MkMener SagMatt
Anzeigcn-Preis:
Verlag: Langgaffe 27.
14,000 Avonnenten
1897
Montag, den 22. März.
Uo. 136
Bezirks-Fernsprecher 91 o. 52.
Bezirks-Fernsprecher 91o. 52.
Abendausgabe
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45. Jahrgang.
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tracht die Aula betraten, an ihrer Spitze der Rektor, Professor Brunner. An das Orgelfpiel schloß sich ein vierstimmiger Chor: „Wach' auf, deutsches Land!" Als die letzten Akkorde verklungen, bestieg der Rektor die prachtvoll dckorirte Rednertribüne, schilderte das Leben und Wirken des Heldeukaisers und schloß mit der Aufforderung, un der Treue feslzuhalten und in dem festen Glauben au des Vaterlandes Zukunft das Verinächtuiß des Verewigten zu erfüllen in steter, ernster Arbeit. Stach dem Gesang der erste» beiden Verse der Kaiser-Hymne schloß die Feier mit einem Orgelnachspiel. — Ter Feier wohnte der Kultusminister Dr. Bosse bei.
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gerliit,21 März. Da? „Armee-Verordnungsblatt" veröffentlicht einen Aufruf des Kaisers „A n m ein Heer", worin es heißt: Besondere Weihe will ich dem Jubeltage dadurch geben, daß mein Heer von nun an auch die Farben der gemeinsamen Vaterlandes anlegt, die Wahrzeichen der errungenen Einheit. Die deutsche Kokarde, die nach eiuniüthigem Beschluß der hohen Bundesgenossen in dieser Sinnde ihren Truppen ebenfalls verliehen wird, soll ihm für alle Zeiten eine sichtbare Mahnung sein, cinzustehen für Deutschlands Ruhm und Größe, eS zu schirmen mit Blut und Leben. Dankerfüllt und voll Zuversicht ruht heute mein Blick auf meinem Heere, denn ich weiß von ihm, dem die sürsorgende Liebe de« großen Kaisers von seinen Jugendjahren bis zum letzten Augenblick seines gottgesegneten GreiseualterS gewidmet war, dem er den Geist der Zucht, des Gehorsams und der Treue, welcher allein zu großen Thaten befähigt, als köstliches Erbe hinterlassen hat, daß es seines hohen Berufs immerdar eiugedeuk sein und jede Ausgabe, die ihm anverlraut wird, erfüllen wird. Ihm bestimme ich deshalb an erster Stelle ein Denkzcichen, welches ich zur Erinnerung an den heutigen Tag gestiftet habe. Möge Jeder, der gewürdigt ist, daS Bild des erhabenen Kaisers ans seiner Brust zu tragen, ihm uacheifern in reiner Vaterlandsliebe und hiugebeuder Pflichterfüllung, daun wird Deutschland alle Stürme und alle Gefahren siegreich bestehen, welche ihm nach dem Willen Gottes in dem Wandel der Zeiten beschieden sein sollten! — Das „Armee - Verordnungsblatt" veröffentlicht ferner eine Kabinettsordre, betreffend die Ausgabe von militärischen Schriftstücken Kaiser Wilhelms, wie er während seines laugen goti- begnadigten Lebens mit nie rastender Sorge und Liebe über das Wohl der Armee gewacht und für die Vervollkommnung derHeeres- einrichtuugen feine ganze Straft eiusetzte. Der Kaiser will die reichen in den Schriften niedergelegten Erfahrungen der Armee nicht länger vorenthalten und beschloß, die wichtigeren Urkunde» über das militärische Wirken der großen Kaisers der Oeffeiitlichkeit zu übergeben zum Vorbilde des Heeres für die erhabenste Pflichttreue und eine Mahnung an die Offiziere, mit ganzer Kraft für das Wohl des Heeres und damit des Vaterlandes zu wirken. — Das „Armee-Verordnungsblatt" veröffentlicht weiter Gnadenbeweife für verschiedene Truppent heile.
Die Hundertjahrfeier.
WB. Kerlin, 21. März.
Die ganze Stadt prangt im Festesschmuck. Fast kein Haus ist zu sehen, das nicht mit Fahnen und Guirlauden geschmückt ist. I» allen Schaufenstern sind Kaiserbüsten aufgestellt, umgeben mit Blumen und Lorbeer. Ungeheure Menschenmengeli säumen die Hauptfeststraßen seit den frühen Morgenstunden ein. Es ist ein Drängen und Schieben, nicht znm Vorwäriskommen. Der . Hanptstrom bewegt sich natürlich auf der Straße Unter den Linden bis zum Köitiglicheii Schloß. Ungemein florirt der
Bandel mit Kornblumen. Alles, Jung rind Alt, Groß und
lein, trägt die Lieblingsblume des Kaisers Wilhelm I.
im Knopfloch. Einen recht hübschen Anblick bieten die
- Pserdebahnwagen und Omnibusse, die gleichfalls dekorirt sind, r erstere mit Guirlauden, letztere mit Fahnen. Nachdem gestern ‘ Abend der König von Sachsen und der König von Württcmberg L hier eingetroffen waren, erfolgte heute früh, 8'1* Uhr, die Ankunft des Prinz-Regenten von Bayern, vom Kaiser ebenso wie der König von Sachsen am Bahnhof empfangen. Um IO1/* Uhr begab sich das Kaiserpaar, die kaiserlichen Kinder, die Kaiserin Friedrich, sämmtliche Prinzen und Priuzessintten des königlichen Hauses und die hier anwesenden Fürstlichkeiten zur Kaiser Wilhelut-Gedächtnißkirche, woselbst Gedenkfeier für Kaiser Wilhelm I. stattfand. Die glänzenden Galatvagen der aller
höchsten und höchsten Herrschaften boten, wie immer, ein farbenprächtiges Bild. Laute Hochrufe ertönten, so oft eine
Fürstlichkeit vorüberfuhr. Der Wagen der Kaiserin wurde ganz besonders laut begrüßt. Nach Schluß des Gottesdienstes in der Kaiser Wilhelni-Gedächtnißkirche bot sich ans der Rückfahrt zum Schloß dasselbe Schauspiel dem Auge. Der Kaiser bcgab sich nach der kirchlichen Feier nach dem Potsdamer Bahnhof, um die dort eiitgelroffeuen Fahnen und Standarten derjeuigeu Regimenter, deren Chef Kaiser Wilhelm I. war, nach dem Palais des verstorbenen Kaisers zn überführen. Der Kaiser, der große Generalsunisorm angelegt hatte, ritt der Leibgeudarmerie voran, ihm folgten das Musik- fh :orps, eine Compagnie vom Alexander-Regiment mit den historischen : Blechmützen und eine Schwadron Garde-Ulanen. Direkt hinter dem t Kaiser wurden die Fahnen und Standarten getragen. Der glänzende -- Zug bewegte sich vom Potsdamer Bahnhof die Königgrätzerstraße r entlang durch das herrlich dekorirte Brandenburger Thor über I die Mittelpronienade Unter den Linden zum Kaiser Wilhelm-Palais, e in welchem die Fahnen untergebracht wurden und bis morgen > dort verbleiben. Lauter Jubel brach aus, als der Kaiser sichtbar M wurde. Gegen *,'»! Uhr löste sich der Menscheuknäuel unter den K Linden auf. Die Meisten strebten dem Schlosse zu, die Uebrigeu I suchten die Nebenstraßen zn gewinne». Viel Aufsehen erregten be- E sonders auch die russischen Soldaten, lauter kernige Gestalten mit I tief gebräunten Gesichtern. Jeder von ihnen wurde von einem E hiesigen Soldaten begleitet. In der Mittagszeit wurde es st etwas ruhiger auf den Fesistraßen. Im Schlosse fand
| Frühstückstafel statt, an der sämmtliche hier weilende
- Fürstlichkeiten theilnahmen. Erst gegen 4 Uhr stellte sich die | Menschenmenge wieder ein, um die Fahrt des Kaiserpaares und | seiner hohen Gäste zum Operuhaitse, wo um 5 Uhr Thdätre parö V ftattfanb, zu erwarten. Dieselbe Vorstellung, wie im Opernhause, | das Schauspiel „1812", wurde zu gleicher Zeit auch im k Kgl. Schaiispielhanse und im Renen Kgl. Opernthealer (Kroll) k gegeben. Den drei Vorstellmigen wohnten auf Befehl des e Kaisers die Schüler der Berliner Lehranstalten bei. Um E 8 Uhr fand in der Vildergallerie des Kgl. Schlosses Festtafel statt. ; Das war der erste Festtag der hundertjährigen Feier des Geburts- L tags Kaiser Wilhelms I. Der Himmel hatte wenigstens theiltveife £ ein Einsehen. War es auch ziemlich kühl und trüb und ging auch ? ein etwas heftiger Wind, der die Fahnen lustig flattern liefe, so fc blieb man doch vom Regen verschont, und das war schon etwas | werth angesichts des schlechten Wetters der letzten Tage. — Heute s Mittag fand zu Ehren des 100. Geburtstags Kaiser Wilhelms $. des Großen eine Feier im Festsaale des Rathhauses statt. _ Rach dem Vortrag der Weberschen Jubel-Ouvertüre und dem Gesang ' des 106. Psalmes hielt der Oberbürgermeister eine Ansprache, in g- welcher er die Schlichtheit der alten Kaisers und das Bestreben, ein 8 Vater seines Volkes zu sein, hervorhob. Die Fürsorge für seine ~ lluterthauen lebe in seinem Enkel fort. Der Oberbürgermeister E brachte ein begeistert nufgenommencS Kaiserhoch aus. Der 1 Sladtverordnete Gerstenberg hielt die Festrede und pries | die Menschlichkeit, Gerechtigkeit und das Pflichtgefühl des 2 ersten Kaisers. Was er erreichte, war nicht Zufall, es war k ernste, mühevolle Arbeit. Der heutige Tag fei ein Auferstehnngstag fc für die Deutschen. Die dem alten Kaiser enigegeugebrachte Liebe B werde auf seinen Enkel übergehen. Nach dem Vortrage eines fc Lieder und des Wagnerschen Kaisermarsches schloß die Feier. — x Das „Arinee-Verordunngsblatt" veröffentlicht eine kaiserliche i Urkunde, betreffend die Stiftung einer Medaille zur I Erinnerung an Wilhelm den Großen. Die Medaille ist aus Bronce = von eroberten Geschützen und zeigt auf der Vorderseite das Brustbild E Wilhelms des Grofeen, nebst der Inschrift: „Wilhelm der Große, U Deutscl)er Kaiser, König von Preußen", ans der Rückseite die k Inschrift: .Zum Andenken an den 100. Geburtstag des großen £ Kaisers Wilhelm I. 1797 - 22. Marz 1897", darunter auf Lorbeeren und einem Eichenzweige ruhend die Kaiser- frone, den Reichsapfel und das Reichsschwert. Die Medaille | w an orangefarbenem Bande zu tragen und wird nur zum An- .. denken an den 22. März 1897 verliehen, lieber die Auswahl der Verleihungen sind weitere Bestimmnngen Vorbehalten. — Der j Ne ichstag feierte heute den 100. Geburtstag des hochseligen Kaisers Wilhelm in der reichgeschmückten Kuppelhalle in glänzender ” Versammlung. Die einzige Ansprache hielt Präsident v. Buol, der itine Rede mit den Worten schloß: „Das Vermächtniß des großen - Kaifers erblicke ich darin, daß der Kaiser der Deputation des Reichstags im Jahr 1870 erklärte, er folge dem Wunsch der Nation, £ indem er darin einen Ruf derVorsehung erblicke", und in der Kaiser- ~ Proklamation vom 18. Januar 1871, wo er betonte: „UuS aber und s unseren Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen, "t allzeit Mehrer des Deutschen Reiche« zn fein, nicht in kriegerischer = Eroberung, sondern an Gütern und Gaben des Friedens, auf ENm Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung." In diesem Sinn rufe ich: „Das Deutsche Reich wachse, blühe und gedeihe! Kaiser und Reich, sie leben hoch, hoch, hoch!" — ff Der Festakt in der Universität begann um 12 Uhr mit Mamem Oraelvorspiel, bei dessen Klängen die Prosessore» in AmtS-
W.B. Berlin, 22. März.
Zur Uebeiführnug der Standarte» in das Palais Kaiser Wilhelms I. gestern Mittag ist noch uachzutragen, daß der Kaiser im Fahnenzimmer der Schlosses in einer markigen Ansprache auf die Bedeutung der Feier hiuwieS und sich dann die Kommandeure der auswärtigen Regimenter vorstellen tiefe. Darauf begab sich der Kaiser nach den: Sterbezimmer seines Großvaters, um hier in stiller Andacht einige Minuten z» verweilen. Nach der Vorstellung im Opernhause fand beim Kaiserpaar Festtafel zu etwa 220 Gedecken statt, au welcher sämmtliche hier anwesende deutsche und ausländische Fürstlichkeiten theilnahmen.
In zahlreichen Städten der In- und Auslandes fanden schon gestern Festlichkeiten anläßlich der Centeniiarseier statt.
Die Feier des 100. Geburtstags Kaiser Wilhelms I. wurde gestern in Straßburg wie in den meisten Städten der Neichs- lande mit Festgottesdieust und einer Parade eröffnet. In der Universität sand ein Festakt statt. Abends bewegte sich ein nach Tausenden zählender Fackelzug durch die Straßen der sestlich erleuchteten Stadt.
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Esse», 21. März. Geheimrath Krupp bat zuni Gedenken Kaiser Wilhelms, dessen Vertrauen seinem Vater Muth und Zuversicht verliehe», die ursprüngliche» bescheidenen Ansänge der Gußstahlfabrik zn unerwarteter Höhe zn entwickeln, für alte und invalide Arbeiter und zum Ausbau der Jnvalidenkolonie Altenhof eine Millio n Mark gestiftet.
Dortmund, 21. März. Ein Bürger, der nicht genannt fei» will, schenkt der Stadt zuni Andcnke» an die Jahrhundertfeier eilt B ismarck-Denkmal.
D.B.H. Uüuchei», 22. März. Das „Armee-Verordnungsblatt" veröffentlicht einen Armeebefehl, in welchem in schwungvollen Worte» der Verdienste Kaiser Wilhelms I. bei der Einigung Deutschlands gedacht und zugleich angeorbnet wird, daß vou nun an die bayrische Armee neben der bayrischen auch die deutsche Kokarde zu tragen habe
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— Mieobadeu, 22. März.
Ter gestrige erste Tag des nationalen Gedenksestes war der
kirchlichen Feier
geweiht. Er bot Gelegenheit zum Dank gegen Gott, der den großen Kaiser sichtlich geführt hat, sodaß alle seine Werke zum Segen des Volkes geworden sind. In den Festgottesdieusteu aller Konfessionen sand dieser Dank dnrch den beredten Mund der Geistlichen und die Lobgesänge der Gemeinden erhebenden Ausdruck. Besonders feierlich gestaltete sich derMilitcir- Festgo11esdienst in der Marktkirche. Die ruhmbedeckte Fahne des 1. Bataillons des Regiments v. GerSdorff wurde durch die 4. Compagnie unter Herrn Hauptmann v. Below mit klingendem Spiel ans der Wohnung des Regiments - Komtuandeurs abgeholt und in die Kirche gebracht. Die Fahnencouipagitie setzte vor derselben die Gewehre zusammen und nahm an dem Gottesdienste Theil. Während desselben stand der Fahnenträger, die Fahne »begleitet, zwei Offiziere, zur Seite, mit dem ehrwürdigen, mit frischem Lorbeer geschmückten Feldzeichen vor dem Altar. Der Gottesdienst selbst wurde durch mehrstimmige Gesänge eines ans Soldaten gebildeten Sängerchors und die Mitwirkung der Negimentsmusik verherrlicht. Herr DivisionSpfarrer Runge hatte seiner Festpredigt die Bibelstelle: Psalm 91, Ansangs- und Schlnßvers, zu Grunde gelegt. Nach dem Gottesdienst wurde die Fahne wieder unter klingendem Spiel in die Wohnnitg des Regiments-Kommandeurs gebracht. Die militärischen Vereine unserer Stadt hesuchten in corpore die Festgottesdienste, die Katholiken denjenigen in der Pfarrkirche St. Bonifatius um 7S/. Uhr, die Protestanten den Festgotierdienst in der Marktkirche um 10 Uür
und die Israeliten die Festgottesdieuste in den Synagogen tut 8 und 91/« Uhr. Ein befonderes
Festgeläute, wie es für alle Kirchen Nassaus vom Konsistorium augeordnet war, ertönte gestern in der Mittagsstunde von den evangelischen Kirchen unserer Stadt. I» der Abendstunde von 6 bis
7 Uhr erschallte bann wieder vou den Thürmen sämmtlicher Kirchen der Stadt feierliches Geläute. Im Laufe des Vormittags hatte der „Lokal-Gewerbeverein" für die
Schüler der Gewerbeschule
in der festlich geschmückten Turnhalle Hellmundstraße 25 eine schöne patriotische Feier veranstaltet. Das Programm, dessen Titelblatt von Herrn H. Bo uff ie reinen entsprechenden künstlerischen Schmuck erhalten hatte, verzeichnete eine Festrede des Herrn Direktors Zi telma nu, Prolog von W. Dyckerhoff (gesprochen vom Gewerbeschüler A. Dorn), die Festspiele: „Kaiser Wilhelm I." von O. ©riefe und „Am Niederwald-Denkmal" von F. Gnbel, aufgeführt vouGewerbe- idjfilcrn, Deklamationen: „Ein Kaiserwort" von C. Becker und „Der Kaiser todt" von K.Gcrock sowie gemeinsame Gesänge. Den Kaiser- toaft brachte der Vereinsvorsitzeude Herr Ch. Gaab ans. Nachdem noch Herr Professor Dr. H. F resen ins die Gewerbeschüler zu treuer Vaterlandsliebe ermahnt und ein Hoch auf die deutsche Jugend ansgebracht hatte, schloß die schöne Feier mit dem Choral „Großer Gott wir loben Dich". — Gestern Abend hatten sich die sämmtliche»
katholischen Berciue
in dem VercinShause, Dotzheimerstraße 24, zn einer Gedenkfeier versammelt, welche Herr Prälat Dr. Keller mit einer kurze» Ansprache eröffnete. Herr Rechtsanwalt Kellerhoff hielt die Festrede. Gemeinschaftliche Lieder und Gesangsvorträge der einzelnen Vereine verschonten de» Abend. Auch
verschiedene andere Vereine, wie der „Turn-Verein", der „Mäuuer-Turnverein", der „Christliche Arbeiter-Verein", die „Krieger- und Militär-Kameradschaft Kaiser Wilhelm II." und der „Sfenagogeu-Gesaugverein" hatten patriotische Festlichkeiten veranstaltet. Der „Wiesbadener Beamten-Verein" hatte seine Mitglieder und deren Faunlienangehörige am Samstag Abend in der Turnhalle, Wellritzstraße41, versammelt. Der erst vor Kurzem durch einen Anbau erheblich oergröfeerte Saal vermochte die Theil- nehmerzahl kaum zu fasse». Eingeleitet wurde die Feier durch einen von Fräulein Bertha Hoeber ausdrucksvoll gesprochenen Prolog vou H.Söderström. Die daraufvo» dem Vereinsvorsitzenden, Herrn Re- gierungSfekretär Bergmann, gehalteneFestrede gab in recht lebendigen Worten einen gedrängten Abriß des Lebens und Wirkens, sowie der Bedeutung des mit so vorzügliche» Henschertugenden anSgestatteten nuvergefelicheu Kaisers und Königs Wilhelm I. für die Geschichte Deutschlands und PrenßenS und erinnerte znm Schluß daran, wie der Hochselige das bei Gelegenheit der Kaiserkrönuug in Versailles gegebene Gelübde: „Allzeit ein Mehrer des Deutschen Reiches sein zn wollen, nicht a» kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf demGebiete nationaler Wohlsahrt.Freiheit und Gesittung" bis an fein Lebensende treu gehalten und wie er selbst ans dem Sterbebette „noch keine Zeit hatte, müde zu sein". Die Rede klang in ein begeistert aufgeiiommeneS Hoch auf den würdigen Enkel dieses großen Kaisers, unseren jetzigen Kaiser Wilhelm II., aus, der das von seinem hochseligcn Großvater abgelegte Gelübde auch zu dem feinigeu gemacht und dessen Streben nur darauf gerichtet sei, „das, was er von seinen Vätern ererbt, zu erwerbe», um es zn besitzen" An die Festrede schloß sich unmittelbar der von der Gesaugs- abtheilung des Vereins gesungene gemischte Chor: „Gebet füt Kaiser und Reich" an. Den weiteren offiziellen Theil der Veranstaltung bildeten eine Deklamation des Fräulein A. Braubach ans Hadamar: „Das Glöcklei» des Glücks", welche die bühnen- mäfeige Ausbildung der Dame sofort erkennen ließ, uub zwei von derselben Dame, die auch über eine recht gute Sopraustimme verfügt, gelungene Lieder: „Kaiserblumen" von K. Urbach und „Der Rhein" von L. M. le Beau, feiner drei Posanuenguartette der Herren Martin, Richter, Schrodt und Werner: „Abendlied" von Fuchs, „Das Felseirkrenz" von Kreutzer und der Choral: „Nun danket alle Gott". Als Einlage fang Herr Stillger, ein bekannter guter Tenorist, noch das Lied „Im Liudenbaum", zu welchem Fräulein Hassel mann die Begleitung übernommen hatte. ErwähneuSwerth ist weiter noch der hübsche deklamatorische Vortrag des Gedichts: „Der 19. Juli 1870“ durch den jugendliche» Deutsch-Afrikaner Nicolai. Zwischendurch brachten der gemischte Chor und der Mäunerchor des Vereins noch die Lieder: „Im Waid" von K. M. v. Weber, „Grüße an die Heimath“ von Kroner und „Wohin mit der Freud'" von Silcher zu Gehör. Nach Schlufe der offiziellen Feier hielt ein an- schließeudes Tänzchen die Festtheiluehmer noch einige Stunden beisammen. — Gestern Nachmittag war das herrlich geschmückte
Denkmal des Kaisers Wilhelm
der Zielpunkt vieler Tausende, die das so getreu wiedergegebene milde Antlitz des unvergeßlichen Fürsten schaue» und demselben im Stillen ihre Hirldigung barbringen wollten. Diese letztere kam auch vielfach dadurch znm Ausdruck, bafe Jung und Alt mit ber Lieblingsblume des Kaisers, der Kornblume, geschmückt war.
Der Hauptfesttag.
Der Anbruch des heutigen Hauptfesttags wurde durch Glockengeläute verkündet und zwar in den Morgenstunden von 6 bis 7 Uhr von den katholischen, von 7 bis 8 Uhr von den evangelischen Kirchen.
Der FestaktuS
in dem mit Wappen, Fahnen und den auf Postamenten stehenden und von Pflanzen und Blumen umgebenen Stiften der drei Kaiser geschmückten Festsaale des Rath Hauses fand heute Vormittag, 11 Uhr, statt. Der Saal war bis auf den letzte» Platz gestillt. Zn beiden Seiten des Podiums hatte sich der „Säugerchor des Wiesbadener Lehrer-Vereins" (Dirigent: Herr Spangenberg) auf- gestellt. Beim Erscheinen I. K. H. ber Frau Prinzessin Luise, welche ebenso wie I.D. Prinzessin zu Schaumburg-Lippe die Feier mit ihrer Theilnahme beehrte, »ahm ber FestaktuS mit bem von dem obengenannten Säugerchor vorgetragenen Chor: „Wachet auf, ruft uns die Stimme" von Scholz seine» Anfang. Als die weihevollen Töne verklungen waren, ergriff Herr Ober- bürgeruieifter Dr. v. 3beil das Wort zu der
Festrede, die bem Inhalt wie der Form nach gleich vortrefflich war und einen tiefen Eindruck machte. Die gedankenreiche» Ausführungen des Redners, welche den umfangreichen geschichtliche» Stoff kurz, aber doch erschöpfend und treffend behandelten, gingen im Wesentliche» dahin:
Eine Jubelseier ist es, die heute nicht nur innerhalb ber volitjscheu Kren«» unseres Vaterlandes, sonder» fo weit die deutsche
