Wiesbadener TsgM
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Uo. 138. Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Dienstag, den 23. Marx.
1897
Bezirks-Fernsprecher N». 52.
Abendausgabe.
Die Hundertjahrfeier.
Berlin» 22. März.
Gestern, nach Sonnenuntergang, war die Hauptstadt überall ein Lichtmeer. Den Mittelpunkt der großartigen Illumination bildete die herrliche Beleuchtung des Königsschlosses, dessen Fronten 10,000 blendende Glüblichter und Kerzen erleuchteten. Bengalische Flamme» auf den Gefiinsen und Scheinwerfer strahlte» weithin vom Dache. Die Schloßkuppel leuchtete feeuhast in weißem elektrischen Lichte. Der Thurm des Rathlmuses erstrahlte in rothem bengalischen Feuer. Aus den Fenstern ergossen sich strahlende Lichtfluthen. Viele Straßen wäre» von glühlichtdiirchwirkten Tanneuguirlandeu überspannt. Eine wahrhaft glanzvolle Wirkung boten die festlich beleuchteten zahllosen Schaufenster,, die mit Kaiserstatneu und -Büsten prachtvoll dekorirt waren. Die Illumination war besonders herrlich Unter den Linden. Die Nationalgallerie erstrahlte in rothem und grünem Lichte. Die Botschaftspalais zeigten elektrische Lichterreihen. Das Brandenburger Thor und die Quadriga wurden durch Scheinwerfer erleuchtet, dahinter leuchtete die Kuppel des Neichstagsgebäudes in feeuhastem Golvglanz, die Portale in rothem Lichte. Die Elektricitäts-Gesellschaft am Schiffbauerdamm hatte ein mächtiges Flammeiigerüst auf dem Wasser errichtet. In der Stadt waren ungemein wirkungsvoll illumiiiirt die Börse und die größeren Banken. Der Petrikirchthurm erglänzte in vierfarbigem Lichte. Hunderttauseiide durchwogten die Linden. Um 70- Uhr fnhreii die kaiserlichen Prinzen und die kleine Prinzessin im offenen Wagen durch die Stadt.
Das Kaiserpaar begab sich heute früh, 9 Uhr, zum Besuch der ä)io uf o 1 e u in 8 nach Charlotteuburg und verweilte daselbst längere Zeit in stiller Andacht. Kostbare Blumenkränze wurden vom Kaiserpaar am Sarge Kaiser Wilhelms I. niedergelegt. Die ungemein zahlreich auweseude Menschenmenge begrüßte das Kaiserpaar bei der Ankunft und Rückfahrt mit brausenden Hochrufen. Gegen 0-11 Uhr nahm der Kaiser die Besichtigung der unter den Linden ausgestellten Truppen vor und begab sich sodann nach dem Kaiser Wilhelm-Palais, von wo er die Fahnen zum Denkmalrplatz überführte. Das Bild war ein ungemein glänzendes. Die Straße Unter den Linden war dem Publikum unzugänglich, jedoch waren die Häuser und Straßen dicht mit Zuschauern besetzt. Die Fenster waren zu horrenden Preisen vermiethet. Gegen 11 Uhr erfolgte die Ausstelluiig der geladenen und befohlenen Persönlichkeiten am Denkmalsplatz. Das Kaiserpaar, die Kaiserin Friedrich, die Prinzen und Prinzessinnen bes königlichen Hauses und die fürstlichen Gäste nahmen unter dem Prunkzelt Platz. Der Reichskanzler, die Minister, die Bürgermeister und Stadtverordneten von Berlin und sonstige geladene Personen nahmen vor dem Zelt Aufsteünug. Die Geistlichen und die Künstler placirten sich vor dem Denkmal. Nachdem der Bläserchor „Lobe den Herrn" geblasen und General- Superintendent Faber das Gebet gesprochen, befahl der Kaiser die Enthüllung. Nach dem Fallen der Hülle riefen die Truppen Hurrah! Die Musik spielte die Nationalhpmue, Glocken- geläute ertönte, 101 Kanonenschüsse wurden gelöst. Am Schluß der Feier defilirten die Truppen vor dem Kaiser, der nun vor dem Denkmal Aufstellung genommen hatte, vorbei. Die Kaiserin und die Kaiserin Friedrich hatten vor dem Denkmal prächtige Blumenkränze niedergelegt, ebenso die übrigen Fürstlichkeiten. Der Kaiser trug Garde du Corps - Uniform mit dem Bande de« Hohenzollernscheu Hausordens. Die Kaiserin hatte eine kostbare Rosa-Toilette angelegt. Die Kaiserin Friedrich war in Schwarz erschienen. Zahlreiche Osfiziere und andere erschienene Persönlich- kriten trugen bereits die eben verliehene broucene Medaille. Die Enthüllung des National-Denkmals vollzog sich bei trübem, aber doch trockenem Wetter. Während des Festaktes gab es sogar einigen Souuenscheiu. Das Denkmal wirkt jetzt, wo es enthüllt ist, viel günstiger, als diejenigen erwartet haben, die den dafür gewählten Platz für zu eng und den Abstand vom Schloß und dem mächtigen Eosanderscheu Portal für zu gering ■ hielten. Es erweist sich, daß der Platz auch für diese große Denkmals-Anlage ausreichend ist, und daß mau von der Front und von beiden Seiten einen vollen Ueberblick über die Reiterstatne gewinnt, die in dieser Umgebung auch nicht so hoch erscheint, als sie in Wahrheit ist.
Die Gala täfel fand Abends 6 Uhr im Weißen Saale des Kgl. Schlosses statt. Die Tafel, es waren 650 Einladungen ergangen, bot ein glänzendes, festliches Bild. Sie war hakenförmig gedeckt. 3n der Mitte saß rechts die Kaiserin, links die Kaiserin Friedrich; zur Linken der Kaiserin Friedrich saß der Kaiser, zur Rechten der Kaiserin der Prinzregent von Bayern. Es folgten auf beiden Seiten die fürstliche» Gäste und die Mitglieder des Kaiserhauses, darunter das Prinzeupaar Heinrich, das Prinzenpaar Albrecht von Preußen, Prinzessin Friedrich Karl, die Könige von Sachsen und Württemberg, die Großherzöge von Baden und Hesse», Erzherzog Friedrich von Oesterreich, Großfürst Wladimir, der Herzog von Counaiight, der Herzog von Genua, der Kronprinz von Rumänien und der Graf von Flandern. Den Kaiserinnen gegenüber saß der 8!«ichrknnzler, zu dessen Rechten der italienische und zur Linken der österreichisch-ungarische Botschafter. Es nahmen ferner Theil das übrige diplomatische Corps, die preußischen Minister, die Staatssekretäre, zahlreiche Minister der Einzelstaaten, BuudeSrathsmit- tzlieder, die Bürgermeister der freien Städte und ReichStagspräsident Freiherr v. Buol. Die Tafel trug den herrlichsten Blumenschmuck und die großen silbernen Tafelanssätze de» königlichen Hausschatzes. Der Kaiser brachte einen Trinkspruch aus, worin er bemerkte, eä gehe heute ein tiefes Empfinden durch das deutsche Volk. Die Fürsten hätten sich znfammengesunden, um das Andenken des großen verewigten Kaisers zu feier». Den versammelten Fürsten sprach der Kaiser den tiefgefühlten innigsten Dank ans, desgleichen allen Vertretern der fremden Souveräne, die theilnehmen wollten an der Feier, nm dadurch zu beweisen, daß Europas Fürsten und Völker ein gemeinsames großes Familienband umschließe. Es fei nicht seines Amtes, seinen Großvater zu feiern, aber fein Geist schreite wohl heute durch fein Volk hindurch. Wir gebellten feiner Demuth, feiner schlichte» Einfachheit und Pflichttreue, als Sohnes der herrlichen löblicheu Königin, die gesagt, daß sie mehr durch Demüthigung als durch Erfolge gelernt habe. Für uns aber, die hohen Fürsten und Verwandten, soll dar Andenken ein erneuter Ansporn fein, für unsere Völker zu leben und zu arbeiten für Ziele fortschreitender Kultur, zur Erhaltung des Friedens, der Freundschaft und Waffenbrüderschaft. Wir wollen die Gläser erheben mit dem Ruf: Das deutsche Volk, das Vaterland und die Fürsten Hnrrahl —
Der Festvorstellung in dem prächtig geschmückten Opernhanfe wohnten die Majestäten mit ihren erlauchten Gästen, den ältesten Prinzen, den Botschaftern, dem Reichskanzler, den Ministern, beit Bevollmächtigte» des Bnndesraths 2C. bei. Im Zwischenakt wurde der Thee eingenommen und von den Majestäten Cercle gehalten. Die Vorstellung endete gegen Mitternacht.
Der Kaiser hat folgenden Armeebefehl erlassen: „An Mein Heer!" Das Vaterland begeht heute festlich den Tag, an dem ihm vor hundert Jahren Wilhelm der Große geschenkt wurde, der erhabene Herrscher, welcher nach dem Willen der Vorsehung das deutsche Volk der ersehnten Einigung zugesührt, ihm wieder einen Kaiser gegeben hat. AIS feindlicher Anfall Deutschlands Grenzen bedrohte, feine Ehre und Unabhängigkeit antnftete, fanden sich die lange getrenutenStämme aus Nord nndSiid wieder; die aus Frankreichs Schlachtseidern mit Strömen von Heldenblut besiegelte Waffenbrüderschaft der deutsche» Heere ward der Ecksteiu des neuen Reiches, des die Fürsten und Völker Deutschlands unauflöslich umschließenden Bundes. Dieser Einigung ist das hehre Denkmal, welches die mit Ehrfurcht gepaarte Liebe des deutschen Volke« seinem großen Kaiser, dem Vater des Vaterlandes, heute widmet, ein erhebendes Zeuguiß. Unauslöschlich wird diese Feier eingezeichnet bleiben in allen Herzen, die für Deutschlands Ehre und Wohlfahrt schlagen, unvergeßlich vor Alle» denen sein, welche den fieggefrönten Fahne» Wilhelms des Großen gefolgt sind und gewürdigt waren, das Werk seines Lebens vollenden zu helfen. Eine besondere Weihe will ich diesem Iubeltage dadurch geben, daß mein Heer von nun an auch die Farben des gemeinsamen Vaterlandes anlegt: das Wahrzeichen der errungenen Einheit, die deutsche Kokarde, die nach dem einmüthigen Beschlnsse meiner hohen Bundesgenossen in dieser Stunde ihren Truppen ebenfalls verliehen wird, soll ihm eine für alle Zeiten sichtbare Mahnung fein, einzustehen für Deutschlands Ruhm und Größe, es zu schirmen mit Blut und Leben. Dankerfüllt und voller Zuversicht ruht heute mein Blick auf meinem Heere, beim ich weiß von ihm, dem die sürsorgende Liebe des großen Kaifers von feinen Zugendjahren bis zu den letzten Augenblicken seines gottgefegneteii Greisenalter« gewidmet war, dem er den Geist der Zucht, des Gehorsams und der Treue, welcher allein zu großen Tbaten desähigt, als ein köstliches Erbe hinterlassen hat, daß er seines hohen Berufs immerdar eingedenk sein und jede Aufgabe, die ihm anvertrant, erfüllen wird. Ick bestimme ich deshalb an erster Stelle da« Denkzeicheu, welche« ich zur Erinnerung an den heutigen Tag gestiftet habe. Möge Jeder, der gewürdigt ist, das Bild des erhabenen Kaisers auf der Brust zu tragen, ihm nacheifern in reiner Vaterlandsliebe und hingehender Pflichterfüllung, dann wird Deutschland alle Stürme und alle Gefahren siegreich bestehen, welche ihm nach dem Willen Gottes im Wandel der Zeiten beschiedeu fein sollten!
Berlin, den 22. März 1897. Wilhel in.
C.T.C. Krirdrlchsrnh, 22. März. Etwa 2000 Personen' aus Friedrichsrich und zahlreichen Ortschaften der Umgebung brachten dem Fürsten Bismarck anläßlich der Kaiser Wilhelm-Feier einen glänzenden Fackelzug dar. Graf Herbert Bismarck unb Graf Rantzau ließe» mit ihre» Familien auf dem Balkon des Schlosses stehend de» Zug befiliren. Der Vorbeimarsch dauerte eine halbe Stunde. Der Fürst, welcher sich in den letzten Tage» nicht wohl sühlte, verließ wegen de« kühlen Wetters das Schloß nicht unb ließ burd) ben Amtsvorsteher Hauptmann Schellwitz vor bei» Zusammeiiwerfen ber Fackeln feinen Tank für die bargebrachte Ovation ausspreche». Emil Späht hielt ein längere Ansprache, in welcher er auf bie heutige Euthülluugsseier in Berlin hinwies, ben Fürsten als Baumeister de« bentschen Reichs feierte unb bie Menge anfforbtrte, dem Fürsten ein donnerndes Hoch zu bringen. Als bas durch ben Wald erschallende brausende Hoch verklungen war, fang die Menge unter Musikbegleitung ein Lied. Dann wurden bie Fackeln zusammeugeworsen. — Dem Fürsten finb gestern überaus zahlreiche Depeschen zugegaugen.
D.B.H. München, 22. März. Die „Münch. Nenest. Nachr." bezeichnen bie Einführung der fchwarz-weiß-rothcn Kokarde bei der bayrischen Armee al« einen Akt von nicht hoch genug anznfchlagenber moralischer unb praktischer Bebentung, der zur Hundertjahrfeier bas größte Festgeschenk für ben deutschen Patriotismus und das einige deutsche Reich bilde.
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— Wiesbaden« 23. März.
Der gestrige 100-jährige Geburtstag Kaiser Wilhelm« I. trug bas Gepräge eine« wirklichen Festtages. Die Büreaus aller Be- hörben waren geschlossen unb bie Stadt hatte auch ihren Arbeitern einen freien Tag ohne Lohnabzug gegeben. Nachmittag« waren bie Straßen, namentlich die Geschäftsstraßen, dicht gefüllt mit Spaziergängern, welche besonders die mitunter recht geschmackvollen Schaufenster-Dekorationen zu bewundern Gelegenheit nahmen. Die meiste Aiifmerkfamkeit erregten darunter in den Duchhändler- läden die großen Kunstblätter, welche den Kaiser, seine Mutter, bie Königin Luise, seine Palladine ober beukwürdige geschichtliche Begebenheiten zur Darstellung bringen. In ben Abendstunbeu steigerte sich der Verkehr noch ganz gewaltig,
die
hakte viele Taufeube auf bie Straßen gelockt.
Dieselbe bilbete einen würdigen Abschluß des in jeder Hinsicht prächtig verlaufenerr Tage«. War der Verkehr in den festlich ge- fchniückten Straßen schon am Tage sehr lebhaft gewesen, fo erreichte derselbe seinen Höhepunkt in ben Abeudsiuuben. AIS die Zeit schon sehr weit vorgeschritten war, wogte noch immer eine gewaltige Meufcheumenge bind) bie Straßen der Stabt, um sich an bem herrlichen Lichterfchinuck, in dem sich viele Häuser unb Ge- schästsläben zeigten, zu ergötzen. Die Jllnuiination der öffentlichen Gedätibe hatte um 8 Uhr, bie ber Privathäuser unb @e» fchästsläben ungefähr um biefelbe Zeit begonnen. Von ben am fchönsten illuminirten Gebäuden ist vor Allem das Palais I. K. H. ber Fran Prinzessin Luise zu erwähnen. Dasselbe war mit Jlluminatianslämpcheu unb unzähligen, ba« Bitt, unseres Kaisers tragenben farbigen Lampions von unten bis oben reizend geschmückt. Selbst ber Garten vor bem Palais war mit vielen Lämpchen und in ber Erbe steckenden farbigen Tulpen-Lampions geziert. In ber Sourienbergerstraße hatten außerdem noch verschiedene andere Gebäude einen prächtigen Lichterschmuck angelegt. Das Kurhaus zierten unzählige in ben verschiebeusten Farben gehaltene Lämpchen, bie sich in (Suitlanbeuform zwischen ben einzelnen Säulen des Hauses hiuzogen. Vor demselben waren mehrere farbige Lichter tragende Bogen aufgestellt, über denen man strahlende Buchstaben, W unb F, angebracht hatte. Die rauschenben Kaskaben im Bowling-greeu zeigten sich im herrlichsten Flammeuschmuck. Wohl bie meiste Anziehungskraft auf das Publikum übte der MarkIPlatz aus, der von Licht förmlich über-
fluthet war. Da sah man zunächst das RathhauS, bas auf allen Seiten mit einer Fülle von Lichtern geziert war
unb dazu an feiner Faffabe einen flarnmenben ReichSabler, sowie leuchtende Sterne und Monogramme — AW unb WF — trug. Wendete man den Blick nach rechts, so fielen einem baS hübsch beleuchtete „Hotel zum Grünewald" und das mit Vielen bunten Lichtern gezierte Hoffmannsche Hans auf. Weiter sah man das von einer blendenden Lichtfülle umgebene Gaswerk, das eigenartig in verschiedenen Farben beleuchtete und mit den flammenden Jahreszahlen 1797—1897 geschmückte Restaurant „Zum Gambrinus" unb bas hübsch iUuminirte Wölfische Haus. Links vom Rathhaus präseutirte sich bas Geyersche Haus in ganz wundervollem Lichter- schmuck, ferner sah mau noch zwei hübsch erleuchtete Häuser, nämlich die Schule unb bas Ackersche Gebäude (das hinter dem RathhauS stehende Haus des Herrn Acker war ebenfalls hübsch erleuchtet). In ber Mühlgasse mach'? sich da« hübsch illuminirte „Hotel zum Rheinfels" bemerkbar. Schließlich sah man »och bei feinem Spaziergang über den Marktplatz bie hübsch beleuchtete Wilhelmsheilanstalt, die an ihrer Fassade strahlende eiserne Kreuze, eine Krone unb ein W trug. Von öffentlichen Gebäuden waren noch iflumiiiirt bie beiben Gerichts- unb bie beide» Regiernngs- gebäube, ferner bie zwei unteren Bahnhöfe, bas Reichspoftgebäude, die Reichsbank, die beiden Gymuasien, die Landesbank, die Polizeibirektion unb enblid) die beiden Kafenien. Nichtöffentliche Gebäude waren unzählige festlich beleuchtet. Einen fehl schönen Eindruck machten bie Nheinstraße, bie Luifenstraße, die Bahnhofstraße und die Schwalbacherstraße, wo, außer den öffentlichen Gebäuden, viele Privathäuser, Hotel« unb Restaurant« im Lichter- schmuck erstrahlten. Im iunersteu Theil der Stabt, in der Marktstraße , ber Kirchgaffe, ber Langgaffe, der Webergasse, ber Bürgst raße rc., wo natürlich and) ber Lichterschmuck nicht fehlte, konnte man bcS gewaltigen Verkehrs wegen kaum fortkommen. Einen befonberS effektvollen Eindruck machte das Restaurant Engel in derLauggafie, das mit elektrischen Glühlämpchen in verschiedenen Farbe» und zwei großen Bogenlampen erleuchtet war; sogar vom Dache de« Restaurants herab leuchtete elektrisches Licht. Wer aber glaube» sollte, daß nur besonders verkehrsreiche Straßen illumiiiirt gewesen seien, ber irrt. Denn wir sahen auch herrlich beleuchtete Gebäube in ber Mainzerstraße, ber Albrechtstraße, ber Nicolasstraße,der Adolssallee, ber Moritzstraße.derGerichtsstraße, ber Oranienstraße, ber A delhaidstraße, fer ner sogar in berDotzheimerstraße unb Hellmunbstraße. In letzterer fiel bas „Restaurant Robensteiuer" burd) effektvolle Beleuchtung besonders auf. Außer in der schon erwähnten Souneubergerstraße sahen wir and) anderswo prächtig illuminirte Villen, so zum Beispiel in der Theleinanftraße. Au vielen Straßenkreuzungen in den inneren Stadttheilen wußte das Pnbliknin oft nicht, wo es seine Blicke zuerst hiiiweuden sollte. Verschiedene prächtig erleuchtete Geschäfte waren den ganzen Abend vou^Weufche» förmlich umlagert. So zu ui Beispiel da« Seidenhaus von Bock u. (So. tu der Wtlhelmstratze, dessen Geschäftsräume von weißem, rothem und blauem elektrischen Licht förmlich über» flitthet waren. C. Eichelsheim hatte noch am späten Abend vor einem rothen Baldachin ein prächtig gemalte« Brustbild Kaiser Wilhelms des Großen, umgebe» von Pflanze» und elektrische Glühkörper tragenben Broucesigureu, ausgestellt. In ber Wilhelmstraße war »ock) hübsch illumiiiirt die Blumenhandlring von Fr. Stripp. In ber Burgstraße wurden die hübsch beleuchteten Auslagefenster ber Blnntenhaublung von Fr. Stavenhagen unb bes Ackerschen Geschäfts viel bewundert. August Engel hatte, wie gewöhnlich, wieder Hervorragendes in der Belenchtnug feine« Geschäfts geleistet. Diesmal hatte er da« @ntree zu feinem Eckladen unb ben barin befindlichen Springbrunnen mit farbigen Glühlämpchen effektvoll geschmückt. Auch Heinr. Wels (Markistraße) unb S. Blumenthal u. Co. (Kirchgaffe) hatten ihre Geschäftsräume wieder mit farbigen elektrischen Glühlämpchen prächtig geziert. Ed. Böhm (Adolfstraße) hatte seinen Anslag, Erker mit Lampions illnmiuirt. Seheuswerth war auch bie Beleuchtung ber Arabischen Droguerie in der unteren Albrechtstraße. Hübsch dekorirt war ferner das in ber oberen Nheinstraße befindliche FleifchauffchnittgefchäftmitWemrestaurantvouAug.Saher.Eswürdezu weit führen, hier alle Firmen, bie noch Hervorragendes in der festlichen Beleuchtung ihrer GefchäftSränme darboten, z» erwähnen. Es fei nur zu in Schluffe gesagt, daß die gefaminie Eiuwobuerschast Wiesbadens nach Kräften dazu beigetragen hatte, bie Illumination ber Stadt zu einer gelungenen zu gestalten, um so den Tag de- Ceuteuuarfeier recht harmonifch abzuschließeu.
Der von bem Festausschuß bes Magistrats unb ber Stadtverordneten im Kurhaufe veranstaltete
Fest-Kommers
hatte in hem relchgeschmrickteu großen Saale eine stattliche Corona versammelt. Wie stet« bei derartigen patriotischen Festseiern, so waren auch auf ber gestrige», dem Gebächtniß des hochselige» Kaisers Wilhelm I. geweihte», alle Gefellfchaftskreife nuferer Stabt vertrete». Die Mitglieber bet verschiedenen Verwaltlingen, die Mitglieder ber stäbtifcherr Korporationen unb Vereine saßen wieder griippenweise zusammen. Im Kreise des „Kolonial-Vereins" saß der frühere langjährige deutsche Gesandte in Peking, Excellenz v. Brandt. Nachdem die Festmusik, das städtische Kurorchefler, als erste Piöce den „Teiitscheu Trininphmarsch" von Reinecke gespielt hatte, gebot Herr Oberbürgermeister Dr. v. 3bell „Silentium" zur Eröffnung des Kommerses, die bann mit dem gemeinsamen Gesang von „Deutschland, Deutschland über Alles" erfolgte. Als bie mächtigen Töne bet „3nbel-Ouvertüre" von Weber verklungen waten, hielt Herr Bürgermeister Heß die nachstehenbe Fe st re bet
„Als heute vor hiiiibett Jahren bem preußischen Köuigshaufe ein zweiter Prinz geboren würbe, da ahnte Niemand, was dem Königreich Preußen, dem beutfdjen Laterlairde, ja bet ganzen Welt in bicfeir- Hoheiizollernsproß befdjieben fei. Nachbem Prinz Wilhelm in feinen Jugenbjahteii bie Etuiebtignng Deutschlands unter dem korsischen Emporkömmling mit ansehen mußte, arbeitete er als Maiin an ber Wiedetaustichtuug Preußen«, unb als Greis auf ben Thron feiner Väter gelangt, stellte er Preußen nach blutigem Ringen an bie Spitze von Deutschland unb letzteres selbst »ach nie gesehenen Siegen an die erste Stelle unter ben europäischen Staaten. Wahrlich, von Gott begnadet, von Gott geführt war bet Lebenslauf dieses Helden und Herrschers, unb heute an der hunbert- jähtigen Wicberkehr seines Geburtstags ist es ein Bebütfuiß, ja bie schönste Festfreude, uns bas erhabene Lebensbild des geliebten Monarchen in der Seele wachzurnsen. Als Prinz Wilhelm noch im zarten Kindesalter stand, lastete bie Hanb eines fremden Eroberers schwer auf Preußen unb bem beutfdjen Volke. Bei Jena unb Auerstädt wich in unheilvoller Schlacht der preußische Adler dem korsischen Aar, die tiefgebeugte königliche Familie lebte im eigenen Lande in ber Verbannung. Die Prinzen sahen in bas nramerfüUtc Antlitz bes Vaters unb bie thränen»
