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Wiksbckkner öagmatt

«5. Jahrgang-

Verlag : Langgasse 27.

14,000 Abonnenten

N-. 71

Freitag, -en 12. Feüruar.

1897.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Bezirks-Fernsprecher No. 52.

Morgen-Ausgabe

Anzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für locale Anzeige« 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. Rectamen die Petitzeile für Wiesbaden 50 Pfg., für Auswärts 75 Pfg.

Ans Stadt nnd Land.

Wiesbaden, 12. Februar.

Nom Metier. Der leidige Regen! Angenehm nur den Gummiwaarenhändleru, die mit feiner Hülfe ihre wasserdichte Waare an Mann und Frau zn bringen Hagen, alle» übrigen Erdenbürgern aber zum Entsetzen. Ein Trost nur bleibt uns, und zwar der, daß der »Verth Der wärmespendenden Sonne erst recht zur Geltung konimt, wenn Herr Pluvius hin nnd wieder einmal eine Zeit lang mit einem grauen Schleier ihr strahlendes Antlitz verhüllt. Daß es, wenn es um diese Zeit regnet, nicht kalt, sondern mild ist, ist selbslverständlich. Und nach Falb soll der ganze Monat mild und mit einer recht beträchtlichen Regenmenge gesegnet sein. Was von einem solchen Februar Gutes zu erwarten ist, darüber lassen sich die Bauernregeln in ihrer eigenartigen, manchmal etwas orakelhaften

Weise u. 81. wie folgt ans:Kothjahr, gut Jahr!" (Wir wollen'« hoffen!)Regnet'« viel im Februar, dann regnet's auch viel im Jahr."Im Februar etwas Regen das ist des Hinnnels Segen." Was die Bauernregeln von einem gelinden Februar halten, niag man hieraus ersehen:Im Februar muff die Lerch' ans die Heid, mag's ihr sein lieb oder leid." Wenn die Hasen lustig springen, hoch in die Luft die Lerchen sich schlvingen, wird'- uns Frost und Kälte briugenl" Der Katze, die int Februar in der Sonne liegt, soll man mit der Ofengabel den Pelz kitzeln." Nun, dem Anscheine nach wird sich die Katze im heurigen Hornung nicht das Vergnügen eines Mittagsschläfchens im warmen Sonnenscheine leisten können, und dies ist, wenn die letztgenannte Regel ernst zu nehmen ist, immer­hin ein Trost bei diesem trostlosen Wetter.

Sie außerordentlich hoch bezahlte» Mofchuobentel (das Kilogranim Moschus kostet noch immer mehrere Tausend Mark) werden vielfach durch Hineinschiebe» kleiner Bl eistücke beschwert, eine Fälschung, die wegen der dickbreiigen Beschaffenheit des Inhalts nnd der faltigen Innenfläche des Bentels nicht leicht zu entdecken ist. Wie diePharm. Centr.-K." mittheilt, kann man zur Er­kennung der Reinheit der kostbaren Substanz sehr gut die Röntgen- Strahlen verwenden; man erkennt bei einer Durchleuchtnug ans dem Flnorescenzschirm ganz deutlich die etwa eingesügten Bleistückchen, welche sich von den für die Strahlen leicht durchgängigen organischen Materieen scharf abheben.

Nereino-Nachrichten.

Kurze sachliche Berichte werde» bereitmimgst unter dieser Überschrift ausgenommen

* DerVerein f ürvolksver stündlich eGesundheitS- pflege" hielt am 9. Februar seine Hauptversammlnug imHotel Schützeuhos" ab. Aus dem Jahresbericht entnehmen wir Folgendes: Die Bestrebungen des Vereins sind nach wie vor dieselben. Der Verein beabsichtigt, durch periodische Vorträge und durch das Vereinsorgan ohne alle Einseitigkeit die Grund­sätze einer vernünftigen Gesundheitspflege zu verbreiten. Leider scheint hier das Interesse für diese hochwichtige Frage nicht so rege zu sein wie z. B. in unserer Rachbarstadt Frankfurt, welche einen blühenden Naturheilvereiu von vielen Hunderten von Mitgliedern hat. Der hiesige Verein zählt gegenwärtig 97 Mitglieder. Der Jahres­beitrag für jedes Mitglied beträgt 2 Mk., dafür wird die Vereins­schrift:Der Naturarzt" frei zugestellt. Die Rechuuug wurde geprüft und für richtig befunden, der Kassirer entlastet. Darauf folgte die Wahl des Vorstandes. Zum Schluß wurde die Mst- theilung gemacht, daß noch einige Vorträge über interessante Fragen aus dem Gebiete der Gesundl;eitspflege und des Naturheilverfahrens in Ans sicht genommen feien.

* Die GesellschaftGemüthlichkeit" macht am kommeudeu Sonntag einen Ausflug nach Biebrich in de» SaalZur Stadt Wiesbaden".

* Nächsten Sonntag, den 14. Februar, Abends 8 Uhr, feiert der Wildfang" fein Winterfest in derMänner-Turnhalle", Platter- straße 16. Die Veranstaltung ist gut vorbereitet und es stehen außer Musik-, Gesang- und humoristischen Vorträgen verschiedene Ueberraschnngeu für die Besucher in Aussicht. Da der Eintrittspreis, wie auch im Vorjahre, sehr niedrig bemessen ist, steht jedenfalls ein guter Besuch zu erwarten. Es ist zu empfehlen, sich bei Zeit ein gutes Plätzchen zu sichern.

Stimme» an» dem Nnblilrnm.

(Für Beröfsentlichuiigei» unter dieser Ueberschrist übernimmt die Redattion keinerlei Serantroottuna.)

* Vivat sequens! Wir haben hier eine Gueiseuau-, Dort-, Blücher-, Roon- und Scharnborststrabe, auch einen Bismarck-Ring; was uns aber noch fehlt und was sicher ein allgemeiner Wunsch der ganzen Bevölkerung ist, das ist der Moltke-Ring. 8.

* Die Bestrebungen des hiesigenGartenbau-Vereins" in Bezug auf die Kuranlagen erfahren Seitens des Publikums eine sehr verschiedene Beurlheilung, und die Beweggründe werden vielfach wenig verstanden, sodaß einige Worte zur Aufklärung nur von Vortheil sein können. Viele begreifen nickt, wie der Verein ans so idealem Standpunkt stehen kann und sich in so uneigennütziger Weise für das Allgemeinwohl abmühen mag. Andere wieder nennen das ganze Vorgehen nnpraktisch und einseitig nnd rathen an, der Verein möge vor Allem betonen, daß die hiesigen Gärtner in der Lage feien, das schöne Geld selbst zu verdienen, welches jetzt nach Bockenbeim wandert, und wenn Einer die Unterhaltung der Anlagen nicht bewältigen könne, so sollten sich mehrere hiesige Gärtner darin theileu. Dieser Vorschlag ist sicher gut gemeint, nach Auffassung sämmtlicher Fachleute aber, offen gestanden, zu ideal, um bei diesem Wort zu bleiben. Der Gartenbau-Verein" wünscht und erstrebt, was derselbe auch immer deutlich ausgesprochen hat, eine umfassende und auch dauernde

Griechenlands als in denen der Türkei wissen. Und auch von Rußland würde kaum ein Widerstand gegen die vollzogene Thatsache zu erwarten sein. Freilich ist Griechenland ein bankerotter Staat, aber schlechter als in der Türkei kann es den Kretern dort sicherlich nicht gehen. Aach wäre es nicht nnmöglich, daß Kreta, wenn es in eine geordnete und vernünftige Verwaltung käme, den Griechen mit dazu verhelfen könnte, sie aus ihrer Finanzmisore heransznarbeiten. Es stände ja den Mächten frei, die Angliederung Kretas an Griechenland nur unter der Bedingung zu gestatten, daß die Insel unter europäischer Finanzkontrolle verbleibt. Jedenfalls erscheint eine derartige Lösung der ortentalischen Frage, mag sie auch manches Unsympathische an sich haben, noch immer besser als gar keine Lösung, oder eine, durch die das europäische Gleichgewicht bedroht werden könnte. Alles wird jetzt darauf ankommen, ob das Hellenenvolk noch über die nöthige Thatkrast und den elastische» Schwung Verfügt, welche die Vorbedingungen politischer Thaten bilden. Jedenfalls wird man sich in den nächsten Tagen auf einige Ueberraschnngeu vom orientalischen Kriegsschauplatz gefaßt machen können.

* * *

Athen, 11. Februar. Die Nachricht, daß der Kommandaut derHydra" au den Gouverneur von Nethymo ein Ultimatum gerichtet habe, in dem er denselben auffordert, die Einschiffung der Christen nicht zu verhindern, ist unbestätigt. In der Deputieren- k a m m e r richtete Jschomachos au den Ministerpräsidenten Delyanuis die Anfrage, ob es wahr sei, daß eine Flottille von Torpedobooten unter dem Kommando des Prinzen Georg abgegangen sei und mit welchen Befehlen dies geschehen sei. Delyanniserwiderte, er könne nicht mittheilen, mit welchen Ordres die Flotte versehen sei. Ralli richtete die Anfrage an die Regierung, ob die Nachricht wahr sei, daß die Botschafter der Mächte in Konstantinopel die Türkei verhinderten, Trnppeil nach Kreta zu senden. Der Ministerpräsident erklärte hierauf, er besitze keinerlei amtliche Nachricht hierüber; aber Griechenland, und in jedem Falle die Regierung hätten ihre Entscheidung bereits getroffen. Die Erklärungen des Ministerpräsidenten wurden mit lebhafter Erregung ausgenommen. Die griechische Regierung hat an die Mächte eine Note gerichtet mit der Erklärung, Griechenland könne den Ereignissen in Kreta nicht als einfacher Zuschauer gegennberstehen wegen seiner Pflichten gegen die Christen und seiner Gefühle für eine bluts- und glanbens- verwandte Bevölkernng. Prinz Georg wohnte vor seiner Abreise einem feierlichen Gottesdienste bei. Die griechische Flottille hat die Sinter gelichtet und wird begleitet von der DachtSphakteria", welche mit Lebensmitteln beladen ist. Die Führer verschiedener christlicher Dörfer aufKreta sind znsammengetreteii. Die östlichen Provinzen von Kreta werden von 1500 Christen abgesperrt. In der Umgebung von Herakleian lagern zahlreiche Gruppen von Christen und Muselmanen, die einander beobachten, bereit, handgemein zu werden, sobald Neligionsgenossen angegriffen werden. Die Nachricht von der Entsendung von Truppen von Smyrna ans ruft große Er­regung hervor.

London, 11. Februar. DieTimes" melden ans Kanea von gestern: Die Lage inHerakleion hat sich plötzlich zum Schlimmeren gewendet. Die Muhammedaner begannen die Christenhäufer anf- zubrechen und zu plündern. Auch verhindern sie die Abreise von Flüchtlingen auf dem Seewege. Dasselbe Blatt meldet ans Athen: Der Generalgouverneur von Kreta, Berowitsch Pascha, befindet sich gegenwärtig im britischen Konsulate zu Halcppa, wo er von bewaffneten Christen geschützt wird.

Marts, 11. Februar. Die Mehrzahl der Blätter erklären angesichts des gefährlichen Spiels, welches Griechenland treibt, eine sofortige Lösung der Orientkrise für unabweislich. DerMotin" sagt: Falls zwischen den europäischen Möchten wirklich eine Ueber- einftimniniig herrsche, müsse diese unverzüglich durch eine Aktion zum Ausdruck kommen, denn in drei Tagen wäre es vielleicht zu spät, um den Ausbruch von Feindseligkeiten zu verhüten.

Die orientalische Frage.

Die orientalische Frage wird wieder hervorragend aktuell. Die Lage in Kreta gleicht der zu Mitte vorigen Jahres wie ein Ei dem - anderen. Die Mnhammedaner schlagen die Christen tobt, und die Staminesgeiiossen der Erschlagenen revanchiren sich nach Kräften, aber nicht mit gleichem Erfolg. Die Kriegsschiffe der europäischen Großmächte sind wieder in Bewegung gesetzt und die diplomatischen ißertreter der Mächte erklären im Dildiz-Kiosk, genau so, wie sie es schon vor einem halben Jahre gelhau, daß es so wie bisher nicht weiter gehen könne. Aber die Lage im Orient ist diesmal noch t weit gefährlicher, als sie es vor einem halben Jahre gewesen ist, Meiüuial, weil es sich eben um eine in kurzer Zeit erfolgte Wieder­holung der orientalischen Schwierigkeiten handelt, zweitens, weil sich E diesmal die orientalische Frage von vornherein in ihrer ganzen t Größe aufiurollen beginnt, und endlich, weil die kräftige Einmischnng L Griechenlands eine neue Wendung in die türkischen Wirren bringt. BE Es handelt sich aber in der Thal noch um weit mehr als um dasbischen Kreta". Muß sich doch die europäische Diplomatie sagen, daß, wenn die Türkei sich nicht einmal willjährig ober im Stande zeigt, die den Kretenser» feierlich zugesagleu Reformen burch- zuführen, daß es dann noch weit windiger mit der Reform bet Türkei überhaupt aussieht. Daß aber ohne eine Reform ber ver­rotteten türkischen Wirthschaft das Osinanenreich seinen bisherigen r Bestand nicht auf die Dauer behaupten kann, ist ein Axiom, das garnicht angefochten werden kamt.

Unter den jetzigen Umständen muß es fast komisch berühren, ' wenn Seitens bet europäischen Mächte von einer Aufrechterhaltung : des status quo in ber Türkei gesprochen wirb, wo zur Zeit nichts in festem Zustand sich besiubet und Alles einer unauflöslichen Ver­wirrung und einer unaufhaltbaren Auflösung entgegengebt. Die europäischen Mächte haben sich, von Rußlanb abgesehen, stets Mühe zegeden, einen völligen Znsammelibtnch bes OsmaiieureicheS j» verhindern, und noch der Berliner Kongreß hat alles Mögliche zcthan, uni die dem Zusanimenbrechen nahe Türkei wieder ans die Füße zn stellen. Heute haben so ziemlich alle am Berliner Kongreß beteiligten Mächte eingesehen, daß sie der Türkei eine Selbständig­keit gaben, der sie nicht gewachsen ist, und daß es in Wahrheit noth thäle, diesen Fehler wieder gut zu machen, wenn dies nur nicht mit | so außerordentlichen Schwierigkeiten und Gefahren verknüpft wäre. M Die Ueberzeüguug dürfte sich jedenfalls bei den Mächten mit ber Zeit befestigt haben, daß es nicht länger angeht, das unehrliche Spiel, mit dem die Pforte die Mächte zuui Narren hält, weiter mit anzusehen. Es gilt zunächst, der Türkei in der Kretafrage einent­weder oder!" znzurufen. Macht die Pforte nicht endlich mit den immer wieder versprochenen Resormen Ernst, so wird zum Schluß nichts weiter übrig bleiben, als Kreta von ber Türkei loszulösen. Freilich schon bieser erste Theil ber orientalischen Frage zeigt, mit wie unendlichen Schwierigkeiten diese verknüpft ist. Würde man sich entschließen, der Insel die Autonomie zu gewähren, so würben damit kanni die blutigen Fehden zwischen Christen und Muhammebauern beseitigt werden, aber das selbständige Kreta würbe sicherlich ber Keim zu neuen europäischen Verwickelungen werben. Nun macht sich aber jetzt in Griechenland eine kaiim noch zu dämpfende | Bewegung zu Gunsten der Annektirung Kretas geltend. Die griechische Regierung hat auf die eigene Initiative des König« hin, ber, gedrängt von der allgemeinen Volksstimmnng, den Widerstand des zögernden Ministerpräsidenten Delyannis besiegte, beschlossen, alle verfügbaren Kriegsschiffe nach Kreta zu senden, nnd sie hat zu­gleich die Indienststellung säst sämmtlicher Kriegsschiffe augeorbnet. |:;ltaf Kreta selbst wirb bereits von den Ausschüssen der Aufstänbischeii die Vereinigung Kretas mit Griechenland gefordert, und schon be- gimien die Atisständischen die griechischen Fahnen zn entrollen, um .unter diesem Zeichen zu siegen". Vor wenigen Tagen wäre der k webanfe der Besitzergreifung Kretas durch Griechenland vielleicht noch mit Achselzucken behandelt worden, aber unterdeß haben Mdfi Dinge in der Türkei sich überraschend und unverkennbar tetttubet. In der Politik ist das Unwahrscheinlichste schon manchmal zur 2chat geworden, und dem Mnthigen gehört die Welt. Wenn die nach Kreta abgebampfte griechische Flotte die Entschloffen- - beit besäße, auf der Insel zu landen und sie kurzer Hand für griechisches Befitzthum zu erklären, wer weiß, was dann inid ob etwas geschähe. Die Mächte haben sich einem fait accompli gegen* * l «bet schon manchmal der Methode befleißigt, das Unvermeidliche 8 mit Würde zu tragen. Dazu kommt, daß die meisten ber beteiligten ^ Rächte diesen Ausweg, wenn er sich ihnen nur von selbst bietet, Aelleicht garnicht ungern sehen würden. England und Oesterreich würden Kreta voraussichtlich immer noch lieber in den Händen

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trrscheint in zwei Ausgaben. Bezugs-Preis: 60 Pfennig monatlich für beide Ausgaben zusammen. Der Bezug kann jederzeit be­gonnen werden.

C Anreiaen Aunallme.r die Abend-Atrsgabe bis 11 Uhr Vormittags, für die Morgen-Ausgab« bis 3 Uhr Nachmittags. Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur yuiiHgn» nachsterscheinenden Ausgabe Wirb kein« Gewähr übernommen, jedoch nach Möglichkeit Sorge getragen.

mich nickt nur jeder Größe ber Gegenwart, fonberu auch jeder ber Vergangenheit ebenbürtig. Da das anmaßend klingt, so gestatten Sie mir ein erklärendes Wort! Ich meine: wie Aeschylos, Sophokles, Shakespeare, Leffing, Goethe und Schiller bin ich ein Baum im Walde der dramatischen Wcltlitteratur, nicht eine bemalte Latte, wie eine Ai enge dramatischer Handwerker, mit denen Sie jahraus, jahrein haushalten. . . . Wenn Sie nun erklären, daß meine Werke für das Theater nicht brauch­bar seien, so sage ich Ihnen: Sie irren, meine Herren! Jedes meiner Werke ist eine künstlerische Einheit; in jedem ist jede Gestalt eine künstlerische Einheit; ber Dialog meiner ©eenen ist niemals breit, ist niemals läppisch. Eröffnen Sie eine Debatte, um da« Gegentheil zu beweisen. Ich werbe Alles mit Ehrerbietung au- hören; aber ich werde schiverlich verstumnien. Meine Werke sind nicht nur brauchbar für die Bühne sie sind ihr dringendes Bedürfniß!" Diese Pröbchen genügen wohl, zu beweisen, daß der Manu vollkommen . . . recht hat! so meint die dortige Redaktion Wer mag das nur gewesen fein?

*D«r Schnupfen."Richard Strauß hat ein Orchester WerfDer Schnupfen" vollendet. Das Thema soll sowohl nach bet komischen wie nach der tragischen Seite hin erschöpfend behandelt sein. Für da« Hauptmotiv hat der Junge Meister" ein neue« In­strument erfunden, da« gleichzeitig gestrichen und geblasen wirb." So las man dieser Tage aus ber Festzeitiing bcS Presse-Balles in Berliner Blättern. Jedenfalls ein guter Witz! Was thun nun aber dieDresdener Nachr." ? Sie nehmen die Sache bitter und schreiben ganz bissig:Vielleicht setzt einModerner" nun auch einmal die in den weitesten Kreisen bekannteInfluenza" in Scene. Jedenfalls dürfte es geboten erscheinen, sich derartigen Musikwerken ohne einen genügenden Vorrath von Anti-Febrin und ein Halde« Dutzend solider Taschentücher nicht zu nähern." Ja, wen hätte der Haß nicht schon blind gemacht 1

Ans Knnst nnd Leden.

* Von auffallenden landschaftlichen Veränderungen A geschichtlicher Zeit im Kanton Zürich spricht eine Notiz ber WriferRevue Scientifique", deren Gewährsmann aüerbing« nur unbestimmt al« eindeutscher Geograph" bezeichnet ist. Dieser ^genannte hat eine Karte des Kantons Zürich aus dem Jahre 1667 lln Maßstabe von/iooo der natürlichen Größe mit den neuesten . Ausnahmen derselben Gegend verglichen Und hat daraus beträchtliche L-Deränberuugeu in dem landschaftlichen Charakter derselben fest- 8*«llt. Fast alle Seen haben von ihrer früheren Ausdehuimg kmen Theil verloren, mehrere davon sind in diesen zwei Jahr- -- waberten völlig verschwunden. Von 140 Seen, welche die alte ' Arte verzeichnet, sind auf den heutigen Karten bereits 73 ver- Mvunden. Da« mit Wald bestandene Gebiet hat sich um 10 pCt. Ü durchschnittlich vermindert, die mit Wein bestandene Bodenflächt Um 25 pCt. vermehrt.

|L». * «Di« Gräfin oo» Pakhö." Ans Paris schreibt Mack: der bekanntesten Persönlichkeiten de« Quartier Möuilmonlanl EL eine Freundin Napoleons III. dieGräfin von Path«", Blumenhändlerin vor der Pforte desPöre-Lachaise", ist in Paris g-totorben. DieGräfin von Paths" ihren wahren Namen hat Z «an nie erfahren hatte feit mehr al« zehn Jahren jenen Handel - SB der Kirchhofsihür betrieben und es zuletzt zu einer gewissen ^-'sblbabenbeit gebracht, sodaß sie in dem Hause Nr. 14 ~ h I Passage Rondonneaux ein hehaglich eingerichtetes Quartier Bwtote.Sie Gräfin" wie man sie kurzweg nannte . hatte freilich einst frohere, wenn auch nicht ehrbarere Tage | »s'saen. Sie war ehedem die Freundin Napoleons III. ge- ®f!en, und mit Vorliebe pflegte sie mit vornehmen Käufern, die sie l'ner. Epoche gekannt, in Erinnerungen zn schwelgen, Geschenke = HIti) Briese aus dieser Zeit vorzuzeigen. Und die Leute hörten mit

Vergnügen den authentischen Erzählungen über Skandalvorgänge am Hofe Napoleons III. zii. Eine hartnäckige Krankheit hatte die einst schöne Fran körperlich heriintergebracht und ans jener Welt,in der man sich nicht langweilt" und in der sie mehrere Jahre briUirt hatte, hinausgeschleudert. Sie Umstände, unter denen bie Blumen­händlerin Dom Pöre - Lachaise gestorben ist, entbehren nicht der Romantik, mit ber ihre Person im gewissen Sinne bereits im Leben umwoben war. Fast sechs Tage hindiirch War die 60-jährige Händlern! nicht an der Stelle gesehen worden, wo sie ihren Stand zu nehmen pflegte. Die« Würbe ihrem HauSwirth mitgetheilt, ber seinerseits sich zu dem Polizeikommissar Tiracke begab, welcher die Wohnung der Gräfin von Pathö öffnen ließ. Hier fand man die Alte tobt in einem Sessel vor, da« Gesicht einer an ber Wand hängenden Büste Napoleons III. zugewenbet. In den Händen hielt sie einen Roman aus der Zeit des zweiten Kaiser­reich«. Die Behörde ließ die Papiere der Gräfin versiegeln, die geprüft und, so weit sie von anekdotischem oder historischem Interesse find, dem Staatsarchiv einocrleibt werden sollen.

* «»Lescheidenheit ist eine Zier doch weiter kommt man ohne ihr", so hat sich offenbar einSchriftsteller" in Dresden ge­dacht, al« er dieser Tage ein gedrucktesRundschreiben an die deutschen Bühnen, besonders die Hofbühnen" verschickte. Der Wackere spricht, so schreiben dieMünch. Reuest. Nachr.", in diesemRund­schreiben" von seinen Eigenschaften als dramatischer Schriftsteller mit einer Begeisterung, die gewiß einer besseren Sache werth wäre. Zur Erheiterung unserer Leser wollen wir einige Stellen wörtlich folgen lassen. Er schreibt n. A.:Eine Spielzeit der Bühnen neigt sich dem Ende zu; ich halte es für meine Pflicht, Sie noch einmal an mich zu erinnern. Ich halte es für Ihre Pflicht, mich endlich in das deutsche Kulturleben einzuorbnen. . . . Mit den 14 größeren und manchen kleineren dramatischen Werken, die Sie gedruckt und geschrieben in der Liste vorfinden, fühle ich