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Anzetsen-PreiSr

Verlag: Langgasse 27.

14,000 Abonnenten

1897

Freitag, den 30. April

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

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Bezirks-Fernsprecher No. 52.

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solltest, snrchte nichts! Sie werdeii Dich nie im Stiche lassen, wohin Du ihnen auch vorangehst."

die Deichsel schneidet. Die Verbindungslinie der Hinterräder leitet »ordnordöstlich zum Polarstern. Südwestlich vom Wage» er­kennen wir NtgUluS im Löwen, westlich die Zwillinge Kastor und den helleren röthlichen Pollux, noch weiter westlich, nabe am Horizont, Prokyon im Kl. Hund. Oftnordöstlich von diesem funkelt die prächtige K a p e l l a im Fuhr­mann. Von ihr aus nördlich, jenseit der Milchstraße, finden wir tief unten Algol im Perseus. Südöstlich von diesem gelangen wir zur bekannten Kassiopeja, die sich im Meridian befindet, weiter südöstlich zum Deneb im Schwan, in dessen Nähe sich die Milchstraße verzweigt. Südlich hiervon erkennen wir Wega in der Leher. Südwestlich von ihr begrüßen wir das kleine hübsche Bild der Krone mit dem hellere» Sterne Gemma, in gleicher Richtung weiter zunächst den hellen A rkturus im Bootes, sodann die helle S p i k a in der Jungfrau. Die M i l ch st r a ß e erhebt sich im W. zwischen Kapella und den Zwillingen, schlägt zunächst eine östliche, von der Kasiiopeja an eine südöstliche Richtung ein und verzweigt sich bei Deneb. Im nördlichen Zweige, aber tief unten im 0., steigt soeben der helle Atair im Adler empor; südöstlich von der Krone erhebt sich der röthliche Antares im Skorpion. Die hier genannten Fixsterne Antares, Arkturus, Atair, Kapella, Prokyon, Regulus, Spika und Wega rechnet man zu Sternen 1. Größe. Die obere Kul­mination, also die zwischen dem Nordpol des Himmels und dem Südpunkt des Horizonts, erfolgt am 1. bei der Deichsel des Wagens um/«IO Uhr Abends, Spika 10 Uhr 39 Min., Arkturus Gemma /«1 und Antares/«2. Die untere Kulmination, die zwischen dem Nordpol des Himmels und dem Nordpunkt des Horizonts, findet statt bei der Kassiopeja/«IO, beim Polarstern 10 Uhr 40 Min., bei Algol bald nach Mittemacht und bei Kapella gegen >/,3 Uhr.

Sternschnuppen haben im Mai ihren Ausgangspunkt meist in der Wage. Dieses BUd geht am 1. um Mitternacht durch den Meridian. An jedem nächsten Tage erfolgt die Rulmination 3,93,

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aalen, 1

(Nachdruck verboten.)

Astronomische Ereignisse im Mai 1897.

(Eigener Aussatz für dasWiesbadener Tagblatt".)

H Wonnemonat! Nun ist er wieder da, der von Jung und 4..Alt ersehnte Monat Mai. Uebcrall in der Natur neues Leben, das t unter den erwärmende» Strahle» der Sonne erstanden und wach- gerufen ist. Die schönste Zeit des ganzen Jahres ist herbeigekommen, r Zhr entbieten wir den Willkommengmß und wünschen nur, daß all - die Pracht draußen, all die Hoffnungen, zu denen das Keimen, Sprießen, Grünen und Blühen berechtigt, nicht von einemReif in

E Der Frühlingsnacht", nicht von den berüchtigten Eisheiligen, die U eldstim wunderschönen Monat Mai" bisweilen ihr Scepter schwingen, er tobtet werden. Die Sonne, die heute 20,124 Millionen E Meilen von der Erde entfernt ist und am 20. ins Zeichen der r Zwillinge gelangt, steigt im neuen Monat noch sieben Grad höher k am Himmel empor; immer früher erhebt sie sich im NO. P und immer später geht sie im NW. zur Rüste. Der Tagesbogen, Eiben sie am Himmel beschreibt, wird immer größer und länger. Kurz £ ist die Rast, die sich da» Tagesgesfirn gönnt, denn die Dauer der Iv Nacht beträgt nur noch wenige Stunde». In unsere» Breiten will 6 es schließlich gar nicht mehr recht dunkel werden. Denn vom 23. k au steht für uns die Sonne um Mitternacht weniger als 18 Grad ghnrter dem Horizont, sodaß selbst Nachts um die zwölfte Stunde E. im N. ein Dämmerschein sichtbar bleibt. Damit beginnt die Zeit der E immerwährenden Dämmerung, die allerdings nur in Breiten, die U nördlich vorn 49. Grad liege», eintritt. Sonst beträgt der Stand £ der Sonne über dem Südpunkt des Horizonts am Mittag W; 12 Uhr für Genua 60 Gr. 26 Min., Mailand 59 Gr. 23 Mim

St. Gallen 57Gr. 25 Min., Wiesbaden 54Gr.35,1 Mim, Leipzig k 53 Gr. 30 Min., Danzig 50 Gr. 29 Min., Riga 47 Gr. 53 Min. | und Petersburg 44 Gr. 50 Mim Der Mond ist irn neuen M Monat zweimal Neuruond, am 1. und 31. Als Vollmond erscheint er

am 16. Er befindet sich in Erdferne am 1. und 29., in Erdnähe am 15. Von Planeten kann Merkur während der ersten acht Tage, besonders am 3., wo er in der Nähe der Mondsichel steht, als Abendstcrn gefunden werden. Er befindet sich unmittelbar nach Sonnenuntergang tief am nordwestlichen Himmel. Die Sichtbarkeits­dauer beträgt etwa 45 Minuten. Doch ist es infolge der lichten Dämmerung sehr schwer, den Planeten aufzusinden. Venus er­scheint zu Ende Mai als Morgenstern int NO. Die Dann der Sichtbarkeit beträgt zwar gleichfalls nur 45 Minuten, doch ist der Planet wegen seines hohen Glanzes eher zu finden als Merkur. Mar» begiebt sich z» Anfang des Monat» bald nach Mitternacht zur Ruhe. Bin Wochen später kann er kaum noch zwei Stunden lang im NW. gesehen werden. Jupiter steht bei Sonnen­untergang hoch im Meridian; zu Ende des Monat» kann man f n höchstens noch 3 Stunde» bemerken. S aturn befindet sich an 18. in Opposition mit der Sonne. Er erreicht um Mitternacht den höchsten Stand am Himmel, ist während der ganzen Nacht sichtbar, steht der Erde am nächsten und erreicht den scheinbar größten Durchmeffer. Sein Ring zeigt sich als Ellipse, deren große Axe am 27. Mai 2,472 mal so groß ist al» die kleine. Etwa drei Vollmondbreiten nordwestlich kann von guten und scharfen Augen der grünlich schimmernde Uranus, der sich in der Lichtstärke eines Sternchens 6. Größe zeigt und am 17. der Erde am nächsten steht, bemerkt werden.Ziemlich tief im W. steht in den Zwillingen Abends der teleskopische Neptun, der jetzt um 1 Uhr Nacht» untergebt. In Mondnahe befinden sich Venus am 1. und 28., Merkur am 3., Mars am 7., Jupiter am 10., Saturn und Uranus am 16.

Bei Weitem anders als im Winter zeigt sich heute der Fix- sternhimmel. Wir betrachten ihn am 1. um */» 11 und am 16. um '/»lv Uhr, wo er sich also zeigt: Hoch über uns hat der Wagen (Gr. Bär) feinen Stand. Die vier helleren Sterne de» Wagen­kastens befinden sich bereits westlich vom Meridian, der augenblicklich

Aüv Hie Monate Mai und Juni

auf das

iWiesbadener Tagblatt"

ju abonniren, findet sich Gelegenheit im Verlag Langgaffe 21, - bei de» Ausgabestellen, den Zweig-Lxxeditionen in den Nachbar­in orten und sämintlichen deutschen Reichsxostanstalten.

Kleine Chronik».

Die rohen Bnrscheu, die jüngst in Frankfurt dem Standbilde Karl» des Großen auf der Sachsenhäuserbrücke die das Reichsschwert tragende rechte Hand abgeschlagen habe», sind er­mittelt lind feftgeuomme» worden. Es sind zwei jugendliche Kuser- gcselleu Namens Schulz und Zitzmami, die die That im trunkenen Uedermnthe verübt und sich durch prahlerische Redensarten nachher selbst verrathen Hadem Das abgeschlagene Stück hat sich übrigens wiedergesunden.

Vorn Blitz erschlagen wurde aus dem Felde bei B0 chuin der Oekonorn und Loliaerbereibesitzer Wilhelm Heitkötter.

Aus dem Dorfe F reudeu berg bei Eberswalde kommt die Knude von einem dreifachen Morde bezw. Selbstmorde. Der Maurer Hermann Siedow erhängte zuerst seinen fünfjährigen Sohn in der Stube, schloß daraus die Thür zu, nahm sein drei­jähriges Kind, ging mit demselben auf den Boden, erhängte es dort und dann schließlich auch sich selbst. Siedow soll a» einer unheilbaren Krankheit gelitten haben. Seine Fran war in der Zwischenzeit in der Stadt, um einen Arzt für ihre» Mann zu holen.

Vier Kaineele hat sich, nach derDeutschen Tageszeitung", Graf Sigismund Skorzewski kommen lasten zur Bestellung de» Laube» auf seine» in der Provinz Posen belegenen Eheruie- jewoer Besitzungen. Da» Blatt bemerkt dazu: Die Probe soll sehr günstig ausgefallen sein. Die Thiere haben sich schnell akklimalisirt und gehen gut im Pfluge. Die Straft eines Kameel» kommt der­jenigen zweier Pferde gleich; dabei ist das Thier sehr anspruchslos in Bezug auf Nahrung.

Beim Pflücken von Alpenblnmen ist am Oster-Dienstag von der sogenanntenRothen Wand" am Tannengebirge bei Salzburg der 13-jährige Bauernsohn Josef Weiß vom Arthofgnt zu Wimm, Landgemeinde Werfen, aus einer Höhe von 30 Meter abgestürzt. Er blieb mit zerschmettertem Kopfe tobt am Platze liegen.

Professor Schneider-Dresden hat vom Jahre 1886 bi» 1895 di- Fauna der ost friesischen Insel Bor knut studirt. Während inan bi« 1886 auf der Insel nur 240 Arten kannte und daher die Fauna der Insel wie der Ostsee-Inseln al» äußerst arm schilderte, ist es Professor Schneider gelungen, ans Borkum 2850 Arten von Thieren ausznfiude», darunter 25 Arten, zumeist Käfer und Schnecken, die in Deutschland bi» jetzt überhaupt »och nicht gefunden wurden.

Das König Georg von Griechenland gehörende Gut in der Nähe Kopenhagens wird eiligst in Stand gesetzt. Alles ist zum Empfang des König» vorbereitet.

In Paris erschoß sich eine 27-jährige Fran Namens Anna Wolff, die vor Kurzem von Munster i. W. nach Paris übergcfiebelt war. Die Frau, die ein dreijähriges Kind hinterläßt, hatte jungst ihr ganzes Vermögen durch Wetten am Totalisator verloren.

Hut gegen streifende Banden, welche gelegentlich versucht hatten, in türkische» Gebiet einzudringeu. Oft nicht nur im Winter, sondern noch spät in den Frühling hinein wurden sie durch Schnee und Unwetter von jeder Verbindiuig abgeschnitten. Selbst die Verpflegung machte dann die äußersten Schwierigkeiten, und nur unter den schlimmsten Entbehrungen vermochten die braven Burschen ans ihren Posten auszuharren. Immer willig, alles Ungemach als etwas Unabänderliches, vom Geschick Verhängtes au- sehend, tbaten sie ihre Pflicht. Alle Osfiziere waren de» Lobe» ihrer Leute voll, und leicht fühlte man bei Beiden bas gegenseitige Vertrauen heraus. Dabei ging der Dienst still und geräuschlos seinen Weg, ohne vielAnfwand von lauten Kommandos, von Rufen und Schelten. Mit der größten Freude erinnere ich mich der dort verlebten Tage und würde gern die Gegenwart mit diesen wetterharten tüchtigen Truppen in ihren tauben Bergen theilen."

Ein älterer türkischer General, bet fein ganzes Dienstleben in

Aus Stadl und §and.

W iesdaden, 30. April.

Personal-Nachrichten. Se. Majestät der Kaiser hat auf seiner Reise von Erottberg nach Schlitz auf dem Bahnhof Sachsenhausen in seinem Hofznge, der auf dem Bahnhof längeren Aufenthalt nahm, den Intendanten Kammerhetrn v. Hülsen empfangen. Wie wir unseren Lesern bereit» mitgetheilt haben, hat sich Herr vr. Merk dieser Tage in Begleitung seiner Schwester von hier nach Graz begeben, um dort zunächst einige Tage bei feinen Verwandten zuznbringeu. Äon dort au« wird sich Herr Dr. Merk für längere Zeit in die Nervenheilanstalt Döbling bei Wien begeben. Durch Vermittelung einer hiesigen hochgestellten Dame ist Herrn Dr. Merk zur Bestreitung der Kosten des Aufenthalt» daselbst die Summe von 1100 Mk. in hochherzigster Weise zur Verfügung ge­stellt worden. Nach seiner Rückkehr au» der Anstalt wird Dr. Merk feine künstlerische Tbätigkeit nicht wieder aufnehmeu, foubern derselbe war früher Jurist und hat auch al» solcher prornovirt gemeinsam mit seinem Bruder, welcher Rechtsanwalt ist, juristisch thätig sein.

N«tchstag«mahl. Al» Termin für die Reichstags-Ersatz­wahl ist einer der letzten Tage des Monat» Mai in Aussicht ge­nommen. Da aber die Wählerlisten, welche vier Woche» vor dem Wahltermin in allen Bezirken ou^ulegen find, tote wir vernehmen, in den nächsten Tagen noch nicht sertiggestellt sein werden, so wird die Wahl erst im ersten Drittel des Monat» Juni stattfinden können.

Die Ucberstchtsitarte vom türkisch-griechischen K r i e g S s ck a 11 p l a tz in der dritten Beilage vorliegenderTagdlatt"- Ausgabe sei der Ausmerksamkeit unserer Leser hierdurch noch be­sonder» empfohlen.

Wirkung 6ee Lichtes ans Schreibpapier. Das Licht äußert auf geleimte Papiere einen eigenthümlichen Einfluß insofern, als dieLeimfestigkeit" desselben ausgehoben wird. Gutes Schreib­papier läßt nach längerer Belichtung frische Schriftzüge attSlaufen und durchschlagen, wie ungeleimtes Papier. W. Herzberg hat ver­schiedene Versuche darüber zusamuteugestcklt, welche darthuu, daß so­wohl thierischer Leim als Harz im Licht allmählich ferne Sprünge bekommen und ihren Zusammenhalt verlieren.

Kleine Notizen. Da» alljährliche Kommn na l-Land- tagS-Essen findet für den gegenwärtig tagenden Landtag am Montag, den 3. Mai, im Kurhause statt. Die Schnlgasse, von der Neugasse bis zur Kirchgasse, wird zum Zweck der Nen- pflasternng vorn 3. Mai er. ab auf die Dauer der Arbeit für den Fnhrverkehr polizeilich gesperrt..

Stimmen ans dem Publikum.

(Für Veröffentlichungen unter dieser Ueberschrift übernimmt die Redaktion keinerlei Verauttvortnug.)

* Zu den allerersten AnziehringSpnukten für .Fremde und Heimische gehört unser herrlicher Wald; feine geringe Ent­fernung von der Stadt erleichtert den Besuch desselben, und dadurch

wird der Wald zu einem heilsamen Gegenmittel gegen die üblen Folgen, welche anderwärts das enge Zusammeiiwohnen in den Großstädte» mit sich bringt. Da außerdem für bequeme und saubere Wege, für eine ausreichende Zahl von Ruhebänken Sorge getragen ist, so bildet der Besuch de» Walde» einen seltenen Genuß, besonders in der gegenwärtigen Zeit, in welcher das junge Lenzgewand zur vollen Entfaltung kommt. Wenn es dankend anerkannt werden muß, daß so viel zur Erschließung und Benutzung desWalde» geschieht, so soll im Folgenden auf einen Uebelfiaub hingewiesen werden, der dringend der Abhiilse bedarf. Das ist der Besuch des Waldes durch jene »uheiiulicheu Äestalteu, welche denselben zu einem billigen Nachtquartier benutzen. So, wurde Schreiber dieser Zeilen vor einigen Tagen erschreckt auf einem Morgenspaziergang durch den DistriktGeisheck". Etwa dreißig Schritte vom Fußweg seitwärts im dichten Gebüsch erhob sich plötzlich ein Pärchen, das wohl an diesem Ort genächtigt hatte. Man braucht gerade kein Hasenfuß zu sein und kann sich in solchem Fall eines ängstlichen Gefühls doch nicht erwehren. Klagen über derartige Vorkommnisse kann man gegen­wärtig wieder öfter hören, besonders beziehen sie sich auf den Theil des Waldes, welcher dem westlichen Sladttheil am nächsten liegt, und gewiß werden diese Zeilen genügen, um das erwähnte Gesindel aus seinem Unterschlupf zu vertreiben.

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Reklamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Psg., für Auswärts 75 Pfg.

Urbrr dir türkischen Truppen.

General v. d. Goltz Pascha, der Reorganisator der türkischen Armee, veröffentlicht gegenwärtig imMilitär-Wochenblatt"Bilder an» der türkischen Armee",de»en wir folgende Schilderungen entuehnten:

Auch wenn mau sich geraume Zeit in das Wesen der türkischen x Wnnee eingelebt hat, wird man immer noch Wandlungen im Urtheil dnrchzumachen haben. AI» ich 1883 nach Konstantinopel kam, war ich zunächst erfreut, fo viel Gutes zn finden. Die große Militär- £ schule zumal, der anfangs meine Thätigkeit ausschließlich gehörte, machte in vieler Hinsicht einen sehr vortheilhasten Eindruck. Doch schon in der Hauptstadt begegneten mir schroffe Gegensätze. Die ps Truppen, welche nicht in der Nähe des Palais fafernirt waren usb mit diesem nicht in Berührung tarnen, zeigten vielfach das Bild arger Verwahrlosung. Wie ich sodann noch time« ; wurde, daß von der Truppe, außer dem kleinen inneren Dienst, dem elementaren, mechanisch betriebenen Exerziren, nichts Ernsthaftes, : namentlich nichts für ihre Kriegsansbildung gethan wurde, daß sie weder schoß, noch Felddieust übte, noch in größeren Verbünden manövrirte, da war ich nahe daran, alle Hoffnung sinken zu lassen. Ich sah mit dem preußischen Auge nut unvollkommene Sabre» für eine Armee, aber keine Armee selbst. Wie, so dachte ich, soll e» 1 möglich werden, im Falle eines plötzlich ausbrechenden Krieges das ' Heer auf den Kriegsfuß überziiführen und an die Grenzen zu 6 bringen? Vielfach hörte ich behaupten, daß Reserven (Ichtiat) und ~ Landwehr (Redif) dem Aufruf zur Fahne gar nicht folgen würden. | Dann tarnen die bulgarischen Wirren von 1885 und 1886, von denen das Reich fast volltornmen überrascht wurde. Nachdem jedoch die ersten £ Schwantungen vorüber und die Entschlüffe zur Ausstellung einer Armee gesoßt waren, erstand diese gleichsam au» deut Boden. In einer Zeit, 6 welche man in An betracht der allgemeinen Verhältnisse als nicht allzulang bezeichnen tonn, wurden auf der Balkonhalbinsel 22 Feld- £ divisiorten mit eitler Gesommtstörke von etwa 300,000 Mann ver­sammelt. Sie waren freilich nicht sehr reichlich auSgestattet, aber doch mit £ allem Röthigen mit Munition sogar verschwenderisch versehen. Ich " hatte damals Gelegenheit, bei den Anordnungen mitzuarbeiten und die große Gewandtheit des Kriegsministeriums und aller höheren Militär­behörden zu bewundern, mit welcher sie sich in den unglaublich i schwierigen Verhältnissen znrechtfonden und Berge von Hindernissen überwältigten. Das Ganze trug mehr den Charakter einer Rüstung ; an sich als den einer Mobilmachung, ober matt muß gestehen, daß k die Ausgabe fo gut gelöst wurde, wie es den Umständen noch mög­lich war. Im Vergleich zu frühere» Zeiten waren mehrfach gort» | schritte sichtbar, fo in der Herstellung regelmäßiger großer Verbände.

Rnmerifch war das Aufgebot zahlreicher als bei Beginn des Krieges von 1877/78."

Sehr interessant und aktuell ist nameittlich, was v. d. Goltz Pascha über den Greuzwochdienst in Thessalien schreibt, und das g Leben der Truppen in den Blockhäusern, um die jetzt so heiß ge­kämpft worden ist. Es heißt da:Wie ich nun ferner nach langem l- Warten und Drängen im Jahre 1894 die Genehmigung erhielt, / mit einer Abtheilung Getteralstabs-Offiziere auf einige Tage an die /r griechische Grenze zu gehen, und dort Gelegenheit hatte, die Truppen - tm Grenzdienste zu beobachten, gewann ich großes Vertrauen zn / ihrer inneren Tüchtigkeit im Kriege. Der Dienst, den sie tbaten, - war schwer und gefahrvoll. In einsamen Blockhäusern, hoch int £ Gebirge, lagen die kleinen Abtheiluugen Tag und Nacht auf der

45. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

« ..«alm,« für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

L -AlMÜljMeächsterscheinenden Ausgabe wird feine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.