WiksbÄemr (Eaglilatf
45. Jahrgang.
Verlag: Langgasse 27,
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Uo. 156
Freitag, den 2. April
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
1897
BezirkS-Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe
anstatt einer Säule des Fortschritts sieht man nur eilte verfallende, verschmarzte Wetterwarte — einen Rückschritt in der öffentlichen Aesthctik einer Stadt. Da haben wir vor dem berühmten Jnstizpalast den nach dem Erbauer des ersteren benanuleil Platz Polaeert. Auch der Justizpalast dürfte einen endlosen Strom von Besuchern anlocken, aber die Bretterwände der Place Polaeert mit ihren Reklameschildern, mit den Grasnarben und anämischen Bäumen dahinter rühren sich nicht von der Stelle. Das sind nur einige Beispiele der Unvollkommenheit von Brüssels Festtoilette für den Sommer dieses Jahres, des ereigniß- reichsten seit fünfunddreißig Jahren. Und dabei wird gebaut, abgetüncht, abgerissen und gegraben, daß es nur so eine ?Irt hat. Selbst die übliche militärische Prunkceremonie des wahres, die Heerschau auf der Place des Palais am 9. April, dem Geburtstage König Leopolds mußte abbestellt werden, weil eine elektrische Tramlinie mit Akkumulatoren- betrieb den weiten Platz soeben in ein coupirtes Terrain verwandelt hat. Und das königliche Palais selbst „soll" erst immer noch seinen neuen, Anstrich erhalten. Versprochen hat mau ihn ja, und mau hat ja auch angefangen, die gähnendsten Riffe zu verkleben, sodaß der Bau mit den grellweißen Flecken auf feinem fchwürzlich gräulich-grämlichen Grunde fast wie marmorirt erscheint. Man glaubt aber an dieses Wunder noch immer nicht so recht, vielleicht soll diese marmorne Unschöne gerade die Ausstellung und ein weiteres Säkulum überleben.
Und auch im Uebrigen thut sich das Herannahen be§- Eröffnungstermins der Ausstellung kund. Es beginnt sich jenes kosmopolitische Völkchen einzustellen, das man die Marodeure der Ausstellungen nennen könnte. Es spricht alle Dialekte der Welt, es trägt vornehmlich türkische, alba- nesische, spanische und italienische Kostüme, es handelt mit Hausirkram und verkauft Liebe und Schmuckwaaren an die Dummen, kurz, es bringt den unsteten, jahrmarklsmäßigcn Charakter,unter die anständigen Leute und ruhigen Bürger, die ängstlich und doppelt vorsichtig ihre Häuser und Geld-
für das Handwerk. Weiter richtet Redner au die konservativen Gönner des Handwerks und Mittelstandes die Mahnung, vor Allem den Handwerkern persönlich die ihnen gebührende Achtung zn zollen und sich außerdem mit ihre» Bestellungen nicht an den Großbetrieb, sondern an die eigentlichen Handwerker zn wenden. Gerade daran fehle es sehr oft. — Abg. Beckh (fress. Votksp.) billigt die Handwerkskammern und im Wesentlichen auch die Bestimmungen über die Lehrlingsausbildung. —Abg. Reißh a us (Soz.) ist gegen die Vorlage. Dieselbe wird nach weiterer kurzer Debatte an eine Kommission verwiese». Morgen, 1 Uhr: Antrag Liebermann, betr. konfessionelle Eidesformel, dann Antrag, betr. Jesuitengesetz. Schluß 6*/i Uhr. ________
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Preußischer Landtag.
Berlin, 1. April.
Abgeordnetenhaus.
Dor Eintritt in die Tagesordnung theilt der Präsident mit, daß der Abg. v. Tzschoppe (freifoni.) wegen seiner Ernennung zum Ober-RegterungSrath sein Mandat uiedergelegt habe. — Bei der zweiten Berathuug des Etats der Staatsarchive erklärt auf eine Beschwerde des Abg. Hauptmann (Centr.) Präsident fiofer, "0? die Entscheidung über die Benutzung der Archive den Ober- prasideuten übergeben worden fti, um die Entscheidung an Ort und Stelle geschehen zu lassen. Weitere Erleichterungen bei der Benutzung der Archive seien beabsichtigt. Der Etat wird genehmigt. — Bei der zweiten Berathuug des Etats der Ceiitralgenossenschafts- fosik spetsl Abg. v. Arnim (kons.) darauf hin, daß der große GeschattSumfang, den die Kasse bereits erreicht habe (etwa 1 Milliarde) hauplsachtich der umsichtigen Leitung zu verdanke» sei; er besiir- wortet, de» Geschäftsverkehr durch Fortfall der Garautieen durch die GenosseuschaftSverbände zu vereinfache» und das Kapital der Kaste zu erhöhe». — Fiuanzminister v. Miquel erwidert, daß die Generalstaatskasse erforderlichenfalls Vorschüsse leiste. Der verdiente Präsident dieser „großen Bank des Mittelstaiides" habe bereits aiigeregt, die Betriebsmittel zu erhöhen; genaue Unterlage» für den dauernden »öebatf 6er Kasse würden aber erst nach einem Jahr z» gewiniien sein. Leider schreite die Entwickelmig des GeuosseuschastSweseiiS beim Handwerk zur Benutzung der Kaste nicht so rasch vorwärts wie bei der Landwirthschaft. Die Gewährleistung der GeuosseiischaftS- verbande sei nicht zu entbehren. - Abg. Parisius (freis. Bolksp.) faßt den Stand der Kasse nicht so günstig auf, wie bas von anberer Seite geschehe; ihre Erfolge feien künstlich gemacht.— Abg. v. Mendel-Steins e ls (kons.) betont beui gegenüber die segensreiche Einwirkung der Kaste, die noch erweitert werden müsse. - Abg. Knebel (uat.-lid.) wünscht ebenfalls eine lebhaftere Entwickelung des bandwerklicheu Genostenschaftsweseirs. Dre Ceiitralgenosteiischaftskaffe werde erst das Ideal erreicht haben, wen» sie lediglich mit eigenen Mitteln, ohne Stnatsznschüsse arbeiten werbe.— Ser Finanz in iuifter führt dagegen aus, daß stets Zuschüsse erforderlich ,ein wurden, da ständig neue Genossenschaften hiiizuträten, tue sich erst entwickeln müßten. Der Staat könne umso mehr auf eine hohe Verzinsung seines Zufchußkapitals verzichten, als ihm die Entwickelung des Gewerklebeus indirekt zu gute komme. Eine Statistik des gelammten Genossenschaftswesen« solle ausgestellt werden. Der Etat wird genehmigt. ES folgt die zweite Berathuug der Städte- und Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Hessen-Nassau. Bei § 1, Umfang der Städteordniing, erkeniit Abg. p. Pappe »heim (kons.) an, daß die Gegnerschaft gegen die Vorlage in den letzten Woche» namentlich in Hessen immer stärker geworden und in zahlreichen Petitionen zum Ausdruck gekommen ist. Diese Gegnerschaft sei zweifellos nicht das Produkt einer Agitation, die nut auf Scheitern der Vorlage hiu- arbeite, sondern ein Beweis, daß ernste Bedenken gegen die Vorlage vorhanden sind. Ihm selbst wisse man für sein Verbal teil in der Konimilsion in einem Theile seiner Wähler feinen Dank. Diese ablehnende Haltung seiner Laiibsleute sei ein Einfluß des Mißtrauens, welches durch die preußische Verwaltiing und Gesetzgebung,
3LuiCttiClt -3Lllttdhutß V.UHr Bormittags, für die Morgen. Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. — Für die Anfnahme später tingereichter Anzeigen zur
nachsterscheinenden Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen. ”ur
Deutscher Reichstag.
O Berlin, 1. April.
Fortsetzung der ersten Lesung der Gewerbeuovelle: .Organisation des Handwerks". Das Hans ist bei Beginn der Sitzung wiederum sehr schwach besucht. Abg. Pachnicke (freis. Ver.) rügt zunächst die Leere des Hause». Wenn die Handwerker beute hierher kämen und diese Leere sähen, würden sie wissen, welches Interesse ihrer Sache von den sogenannten Freitiiden des Handwerks entgegen» gebracht werde. Redner geht hierauf ans die Stellimg der Konservativen zu der Vorlage ein. Des Weiteren betont er, das uiuffe ein allgemeines sein. Man dürfe nicht die anderthalb Millionen Handwerker auSschließett, die nicht in Innungen vrgaiiisirt seien. Zwangsinnnngen seien in jeder Form unannehmbar. Die aussichtsbehördlichen Befugnisse unterzieht Redner gleich* faU8 einer Kritik. Er meint, dieselben würde» im Uebermaß anS- geübt, solle doch auch in Zweifelsfällen die Aufsichtsbehörde über feie Grenze zwischen Handwerk und Fabrik entscheiden. Was kein Verstand des Verständigen sieht, das übet in Einfalt eines Regierungs-Assessor« Gemüth. Mit den Innungen werde nichts geändert an bei» Druck, welcher auf bem Handwerk lastet, «nb nichts an ber Ueberlegenheit ,be» Großbetriebes, und was werbe dem Handwerk eigentlich geboten? Nichts als Zwang und der Meistertitel. Es Wäre besser, wenn der preußische Staat em paar Millionen mehr auswenden Würbe für bas gewerbliche UnterrichtSwefen; bie Großgrnnbbesitzer auf bet Rechten sollten nur de» Handwerkern recht viel abkaufen und dieses recht gut bezahlen, wenn sie dem Handwerk Wirklich helfen wollten. Redner schließt: Die HandWerkerkammern, welche ein wahres Bild der Stimmung bei den Handwerkern geben, sind uns annehmbar, Zwangs» uiiinnge» sind iiiiS dagegen unanuehmbar. — Haudelsminister Brefeld dankt zunächst für das Wohlwollen, welches für die Vorlage ,ni Allgemeinen bestände. Sie sei ein Kompromiß und er hoffe aud) hier auf Verständigung, damit dem bedrängten Handwerk geholfen werde. Die Grundlagen seien in diesem Entwurf dieselben Wie in dem preußischen. Nur sollen jetzt bie Zwangsiiiuungen nur da. einaefuhrt werben, wo bie Mehrheit bet Handwerker sie wünscht. Um diese Mehrheit zn ermitteln, würden Bekannt- machungen erlassen werden und Abstimmung erfolge», auf Griinb einer Liste, die über alle Betheiligten würde geführt werden. Die Gewerbevereine hätten sich in Süddeutschlaub als sehr nützlich er« Wiesen und er, Redner, wünsche und wäre dafür, wenn diesbezüglich auch in Preußen mehr geschehe. Er würde dies jeder Zeit unter-- " stützen. (Beifall.) Indem Minister Brefeld noch das Jnnungs- wefen bespricht, betont er, zu hüten habe man sich sowohl vor Zwangsinnnngen wie auch vor Scheininnnngen, welche z» groß seien, um eine wirkliche Theilnahme der dazu Gehörigen an dem Jiinungsleben zu ermöglichen. Er sei überzeugt, daß das Handwerk nicht unrettbar verloren fei. Es werde weiter bestehen als Stütze von Thron und Staat und als Hort deutscher Zucht und Treue. (Beifall.) - Abg. Euler (Centr.) kann sich für die Freiwilligen Zwaiigsiiinungen nicht erklären. Es bedürfe eines unbedingten Zwanges, denn mir die Zwangsinnmigen seien im Stande, alle nothwendigen Einrichtungen für das Handwerk vollkommen dnrchzufuhren. Die Korporation des Handwerk», wie er sie wünsche w «ne große politische Macht. Mit bem Hqnbwerk sei es and) m Wien gelungen, die liberale Jubeuwirthschaft hinaus zu befördern. Redner plaidirt noch für Befähigungsnachweis und erklärt, er werde für die Vorlage stimmen, trotz mehrerer Mängel, bie er an ihr ausznsetzen habe. — Abg. Viel habe» (Antis.) führt ans, - nachdem er die Leere des Hause« gerügt, der genossenschaftliche Zusammenschluß allein rette die Handwerker nicht. — Abgeordneter Benoit (freis. Ver.) spricht gegen das Prinzip der Zwaugs- JBiiungen. Von der Vorlage verspreche er sich gar nicht« |
(Nachdruck verboten.)
Brüsseler Spitzen.
Von F. Flamattd.
Brüffel unten und oben. — Keine Heerschau. — Der Zuzug der Ausstellungs-Marodeure. - Die Eröffnung der Ausstellung. - Der Wettbewerb der Staaten. - Der «iefl der Könige Gambrinus und Spiritus. — Der rotteriewucher und die Summen. — Alt-Brüffel mit feinem „Butterrnartt" und „Grüner Hund".
Nichts ist interessanter zu sehen als eine Stadt, die sich Nutet, und zwar so spät und so unüberlegt als möglich. Du lieber Gott, ich glaube, seit 1894 schon ist die diesjährige internationale Ausstellung geplant und organisirt gewesen. Man hätte also genügend Zeit gehabt, mit dem Häßlichen und Antiquirten, dem Unmodernen und Unpraktischen aufzuräumen. An Geld hätte es auch nimmermehr gefehlt, aber bewahre, nur hübsch schlendern und trödeln, dann im Sturme Alles einholen wollen — das scheint die höchste Tugend der Stadträthe aller Nationen zu sein. Nun aufgeräumt wird, sieht man erst deutlich, was an lieber» stössigem und Häßlichem noch zurückbleibt. Jetzt geht es der belgischen Negierung und der guten Stadt Brüssel wie dem 'Naschhaften Kinde, welches auf den Sims hinaufrcicht, um schlecken, und damit sämmtliche Einmachtöpfe ins Wanken bringt. Es weiß nicht mehr, welchen Topf zuerst aufhalten, wid inzwischen macht die ganze Topfbatterie kladderadatsch! Genau so geht es in Brüssel zu, und das Facit aller Bemühungen wird sein, daß gerade das, was zuerst hätte verschwinden sollen, Ausstellung und Fremdenzufluß überdauern wird — „aere perennius“. Was wird nicht Alles auf die Gedenksäule der Unabhängigkeitserklärung Belgiens hinaufklettern, um den unvergleichlichen Ausblick über Brabants Hauptstadt zu genießen! Aber dieses dem klassischen Alterthum so täuschend nachgeahmte Monument mit dem Standbilde Leopolds I. aus seiner Spitze stellt gerade das Gegentheil dessen vor, was sein Name besagt:
sowie mangklhafie Fürsorge be» Reiches für bie Landwirthschafk, auf welche bie Provinz angewiesen fei, zum Theil mit Recht hervor» «'rufen sei. Das werbe ihn aber nicht hiubern, nach Kräften bafür »u sorge», baß bie Gemeiiibeorbnnng für bie Provinz sich derjenigen für bte übrigen Staatsgebiete amiähere. Ei» Sonderrecht dürfe nicht geschaffen werden. Er betrachte es al« eine gute Vorbedeutung, daß die Berathniig anbem Tage beginne,wo die Herze» Aller de« große» Mannes in Friedrichsruhe gedenken, ber Alles, was er that, von bem großen Gesichtspunkte au« anssührte, ob es bem gemeinsamen Vaterlanbe Stirn Segen gereiche. — Abg. Klein (uat.-lid.) proteftirt al« Hesse gegen die Vorlage und bie Beschlüsse ber Kommission, die dem Versprechen zuwider laufen, das ihnen bei der Annektion gegeben Worden sei, baß die berechtigten Eigenthünilichkeiteu der Provinz betont Werden sollen. Die Hessen stehen treu zu Kaiser und Reich, Hauge» aber auch treu an ihrer anderen Heimath, und in diesem Sinne Werben wir unsere Anträge stellen. — Abg. EnueccernS (iiat.»fib.): Um eine große einigende That handele es sich aber nicht, e« handele sich bloß darum, ob man dem Regierungsbezirk Cassel das dort verhaßte Dieiklassenwahlsystem aufzwinge» soll. Das muffe umso eher abgelehnt werden, al« ja eine Reform de« @e» f'tzes ui Aussicht stehe. Redner befürwortet, daß durch einen Zusatz i» § 1 bie Landgemeinbe Wehlheiden, die durchaus ftablndjeu Charakter trage, zur ©tabtgemeiube erklärt Wirb. — Geheimrat!) Trott zu Solz hält bas für bedenklich, weil andere Landgemeinden denselben Anspruck) erbeben könnte». Er empfiehlt, in einer Resolution die Regierung anfznforberu, Wehlheiden mit dem Inkrafttreten des Gesetze« gleichzeitig zur Stabt zu erheben. — Abg. v. C hrist en (freikons.) ist überzeugt, baß die Mißstimmung über die Vorlage nicht so großen Umfang hätte annehmen können. Wenn man rechtzeitig für bie nölhige Erklärung gesorgt unb z. B. aii«- elnandergesetzt hätte, daß bie alte hessische Bürgergemeinde, auf ber das bessiicheWahlrecht beruht, nicht mehr aufrecht erhalten werben kann. Etwas Besseres als da« Dreiklasseuwahlrecht gebe es leibet nicht. Man möge sich baranf beschränken, seine plntokratssche Wirkung einzuschränken. Abg. Dasbach (Centr.) macht baranf aufmerksam, daß Fürst Bismarck keineswegs bie Partiknlarrechte beseitigt hat, wie die Reichsverfassiiiig beweist. Herr b. Pappenheim erinnert da zu Un- recht au den Fürsten Bismarck, wohl aber bat dieser im vorige» ^sahre «klart, daß er zwar nicht mehr so scharf wie im Jahre 1867 uoer das Dreiklasseuwahlrecht denke, daß er aber an seinem Urtheil darüber sesthalte. Nur mit geringer Mehrheit habe sich der Provinzial- Landtag für dieses Wahlrecht erklärt. Die Hessen selbst hätte» in ihrer Mehrheit dagegen gestimmt. Dort habe auch Herr v. Pappenhenn eine Vorlage verlangt, bie gerabe in Bezug auf daS Wahlrecht an bie Vergangenheit ankuüpste. § 1 wird angenommen, ebenfo ohne Debatte U 2 bis 4. Nach § 5 ber Vorlage wirb das Bürgerrecht unter Anderem durch einjährigen Wohnsitz in einem Stadtbezirk erworben und außerdem kommt in den Fällen, wo ein Wohnhaus durch Vererbung auf einen Anderen übergeht bei» Erben bet Berechnung der Dauer des einjährigen Wohnsitzes bie Besitzzeit des Erblassers zu gute. Durch OrtS- statut kann für ben Erwerb bes Bürgerrechts eine längere als einjährige Dauer bes Wohnsitzes vorgeschriebe» werben. Die Rommtiiton hat letztere Bestimmung gestrichen unb beftimmt, daß das Bürgerrecht mit zweijährigem Wohnsitz erworben wird, und daß dem Erben die Besitzzeit des Erblassers bei Berechnung der Dauer de« zweijährigen Wohnsitzes zii gut koininen soll. — Abg. EnneeceruS bittet um Wiederherstellung ber Regierungsvorlage unb Slba Dasbach unterstützt das. Die Abgg. Schilling (kons.), H o f nt a n n- Dillenburg (nat.-lw.), Junghenii (nat.-lib.) und Pappenheim sprechen für de» Kommissionsbeschluß, ber auch angenommen
® dis 8 werbe» bebattelo« angenommen. Nach
9 ruht das Bürgerrecht u. A., wenn ein Bürger die schuldigen Gemeindeabgabeil innerhalb acht Tage nach erfolgter Mahnung nicht bezahlt hat, mit Ablauf dieser Frist bis zu der Ent- nchtnng. — Abg. Stephan (Centr.) will diese Bestimmungen als unnutz wegstreichen, evenniell die adjttäge Frist auf sechs Monate erhöhen. Andere Stäbteorbnungei! kennen solche Bestimmungen auch nicht. — Abg.Enneecerus empsiehlt ebenfalls die Streichung der börsen verschließen. Italien stellt das Hauplkontingent dieser Leute, und von Italien wieder ist es namentlich Neapel, welches seine Kinder als Mandolinenspieler, Sänger und Tänzer über die ganze Erde schickt. Welch ein Gesindel, wenn man es im „Civil" erblickt, wenn man feinen intensiven Zwicbclathem in der Nähe auskoste» muß. Schreiber dieses hatte zufällig Gelegenheit, die bei dem Ausstellungs- comits cingelaufenen Anmeldungen von musikalischen Körperschaften durchzublättcrn: nicht weniger als dreißig neapolitanische Gesellschaften, sämmtlich „berühmte Nummern", wie sich von selbst versteht, erklärten sich bereit, Brüssel und die Ausstcllungsbesuchcr zu beglücken. Wie ich höre, hat man offiziell sich solche Gäste verbeten, aber der Cafes und obskuren und obscöneu Singspielhallen giebt es ja hier genug, in denen diese Neapolitaner ihre entsetzlichen Quetsch-Tremolos uns zu Gehör bringen werden.
Also am 24. April wird sich das welterschülternde Er. etgniß der Eröffnung der hiesigen internationalen Ausstellung pünktlich vollziehen. Wir sind zwar nicht fertig, aber wir müssen eröffnen, sonst zahlen wir täglich 6000 Francs Strafe an die Bank, welche Eintrittsgelder, Abonnements und Lotterie-Ergebnisse im Pauschale angekauft hat. Da wir aber eine zweigetheilte Ausstellung haben werden — Pare du Cinquantenaire und Schloß Tervueren — so werden zwar beide durch den im genannten Park zu vollziehenden feierlichen Akt als eröffnet erklärt werden: nun ist aber ein Besuch beider Ausstellungen durch den König an einem Tage ausgeschlossen, und Tervueren wird trotz seiner angeblichen Eröffnung nicht vor den ersten Maitagen durch den König offiziell eingeweiht werden. Im Park und neuerbauten Schlosse zn Tervueren soll sich namentlich bie großartig angelegte Congo-Ausstellung auf- thun: ihren Souverän wollen dort gut vierhundert seiner schwarzen Landeskinder begrüßen. Doch von Tervueren, dieser historischen und kulturgeschichtlichen Stätte ein anderes jJlai. Henle einige allgemeine Züge der bevorstehende«
