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fcbdihwr Sanblatt

45. Jahrgang.

Verlag: Langgasse 27.

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No. 29. Bezirks-Fernsprecher No. 52. Dienstag, den 19. Januar. Bezirks-Fernsprecher No. 52. 189?«

Moraeei «Ausgabe.

Ergebnisse der Vermögens- «nd Einkommensteuer.

Ueber die Veranlagung der Vermögens- oder Ergänznngsstener m>d Einkommensteuer für 1896/97 ist soeben dem Abgeordnetenhairse eine Ueberficht zngegaiigen. Das Jahr 1896/97 ist das zweite Ver­anlagungsjahr der neuen Ergänzungssteuer. Es ist nun bezeichnend, daß das zweite Jahr bei einem Mehr von 14,413 Censitc» an Steuer nur ein Mehr gebracht hat von 18,764 Mk. Das gejammte steuer- vflichtige Vermögen zeigt nur ein WachSthnm von 107 Millionen. Das ist noch nicht */« Prozent. Das steuerpflichtige Verutögen hat iich nämlich erhöbt von 63,918 auf 64,024 Millionen. Von der Vermehrung entfallen nach den einzelnen Vcrmögensartcn auf das Kapitalvermögen 3646 Millionen, auf das Kapital in Handel und Gewerbe 187 Millionen, auf den Grundbesitz 177 Millionen. Nur der Werth der selbständigen Rechte »nd Gerechtigkeiten zeigt eine Verminderung um 17 Millionen. Aus der anderen Seite aber hat sich auch der Kapitalwerth der Schulden bei sämmtlichen Veunögens- arten zusammen um 590 Millionen erhöht.

Im Verhältniß von Stadt und Land weist das veranlagte Vermögen in den Städten ein Plus von 149 Millionen, auf dem Londe ein Minii« von 28 Millionen aus. Wieviel kleine Leute sich unter den Vermögcnsstenerpflichtigen ergeben, erhellt aus dem Umstände, daß sich unter den 1,666,745 zur Vermögenssteuer Veranlagten 892,641 befinden, welche nicht mehr als 3000 Mk. Einkommen haben. Es sind sogar 232,205 Een fiten mit einen« steuerbaren Vermögen von mehr als 6000 Mk. eingeschätzl, welche von der Einkommensteuer frei belassen werden mußten, weil sie noch nicht ein Einkommen von 900 Mk. beziehen. Die großen Vermögen von 1 bis 2 Millionen machen 7,89 pCt. des Gesammtsolls der Vermögen aus, die größten Vermögen von über 2 Millionen IZM pCt. Die mittleren Vermögen zwischen 32,000 und 500,000 Mk. smd mit 51,85 pCt. am Gcsammtsoll betheiligt.

Während die Vermögenssteuer in ihren Beträgen im lanfenden Fohre nahezu stagnirt, hat die Einkommenstener zum ersten Mal bei der Veranlagung ein erhebliches Plus ergeben. Das Veraulagungssoll ist zestiegen von 123,433,466 Mk. auf 127,080,740 Mk. Das Mehr entfällt sanz allein auf die physischen Personen, wogegen die Veranlagung der inristischen Personen auch in diesem Jahre ein Weniger an Steuern, and zwar von 142,420 Mk. ergeben hat. Die Zahl der Einkommen- steuerpflichtigen ist von 2,605,183 auf 2,654,444 gewachsen. Das ver­tagte Durchschnitts-Einkommen hat sich von 2281 ans 2295 erhöht, jnb zwar in den Städten von 2634 auf 2660 Mk., während auf dem Lande ein kleiner Rückgang von 1767 aus 1762 sich ergeben hat. stzlSgesammt beträgt das veranlagte Einkommen 608 Millionen gegen 5flß7 Millionen im Vorjahr. Davon entfallen auf die Städte 4183 g««n 4060 Millionen im Vorjahr, auf das platte Land 1903 Millionen gchen 1877 Millionen im Vorjahr. Auch auf dem platten Laude hat fich also das veranlagte Einkommen um 26 Millionen erhöht. 3«. den Stadtkreisen hat sich da« Durchschnittseinkommen den Ceusiten wiederum am höchsten gestellt in Franksurt a. M. mit 4992 Mk., ui Bonn mit 4581 Mk., m Wiesbaden mit 4275 Mk., während in Berlin da« Durchschnittseinkommen fich nur auf 2755 Mik. beläuft gegen 2726 Mk. im Vorfahr. Bekanntlich wird das Einkommen nm bei Lensiten mit mehr al« 3000 Mk. Einkommen gesondert nach hee verschiedenen Einkommensarten.

Aus Stadt und Knud.

Wiesbaden, 19. Januar.

Die Zählung der Tagesstunden, welche in den ver­schiedenen Zeitaltern eine verschiedene war, wird nun auch in unserer oeräuderungsbediirstigen Zeit einer vermeintlichen Vereinfachung unterworfen. Die fortlaufende Stnndenzählnng von 1 bis 24, welche bisher von Italien, Canada und Britisch-Judien eingesührt war, wird nun auch vom 1. Mai ab in Belgien bei allen Eisen-

Nnd zu den Beiden tritt mit mildem Sinn Noch eine dritte Himmelskönigin, Sic ist die höchste, herrlichste von allen. In Trümmer müßte diese Welt zerfallen. Wenn un« als Allerhaltciin nicht bliebe Die Schwester der Barmherzigkeit, die Liebe. Die reine Liebe, die vom Himmel stammt, Sie übt auch unter uns ihr hohes Amt, Es lodern ihre göttlich reinen Flammen Im Herzen uns und halten uns zusammen; Sic fragt nach Glauben nicht, nach Rang und Stand, In gleichem Streben geh'n wir Hand in Hand Und schreiten unverdrossen muthig fort.

Volksbildung heißt das große Losungswort, Das uns vereint, und immer neue Kraft Erhalten wir durch Kunst und Wissenschaft.

Um freudig diesen Göttlichen zu dienen. Sind wir aitch heute wieder hier erschienen; Die St««nde«i werden nur zu schnell entschwinden. Doch wollen wir nicht voneinander geh'n, Als im Gedanken, wieder uns zu finden. Und mit dem Wunsch: Auf frohes Wiederseh'u!"

Diese schwungvollen Verse waren so recht geeignet, die Anwesenden in die richtige Stimmung zu versetzen. Die genannte Schanspielcrii« trat im Verlauf des Programms noch wiederholt mit Deklamationen auf:Die arme Seele" von Luise v. PlönnieS, Es hat jeder Künstler feine Eigenheiten" von Wilken und aw ZugabeJochem Päsel" von Reuter. Der Rome der Künstlerin spricht genugsam für die Vorzüglichkeit ihrer Leistungen auch an dieser ihr nugeivohnteii Stelle. Ebcnsalls bekannt bei dem kunstsinnigen Publikum nnsercr Stadt ist Herr Mnsiklehrer Gr o hma«in, der Stucke vo« Schutt, Liszt, Strauß und eine Zugabe von Krieg zum Vortrag brachte und zwar unter den lebhaftesten Bcifallrbezcngungen. Auch der letzte Solist des Abends, der hier noch weniger bekannt ist, Herr Süße, lieferte mit seinen Barytvnsolis von Schubert und Lortzing und nicht am mindesten in der ZugabeDie Uhr" von Löwe den Beweis, daß dem Verein bei solcher Gelegenheit nur das Beste gut genng ist. Auch Frau Süße, welche die Begleitung der Lieder ihre« Gatte» übernommen halte, verdiei«t mit Anerkeiinnng erwähnt zu werden. Von den hiesigen Gesangvereinen hatte diesmal die Gesangrriege desTurnvereins" die Chorvorträge übernommen. Der stattliche Chor von etwa 80 Sängern war nahezu vollzählig erschienen, und man ist «virklich versucht, den Verein in jeder Beziehung als Mustervereiu hinzustellen. Er kennt zunächst keineTenornoth", die weitverbreitete Krankheit der Gesangvereine, er tritt in im« ponirender Stärke auf, und was die Hauptsache ist, seine Leistungen sind so ausgeglichen, so fertig auSgearbcitet, daß es ein seltener Genuß ist, ihnen zuzuhören. Wie weihevoll klang besondersDaS Liebchen im Grabe" von Spa««genberg, wie bestrickend die ZugabeLiebchen vom Rhein", eine Komposition de« Dirigenten der Tururiegk, des Herrn Lehrer Karl Schantz. Doch auch die übrigen Nummern des Programms erfreuten sich einer ausgezeichneten Wiedergabe ui«d einer jubelnden Ausnahme Seiten« des Publikuu«s. Die Erfolge, welche der Verein in jüngster Zeit errungen hat und zweifellos auch in Zukunft er­ringen wird, zeigen am besten, wa« eine Sängerschaar vermag, wenn sie sich uiit Liebe ihrer Ausgabe widuict und dabei von einem tüchtigen Dirigenten geführt wird. Den belehrenden Theil des Abends halte Herr Di-, Ernst Pagenstecher übernommen; er sprach: Ueber den Alkohol bei Gesunven und Kranken". Er berührte kurz die Entstehung de« Alkohols durch Gärung bei der Bier-, Branntwein- und Weiubereitung, die Bestrebungen, denselben zu verdrängen, wie es die Temperenzler wollen, oder einem Mißbrauch desselben vorzubeugeu, wie cs der betreffende Verein in Deutschland thnn will, kennzeichnete daun den Alkohol nie KrankheitS- erzcngcr, gegen den der Kampf aufgenomiuen werden mnß, und schließlich hob er seine guten Eigenschasteu hervor, die ihm als Medizin zukonimen. Wenn wir uns vergegenwärtigen, daß Bier 3/a bis 4, Wein 12 bis 16 und Branntwein 35 bis 70 pCt. Alkohol enthalten, so ist die Gefährlichkeit der einzelnen Getränke genügend

bahn-, Post-, Telegraphen- und Telcphonäuitern die bisherige Zwölfzählnng verdrängen. Von unserer Zählung machten auch die Jude» in alter und neuer Zeit eine Ausnahme, indem sie den bürgerlichen Tag mit dem Untergang der Sonne begonnen. Sie hatten zwölf Nacht- iiiid zwölf Tagsliinden, welch letztere zu Christi Zeit von Morgens 6 Uhr an gezählt wurden, sodaß, wenn in der Geschichte des Leben« Jesn beispiclsweife von der elften Stunde am Tage die Rede ist, wir darunter die fünfte Nachmittagsstnnde zu verstehen haben. Welche Vortheile es Haden soll, seine Uhr auch die Zahlen 13 bi« 24 schlagen zu hören, das leuchtet nur sehr schwer ein. Freilich könnten mir bei unseren Zeitangaben die Bezeichnungen Vormittags und Nachmittags ersparen, das wäre aber auch wohl der eiiizige Vortheil den zahllojcii, weitschweifigen Aendernngen gegenüber, welche die Maßregel nach sich ziehen würde. Dabei wäre immer noch nicht dem sonst im Leben eingefiihrten Dezimalsystem Rechnung getragen, wie es bei der Annahme der zehntheiligen Uhr der Fall wäre.

- Einen Volko-Unkerhaltirngsnbend veranstaltete am letzten Sonntag dieGesellschaft für Verbreitung von Volksbildung" in der Turnhalle Hcllmundstraße 25. Nachdem Herr Lehrer Hötzel iiii Namen de« Vorstandes die Erschienenen begrüßt hatte, trug Fräulein «Santen, Kgl. Schauspielerin, den folgenden, von Redaklenr Stobbe verfaßten Prolog vor:

Zum ersten Mal in srohbewegter Schaar Vereiiit uns heute hier das neue Jahr, Zwar nicht ganz jung mehr ist der jüngste Sohn Der Zeit, denn sic Hz ebn Tage zählt er schon. Was wenig nur im Menschenleben ist. Doch für ein Jahr schon eine hübsche Frist Und ob e« schnell auch seines Weges geht, Es muß ja um den Sonnenball sich schwingen! So scheint es heute mir i«och nicht-zu spät, Euch Herzlich unfern Neujahr« grüß zu bringen Ihr stimmt wohl Alle in den Wunsch mit ein: Gesegnet reich soll dieses Jahr uns sein!"

Wohl un«, daß uns die Zukunft ist verborgen. Dem Himmel sei von Herzen Dank gebracht. Daß nur von fern da« dunkle Heer der Sorgen Dem Blick erscheint und uns nicht bange macht. Läßt sich doch Drohendes znm Besten wenden Mit heiterm Siuu und nimmerinüdtn Händen; Nicht Tanz nti6 Spiel, nicht der gefüllte Becher, Das Schaffen ist der beste Sorgenbrecher!

Viel Segen blüht ans arbeiisvollen Tagen, Doch wär' des Dasein« Schwere kaum zu tragen Wenn nicht den dunkeln, drohenden Gewalten Siegreich begegneten drei Lichtgestalten, Die uns voran durch dieses Leben schreiten. Die une erheben, kräftigen und leiten.

Die Eine schaut mit Adlerblick empor, Durchbricht des Himinels biamantnes Thor Und holt herab aus ungeahnter Ferne Da« klare Bild sonst niisichtbarer Sterne. Was dunkel ist, das wird ihr offenbar. Sie sieht durch Bretter und durch Wände gar. Und den geheimsten Kräften der Natur Bleibt sie in ernstem Ringen auf der Spur, Der Fels erzittert unter ihrer Kraft, Ta« ist die Weltbkberrscherin, die Wissen schäft.

Nicht strengen Auge«, lieblich, hold und mild Erscheint )a« andre hohe Götterbild, Von seltnem Reiz ist Antlitz und Gestalt, Von goldnen Locken ist das Haupt umwallt. Auch sie dringt tief in Welt und Leben ein Und strebt nach Wahrheit selbst im schönen Schein Sic will nns ans der Wirklichkeit erbeben. Und hoch beglückt, gesegnet ist das Leben, Das mit dem vollen Strahle ihrer Gunst Verklärt die holde Zauberin, die Kunst.

Ei» Sjihnen-Iubttimm.

Gestern sind es fünfzig Jahre geworden, daß Ewald Grobecker, unser Grobeckei", zum ersten Mal die Bühne betrat, und ans Anlaß dieser seltenen Feier, die in der ganzen Theaterwelt ein lebhaftes Echo finden wird, wurden dem leider schwer erkrankten Jnbilar, der erst kürzlich seine treue LebenSgesährtin verloren hat, mancherlei seltene Ehrungen und Glückwünsche zu Theil. Ganz Wiesbaden, das darf man wohl sagen, bringt dem nun gleichzeitig in den wohlverdienten Ruhestand tretenden Künstler die lebhastesteSympathienndAniheilnahnieentgegen, denn mit der Geschichte unserer Stadt ist der Name Grobeckers eng verwachsen, und dieser Name ist mit glänzenden Settern ein­geschrieben auf einer besonderen Seite in der wechfelreichen Chronik nufere« Hoftheaters. Mag mau ein Steigen und Fallen und wieder Emporstelgen in den Leistungen der heimischen Bühne feststellen, in all der Zeit, da Grobecker an ihr wirkte, bildete seine seine und aus- gereifte Kunst einen ruhenden Pol in dieser Erscheinungen Flucht, und Wenige waren ihm gleich in der Kunst der Menschendarstellnng, erMar ein Charakterspieler, wie deren die deutsche Bühne wenige aus- zuweisen hat. Der Liebling des Publikums, die wesentlichste Stütze de« Schauspiels, so hat er gewirkt als Künstler, so als Regisseur, so Hal er feine Kräfte ansgebraucht im Dienste der Kunst, bi» neue Verhältnisse eintraten, die nothgedrungen das Alte, Müde zurückdrängen mußten, aber pietätvoll den Empfindmigen des greifen Veteranen, dessen ganzes Sein mit der Bühne verwachsen war, Rechnung trugen. Noch in jüngster Zeit konnten wir dem schaffcnsfrendigen Greise hin und wieder aus den Brettern begegnen­konnten empfinden, daß sich hier ein künstlerischer Geist offenbarte, der einst Schöne« und Großes geleistet; seit Jahren schon hört man es wieder und wieder aussprechen:Ein voller Ersatz für unseren Grobccker wird wohl kaum zu finden fein", und leider scheinen diese Bedenken sehr berechtigt. Nun schied er von der Stätte seines Wirken», der sovicle erfreut hat, der mit seinem prächtigen Humor ««Manchen fürStuuden dieMiseren des täglichenLebeii» vergeffen machte

oder mit seiner feinen Knust auch die Seele de« Theaterbesuchers in schönere Gefilde führte. Ein Stück der Kunstgeschichte Wiesbaden« ist mit Grobccker« Pensioniruug abgeschlossen und uns bleibt nur Übrig, einen Blick zurückzuwcrfen auf das mühenreiche, aber erfolg" gekrönte Künstlerleben des greisen Veteranen.

Friedrich Otto Ewald Grobecker wurde zu Spandau in der Mark am 9. April 1826 als Sohn eines Beamten geboren. Sein reiche« dramatisches Talent zeigte fich bereite, al« er noch die heimatbliche Schule besuchte, in welcher er bei paffenden Gelegen­heiten als Deklamator Proben feiner angehenden Schauspielkunst ablegte. Es ist daher leicht begreiflich, daß das Streben und Sehnen des ans der Schule entlaffeuen jungen Manne« nach den Brettern, welche die Welt bedeuten, gerichtet war; vorderhand aber hatte Grobccker wenig Aussicht, da« Ziel seiner Wünsche zu erreichen. Anstatt in den Musentempel brachte man ihn in den Ladenraum eines Berliner Spezereihändlers, um ihn dem Kaufmannsstande zu- zuführen. Doch im Umgang mit Kaffee und Zucker und anderen nützlichen Artikeln der Spezereibranche ging dem Merkurs­jünger die Begeisterung für die Schauspielkunst nicht ver­loren. In seinen Mußestunden suchte er seine hochfliegenden Träume einstweilen in bescheidenerem Maße zu verwirklichen: er trat auf verschiedenen Liebhaberbühuen auf, und als er einst gelegentlich einer Vorstellung des VereinsLätitia" da« Publikum zu Heller Begeisterung hinriß, da wandte er, mit neuem Muth und festem Vertrauen auf seine künstlerische Kraft, dem Handelsgeschäft den Rücken und widmete sich ganz der Schauspiel­kunst. Daß fich ihm auf dem Wege von dem Ladengeschäft des Herrn Hoffmann bis zu den Brettern eines anerkannten Theaters mancherlei Hinderniffe entgegenstellten, ist leicht begreiflich, aber seine große Begeisterung und sein echtes Talent rangen sich siegreich durch. Er hatte das zwanzigste Jahr noch nicht erreicht, als er an die Bühne des damals ziemlich bekannten Direktors Karl Toelde ging. Für eine geringe Gage probirte er feine Begabung so ziemlich in allen Rollenfächern, um fich schließlich mehr mehr in das

komische Fach hineinznspielen. Publikum und Direktion waren ihm geneigt. Der damalige Direktor des Danziger Stadttheaters sah Grobecker eines Abends in einer äußerst komischen Rolle und er fand solchen Geschmack an den Leistungen des jugend­lichen Schauspielers, daß er ihn für 3 Jahre als ersten Komiker für feine Bühne engagirte und nach Ablauf dieser Zeit auf einige weitere Jahre. Bon Danzig ans unternahm er erfolgreiche Gastspiel­reisen nach den verschiedensten Bühnen Ost- und WestprenßenS. Danzig hat der Künstler nie vergessen und mit Vergnügen erinnerte er sich stets an die Zeit seiner dortigen Wirksamkeit. Gegen Ende des Jahres 1853 kam er nach Wiesbaden; von drei ihm gleich­zeitig augebotenen Engagement« hatte er fich für da« hiesige Theater entschieden. Der Debütant, dem fünf Proberolle» ansgegeben waren, wurde schon nach der zweiten fest engagirt und bald füllte et voll und ganz sein für jedes Schanspiel- ensemble so wichtiges Rollenfach an«, mit rastlosem Fleiß und künstlerischer Energie sein Repertoire immer weiter ausbauend Nachfolgend nur einige seiner hervorragendsten Rollen: Malvolio (Was ihr wollt), Zettel (Sommernachtstraum), Narr (Lear),Gobbo (Kaufmann von Venedig), Ambrosius (Viel Lärui um Nichte- Patriarch (Nathan), Wirth (Minna von Barnheliu), Vanse» (Egmont), Pater (Räuber), Kalb (Kabale und Liebe), Adam (Zer­brochener Krug), Pipenbrink(Journalisten), Bensberg (Goldfische) rc. Gastspielreisen führten den Künstler nach Danzig, Elbing, Bromberg Petersburg, Berlin (Wallnertheater), Weimar, Köln, Darmstadt' Aachen, Düsseldorf, Bremen, Mainz, Kassel, München (Hoftheater und Gärtnerplatztheater), Trier, Frankfurt a. M. rc.

Grobeckers Gedenktag seiner vierzigjährigen Wirksamkeit an unserer Hofbühne sollte vor einigen Jahren festlich begangen werde», der Künstler lehnte jedoch, darauf bezugnehmend, daß in Deutschland derartige Feiern bis dahin wenig gebräuchlich, und daß dieWiesbadenek Theaterbesucher damals gerade durch Abschiedsvorstellungen 2t. ftfir in Anspruch genommen waren, die öffentliche Feier seine» Jubiläum» ab und die wohlgemeinte Ovation unterblieb. Auch gestern mußt«