Wiesbadener Tsgblstt
i3i.:
Un^lgen-PreiSr
Verlag: Langgasse 27.
14,000 Abonnenten
1897
Freitag, de« 19. Marz.
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
N». 132
Bezirks-Fernsprecher N». 52.
Abend-Ausgabe
e
färbe.
pelle«
iloite
en
3699
13.
A
175
f* iO<
:on* ireni rikail
S.
4380
r Bb» . von 1 eien; |
Deutscher Reichstag.
O Kerti«, 18. März.
Urrußischer Zandtag.
Krrlin, 18. März.
rufe, - rett» ider» - äufc .
-isch» - M» - ooa 3 an, , iftn. ■
Christen verfolgte Muselmanen überfielen. Wo find die Kreuzer, die wir dort noch hinsenben könnten? (Beifall). Redner bittet dringend um die Bewilligung der geforderten Kreuzer. — Staatssekretär Holtmann vertheidigt das Wesen der Denkschrift und kann die Entrüstung darüber nicht begreifen. Würden wir nur Ersatzbauten verlangen, so führt Redner aus, auf die aufmerksam zu machen, die Pflicht und Schuldigkeit der Marinevcrwaltung sei, so entfielen auf jedes Jahr nur 10 bis 12 Millionen Ersatz. — Abg. Kardorsf (kons.) weist aus die günstige Finanzlage hin und erklärt, seine Partei werde die Etatsforderungen bewilligen. — Abg. Müller-Fulda (Centr.) erklärt, das Centrum werde nur die Mittel für den Ersatz alter oder verloren gegangener Schiffe bewilligen. — Abg. Werner (Autis.) will mit seinen Freunden nur einen Kreuzer, sonst aber Alles bewilligen. Marge«: Fortsetzung. Schluß 43/« Uhr.
Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reelamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.
nicht. Meinen Jüngsten habe ich eben ins Znfluchthaus gebracht. Er hat epileptische Krämpfe und wird wohl kaum jemals wieder gesunden." „Lebt Ihr Mann noch?" fragte ich. „Nein, Herr, er starb bereits vor 14 Jahren. — Wir find doch nicht schon in St. Joseph?" erkundigte sie sich von Neuem und lugte, da wir gerade eine Brücke passirten, ängstlich zum Fenster hinaus. „Oh, das wird wohl der Aiissouri River sein!" In dieser kindlich vertrauensseligen Weise redete sie noch eine Stunde oder länger, und während dieser Zeit fragte sie beständig, ob wir noch nicht bald in St. Joseph seien, sie möchte so gern den Missouri River sehen, wenn wir über denselben hinwegführen.
Mit einem Rucke blieb plötzlich der Zug inmitten der einsamen Prärie halten, einen Augenblick später öffnete ein maSkirter Mann die Hinterthür des Wagens. In der Rechten hielt er einen langen Revolver und kam drohend auf uns zugeschritlen. „Hände hoch, ein Jeder von Euch!" rief er laut, und Aller Hände streckten sich empor, mit Ausnahme derer des alten Mütterchen, die ängstlich den Räuber anstarrte. „Das Geld her!" wandte er sich an mich, indem er mir seine Schußwaffe vor das Gesicht hielt und mit der Linken mir die wenigen Kassenscheine, die ich bei mir hatte, abnahm. „Die Uhr auch!" herrschte er mich weiter an. Mit derselben hatte er aber keinen glücklichen Griff gethan, denn der Vorsicht halber trug ich stets auf Reisen einen alten Chronometer, den ich mir einst auf einer Auktion für etwas mehr als einen Dollar ersteigert hatte. Stillschweigend übergab ihm auch die alte Frau ihr bischen Kleingeld, das sie in einem alten Tabaksbeutel bei sich trug. Der Räuber wollte schon weiter gehen, blieb aber wieder stehen, als er bemerkte, daß die Frau mit zitternden Händen unter ihrem Shaw! herum- nestelte. „Die Uhr gebe ich Euch nur ungern," sagte sie, dieselbe jetzt in offener Hand dem Manne entgegenhaltend.
(Nachdruck verboten.)
Meine Reisebegleiterin.
Von R. v. Ahlefeld.
Es war im Januar des Jahres 1894. Mit einem öandsucherbillet ausgerüstet, hatte ich eine Fahrt durch die L westlichen Präriestaaten der Union unternommen. Schnecken- ' gleich kroch unser Zug durch das westliche Kansas. Es war - dunkel geworden und das Zugpersonal begann die Lampen - in den Waggons anznzündcn. Ein Gefühl der Einsamkeit - hatte uns Passagiere beschlichen, wie wir so dasaßen und | unsere Blicke über die monotone, in der Dämmerung verschwindende Landschaft gleiten ließen. Mir gegenüber saß ein neuvermähltes Paar, dem jungen Frauchen rannen, - wohl in Anwandlung des ersten Heimwchschmerzes, die dicken . Thränen über die bleichen Wangen. Hinter mir beruhigte > ein Weib ihr kleines Kind durch Singen eines alten Wiegen- M siedcs, voll von Mutterliebe und Muttersorge; dann war dort noch ein Geschäftsreisender, der kaum sichtbar inmitten seiner Kisten und Kasten war: Allen konnte man denselben | Gedanken von der Stirn lesen: „Wären wir doch endlich e za Hause!"
Plötzlich unterbrach eine sanfte Stimme das allgemeine | Stillschweigen. Wir wandten uns in unseren Sitzen um. | „Sind wir schon über den Missouri River?" fragte sie.
Ich sah genauer hin und entdeckte eine alte Frau, die x^ganz allein im entferntesten Winkel des Wagens saß. Es lag etwas so ungemein Rührendes, zu Herzen Gehendes in I dieser Stimme, daß die Besitzerin derselben unwillkürlich L Klein Interesse fesselte. „Ich möchte so gern wissen, ob I wir schon über den Missouri sind?" fragte das Mütterchen | von Neuem, sich, furchtsam horchend, vorwärts lehnend. Die iX Frau hatte eine alterthümliche, ziemlich abgetragene Hand-
(Bewegung.) Daraus ergiebt sich die Pflicht, eine deutsche Flotte zu schaffen, und zwar eine des großen deutschen Reiches würdige Flotte. Der Satz „no hiesse oblige“, den ich mit de« Worten übersetze: „Würde verpflichtet", gilt auch für die Nationen, und das in diesem Satz zum Ausdruck gelangte Prinzip verlangt nicht nur von den Individuen, sondern auch von den Nationen, die ihm nachleben wollen, die Bereitwilligkeit, zu opfern; indessen im Leben der Nationen sind ideelle und materielle Interessen meist untrennbar verbunden. Die Entfaltung von Macht und Ansehen ist eine Vorbedingung, um für die wirthschastliche Entwickelung eines Volkes eine sichere und ungeftörte Basis zu schaffen. Wesentlich auch von diesem Gesichtspunkte aus muffen die Anforderungen für die Marine deurtheilt werden. Unsere Industrie hat seit dem Jahre 1870, insbesondere aber seit der Zollgesetzgebung von 1879, einen außerordentlichen Aufschwung erfahren, und unser Waareu- export spielt jetzt für das wirthschastliche Leben der Nation eine höchst bedeutsame Nolle. Diesen Thatsachen muffen wir Rechnung tragen, «iuerseit», indem wir uns bemühen, die Möglichkeit des Exports auf friedlichem Wege zn sichern, anderseits aber auch, indem wir Fürsorge treffen, daß es Niemand als eilte leichte Aufgabe betrachten darf, die freie Fahrt auf unseren Meeren und in unseren Hasen zu stören. So folgt auch hieraus die Nothwendigkeit einer leistungsfähigen Flotte (Sehr richtig! recht«), eine Nothwendigkeit, die noch verstärkt ist durch den Erwerb und Gründung unserer Kolouieen. Der Begriff einer leistungsfähigen Flotte m diesem Sinne kann der Natur der Sache nach kein absolut feststehender sein; er wird sich verschieden mit den Fortschritten der Technik und mit dem Auswachsen der Kriegsflotten anderer Mächte. Wir können uns der Einsicht nicht verschließen und ich glaube, daß die Mehrheit von Ihnen diese Meinung theilt, daß unsere Flotte heute nicht stark genug ist, um gegebenenfalls die ihr zitfallenden Aufgaben zu lösen. Aber man hat Bedenken wesentlich aus finanzie"— Gründen gegen das Tempo, in welchem die Verstärkung der Fi erfolgen soll. Gewiß, meine Herren, die Aufwendungen, welche eine moderne Flotte erfordert, sind sehr bedeutend. Ich richte indeffen an Sie die dringende Bitte, gegenüber den EtatSfordernugeu diesen Bedenke» nicht Raum zu geben. Denn, meine Herren, wir befinden uns tu der Nothwendigkeit und werden uns voraussichtlich lange Zeit in der Nothwendigkeit befinden, daß wir jeder Zeit zu Lande wie zu Wasser vollkommen gerüstet fein müssen. Diesem Zweck können wir uns nicht entziehen. (Zustimmung rechts.) Es fragt sich nun, geht das, was die verbündeten Negietungen heute von Ihnen fordern, über die finanziellen Kräfte des Lande« hinaus? Haben wir die gebotene Rücksicht auf die Finanzen außer Acht zu lasten? Ich glaube, die heutige Fiimnzlage, tote sie sich nach dem Etats-Entwurf darstellt, berechtigt mich, diese Frage zu verneinen. (Zuftitnmnng rechts.) Es ist ja das gute Recht des Reichstags, auf Spa.icmikeit in der Verwaltung hinzuwirken. Aber ich möchte davor warnen, die Sparsamkeit gegenüber bett Anforderungen für die Stärkung der Wehrkraft zu weit zu treiben. Nichts könnte uns im Ernstfälle kostspieliger werden als eine zn schwache, unfertige Flotte (Zustimmung rechts), die zu nichts da fein würde, als sich heldeumuthig itt den Grund bohren zu lassen. Wir müsteit eine Flotte haben, die Misere Küsten zu schützen im Stande ist, indem sie auf hoher See dem Angreifer die Spitze bietet. Da« ist baS Ziel, welche« wir erstreben. Je schneller wir es erreichen, beflo größer wirb bas Gewicht fein, welches wir zur baueruten Aufrechterhaltung des Friedens in die Wagschale zu werfen vermögen. (Beifall rechts utib bei den National- liberalen.) — Gleich nach dem Kanzler erhob sich Freiherr v. Marschall zu einer rhetorisch glänzeuden und sachlich einwauds- freien Rede zu Gunsten des FlottenaiiSbaues und zur Begründung des Satzes, daß Deutschland genöthigt sei, eine Weltpolitik zu treiben. Er erklärt, es handle sich um Deutschlands Wellintereffeu, für die es nicht zu schwach sein dürfe. In diesem Sinn treibe es pflichtgemäß Weltpolitik. Der Aufschwung des Handels und der Schutz der deutschen überseeischen Jntereffen erfordere diese veränderte Stellnugnahme. Als Deutschland nur ein Schiff nach Kreta sandte, haben wir lebhaften Tadel gefunben wegen der geringen Betheiligung. (Unruhe.) Wir haben an dieser Aktion tbrilgeuommen zur Erhaltung des europäischen Friedens. Es ist eine andere Frage, ob die Zustände sich dort bald beruhigen werden, wo man hört, daß
tasche neben sich, ihr Körper war leicht gebeugt, ihr Gesicht voller Runzeln, ihre Hände vertrocknet und gehärtet von schwerer und langjähriger Arbeit. Um ihre Schultern trug sie einen fadenscheinigen Shawl und ihre grauen Haare bedeckte ein Hut, der einst bessere Zeiten gesehen. Aber es war in ihren Zügen, ihrer Stimme, ihrem Lächeln ein Etwas, daS den verstocktesten Sünder hätte rühren und erweichen müssen. Was liegt doch nicht Alles in dem menschlichen Laute verborgen! Ich denke stets, Gott müsse uns Erdenpilger, wenn wir einst vor seinem Throne Rechenschaft über unser irdisches Schaffen und Wirken ablegen, nach dem Laute und Klange unserer Stimme richten, in der sich unser ganzes Inneres so deutlich wiederspiegelt. Diese Stimme, die wir hier so plötzlich vernahmen, kam aus einer Seele, die rein und von Sorgen geläutert mar. Am Altäre, an der Wiege, am Krankenbette, beim Abschiede, an der Gruft des Tobten — wie wohl thut es uns dann, wenn eine solche Stimme Liebes- und Trostcsworte spendet!
Ich hatte das Gefühl, daß in dem morschen Körper dieser alten Frau alle jene Tugenden wohnen müßten, die man gemeiniglich mit dem Worte „Seelenadcl" bezeichnet.
Ich setzte mich in die Rahe des alten Mütterchens, um mich ihrer ein wenig anzunehmen.
„Ich reise zu meiner Tochter, mit der ich „jenseits des Missouri" von nun an zusammenleben will," entgegnete sie auf mein Beftagen, wohin sie fahre. „Man hat mir gesagt, daß ich den Wagen in St. Joseph wechseln müsse. So weit sind wir doch noch nicht, nicht wahr?" Ich verneinte dies. „Nach St. Joseph kommen wir erst gegen Abend." „Seit vielen Jahren habe ich meine Tochter schon nicht mehr gesehen. Sie ist jetzt noch mein einziges Kind, von meinen älteren Jungens habe ich schon lange nichts mehr gehört, ob sie noch leben oder gestorben sind, ich weiß es
Abgeordnetenhaus.
Die von der Kommifsioit zur Besprechung al« nicht geeignet erachteten Petitionen werden ttacb kurzer Erörterung erledigt. Der Gesetzentwurf, betreffend Fischerei der Üfer-Eige«thümer und Koppelfischerei in der Provinz Hannover, wirb in dritter Lesung angenommen. Die erste utib zweite Berathnng de« Nachtragsvertrags zwischen Preußen, Meiningen und Cobnrg vom 19. Februar 1897 zum Staatsvertrage vom 17. October 1878 über ofe Errichtung eines gemeinschaftlichen Landgerichts Meiningen wird debattelos erledigt. — Erste Berathung des Antrags Heydebrandt und Genossen, bett. Verbesserung des DiensteinkommenS der Geistlichen. — Abg. Heydebrandt (kons.) begründet den von der gekämmten Rechten unterstützten Antrag. Es wird die Nothwendigkeit anerkannt, daß ein derartiger Gesetzentwurf baldmöglichst vorgelegt werde, damit die geforderte Summe bereits im nächsten Etatsjahre zur Ausgabe gelangen könne. Es fei von großer ideeller Bedeutung, daß dies in Form eines Gesetzes festgelegt werde. — Der zweite Theil des Antrags will, daß die zur Ansbefferung geforderten Staatsmittel in einer festen Summe den gesetzlichen Organen der evangelischen Landeskirche und der katholischen Kirche zur eigenen Verwendung nach bestimmten staatsgesetzlich festzuftellenden Grundsätzen zu überweise« seien. Dieser Theil solle zugleich de« kirchlichen Behörden größere Freiheit in den Berwaltunge« sichern. Der letzte Passus wolle mir verhindern, daß Jemand behaupte« könne, durch dieses System könnten die staatlichen Rechte gefährdet werde«. Mau müsse den Wünschen der Geistlichen Rechnung tragen, beim wolle mau bie soziale Frage lösen, so könne man die Entwickelung der Kirche und die Geistlichen nicht entbehren. — Der Kultusminister erklärt, die Regierung stehe dem Plane der Ausbesserung wohlwollend gegenüber, ebenso der prinzipiellen Grundfrage. Die allerwichtigsteu Punkte des Antrags stimmen überein, aber weniger in den Modalitäten. Vor Eingang dieses antrag« habe Reouer sich in dieser Frage mit dem Finanzminister in« Einvernehmen gesetzt. Seine Vorschläge feien dort bereitwilligst aufgenommen worben. Sie hätte« sich beibe dahin verständigt, daß e« uöthig sei, zu wissen, welcher Bedarf an Ausbesserungen epftire. Daher wurde« die statistische« Erhebungen bei den Provmzial- Behörden angeorbnet. Ehe die Berichte eingegangen, sei keine Möglichkeit, sich irgendwie über die Ausführung der Vorlage zu äußern. Er sei absolut kein prinzipieller Gegner der Selbstständigkeit der evangelischen Kirche. Solange unsere Kirche landesherrlich und volksthümlich bleibt, wird naturgemäß ihre Abhängigkeit in gewissem Grade aufrecht zu erhalten sein. Er sei ein warmer Freund der Selbständigkeit der evangelischen Kirche. Die Freiheit müsse aber in bestimmten, gesetzlich sestzustellenden Grenzen eingeschlossen bleiben. Die Ausbesserung unter beftimmten Modalitäten sei nicht möglich ohne Einvernehmen mit den kirchlichen Behörden. Der evangelische Oberkirchenrath wünscht die Aufbesserung auf kirchengesetzlichem Wege zu schaffen. In diesem Fall wäre für bie katholischen Geistlichen ein besonderes Gesetz uöthig. Bisher wurde kein Entschluß gefaßt. Es könne auch nicht eher fein, als bis ein zuverlässiges Bild vorhanden sei. Die Regierung müßte sich freie Hand Vorbehalten, er sei bereit, Hand in Hand mit den Antragstellern zu gehen. — Abg.
45. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezngs-PreiS: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
» für die Abend-Ausgabe bi« 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-AuSgade bis 3 Uhr Nachmittag«. - Für die Aufnahme später emgeretchter Anzeigen zur
^Ut|rtg£lt -Annahme Nächsterscheinenden Ausgabe wird fehlt Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
- Der Reichstag bot heute ein bewegtes Bild. Da« Haus war stark besetzt und am Miuistertisch waren Herr v. Bötticher, Frhr. t v. Marschall, Admiral Holtmann, Staatssekretär Nieberding, zahl- reiche Offiziere des Heeres und der Marine und noch zahlreichere Civilkommiffare erschienen; auch die Tribünen waren stark besetzt. - Zu ben Ersten im Saal gehörten die Abgg. Lieber und Richter, die lange und eifrig fonferirten; bann stieg Dr. Lieber, der für den Marine-Etat Berichterstatter war, zum Berichterstatterputt empor, f dort seine Akten niederzulegen; sofort näherten sich ihm Freiherr M». Marschall und Admiral Hollmann, ersterem schüttelte der t EeiitrumShäuptling bieder die Hand, den Ches des Marine- AmtS fertigte er mit einer kühl - gemessenen Verbeugung ab, sodaß dieser sich auf die entfernte Seite de« MimstertischeS % zurückzog und mit Herrn Nieberding ein Gespräch ankuüpste. B Debattelos wird in dritter Lesung der AnslieserungSvertrag mit 7" teu Niederlanden genehmigt. Alsdann wird ein schleuniger Antrag Lieber (Centr.) berathen, dahingehend, de« Reichskanzler zu er« H mächtigen, nach der Feststellung des vorliegenden Etats die j durch Zusammenlegung der vierten Bataillone (Halb-Bataillone) erforderlichen Maßregeln zu treffen. — Nachdem Abg. Lieber (Centr.) ben Antrag begrüntet unb Staatssekretär v. Boetticher denselben empfohlen hat, wird der Antrag ohne Debatte mit großer Mehrheit angenommen. Es folgt die Berathung des Marine-Etats. Die Debatte erstreckt sich zunächst auf die einmaligen Ausgaben, und zwar zunächst auf bie bes orbentlichen Etats, wo bie Kommission die bekannten Streichungen vorgenomme« hat. — Abg. Lieber (Centr.) als Referent weist auf bas Aufsehen hin, welches sowohl die Höhe der Forderungen wie auch die Denkschrift der Regierung erregt hat, unterzieht letztere einer längeren Besprechung und gedenkt sodann auch der vom Reichskanzler Fürsten Hohenlohe und dem Schatzsekretär Posadowsky in der Kommission abgegebenen Erklärungen. Des Weiteren betont er, daß bie Klasflfizirung ber Schiffe durch den Etat als gesichert festgestellt unb daher nicht einseitig von berKommandogewalt abgeändert werben könne, worüber allerdings die Marineverwaltung anderer Ansicht sei. Jnsbesoudere erörtert Redner auch die finanzielle Lage unb schließt bamit, daß er dem Hause, entsprechend den Beschlüssen der Komniissioii. anheim gebe, zunächst den Titel 1 z« bewilligen. — Als der Abg. Lieber geendet, erhob sich ber Reichskanzler, sofort war er vom lautlos lauschenden Reichstag umlagert. Der Kanzler verlas mit ungewöhnlich lauter Stimme eine längere Erklärung, welche lautete: Meine Herren! Die Anforderungen, welche Seitens der verbündeten Regierungen in dem Ihnen vorgelegten Etats-Entwurf für die Verstärkung unserer Kriegsflotte gestellt worden sind, haben intra et extra muros zu lebhaften Erörterungen Anlaß gegeben. Diesem Widerstreit ber Meinungen gegenüber hatte ich es für noth- toenbig, hier noch einmal bie allgemeinen Gesichtspunkte fest- znstelle«, aus welchen jene Anforberungen für bie Marine erhoben worben sind. Die Erörterung unb Begründung im Einzelnen überlaste ich den Vertretern ber betheiligteu Restorts. Die Nothweubigkeit einer beutschen Kriegsflotte darf ich glücklicher Weise heute als ein Axiom hinstellen, indem ich hierin ber Zustimmung ber Übergroßen Mehrheit bieses hohen Hauses vollkommen sicher bin. Ich bezweifle, baß el noch ernsthafte Politiker geben sollte, welche bie Zeit zurück- tvünschte», in ber Deutschland im heutigen Sinne mit Ausnahme der kleinen prelißischen Marine keine Kriegsflotte besaß unb allerdings auch keine Kriegsschiffe zu bezahlen brauchte. Die deutsche Flotte ist bas Ergebniß ber politischen Entwickelung Deutschlands. Das neue Reich, geschaffen durch Siege einer unvergleichlichen Armee unb durch eine geniale Politik, rückte vermöge bes in der Welt errungenen Ansehens, vermöge des Schwergewichts der ihm innewohnenden Macht gewissermaßen von selbst unb ohne eigenes weiteres Zuthun ben auberen Großmächten gegenüber in eine Stellung ein, die, einmal erworben, ohne Gefährdung der vitalen Interessen der Nation nicht wieder aufgegeben werden kann.
