MesbÄemr TsgM
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1897
Samstag, den 6. Marx
U». 110
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
BezlrkS-Fernsprecher R». 52.
Abend-Ausgabe
B
(Nachdruck verboten.
dargestellte Luftpumpe treibt, und dem Gegenstrom-Apparat, der ein doppeltes spiralförmig gestaltetes Rohr 8 und ein Sammelbecken G, sowie den Knhlrauiu K
NcgulirventilS in den Sammler, wobei eine bedeutende Ab» kühlnng eintritt. Vom Sammler strömt nun die kalte Luft durch den Gegenstrom-Apparat, wobei sie ihre niedrige Temperatur der im inneren Cylinder befindlichen Preßluft rnittheilt, zurück »ach dem Kompressor, wird dann von hier ans, aber diesmal mit weit niedrigerer Temperatur durch den Kühler in den inneren Cylinder des Gegenstrom-Apparates getrieben, gelangt durch das Regillirveiitik in den Sammler, wobei eine weitere Abkühlung ftattfinbet, und volk- führt so den eben beschriebenen Kreislauf fortgesetzt, bis die kritische Temperatur erreicht ist, die Lust infolge des starken, durch den Kompressor ansgeiibten Druckes flüssig wird und sich am Boden des Sammlers ansammelt, wovon sie mittels eines Hahns abgelassen werden kamt.
dehniliig, ihre intensive Kälte-Erzeugung, zur koiitinuirlichen Temperatnrherabsetzung der zu verflüsfigeiide» Lust in dem Gegenstrom-Apparat verwerthet wird. In dieser Lnft liegt der Schwerpunkt der Erfindung.
Der eigentliche Lindesche Apparat, Figur 3, besteht ans der kleinen Dynamomaschine (rechts oben im Bilde), welche die darunter
(Nachdruck verboten.)
Die Herstellung flüssiger Luft.
Preu hi sch er Landtag.
Berlin, 5. März.
Abgeordnetenhaus.
Das Abgeordneteichaus setzte heute die zweite Berathnug des Etats der laudwirthschaftlichen Verwaltung — Titel: Gehalt des Ministers — fort. — Äbg. Knebel (nat.-lib.) spricht für Fördernng des ObstbaneS, auch durch billigere Tarife, und weist auf die Konkurrenz durch Einfuhr ausländischen Obstes hin. Redner empfiehlt im Slufchliiß an den MelioratiouSfondS für die westlichen GebirgS-
kalten Sauerstoff int äußeren Cylinder abgegeben wird. Der Druck auf die in dem inneren Cylinder enthaltenen Gase wird durch die luftdicht schließenden, im Bilde schwarz gehaltenen Kolben im oberen Ende der Cylinder mittels Maschinenkraft ober Hydraulik bewirkt.
Das hier beschriebene, wissenschaftlich längst bekannte und experimentirte Verfahren ist, wie leicht ersichtlich, ein sehr urnstimd- liches und liefert nur kleine Mengen flüssiger Lust auf komplizirtem, zeitraubendem Wege; für die Praxis ist dasselbe daher auch werthlos geblieben.
Dem Professor Linde ist es jedoch nun gelungen, mit geringen Kosten große Mengen flüssiger Luft auf wesentlich einfachere Weise zu gewinnen. Das Prinzip seines für diesen Zweck foiiftruirten Apparates geht am klarsten aus der Figur 2 hervor. Die mittels eines Kompressors stark zusanimeagevreßte Luft strömt stets in Richtung des Pfeils durch einen Kühler in den inneren Cylinder eines Gegenstrom-Apparates und von dort bei Oeffnung des
Wärme wird durch die kalte Kohlensäure im äußeren Cylinder abgeleitet. Dann läßt man weiter das flüssige Äthylen in den Kühlraum eines dritten ganz analog eingerichteten DoppelcylinderS einströmeii, dessen innerer Cylinder mit Sauerstoff 8 ungefüllt ist. Hierbei verflüchtigt sich das Äthylen und wird bis auf —130 Grad abgekühlt. Sobald sich diese niedrige Temperatur dem Sauerstoff mit« getheilt hat, wird durch starken Druck auch dieses Gas flüssig gemacht. Die bei dieser Umwandlung erzeugte Wärme wird durch des Äthylen abgeleitet. Nun läßt man den flüssigen Sauerstoff in den Kühl- ramn eines vierten DoppelcylinderS treten, dessen innerer mit Luft L gefüllt ist. Bei der Verflüchtigung des Sauerstoffs wird dieser bis auf —192 Grad abgekühlt. Sobald diese Temperatur von der Luft im inneren Cylinder angenommen ist, wird auch diese durch hohen Druck in den flüssigen Zustand übergeführt und sammelt sich am Boden an, während die dabei entwickelte Wärme an den
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enthält. Die Luft wirb stets in Richtung bes Pfeils von bet Luftpumpe zunächst in ben eisernen Behälter B getrieben. Von dort wird sie durch Oeffuen eines HahnS in ein Rohr gelassen, welches durch den Kühlraum K hindurchgeleitet ist, und gelangt so, nachdem sie durch das Kühl- wasser aus eine niedrigere Temperatur gebracht ist, in das innere spiralförmige Rohr des Apparates. Dieses Rohr mündet in das Sammelbecken, dessen unterer Theil Gr in unserer Zeichnung zu sehen ist. Von hier strömt die sehr abgekühlte Luft ganz analog, wie bei dem in Figur 2 bargefieUten Apparat, in bas äußere Spiralrohr, kühlt dabei die im inneren Rohr befindliche Luft erheblich ab und gelangt durch ein zweites, den Gegenstrom- Apparat mit der Luftpumpe verbindendes Rohr wieder zu dieser zurück, diesmal aber mit viel niedrigerer Temperatur. Dieser Kreislauf der Luft wiederholt sich nun fortgesetzt, bis die kritische Temperatur erreicht ist und die Luft sich in flüssigem Zustande im Sammelbecken S anfammelt Es geht aus der schematischen Darstellung in Figur 2 hervor, ein wie außerordentlich vereinfachtes Verfahren dieser Lindesche Apparat ermöglicht, ein Verfahren, bei welchem in geradezu genialer Weise die physikalische Wirkung der komprimirten Luft bei ihrer AuS
Karoline Reicher.
(Zum zweihundertsten Geburtstage.-
Von Dr. Paul Dientet.
|L Man kann nicht viel Staat machen mit dem deutschen ^Theater im Anfang des achtzehnten Jahrhunderts. Wäh- i rrnd in Frankreich schon ein Corneille, Racine und Möllere gedichtet hatten, ließ sich das Publikum in Deutschland noch immer die „Haupt- und Staatsaktionen" auftischen, langweilige und kunstlose Geschlchtsklitterungen, deren einzige Würze die plumpen Spässe des Harlekins bildeten. Auch - die schönen Künste der Seiltänzer und Luftspringer mußten T helfen, die Menge ins Theater zu locken. Eine stehende Aühne hatte sich noch nirgendwo gebildet, selbst nicht in Stäbten^ wie Berlin und Wien; vagabundirende Schau- lpielergesellschaften, deren Moral meist noch auf tieferer ? dtufe stand als ihre Kunst, zogen im Lande umher. Man ~ den Gebildeten jener Zeit nicht verargen, daß sie dir dramatische Muse nicht höher achteten denn eine Dirne
- tob ängstlich ihre Berührung mieden.
Eine Frau war berufen, das deutsche Theater aus seinem k Wand der Verrohung und Sittenlosigkeit emporzuheben: UW „Neuberin", wie sie kurzweg von ihren Zeitgenoffen fc|*tonnt wurde. Mil scharfem Besen fegte sie die welt- ^ brdeutenden Bretter rein von allem Schmutz und Unrath tob machte sie zu einer Pffegestätte ernster Kunst. Mit BSstni Wick" und Schaffen hebt die neue Zeit in der Ge- - Mchte des deutschen Theaters an, da wir von einer wirk- WIchen Bühnenkunst sprechen können. Es ist nur Pflicht k Dankbarkeit, die wir erfüllen, wenn wir jetzt bei der «hundertsten Wiederkehr des Geburtstags jener genialen au uns von Neuem ihr Leben und ihre geschichtliche Bettung vergegenwärtigen.
für die Abend-Ausgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr Nachmittags. - Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur -^llllnljlll? nächsterscheinenben Ausgabe wird keine Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.
eigentliche Wirkungsstätte der Neuberin und damit der Geburtsort des neuen deutschen Theaters werden. Hier löste sich im Jahre 1726 die Haackesche Gesellschaft auf, und aus ihren Trümmern sowie aus denen der Spiegel- bergschen gründete das Neubersche Ehepaar eine neue Gesellschaft, welcher Schauspieler wie Kohlhardt, Fabricius, Schönemann und Koch angehörten. Die meisten Mitglieder entstammten, wie auch Neuber und seine Frau, den gebildeten Ständen (Kohlhardt und Fabricius waren z. B. Predigersöhne) und hatten sich Bildung und Wissen erworben. Nicht mit Unrecht konnte sich Neuber später einmal in einer Eingabe rühmen, daß die Mitglieder seiner Truppe nicht aus den verrufenen Kreisen vagabundirender Komödianten zusammengelaufen wären, daß sie vielmehr „vor Ergreifung ihres Metiers ihre Studien excoliret" hätten. Im August 1727 erhielten die Neubers das bisher Haackesche Privilegium für Sachsen und damit den Titel „Sächsische Hofkomödianten". Die Bühne der neuen Gesellschaft befand sich auf dem Bodenraum des Fleischhauses, hier wurde die neue Kunst geboren und aus den Windeln gehoben.
Drei Erscheinungen waren es vor Allem, die das herrschende Theater kennzeichneten: die „Haupt- und Staatsaktionen", die plumpen Harlekinaden und die sogenannten „Opern", rohe Ausstattungsstücke, die allein zu den Sinnen sprachen. Gegen alle drei Erscheinungen hatte bereits Gottsched den Kampf ausgenommen, der von Leipzig aus mit einem wahrhaft göttlichen Selbstvertrauen eine systematische Reform der deutschen Litteratur betrieb. Für das Theater predigte er die Nachahmung der französischen Klassiker, bereit Kunst sich seinem preußischen Ordnungssinn wegen ihrer strengen Regelmäßigkeit empfahl. Aber bis dahin hatte er umsonst versucht, seine Ideen einer Bühnenreform in die Praxis umzumünzen; kein Theaterdirektor batte es gewagt, mit dem herrschenden Ge-
genialen Verwendung der Stift liegt der Schwerpunkt der Erfindung. Äon wie großer Bedeutung dieselbe ist, wird jedenfalls die allernächste Zeit lehren, und Wissenschaft wie Technik werden sich dieselbe in aUeriveiteftem Sinne zu Nutze machen.
Karoline Nenber ober, wie sie mit ihrem Mädchennamen hieß, Friederike Karoline Weißenborn, wurde am 9. (nach anderen Berichten am 8.) März 1697 zu Reichenbach im sächsischen Vogtlande geboren. Ihr Vater war der Doktor der Rechte und Gerichtsinspektor Daniel Weißenborn, ein strenger und eigenwilliger Mann, der die Tochter nach seinem Bilde formen wollte und sie in sklavischer Abhängig- keit erzog. An ihrer Wiege war es der „Neuberin" gewiß nicht gesungen worden, daß sie dereinst dem verfemten Stande der Schauspieler angehören und im weiteren Verlauf ihrer Entwickelung zur Reformatorin des deutschen Theaters werden sollte. Aber schon früh regte sich in ihr das Genie, in der Zeit der Unreife immer der Drang nachFreiheit und der Trotz gegen das Herkommen, und empörte sich gegen den väterlichen Zwang. In ihrem fünfzehnten Jahre ließ sie sich von einem jungen Mann, Namens Gottfried Zorn, entführen — doch ihr erster Ausflug in die Freiheit nahm ein jämmerliches Ende. Sie wurde ergriffen und nach siebenmonatiger Gefängnißhaft nach Hause zurückgeschafft. Fünf Jahre später (1717) ging sie wieder auf und davon, mit dem Studiosus Johann Neuber, ihrem künftigen Manne, und diesmal glückte die Flucht. Sie kehrte nicht wieder nach Haufe zurück; sie halte nun endgültig ihre Freiheit erobert und damit die Möglichkeit, ihr Leben nach ihrem eigenen Willen, nach dem Gesetz der in ihr schlummernden Persönlichkeit, zu gestalten.
Die flüchtigen Liebesleute wandten sich zunächst nach Weißenfels, wo sie sich bei der dort spielenden Spiegelberg- schen Schauspielertruppe anwerben ließen. Im Anfang des nächsten Jahres (1718) finden wir sie in Braunschweig wieder, wo sie im Februar ihrem freien Liebesbunde die kirchliche Weihe geben ließen. In Braunschweig spielten sie wahrscheinlich bei der Haackeschen Truppe, einer der besseren herumziehenden Gesellschaften, mit der sie dann wohl auch nach Leipzig übersiedelten. Leipzig sollte die
«5. Jahrgang.
Erscheint in zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: 50 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. — Der Bezug kann jederzeit begonnen werden.
Wie feiner Zeit die Entdeckung der Röntgen-Strahleu, fo hat ganz kürzlich erst die neueste Erfindung des Professor Linde, die 2 Luft in ben flüssigen Aggregatznstand überznsühren, in der ganzen eilbeten Welt berechtigtes Aussehen gemacht. Er ist zwar nicht erste, dem bas Experiment ber Flüssigmachung ber Luft gelungen ist, denn schon 1877 hatte ber Professor Pictet ein sehr komplizirtes Verfahren, die Lust flüssig zu machen, gefunden; aber es ist das Verdienst Lindes, eine von der früheren abivfidjenbe, ganz einfache und billige Methode, in großen Mengen die ^atmosphärische Luft zu verflüssigen, ent« v deckt zu haben. Die außerordentliche
Wichtigkeit dieser Thatsache veranlaßt ~ «ns, näher auf die Erfindung einzugehen M7awb nuferen Lesern an der Hand der Mldeiftehenden erläuternden Zeichnung den ESftnaaiig zu erklären.
Bekanntlich läßt sich jeder gasförmige MMrper, wenn er bis auf eine bestimmte Temperatur abgekühlt ist, durch starken Druck verflüfsigen. Diese Temperatur, ■te welcher die Umwandlung des Gases den flüssigen Aggregatzustand möglich MU, und welche die kritische Temperatur genannt wird, ist bei allen Gasen ver- L-Weberi und beträgt beispielsweise bei - Kohlensäure + 31 Grad, bei Äthylen I 4- OGrab, bei Sauerstoff — 118,8 Grad, bei Stickstoff — 146 Grad :c. Bei der tz"Kompression der Gase findet eine sehr starke Erwärmung derselben statt, welche wieder -verschwindet, wenn der Druck anshört. Umgekehrt findet eine starke Ab- ; kiihtung statt, wenn ein in den tropfbar- flüssigen Zustand übergeführtes Gas wieder in ben früheren Aggregatznstand znrückkehrt. Diesen Umstand hat man sich zu Nutze gemacht, um so niedrige Temveraturgrade zu erzeugen als uoth- wendig find, um die vorgenannten Gase ■cb die atmosphärische Lnft, welche be- =- kenntlich ein Gemisch von Stickstoff, Sauerstoff und Kohlensäure ist, zu verflüssigen. Man hatte sich bisher dabei des ® folgenden Verfahrens bedient(siehe Fig.l): gj In einem doppelten Cylinder, dessen innerer mit Kohlensäure K ungefüllt
ist, wird durch starken Druck die Kohlensäure bei gewöhnlicher Stnbentemperatnr flüssig gemacht. Die dabei erzeugte Winne wird an das, den inneren Cylinder umspülende und stetig erneuerte Kflhlwasser abgeleitet, sodaß die flüssige, am Boden bes inneren GhliiiderS sich ansammelnde Kohlensäure dieselbe Temperatur an- ninimt, welche das Kühlwasser besitzt. Nun steht, wie ans der : Zeichnung ersichtlich, der die flüssig gemachte Kohlensäure enthaltende innere Cnlmder mit einem zweiten, ganz gleich (onftruirten Doppel- s- cylinder tu Verbindung, bei dem der innere mit Äthylen A an- gefüllt ist. Läßt man nun durch Oeffnung eines am Verbindnngs- rotjr angebrachten HahuS die flüssige Kohlensäure in den äußeren Cylinder, gewissermaßen den Kühlraum des zweiten DoppelcylinderS, einströmen, so verflüchtigt sich dieselbe und wird » tartei bis auf etwa —50 Grad abgekühlt. Selbstverständlich theflt fid) diese Temperatur auch dem Äthylen mit, sodaß man nun auch 6 tiefes durch starken Druck flüssig machen kann. Die dabei entwickelte
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Sammler
