Wiesbadener Sagblatt
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N-.7. Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Mittwoch, den 6. Januar.
1897
Bezirks-Fernsprecher No. 52.
Morgen-Ausgabe
nm
Wer dürft' es sehen, wer erkennen, ohne selig zn preisen? Da» so herrlich, hold, erhaben mit die Seele mutzte laben!— Heil feinem Schöpfer, Anbetnug Jhup! — Mein Freund, wollen Sie die Tüte haben, dem trefflichen Künstlerpaar zu sagen, datz seine Leistung «ich entzückt und begeistert hat; meinen herzlichen Dank, wollen Sie
Aus Stadt und Zand.
Wiesbaden, 6. Januar.
— Personal-Nachrichten. Die durch den Tod des Inspektors Peter Meyer freigewordene Stelle des ersten Vorstehers der beiden StaatSbahnhöse ist Herrn Vorsteher Gründler aus Wuz a. Rh. übertragen worden.
— Einen interessante» Fund machte Herr H. König (Gärtnerei: Biebrichcrstraße 6), indem er beim Umgrabcn des Landes auf eine Wasserleitung stieß. Dieselbe läuft von Südosten nach der Stadt zu und besteht aus außerordentlich fest gebräunten Thonröhren, welche von einem auSgehöhlteu Sandsleiublock unterbrochen werden. Bekanntlich find in derselben Gärtnerei schon vor Jahren ähnliche Rohre allsgegraben worden, welche sich jetzt int hiesigen Mnseum befinden. Die Leitung fuhrt offenbar von der Quelle „Heiligenborn" nach der Stadt. Diese Quelle lieferte im
Erhabener göttlicher Freund!
Kaum kann ich den morgigen Abend erwarten, so sehne ich mich ,-i(b der zweiten Vorstellung schon jetzt. Sie schrieben an Pfister- meister, Sie hoffen, daß meine Liebe ju Ihrem Werke durch di« in der Thal etwe utangelhafte Auffassung der Rolle des Kurwcnal Don Seiten MWerwurzerS nicht nachlaffen möge! — Geliebter! Wie konnten Si? nur diesen Gedanken sich anfkommen lassen! Ich bin begeistert, ergriffen. Entbrenne in Sehnfitcht nach wiederholter Anfführuttg! —
Dies wunderhehre Werk, Das uns Dein Geist erschuf.
Die Kabiirrttsordre über de» Zweikampf.
Zum Neujahrstage hat der Kaiser und König neue Vorschriften über die Behandlung von Ehrenhändeln im preußischcu Heere erlassen, wovon man nur hoffen kann, daß sie recht bald anch für die außerprenßischen Truppentheile verbindlich gemacht werden. Sie schaffen Handhaben,im Osfiziercorps wenigstens den f rivolcnZwcikantpf durch anständige Ansgleichrformen zn ersetzen. Einleitend heißt es darin: „Ich will, daß Zweikämpfen Meiner Offiziere mehr als bisher vor- gebeugt wird. Die Anlässe sind oft geringfügiger Natur, Privat- strcitigkeiten und Beleidigungen, bei denen ein gütlicher Ausgleich ohne Schädigung der Standesehre möglich ist. Der Offizier mutz cs als Unrecht erkennen, die Ehre eines Anderen anzutasten. Hat er hiergegen in Uebereiluug oder Erregung gefehlt, so handelt er ritterlich, wenn er an seinem Unrecht nicht festhält, sondern zn gütlichem Ausgleich die Hand bietet. Nicht minder muß derjenige, dem eine Kränkung oder Beleidigung widerfahren ist, die zur Versöhnung gebotene Hand annehnicu, soweit Standesehre und gute Sitten es zulasten. Es ist deshalb Mein Wille, daß der El>rcnrath hinfort grundsätzlich bei dem Austrage von Ehrenhändeln mitwirken loö. Er bat sich dieser Pflicht mit dem gewissenhaften Bestreben zu unterziehen, einen gütlichen Ausgleich herbeiziiführcn." Dazu wird folgender Weg vorgczeichnct: „Kommen zwischen Offizieren Privatstrcitigkeiten und Beleidigungen vor, die nicht alsbald auf gütlichem Wege standesgemäß beglichen werden, so sind die Bethciligten verpflichtet, unter Unterlaffmig aller weiteren Schritte, ihrem Ehrenrathe sofort Anzeige ztl macheu." Dec Ehreurath hat daun den Fall zu untersuchen und entweder 1. einen Ausgleichsvorschlag aufznstellen, oder 2. zn erklären, daß er sich nach Lage der Sache außer Stand sehe, einen Ausgleich vor- zuschlagen, daß vielmehr ei» ehrengerichtliches Verfahren nothwendig ki, öder aber 3. festznstellen, daß die Ehre der Betheiligten für nicht berührt zu erachten und deshalbwedereinGrundzurAufstellungeines Ausgleichsvorschlags noch auch zu einem ehrengerichtlichen Vcrfahretl vorhanden sei. — Das ehrengerichtliche Verfahren wird gemäß dcr Ver- ordnungvom2.Mai1874gehandhabtnuLkannauchanfdieEutscheidnng unter 1 und 3 eingeleitet werden, wenn das Verhalten eines der Betheiligten dazu Anlaß flieht. Gegen diese beiden möglichen Entscheidungen steht den Betheiligten außerdem die Berufung an das Unheil des Kaffer« zn. Ueber jeden Offizier, der diesen Bestimmungen zuwider einen anderen Offizier zum Zweikampf heranssordert oder die Herausforderung eines anderen Offiziers znm Zweikampf aunimmt, ist dem Kaiser sofort zu berichten. AuS diesen Bestimmungen spricht der feste Vorsatz, innerhalb des Osfizier- corpS den Zweikampf auf das zeitgemäße Mindestmaß herabzudrücken. Dabei bleibt die Verordnung aber nicht stehen; ihr letzter Satz verfügt: Geräth ein Offizier mit einem den Ehrengerichten nicht unterworfenen Offizier oder mit einer Privatperson in einen Ehrenhandel, so ist er — sofern nicht alsbald auf gütlichem Wege ein standesgemäßer Ausgleich stattfmdet - gleichfalls zur umgehenden Anzeige an den Ehreurath verpflichtet. Letzterer hat auch hier, soweit es die Umstände gestatten, unter Leitung des Kommandenrs auf einen Ausgleich hinzuwirken.
Aus Kunst und Leben.
* Dir f<d)e Zähne des Kaisers wurden am Dienstag von ihren Gouverneuren in das neue Reichstagsgebäude geführt. Die Prinzen durchliefen die große Wandelhalle und die anderen Säle, sich oft munter haschend, und weilten dann hu großen Sitzungssaal. Mit lebhaftem Jntereffe nahmen sie Alles in Augenschein und bestürmten den Direktor im Reichstag mit einer Flnth von Fragen; sie wunderten sich, daß auch große Männer an Pulten und in i Reihen wie in der Schule sitzet, müßten, daß sie (in der großen Wandelhalle) eine grobe Tafel cm der Wand hätten und auch Tiiilenktexe machten. Der Kronprinz erhielt zum Andenken das einz'ge dort noch vorhandene Exemplar mit der Beschreibung und hübschen Photographieen des Reichstagsgebäudes, feine Brüder je einen mit Reichswappen geschmückten Grundriß des Gebäudes.
* El» Krirf Ludwigs II. nn Magner. In der letzten Nummer der „Gegenwart" veröffentlicht Th. Zolling einen lesens- tvertheli Aufsatz über Richard Wagner und Georg Herwegh. Ans dem Nachlaß dieses Dichters ist zum ersten Mal ein fchwärmerischer Bries abgedruckt, dm der damals 20-jährige König Ludwig noch der berühmten Münchener Tristan - Aufführung (mit dem Ehepaar |= Schnorr, Sommer 1865) an R. Wagner schrieb. Er lautet:
NIterthum hauptsächlich das Trinkwaffer für Wiesbaden, während sie heute d.is städtische Schlachthaus mit Wasser versorgt.
— Für nnserr Uimrod« dürste es von Jntereffe sein, zn erfahren, daß die Freiherrlich v. Dun gerusche Jagd bei Hohenstein (bei Langenschwalbach) am 21. Januar, Mittags 12 Uhr, auf dem Gute Gicshübel bei Hohenstein verpachtet wird. Die ca. 800 Morgen große Wald-, Feld- und Wiesenjagd hat einen vorzüglichen Rehstand und dürfte deshalb viele Liebhaber finden.
— Uoch nicht dagewese». Die« läßt sich trotz Ben Akiba wohl sagen, wenn man hört, daß gestern zwei Doppelwaggons Mänse- und Rattenfallen (System Bender) im Bahuhos Dotzheim verladen wurden. Wer an der Station Dotzheim vorüberging, wird über das emsige Leben und Treiben daselbst gestaunt haben. Dnrch eine lauge Reihe von Arbeitern von der Fabrik bis zum Waggon glitten beständig Mäuse- und Rattenfallen. Es galt nämlich eine Lieferung mit Fallen dieser Art für die Firma Weißweiler und Kleberg in Köln, die bedeutendsten Kousmnenten dieses Artikels, zn verladen. Von diesen Fallen geht ein großer Theil nach Transvaal, ein Zeichen, daß die Bewohner des dunklen Erdtheils anch mit Nagern geplagt sind und daß das patentirte System Bender sich selbst dort durch seine Güte Anerkennug verschafft hat.
— Alkoholfreier Traubenmost. Die unter der Firma: „Rheinische Traubenmost - Gesellschaft Wiesbaden" konslitnirte Vereinigung bringt sterilisirten alkoholsreiet, Most, der aii§ rheinischen Trauben gepreßt wird, in den Handel. Dieser Most ist gekelterter Traubensaft, welcher nach Entfernung der Schmutzstoffe keimfrei gemacht worden und dadurch die Eigenschaft unbegrenzter Haltbarkeit auf der Flasche erlangt. Bekanntlich war Traubenmost seither ausschließlich mir während der Zeit der Weinlese zn erhalten, wahrend man nun unabhängig von der Jahreszeit stets Most zu trinken im Stande ist. Daß der Most ein ausgezeichnetes Geiinß- mittel darstellt, ist allen Denjenigen bekannt, die in einer Gegend wohnen, wo die Traube wächst und gekeltert wird. Nicht minder bekannt ist es, daß der Traubenmost von günstigster Einwirkung auf die Verdauung, wie Überhaupt ein Getränk ist, welches in hygicinischer Beziehung um so größere Bedeutung gewinnt, wenn dasselbe frei von Hefen und Bakterien geliefert werdcir kann. ES wird ferner darauf hingewiesen, daß der sterilisiite Tranbenmost, als Sturmittel verwendet, die größte Bedeutung verdient. Die Traubenkur, wie sie während der Herbstmonate z. B. Seitens der Stur» dircklion Wiesbaden veranstaltet wird, zeigt feit Jahren, daß ein lebhaftes Bedürfnis; für dieses Knrmittel vorhanden ist; durch die Einführung des sterilisirten Tranbensastes ist also auch in der Ans- sühruug der Traubenkur vollständige Unabhängigkeit in Bezug auf die Jahreszeit eingetreten. Schließlich sei erwähnt, daß alle diejenigen Kreise, welche für die Einführung alkoholfreier Getränke im Kampfe gegen den Alkohol thätig sind, dem sterilisirten Traudeiunost da» größte Interesse entgegenbriugen. Die Firma: „Rheinische Tranbeninost- Gesellschaft Wiesbaden" ist in Deutschland die erste, welche dieses Produkt darstellt und zum Verkauf bringt. Alle seither empfohlenen alkoholfreien Getränke haben einen unangenehmen Beigeschmack und kann keines derselben für sich in Anspruch nehmen, daß es ein angenehmes Getränk ist, wie die Natur es liefert, und gerade hierin liegt u. 81. die große Ueberlegeuheit des rheinischen sterilisirten Traubenmostes über alle jene Präparate.
— Die Gesfnuug von Briefe» von Seiten einer Privat- Vcrkehrs-Anstalt behufs Ermittelung des Absenders zwecks Rückbeförderung des Schreibens an denselben, wenn dasselbe als unbestellbar sich erweist, erscheint der Berliner Staatsanwaltschaft nicht al« Verletzung des Briefgeheimnisses. Ju einem solchen Falle war gegen den Leiter einer Berliner Prtvatpost Anzeige erstattet worden, welcher indessen vom Staatsanwalt am Landgericht in Berlin I eine Folge nicht gegeben wurde. Auf erhobene Beschwerde erklärte der Oberstaatsanwalt des Kammergerichts, eine Anstalt, welche die Vermittelung de« Briefverkehrs übernimmt und verschlossene Briefe von der Beförderung nicht ausschließt, werde ihrer Aufgabe nicht voll gerecht werden können, wenn sie sich nicht für befugt erachten darf, einen an den Adressaten unbestellbaren Brief zn eröffnen, um dessen Absender festzustellen und so dem völligen Verlust des Briefes vorzudeugen. Hieraus werde aber nicht die Folgerung zu ziehen fein, daß die Verkehrs-Anstalt ihren Betrieb einstelle» muß, sondern, daß derjenige, her dieser Möglichkeit nicht sich ausietzen will, mit einer solchen Anstalt keinen Beförderungsvertrag abschließen darf.
ihn den Beiden künden? Ich bitte Sie, erfreuen Sie mich bald mit einem Briese! — Nicht wahr, mein tljeurer Freund, der Muth zu neuem Schassen wird Sic nie verlassen, im Namen Jener bitte ich Sie, nicht zu verzagen. Jener, die Sie mit Wonnen erfüllen, die sonst mir Gott verleiht! Sie und Gott! Bis in den Tod, bis hiniiher nach jenem Reiche der Weltennacht, bleibe ich
Ihr
Berg, den 12. Juni 1865. treuer Ludwig.
Adr.: Dem Wort- und Tondichter
Richard Wagner
München.
Wenn dieser verzückte Brief „ParcivalS" — so nannte Wagner im engen Freundeskreise den König — von einer krankhaft mystischen Exaltation spricht, so ist daran zn erinnern, daß Wagner damals ganz im nämlichen Tristanstil schwelgte, wie feine vertraulichen Briese an die Freundin Eliza Wille bezeugen. Da schreibt er ihr einmal: „Gestern war ich vor Erstaunen über da« Wunder dieses himmlischen königlichen Freundes so ergriffen, daß ich nahe daran war, vor ihm hinzusinken." Nicht mit Unrecht schüttelten die Freunde über solche Verstiegenheit die Köpfe und meinten: „Das kann nicht dauern!" Und schon nach wenigen Monaten brach in München bekanntlich das Unwetter gegen den „Günstling" los.
* Optischen Signalen, welche dem Lokomotivführer anzeigen, ob die Einfahrt in bcu Bahnhof, das Pafßren von Weichen rc. gestattet oder nicht, wie man sie auf den Eisenbahnen hat, ähnliche Signalvorrichtrnigen wendet man in London zur ReguUrung des Wagenverkehrs in bcu Straßen neuerdings versuchsweise an. Bekanntlich ist der Fuhrwerksverkehr in Loudon ein außerordentlich großer, da Stadt- und Pserdebahnlinien, elektrische Bahnen und dergleichen in der englischen Metropole durchaus nicht in dem Maße vorhanden sind, wie in den übrigen europäischen Großstädten; die zahlreichen, eng gebauten Straßen macheu einen derartigen Bahnverkehr für ganze Stadtviertel unmöglich. Um nun an den Haupt- krenzuiigkplätzen den aus den einzelnen Straßen kommenden Fuhrwerken schon von SBeitcm ein Hallezeichen zu geben und übermäßigen Stauungen vorzubeugen, sowie Feuerwehr- und öffentlichen Auszügen eine freie Gasse zu bahnen, ist an den kritischen Stellen ein hoher Mast auf gestellt worden, der durch eint elektrische Leitung mit einem
- Kleine Aotiren. Der frühere Besitzer einer Milchkuranstalt an der Walkmühlstraße, H„ ist unter Zurücklassung seiner Familie verschwunden. — Beim Vogelfang ertappt und zur Anzeige gebracht wurden zwei Einwohner Dotzheims von dem Flur« schützen Raufchenderger aus Kloster Clarenthal.
Vereins - Nachrichten.
Riirje sachliche Berichte werden bereilwillgit unter dieser Ueberschrikt ausgenommen.
* Der „Thierschntzverein" hält heute Abend um 8l/i Uhr im Garteusaal des „NomienhofS" eine allgemeine Versammlung ab.
* Der „Wiesbadener Beamten -Verein" wird sei diesjähriges Wintervergniigen am 9. d. M. in den Sälen des Kasino durch Konzert und Ball abhalten. Zn dem Konzert haben Fräulein Marianne ScheNck (Sopran) nnd die Herren Kammermusiker Ernst Lindner (Violine) und H. Herniig (Klavier) ihre Mitwirkung zn- gesagt. Ferner wird der unter der Leitung des Herrn A. Hassej- mann stehende gemischte Chor, sowie ein Männerchor verschiedene Lieder zum Vortrag bringen. Ein Ball unter Leitung des Herrn Tanzlehrers R. Seid schließt sich dem Konzert an. Wegen Einführung von Gästen wolle mau sich an den Vorstand wenden.
Stimmen ans dem Publikum.
(Für Veröffentlichungen unter dieser Überschrift überuimmt die Redaktion teinetiti Verantwortung.)
* Wie ost wurden nicht schon die Kutscher gemahnt, an den Straßen-Kreuzungen laugsanier zu fahren; daß ab« Seitens der Wageiilenker trotzdem in dieser Hinsicht noch viel gefiindigr wird, beweisen die zahlreichen, eben dieser leidigen Angewohnheit bet Genannten znzuschreidenden Unglückssälle, welche jährlich geschehe» und welchen meiftens alte Leute und Kinder zum Opfer fallM. Am Samstag Nachmittag wäre um ein Kleines wieder einmal eilte alte Daine von einem in schnelleui Trabe scharf um die Ecke einer im südöstlichen Stadttheile gelegenen Straße fahrenden Herrschaft-» wagen überfahren worden. Darum immer und immer wieder die Warmiug: langsam und dem Trottoir nicht zn nahe um die Straßenecke fahren, Ihr Herren Kutscher!
— Kiedrich, 5. Januar. Herr Backsteinbrenner Joh. Klein verkaufte fein Besitzt!)um „Kahlemiihl" für 54,000 Mk. an Herr» Löh » ert, Direktor der Stroueubrauerei Wiesbaden. Im Dezember 1891 wurde die „Kahlemiihl" von Herrn Reitz an Johann Effelberger zu 28,000 Mk. verkauft, ein Beweis, wie solche Besitzungen jin Werth gestiegen. " ,
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Vermischtes.
* Ei» origineller General. Mit dem General Poilloue de Saint Mar«, bisherigen Kommandanten des XII. Armeecorps, dem soeben der Abschied bewilligt worden ist, verschwindet eine der merkwürdigsten Erscheinungen aus der sranzöfischeu Armee. Gefürchtet wegen feiner Strenge und der hohen Änfordernngen, die er im Dienste stellte, hat er doch durch eine geradezu väterliche Fürsorge für das Wohl seiner Untergebenen sich deren Liebe stets zu erhalten gewußt. Aber nicht nur im Heere wird sein vorzeitiger Rücktritt lebhaft bedauert werden, denn Saint Mars war in ganz Frankreich außerordentlich populär. Von Keinem werden mehr liebenswürdige und hnmoristische Züge erzählt. Der größte Vorzug des Soldaten war für ihn Gewandtheit und Beweglichkeit. Eines Tages gab er als Oberst feinem ganzen Regimente Nachturlaub. Aber als die Leute zur festgesetzten Stunde vor der Kaserne ankamen, fanden sie das Thor verfchlossen und mußten wohl oder übel die riesige Maner erklettern. Wer am nächsten Morgen nicht in seinem Bette auf» gefunden wurde, bekam sobald kein Nachtzeichen wieder. Ein andermal war ein Soldat wegen eines mit unglaublicher Wage- halsigkeit nntcrnommenen nächtlichen Ausflugs bestraft worden. Der Oberst bestätigte die Strafe, ernannte aber den Uebelthäter — zum Vorturner. Oftmals hielt er seine Leute ans der Straße an und fragte sie nach Dem und Jenem. „Wann läßt Du in der Schlacht zum Rückzug blasen?" herrschte er einmal plötzlich einen Rekruten an. Dieser aber ließ sich nicht verblüffen. „Niemals, Herr General!" Zwei Tage darauf erhielt er ein schönes Messer mit drei Klingen, ans dessen größter zu lesen war: „Niemals znm Rückzug!" — Am dekaimtesten aber machte sich de Saint Mars durch feilte Erlasse als CorpsbefehlShaber, die wegen ihrer ungemeinen Lebendigkeit nnd drastischen Altsdrncksweise stets durch
den Stand des Policeman kennzeichneudeii eisernen Pfosten verbunden ist. Drückt der Schutzmann auf einen Knopf, so wird oben an der Signalstauge eine Tafel mit der Aufschrift „Stopp" sichtbar, und zwar kann diese Tafel vom Standorte des Schutzmanns aus so gedreht werden, daß sie in der Straße, welcher die Warnung gilt, bemerkt wird. Abends wird die Vorrichtung elektrisch beleuchtet. Die Einrichtung ist ebenso sinnreich wie, praktisch; nur dürfte sie sich bei dem berüchtigten Londoner Nebel öfters als wenig brauchbar erweisen.
* Hnndemode». Der „GanloiS" brachte in einer (einer letzte» Chromqne de I'EIögance die Mittheilung, daß in den Hundemoden eine Acnderung eingetreten fei. Letztes Jahr verfertigte der Künstler, der die großen und kleinen vierbeinigen Lieblinge der Damen mit Mänteln nicht nur, sondern auch mit Roben, Leibwäsche und Schubwetk versieht, die schützenden Hüllen im Einklang mit den Straßen- oder Haustoiletten der Herrinnen. Jetzt aber erhalten die Köter und Koterchen Mäntel, deren Farbe und Stoff möglichst mit ihrem Fell übereinftimiuen muß; ein pommerscher Spitz z. B. einen Paletot ans schwarzem Atlas mit lobefarbenem Futter ans Dainhirschleder, ein winziger belgischer Pinscher ein Mäntelchen ans grauem ©eibeufammet mit natürlichem Biberfell emgefaßt re. Wie die „Paix" erzählt, veranstaltete die junge Frau Ephrufsi. eine Tochter des Barons Alphonse v. Rothschild, ncultdj ein Familienfest, bei dem die Hunde, ihre eigenen und die ihrer Bekannten, die Hauptrolle spielten. Es galt die Vermählung ihres Pudels Diana zu feiern. Die „Braut" trug ein Schleppkleid aus weißem Atlas, mit einer Garnitur von Orange» blütheu, nnd der Hochzeitszug, bestehend ans den Hunden und Hündinnen der feinsten aristokratischen Gesellschaft, war ebenfalls in großer Toilette. Der Bullenbeißer des Grafen de Berteux war „Standesbeamter" mit einem Cylinderhute auf dem Kopf und einer dreifarbigen Schärpe um den Leib. Auf den Besohl seines Herrn dellte er das „Brautpaar" dreimal an, und der Ehebund war besiegelt. Die „Libre Parole" bemerkt, die Gaste bet bitfem schmählichen Vorgang seien größtentheils in Klöstern oder bei fromme- Patres erzogen worden und sollten sich schämen, ein Sakrament da katholischen Kirche auf diese Weise zu verhöhuen. Ein Ausfall "äS- „Antoritö" gegen die christlichen Gäste und die jüdischen GastgeM bedient sich noch viel schärferer Ausdrücke.
