Wiksbckkmr TsMt.
45. Jahrgang.
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Verlag: Langgasse 27.
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No. 18. vezirkS-Fernsprechcr No. 52. DtSU^Ng, b<lt 12. IlNNtÜV* Bezirks-Fernsprecher No. 52. 1897.
(Nachdruck verboten.)
Kchttttenrecht!
Novellelte von I. Dolden.
Sic steht am Fenster.
Die Sonne, «ine kalte, bleiche Wintersonne, schaut neugierig zwischen dc» schweren Vorhängen hindurch, die sonst so gewissenhaft jeden Einblick verwehren.
Der Raum ist schön, traulich, gemüthlich, Reichthum und feiner Geschmack haben sich hier die Hände gereicht.
In der Tiefe des Zimmers, vor dem breite» Kamin, fitzt ein Mann in Kissen und Decken gehüllt.
Er hält den ergrauten Kopf leicht vorgeneigt, um dem Sonnenlicht auszuweichen, das so schmerzend dem Auge sein kann in seiner blendenden Helle.
Sein Blick haftet an den weichen, vollendeten Linien der am Fenster Stehenden.
Scharf wie eine Silhouette hebt sich ihre dunkle Gestalt aus der grellen Belenchtung. Wie in rothes Gold getaucht leuchtet das Haar, das hoch empor genestelt im Nacken zu winzigen Löckchen sich ballt.
„Komm' aus der Sonne, Melanie, Du blendest!" —
„Spötter!" — leise lachend läßt sie den Vorhang fallen, und mühsam wie zuvor drängt sich das helle Winterlicht durch ein Gewoge von Spitzen und rother Seide.
„Sie haben mich vergessen, Richard! Und ich hatte «ick so unsagbar auf diese Schlittenfahrt gefreut!"
Es ist rin kleiner, ungeduldiger Seufzer, mit dem sie nun dem Kaminplatz sich nähert.
„Man muß sich niemals nnsagbar auf etwas freuen, mein Herz!" — Er lehnt sich müde zurück in den hochlchnigen Sessel und zieht die Decke wie fröstelnd über das Knie.
„Ich sollte Dich eigentlich heute nicht allein lassen, Richard! Du siehst einmal wieder Gespenster." —
„Vielleicht!"
Sein ernster Blick hastet auf ihrem Gesicht, in den schönen, dunkeln Augen, die so ruhig, so leidenschaftslos, so frei zu ihm niederblicken. Ach, einmal darin die Flamme der Liebe anfleuchten zu sehen, eine Antwort zu finden auf das stürmische Werben seines Herzens! —
Einmal den häßlichen Argwohn aus der Seele zu banne», es könne ein Anderer kommen und den Zauberrnf zu diesem Sesam finden! —
— „Du bist so still, Richard! — Du sähest es lieber, ich bliebe hier, nicht wahr?" — so tief neigt sie den blonden Kopf über ihn, ihr warmer Alhcm weht über seine Stirn, aber sie küßt ihn nicht.
„Nein, Du sollst dabei sein, Melanie! Die Welt würde es mir mit Recht verargen, wenn ich Dir jedes Vergnügen versagte!" —
— „Die Welt!" Sie wiederholt daS eine Wort, und ein verächtliches Lächeln kräuselt ihre Lippen. „Als ob es nöthig wäre, nach ihrer Meinung zu fragen bei uns, bei Dir . . "
Abend-Ausgabe
GrößenverhLltmsse aller Staate« der Erde
Vergleichende Große aller Staaten der Erde nach ihrem Flächeninhalte in Quadrat-Kilometern.
EUROPA ---- 9,923.734 Quadrat-Kilometer
Russland
Forjpg»! Crtayeuld. Serbien Sehweti
48.590
<1446
IQ4.786
ISl
Russland
Afghanistan
Japan
Spei. Baaita
Kore»
330.0*0
AUSTRALIEN u. OCEANIEN -----
AFRIKA
es 29,886.96© Quadrat-Kilometer.
84.200 17.000 11.500 8787
AMERIKA --- 39,222.910 Quadrat-Kilometer,
o
Kartegraphts,
Salradn 81.070
Vereinigte Staaten
9,460.000
ünibhln».
Gebiet der Sahara
6,600.000
Brasilien
8,301.400
Britischer
Besitz.
(Indien etc.)
5,244.000
Oran}* Fr^etr-et 181.070
Britischer Besitz
8,850.000
Brlt. Besitz und
Schutzgebiet
6,060.000
China
mit seinen Nebenlandern
11,081.100
Britischer Besitz (Canada etc.) 9,490.000
EM es= 44,275.130 Quadrat-Kilometer.
8600 »97
ftellungen des genannten, rühmlichst bekannten Statistikers und hoffen dadurch unseren Lesern einen willkommenen Dienst zu erweisen. Juteresstrt sich doch
nnterthanen centralasiatischen Gebiete der größte Kolonialstaat Asiens, an Flächeninhalt, natürlich nicht an BevölkernngSzahl, den Koloß mit thönernen Füßen, China, um mehr als sechs Millionen Quadratkilometer übertreffend. Der größte Kolonialstaat — wir sagen absichtlich nicht Kolonialmacht — ist vor wie nach England, dessen Gesammtbesttz von fast 30 Millionen Quadratkilometern den Rußlands noch um fast 7 Millionen Quadratkilometer übertrifft. Australien gehört dem Briten ganz und sowohl in Afrika, als in Amerika ist er der erste Großgrundbesitzer. Deutschland wurde
Das Abgeordnetenhaus trat heute in die zweite Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volksschulen, ein. In der Spezial- bcrathung wird § 1 ohne Debatte angenommen. — § 2 bemißt
der Lehrer zu gute. Der Antrag Seyffardt bedinge höhere An-
eesst-Ld.
18.140
02.675 63.110
fordernugen an die Gemeinden, und diese würden bei der unleugbare» landwirthschastlichen Nothlage auf dem flachen Lande sehr schwer empfunden werden, auch auf die soziale und amtliche Stellung der Lehrer zuriickwirkeu. Ein junger Lehrer könne bei freier Wohnung mit dem Baareinkommen von 900 Mk. im ersten Jahre wohl auskommen; er stehe damit mit dem Durchschnitt der Gemeinde-
Flca- rag na IM.USO
Dominik.
Eep. Haiti
48.680 88.680
O D
Preußischer Landtag.
n- Krrlin, 11. Januar.
Abgeordnetenhaus.
KaSrlstaa Portx. Coloslen 71.000 0 20.000
Asiatische T3rkei e. Arabien
4,100.00- i
Liberi» 85.850 o
Chile
970.100 EenaAöT ParagWBy „ "J®™*
«07^00 26-.100 MA LÄO
O
TSrkel Rnmsnien Bulgarien iTyao ist-^so eo^oo
O D
VIl/l— ■
Span. Goate- Besltz male las.eoo 126.100
30.863 33.000 89.457 0.085 8.687 46» 46» 6»
_ . Mnlseh. r_ _ Honen, Zranzös.
ras (o.orö.uo Besitz Cotta rlca
117.820 90.810 82.000 64.070
8,962.384
Quadrat-Kilometer,
Hiederllnd. Dentwh.
Besitz Beatle
897.200 860.300
Sibirien, Turkestan, das Amurgebiet und die Vasallenstaaten Chlwa und Buchara
17,330.000
das Grundgehalt für Lehrer auf 900 Mk., für Lehrerinnen auf 700 Mk. Abg. Seyffardt. Magdeburg (nat.-lib.) bringt den in der Kommission bereits ab-
K!e4<glan4o Belgien Kan^MgK tasanbut ae«prr. Ueohtgnstdn S. Mytoo ttapa»
Mittleres Afrika
Oalh- and 6caiti-I»nd 4,000.00 »
heute ein Jeder mehr oder Weniger für politische Fragen. Da» Verständniß für dieselben aber gründet sich auf eine Reihe von Vorkenntnissen, die im Allgemeinen in der Schule nicht gelehrt werden und die zu erwerben nicht Jedem vergönnt ist. Die Tafeln des Professors Hickmann aber dürsten be- fRiderS geeignet sein, durch ihre augenfällige Uebersichtlich- kett Jeden schnell in die Geheimnisse der vergleichenden Statistik der Länder einznführen, und wir möchten unseren Lesern empfehlen, sich diese Abbildungen auezuschneidcn und sie aufzu» dewahren, denn sie sind bei der Beurtheiluug von politischen Fragen meist von großem Werth.
Wir beginnen heute mit einem Diagramm, welches die Größen- verhältnisse aller Länder dieser Erde ihrem Flächeninhalt nach in der denkbar anschaulichsten Weise offenbart. DieTafel redet für sich felbcr genug, doch mögen einige Bemerkungen an die dort ad oculos demonstrirteu Verhältnisse geknüpft werden.
Betrachten wir zunächst die Größenverhältnisse der europäischen Staaten, so ergiebt sich die einigermaßen beängstigende Thatsache, daß der „nordische Koloß", Rußland, nicht mir einen größeren Flächeninhalt hat als sämmtliche Großmacht- läuder Europas vereint, sondern daß es fast noch eine Million Quadratkilometer größer ist als ole europäischen Staaten zu- fammengenommen.Das Deutsche Reich würde in ihm etwa 10-mal Watz finden, der kleinste europäische Staat, da« Fürstenthuni Monaco, gar 246,702-mal. Zu der erschreckenden Größe Rußlands steht zum Glück seine Be- vStterungSziffer — wie solche in
glieder auf demselben Lebensfuße, und das fei der richtige Maßstab für feine Stellung. Ein ganzes System von Normalgehältern, wie es den Lehrern als Ideal vorschwebe, sei in einem großen Staate mit vielen provinziellen Verschiedenheiten nicht möglich, brauche jedenfalls johrelange Vorbereitungen, und so lange könnten und dürften die Lehrer nicht mehr warten. Mit Anuahme der Vorlage werde Preußen auch in der Bcsolduugsfrage an die Spitze des Schulwesens gestellt werden, wohin es gehöre. — Abg.
GreO- Brite»« ten Italien 31M6O 8S6JS8»
FrantSsisehe Colonien u. Schutzs tasten: Annim, TODkÜlg, Carabodseh»
gelehnten Antrag wieder ein, dafür 1000 bezw. 800 Mk. zu setzen al» das Mindeste, was mau dem Lehrerstande zu bewilligen schuldig sei. — Abg. Dittrich (Centr.) hält den Mindestsatz von 900 Mk. für den Verhältnissen in den Landgemeinden des Ostens entsprechend; Tausende von Lehrern hätten ein solches Grundgehalt heute noch nicht. — Abg. v. Knapp (nat.- lib.) befürwortet den Antrag Seyffardt. — Abg. Kn örke (freis. Vollsp.) erklärt cs für taktisch verfehlt, Anträge zu stellen, von denen man von vornherein wisse, daß sie doch nicht durchgehen würden, und empfiehlt, wenn da» Gesetz zu Stande komme, an dem Kommissionsbcschlusse festzuhalten. — Abg. Rickert (freis. Ver.) beantragt die Erhöhung des Grundgehalts auf 1200 bezw. 1000 Mk. Dadurch das Gesetz zu Falle bringen zu wollen, liege ihm und seinen Freunden durchaus fern. — Abg. v. Heydcbrand (kons.) spricht sich Namens seiner Fraktion für die Kommissionsbeschlüsse aus; angesichts der günstigen Finanzlage sollten die Altersznlagcn erhöht werden; die Anträge auf Erhöhung der Grundgehälter entsprängen lediglich dem Interesse der großen Städte. So lauge nicht ein richtiges Volksschnlgesetz geschaffen sei, könnten die Gemeinden nicht stärker belastet werden. — Kultusminister Bofse bittet im Interesse des Zustandekommens des Gesetzes dringend, bei der KommissionSfassung zu beharren. Der Finanzminister sei mit ihm, dem Redner, darin einverstanden, daß im Interesse der Lehrer selbst auf die Erhöhung der Alterszulagen das entscheidende Gewicht zu legen sei; zudem komme dies« allen, eine Erhöhung de» Grundgehalt« aber mir einem Theil
VLU? cows^t PÄ"-
? —f yso.igo yaa.Booe.iac.oqo
Mit dem beistehenden Diagramm aus Pros. HickmannS fleogr.-statist. Uuiversal-Taschen-Atlas eröffnen wir eine in kurzen Zwischenräumen erscheinende Serie von schematischenDar-
unaesähr 54-mal mit seinem Flacheugehalt in diesem Ländergebiete anfgehen, deffen Besitz übrigens keineswegs so ganz zweifelsohne für das Mutterland ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, daß die am weitesten fortgeschrittenen Kolonieen sich ablösen und sich selbstständig machen, und e« ist kaum daran zu denken, daß England die militärische Macht hat, sich dem dauernd zu widersetzen. In dieser Hinsicht ist Deutschland mit seinen Kolonieen besser daran. Es besitzt in Afrika und im großen Ocean immerhin ganz ansehnliche Gebiete von zusammen 2,641,400 km1, ein Areal, welches das des Mutterlandes fast um das Fünffache übertrifft.
Ein weiteres Studium des Diagramms ergiebt noch eine Menge intereffantcr Thatsachcu, mit denen sich der Leser an der Hand der gebotenen Flächen und Zahlen selber die Zeit in angenehmer und nützlicher Weise vertreiben mag.
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einem späteren Diagramm zur
Anschauung kommt — in keinem Berhältniß, sonst wäre «S offenbar schlimm um das Dasein der europäischen Staaten bestellt. Welche Bedeutung aber das jetzt schwach besiedelte, riesige Gebiet für die nicht zu ferne Zukunft haben kann, ergiebt sich schon aus der statistisch begründeten Hypothese, daß Europa in etwa lOOJahren 940 Millionen Einwohner zählt, fast dreimal so viel als heute. Es ist natürlich vorausgesetzt, daß die Bevölkerungsziffer, wie jetzt, jährlich um etwa 0.88 pCt. wächst und daß nicht etwa das sranzösifche Zweikindersystem auch anderswo praktischen Anklang findet. Statt also Rußland zu fürchten, darf man in Hinsicht auf die immer näher rückende lieber« völkerungSsrage mit einiger Hoffnung nach dem noch freien Platz in dem riesigen Reich und feinem ungeheueren sibirischen Hinterland schauen.
Ist das europäische Rußland das größte Reich in unserem Erdtheil, so ist daSasiatischeRußland, Sibirien, nütbem dem Czaren
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994.300 818.490 800.990 710.099 *98400 Bepoina B-au «TVO.vw aa. c-« o an Mi
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Hell klingendes Schellengeläute machte fie verstummen und au das Fenster treten.
Ein elegantes Gespann, eine sogenannte Troika, hält vor der Einfahrt. Bei jeder Bewegung der feurigen Rappen klingen die Glöckchen an der hochstehenden Gabel.
„Graf Lüttringshans!" sagt halblaut die junge Frau und läßt den Vorhang fallen.
„Ich glaubte, Retzow würde mit Dir fahren! Hast Du eine Erklärung dafür, Melanie?"
Der meldende Diener überhebt sie der Antwort.
— „Wir lasten bitten!" — Immer noch haftet sein Blick auf ihr, groß, durchdringend, fragend. Da öffnet sich die breite Thür für den Gast.
— „Lückenbüßer!" sagt die frische, fröhliche Stimme des Eingetretenen eben noch einmal.
„Der Retzow läßt tausendmal um Entschuldigung bitten, wurde fünf Minuten vor Abfahrt zum Dienst bei Hoheit befohlen! — Wollen Sie sich meiner Führung anvertrauen, gnädigste Frau?" —
Draußen klirren die Glöckchen der Troika, der silberne Ton dringt herein wie ein helles, lockendes Lachen.
— „Aber gewiß, Graf! — Das heißt, Du bist doch einverstanden, Richard?" — Sie ist dicht an den Gatten herangetreten.
„Oder soll ich bleiben, noch ist es Zeit!" beginnt sie teife.
— — — „Gern?" — fragt er ebenso gedämpft zurück, ein mattes Läckeln erhellt sein blaffes GrW.
