Wiesbadener Tsgblsti
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N-. 194
Dienstag, den 27. April
1897.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
I
gewesen zu sein
daß cs eine
dem Wegzug de Dr. Silberstei
ein.
Koch einmal die Nietzsche-Uorirage
jenen Vorträgen für Viele auch
* Uundscha« im Reiche. In Fesseln trausportirt wurde der Iicdakteur der iozialdemokratischc» „Neuen Welt", Steiger, t» Leipzig von der Gefangenen-Anstalt zum bayrischen Bahnhof. Redakteur Steiger, der bisher unbestraft ist, mar mit einem anderen frcniden Gefangenen an den Ellenbogen znsammengiskßelt. Dieser Behandlung wurde Steiger unterworfen, obwohl er sich Tag« vorher bei der Staatsanwaltschaft selbst gesiegt hatte und jeder Ftucht- verdacht ausgeschlossen mar. Steiger hat wegen Preß vergehen» eine Gefängnißstrafc zu verbüßen. Man wird in Sachsen schon sehew wie weit man mit der dort beliebten Art der Bekämpfung der Sozialdemokratie kommt! Bei den Reichstagswahlen pflegt die Quittung über derartige Dinge gegeben zu werden.—Der Verleger der Breslauer „Volksmacht", der wegen „Begünstigung" cin- geklagt worden war, weil er für seinen Redakteur eine Geldstrafe bezahlt hatte, ist, wie aus Breslau gemeldet wird, von der Strafkammer freigesprochen worden.
Die MohtthWgkelts-Ginrlchlungen Miesdadens.
(EigenerAufsatz für das „Wiesbadener Tagblatt'.) Von Adolf Hayn.
Den Vorsitz des „Araclitischen Unterstützungsvereins" führt seit dem Wegzug des Herrn Rabbiners Süskind Herr Rabbiner
im Vorsaal ziemlich laut und ungezwungen über da« (Seridtf moqnirt und höhnische Redensarten gegen dasselbe geschleudert. Noch angesichts der gewiß zu erwartenden Strafe witzelte er über die Richter und über seine Situation, und mit berechnetem Cynismns sagte er zu seiner Umgebung: „Wollen wir nicht lieber gehen? Ich habe gar kein persönliche« Interesse an dem Urtheil, nur ein ideelle«, um zu sehen, wie weit sich Deutschland wieder einmal blamirtl' Nach der UrtheilSverkündigung war Peters' erstes Wort an seine Freunde: „Na, wo gehen wir denn nun hin?" — Zu der Angelegenheit de« entlassenen Reichrkommissar« schreibt das Slöckersche „Volk": „Der Fall Peter« ist fertig. Peter« selbst auch." Zn der „Zeit" schreibt Naumann: „ES wird den Freunden einer deutschen Kolonialpolitik wshrhaftig schwer genug gemacht, für das größere Deutschland Stimmung zu machen. Ein Kolonial- vertreter nach dem anderen bricht zusanimen. Von Leist, Wehlau und Schröder ist es noch nicht still geworden, da kommt die Dicust- entlassnug dcS Dr. Karl Peters. Sie ist an sich völlig gerecht, denn sie entspricht den vorhandenen Bestimmungen und zugleich den richtigen sittlichen Grundsätzen, und doch hat uns seit lange kein gerechtes Urtheil so leid gethau al» dieses. Dieses Urtheil ist ein Schlag für die deutsche Kolonial- bcwegnng, an dem sie lange zu tragen haben wird. Es hilft nicht, wenn man seine Bedeutung verkleinern will. Es wird uns überall hindern, wo wir für deutsche Ausdehnungspolitik ein» treten." — Die „Post" findet die Episode Peter« unerquicklich und bedauerlich, nicht zum Mindesten dekhalb, weil sie der Sozialdemokratie das Relief giebt, die Hüterin der Ehre de« Reichsdienstes
Deutsches Deich.
* Hof- nnd Personal-Nachrichten. Dem „Lokal-Nnz." zufolge bcgiebl sich der ans dem englischen Hauptquartier in Egypten nach Deutschland znrückgekehrte Hauptmann Morgen in den nächsten Tagen nach dem griechisch-türkischen Kriegsschauplatz, um sich dem Stade O«man Paschas al« militärischer Begleiter anzuschließcn.
* Aerlin, 27. April. Dem Allgemeinen Deutschen Handwerker- tag, der heule in Berlin tagt, ging gestern eine Konferenz der Theilnehmer der Allgemeinen Deutschen Handwerker-Konferenz vom Herbst vorigen Jahre« voraus. Auf derselben erklärte u. A. Obermeister Baum-München, daß er vom Bunde in München zu der Erklärung ermächtigt sei. daß man in München die Vorlage annehmen wolle, auch ohne Abänderungen. Da« wäre immer noch bester als der jetzige Zustand.
Die Generalversanimlung der Bäcker-Innung „Germania" hat be- schloffen, dem Handwerkertag eine Resolution zu unterbreiten, die die Aufhebung der Bäckereiverordnung desBundesraths verlangt.
* Ium Prozeß Peter». Nach einem Berliner Wochenblatt hat Peters bei den Gerichtsverhandlungen sich namentlich in den Pausen, al» der Gerichtrhof sich znrBerathung zurückgezogen hatte.
einstimmigen BorstandSbeschlnstes gegeben werden können. Da« VereinSvermögen betrug damals 257 fl. 25 fr. Als Vorstand wurden gewählt die Herren Rabbiner Snskind, Leopold Reifenberg und Benedikt Straus. — Um eine fernere Belästigung der hiesigen israelitischen Kurgäste durch Subskriptionslisten und Cirkulare zu vermeiden, sprach der neue Vorstand bei dem Gemciuderath den Wunsch aus, zu dem oben unter 3. bezeichneten Zweck eine jährliche Beisteuer aus den Erträgnstsen der Kurtaxe zu bewilligen, die auch, für da« Jahr 1871 mit 50 Thalern, für 1872 mit 200 Thalern, unter dem Vorbeh«lt gewährt wurde, daß Seitens des Vereins weder mündlich noch schriftlich bei den zur Kur hier anwesenden Israeliten kollektirt werden dürfe. — Der Verein nahm jetzt einen großartigen Aufschwung. Da ihm viele neue Mitglieder beitraten und große Geldgeschenke zuflossen, war er bald in der Lage, nicht nur seine Aufgabe vollständig zu erfüllen, sondern auch einen Betrag als Reservefonds zurückzulegen. Um dem lästigen Hausbettel entgegenzutreten, übernahm man noch die Unterstützung durchreisender bedürftiger Israeliten. Hatte der Verein damit schon sein statutengemäßes Wirken überschritten, so war eine Reorganisation derselben umso mehr geboten, als er infolge des massenhaften Zuzugs von armen Israeliten, die durch die Aus- weifungsmabregeln der russischen Regierung aus ihrem bisherigen Vaterlande unbarmherzig in die Fremde hinausgetrieben worven waren, außer Stande war, allen an ihn herantretenden Anfordernngeu vollauf zu genügen. — Zum Zweck der Sammlung von Geldern für die ausgewiesenen Rusten hatte sich im Jahre 1891 ein größeres, au« Mitgliedern der beiden hiesigen israelitischen Gemeinden bestehendes Comitö gebildet, auö dem im Juli 1892 ein Central-Comit«! für israelitische Armenpflege hervorging. Dieses Comite beschloß nach eingehenden Äerathungen, die Ausübung der gesammten Armenpflege dem „Jsraelstischen Unterstützungrverein" zu übertragen. Es billigte dessen neueste, auf Bekämpfung de» Hans- und Wanderbettels gerichtete Bestrebungen in jeder Hinsicht. — Die Gemeindemitglieder wurden nun um Eintritt in den Verein bezw. nm Erhöhung ihrer Beiträge ersucht, mit der Bitte, alle Hülsesuchenden, hauptsächlich die Haurbettler, nicht zu unterstützen, sondern an den Verein zu verweisen. Nach den nunmehr neu entworfenen, von der Generalversammlung vom 18. September 1892 angenommenen Statuten verfolgt der Verein heute folgenden Zweck: 1) Die Unterstützung ehrbarer israelitischer Han«annen im Bereich des ehemaligen Hcrzog- thums Nassau, sowie 2) unbemittelter israelitischer Kranken, die sich in hiefiger Stadt zur Kur aufhalten, 3) die Verabreichung von Almofen an durchrcstende, nachweisbar bedürftige Israeliten. Zur Vermeidung des Hau«- und Wanderbettels sollen die an durchreisende Israeliten zu gewährenden Unterstützungen möglichst in Form von Fahrkarten zur Weitcrrcste bewilligt werden. — Der Verein unterstützte im Jahre 1895 an durch reifen den Armen und fremden Kurgästen: 1115 Personen, und zwar 1019 Männer und 96 Frauen.—
«Uwenden werde.
j Ich muß diese klaffende Differenz zwischen Nietzsche und dem Bortragenden an einigen Beispielen ganz klar legen, um der Meinung zu begegnen, als wäre mein Urtheil ein befangenes. In dem ersten Bortrag wurde nach den übereinstimmenden Berichten gesagt: „Nach
■ Nietzsche ist Philosoph derjenige, der die alten Tafeln zerbricht und neue Werthe schafft auf neuen Tafeln. Zu diesem Zweck stellt er mH Jenseits von gut und böse". Das bedeutet nun nicht etwa, wie
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Das „tragische Mttleiden" auf der Bühne konstruirt er sich in folgender Weise: Der GrausamkeitStrieb ist so groß, daß alle Kultur ihn nicht au«zurotten vermochte, obschon sie ihn zwang, eine verstecktere, sublimirte Form anzmiehmen: konnte man seine Bosheit in der Wirklichkeit nicht mehr auslasfen und Leiden verursachen, so wollte man doch wenigsten« Leiden sehen und im Spiele boshaft sein.
So beruht das tragische Mitleiden aus der Lust am Untergänge des Helden. Ja, die Bosheit des Menschen ist nach Nietzsche so groß, daß er den Gedanken nicht ertragen kann: e« gäbe Leiden, die von Niemand geschaut und „genossen" würden. So schuf der Mensch sich seine Götter, Wesen, die ins Verborgenste sehen und am verborgensten Schmerz sich erfreuen. Auf diese Weise ist da« größte und furchtbarste Leid — ein Schauspiel für Götter!
Zwei weitere Vorstellnugen, die die sublime Bosheit der Sklaven geboren, find die vom jüngsten Gericht und vom Erlöser. Da» jüngste Gericht ist ein Rachegedanke der „Sklaven" (vergl. meinen ersten Artikel); unvermögend, selbst diese Rache an ihren grausamen Herren zu nehmen, verlegen sie dieselbe in die Vorstellung und Phantasie und erquicken sich an den eingebildeten zukünftigen Qrialen ihrer Peiniger.
Da» unterdrückteste Volk waren von jeher die Inden, ihr« Feinde und Unterdrücker alle übrigen Völker. Hierfür rächten sie sich dadurch, daß sie für die Versklavung der ganzen übrigen Welt sorgten, indem sie nicht nur die Erfinder der eigentlichen Sklaven- moral wurden, sondern vor Allem ihren Jesu« von Nazareth, der die Eigenschaften der Sklaven am vollkommensten verkörperte, absichtlich verleugneten und ans Kreuz schlagen ließen, sodaß die übrige Welt, „nämlich alle Gegner Israel», unbedenklich gerade an diesen Köder onbeißen konnten". (Nietzsche.)
Ueber da» Äörartige dieser Sophistik dürfen wir wohl kein Wort verlieren; der Glanz von Nietzsche« Darstellung kann darüber nicht Hinwegtäuschen, daß solche Deduktionen da» Gegentheil alle» dessen sind, was wir bisher unter Sittenlehre verstanden habe».
Mit Horneffer« Darstellung de« Nietzscheschen .Uebermenschen' kann ich mich gar nicht einverstanden erklären. Er sieht in dem „Uebernienschen" kein Individuum, sondern eine neue An und Raffe, zu welcher die gegenwärtige MenschbeitSstufe den Uebergang bildet. „Die Perspektive aus solche Erhöhung unsere» Sein» solle un» Trost, ia Glück geben. Es sei allerdings ein rein selbstlose». Den allen Schlacken
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e» so häufig verstanden worden ist, da» Aushöre» von „gut und böse", daß wir fortan diese Gesichtspunkte bei derLebenSbetrachlnug (?) einzuiiehmen haben, durchaus nicht! Denn nicht» ist für den Menschen nothweudiger, als eine Moral, eine Sittenlehre. Nur die Schätzung soll nach Nietzsche von Neuem beginnen.
Hier hätte doch nun wenigstens angedeutet werden müssen, wie Nietzsche sich die .Sittenlehre" denkt und wie er die Schätzung der Begriffe von Neuem beginnt, nämlich so, daß er sie in ihr direkte« Gegentheil verwandelt, und daß im speziellen Falle aus der „Sittenlehre" eine vollkommene Jmmoralitätslehre wird, — und zwar durch die.Umwerthung der Werthe". Der geistvolle Kenner Nietzsche«, Herr Dr. Hermann Türck in Jeno, nennt ganz recht die Philosophie Nietzsches eine „Autisophie" (Widerweisheitslehre) und gab feine Antwort auf die drei Hornefferschen Vorträge in der denkbar wirksamsten Weise dadurch, daß er im akademischen Saale zu Jena drei Gegenvorträge über „Friedrich Nietzsche« Autisophie" hielt, die auf da« zahlreiche Publikum einen bedeutenden Eindruck machten und stürmischen Beifall fanden.
Wir gewöhnliche Sterblichen verstehen unter einer „Sittenlehre" eine moralische Unterweisung, deren Hauptstützen Gerechtigkeit und Mitleid sind und die mithin auf dem ewigen Worte Goethe« ruht: „Edel fei der Mensch, hilfreich und gut." Nietzsche sagt nun aber, daß „Grausamkeit der Urtrieb des Menschen und ihm zu folgen, ein Zeichen einer starken Natur sei". Wei! die moderne Entwickelung auf die Eindämmung der thierischen Triebe gerichtet ist, beklagt er sowohl die ganze moderne, auf Ideale gerichtete Entwickelung, al« auch die Kultur. Ideale find ihm nichts als Lügen („Lebens- lügen"). Der Jdealgerichtete erscheint ihm blind und toll, da» schlimmste Ideal, das lügenhafteste Phantom ist — Gott. Ihn und seine» Wortes Verkünder, Christus, stürzt der Satan al» „Antichrist". Die modernen heutigen Menschen verachtet er als „zahme Hausthiere", während er die ältere Menschheit preist, deren große Festfreude die Grausamkeit aurniachte. .Jedenfalls", sagt er, „ist es noch nicht so lange her, daß man sich fürstliche Hochzeiten und Volksfeste größten Stils ohne Hinrichtungen, Folleruiigeil ober etwa ein Autodqfö nicht zu denken wußte, ins- gleichen keinen vornehmen Haushalt ohne Wesen, an denen man unbedenklich seine Bosheit und graufame Neckerei auslasfen konnte. Leiden — sehen thut wohl, Leiden — machen noch wohler". Das ist echte Nietzfchesche — Moral.
in. Und das Organ des Herrn v. Stumm meint jetzt, .. , der vornehmsten Ausgaben einer auf wirksame Abwehr gegen die fozialrevolutionären Bestrebungen gerichteten Politik sein muß, die staatliche und die soziale Ordnung so durchzuführen, daß den Sozialdemokraten die Möglichkeit genommen wird, wirkliche Mißbräuche aufzudecken. Die größte Strenge und die energischste Selbstzucht auf allen Gebieten staatlicher und sozialer Thätigkeit ist eine unerläßliche Vorbedingung erfolgreicher Bekämpfung der Sozialdenwkratie. Staat und Gesellschaft werden sie siegreich nur dann abwehren, wenn ihr Schild völlig fleckenlos ist." — Gegen das auf Dieusteiitlassung lautende Urtheil der Diszipsinarkammer hat Dr. Peter« bereits Berufung beim Reich«-Dirzipliiiarhof in Leipzig eingelegt. Wird ihm wohl nichts nutzen.
Ausland.
* ©eflerrridi-lihtgarn. Wiener informirte Streife bezeichnen alle Gerüchte, nach denen es sich bei der Kaiserreise nach Petersburg um den Abschluß eine» Bündnisses handle, als vollständig unbegründet. Dagegen könne es als feststehend betrachtet werden, daß es in Peterrburg zwischen beiden Kaisern zu einer offenen und ehrlichen An«einandersetznng in der Angelegenheit der zukünsligeii Stellung beider Mächte zur Orientfrage kommen werde, und zwar dürften nicht nur prinzipielle, sondern auch ganz präcise Einzelfragen zur Lösung gelangen, sodaß die Petersburger Entrevne sich für die Erhaltung de« europäischen Frieden» weit fegensreicher erweisen werde, als dies langwierige diplomatische Erörterungen vermochten.
* Italien. Wie der „Messaggero" sestftellt, ist die Großmutter des Attentäters Acciarito int römischen Zrrenhause gestorben, und die Schwester von Acciarito« Muller befindet sich gleichfalls im Irrenhaus.
Die jüngst von uns mitgetheilten Ausführungen des Herrn Dr. Wulckow zu den Vorträgen des Herrn Dr. Horneffer haben !F vielseitige Zustimmung erfahren und mehrfache Zuschriften au» M chiefiger Stadt, so vom .Stammtisch bei Weins" rc., an den Vcr- te.feffer zur Folge gehabt. Es dürfte daher auch das nachfolgende Schlußwort unseres Mitarbeiters zu jenen Vorträge» für Viele auch jetzt noch von Interesse sein. Dr. Wulckow schreibt:
.Man könnte die Sache für erledigt halten, indeffen muß doch r ausgesprochen werden, daß zwischen der eigentlichen Lehre Nietzsches f. und der Wiedergabe derselben in den Vorträgen eine gewaltige s Aust gähnt. Das Studium der letzteren nach sehr genauen und - entgehenden Berichten würde an sich schon diese Thatsache genügend i beweisen; überdies aber hat ein längerer Besuch, den Herr Dr. Horneffer E mir freundlichst machte, und die dabei stattgehabteu Diskussionen mir die feste Ueberzettgnng vermittelt, daß der feingebildete junge r Mann kein eigentlicher Nietzscheaner de pur sang und zum Jnter- £ Steten des echten und wahren Nietzsche nicht geeignet ist. Seine t wohlwollende und ruhige Weltattschauting, seine philosophischen und - sozialen Ideen und vor Allem seine ttnabhängige Gesinnung, die in e wesentlichen Punkten von Nietzsche abweicht, laffen ihn nicht als den berufenen und erfolgreichen Nietzsche-Apostel erscheinen. So befriedigt er weder die strammen Nietzscheaner, die von Abschwächungen und Vermittelungen nichts wißen wollen, noch die prinzipiellen s Gegner Nietzsches, die sein schriftstellerisches Wirken für unheilvoll, feine Ideen für absolut undurchführbar und mit dem Bestehen der fittlichen Welt oder gar einem Fortschreiten derselben zum Befferen L gänzlich unvereinbar halten. Ich habe Herrn Dr. Horneffer auf I dieses von ihm übernommene Martyrium aufmerksam gemacht und die Hoffnung ausgesprochen, daß er mit zunehmenden Jahren von Mietzsche adlaffen und sich dankbareren und erfolgreicheren Stoffen
*5. Jahrgang.
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Verein vom heiligen Vincenz von Paul. Es war - im Jahre 1833, als in Paris einige Studenten, die des Abends zur . Besprechung wiffenschastltcher Gegenstände aus dem Gebiete der p. Geschichte, der Litteratur und der Philosophie zusantntenkamen, die -- Idee faßten, einen Verein zur Bekämpfung bezw. Linderung der immer mehr um sich greifenden Armuth unter den Katholiken zu gründen. Stieß die Ausführung der Idee auch anfangs, nanieut» lich weil es an Geldmitteln fehlte, auf Schwierigkeiten, so wuchs ' der neugegriiubete Verein doch allmählich derart an, daß er im - Jahre 1842 schon 1000 Mitglieder zählte, die sich auf 29 auf die verschiedenen Stadttheile von Paris entfallende Sektionen ver- theilten. Man hafte den Verein mit dem Namen de» heiligen : Vincenz von Paul belegt in dankbarer Anerkennung der unendlichen ' Verdienste, die dieser Schutzheilige sich im siebzehnten Jahrhundert in Frankreich auf dem Gebiete der Wohtthäligkeit ~ und Armenpflege erworben. Von feilten vielen Schöpfungen fei nur die Pariser Anstalt für verlassene Findelkinder | erwähnt. — Der Pariser Verein vom heiligen Vincenz von Paul f (anfangs war fein Name: „Konferenz vom heiligen Vincenz von 2' Paul für christliche Wohlthatigkeit") wurde im Laufe der Zeit immer größer und wirkt noch heute überaus segensreich. Noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhundert» wurden auch in anderen französischen Städten gleiche Vereine gegründet. Heute cxistirt eine ä stattliche Anzahl solcher Vereine in Frankreich. Aber auch im Anr- -s lande wurden diese Vereine ins Leben gerufen. — Der hiesige B" „Verein vom heiligen Vincenz von Paul" eutsiand im Jahre 1858. 1 Vorsitzender desselben ist heute Herr Kaplan Löhr. Der Verein f hat sich die Ausgabe gestellt, katholischen Männern, die flch in E Krankheit ober Roth befinden, Beistand zu leisten. Jährlich finden ca. 150 Männer Unterstützung. — Ein Seitenstück zu dem gc- nannten Verein ist der im Jahre 1886 gegründete „Elisabetcheii- | Verein", der den Zweck verfolgt, kranken und armen weiblichen fe|«crfoiten Beistand zu leisten. Dieser Verein steht unter der Leitung e3#c8 Fräuleins A. Lieber.
VII.
Israelitischer Unterstützungs-Verein. In den f 50er Jahren wurde hier auf Veranlassung des früheren Rabbiners - Herrn S. SÜskind der „Israelitische Uttterstützungr-Verein" in» ‘ Leben gerufen. Da der Verein der Aufgabe, bk er sich anfangs gestellt hatte, sowohl hiesigen als durchreisenden, sowie l)tn zur Kur L weilenden hülfsbebürstigen Israeliten Unterstützutigen zu gewähren, f wegen der Unzulänglichkeit der von den Mitgliedern bet damals noch kleine» israelitischen Kultu«gemeinde aufgebrachten Wittel nicht vollkoinmen gerecht zu werden vermochte, faßte er im Jahre 1869 den Beschluß, seine Wirksamkeit auf die ständige Unterstützung hkstger L - und auswärtiger HauSarmer und auf eine dahier verweilenden E unbemittelten Kurkrankeii zu gewährende wöchentliche Unterstützung L zu beschränken. Aber auch jetzt fehlte c« oft an Mitteln, sodaß man t? mehrmals gcuöthigt war, durch Zirkulär an den MildthätigkeitSsinn von zur Kur hier weilenden reicheren Israeliten zu qppelliren. — i Durch die Trennung der israelitischen Gemeinde war dem r Verein im Anfang der 70er Jahre ein Theil seiner Mitglieder durch UAuStritt entzogen worden. Es wurde deshalb im Januar 1871 be- schloffen, dem Verein durch die Aufstellung von Statuten — bi« g dahin hatte er solche nicht gehabt — eine festere Grundlage und ein M bestimmteres Arbeitsfeld zu geben. Nach den Bestimmungen dieser 8 Statuten sollten fortan regelmäßige Unterstützungen erhalten: ; 1. Ehrbare hiesige israelitische Haurarme; 2. israelitische Haurarme, t die in einer Entfernung von höchsten« 8 Stunden im Umkreis von £7 Wiesbaden wohnen; 3. Kranke, die nach dem Zengniß eine« hiesigen U Arztes zur Herstellung ihrer Gesundheit hier zu verweilen haben. W Anderweitige Unterstützungen sollten nur ausnahmsweise und zufolge
