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Viksbsdenkr Sagblatt

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1897

Donnerstag, den 18. Marz

Uo. 130

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

(Nachdruck verboten.)

(Schluß.)

Ich

er gefällt mir so ganz gut ist er tüchtig?

glaube es, Majestät, es ist der E., ein sehr ordentlicher

So, was hat er denn außerdem noch hier

35Ä

ich ausfahre, da legt mir immer ein Mann den Mantel um und die Decke vor, er hat das Eiserne Kreuz I. Klasse,

»Im

Ans dem Alltagsleben Kaiser Wilhelms I.

Von Paul Lindenberg»

Die Dienerschaft hing an dem greisen Herrscher mit t. schrankenloser Verehrung; so wenig er es leiden konnte, U wenn sich einer aus ihren Kreisen hervordrängte und sich geflissentlich diensteifrig zeigte, so sehr belohnte er treue, ausharrende Dienste. Von jeglicher Reise brachte er seiner k nächsten dienstthuenden Umgebung etwas mit, nie versäumte er, wenn er fern von Berlin war, seinen Leibdiener zu fragen:Hast Du denn schon was für Deine Frau, für Deine Kinder gekauft?" und fuhr, wenn die Antwort verneinend lautete, fort:Na, dann laß es nur, ich werde es besorgen!" und mit größter Sicherheit konnte der, Be­treffende darauf rechnen, daß der Herrscher von seinem nächsten Ausgang verschiedentliche Erinnerungsgegenstände, wie Portemonnaies, Broschen, Ansichten, Cigarrenlaschen re., mitbrachte, die er persönlich eingekauft hatte und die stets den Ortsnamen des jn<iligen Aufenthalts, Ems, Gastein oder Wiesbaden, träy> rußten.

Die Diener, die persönlich bei ihm Dienst thaten, suchte sich der Kaiser gern selbst aus. So war einst einer seiner Garderobiers pensionirt worden, und der Kaiser ließ mehrere Tage vergehen, ehe er die Stelle neu besetzte. Als er eines - Morgens erwachte, sah er einen neuen Diener in seiner Schlafstube hantiren; der Kaiser ließ seinen alten Garderoben- : Intendanten Engel rufen.Sag' mal, Engel, wer ist denn der neue Mann da?"Majestät, der Herr Oberhofmarschall Sxcellenz P. haben ihn zum Dienst befohlen."So? Na, denn schicke ihn nur gleich fort, der Mann gefällt mir nicht, und ich bestimme selbst, wer um mich sein soll." Einige Tage vergehen, da fragt der Kaiser Engel:Hör' mal, wenn

zu thun? Er ist ja im Marstall beschäftigt." Palais, hat er noch die Lampen zu besorgen, Majestät.

Preußischer Landtag.

Koriin, 17. März.

I, sieh' an, die Lampen, die brennen ja in letzter Zeit sehr gut, hatte früher öfter zu klagen gehabt. Dann wollen wir's mal mit dem E. versuchen!" Und der Versuch gelang, denn der neuernannte Garderobier waltete sorgsam seines Amtes bis zum Hinscheiden des greisen Herrschers.

Mancherlei Bitten und Anforderungen wurden von den verschiedensten Seiten an die nächsten Diener des Kaisers gestellt. So meldete sich kurz nach der siegreichen Heimkehr aus dem deutsch-französischen Kriege im kaiserlichen Palais in Berlin eine Bauersfrau aus einem Dorfe der Mark, welche, eine wohlgenährte Gans unter dem Arm tragend, diese persönlich dem Kaiser überreichen wollte, als Dank dafür, daß ihre sechs Söhne, die am Feldzug theilgenommen, sämmtlich mit heiler Haut heimgekehrt wären. Als die Diener der Frau bemerkten, daß sie nicht so unverzüglich zum Kaiser geführt werden könnte, diese aber trotzdem darauf bestand, kam ein Adjutant hinzu, dem die Angelegenheit erzählt wurde und dem die Bäuerin die vom Ortsvorsteher ausgestellten Papiere überreichte, aus denen die Wahrheit ihrer Aussagen hervorging. Der Adjutant trug die Sache dem Kaiser vor und wenige Minuten darauf stand die Frau vor dem Monarchen, auf sein gütiges Befragen ohne alle Scheu ihren und ihrer Söhne Lebensweg erzählend. Als der treue Martinsvogel das Organ seiner Pflegerin vernahm, glaubte auch er nicht länger schweigen zu dürfen und ließ lustig

45. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

sein. Abg. H itze (Centr.) ist mit der Anregung des Staats­ministers v. Bocttichcr, für die Tage vor Sonn- und Festtagen Zugeständnisse zu machen, einverstanden. So wie der Antrag Kardorff jetzt gefaßt sei, könne übrigens der gauzc Reichstag, wenn er boshaft sein wollte, den Antrag annehmen, denn das bloße Verlangen nach Abänderung besage gar nichts. Gegen­wärtig könne er, Redner, nicht für den Antrag stimmen, um nicht etwa den Regierungen eilte falsche Direktive zu geben. Abg. Hilpert (bei keiner Fraktion) ist gegen die Verordnung. Abg. Hasse (nat.-lib.) erklärt, seine Freunde würden den Antrag Kardorff mit dem Zusatzantrag Stumm annehmen. Abg. V i e I h a b e u (dtschsoz. Refp.) beantragt, die völlige Aufhebung der Bäckerei-Ver­ordnung zu verlangen. Die bloße Abänderung bedeute gar nichts. Mit dieser Verordnung segle die Regierung im sozialdemokratischen Fahrwasser, indem sie die Bäckermeister in dieses Fahrwaffer treibe. Abg. Bebel (Soz.) bespricht den Niedergang des Kleinbäckerei­gewerbes. Dieser Niedergang entspreche dem Gang der modernen kapitalistischen Entwickelung, und daran tönjie auch eine Aushebung der Verordnung nichts ändern. Die Verordnung sei eine Noth- wendigkeit. Abg. v. PodbielSki (kons.) tritt für den Antrag Kardorff ein. Abg. S chneider (freis. Volksp.) theilt mit, daß seine Freunde für den Antrag Pichler stimmen werden; ebenso der Abg. Molkenbuhr (Soz.) Namens seiner Partei. Im Schlußwort bemerkt der Abg. v. Kardorff (Reichsp.), mit solchen Verordnungen züchte die Negierung selbst die Sozialdemokratie groß. Der Direktor im Neichsamt des Innern, v. Woedtke, weist diese Aeußerung mit Entschiedenheit zurück. Die Zustande im Lande seien nach Ausweis der Erhebungen in den Einzelstaaten ganz andere, als sie der Vorredner geschildert habe. Daranf wird der Antrag Pichler auf motivirte Tagesordnung mit 148 gegen 104 Stimmen angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr: Dritte Lesung des Anslieferuttgsvertrags mit den Niederlanden; schleimiger Antrag Lieber, betreffend die Schuldentilgung; Berathung des Marine-Etats.

* * *

Kcrlin, 18. März. Die Margarinekommission des Reichstags hielt in zweiter Lesung alle Beschlüsse der ersten Lesung aufrecht und beschloß auf Antrag des Abg. Bachem (Centr.), dem § 3, betreffend Margarine-Erkennungsmittel, einen neuen Absatz au- zufügen, welcher verbietet, ausländische Margarine ohne diese Er- kenuungsmittel in Verkehr zu bringen.

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Deutscher Reichstag.

O Kerlin, 17. März.

Der Reichstag berieth heute den Antrag der Abgg. v. Kardorff U MeichSp.), Frhrn. v. Manteuffel (kons.) und Genossen, den Buudes- V rath nm Abänderung der Bäckerei-Verordnung vom 4. März 1896 zu ersuchen. Ein Zusatzantrag des Abg. Frhrn. v. Stumm L (Reichs».) wünscht die Abänderung in einer den berechtigten Interessen des Bäckereigewerbes entsprechenden Weise. Ein Antrag des Abg. Pichler (Centr.) lautet auf motivirte» Uebergang Mir Tagesordnung. Abg. Graf Stolberg (kons.) führt aus, seine Freunde seien keine Gegner der Sozialreform, sie wollten aber nur eine gesunde, ziel- r- bewußte Reform, die sich nicht von bloßen Theorieen leiten lasse. Seine Partei würde die vorliegende Angelegenheit nicht zur Sprache e»rächt haben, wenn es sich nicht um ein Mittelstandsgewerbe ndelte, das man doch gerade schonen und heben wolle. Das Beste wäre die Beseitigung der Perordnung, doch begnüge man sich mit einer Abänderung, und zwar mit einer Beschränkung der Verordnung auf die großen Betriebe in den Städten. Staatsminister v. Boetticher macht über die von der Reichs- vertvaltung angeordnete Enquete Mittheilungen. Die Berichte der Emzelstaateu lägen jetzt vollständig vor. ihr Inhalt über die Wirkungen der Verordnung laute aber ganz verschieden. Die

; Regierungen seien jedoch darin einig, daß em sicheres Urtheil nach so kurzer Zeit noch nicht möglich sei. Die Regierungen von - Preußen, Bayern, Württemberg, Hessen, Mecklenburg -Strelitz, - Braunschweig, Anhalt, Schwarzburg-Sondershansen erklärten, noch gar kein Urtheil abgeben zu können. Gegen eine sofortige Auf- . Hebung oder Aenderung seien Preuße», Sachsen, Württemberg, Reuß jüngere Linie. Schwere Schädigungen würden konstatirt - für einige Bezirke Bayerns, Thüringens und für Hamburg; wieder in anderen Gebieten würden die Klagen der Bäckermeister als über­trieben bezeichnet, wirthschaftliche Schädigungen ganz bestritte». Die Mehrzahl der preußischenRegieru»gspräsidenten stelle fest, daß nicht einmal Unbequemlichkeiten für die Bäckermeister entstanden seien und 1 daß sich die Verordnung über alles Erwarten bewährt habe. Aus L Württemberg lägen Berichte vor, wonach die Bäckermeister die 23er» | ordnnng geradezu als Erlösung betrachteten. Er, Redner, habe E eine Zusammenstellung aller Einzelberichte in die Wege geleitet. k Er werde die Zusammenstellung demnächst sämmtlichen Einzel- - regierungen zuschicken, damit diese sich ein Urtheil darüber bilden könnten, welche Abänderungen an der Verordnung etwa vor- ' zuuehmen seien. Seiner persönlichen Ansicht nach würden solche Abänderungen vielleicht eintreten können bezüglich der Dauer der fc. Arbeitszeit vor Sonn- und Festtagen. Für jetzt könne er aber j nicht in Aussicht stellen, daß die Regierungen in eine Aushebung oder Abänderung der Verordnung einwilligen würden, denn die Berichte ließen keinen Zweifel darüber, daß überall im Reiche die r Regierungen der Meinung seien, daß eine so kurze Zeit nicht aus- : reiche, um ein zutreffendes Urtheil über die Wirkungen der Ver- t ordnuug zu sällen. Abg. Hitze (Centr.) bittet, die Zusammen­stellung der Berichte auch dem Reichstag zugänglich zu machen, und beantragt, den Gegenstand vorläufig von der Tagesordnung abzusetzen, : da erst nach dem Vorliegen der Berichte eine sachliche Diskussion möglich sei. Staatsminister v. Boetticher stellt in Aussicht, die Zustimmung des Bundesraths zur Vorlegung der Berichte an den Reichstag einznholen. Nachdem die Abgg. v. K a r d o r f f (Reichsp.), I Frhr.v. Stumm(Reichsp.)und Vielhaben(deutschsoz.Reformp.) sich für die Fortsetzung der Debatte ausgesprochen haben, zieht Abg. Hitze (Centr.) seinen Antrag, den Gegenstand von der Tages- k ordnnng abznsetzen, zurück. Abg. Bebel (Soz.) nimmt daraus ' den Antrag wieder auf, der aber abgelehnt wird. Abg. Frhr. | p. Stumm (Reichsp.) befürwortet seinen Zusatzantrag mit dem Hinweis, daß man bei der Eiseuindnstrie, wo die Arbeit eine viel schwierigere sei, noch nicht einmal an die Anordnung einer Maximal- L arbeitszeit gedacht habe. Abg. Angst (fübb. Volksp.) spricht sich = gegen eine völlige Aufhebung ber Bäckerei-Verordnung aus, da sie | grundsätzlich berechtigt sei; einer Abänderung möge sie bedürftig

Abgeordneten hauS.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Berathung des Etats der Handels- und Gewerbeverwaltnng beim TitelBesoldung des Ministers" fort. Abg. Go thei n (freis. Ver.) beklagt es, daß das Kriegsministerium nur noch direkt vom Produzenten kaufen und den Händler gänzlich ausschließen wolle. Auch die ganze Börsenresorm und das Verbot der Terminhandels feien Symptome einer all­gemeinen handelrfeindlichen Strömung, welcher der Handelsmimster entgegenarbeiten sollte. Der Jrrthmn, den man durch das Verbot des Terminhandels begangen habe, müsse rückgängig gemacht werden. Abg. Ga m p (freikons.) widerspricht der Auffassung des Vorredners, der selbst zngebe» müsse, daß bevorzugte Getreideqnalitäten in den BörsennoNzeu nicht zum Ausdruck kämen, verlangt Aufhebung der Zollkredite für Getreide, und fragt an, wie es komme, daß noch immer Zeitgeschäfte in Bergwerks- und Fabrikpapieren gemacht würden. Der Redner tadelt weiter, daß im Etat für die Förderung des Handwerks Millionen ausgesetzt seien, für die Unterstützung des Handwerks und Gewerbes aber so gut wie nichts, und wünscht Modifikationen der Sonntagsordnnngen im Interesse des letzteren. Haudelsminister Brefeld theilt mit, daß er das Magazin in Osterode angewiesen habe, die Bedürfnisse der Bergwerksverwaltnug nut durch inländische Produkte zu decken. Der StaatSkommissar habe sich bereits mit den Zeitgeschäften in Bergwerkspapieren beschäftigt und bezügliche Erhebungen seien in der Schwebe. Bei den Perordnungen über die Sonntagsruhe seien die lokale» Verhältnisse maßgebend und etwaige Beschwerden würden geprüft werben. Abg. FHeb berg (nat.-lib.) rügt, baß

bie Sonntagsruhe auf de» Fernsprechdienst ausgedehnt worden fei, und hält ebenfalls für ungerecht, daß der ffriegsminifter den Verkehr mit dem Handel grundsätzlich umgehe; es genüge, wen» die Lieferung eiuheinüscher Produkte verlangt werde. Ahg. Herold (Centr.) legt bie Gründe bar, ans welchen sich ber letzte Katholikentag gegen ben Antrag Kanitz ausgesprochen habe, und erhofft eine Gesnnbung ber Börsenverhältnisse. Bei bin TitelnBesoldungen für einen StaatSkommissar bei ber Berliner Börse" undzur Reuumerirung ber nicht fest aiigefteUten StaatS- fommiffare bet den Börsen" bemerkt Abg. Äroemel (freis. Ver.), daß ber Stettiner Staatrkommiffar sich angelegen fein lassen möge, zwischen ben Interessenten ber Lanbwirthschast uub des Handels durch eine materielle Prüfung zu vermitteln. Abg. Gothein (freis. 23er.) findet, daß die Aufgabe» ber Börsenkommissare zu weit gefaßt seien. Abg. Graf b. Kanitz (kons.) weist barnuf hin, baß ber Minister bereits eine Darlegung bes materiellen KernS der Stettiner Angelegenheit gegeben habe. Abg. Hahn (bei keiner Fraktion) hält hinsichtlich der Berliner Börse eine Petständigung zwischen Handel und Landwirlhschaft für unmöglich; Der Kamps zwischen diesen beiden Faktoren beginne erst, und die freie Vereinigung im Feeupalast sei jedenfalls anfzuheben. Die Befugnisse der Börfen- kommission seien möglichst attSzttdehnen. Der Ha nbelsm inister legt dar, daß er über die materielle Seite des Stettiner Streitfalles genngfant unterrichtet fei und demgemäß seine gestrige Erklärung ab­gegeben habe. Der StaatSkommissar werde, sobald es sich um Beilegung des Streites handle,dabei naturgemäß ber Beistand des Oberprästdenten sein. Die Erhebungen über die freie Vereinigung im Feenpalast seien nicht so einfach und schnell zu erledigen, wie der Vorredner meine, da eS sich nicht um öffentliche, sondern um geschlossene Versammlungen handle. Der Minister warnt vor Uebeteiluiig bei Erweiterung ber Befugnisse ber Staatskommissare, ba es sich um eine neue Organisation hanble. Abg. v.Eynern (nat.-lib.) spricht sich eben­falls dagegen aus, die Befugniffe der Staatskommissare zu er­weitern. Bei dein Dispositionsfonds zur Förderung gewerblichen Unterrichts und gewerblicher Unternehmungen 2C. wird n. A. von mehrere» Abgeordneten Berücksichtigung des Düsseldorfer Kunst­gewerbemuseums verlangt. Der Minister erwidert, daß der Staat bereits eine große Zuwendung für das Museum gemacht habe, jährlich wiederkehrende Unterstützungen aber unthmtlich seien, zumal es sich nm das Unternehmen einer reichen Provinz handle. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr: Vorlagen, betreffend Fischerei in Hannover und Landgericht in Meiningen; Anträge Heydebrand und Virchow; Gesetzentwurf, betreffend Beamtenrelikten; Petitionen.

Deutsches Keich.

* Kos- und Personal Nachrichten. Der Besua» des dentschenKaiserpaareSamCzarenhof wird, einer Meldung derKöln. Ztg." zufolge, erst nach Juni d. I. fiattfiuben, da itt diesem Monat die Czarin ihre Entbindung erwartet. Dagegen steht der Gegenbesuch des österreichische» Kaisers für Ende nächsten Monats fest. Die Kaiserin Friedrich traf gestern früh, 6'/» Uhr, in Berlin ein und begab sich nach ihrem Palais. Später fuhr die Kaiserin nach den. Schloß, um dem Kaiserpaar einen Besuch zu machen. Gegenüber der gestrigen Meldung derPost" über ein ungünstiges Befinden des Staatssekretärs v. Stephan kann dieNat.-Ztg." nach authentischer Mittheilung versichern, daß das Befinden des Staatssekretärs, den Umständen entsprechend, befriedigend ist, daß der Heilnngsprozeß zwar langsam, aber durchaus normal verläuft und daß gegenteilige Nachrichten jeder Begründung ent­behren. Wie bieKreuz.-Ztg." aus guter Quelle hört, fleht die Ernennung des inaktive» Staatsministers v. Roller zum Ober- Präsidenten von Schleswig-Holstein unmittelbar bevor.

* Kerlin, 18. März. Die polnischen Abgeordnete» habe» einen Antrag im Landtag eingebradjt, die Staatsregiernng um die Aufhebung des Gesetzes vom 26. April 1886, betreffend die Be­förderung deutscher Ansiedelungen in bett Provinzen Westpreuße» nnb Posen, z» ersuche».

Gestern Vormittag hat eine Besprechung zwischen dem Kaiser und dem Reichskanzler Fürsten Hohenlohe im Reichskanzler- Palais ftattgefimben. Als Ergebniß derselben ist es berNat.-Ztg." zufolge anzusehen, baß das Eutlasfungsgesuch des Staatsfekretärs

sein lautes Geschnatter vernehmen; die Versuche der Bäuerin, den Vogel zur Ruhe zu bringen, endlich ihr Ueberschreicn desselben und nun dies melodische Duett waren so komisch, daß der Kaiser nebst seiner Umgebung in das herzlichste Lachen ausbrach. Die Frau wurde reich beschenkt entlassen, die Gans aber brachte seitdem auf Anordnung des Kaisers ihre sorgenlosen Tage in Babelsberg zu.

Ein anderes Mal kam ein betagter Dorfschulze aus der bayrischen Pfalz zum Kammerdiener, ihm sagend, er hätte nur noch einen Wunsch: nochmals seinen Kaiser aus der Nähe zu sehen. Der Diener bat ihn, sich nur um die Mittagsstunde beim Denkmal des Alten Fritz auf­zustellen, wenn irgend möglich, würde er die Aufmerksamkeit des Kaisers auf ihn lenken. Das geschah.Hat ja noch eine gute Haltung", meinte der Kaiser,muß rin strammer Soldat gewesen fr-V, und er ließ ihn herbcirufen.Soll ins Adjutantenzimmer kommen, will den alten Mann doch sehen." Dort fragte ihn der Kaiser, woher er stamme und wie alt er sei.So alt wie Sie, Majestät."Bei welchem Regiment haben Sie gedient?"Bei den Gardes du Corps."Wer war Ihr Kommandeur?"Sie, Ew. Majestät."Aha, Eskadron elf freue mich, einen alten Regiments-Kameraden zu sehen, warten Sie noch einen Augenblick", und der Diener brachte dem vor Freude ganz Betäubten eine Photographie des Kaisers heraus, die dieser mit seiner Namensunterschrift versehen.

Zur selben Mittagsstunde war eS, beim Aufziehen der Wache, als einst der Kaiser die Deputation des russischen Kaluga-Regiments, die ihm zu seinem Regiments-Jubiläum die Glückwünsche überbracht hatte und sich nun abmeldete, ersuchte, mit ihm an das historische Eckfenster zu treten. Als nach dem Vorbeizug der Wache die tausendköpfige Menschenmenge mit begeistertem Jubel zum Palais vordrang.

für bie Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für bie Morgen - Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für bie Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

- nächsterscheinenben Ausgabe wirb keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

Mensch."