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Wiesbadener Tagblatl

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Verlag: Langgasse 27.

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Freitag, -en 23. April

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

1897

Bezirks-Fernsprecher Ülo. 52.

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0"rko, 22. April. Zahlreiche Personen, welche der vermeint- Ilchcn Diana Vaughan Geldgeschenke übersandten, wollen gegen Lev ©axil einen BetrugSprozeß anstrengen.

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Schutzleute und Gendarmen, kurz alle Personen, welche häufig, wo sie gerade gehen oder stehen, auch des Nachts, Aufzeichnungen zu machen haben, werden diese Ersiudiing, wenn fit sich bewährt, worüber Erfahrungen noch nicht vorliegen, gewiß mit Freuden begrüßen.

Wirkung neuer Flaschen auf Wein. Auf der ersten Versammlung der Vertreter österreichischer Versuchsstationen in Wien wurde gelegentlich der Besprechung von Bestimmungen über die Probenahmen aus Weinfäffern zur Untersuchung beantragt, keine neuen Flaschen dazu zu verwenden, weil in diesen eine merkliche Abnahme der Weinsäure, in 20 Tagen bis zu 15 pCt., stattfindet, die durch Verbindung derselben mit den Alkalien in dem Glas er­klärt wird. Bei gebrauchte» Flaschen ist die obere Schicht des Glases schon ausgelaugt und giebt kein Natron (Kali, Kalk) an die saure Flüssigkeit mehr ab.

Hüorgesi«ffl&isgabe»

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- o llmfLfnlcr iwolfiahrigen Campagne. Etwa 50 Journalisten =57 Richtungen waren zugelassen worden. Aber Diana Vaughan krschenit nicht. Es erscheint nur Leo Taxil und erzählt mit einem - W»'or, der von cynischer Frechheit nicht zu unterscheiden ist: Diana r Baughau hat nie existirt. Ich habe mir, als echter Marseiller, den L Muß gemacht, den Klerus zwölf Zähre lang zu mystifiziren. Die - Akemoiren und die Briefe Dianas habe ich geschrieben. Die Vertreterin e W» amerikanischen Schreibmaschinenfabrik hat sie kopirt. Eine k Mt-Korre>pondenz-Agentur hat die Briefe in den verschiedenen I Wadten aufgegeben. Der Hymnus an Jeanne d'Arc ist einer Mchanischen Spiel-Kassette entnommen. Man stelle sich die Änpörung der Versammelten vor! Taxil hat den Spaß zu weit " .rieben. Aber er hat seine Mystifikation mit unerhörter Virtuofität x S* Werk gesetzt. Er hat die Sapecks, die Lemice-Terrseiix, den EJ5nuI MassonS lind Vraiu-Lucas weit hinter sich gelassen. Und er ?ar der Menschheit eine Lektion ertheilt: er hat gezeigt, wie sicher - man auf Parteileidenschaft und Parteiverblendung spekuliren kann - Zr gehört in eine Korrektionsanstalt. Aber er ist ein Meister' ^etußen wir ihn! * *

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 23. April.

ist gegenwärtig auf einem großen Schild gegenüber dem Linde,ihof an der Walkmiihlstraße zu lesen. Täglich huldigt dort eine ganze Anzahl Personen dem Barfußgeheu.

. o-Tt. ^ein ünud,, kein Geruch mehr! Sowohl in Fabriken als auch in Wohnhäusern giebt er Räume, die infolge vcniiliren sind. Hier Abhiilfe zu schaffen, n Bem zu losen ist dem Grafen Heinrich v. Pückler in n-nt $unJe 6et Elektricität endlich gelungen. Derselbe hat nämlich einen Apparat konstruirt, welcher durch einen chemischen ^o^ö Ozou- lowie Wasserstoffsuperoxyd in großen Mengen schnell er- zeugt. Bei dieiem Apparat, welcher leicht an jede elektrische BeleuchtungS- ,-I ^"ube"ragiingranlage aiiznschlieben ist, wird Platindraht durch elektrischen Strom zuni Glühen gebracht, durch Ansaiignng die im Raume befindliche ~uft durch den Apparat gezogen, aus dem sie gereiniat wieder herauskommt. Bei einem vom Patent- und technischen ®örli$ angestellten Versuche wurde eA* Ventilation gebauter Klosetraum binnen 4 Minuten schnell ^L^ernT«On,;ft,^tn/d,led,tcn ^uft gereinigt; auch hat sich bet Apparat als em boufommener Nanchvertilger bewährt, da er in vergualmten Raume in kurzer Zeil wieder gute Luft schaffte. Cs liegt hier eine für Restanrations- und ähnliche stark frequentirte Raume hochwichtige Erfindung vor.

Zum Zchrribrn im Dunkeln hat ein Pfiffikus eine eftktrilches -^>cht spendet, erfunden, indem er in einer Lchreibfeder ein kleines Gluhlampchen anbrachte, das übrigens auch auf einen Bleistift übertragen werden kann. Diese kleine Lichtquelle soll mächtig genug fein, um sogar die beim Schreiben oft so lästig empfundene Schattenbildung durch die die Feder führende Hand Verbindern. Stenographen, Schaffner auf Pferdebahnen, Reffens

Die Enttäuschung malte sich kurios auf ihren Gesichtern. Unterdessen hielt Taxil, heiter lächelnd, seinen Vortrag weiter. Er erzählte, wie er von Jugend auf einen Hang znm Ulk gehabt und seine Marseiller Landsleute mit der Nachricht vom Erscheinen einer Hcuflschheerde genarrt, dann anch die Archäologen Mit der angeblichen Entdeckung einer versunkenen Pfahlbaiieistadt im Genfer eee angeführt habe. Im Jahre 1885 fei ihm der Ein- fall gekommeii, die katholische Geistlichkeit bis zuin Papst hinauf über den Löffel zu barbieren. Da habe et, der früher gegen die ^esniten schneb, sich reiimüibig bekehrt, eine dreitägige Beichte ge­halten, bei der er sich namentlich einer Mordthat anklagte, und dann seine Enthüllungen über die Freimaurerei verfaßt. Diese wurden vom Klerus mit Jubel begrüßt. Als er nach Rom kam, wurde er o vT,, tt'a°Ö|1 vom Kardinal Rampolla und bann vom Papste teoXHI selber empfangen, geehrt und gesegnet. Was denKirchen- fursten besonders gefiel, war, daß er die Freimanrerei als Teufelskultus entlarvte. Zunächst hatte '

als früherer Freimaurer befaß, nur dogn.. daß , dergroße Architekt des Weltalls

*5. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. - Bezugs-Preis: SO Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

: er die Werke, die er dogmatisch dahin ausgelegt, i » z-c - v , -x--kltalls" identisch sei mit I der Teufel Oberstkii. Bald aber ging er auch zu fach-

I !.'§en Beweisen über und brachte angebliche Zeugen bei. Er ver- I offentlichte Briefe von Mädchen, die alsFreimanrerschweslerii" mit I deni Teufel gebuhlt haben wollten und nun ihre Verworfenheit I reuig eingestanden. Tie Briefe waren einfach gefälscht. Taxil hatte I ^" intelligentes Frauenziniincr, das in einem amerikanischen Schreib- I "irlschlnengeschäft zu Paris angestellt war, als Sekretärin genommen. I Dieses Weibsbild schrieb die von Taxil diktirten Briefe und nnter- I seichnete sie mit dem Nameii Diana Vaughan. Als Gehälfe diente noch ein Schiffsarzt, Dr. Hacks, der unter dem Pseudonym I Dr- Bataille feine Enthüllungen veröffentlichte und zeitweilig I polemisirte Alles nur zum Schein, um dem

I 5$"tfnin »nb Klerus Saud in die Augen zu streuen.

Die,katholische Presse schlug Lärm, vom Vatikan kam ein Segens- bn-f übet den anderen. Das Geschäft blühte. - Leo Taxil erklär, das mit schamloser Genngthnniig. Die Versammlung beginnt zu wuthen. Einige Geistliche und Journalisten verlassen mit Protest den Saal Kanaille! Schuft! Liigner! Belriiger!" schreien Andere und bleiben bis zuletzt, um den Kelch bis zur Neige zu leeren. Die Neige ist bitter. Leo Taxil beweist, daß die Geistlichen dsi dem Aprilscherz" seine besten Helfer gewesen sind, thcils ans Beschränktheit, indem sie seine Behaupinngen glaubten und mit I ehrlicher Dummheit bestätigten, theils aber auch aus Hinterlist und Luft an böswilliger Verleumdung. Für letzteres nur ein Beispiel unter vielen: Taxil halte die Centralstätte des Freimauter-Teiifels- kmtus nach Amerika, nach Charleston verlegt, weil feine Angaben sich ltnseits des Oceans nicht leicht kontrolliren ließen. In einem feiner Werkeveroffeiitlichte er den angeblichen Bauplan der Freimaurer­loge von Charleston mit genauer Beschreibung der dortigen Teufels- kapelle; Alles natürlich freche Erfindung. Der Bischof von Charleston, ein ehrlicher Mann, der die Lüge entlarven will, fährt extra nach Rom und stellt dem heiligen Vater vor, daß die Freimaurer feiner etnbt zwar meistens Protestanten, aber ehrenwerthe, gesetzte Leute seien, die nicht an Teufelskultns dächten; auch habe er das Logeu- gebaude vom Keller bis znm Speicher besichtigt und sich überzeugt, daß es da feine Teufelskapelle gebe. Was thut der Papst? Er gebietet dem Bischof, zu schweigen. Taxil, der die Sache erfährt, *aB »Dumä Vanghai," einen Brief schreiben und behaupten, daß der Bischof von Charleston selber Freimaurer sei. Und der Papst ertheilt derDiana" dafür noch einmal einen Spezial- Neu l Unterdessen knüpft die vatikanische Geistlichkeit mitDiana Vaughan , d. h. mit Leo Taxil, Verhandlnngen an, um einen großartigen Schwindel in Scene zu setzen: dasHerz der Jungfrau

Orleans Moll von einer italienischen 5?onne in einem italienischen Kloster aufgefunden werden, damit die französische I Nation mit ihrem mystischen ChauviniSninS wiederum dem Papste I verbunden würde! Leo Taxil erklärt, daß er die Briefe der hohen I Herren veröffentlichen werde. Zum Schluß kam der Kongreß von Trient, bei welchem der schamlose Poffenstister allerdings fürchtete, fein Schwindel könnte aufgedeckt werden. Er hatte es I äu frech getrieben, und u. A. den Jesuiten ein Stück Schwanz vom 1 Moloch als Beweisstück geschickt. Judeß retteten ihn nochmals die I Zeugenaussagen französischer Geistlicher, insbesondere des Bischofs I doii Greiwble, der sein ÄmtSwort gab, baßDiana Vaughan existire I und jur Beichte gegangen sei". - Schließlich, meint Taxil, müsse I der scherz aber doch sein Ende haben. Der schamlose Schwindler I NUN nun tu Frankreich, Belgien, England und Amerika heriimreisen I und in öffentlichen Koiiferenzen seinen Betrug aufdecken.

U, Leo Taxil begann, so schreibt man derTäglichen Rundschau" knien Vortrag mit den Worten:Meine hochwürdigen Väter meine i £?Feon u"b Herren, Sie wünschen Diana Vaughan zu sehen, nicht wuhr? Sehen Sie mich an, ich bin es selber." Verblüffuna Ewiterfeit, Entrüstung! Die Herren Pfarrer, Mönche und ultra- montanen Schriftsteller, welche die Mehrzahl bildeten, waren in 1 Hoffnung gekommen, den gruseligsten Teufelsspuk der Frei- enthüllt ,« sehen; sie fielen aus den Wolken.

Kleine Chronik.

In Borbeck (Westfalen) feierten etwa 15 Knaben ihren Ab» gang von der Volksschule dadurch, daß sie auf freiem Feld? em mächtiges Feuer anzüiideteii und darin ihre Schulbücher und Hefte verbrannten. Muth zu dieser Heldenthat tranken sie sich ans einer großen Schnapsflasche, die fie unter rohen Gesängen fleißig kreisen ließen und die fie auch vorübergehenden Mädchen mit« flathigen Reden auboten. Sehr wahrscheinlich war ein bedeutender Dheil der verbrannten Gegenstände auf Kosten der Armenkasse an« geschafft worden.

Kviserlicheii Werft in Kiel stürzten beim Anbringen v?v Bootsdavits an Schulschiff Stein durch Bruch der Hebevor» richtuiig OberbootsmannSrnaat Bernicky und Schiffs«mmerer Finget «üh Singer wurde lebensgefährlich verletzt, Bernis

ermr Rippelio.lgche.

Eine beispiellose Mystifikation.

Unser Pariser ^-Korrespondent schreibt uns unterm 21. d.:

Die französische Kammer feiert; die öffentliche Meinung, welche sich feiner Zeit durch die bloße Möglichkeit eines griechisch-türkischen Krieges so heilig erregt zeigte, kümmert sich nun, ihrer löblichen Tradition gemäß, sehr wenig darum, daßda hinten die Völker mfeinaiiderschlagen"; und doch ist die Quelle der sensationellen Vor­gänge nicht versiegt. Ist nichts Ernstes los, so sorgt die südliche Phantasie dieses stets bewegten Volkes für einen Spaß, der in feinet Art monumental ist. Und wenn dem Pariser der Stoss ausgeht, so stellt zur rechten Zeit der Marseiller sich ein.

EL Leo Taxil, dessen eigentlicher Name Gabriel Jogaud lautet, ist ein uuzweifelhast genialer Repräsentant des französischen, genauer atfagf, des proveucalischen Münchhausentypus, welchen Alphonse Dandet in seinem TaraScon festzuhallen gesucht. Schon seit seiner Kindheit gab er Proben eines unvergleichlichen Talentes zur Mysti­fikation.sm Jahre 1873 gelang es dem damals Neunzehnjährigen, s beni fommaubirenbeii General Cffpivent de la VilleboiSnet einzureden, ' daß eine Baude von Haifischen in die Rhede von Marseille ein­gebrochen sei. Einige Jahre spater gab er vor, auf dem Grunde ? des Genfer sees eine versunkene Stadt entdeckt zu haben, und brachte gediegene Archäologen dahin, unter den, Wasserspiegel thctt- fachlich die Umrisse eines öffentlichen Platzes, ja sogar eine Reiter- ftatue zu erblicken.

Anr-lgeii-Anttohm-»<-im.«

Sluzetgen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Aiizcigen 25 Psg. Neelamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Psg.

Vereins-pachrlchten.

I kturze sachliche Berichie werden bereiimiäizft unter dieser U.berichrlsl ausaenommi»

* Die auf Ofterfonntag angesetzte Turnfahrt desMänner« I turn-Vereins" über Soden, (Sronberg, Altkönig, ElaShütlen, I Lchloßboni, Niedeiiihaufcn war durch den am Morgen cingktrcteiien I Regen leider etwas beeinträchtigt worden. Trotz des schlechten I Wetters hatten sich doch 15 Turner Ungesunden, welche die Turn- I mhrt aussühren wollten. Tie Führung lag in den bewährten I Händen des 1. TurnwartS Herrn Engel und so wurde denn mit I dem Schnellzug der Taunusbahn 7 Uhr 5 Miu. Vormittags big | nach Soden gefahren, wo die Turnfahrer um 8 Uhr 3 Min. an- I langten. Von hier ans wurde über Cronthal nach Crouberg I marschlrt, wo die Turner, durch einen plötzlich eingetretenen Regen I gezwungen. Halt machten. Um 10 Uhr wurde der Marsch fort« I gesetzt nud man erreichte um/212 Uhr den Altkönig, welcher einen I prachtvollen Blick in die Mainebeue bot. Nach Besuch des Feld- I bergblicks wurde dann bei schönstem Welter über den Fuchstauz I »ach Glashütten marfdjirt, wo die Turner, von einem furchtbaren I Schucegestöber begleitet, um V-3 Uhr etntrafeii. Nach größerer Rast I bet Herrn Halm marschirten bann die Turnfahrer über Schloßborn | nach Niedernhausen, von wo aus mit dein Zug 9 Uhr 12 Min. I Abends die Heimfahrt angetreten wurde.

I * Der Ausflug nach Biebrich, den die GesellschaftGemüth- Uchkeit am 2. Ostertag unternahm, fand lebhafte Bctbeiligung.

I Die verschiedenen Vorträge sanden durchweg Beifall und ein Tänzchen hielt die fröhlichen Gäste bis znm späten Abend beifammen. "Die

I Gesellfchast wird am 2. Mai abermals einen Ausflug nach Biebrich I (©aal des Herrn Kimmel) mache».

Stimmen ans dem llitblihnm.

I Für «rrSgentliSmige» unter dieser Uederschrisl übernimmt die Redattion (einerlei Srranftoürtuua.)

* Nachgerade muß man zu der Ansicht kommen, daß die Straßen I ml1 llemacht werden,^damit die Dampfbahn sie benutzen kann. I ?',ebt noch viele ©tabte mit Dampsbahiieu, ober keine mehr, wo I OiSJ Reparatur vorkommt wie hier. Sinb bie technischen Leiter I der Bahii-uicat im Stande, einen orbeiitliche» Unterbau zu machen, was durch die fortwährenden Reparatiireii bewiesen scheint, so müßte die Stadt die Herstellung auf Kosten der Bahn übernehmen oder I breiugsteiis die Kontrolle cusüben, wie sie es sonst bei anderen Privaten auch thut. Es scheint aber, daß die Bahn ein Extra» gribikgium hat Voriges Jahr erst war eine langwährcude Reparatur am Geleise in der Adolfstraße und jetzt fängt es schon wieder an. ©ind denn die Anwohner gezwungen, sich diese sorlwährcndeu Storungen gefallen zu lassen? Die Stadtbehörde fiel)! allerdings

| rl|o|ß äu. Ein Anwohner der Adolfstraße.

, * Es ist geradezu unbegreiflich, daß in einer Stadt wie JßieS»

Äl.sal^t?fcer-n?rtße.r^citf*enfnall«n geduldet wird, luabrenb basfelbe m den meisten anderen größeren Städten, die nicht dabei elegante SBabeorte finb, längst abgefdjnfft ist, indem man ent­weder eine empfindliche Geldstrafe darauf gesetzt oder als einpsehlens- werthes Radikalmittel das Tragen der Kuallschniir verboten hat. Da legt wan Holzpflasterling ober dergleichen an, um das uu» ^ssweidliche Geräusch möglichst zu reduziren, aber den nicht nur boHtg i'.berfiufRflen, sondern ganz sinnlosen und nerbenaiifregenben ©kaudal des Peilschenknallens laßt man ruhig fortbestehen. Hoffent- lich werden sich noch einige andere Einwohner Wiesbadens, die ebenfalls nicht mit Fuhrmannsnerveii begabt sind, diesem Protest anschließen und dadurch die Stadtvertretnug ober eventuell Polizei Oe-tnrnLaf!cn'«ban ru khuii, was sie schon läng» hätten tbun sollen, nämlich ben Kuall-L-kaiidal auch in Wiesbaden aus berWelt schaffen. Es wurde dies der Stadt zuni größten Bortheil gereichen.

r, * Unter der Spitzmarke .Oleandergift" bringt Ihr ge- Rtorgeiiblatt (No. 175) einige von Jedem wohl zu be­achtende Bemerkungen, und dürften auch die nachfolgenden Zeile» manchem Ihrer werthen Leser einiges Jnterefle bieten. Der Oleander (nenum oieander) als wildwachsender Strauch, ober buschig, in bett von ^hnen genannten Ländern, auch anderen, trägt eine karminrosa Dluthc. Das vor Allem in ben Blättern und der Rinde ent­haltene Gift stark narkotischer Art, kann unter Umstände» ben davon fressende» Hausthieren gefährlich werden und nennt man im Volksmunde in einigen Gegenden Italiens bett r?£.e.fIr-T\6en Arltodter. Abgesehen von seiner Zierde in Gärten re. mBt sich dem Oleander auch im Haushalte eine sozusagen nützliche ©eite abgewiiineii. Grün abgeschnitteiie Blätter, mäßig rasch ge­dorrt, werden zu Pulver zerstoßen in ein Mauseloch gestreut. Der peiietrante Geruch, von dem sich leicht Jeder selbst überzeugen kann, ist diesem lästigen Hausgenoffen ebenso zuwider wie der des Mosch»» vielen Menschen. ___________________

. * Makttk, 22. April. Infolge Platzens eines PneumntikrohreS

B Bohrmaschine bei der Bohrung eines Briinueus in Weisenau sind ore r Arbeiter erstickt.

Eiidlich verfiel er auf den heutzutage nicht mehr uugewöhnlichkii Gebatiken, die Mystisikatioii zu seinem Berufe zu machen. Mein le>o.Bermogeii hat, muß von seinen angeborenen Talenten leben. Da Freibeiikerthnm und Freimaurerei mit dem Aufkommen der dritten Republik stark in die Mode kamen, glaubte Leo Taxi! ? lkt" Schiffchen auf dieses Fahrwasser lenken zn müssen. In einer - oreihe von sensationellen Schriften begann er, mit Hülfe seiner . iinerschopflicheu Phantasie, dieGebeimniffe des Jesuitenordens" M aufzudecken. Er betrieb diese Industrie im Großen: es gelang | jom, eilte eigene antiklerikale Buchhaiidluiig, eine anti-

tleritale Druckerei rc. zu begrünben, nud Freimaurer der gut- < muthigeren Art stellten dem kühnen Kämpen nicht unbedeutende Lummen zur Verfügung. Lange konnte die Unternehmung freilich 1 . r'f661,11 6,e Nichtigkeit der angeblichenEnthüllnngeii" ral schließlich doch an den Tag. Die antiklerikale Buchhandlung

-7 >egann zu verfallen und Leo Taxil selbst bemerkte, daß fein Kredit i! den Freimaurer-Logen zu schwanken beginne.

©em Entschluß war gesoßt. Plötzlich war die Gnade des dinimels auf ihn herabgeflossen. Er zog sich in ein Kloster zurück. W Diei Tage lang beichtete der hartgesottene Sünder. Er beichtete die E^bortesteii Geschichten: Mordthaten, die er nie begangen, politische, - mtiLerifnle Machinationen, an denen er nie theilgenoinmen rc.; er neb den ©paß so weit, bittere Thränen zn meinen. Man gab bni ben Ablaß. Seine Bekehrung machte ungewöhnliches Aufsehen. Der einstige Jcsiliteubekawpfcr machte es sich nun zu seinem heiligen Lebenszweck, das Freimanrerthuni mit Allem, was daran hängt: ©niaiusniii?, schwarzen Magie Dinge, mit denen Niemand ver- £ trauter fein konnte, als er zuenthüllen."

. Diese Enthnlliingen haben feit 1885 die klerikale Welt in Athen, Was Taxil selbst ans Licht brachte, war lange nicht so leniationea, als die Bekenntnisse einer Dame, die er bekehrt. Miß

Vaughan, eine junge amerikanische Erzmillionärin, war Mmbit Großmeisterin des Lucifer-Ordens gewesen. Durch Taxil in ^RL*^1 «äwoh dcr Kirche zurückgesührt, deckle sie in ihrenMemoiren . Ex-Palladistin und in derNeuvaine eucharistique die BWiinietien Umtriebe mit beispielloser Rücksichtslosigkeit und Präzision U Äl Kirche beglückwünschte sich zu einem derartigen Siege, i Miß Diana Vaughan erlangte eine ungewöhnliche Berühmtheit. I a 6 ®yrbe eilte Größe der Ecclesia miiitans. Erzbischöfe und i ^WKardiiiale verblieben in Korrespondenz mit ihr. Leo XIII. schickte g mr feinen speziellen Segen. Ein von ihr komponirter Hymnus an : cMime d Arc wurde in vielen fraiizöstschen Kirchen gefangen.

M.. Auffallend war es allerdings, daß Niemand sich Mruhmen konnte, Diana Vaiighan gesehen zu ~ Io . n' Dte reiche Amerikanerin reiste fortwährend in der herum. Von allen Hauptstädten der Welt schrieb und

B 16'egraphirte sie, stets pünktlich in ihren Antworten. Erst E L11 Jvhre 1896 begann sich ein Verdacht zu regen. Ans dem Anti- I ! Freimaurer-Kongreß in Trient wurde die Glaubhaftigkeit der Ent- - S; ,ÜJlaC11 Dianas, ja die ihrer Existenz, stark angegriffen. Im I t » 11 un6 lm $ar,fer Archi-Episkopat begann man sich Herrn I

[ fleflenuber kühl zu zeigen. Der Klerus, welcher ihm 12 Jahre I E tong aufs Wort geglaubt hatte, wollte nun endlich einmal Miß I t Laa na Vaughan mit eigenen Augen sehen.

- a Sie versprach sich zu zeigen. Ihre Konferenz sollte in der e Geographischen Gesellschaft zu Paris ftattfuiben. Von allen Gegenden I t praiikreichs strömten bie Sßunberträget der Kirche zusammen.

| yanbelte es sich doch um einen Triumph der Kirche, um bie Be- I