Wiesbsdemr Sagblatt
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An, eigen-Annahme
— Für die Aufnahme später eingercichter Anzeigen zur
52« vezirks-Fernfprrchrr No. 52.
Montag, den 1. Februar.
1897
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Abend-Ausgabe.
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Die Mahdiste«.
Ueber die wahren Beweggründe und das Ziel deS Einbruchs der Mahdisten in Erythrea und über die Motive ihrer andauernden Unthätigkeit vor Agordat ist noch immer nichts Näheres bekannt geworden. In Italien ist man vielfach geneigt, anzunehmen, daß es den Truppen des Chalifa Abdullahi im Grunde genommen weniger darauf ankommt, den Italienern ernstliche Ungelegenheiten zu bereiten, als vielmehr darauf, sich bei den bevorstehenden Kümpfen gegen die englisch-eghptische Armee die Flanke zu decken, den Italienern gegenüber also mehr eine Defensivstellung einzunehmen. Es ist freilich auch nicht ausgeschlossen, daß die Mahdisten sich ganz erheblich höhere Ziele gesteckt haben, und daß ihr Zug in Wahrheit der Eroberung von Kassala gilt, das sie bald nach der Niederlage von Agordat zu Ende des Jahres 1893 an Italien verloren. Sollte dies der Fall sein, so würde der eigentliche Kriegsschauplatz garnicht bei Agordat, wo man ihn bisher vermuthcte, sondern vielmehr bei Kassala liegen, und die 10,000 Mahdisten, die seit einigen Wochen vor Agordat Siesta halten, hätten dann offenbar den Zweck, die dortige italienische Kolonialarmee festzuhalten, damit das eigentliche, jedenfalls weit größere Mahdistenheer sich ungestört an die Eroberung Kassalas machen kann. Hierdurch würden die Mahdisten sich nicht nur in den Besitz eines außerordentlich wichtigen Handelsplatzes setzen, sondern zugleich auch ihre Stellung den Egyptern gegenüber erheblich verbessern.
Von französisch-offiziöser Seite wird sogar erklärt, daß die Ziele der Mahdisten noch weitergehende seien, und daß ihre Politik sich im vollen Einverständniß mit dem Negus Menelik von Abessynien gegen Italien richte. EL ist freilich richtig, daß die Mahdisten und die Abessynier ein gemeinsames Gefühl haben, den Haß gegen Italien. Aber stärker als dieser gemeinsame Haß und älter ist doch zum Schluß der, den sie gegeneinander hegen, und der „christliche" Negus wird sich doch nicht so ohne Weiteres entschließen wollen, mit den heidnischen Mahdisten gemeinsame Sache zu machen. Andererseits dürften auch die Mahdisten kaum darüber im Zweifel sein, daß, nachdem sie dem Negus den Italienern gegenüber zum Siege verholfen, sie selbst es wären, die dann an die Reihe kämen. Die Nachricht aus französischer Quelle, die von italienisch-offiziöser Seite auch bereits für falsch erklärt wird, dürfte somit nur den Zweck verfolgen, den Italienern Steine in den Weg zu werfen, was ja bei der von Frankreich den Italienern gegenüber verfolgten Politik leicht erklärlich ist.
Ob die Ziele der Mahdisten, denen durch die italienischen Niederlagen von Amba Aladschi und Adua der Kamm geschwollen ist, wirklich so weitgehend find, als die Pessimisten in Italien es annehmen, wird sich in Bälde Herausstellen müssen. Jedenfalls scheint es, daß fürs Erste zu dringlichen Besorgnissen keine Veranlassung vorliegt, denn Agordat und,
so viel bekannt, auch Kassala befinden sich in gutem Ver- theidigungszustand und sind auch mi* Artillerie, der wirksamsten Waffe gegenüber den Mahdis.en, versehen.
Aber wenn sich aus dem Mahdistenfeldzug auch weiter keine ernstlichen Folgen für Italien ergeben sollten, sei es, daß die Truppen des Mahdi, ohne einen wirksamen Vorstoß zu wagen, wieder abziehen, sei es, daß den italienischen Truppen die Abwehr des Vorstoßes gelingt, so konnte doch den italienischen Politikern nichts Schlimmeres widerfahren als diese neue koloniale Schwierigkeit zu einer Zeit, wo das Kabinett Nudini das Volk an die „geheimnrtzvolle Urne" ruft, in welche die weißen, aber auch die schwarzen Loose fallen. Es ist begreiflich, daß die oppositionellen Parteien es als Charakteristikum der jetzigen Regierung hinstellen, wenn es einem Heere von nahezu 10,000 Mann gelingen kann, unbemerkt an Kassala vorbei in Erythrea einzudringen. Und wenn die Regierung sich auch darauf berufen kann, daß ja nicht sie selbst, sondern General Baidissera den Feldzug in Afrika leite, so hängt doch an der Regierung der ganz unzweifelhafte Fehler, dem General, dessen Rolle in Afrika wohl ausgespielt sein dürfte, den Oberbefehl übertragen zu haben. Ist doch auch die Regierung nicht von der Verantwortung freizusprechen, daß sie es Baidissera gestattet hat, im Kommando von Kassala den erprobten Major Hidalgo durch den Major Nnti zu ersetzen, der auf der schwarzen Erde ein homo novus ist. Es wäre daher für die jetzige Regierung außerordentlich wünscheuswerth, daß es den italienischen Truppen in Bälde gelinge, die mahdistische Gefahr zu beseitigen, da sonst nicht nur die Opposition des Kabinetts ihre Stellung sehr verstärken würde, sondern auch die Forderung der Radikalen, die afrikanische Kolonie gänzlich aufzugeben, erheblich an Gewicht gewinnen würde.
Derrtscher Reichstag.
O Kerli«, 30. Januar.
Der Reichstag beendigte heute die zweite Berathuug dc» Etat» der Post- und Telegraphenverwaltung. Abg. Bumille r (Centr.) wünscht bk Ausdehnung der Sonntagsruhe für die Post über btt gesetzlichen Feiertage hinaus auch auf die kirchlich gebotenen Fetertage. — Staatssekretär v. Step ha n erwidert, die Reichspostverwaltung könne da nicht ohne Weiteres vorgehen, znmal es sich doch auch -um den Eisenbahnpostbetrieb handle. — Abg. Förster (dtschkoz. Nefp.) weist darauf hin, daß die Einführung des Aliersstufensysteins Ungerechtigkeiten herbeiführe. — Abg. Fischbeck (frtif. Volks».) tritt für die Reform des Postzeitungstarifs ein, spricht sich gegen die von den Telegraphenämtern an den Telegrammen geübte Censur aus, beschwert sich darüber, wie die Post der im Unfall-VerfichernngS- gesetz statuirten Verpflichtung zur VcrauSlagung von Unfallrenten nachkomme, und bemängelt den Fiskalismus der Verwaltung, sowie ihr ablehnendes Verhalten gegenüber den Wünschen des Reichstags. — Geh. Oberpostrath S y d o w bezeichnet diesen Vorwurf als unbegründet, wie die Thatsache beweise, daß auf die vorjährige Resolution hin die Fernsprechgebühren für den Umkreis von 25 km herabgesetzt worden seien. Unfallrenten an Bevollmächtigte seien nach dem Gesetz nicht durch die Postverwaltung zu zahlen, sondern von den BernfS- genosseuschaften. Mit der Zahl der Renten an die Arbeiter selbst habe das gar nichts zu thun. — Abg. Singer (Soz.) führt über den Ton einer amtlichen Verfügung eines Postdircktors Beschwerde. — Geh. Oberpostrath W i ttko erklärt, er kenne die Versügung nicht; sollte sich bestätigen, was der Vorredner mitgetheilt habe, so würde
natürlich der Ton der Verfügung mißbilligt werden müssen. — Aba. Liebermann v. Sonnenberg (dtschsoz. Refp.) berührt die Sonntagsruhe und bringt die Frage einer leichteren Sommerkleidnng, namentlichfürLandbricfträger.zurSprache.—DirektorFritsch betont daß bezüglich der Sommerkleidung gewisse Bedenken bestünden; die seit Jahren angestellten Ermittelungen würden aber fortgesetzt, und es sei möglich, daß sie noch zu einem anderen Ergebniß fuhren würde». Der Titel „Gehalt des Staatssekretärs" wird nunmehr bewilligt. Auch die von der Budgetkommission beantragte Resoliition bezüglich der Beschränkung der Packetbestellung an Sonntagen auf Eilsendungen wird angenommen. Bei dem Titel „Ober- postdirektionen wird beschlossen, sämmtliche Besoldungsanträge an die Budgetkommission zu verweisen. Bei dem Titel „Vervollständigung der Telegraphenanlagen" weist Abg. Hamwacher (nat.-lib.) aus das Urtheil des Oberlandesgenchts in Breslau hin, welches die Städte berechtige, gegen die Anlegung von Telegraphennetzen auf Grund ihre» Besttzrechtes an den Straßen Widerspruch zu erheben. Trete das Reichsgericht dieser Entscheidung bei, so erwachse der weiteren Ausdehnung de» Telegraphennetzes die größte Gefahr. Ebenso durch die elektrischen Straßenbahnen, wofern nicht Telegraphenverwaltung und elektrische Bahnen aufeinander billige Rücksicht nehmen und besonder» die letzteren genöthigt würden, bei Anlegung von Starkstromanlagen jeder Beeinträchtigung der Telegraphen- und Fernsprechanlagen durch entsprechende Einrichtungen vorzubeugen. — Staatssekretär v. Stephan erwidert, daß durch § 12 de» Telegraphengesetze» jede neue Starkstromanlage zu solchen Einrichtungen gezwungen werden könne. Was die Breslauer Entscheidung anbelaiige, so stimme er dem Vorredner bezüglich der Folgen, welche dieselbe für die Ausbreitung de» Telegraphen- und Fernsprechnetzes haben würde, bei. Rach einer weiteren Debatte wird der Ausgabenctat des Ordiiiarinms erledigt. Das ganze Extra- ordinarium wird darauf ohne Debatte angenonimen, ebenso der Antrag Hauiluacher, die Petiouen um Erniäßimuig der Fernsprechgebühren den verbündeten Regierungen zur Erwägung zu überweisen. — Bei den Einnahmen beantragt Abg. Schneider (frcis. VolkSP.) eine Resolution, nach welcher der Reichskanzler dahin wirken soll, daß die im § 1 des Gesetzes vom 5. Juni 1869, betreffend die Portofreiheiten im Reich, den regierenden Fürsten, bereit Gemahlinnen und Wittwen verbliebene Befreiung von Portogebühren auf deren Personen beschränkt werde. — Unter« staatSsekretar Fischer erklärt, daß diese Portofreiheit ein historisch überkommenes Recht sei, dessen Aufrechterhaltung die Voraussetzung gewesen sei, unter welcher die fürstlichen Personen in die Abtretung ihres Postrechts an Preußen, beziehungsweise an dal Reich gewilligt hätten. Da« Portofreiheitgesetz sei daher nicht ein Gesetz, das man »ach Belieben abändern könne, da wir dadurch den seiner Zeit geschlossenen Verträgen untreu würden. — Abg. Bebel (Soz.) führt aus, er habe sich schon 1869 gegen dieses Privilegium ausgesprochen, weil t9 zu Mißbräuchen fuhrt. Man habe doch auch sonst schon genug Privilegien angetastet, daher brauche man hier nicht so behutsam zu sein. Diese Portosreihnt sollte überhaupt beseitigt werden. — Der Antrag wird adgelehnt und der Rest des Etat» genehmigt. — Schließlich wird der Etat der Reichsdruckerei ohne Debatte angenommen. — Nächste Sitzung Mittwoch, 1 Uhr: Erste Lesung der Grundbuchordnuug und der Konvertirungsvorlage.
Deutsches Keich.
* fiof- und Personal-Nachrichten. Der Kaiser wird sich nach den getroffenen Dispositionen die geretteten Mannschaften der „Iltis" am 8. Februar im Kgl. Schlosse vorstellen lagen. — Samstag Mittag, 12 Uhr, ist im Kgl. Schlöffe zu Kiel die Taufe des jüngsten Sohnes des Prinzen Heinrich vollzogen worden, Der Kaiser fungirte bei dem Taufakte als Pathe. Der Prinz erhielt die Namen Wilhelm Victor Karl August Heinrich Sigismund.— Der Reichstags-Abgeordnete v. Voll mar war, dem „Vorwärts zufolge, nur an einem Anfall von Influenza erkrankt, der bereit» überwunden scheint, sodaß Herr v. Vollmar voraussichtlich schon tn einigen Tagen wieder an den NeichStagSsitzungen theilnehmen kann.
(Nachdruck verboten.)
Die Mode im Februar.
Von Wilma V. G.
Ost scheint uns mitten im Winter die freundliche Februarsonne FrühlingSgedankcn in» Herz hinein, die Promenaden werden belebter und wir suchen unsere schönsten Straßcntoiletten hervor. Noch müssen wir uns winterlich verwahren, aber die Eleganz kokettirt trotzdem mit jedem Sonnenstrahle.
Solid und dennoch distinguirt wirkt ein schieiergrane» Tuchkostüm mit reich sontachirtcm offenen Jäckchen, dem eine weiße Tnch- weste untertritt und das vorn durch eine leichte Einrichtung zum Zuhaken bei rasch wechselnder Witternng schnell geschloffen werden kann.
Kurze Jacket» aus Brochsstoff ober brochirtem Sammet werben mit elegantem Pelz bordirt und sehen zur Vervollständigung der Sttaßentoilette ebenso chic aus, wie die Kragen au» dem hochmodernen Velours du Nord, die durchweg mit Hermelin gefüttert und mit einem anderen edlen Pelz, wie Nerz, Skunks ober bergt, breit garnirt sind.
Der Eissport lockt jetzt vorzugsweise die Jugend in» Freie; selbst wenn es nicht friert, ist durch bk künstlichen Eisbahnen ber großen Städte vollauf Gelegenheit gegeben, diesem edlen Vergnügen zu huldigen und die zierlichen Eislaustoiletten zur Geltung zu bringen. Sie unterscheiden sich von den Promenadenkostünien durch eiiitn kürzeren Rock von fünf Meter Weite, der nur bis zum Knöchel reicht und ber Dame volle Freiheit ber Bewegung gestattet. Er lvird, um viel beengende Unterkleidung zu vermeiden, mit einem Futter von leicht wattirter Seide oder von Flanell in abstechender Farbe versehen, dar bei den lebhaften Bewegungen der Schlittschuhläuferin zuweilen sichtbar wird. Die Einfaffung des Rockes besteht innen aus einer Balatzense von kräftigem Stoff, außen au» einer Rüsche vom Kleiderstoff selbst ober aus einem Pelzstreifen. Dazu kurze Jäckels ober Blusen mit Figarojäckchen mit gleichem Pelzbesatz, wie der de» Rockes. „ v ,
Das weitaus lebhafteste Jnterefle der eleganten Jugend be. anfpruchen jedoch trotz aller Lockungen des Sports gegciitoarhg die Balltoiletten. Bei der Fülle bet vollendet schönen Stoste und der großen Zahl der Hülfriuittel, die Toiletten mannigfach zu varuren, ist cs ein Vergnügen, dieselben herzustellen. Es gehört dazu nur ein offenes Ange für die Individualität der Trägerin, da die Mode mit ihrem jetzt fo stark ausgeprägten Schönheitssinn nur Geschmackvolles darbietet. Wir lassen hier verschiedene Zusammenstellungen von Ballroben für jedes Alter folgen, um ber Leserin einen Einblick in ba» Feenreich der Mode zu gewähren.
Höchst eigenartig ist bie zarte Balltobe von manbelgrüner, bestickter Seibengaze, bie über einem gleichfarbigen Taffetunterkleib gearbeitet ist. Der untere Rand der Gazerockes ist mit brei schmalen Pliffös von weißer Seidengaze besetzt. Zwei schmale Bahnen von maiidelgrüneni Satin, deren jede an der Außenseite mit einem weißen, plissirten Gazevolant verziert ist, schmücken die Vorderbahn des Rockes und bilden, umschlossen von einem manbelgrünen Satingürtel, eine Fortsetzung des mit brei horizontalen, plissirleu Gazevolauts besetzten Leibchens. Eine Wachsperlenborte umgiebt den Ausschnitt unb schließt bie kurzen, gleichfalls mit weißen GazeplifföS horizontal besetzten Pnff- ärmel ab. Collier und Haarschmnck von Banb. Weiße Atlasschuhe.
Die zweite Balltoilette, bie wir unseren jugendlichen Leserinnen vorsühren wollen, besticht durch ihre Einfachheit. Ans einem weißen Satinunterkleid ist ein ä soleil gebrannter Rock von weißem Seiden- niousselin schlicht gearbeitet. Da« eckig ausgeschnittene, plissirte Leibchen ist am Ausschnitt mit reicher Guipure besetzt, der hochdrapirte, rückseits geknüpfte Gürtel ans weißem Atlas gefertigt. Dazu kurze Ballonärmel. Rothes Rosenbouquet seitwärts im Gürtel.
Etwas fremdartig mutbet uns die Balltoilette für junge Frauen au« Rieberfarbigem Moirö an, bie in Prinzeßform, ringsum von oben herab in einzelnen Theileu gearbeitet ist, zwischen beiten schmale lila Sammettheile sichtbar werden. Der untere Thetl des Rockes ist mit einer flachen Puffe aus cremefarbenem Crepe de Chme garnirt, ebenso ber runde Ausschnitt ber Taille, bie überdies durch Schnüre von Straßperlen, die sich berthenartig unter der Puffe verziehen, geschmückt ist. Die Aermel bestehen aus einer Puffe von Crepe de Chine, bie durch Straßperlenschnüre quer geteilt wird. Im Haar bhtzt als einziger Schmuck eine Straßspange.
Besonders kleidsam für junge Frauen und ältere Damen erscheinen schwarze und schwarz-weiße Balltoiletten.
Schwarzer Atlas, mit gelblicher Seide unb beperltem Tüll zu- famuiengeiteUt, wirkt jugendlich; stattlicher und daher für da« Alter passend schwarzer Sammet mit reicher Perlstickerei auf schwarzem Seidenmousselin. Dazu Hals- unb Hciaischmuck von Brillanten.
Wo so viel Eleganz der Toilette in den edelsten Stoffen znm Ausdruck kommt, kamt es nicht ausbleiben, daß auch Sortier und Abeudmäntel in gesteigerter Pracht sich zeigen. Bescheiden erscheint noch der cremefarbene Umhang aus gauftrirtem Seidencrepon mit Angorafutter, reicher der Kragen aus rosa Seidendamast mit breitem weißem Pelzkragen, ber mit blitzender Straßspange geschlossen wirb, pompös ber Umhang aus otterfarbig unb rosa glacirtem Sammet mit golbbeperltem Spitzenkragen unb Futter au» Marberpelz. Wir erstaunen bemgemäB auch nicht mehr über ben Ballmantel au» theegrünem Scideuplüjch mit Blaufuchs miterfüttert, ober einen
attberett au» hellgrauem, mit Stahlstickerei beflitterten Sannut mit Chtnchillabesatz unb rosa Allasfittter. Der einfachen Lesenn können wir jedoch zu ihrem Tröste versichern, baß ber hellfarbige Abend- mnntel von Wollcrepon mit Fehwammen- ober Hamsterfutter dieselben Dienste leistet uttb nicht mittber gut ansfieht. .
In ber Ballfrisur der jungen Damen hat sich allmählich em Wechsel vollzogen. Der leichte Haarknoten im Racken tft höbet hinauf gerückt, ohne daß bie tlcibfamen Wellen, die bas Gesicht umrahmen, vermindert sind. Da« Haar be« Hiuterkopfes wirb, beut aninuthigen Charakter bet ganzen Frisur entsprechend, ebcnfaU« in Wellen ober leichten Puffen in die Höhe gekämmt. Dadurch er« giebt sich von selbst, daß jeder Haarschmuck von Blumen, Rispen oder Federn aigrettenartig hoch gestellt wird ober sicd sbongenattg den Wellen des Haare« einschmiegt, daher auch viele Metalltchmuck- spangen und Nadeln für bie Frisur zur Erscheinung kommen.
Während wir noch den bestrickenden Walzerklaugen des Ball- saalS lausche», hören wir den Nus de« Prinzen Karneval ber mit seinem närrischen Gefolge mitten ttn lustigsten Treiben steht. Unwillkürlich brängt sich »ns bie Sorge um neue Maskenauznge für die Jugend auf, und wir möchte» daraus Hinweisen, tote oft bie Hoffnungen unserer Töchter an den anspruchsvollen Kostümen scheitern, bie für bie Eltern eine große — für ben Genuß eines einzigen Abends all zu große l — Ausgabe bedeutet. Und doch laßt sich in Waskenanzügen für bie Jugenb auch mit einfachen Mitteln großer Effekt erzielen. Ein alte«, aber ewig junge« Motiv ist bk BlumenuiaSke. Wie leicht kann mit Hülfe eine« einfachen, weißen Tuch- ober Flanellkleibe« bie Trägerin in ba« vornehme Edelweiß verwandelt werden; ein billiger gelber Atlas mit etwas braunem Sammet unb grünem Surah läßt bie stolze Sonnenblume vor uns erstehen. Das ganze Heer ber Frühjahrs- unb Sommerblumen, wie Apfelblüthe, Schneeglöckchen, Mohn-, Mai- unb Rornblnmen, Taufeiibfchön stellt sich bereitwillig in den Dienst der äugend iirrn Schönheit. — Andererseits bieten alle ländlichen -trachten, mogherm getreu in derben Stoffen toiebergegeben, eine große Auswahl geschmackvoller Kostüme. ..... .
Sehr effektvoll wirkt jebe alte Charaktermaske für eine lugenb» liche Trägerin. Die altbeutscheu Mythen- und Marchengestali«, find dafür die edelsten Vorbilder. Eine Schneeflocken Rreuenbe Frau Holle ober bie Lebkuchen spendende Knusperhere, mit Humor unb Verstciubniß aufgefafjt, sind be« lebhaftesten Beifall« gew», wenn ber jugendliche Schalk ihr im Nacken sitzt. Nicht bie Kostbark«» des Maskenanzuges sichert ben Erfolg, fonbern ber durch Re fein» Sitte gezügelte prickelnde Ueberniuth, der sich mit feiner Rolle geschickt zu indentifiziren weiß.
