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Wirsbdiirnrr Ts

Äerlag: Langgasse 27.

4S. Jahrgang-

Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur

1897

Montag, den ! Marx

Uo. 100

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

BezirkS-Fernsprecher No. 52.

Abend-Ausgabe

hin für des Reiches Wohl zu sorgen. Eins ist das Hoheuzollersche Haus und

leben, vor allen Dingen aber das Heiligste, ivaS wir Deutsche kenne», die Stellung der Frau, zu erschüttern trachtet. So hoffe ich, meine Marker um mich zu sehen, wenn stch di« Flamnieiizeichen enthüllen, und in dieseni Sinne rufe ich:Die Mark, die Märker Hurra!)! Hurrah! Hnrrahl"

Erscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Prei 50 Pfennig monatlich für beide Ausgab zusammen. Der Bezug kann jederzeit be\<* gönnen werden.

Preußischer ZarrdZag.

geiliit, 27. Februar.

Iürr öen Woncrt Wärz auf das Wiesbadener Tagblatt"

ZU abonniren, findet fich Gelegenheit im Verlag Langgasse 21, bei den Ausgabestellen, den Zweig-Expeditionen in den Nachbar­orten und fämmtlichen deutschen Reichrxostanstalten.

Die Rede des Kaisers

bei dem Festmahl des Brandenburgischen Provinzial-Landtags, die wir in abgekürzter Form schon veröffentlichten, lautet nach dem offiziösen Bericht in ihrem Zusammenhang folgendermaßen:

In herrlichem, bildreichem Schwung hat soeben der Herr Ober- präsident in Ihrem Namen Ihre Huldigung mir entgegcngebracht, und kann ich nur von ganzem Herzen und tiefgeruhrt dafür danken. Ich komme eben ans der alten märkischen Haide, wo ich nni- rcmscht war von den alten märkischen Kiefern und Eichen, zu ihrem lebendigen' Ebenbild, zu den märkischen Männern, und ich freue mich, wieder ein paar Stunden unter Ihnen zubringen zu können, denn der Verkehr mit den Söhnen der Mark ist für mich stets wie ein neu belebender Trank. Was die märkischen Eichen nnd Kiefern mir vorgerauscht haben, das hat in finniger Weise soeben der Herr Obcrpräfldent erwähnt. Mit hohem Rechte haben Sie speziell meines hochseligen Herrn Großvaters erwähnt, mein lieber Achenbach, llnser heutiges Fest, wie auch die ganze Zeit, stehen sie doch schon unter dem ausgehenden Frühroth des anbrechendeii Morgens, des huuderljährigen Geburtstags dieses hohen Herrn. Da wird der Blick eines Jeden von Ihnen zurückschweifen in die Vergangeiiheit. Denken wir zurück in der Geschichte: was ist das alte Deutsche Reich gewesen! Wie haben so oft einzelne Theile desselben gestrebt nnd gearbeitet, zusammenzukommen zu einem einigen Ganzen, um theits für das große Ganze erfprießlich zu wirk.», theils um den Schuh des gesammten Staates gegen äußere Eingriffe zu erniöglichen. Es ist nicht gegangen: Da» alte Deutsche Reich wurde ver­folgt von außen, von seinen Nachbaren, und von innen, durch 'eine Parteiungen. Der Einzige, dem es gelang, gewissermaßen das Land einmal zusauimenzufaffen, das war der Kaiser Friedrich Barbarossa. Ihm dankt das deutsche Volk noch heute dafür. Seit der Zeit verfiel uufer Vaterland und es schien, als ob niemals der Mann kommen sollte, der iui Stande wäre, da selbe wieder zusamnienzusügeii. Die Vorsehung schuf fich dieses Instrument nud suchte sich aus ben Herrn, den wir als den ersten großen Kaiser des neuen Deutschen Reichs begrüßen konnten. Wir können ihn verfolgen, wie er langsam hcranreiste von der schweren Zeit der Prüsimg bis zu dem Zeitpunkte, wo er als fertiger Mann, dem Greisenalter nahe, zur Arbeit berufen wurde, sich Jahre lang auf feint» Beruf vorbereitend, die großen Gedanken bereits in seinem Haupte fertig, die es ihm ermöglichen sollten, das Reich wieder erstehen zu lassen. Wir sehen, wie er zuerst sein Heer stellt aus den dinghaften Bauernsöhnen seiner Provinzen, sie zusammenreiht zu einer krästigei!, waffenglänzenden Schaar; wir sehen, wie es ihm gelingt, mit dem Heer allmählich eine Vormacht in Deutschland zu werden und Brandeilburg-Preußen an die führende Stelle zu setze». Und als dies erreicht war, kam der Moment, wo :r das gejammte Vaterland aufrief nnd auf dem Schlachtfeld der Gegner Einigung herbeisührte. Meine Herren, wenn der hohe Herr im Mittelalter gelebt hätte, er wäre heilig gesprochen, und Pilgerzüge aus allen Ländern wären

Abgeordneteuhans.

Das Abgeordnetenhaus setzte heute die zweite Berathung des Etat» der landwirthschastlicheu Verwaltung Titel: Gehalt des Ministers fort. Abg. Knebel (nat.-lib.) schildert die bedrängte Lage des Kleinbauernthumk im Westen und bezeichnet als bestes Mittel, ihm zu helfen, das GenoffenschaftStvesen, die Fort- bildnngs- und Winterschulen und Wanderlehrer. Leider seien dem rheinpreußischen Centralverein erhöhte Zuschüsse für die Wander­lehrer verweigert worden; solle dies ein indirekter Zwang zur Errichtung einer LandwirthschaftSkammer sein? Abg. Rickert (freis. Wer.) freut sich, daß gestern der Antrag Kanitz nicht mehr erwähnt worden sei, ein Zeichen, daß er auch auf agrarischer Seite als Gewaltmaßregel nnd Annäherung an die Sozialdemokratie er­kannt werde. Eine Reform des Unterstütznngswohnsitzes sei iioth- wendig. Gemischte Transitläger seien namentlich in Seestädten nicht zu entbehren. Redner verurtheilt die Agitation des Bundes der Land- wirthe; die Hetze gegen die Börse habe der La ndwirthschaft nur geschadet. Die Aufwendung größerer Mittel für Kleinbahnen und die Er­richtung einer Reichsaustalt für Bakteriologie seien im Jntereffe

hingezogen, um an seinen Gebeinen Gebete zu ver­richten. Gott sei Dank, das ist auch heute noch so! Seines Grabes Thur steht offen, alltäglich wandern die treuen Unterthanen dahin und führe» ihre Kinder dahin, Freunde gehen hin, nm sich des Anblickes dieses herrlichen Greises nnd seiner Standbilder zn erfreuen. Wir aber, meine Herren, werden besonders stolz sein auf diesen gewaltigen Man», diesen großen Herrn, da er ein Sohu der Mark war. Daß Gott sich einen Märker ausgesucht hat, das muß etwas Besonderes bedeuten, und ich hoffe, daß es der Mark Vorbehalte» sein wird, auch ferner­hin für des Reiches Wohl zu sorgen. Zusammengefuhrt wie Eins ist das Hoheuzollersche Hans und die Mark, und aus der Mark stammen und in der Mark wurzeln die Fäden unserer Kraft und unseres Wirkens. So lauge der märkische Bauer noch zu uns steht und wir dessen gewiß sein können, daß die Mark unserer Arbeit entgegenkommt und uns hülst, wird kein Hohenzoller an seiner Aufgabe verzweifeln. Schwer genug ist sie und schwer wird sie ihm gemacht: Ich meine eine Aufgabe für uns Alle, mögen wir sein, wer und wo wir wollen. Zu dieser Aufgabe ruft uns das Andenken au Kaiser Wilhelm den Großen, nud in dieser wollen wir uns um ihn, um sein Andenken schaaren, wie die Spanier nm den alten Cid. Diese Aufgabe, die uns Allen aufgebürdet wird, die wir ihm gegenüber verpflichtet sind zu übernehmen, ist der Kampf gegen den Umsturz mit allen Mitteln, die uuS zn Gebote stehen. Diejenige Partei, die «S wagt, die staatlichen Grundlageu anzugreifen, die gegen die Rcligioii sich erhebt und selbst nicht vor der Person des Allerhöchste» Herr» Halt macht, muß überwunden werde». Ich werde mich freuen, jedes Mannes Hand in der meinen zu wissen, fei er Arbeiter, Fürst ober Herr wenn mir mir geholfen wird in diesem Gefechte! Und das Gefecht können wir nur siegreich durchführen, wenn wir uns inimerdar des MauneS erinnern, dcm wir unser Vaterland, das Deutsche Reich, verdauken, in dessen Nähe durch GoileS Fügung so mancher brave, tüchtige Nathgeber war, der die Ehre hatte, seine Gedanken ausführen zu dürfen, die aber Alle Werkzeuge seines erhabenen Wollens waren, erfüllt von dem Geiste dieses er­habenen Kaisers. Dann werden wir richtig wirken und im Kampfe nicht Nachlasse», um unser Land von dieser Krankheit zu befreien, die nicht nur unser Volk durchseucht, sondern auch das Familien-

Pcipyros Ebers, ein hieratisches Handbuch der egyptischeu Medizin" (1874), und zahlreiche andere kürzere Arbeite», von denen vor Allem die gemeinverständlich gehaltenelieber das hieroglyphische Schrift­system" (1875) hervorgehoben sei.

Auf der Grenze zwischen wiffenschastlicher und belletristischer Darstellnngsweise liegen:Durch Gosen zum Sinai. Aus dem Wanderbuche und der Bibliothek" (1872); ferner das mit H. Guthe heransgegebene PrachtwerkPalästina in Bild und Wort" (2 Bde. 188183), endlich derCicerone durch das alte und neue Egypten" (2 Bde. 1886).

1876 ward Georg Ebers von einer schweren Lähmung heim- gesucht. So an strenger wissenschaftlicher Arbeit gehindert, luanbte er sich wieder der Muke zu. Es erschien 1877 der RomanUarda". der in die graueste Zeit hinanfführt nnd ein Bild des altegyptischen Lebens zur Zeit des Königs Ramses entrollt. Das Werk fand große» Beifall. Di« damalige und nachfolgend« Zeil war dem historischen Roman« besonders günstig. Einmal hatte der Krieg von 1870 das Interesse an der nationalen Vergangenheit sehr geweckt, dann aber und das war der Hauptgrund war im Gefolge der Gründerjahre eine Litteraiur entstanden, die in Berlin ihren Sitz hatte, aber von Paris geistig beherrscht wurde, die der Genußsucht der sittlichen und religiösen Haltlosigkeit dieser traurigen Zeit völlig entsprach. Von dieser Sitterotur wandte» sich viele Elemente des Volkes ab nnd folgten gern jenen Verfassern, die sie in die Vergangeiiheit führten.

Von Georg Ebers sind seither sehr zahlreiche Werke erschienen, die jetzt zu einer beifällig aufgenommenen .Gesammtausgabe" ver­einigt find.

In Egypten spielenHomo sum (1878), das tieffiangelegte Werk des Verfassers, eine Darstellung des AiiachoretenlebenS im 4. Jahrhundert;Die Schwestern" (1880), spielt in Memphis, int Tempel des Serapis;Der Kaffer" (1871 2 Bände), eine farben­prächtige Darstellung des wechselvollen Lebens Alexandrias zur Zeit Hadrians; fernerSerapis" (1885), der das letzte Ringen der Welt zum Christenthum zur Darstellung bringt;Die Nilbraut" (1887);Josua" (1889);per aepera (1892); die formvollendete DichtungElisün, ein Wüstentraum," (1888) unoKleopatra" (1894).

In andere» Romanen fuhrt uns Ebers in die Vergangenheit Deutschlands ober Hollands, dar ihm durch feine Mutter vertraut geworden. Ich erwähneDie Frau Bürgermeistern. (1882); Dl« Gred" (1891);Im SSmiedefeuer" (189o);jm blauen Hecht (1896) und das neueste WerkBarbara Blomberg .

Mehr philosophischen Grundgehalt hatEm Wort. d» Suche eines Jünglings nach deut einzig und ewig wahren, das volle tiuuet des Daseins verbürgenden Wort; es ist die Lu«. ,

Alle diese Werke find sarbenprachtlge, lebensvolle und getreu.

zu raube». Da zog sich der Student durch eine heftige Erkältung eine langwierige Krankheit zu, die von 1859 an jahrelang auf ihm lastete. In dieser Leidenszcit, die der Dichter selbst als seine schwerste in der Schule des Lebens bezeichnete, und die nur die Zärtlichkeit der Mutter und die stille Liebe zn einer engel- schönen Verwandte» erhellte, begann Ebers mit unermüdlichem Eifer das Studium der Egypiologie. R. Lepsins hot mit seltener Opferwilligkeit feine Studie» geleitet, ihm bat der Dichter feinen Dank durch ein warmherziges Lebensbild (1875) abgetragen. So­viel ihn auch die Krankheit behinderte, machte der strebsame Mann doch gewaltige Fortschritte. Er gedachte eine Geschichte Egyptens zur Zeit des Heimfalls an die Perser z» schreiben. Hier fand er die Erzählung des Herodot von der falschen Königstochter, die der Pharao AmasiS dem Kambyses als Gemahlin gesandt hatte, und die zur unschuldigen Ursache des Krieges geworden sein sollte, in­folge deffen das Pharaoneureich feine Selbständigkeit verlor. Die Erzählung hielt vor der Kritik nicht stand, aber als Stoff für einen Roman ließ sie dein jungen Gelehrten keine Ruhe. So schenkte er, dem es noch Verboten war, das Haus zu verlassen, die Feierabende der Ausarbeitung dieses Stoffes. Vor fich selbst suchte er sich da­durch zu eutschnldige»,daß er diese Erzählung zunächst mit schreibe, um sich den gesammelten Wissensstofflebendig" zu machen und sich die Personen und Zustände aus der Zeit, deren Geschichte er zn schreiben wünschte, so nahe zu bringe«, als verkehre er mit ihnen und weile in ihrer Mitte".

Nun, das gelehrte Werk erschien nicht, wohl aber 1864 der drei­bändige Roman:Eine egyptische Königstochter", der seinem Verfasser großen Ruhm eintrug.

Endlich »erstattete ihm sein Zustand wieder freie Bewegung; er besuchte auf einer mehrmonatlichen Reise die größten Museen Europas und habilitirte sich 1865 in Jena, wo er feit 1868 als außerordent­licher Professor über altegyplische Grammatik, Geschichte und Denk- mälerlunde las. 1869 unternahm er wieder eine Reise, die über ein Jahr dauerte und ihn über Spanien und Nordascika nach Egypten, Nubien und Arabien führte.

Zurückgekehrt, wurde er ordentlicher Professor der Ggiyptoloflte in Leipzig. Ein zweiter Aufenthalt in Egypten (187273) brachte für ihn große wissenschaftliche Ergebnisse. Das bedeutendste darunter war die Auffindung eines, dcm 16. Jahrhundert vor Christo an­gehörigen medizinischen Werkes, das seitdem als PaPyroS Ebers eine Zierde der Leipziger Bibliothek bildet. 1889 trat Ebers krankheits­halber von feinem Lehramte zurück und lebt jetzt im Sommer in Tutzing, im Winter in München.

Ans Ebers' reicher wissenschaftlicher Thötigkeii erwähnen wir Egypten und die Bücher Äosis", ein Kommentar zu Genesis und Exodus (1868), ferner das Hauptwerk über den oben erwähnten

(Nachdruck verboten.)

Georg Ebers.

Zu seinem 60. Geburtstag.

Von Karl Storck.

Es ist heute Mode geworden, den geschichtliche», vor Allem den sogeuaiinten archäologischen Roman in 8itteratnnreifeu kurzer Hand abzuthuii. Es wird Nieniand bestreiten, daß auf diesem Gebiet viel gesündigt worden ist, daß gar Vielen die Hauptsache war, ihr Wisse» anzubringen, und sie darüber die künstlerische Verwendung desselben vergaßen. Aber es ist doch nicht zu leugnen, daß eine Reih« dieser Werke auf lange Zeit hinaus die LiebliugSlektüre eines großen Theils unseres Volks gebildet haben und auch noch bilden. Wenigstens wird man die große Auflagenzahl, welche auch die neuesten Werke von Georg Ebers ausweisen, nicht lediglich dem Ruhm ihres Verfaffers zuschreibeii wollen.

Der geschichtliche Roman hat eben auch seine Berechtigung. Einmal wird ein nationalgesinntes Volk immer eine Sehnsucht danach haben, feine Vergangenheit zu schauen, und «S ist be- zeichnend, daß noch heute das patriotischer gesinnte Landvolk eine große Vorliebe für historische Dramen hat, während diese in der Großstadt zurücktreten müssen. Dieser geschichtliche Siu» wird aber nicht nur den Schicksalen der Heimalh Interesse entgegen« bringen, sondern dieses auf die gefammte Vergangenheit ausdehnen. Andererseits ist nicht zu leugnen, daß fast jeden, der sich lang« mit einer fernen Epoche beschäftigt hat, die Sehnsucht erfaffen wird, diese recht lebendig zu gestalten, mit der eigenen Phantasie das zu ergänzen, wiederzuschaffen, was die Forschung nie geben kann frisch pulsirendes Leben.

Aus diesem Streben heran? ist auch das erste Werk des be­liebtesten Verfassers geschichtlicher Romane entstanden,Eine egyptische Königstochter" von Georg Ebers.

Heut« feiert der Genaiiute feinen sechzigste» Geburtstag; und bei dieser Gelegenheit wollen wir einen kurzen Ueberblick über sein bisheriges Schaffen geben.

Seinen Lebensgangvom Kind bis zum Manne" hat uns der Dichter selbst in derGeschichte meines Lebens" (1893) mit wohl- thuender Wärme erzählt. Am 1. März 1837 ist er in Berlin ge­boren. Der Sohn eines reichen Hauses verlebte er eine Jugend von ungetrübter Schönheit. Den», daß er den Vater nie gekannt, ließ ihn die Güte der schönen Mutter, einer Holländerin, leicht ver» schmerzen. Er war ein wilder Knabe und machte auf dem Gym­nasium seinem Namender tolle Eders" alle Ehre. Auch die Universitätszeit, die 1856 in Göttingen mit dem Studium der Liechte begann, war nicht dazu geeignet, dem alte» Beinamen die Berechtigung

Sluzeigkn-P reiSt

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der Landwirthschast nur zn billigen. Abg. Graf v.Kanitz (kons.) betont, daß fein Antrag keinesfalls von seinen Freunden auf» gegeben fei, und führt aus, daß derselbe gerade eine aulisozialistische Tendenz habe. Der Antrag werde bei den nächsten Reichstags­wahlen wieder seine Rolle spielen. Die Börsenreform sei binnen l1/» Jahren vorbereitet worden und nach Anhörung der direkten Jllteressenle» zu Stande gekommen; das Verbot des Terminhandels, der in Süddentschland überhaupt unbekannt fei, werde sicherlich bleiben, und die freie Vereinigung, die im Feenpalast Getreide­geschäfte treibe, werde bald einsehen, daß sie sich in einen aussichts­losen Streik eingelassen habe. Der ehrenwerthe deutsche KaiismannS- stand stehe auf Seiten der Landwirlhe. Auf Anregung des Abg. Pleß (Ccntr.) erwidert der Landwirthschastsminister Freiherr v. H a in in e r ft e i n, daß bei der Schaffung eines einheitlichen Wasser­rechts, das unbedingt nothweudig sei, die Frage der Verunreinigung von Wasserläufen auszuscheiden und der provinziellen Regelung zu über­lassen sein werde, damit auch aus die besoiiderenVerhältnissederJndnstrii Rücksicht genommen werden könne. Dem Abg. Krawinkel (nat.-lib.) entgegnet Ministerialdirektor Thiel, daß den Winter- schnlen nach wie vor Wohlivollen zugewendet werde, die Mittel dafür aber beschränkt seien. Abg. Herold (Centr.) führt aus, daß das Centruin durch die Ablehnung des Antrags Kanitz fich ein Verdienst erworben habe, und daß man auf praktische Mittel Bedacht nehme» muffe, um der Landwirthschast zu Helsen, wie Erhaltung nnd Förderung des Anerbenrechtes', Margarinegesetz, angeniessene Einschätzungen bei der Ergänzttugr- fteuer und richtige Zollpolitik. Abg. v. Plötz (kons.) weist die Angriffe des Abg. Rickert gegen den Bund der Landwirthe zurück, der zwischen dem Groß- und Kleinbesitz Frieden zu bringen versuche, während der Baucrnverein Nordost den letzteren auf­hetze. Der Redner stimmt hinsichtlich der Kleinbahiten dem Abg. Rickert bei; der Staat solle die Kleinbahnen ganz auf seinen Etat nehmen, damit der Nutzen der Eisenbahnen nun auch dem platten Land« zu gute komme. Der Antrag Kanitz werde s. Z. wieder ausgenommen werden. Abg. G othein (sreis, Ver.) nimmt den Kaufmannsstand, der an der Produktenbörse arbeitet, und bett Terminbandei in Schutz; Mißstände hätten sich nicht bei denPreis- notirungeu, sonder» bei ben Bestimmungen über das lieferbare Getreide ergeben. Di« Großkauflente und die Handelskannttern empfinden das Börsengesetz als schwere Kränkung der kaufmännischen Ehre. Eine Erhöhung des Petroleuinzolls dürfe man nicht zu­geben, um den Beleuchtungsstoff für die ärmere Bevölkerung nicht zu veriheuern, zumal die Spiritusglühlampe noch nicht vollkotumen genug sei. Eine gesunde Sozialpolitik hebe ben Konsum, anstatt ihn durch Vertheuerniig zu venuinder». Abg.Frhr.v. Ey na tten (Centr.) legt am Beispiele des Wurmbaches dar, daß die ungerecht- fertigte Begünstigung der Industrie die Verunreinigung der Wasserlaufe verursache. Abg. v. Kardor f s (freikons.) bekämpft die Ausführungen des Abg. Gothein über de» Terminhandel, dessen Verbot »othweiidig gewesen sei und ersprießlich wirken werde. Zur Veröffentlichung der effektiven Preise geschehe lange nicht genug. Das Hauptmittel zur Erzielung lohnender Getretdepreise sei die internationale Regelung der Währmigssrage. Abg. Ring (kons.) rügt es, daß die brandenburgisch« LandwirthschaftS- kammer auf ihre Frage, wie sich die Berliner Frühbörse zur Hanptbörse verhalte, noch keine Antwort erhalten habe, und führt aus, daß Graf Arnim, Herr v. Mendel und Graf Schwerin ihre Behauptungen über ben Börsenhandel vollkommen erwiesen hätten. Der Redner führt ans der Börsenengnete Beispiele auf, um das unreelle Treiben im Terminhandel zu charakterisiren. Redner fragt schließlich, wie es mit der Tuberkitlinimpfuna stehe. Geh. Regierungsrath Conrad erwidert, daß die brandenburgische LandwirthschaftSkammer demnächst auf ihre Anfrage Auskunft er­halten werde, Regiernngsrath Küster, daß dieTuberknlin-Jnipfungen, zu denen erst die Instrumente beschafft werden mußten, am 1. März in ben Quarantäneanstalten beginnen würde». Abg. Horn (nat.-lib.) fordert eine wirksame Handhabung der Veteriiiärpolizef. Abg. v. Brockhausen (kons.) führt aus, daß die freisinnige

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