern sicher fein. Auch Freiiude de« Vereins können daran Theil nehmen. Abmarsch Pniikt 3 Uhr vom Luisenplatz.
* Der hiesige Gesangverein „Neue Concordia" wirkt am 2. Pfingsttag in einem von dem „Mäniiergesang-Verein" iil Camberg veranstaltete» Konzert znm Besten der durch den Sturm vom 18. März c. Geschädigten mit. Da» Konzert findet im „Saalbai, Send" dortselbst statt und beginnt um 3 Uhr Nachmittag«. Genannter Verein hat in Frl. Reichard von hier eine vortreffliche Solistin gewonnen, und so wird da» Konzert, da» bei seinem edlen Zweck einen hohen Kunstgenuß verspricht, sich wohl eines zahlreichen Besuche« Seiten» der Musikfreunde vön Camberg »nd Umgebung erfreuen dürfen. Die „Nene Concordia" fährt mit dem ersten Zug von hier nach Niederselters, besichtigt dort den Brunnen und wird von da aus eine mehrstündige Wanderung durch die herrlichen Waldiinge» amWörsbach nuternehmen. DieEisenbahubehörde hat im Hinblick auf den guten Zweck des Konzertes eine Fahrpreisermäßigung gewährt.
* Die Gesellschaft „Gemüthlichkeät" feiert am zweite» Pfiiigstfeiertage im „Römersaa!" ihre Fahnenweihe, bestehend in Konzert lind Ball. Das reichhaltige Prograniiii verspricht einen genüßl ichen Abend. Seit ihrem vierjährigen Bestehen hat bie Gesellschaft sich viele Anhäiiger erworben. Die Franen und Jungfrauen der Gesellschaft haben zu der Fahne sehr viel beigetragen und überreichen der Gesellfchaft zur Erinnerung an den Festtag eine in dunkelrothem Plüsch gehaltene Fahnenschleife.
* Der „Christliche Arbeiter-Verein" veranstaltet am 2. Pfingsttag, Nachmittags, einen Familienansflug nach dem Fest- platz „Bahnholz". Für Kinderspiele, Wettrennen ic. wird Sorge getragen werden.
* Der „Spar- und Bauverein" hält am Dienstag, den 8. Juni, Abend« 8a/< Uhr, Mcmergafse 4, eine Generalversammlung ab. Anf der Tagesordn,iiig steht u. A. die Vorlegung der Be- dinguiigen für den Erwerb billiger Wohiihäuser mit Gärte».
* Die Wochensitzung de« „Freidenker-Vereins" ist von Montag, den 7., auf Mittwoch, den 9. Juni, Abend« 9 Uhr, verschoben und fiiidet im GartenhäiiSchen de» „Nonnenhos" statt.
* Der Gesangverein „Wiesbadener Männer-Klub" hat seine diesjährige Sängerfahrt für Sonntag, den 20. Ium, nach dem herrlichen Taunus geplant und zwar nach Königstein, Cron- berg, Cronthal und Soden. In Stönigßeiu wird da» gemeinsame Mittagsmahl eingenommen. Eine gute Musikkapelle unserer 80er wird den Verein begleiten, und bei deren muntereii Weisen, fröhlichen Liedern und soiistige» Ueberraschungen werden den Theilnehmern wohl recht angenehme Stuiiden bereitet werden.
__ * Die „Ballgesellschaft Wiesbaden" beabsichtigt am 20. Juni eine Rheintonr nach St. Goar-St. Goarshausen zu unternehmen. Die Abfahrt soll um 8 Uhr früh von Biebrich, die Rückkunft daselbst um 9 Uhr Abends erfolgen. Bei einigermaßen günstigem Wetter dürfte den Theiliiehmer» ei» recht vergnügter Tag in Aussicht stehen, da auch befreundete Familien der Mitglieder theilnehmen können.
* Der „Kaufmännische Verein Wiesbaden" ver- aiistaltet schon seit einer Reihe von Jahren in Walluf a. Rh. ein Sommerfest zu Gunsten seines BanfondS zur Errichtung eine«
Amemen-Annttlttne ^.r*'eJ<benb-Ausgabe bi« u Uhr Vormittag», für die Morgen-Ausgab« bi« 3 Uhr Nachmittag». — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen,«r swuHwjmv nachsterscheinenden Ausgabe wird kein« Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. 4 9
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— Pfingsten! Ein eigener Zauber liegt in dem Worte. Es klingt, als wäre darin die frohe Erfüllung aller Verheißungen beschlossen, die Meister Lenz uns freigebig angekündigt hat; es klingt wie tausendstimmige» Vogelgezwitscher, wie jauchzender Orgelton und Heller Festglockenklang. Pfingsten gilt nnS feit vielen Jahrhunderten al» das eigentliche Frühlingsfest, al« das Fest, an welchem die neu erwachte, zu sommerlicher Fülle heranreifende Natur besonders lebhaft und eindringlich zu uns spricht. Was da millionenfach, auf Necken, und Wiesen, Auen und Triften, in Buschen und Wäldern, auf Bergen und in Thälern, um uns herum grünt und blüht, scheint uns zu keiner Zeit des Jahre« so liebenswerih, wie gerade zu Pfingsten. Nie zeigt sich uns die Nattir in so keuschem, jungfräulichem Gewände, wie in diesen Tagen, wo die Sonne ihre mildesten Strahlen, Blumen und Blitthen ihre süßesten Wohlgerüche ausznhauchen scheinen. Der Duft, der un» umschmeichelt, erquickt uns, aber berauscht uns nicht. Für die christliche Kirche ist Pfingsten das Fest der AtiSgießnng de« heiligen Geistes. Ein herrliches Symbol in der Thal, denn wenn irgend eine Zeit den Menschen zu höherem Aufschwung begeistert, so ist es diese. Wie eine göttliche Offenbarnng bäucht uns zu Pfingsten die junge Frühlingspracht, die farbenschimmernd, in all ihrer Zartheit und Reine, vor uns ausgebreitet liegt, und mit den Vögeln im Chore fühlen wir uns verflicht, singend und sagend, in feurigen Zungen, das Lob des Schöpfers zu stammeln. Wer zu Pfingsten nicht des heiligen Geiste« voll ist, an dem ist, prosaisch gesagt, wie e« solchem pnffaischen Wichte zukommt, Hopfen und Walz verloren, wenn et nicht gar zu jener Sorte von Menschen gehört, die ein alter Reimspriich als „böse" bezeichnet, weil sie „keine Lieder haben". Unsere lieben Leserinnen und Leser gehören, so hoffen wir, nicht dazu; ihnen und allen Gleichgestiinten wüiischen wir daher von ganzem Herzen fröhliche Pfingsttage. Möge der Himmel dem schönen Feste zu Ehren ein Einsehen haben und fein bestes blaues Sonntagskleid, mit leuchtenden Sonnenstrahlen goldig durchwirkt, anlegen!
Verso»»! - Nachrichten. Herr Regierung? - Präsident v. Tepper-Laski hat einen vierwöchentlichen Urlaub »»getreten; wahrend dieser Zeit wird der Herr Oberregierungsrath v. Reiswitz die Geschäfte der Regierung führen. - Herr Amtsgerichtsrath Soffen in Wiesbaden ist alsLaudgerichtSrath an das Landgericht Hierselbst versetzt. — Herr Gerichts-Assessor Schneider hier ist zmw Amtsrichter bei dem Amtsgericht zu Höchst a. M. ernannt worden. — Versetzt sind Herr Amtsgerichtsrath Molly zu Mten-
'u Ä1—*■—* *■ r>err Staatsanwalt Harder
(Nachdruck verboten.)
Aonigtha».
Von Richard Driimmling.
Wer in der schönen Jahreszeit seine Spaziergänge nicht zu dem Zweck unternimmt, damit et nach der Wanderung im Sonnenbrand erneu triftigen Grund hat, seine trockene Kehle mit einer desto größeren Schoppeiiaiizahl des schäumende» Gersteiisafte« zu kühlen, tonöern auch dabei Auge und Sinn offen hält für die ihn umgeb-nde Aatnr, wird oftmals zu der Beobachtung Gelegenheit haben, daß da« Blätterdach der Linden, Ahorne, der Eichen und Buchen und der unter ihnen wachsenden Sträucher und Kräuter aus der Ober- Mte von eiweißartig glänzenden, klebrigen Ueberzüge» übet und «er bedeckt ist. Ganz von selbst erinnern die zahllosen Tröpfchen und Flecken einerseits wegen ihrer Klebrigkeit und ihre» süßliche» MschmackeS an Honig und andererseits Wege» ihrer regellosen An- erbnung an Thau, und so hat man denn auch die ganze Erscheinung °l» Honigthau bezeichnet.
Unwillkürlich denkt man zuerst, wenn man sich nach dem Grunde de» Honigthaus fragt, an eine Ausschwitzung der Flüssigkeit durch J®* Blattwerk. Diese Auffassung hat auch lange Zeit in der jM,|f(ijaf|1$'n Welt geherrscht, und erst neuerdings ist der Nachweis »emfert worden, daß der Honigthau nicht unmittelbar von den Blättern busgeschieden wird, sondern daß er von den Bewohnern der grünen «ludhäuser, von Blattläusen, betrübet. Der Honigthau wird nämlich »on den Blattläusen ausgespritzt, lieber die Art und Weise, wie sich die Blattläiffe da« Material zur Bildung des Honigthaus verschaffen und wie sie ihn absondern, hat Bürgen eingehende Unter« ««jungen angestellt. Um den Honigthau zu gewinnen, bringt die «lattlaus einen seht kunstvollen Saugapparat gut Anwendung, öuuächst sticht sie ihre gu einem Bündel bereinigten vier Mundborsten 'u das Blatt, wobei der Schnabel al« Führung dient, damit die bieg- «®»en Borsten nicht ausweichen könne», sondern die Blattoberhaut t bet Einstichsstelle durchdringen. Der Weg der Oberkieferborsten t tief in da» Innere de» Blattgewebe« hinein. Damit sie auch t ihre Aufgabe zweckmäßig erfüllen können, muß ihnen eine ihre Führung gegeben werden. Denn ohne eine solche würden sie
beim Ausstößen ihrer Spitzen aus eine etwa« härtere Zellenwand jedesmal Halt machen und sich krümme». Diese Führung wird nun dadurch hergestellt, daß die Blattlaus während de» Einstiches aus den Speichel- dtiifen eine eiweißhaltige Flüssigkeit in die Wunde gelangen läßt Die eiweHartige Flüssigkeit erstarrt schnell zu einer Röhre, in der sich die Borsten leicht bewegen können. Ist auf diese Weise der Weg gebahnt, so kann nn» das saugrohr, dessen beide Theile im Innern der aiigebohrten Blattzelle auSeiiianderklaffeii, den Pflanzensaft auf« Ziehen. Hu» dem eingefaiigten Pflanzensaft entsteht im Thierkörper der Honigthau. Et wird au« dem im Magen umgesehten Zucket der Wirthspflaiize bereitet und ist reich an Traubenzucker. Aus- geschieden wird der Honigthau, wie jetzt feststeht, durch die Afteröffnung, nicht, wie man früher annahm, durch die beiden Röhre» an dem drittletzten Hinterleibsring bet Blattlaus.
Die Honigthau-AuSscheidung ist eine sehr bedeutende. Eine einzige Blattlaus vermag innerhalb 24 Stunden 48 Tropfen von ungefähr einem Millimeter Durchmesser und eine Schildlaus in derselben Zeit 13 Tropfen gu liefern. Man hat berechnet, daß eine müßige Anzahl von Blattläusen anf einem 15 Blätter tragenden Ahotnzwekg im Tage 1440 Tropfen Honigthau ausspritzt. Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, wenn von den Säumen fortwährend Tausende von Tröpfchen niedetfalle» und sie und die unter ihnen stehenden Pflanzen wie von einem Regen benetzt erscheinen
Welchen Zweck und welche Folgen hat nun die Honigthau- abfonberung? Bekanntlich wirb den Blattläusen von zahlreichen Jnsetten nachgestellt. Als ein Schutzmittel gegen diese Feinde ist bet Honigthau anzusehen. Zwar besitzen die Blattläuse noch ein anderweitiges Bettheidigungsmittel, ober dasselbe allein würde sie doch nicht genügend sichern. Es wurde bereit» erwähnt, daß bie Blattläuse über zwei Röhren verfügen, bie von einem Hinterleibring au«= gehen. Diese Röhren sondern nun eine Flüssigkeit aus, die aber mit dem honigthau nicht zu verwechseln ist. Die Röhrenflüsfigkeit ist wachshaltig und wird von den Blattläuse» auf die sie angreifenben Insekten gestrichen. Die WachSflüsfigkeit erhärtet schnell und bildet dann eine lästige Kruste, mit deren Abstreifung bie getroffenen Insekten lange zu thun haben, sodaß die Blattläuse inzwischen entfliehen können. In der That wird denn auch die Annäherung an die Röhren von den Angreifern nach Möglichkeit
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gemieden. Aus diesem Grunde schützt da» VertheibigungSniittel die Blattläuse nicht, wenn der Angriff von vorn erfolgt, da bie Hiiiter- leidsröhren nach ber Vorderseite hin unwirksam fein müssen. Die Mangelhaftigkeit ber geschilderten Vertheidigung wird nun ausgeglichen durch de» Honigthau. Die Süßigkeit besselbe» lockt bie Ameisen an, die ihn eifrig verzehren. Daher sieht man zahlreiche Ameisen auf diejenigen Pflauzen steigen, auf denen die Blattlaufe Honigthau ausspritzen. Den Blattläusen selbst fügen bie Ameisen keinen Schaben zu, dagegen wohl den Feinden betfclben. Wenn man Larven von Marienkäferchen ober Schwebfliegen in eine von Ameisen besuchte Blattlauskolouie bringt, so greifen bie letzteren die ersteren wüthend an und verjagen sie durch ihre Bisse. Der Honig- thau ist also der Köder für bie Ameifenschiitztruppe.
Für bie Pflanzen ist bie Erzeugung bes Honigthau» von verschiedenartigen Folgen. Die angestochene» Blattzellen bräunen sich zuweilen uub sterben ab. Außerdem siedeln sich auf den fiebrigen Honigthanüberzügen besonders leicht niedere Schmarotzerpilze an wie der bekannte Rußthanpilz, ber den Blättern einen schwärzlichen Anflug verleiht. Jedoch erwächst hierdurch den Pflanzen kein allzu be- trächtlicher Schaden. Auf der anderen Seite nützt ber Honigthau den betreffenben Gewächsen auch »lieber. Der Honigthau nimmt reichlich Wasser au unb löst sich leicht in ihm auf. Daher gereichter während eine» thaufeuchten Morgens durch seine Wafferaufliahme den von ihm bedeckten Pflanzen zum Vortheil. Seine Lösung in dem angenommenen Wasser verbreitet sich gleichmäßig über die ganze Blattfläche und bildet bei eintretenber Hitze eine glängenbe, bie Sonnenstrahlen ziirückwerfende Firnißschicht, bie eine zu starke Verdunstung der Nahrungssäfte aus dem Blattgewebe verhindert. Die Pflanzen, die vom Honigthau überzogen find, zeigen denn auch an heißen Tagen oftmals eine aiiffallende Frische, während honigthaufreie Gewächje in geringer Entfernung unter sonst gleichen Verhältnissen die Blätter schlaff hängen lassen. Deshalb dürste der Nutzen, den bie Pflanzen an« dem Honigthau ziehen, den etwaigen Schaden bei Weitem überwiegen.
Der Honigthau liefert ein interessante« Belegstück für da» enge Zusammenwirken von Pflanze und Thier, und er giebt eine neue Illustration zu dem alten Satz, daß die Natur auch im «eine» groß tst.
Archen nach Siegburg und H, in Posen, früher hier, an das Landgericht in Köln. — Herrn Amtsrichter Raab in Herborn ist der Charofter als Amtsgerichtsrath verttchen worden. — Herr Referendar Schöneseiffen von hier hat die zweite Staatsprüfung bestanden und ist zum Gerichts- Affeffor ernannt worden.
